Educational
053
Der Geschmack der Freiheit – Den letzten Schliff haben wir vergangenen Herbst gesetzt, – begann Vera Ignatjewna ihre Erzählung. Stundenlang haben wir Tapeten ausgesucht, uns bis zur Heiserkeit über die Farbe der Badezimmerfliesen gestritten – und dabei lächelnd daran gedacht, wie wir vor zwanzig Jahren von dieser „Drei-Zimmer-Wohnung“ geträumt haben. – Na endlich, – sagte mein Mann zufrieden, als wir das Ende unserer Renovierung feierten, – jetzt können wir unseren Sohn unter die Haube bringen. Misha wird seine Frau hierher bringen, sie werden Kinder bekommen und unser Haus wird laut, lebendig – ein echtes Zuhause eben. Doch seine Träume sollten nicht in Erfüllung gehen. Unsere älteste Tochter Katja kam mit zwei Koffern und zwei Kindern zurück ins Elternhaus. – Mama, ich habe keinen anderen Ort mehr, – sagte sie, und diese Worte haben all unsere Pläne auf einen Schlag zunichte gemacht. Mishas Zimmer haben wir den Enkeln gegeben. Er hat es zum Glück mit einem Achselzucken genommen: – Kein Problem, bald hab ich ja mein eigenes. Sein „eigenes“ – das ist die Ein-Zimmer-Wohnung meiner Mutter. Auch dort ist alles frisch renoviert, und wir hatten sie an eine junge Familie vermietet. Jeden Monat kam eine kleine, aber sehr wichtige Summe auf unser Konto – unsere „Notreserve“ für die Zeit, in der wir alt und hilfsbedürftig sein würden. Einmal habe ich Misha und Lera, seine Verlobte, dabei gesehen, wie sie an diesem Haus vorbeigingen und, mit erhobenen Köpfen, darüber diskutierten. Ich wusste natürlich, worauf sie hofften, aber ich bot ihnen nichts an. Bis ich eines Tages hörte: – Vera Ignatjewna, Misha hat mir einen Antrag gemacht! Wir haben sogar schon einen Platz für die Hochzeit gefunden! Können Sie sich das vorstellen? Mit einer richtigen Kutsche! Und einer Harfe, live! Und einer Sommerterrasse! Die Gäste schlendern im Garten… – Und wo wollt ihr nach der Hochzeit wohnen? – konnte ich nicht anders und fragte nach. – So eine Hochzeit geht sicher ins Geld! Lera schaute mich an, als hätte ich nach dem Wetter auf dem Mars gefragt: – Erstmal wohnen wir bei Ihnen. Und dann – schauen wir weiter. https://clck.ru/3RKgHm – Katarinas Zimmer ist schon mit Kindern voll, – sagte ich langsam. Es wird eher eine WG als eine Wohnung. Lera schob die Lippen nach vorn. – Ja. Bei euch ist das wohl keine Option. Dann suchen wir uns eben ein echtes Studentenwohnheim. Da mischt sich wenigstens keiner ein. Dieses spitze „keiner mischt sich“ traf mich. Habe ich mich etwa eingemischt? Ich wollte sie nur vor einem törichten Schritt bewahren. Später folgte das Gespräch mit Misha – mein letzter Versuch, ihn zu erreichen. – Sohn, warum dieses Gehabe? Heiratet einfach still und legt das Geld als erste Anzahlung zurück! – meine Stimme zitterte vor Sorge. Er blickte starr aus dem Fenster. – Mama, warum feiert ihr seit fünfundzwanzig Jahren jedes Ehejubiläum im „Goldenen Drachen“? Ihr könntet doch auch zu Hause bleiben – wäre doch billiger. Darauf wusste ich keine Antwort. – Na also, – spottete er, – ihr habt eure Tradition, wir schaffen unsere eigene. Er setzte unser bescheidenes Familienessen mit ihrer Hochzeits-Show für eine halbe Million gleich! In Mishas Augen sah ich keinen Sohn, sondern einen Richter. Einen, der sein Urteil gesprochen hat: Ihr seid Heuchler. Euch ist alles erlaubt, mir nichts. Vergessen hatte er dabei, dass sein Vater und ich immer noch den Kredit für sein Auto abbezahlen. Über unsere „Notreserve“ hat er nie nachgedacht. Aber jetzt braucht er eine Hochzeit! Und was für eine! Am Ende waren Sohn und Schwiegertochter auf mich beleidigt – besonders, dass ich die Schlüssel von Omas Wohnung nicht rausrückte. *** Eines Abends kam ich sehr spät in einem fast leeren Bus nach Hause und sah mein Spiegelbild. Eine müde Frau, viel älter als sie eigentlich ist. Mit schwerer Einkaufstasche und Angst im Blick. Plötzlich, mit schmerzhaft klarer Erkenntnis, wurde mir bewusst: Ich mache alles aus Angst! Angst, zur Last zu werden. Angst, von den Kindern verlassen zu werden. Angst vor der Zukunft. Ich gebe Misha die Wohnung nicht, weil ich sie nicht entbehren kann, sondern weil ich fürchte, am Ende mit nichts dazustehen. Ich zwinge ihn, sich selbst zu behaupten, zahle ihm aber gleichzeitig sein Leben: Was, wenn er es nicht schafft und enttäuscht ist? Ich fordere reife Entscheidungen von ihm, behandle ihn aber wie ein Kind, das nichts versteht oder kann. Eigentlich wollen Misha und Lera einfach einen schönen Start ins Leben – mit Kutsche und Harfe. Albern und verschwenderisch, aber letztendlich ihr gutes Recht! Solange sie selbst zahlen. Also vereinbarte ich mit den Mietern, dass sie schnellstmöglich eine andere Bleibe finden. Einen Monat später rief ich Misha an: – Kommt vorbei. Wir müssen reden. Sie kamen vorsichtig, kampfbereit. Ich stellte Tee auf den Tisch und legte den Schlüsselbund der Wohnung meiner Mutter daneben. https://clck.ru/3RKg9f – Nehmt ihn. Aber freut euch nicht zu sehr: Das ist kein Geschenk. Die Wohnung steht euch ein Jahr zur Verfügung. Bis dahin müsst ihr euch entscheiden: Entweder nehmt ihr einen Kredit auf oder bleibt – aber zu anderen Konditionen. Die Miete für das Jahr – geschenkt. Sehen wir als meine Investition. Aber nicht in eure Hochzeit, sondern in eure Chance, eine Familie zu werden – und nicht bloß Mitbewohner. Lera riss die Augen auf. Misha starrte auf die Schlüssel. – Mama… und Katja? – Auch für Katja gibt’s eine Überraschung. Ihr seid erwachsen. Jetzt tragt ihr Verantwortung für euer Leben. Wir sind nicht länger euer Hintergrund und euer Bankomat. Wir sind einfach Eltern. Die lieben, aber nicht retten. Stille. Endlich. – Und die Hochzeit? – fragte Lera unsicher. – Hochzeit? – Ich zuckte mit den Schultern, – macht, was ihr wollt. Findet ihr eine Harfe – nehmt die Harfe. *** Sie zogen ab – und ich hatte plötzlich riesige Angst. Was, wenn sie scheitern? Was, wenn sie für immer auf mich böse sind? Aber zum ersten Mal seit Jahren holte ich tief Luft. Denn endlich hatte ich „Nein“ gesagt! Nicht ihnen – meinen eigenen Ängsten. Und ließ meinen Sohn ins Erwachsenwerden ziehen, ins unabhängige, manchmal schwere Leben. Wie auch immer es werden sollte… *** Nun die Sicht des Sohnes. Lera und ich wollten, dass unsere Hochzeit außergewöhnlich wird. Die Scheidung meiner Schwester machte unsere Pläne zunichte. Als Mama sagte, so eine Hochzeitsfeier lohne sich nicht, ist in mir etwas zerbrochen. – Warum feiert ihr dann euer Jubiläum immer im Restaurant? – schoss ich heraus. – Zu Hause wäre es günstiger! Ich sah, wie Mama blass wurde. Ich wollte wirklich verletzen. Ich war zutiefst gekränkt. Ja, sie haben mir das Auto geschenkt. Und? Ich hab nicht darum gebeten! Jetzt halten sie mir die Kreditrückzahlung immer vor. Was hab ich damit zu tun? Sie haben entschieden, sie zahlen. Sie haben die Wohnung renoviert. Angeblich für uns. Aber wohnen können wir da nicht. Omas „Ein-Zimmer-Wohnung“ ist ein Heiligtum – wichtiger als die Hochzeit des einzigen Sohnes! Und nun? Wie zeigen Lera und ich uns selbst und der Welt, dass es uns gibt, als Paar? Lera senkte einmal verschämt den Blick: – Misha, ich kann dir nichts bieten. Meine Eltern können nicht helfen – sie zahlen selbst eine Wohnung ab. – Du gibst mir dich, – antwortete ich, um sie zu beruhigen. Tief im Innern war ich jedoch wütend. Nicht auf sie, sondern auf die Ungerechtigkeit. Warum bleibt alles an meinen Eltern hängen? Und warum helfen sie mit so verbitterter Miene, als stecke mit jedem Euro ein Nagel mehr in ihren eigenen Sarg? Solche Hilfe tut nicht gut – sie macht schuldbewusst. Viel unausgesprochener Ärger lag in der Luft. Da kam der Anruf. Mamas Stimme war seltsam klar und fest. – Kommt vorbei. Wir müssen reden. Wir fuhren hin wie zum Richttag. Lera drückte meine Hand: – Sie wird unsere Hochzeit nicht unterstützen, flüsterte sie. – Gar nicht. – Vielleicht, – nickte ich. *** Auf dem Tisch lag der Schlüsselbund von Omas Wohnung. Den Schlüsselanhänger erkannte ich sofort – aus meiner Kindheit. – Nehmt ihn, – sagte Mama. Und hielt eine kurze, aber revolutionäre Rede. Über ein Jahr Zeit. Über Entscheidungen. Über das Ende des „Bankomats und Hintergrunds“. Das ewige Argument „wir haben keinen Platz zum Wohnen“ war verpufft, und die Hoffnung „Mama und Papa regeln alles“ niedergerissen. Ich hielt die Schlüssel. Sie waren kalt und irgendwie schwer. Und plötzlich kam die Erkenntnis, schmerzhaft und klar: Wir hatten viel gewollt und uns gekränkt, aber nie ehrlich mit den Eltern gesprochen: „Mama, Papa, wir verstehen eure Ängste. Lasst uns bereden, wie wir vorwärts kommen – ohne euch kaputt zu machen. “ Nein, wir erwarteten einfach, dass sie unsere Wünsche erraten und erfüllen – ohne Worte, ohne Bedingungen, mit Lächeln. Wie früher. – Und die Hochzeit? – fragte Lera leise. – Eure Hochzeit? – Mama zuckte die Schultern, – findet ihr eine Harfe, dann gibt es eine Harfe. Wir gingen hinaus. Ich spielte mit den Schlüsseln in der Tasche. – Was tun wir jetzt? – fragte Lera. Nicht wegen der Wohnung. Wegen allem. – Ich weiß es nicht, gab ich ehrlich zu. – Jetzt ist das unsere Sache… Diese neue Verantwortung war gruselig und gleichzeitig wild und befreiend. Und der erste Schritt war – zu überlegen, brauchen wir wirklich die Kutsche und die Harfe? Traditionen sind schön, aber sie müssen auf mehr gründen als nur einem besonderen Tag… *** Und wie ging es weiter? Das Erwachsenenleben von Misha und Lera begann tags drauf. Endlich zusammen! In einer eigenen Wohnung! Sie gehört ihnen (noch) nicht, aber immerhin. Klein, aber gemütlich. Alles frisch renoviert. Und keiner sonst da! Zuerst, natürlich: jeden Tag Gäste! Ist ja Freiheit! Nach einem Monat dann ein gemeinsamer Wunsch: ein Hund muss her! Und nicht irgendeiner – ein Großer! Lera hatte immer von einem Hund geträumt, durfte aber nie einen haben: Mama war dagegen. Bei Misha war es anders – er hatte als Kind einen Hund, doch der lief weg. Tragisch… Schnell zog das letzte Glücks-Element ein: ein süßer Retriever namens Lexus. https://clck.ru/3RKgGM Der Dreimonatige machte sich gleich bemerkbar: Ecken kratzen, Möbel anknabbern, Pfützen überall. Als Vera Ignatjewna die Kinder besuchen kam, war sie entsetzt: Von dem neuen Mitbewohner hatte sie keiner informiert. – Misha! Lera! Wie konntet ihr! Nicht mal gefragt! – Sie war den Tränen nah, – und warum überhaupt? Für so einen Hund muss man ständig da sein, und ihr lasst ihn allein! Klar, dass er alles kaputt macht. So viel Fell – räumt ihr das überhaupt weg? Und der Geruch! Nein! Das geht zu weit! Ihr müsst den Hund zurückgeben! Und zwar morgen! – Mama, – nickte Misha unzufrieden, – du hast uns die Wohnung für ein Jahr versprochen. Und jetzt willst du jedes Mal bestimmen, wie wir leben? Willst du die Schlüssel zurück? – Ganz sicher nicht, – rief Vera Ignatjewna, – ich halte mein Wort. Ein Jahr heißt ein Jahr. Aber: Ihr müsst die Wohnung im selben Zustand zurückgeben, wie ihr sie bekommen habt. Ist das klar? – Klar, – sagten Misha und Lera fast gleichzeitig. – Bis dahin braucht ihr mich nicht erwarten. Ich will das nicht sehen. *** Mama blieb dabei. Kam nicht mehr. Rief selten an. Vier Monate später war Misha wieder zu Hause – er und Lera hatten sich getrennt. Er erzählte noch lange, wie wenig sie haushalten konnte. Kochen klappte nicht. Sich um den Welpen nicht – erst recht nicht mit Gassigehen. Zum Schluss mussten sie Lexus zurückgeben. Es war eine Aktion. Eine Woche lang Überredungskünste. Hundefutter hatten sie für drei Monate gekauft – so hatte es der Züchter verlangt. Und das kostete! – Hast du dich da vielleicht mit Lera zu sehr beeilt? – fragte Vera Ignatjewna mit einem versteckten Lächeln, – Ihr wolltet doch Hochzeit – mit Kutsche und Harfe… – Hochzeit, Mama!? Ich bitte dich! Miet Oma ihre Wohnung ruhig wieder. – Wozu? Willst du nicht dort wohnen? Hast dich doch dran gewöhnt, oder? – Nee, dann lieber wieder hier zu Hause, – schüttelte Misha den Kopf, – oder bist du dagegen? – Ich bin immer dafür, – antwortete Vera Ignatjewna, – zumal es jetzt ohne Katja und die Kinder wieder ziemlich leer geworden ist…
Der Geschmack der Freiheit Den Umbau haben wir letzten Herbst abgeschlossen, begann ihr Bericht meine
Homy
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09
An Silvester rausgeworfen, Jahre später empfängt er sie wieder — doch an einem ganz anderen Ort Am Heiligabend werfen seine Eltern ihn hinaus. Jahre danach öffnet er ihnen die Tür – aber nicht dort, wo sie es erwarten.
Ausgeschlossen an Silvester, Jahre später öffnet er ihnen die Tür aber an einem unerwarteten Ort Durch
Homy
Verlassene Senioren auf dem Hof… doch als sie das Geheimnis lüften, ändert sich alles…
Alte Menschen vergessen auf dem Hof doch als sie das Geheimnis lüftenIm Herzen von Niederbayern, irgendwo
Homy
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019
Das Wochenendhaus – Es heilt alles – Bist du verrückt geworden? Ich habe Nina extra gesagt, dass du kommst! Sie hat extra für dich das beste Stück zurückgelegt! Irina stand wie erstarrt mit dem Einkaufstüte in der Hand. Die Schwiegermutter stand in der Küchentür, die Arme verschränkt, und blickte sie an, als hätte Irina nicht etwa Fleisch im Supermarkt gekauft, sondern gleich eine Bank ausgeraubt. – Frau Katharina, ich habe es einfach nicht rechtzeitig zum Markt geschafft, – versuchte Irina ruhig zu bleiben. – Nach der Arbeit musste ich noch Ihr Kleid aus der Reinigung holen, dann noch zur Apotheke… – Und zu telefonieren? Bescheid zu geben? Nina hat auf dich gewartet, bis zur Ladenschließung! Danach hat sie mir eine Stunde lang ins Telefon geheult, dass ich sie hängen lasse! Irina stellte die Tüte auf den Tisch. Ihr wurde mulmig zumute. – Das Fleisch ist gut, ganz frisch, – sie holte die Packung heraus, zeigte sie ihrer Schwiegermutter. – Sehen Sie, feinstes Rindfleisch, marmoriert, kühl gelagert… Katharina warf keinen Blick darauf. Sie trat an den Tisch, schob die Packung mit spitzen Fingern weg. – Supermarktware, voll mit Chemie. Sascha isst sowas nicht, sein Magen ist empfindlich. – Sascha hat genau das letzte Woche selbst gekauft, – platzte es aus Irina heraus. Ein Fehler. Die Schwiegermutter lief rot an. – Eben! Der Mann läuft selbst los, weil die Frau nichts auf die Reihe kriegt! Drei Jahre, Irina. Drei Jahre bist du in dieser Familie, und was hat’s gebracht? Du kannst nicht kochen, im Haushalt ist von dir keine Hilfe zu erwarten, und Kinder willst du auch keine… – Frau Katharina, das ist nun wirklich unfair. – Unfair? – schnaubte die Schwiegermutter. – Ich hab meiner Schwiegermutter die Füße geküsst und mich nie getraut, auch nur ein falsches Wort zu sagen. Und du? Bist aufsässig, ignorierst meine Ratschläge, machst dein eigenes Ding… Katharina ging in den Flur, zog ihre Tasche von der Garderobe. Jede Bewegung war eine kleine Demonstration. – Ich sag’s Sascha schon lange: Scheid dich, solange es noch geht. Such dir eine vernünftige Frau. Eine, die ihren Mann schätzt, statt… Sie brach ab, warf eine Handbewegung und schlüpfte in ihre Schuhe, ohne sich zu bücken. Irina stand in der Küchentür, krallte sich in den Rahmen. – Auf Wiedersehen, Frau Katharina. Die Schwiegermutter antwortete nicht. Die Tür fiel zu und es wurde still in der Wohnung. Irina rutschte langsam an der Wand herunter und setzte sich auf den kalten Küchenboden. Das Rindfleisch lag einsam auf dem Tisch, und sie hatte nicht einmal Lust, es anzusehen, nicht das Fleisch, nicht die blitzblanke Küche, und erst recht nicht die Hochzeitsfotos, auf denen Katharina so gezwungen lächelte, als hätte sie einen Nagel im Schuh. Drei Jahre. Drei Jahre hat sie sich Mühe gegeben. Rezepte gelernt, die Sascha aus Kindheitstagen mochte. Die Sonntagsessen bei der Schwiegermutter überstanden, bei denen jedes Gericht einen Kommentar bekam: »Unser Sascha isst die Kartoffeln aber nur gewürfelt, nicht als Streifen.« Gelächelt, genickt, sich entschuldigt für Dinge, die gar nicht in ihrer Verantwortung lagen. Und trotzdem – nie gut genug. Immer – »Besser wär’s, er würde sich trennen.« Irina lehnte den Kopf nach hinten, drückte ihr Hinterhaupt gegen die Wand. Die Decke müsste neu gestrichen werden. Das sollte sie Sascha sagen. Aber was soll’s. Zwei Wochen lebte Irina wie ein Partisan hinter feindlichen Linien. Auf Anrufe der Schwiegermutter antwortete Sascha, Sonntagsessen wurden mit »dringenden Terminen« abgesagt, und eine zufällige Begegnung endete mit einem schnellen »Hallo« und panischer Flucht. Dann rief der Notar an. Ihr Großvater, den sie kaum fünfmal im Leben gesehen hatte, war gestorben. Es stellte sich heraus, dass der alte Mann ihr ein Wochenendhaus vererbt hatte, keine vierzig Kilometer von der Stadt entfernt. Ein kleines Grundstück im Kleingartenverein »Morgensonne«. – Wir sollten zumindest mal nachsehen, – Sascha drehte den Schlüsselanhänger mit der abgewetzten Erdbeere in der Hand. – Fahren wir am Samstag hin? Irina nickte. Samstag war okay. Sie hatte eine Sache vergessen. – Sascha, ich komm mit! – Katharina tauchte Samstagmorgen um halb acht im Türrahmen auf, in Gummistiefeln und mit Körbchen. – Das soll da voll das Pilzparadies sein, sagt Nina! Irina begann schweigend, Tee in die Thermoskanne zu füllen. Sie sah einem »wunderbaren« – selbstverständlich ironisch gemeinten – Tag entgegen. Das Wochenendhaus war genauso, wie Irina es sich vorgestellt hatte. Ein windschiefes Häuschen, ein zugewucherter Garten, ein Zaun, gehalten von der reinen Hoffnung und zwei rostigen Nägeln. Im Inneren roch es nach feuchtem Holz und alten Zeitungen. – Sascha, – Irina zupfte ihn am Ärmel, senkte die Stimme. – Lass es uns verkaufen. Was sollen wir hier? Jedes Wochenende hin, Beete jäten… Das ist nicht unser Leben. Sascha öffnete den Mund, aber bevor er antworten konnte: – Wie verkaufen?! – Katharina erschien hinter ihnen wie aus dem Nichts. – Seid ihr verrückt? Das ist Land! Ein eigenes Grundstück! Für sowas… Sie legte die Hand auf die Brust, die Augen funkelten verdächtig. – Gebt mir die Schlüssel. Ich bring hier alles in Ordnung, pflanze Blumen, mache das Häuschen hübsch. In einem Jahr dankt ihr mir noch! Irina betrachtete sie skeptisch. Da stand die Schwiegermutter auf dem überwucherten Grundstück, die Stiefel in altem Laub, und strahlte regelrecht. – Frau Katharina, das sind… – Irina, – Sascha drückte sanft ihren Arm. – Lass Mama doch machen. Sie freut sich doch. Was soll’s, es schadet ja keinem. Schaden tat es wirklich nicht. Es war einfach… seltsam. Aber diskutieren wollte Irina erst recht nicht. Sie reichte ihrer Schwiegermutter wortlos die Schlüssel mit dem Erdbeeranhänger. …Zwei Monate vergingen wie im Nebel. Ein sonderbarer, surrealer Nebel, in dem Katharina nur noch aus praktischen Gründen anrief, nie unangemeldet aufkreuzte und – das Unglaublichste – kein einziges Mal vom Fleisch vom Markt, von fehlenden Enkeln oder falsch geschnittener Kartoffel sprach. Am Telefon war ihre Stimme munter, fast fröhlich: »Sascha, mir geht’s bestens! Hab alle Hände voll zu tun, wir hören voneinander!« Irina verstand nichts. Ein Trick? Die Ruhe vor dem Sturm? Oder war die Schwiegermutter ernsthaft krank und wollte es nicht sagen? – Sascha, – fragte sie eines Abends, – ist mit deiner Mutter wirklich alles in Ordnung? – Klar, – winkte Sascha ab. – Sie ist mit dem Wochenendhaus beschäftigt. Da gibt’s wohl mehr zu tun, als gedacht, sagt sie. Am Freitag rief Katharina selbst an. – Morgen seid ihr bei mir! Ich grille, zeige euch das Grundstück. Ich hab soviel geschafft! Kommt, dann seht ihr’s selbst! – Sascha, ich will da nicht hin, – Irina schüttelte den Kopf, als Sascha ihr die Einladung weitergab. – Zwei Monate Ruhe, und jetzt wieder volle Fahrt? – Sie hat sich so Mühe gegeben, Irina. Sie wäre verletzt, wenn wir nicht kommen. – Sie fühlt sich immer verletzt. – Bitte, – Sascha blickte sie so seelenvoll an, dass Irina nachgab. Gut, Samstag also… Und am Samstag erkannte Irina ihre Schwiegermutter nicht wieder. Katharina stand am Gartentor im Leinenkleid, die Arme braungebrannt und von frischer Röte überzogen. Das war kein aufgesetztes Höflichkeitslächeln, sondern eine echte, warme Miene, die sie Jahre jünger erscheinen ließ. – Ihr seid da! Endlich! – Katharina breitete die Arme aus, und Irina trat fast automatisch näher, ließ sich umarmen. Nach Erde, Dill und irgendwie Honig roch sie. Das Grundstück war kaum wiederzuerkennen. Ordentliche Beete zogen sich in Reih und Glied am neuen Zaun entlang, der den Wind jetzt locker überstand. Junge Johannisbeerbüsche trugen frisches Grün, und unter den Fenstern blühten Tagetes. – Kommt mit, ich zeig euch alles! – Katharina zog sie mit, ließ gar kein Zögern zu. – Da, Erdbeeren – ganz toller Sort, hat mir die Nachbarin gegeben. Im Juni gibt’s die ersten Früchte. Hier kommen Tomaten hin, und Gurken. Im Herbst koche ich ein, alles für euch, nur ein paar Gläser für mich. Irina warf Sascha einen verblüfften Blick zu. Er war genauso überrascht. – Mama, hast du das alles alleine geschafft? – Sascha wies umher. – Wer denn sonst? – Katharina lachte, hell und jung. – Ich hab Hände, einen Kopf, und Nachbarinnen helfen mit Tipps. Hier sind die Leute herzlich! Ganz anders als in der Stadt. Drinnen war alles frisch gemacht: neue Vorhänge, geputzte Fenster, auf dem Tisch ein gesticktes Deckchen. Der Muff von früher war weg, stattdessen duftete es nach Kuchen und Kräutern. – Hier, – stellte Katharina eine Milchflasche und ein Päckchen Pergament auf den Tisch. – Von Zinaida, zwei Häuser weiter. Eigene Milch, von der Ziege. Und das Fleisch auch – sie züchtet ein Rind. Ihr nehmt mit: Da ist noch Quark und Sauerrahm dabei. Irina starrte schweigend das Päckchen an. Eigenes Fleisch. Von der Nachbarin. Kein einziges Wort über Nina vom Wochenmarkt. – Frau Katharina, – platzte es aus ihr heraus, – geht es Ihnen… gefällt es Ihnen hier? Die Schwiegermutter ließ sich auf die Küchenbank sinken. Etwas Sanftes, Ungewohntes blitzte in ihren Augen auf. – Irchen, – nannte sie sie zum ersten Mal so, – ich hab mein Leben lang davon geträumt. Ein eigenes Haus, ein eigener Garten, Hände in der Erde, den Kopf frei. In der Stadt, da bin ich fast erstickt, ohne zu wissen, warum. Aber hier… Sie deutete zum Fenster. – Hier lebe ich. Auf der Heimfahrt war es still. Sascha fuhr, während auf der Rückbank Milch und Quark klirrten. – Sag mal, – brach Sascha das Schweigen, – vielleicht können wir jetzt ja Kinder bekommen? Gibt ja jetzt einen Garten für den Sommer. Irina schnaubte, musste aber lächeln. – Weißt du, ich wollte das Wochenendhaus damals verkaufen. Gleich am ersten Tag. Dachte, was sollen wir mit so einer Bruchbude. – Ich weiß noch. – Aber, dieses Haus… – Irina suchte nach Worten. – Es hat alles geheilt. Zwischen mir und deiner Mutter. In zwei Monaten hat es geschafft, was ich in drei Jahren nicht geschafft habe. Sascha stoppte an der Ampel und sah sie an. – Mama war einfach unglücklich. Und jetzt – ist sie’s nicht mehr. Irina nickte. Draußen gingen die Lichter der Stadt an, zu Hause wartete ihre Wohnung mit den Hochzeitsfotos, und zum ersten Mal fiel ihr die Heimkehr leicht. – Wir sollten sie öfter besuchen, – flüsterte sie. Und war überrascht, wie ehrlich sie das meinte. Ehrlich und von Herzen…
Gartenhaus, das richtet alles Bist du denn völlig von Sinnen? Ich habe doch Inge gesagt, du kommst vorbei!
Homy
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06
Er nannte sie eine erbärmliche Haushälterin und verließ sie für eine andere. Doch als er zurückkehrte, bekam er in Deutschland eine Antwort, mit der er niemals gerechnet hätte.
Er nannte sie ein armseliges Dienstmädchen und verschwand zu einer anderen. Doch als er zurückkam, traf
Homy
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049
Das Wochenendhaus – Es heilt alles – Bist du verrückt geworden? Ich habe Nina extra gesagt, dass du kommst! Sie hat extra für dich das beste Stück zurückgelegt! Irina stand wie erstarrt mit dem Einkaufstüte in der Hand. Die Schwiegermutter stand in der Küchentür, die Arme verschränkt, und blickte sie an, als hätte Irina nicht etwa Fleisch im Supermarkt gekauft, sondern gleich eine Bank ausgeraubt. – Frau Katharina, ich habe es einfach nicht rechtzeitig zum Markt geschafft, – versuchte Irina ruhig zu bleiben. – Nach der Arbeit musste ich noch Ihr Kleid aus der Reinigung holen, dann noch zur Apotheke… – Und zu telefonieren? Bescheid zu geben? Nina hat auf dich gewartet, bis zur Ladenschließung! Danach hat sie mir eine Stunde lang ins Telefon geheult, dass ich sie hängen lasse! Irina stellte die Tüte auf den Tisch. Ihr wurde mulmig zumute. – Das Fleisch ist gut, ganz frisch, – sie holte die Packung heraus, zeigte sie ihrer Schwiegermutter. – Sehen Sie, feinstes Rindfleisch, marmoriert, kühl gelagert… Katharina warf keinen Blick darauf. Sie trat an den Tisch, schob die Packung mit spitzen Fingern weg. – Supermarktware, voll mit Chemie. Sascha isst sowas nicht, sein Magen ist empfindlich. – Sascha hat genau das letzte Woche selbst gekauft, – platzte es aus Irina heraus. Ein Fehler. Die Schwiegermutter lief rot an. – Eben! Der Mann läuft selbst los, weil die Frau nichts auf die Reihe kriegt! Drei Jahre, Irina. Drei Jahre bist du in dieser Familie, und was hat’s gebracht? Du kannst nicht kochen, im Haushalt ist von dir keine Hilfe zu erwarten, und Kinder willst du auch keine… – Frau Katharina, das ist nun wirklich unfair. – Unfair? – schnaubte die Schwiegermutter. – Ich hab meiner Schwiegermutter die Füße geküsst und mich nie getraut, auch nur ein falsches Wort zu sagen. Und du? Bist aufsässig, ignorierst meine Ratschläge, machst dein eigenes Ding… Katharina ging in den Flur, zog ihre Tasche von der Garderobe. Jede Bewegung war eine kleine Demonstration. – Ich sag’s Sascha schon lange: Scheid dich, solange es noch geht. Such dir eine vernünftige Frau. Eine, die ihren Mann schätzt, statt… Sie brach ab, warf eine Handbewegung und schlüpfte in ihre Schuhe, ohne sich zu bücken. Irina stand in der Küchentür, krallte sich in den Rahmen. – Auf Wiedersehen, Frau Katharina. Die Schwiegermutter antwortete nicht. Die Tür fiel zu und es wurde still in der Wohnung. Irina rutschte langsam an der Wand herunter und setzte sich auf den kalten Küchenboden. Das Rindfleisch lag einsam auf dem Tisch, und sie hatte nicht einmal Lust, es anzusehen, nicht das Fleisch, nicht die blitzblanke Küche, und erst recht nicht die Hochzeitsfotos, auf denen Katharina so gezwungen lächelte, als hätte sie einen Nagel im Schuh. Drei Jahre. Drei Jahre hat sie sich Mühe gegeben. Rezepte gelernt, die Sascha aus Kindheitstagen mochte. Die Sonntagsessen bei der Schwiegermutter überstanden, bei denen jedes Gericht einen Kommentar bekam: »Unser Sascha isst die Kartoffeln aber nur gewürfelt, nicht als Streifen.« Gelächelt, genickt, sich entschuldigt für Dinge, die gar nicht in ihrer Verantwortung lagen. Und trotzdem – nie gut genug. Immer – »Besser wär’s, er würde sich trennen.« Irina lehnte den Kopf nach hinten, drückte ihr Hinterhaupt gegen die Wand. Die Decke müsste neu gestrichen werden. Das sollte sie Sascha sagen. Aber was soll’s. Zwei Wochen lebte Irina wie ein Partisan hinter feindlichen Linien. Auf Anrufe der Schwiegermutter antwortete Sascha, Sonntagsessen wurden mit »dringenden Terminen« abgesagt, und eine zufällige Begegnung endete mit einem schnellen »Hallo« und panischer Flucht. Dann rief der Notar an. Ihr Großvater, den sie kaum fünfmal im Leben gesehen hatte, war gestorben. Es stellte sich heraus, dass der alte Mann ihr ein Wochenendhaus vererbt hatte, keine vierzig Kilometer von der Stadt entfernt. Ein kleines Grundstück im Kleingartenverein »Morgensonne«. – Wir sollten zumindest mal nachsehen, – Sascha drehte den Schlüsselanhänger mit der abgewetzten Erdbeere in der Hand. – Fahren wir am Samstag hin? Irina nickte. Samstag war okay. Sie hatte eine Sache vergessen. – Sascha, ich komm mit! – Katharina tauchte Samstagmorgen um halb acht im Türrahmen auf, in Gummistiefeln und mit Körbchen. – Das soll da voll das Pilzparadies sein, sagt Nina! Irina begann schweigend, Tee in die Thermoskanne zu füllen. Sie sah einem »wunderbaren« – selbstverständlich ironisch gemeinten – Tag entgegen. Das Wochenendhaus war genauso, wie Irina es sich vorgestellt hatte. Ein windschiefes Häuschen, ein zugewucherter Garten, ein Zaun, gehalten von der reinen Hoffnung und zwei rostigen Nägeln. Im Inneren roch es nach feuchtem Holz und alten Zeitungen. – Sascha, – Irina zupfte ihn am Ärmel, senkte die Stimme. – Lass es uns verkaufen. Was sollen wir hier? Jedes Wochenende hin, Beete jäten… Das ist nicht unser Leben. Sascha öffnete den Mund, aber bevor er antworten konnte: – Wie verkaufen?! – Katharina erschien hinter ihnen wie aus dem Nichts. – Seid ihr verrückt? Das ist Land! Ein eigenes Grundstück! Für sowas… Sie legte die Hand auf die Brust, die Augen funkelten verdächtig. – Gebt mir die Schlüssel. Ich bring hier alles in Ordnung, pflanze Blumen, mache das Häuschen hübsch. In einem Jahr dankt ihr mir noch! Irina betrachtete sie skeptisch. Da stand die Schwiegermutter auf dem überwucherten Grundstück, die Stiefel in altem Laub, und strahlte regelrecht. – Frau Katharina, das sind… – Irina, – Sascha drückte sanft ihren Arm. – Lass Mama doch machen. Sie freut sich doch. Was soll’s, es schadet ja keinem. Schaden tat es wirklich nicht. Es war einfach… seltsam. Aber diskutieren wollte Irina erst recht nicht. Sie reichte ihrer Schwiegermutter wortlos die Schlüssel mit dem Erdbeeranhänger. …Zwei Monate vergingen wie im Nebel. Ein sonderbarer, surrealer Nebel, in dem Katharina nur noch aus praktischen Gründen anrief, nie unangemeldet aufkreuzte und – das Unglaublichste – kein einziges Mal vom Fleisch vom Markt, von fehlenden Enkeln oder falsch geschnittener Kartoffel sprach. Am Telefon war ihre Stimme munter, fast fröhlich: »Sascha, mir geht’s bestens! Hab alle Hände voll zu tun, wir hören voneinander!« Irina verstand nichts. Ein Trick? Die Ruhe vor dem Sturm? Oder war die Schwiegermutter ernsthaft krank und wollte es nicht sagen? – Sascha, – fragte sie eines Abends, – ist mit deiner Mutter wirklich alles in Ordnung? – Klar, – winkte Sascha ab. – Sie ist mit dem Wochenendhaus beschäftigt. Da gibt’s wohl mehr zu tun, als gedacht, sagt sie. Am Freitag rief Katharina selbst an. – Morgen seid ihr bei mir! Ich grille, zeige euch das Grundstück. Ich hab soviel geschafft! Kommt, dann seht ihr’s selbst! – Sascha, ich will da nicht hin, – Irina schüttelte den Kopf, als Sascha ihr die Einladung weitergab. – Zwei Monate Ruhe, und jetzt wieder volle Fahrt? – Sie hat sich so Mühe gegeben, Irina. Sie wäre verletzt, wenn wir nicht kommen. – Sie fühlt sich immer verletzt. – Bitte, – Sascha blickte sie so seelenvoll an, dass Irina nachgab. Gut, Samstag also… Und am Samstag erkannte Irina ihre Schwiegermutter nicht wieder. Katharina stand am Gartentor im Leinenkleid, die Arme braungebrannt und von frischer Röte überzogen. Das war kein aufgesetztes Höflichkeitslächeln, sondern eine echte, warme Miene, die sie Jahre jünger erscheinen ließ. – Ihr seid da! Endlich! – Katharina breitete die Arme aus, und Irina trat fast automatisch näher, ließ sich umarmen. Nach Erde, Dill und irgendwie Honig roch sie. Das Grundstück war kaum wiederzuerkennen. Ordentliche Beete zogen sich in Reih und Glied am neuen Zaun entlang, der den Wind jetzt locker überstand. Junge Johannisbeerbüsche trugen frisches Grün, und unter den Fenstern blühten Tagetes. – Kommt mit, ich zeig euch alles! – Katharina zog sie mit, ließ gar kein Zögern zu. – Da, Erdbeeren – ganz toller Sort, hat mir die Nachbarin gegeben. Im Juni gibt’s die ersten Früchte. Hier kommen Tomaten hin, und Gurken. Im Herbst koche ich ein, alles für euch, nur ein paar Gläser für mich. Irina warf Sascha einen verblüfften Blick zu. Er war genauso überrascht. – Mama, hast du das alles alleine geschafft? – Sascha wies umher. – Wer denn sonst? – Katharina lachte, hell und jung. – Ich hab Hände, einen Kopf, und Nachbarinnen helfen mit Tipps. Hier sind die Leute herzlich! Ganz anders als in der Stadt. Drinnen war alles frisch gemacht: neue Vorhänge, geputzte Fenster, auf dem Tisch ein gesticktes Deckchen. Der Muff von früher war weg, stattdessen duftete es nach Kuchen und Kräutern. – Hier, – stellte Katharina eine Milchflasche und ein Päckchen Pergament auf den Tisch. – Von Zinaida, zwei Häuser weiter. Eigene Milch, von der Ziege. Und das Fleisch auch – sie züchtet ein Rind. Ihr nehmt mit: Da ist noch Quark und Sauerrahm dabei. Irina starrte schweigend das Päckchen an. Eigenes Fleisch. Von der Nachbarin. Kein einziges Wort über Nina vom Wochenmarkt. – Frau Katharina, – platzte es aus ihr heraus, – geht es Ihnen… gefällt es Ihnen hier? Die Schwiegermutter ließ sich auf die Küchenbank sinken. Etwas Sanftes, Ungewohntes blitzte in ihren Augen auf. – Irchen, – nannte sie sie zum ersten Mal so, – ich hab mein Leben lang davon geträumt. Ein eigenes Haus, ein eigener Garten, Hände in der Erde, den Kopf frei. In der Stadt, da bin ich fast erstickt, ohne zu wissen, warum. Aber hier… Sie deutete zum Fenster. – Hier lebe ich. Auf der Heimfahrt war es still. Sascha fuhr, während auf der Rückbank Milch und Quark klirrten. – Sag mal, – brach Sascha das Schweigen, – vielleicht können wir jetzt ja Kinder bekommen? Gibt ja jetzt einen Garten für den Sommer. Irina schnaubte, musste aber lächeln. – Weißt du, ich wollte das Wochenendhaus damals verkaufen. Gleich am ersten Tag. Dachte, was sollen wir mit so einer Bruchbude. – Ich weiß noch. – Aber, dieses Haus… – Irina suchte nach Worten. – Es hat alles geheilt. Zwischen mir und deiner Mutter. In zwei Monaten hat es geschafft, was ich in drei Jahren nicht geschafft habe. Sascha stoppte an der Ampel und sah sie an. – Mama war einfach unglücklich. Und jetzt – ist sie’s nicht mehr. Irina nickte. Draußen gingen die Lichter der Stadt an, zu Hause wartete ihre Wohnung mit den Hochzeitsfotos, und zum ersten Mal fiel ihr die Heimkehr leicht. – Wir sollten sie öfter besuchen, – flüsterte sie. Und war überrascht, wie ehrlich sie das meinte. Ehrlich und von Herzen…
Gartenhaus, das richtet alles Bist du denn völlig von Sinnen? Ich habe doch Inge gesagt, du kommst vorbei!
Homy
Educational
09
Ich wünsche mir, dass die Tochter meines Mannes lieber bei der Schwiegermutter wohnen möchte. Als ich Johann heiratete, wusste ich, dass er eine Tochter aus erster Ehe hatte. Carla, seine Ex-Frau, hat das Mädchen vor sechs Jahren verlassen – sie packte ihre Sachen und zog mit ihrem neuen Freund nach Frankreich, um ganz von vorne anzufangen. Seitdem bekam sie zwei weitere Kinder, erinnert sich nur zweimal im Monat per Videoanruf an ihre älteste Tochter und schickt Geschenke nur zu Geburtstagen. Ich sehe, wie sehr das Mädchen ihre Mutter vermisst, wie sie aufs Handy starrt und darauf wartet, zu hören: „Komm zu mir.“ Aber der Ruf kam nie, und einen Besuch gab es auch nicht. Die Mutter hat ihre Tochter einfach aus ihrem Leben gestrichen. Anfangs lebte das Mädchen bei ihrer Oma – Johanns Mutter. Aber die hatte schnell genug, hielt die Launen, die Probleme in der Schule, die Dramen nicht aus. Also gab sie die Enkelin zurück an den Vater. Johann brachte sie zu uns nach Hause, sah mich an und sagte leise: „Ines bleibt bei uns. Für immer.“ Ich habe versucht, eine gute Stiefmutter zu sein, ehrlich. Habe ihr Kleidung gekauft, Gerichte gekocht, die sie liebt, sie von der Schule abgeholt und das Gespräch gesucht. Ich wollte ihre Freundin sein. Doch sie verschloss sich. Es ist, als hätte sie eine Mauer zwischen uns errichtet und gar kein Interesse an einer Annäherung. Nicht nur ignoriert sie mich, sie zeigt auch deutlich, dass ich in ihrer Welt keine Rolle spiele. Inzwischen sind drei Jahre vergangen. Jetzt ist Ines zwölf und lebt weiterhin bei uns, verhält sich, als gehöre das Haus allein ihr. Jeden Abend beklagt sie sich beim Vater: „Tante Barbara hat mich gezwungen, mein Zimmer aufzuräumen“, „Tante Barbara hat mir nicht gekauft, was ich wollte.“ Danach ruft meine Schwiegermutter an und kritisiert mich – ich würde „nicht genug Aufmerksamkeit schenken“ und „da ich nun schwanger bin, sei es an der Zeit, Muttersein zu lernen“. Aber sie selbst will nichts von ihrer Enkelin wissen, nicht einmal für eine Stunde, wenn ich dringend zum Arzt oder zur Arbeit muss. Das zehrt an meinen Kräften. Ich arbeite, halte den Haushalt zusammen, koche und bin jetzt schwanger. Johann verlangt zwar keine Parteinahme für seine Tochter, bittet mich aber, geduldiger zu sein. Doch ich kann nicht mehr. Ines ist zur Quelle von Stress geworden. Sie ist nachlässig, unhöflich, dankt nie, hört nicht zu und ist permanent unzufrieden. Sie ist nicht mein Kind – und ich mache mir da nichts mehr vor. Manchmal sitze ich nachts in der Küche und überlege: „Hätte ich doch abgelehnt, dass sie bei uns lebt… Hätte ich darauf bestanden…“ Aber dafür ist es zu spät. Ich kann meinen Mann nicht verlassen – wir bekommen ein gemeinsames Kind. Und so egoistisch es klingt, wünsche ich mir immer häufiger, dass seine Tochter lieber wieder zu ihrer Oma geht. Dass sie sagt: „Ich möchte lieber bei Oma leben.“ Ich werde nicht darum kämpfen, sie zu behalten. Ich werde nicht weinen. Ich will einfach Frieden. Keine Kritik mehr, keinen Kampf um Raum in diesem Haus. Ich möchte, dass mein Kind in Liebe und Harmonie aufwächst, nicht im ständigen Streit. Vielleicht ist das der einzige Weg, meine Familie zu retten – und mich dabei nicht zu verlieren.
Ich wünsche mir manchmal, dass die Tochter meines Mannes lieber bei ihrer Oma wohnen möchte.
Homy
Educational
0131
Wieder zu ihr: Wenn die Liebe immer im Schatten der Vergangenheit steht – Marinas Entscheidung zwischen Herz und Selbstachtung im nächtlichen Berlin
Wieder zu ihr Gehst du wieder zu ihr? Katrin stellte die Frage, das Ergebnis längst bekannt.
Homy
Educational
09
Wie ich meiner Schwiegermutter beibrachte, unerwartete Besuche zu vermeiden: Die überraschende Rache, die sie in München niemals erwartet hätte
Wie ich die Überraschungsbesuche meiner Schwiegermutter verhinderte: Eine unerwartete Rache Als ich Heinrich
Homy
Educational
086
„Ich brauche kein gelähmtes Kind!“ – sagte die Schwiegertochter und verließ das Haus… Doch sie hatte nicht geahnt, was noch geschehen würde… In einem kleinen deutschen Dorf lebte ein einfacher älterer Herr, der am Wochenende gern einen Korn trank. Er hatte einen Traum: einmal einen reinrassigen Deutschen Schäferhund zu haben, und er wäre dafür sogar bis nach Bayern gefahren, um solch einen Hund zu finden und mit nach Hause zu bringen. Man nannte ihn den Altvater Dietrich – ob das nun sein Name war oder ein Spitzname, das wusste niemand mehr so recht. Alle sprachen ihn als Dietrich an und er ließ sie gewähren. Nach der Arbeit saß Dietrich gern auf der Bank vor seinem Häuschen und dachte an vergangene Zeiten. Ab und zu gesellten sich junge Leute dazu, um seine Geschichten aus dem Dorfleben von früher zu hören. Seine Frau Rosa hatte Dietrich schon vor langer Zeit zu Grabe getragen. Sie litt an einer schweren Herzkrankheit, doch sie wollte unbedingt ein Kind. Sie gebar Dietrich einen Sohn und war danach kaum noch gesund. Dietrich liebte Rosa sehr – er tat alles im Haus, ja selbst den Milchkarton ließ er sie nicht tragen. „Nicht erlaubt! Die Ärzte haben’s verboten!“, mahnte er liebevoll. Er kümmerte sich selbst um das Kind, kochte, erledigte den Haushalt. Rosa sorgte sich stets, dass die Leute tuscheln würden: „Du machst mich ja ganz lächerlich, Dietrich! Die Frauen lachen mich noch aus, weil ich nichts im Haus mache – alles bleibt an dir hängen!“ Doch die Frauen lachten nicht, sie waren eher neidisch: „Rosa, leihe uns doch deinen Dietrich mal aus – nur für einen Tag, um so zu leben wie du!“ Rosa antwortete nur mit einem Lächeln. Mit diesem Lächeln ging sie auch aus dem Leben. Dietrich fand sie früh morgens – sie war schon kalt. Er weinte wie ein Schlosshund, drei Tage lang, dann kümmerte er sich um den Sohn. Der Junge kam gerade ins schwierige Alter, mit vierzehn. Nach dem Bund heiratete er früh und blieb in der Gegend, wo er stationiert war. So lebte Dietrich ganz allein. Doch er ließ sich nicht hängen – er plauderte gern mit der Dorfjugend auf seiner Bank. Der Sohn bekam eine Tochter, und Dietrich wartete immer auf Besuch von ihnen, aber aus irgendeinem Grund kamen sie nie. Mal war es die Arbeit, mal fehlte die Zeit, mal dies, mal das. Die Enkelin kannte er nur von Fotos. Plötzlich bemerkten die Dorfbewohner, wie Dietrich immer griesgrämiger durch die Straßen ging, als hätte er einen Sack voller Sorgen zu tragen. Kein Lachen, kein Scherz, er saß nicht mehr auf seiner Bank. Sie erkundigten sich und erfuhren: Dietrich hatte ein Telegramm bekommen. Ein Unfall: Der Sohn war ums Leben gekommen, die Enkelin lag im Krankenhaus und die Schwiegertochter meldete sich kaum. „Ach, Dietrich, so ein Unglück – so viel Kummer!“ – das ganze Dorf sprach ihm sein Mitgefühl aus. Was sollte man auch in solchen Momenten sagen? Die Trauer wurde nicht leichter. Er vermisste seinen Sohn, wusste, dass er nicht zurückkommen würde, und noch mehr tat ihm die Enkelin leid – ein fünfzehnjähriges Mädchen, das nach dem Unfall im Koma lag. Sie hätte ihr Leben noch vor sich… Dietrichs ganze Seele schmerzte. Und von der Schwiegertochter kam gar nichts. Sie schrieb keine Briefe, reagierte auf keine Nachrichten, ging nie ans Telefon. Wie sollte er etwas über den Zustand der Enkelin erfahren? Er hatte sie zwar nie gesehen, aber trotzdem liebte er sie. Laut Fotos sah sie Rosa als jung sehr ähnlich. Dietrich wollte schon aufbrechen in die Stadt, in der sein Sohn gelebt hatte, als plötzlich eines Abends ein Auto vorfuhr. Ohne großes Klopfen stürmte eine elegante Dame ins Haus – erst im Nachhinein merkte Dietrich: das war seine Schwiegertochter. Hinter ihr trugen Helfer eine Liege, darauf lag die Enkelin. Sie legten das Mädchen wortlos auf Dietrichs Sofa und verschwanden. „Sie ist von Kopf bis Fuß gelähmt. So ein Kind brauche ich nicht! Ich finde bestimmt noch mal einen Mann und bekomme ein gesundes Kind!“, sagte die Schwiegertochter. „Aber ich bin doch kein Arzt!“, entgegnete Dietrich. „Ein Arzt kann ihr sowieso nicht helfen. Sie braucht nur noch eine Pflegerin. Wenn du dich nicht kümmerst, kannst du sie lebendig begraben, ich jedenfalls verschwende mein Leben nicht! Ich bin keine Pflegerin!“, rief die Frau und schlug die Tür hinter sich zu. „Du bist wohl keine richtige Mutter!“, rief Dietrich ihr nach. Da wurde ihm klar, warum der Sohn nie mit Frau und Kind zu Besuch gekommen war. Mit so einer Frau wollte man lieber auf dem Wochenmarkt streiten als Gäste besuchen. Was hatte den Sohn bloß dazu gebracht, so eine Hexe zu heiraten? Jetzt konnte er ihn nicht mehr fragen. Hätte Dietrich gewusst, dass seine Schwiegertochter das eigene Kind beim Älteren ablädt, hätte er sich wohl im Grab umgedreht. So blieben Dietrich und die Enkelin allein zurück. Das Mädchen war wirklich völlig gelähmt, doch Dietrich kannte sich schon mit Pflege und Haushalt aus. Nun hatte er wieder einen Sinn im Leben – sein Ziel war, das Mädchen gesund zu pflegen. Die Ärzte hatte sie schon aus dem Krankenhaus entlassen; sie verstanden nicht, wie das Mädchen den Unfall überhaupt überlebt hatte. Es blieben nur Hausmittel und Dorfheiler. Eine Heilerin gab es erst im Nachbardorf, weit entfernt. Ein gelähmtes Kind konnte man kaum dorthin bringen, sie selbst reiste auch nicht mehr – zu alt und gebrechlich. Dietrich fuhr fast jede Woche zu ihr, holte Kräuter und Tinkturen, damit behandelte er die Enkelin. Über ein Jahr lang blieb das Mädchen bewegungslos wie ein Brett unter der Decke. Nicht einmal sprechen konnte sie – sie produzierte laute, unverständliche Laute. Manchmal sah Dietrich eine Träne über ihre Wange laufen; sein Herz wurde ihm schwer. Er glaubte, die Enkelin vermisse Vater und Mutter. Er sprach lange mit ihr, las ihr Geschichten vor, aber antworten konnte sie nicht. Für beide war es schwer. Eines Abends geschah etwas Unerwartetes. Dietrich saß wie immer am Krankenbett, da polterte eine betrunkene Jugendgruppe ins Haus – er hatte versehentlich vergessen, die Haustür zu schließen. Die Jugendlichen kamen von der Dorfdisco und sahen das Licht im Fenster. Sie wussten, dass hier eine gelähmte Jugendliche wohnte. Da schlug einer vor, mal „Spaß zu haben“ – sie könne sich ja ohnehin nicht wehren. „Na los, Opa! Zieh die Decke weg, mach die Beine frei! Wir losen aus, wer zuerst drankommt!“, stänkerte der Betrunkenste. „Habt Mitleid! Sie ist doch erst 15!“, bat Dietrich. „Warte mal kurz, ich putze eben noch die Zähne!“, sagte Dietrich und eilte zur Küche, öffnete die Kellertür und rief: „Los!“ Da sprang ein riesiger Schäferhund heraus – Max! Er schnappte nach den Hosen der Eindringlinge und verscheuchte sie, einem hätte er fast die Kronjuwelen abgebissen, den anderen zerfetzte er die Hosen am Hintern. So rannten die Jungs mit blanken Hintern durchs Dorf – alle lachten, und Max jagte sie bis zum Feldrand. Dietrich kam ins Zimmer – da saß die Enkelin aufrecht auf dem Bett und rief zum Fenster hinaus: „Max! Max! Schnell, Opa, halt ihn fest, damit er nicht wegläuft!“… Da kamen Dietrich die Tränen. Von diesem Tag an ging es bergauf mit dem Mädchen – bald lernte sie wieder zu laufen. Ob nun die Kräuter der Heilerin halfen oder der Schock, den der Hund ausgelöst hatte – jedenfalls kam die Sprache zurück und bald plapperte sie unaufhörlich. So viel wie nie zuvor. Und wie kam eigentlich der Hund ins Haus? Ganz einfach: Max war der Hund von Dietrichs Sohn, und als die Schwiegertochter die Tochter abgeladen hatte, brachte sie Max gleich mit, verschwieg aber alles dem Alten. Als sie ging, sah Dietrich, dass bei seinem Gartentor ein Hund saß – mager, erschöpft, traurig wie eine kranke Kuh mit Tränen in den Augen. Er wusste nicht einmal, dass sein Sohn einen Hund hatte. Aber Dietrich konnte den Hund nicht abweisen. Max war fortan ein treuer Begleiter, und als die Halbstarken kamen, saß er gerade im Keller – im heißen Sommer ließ Dietrich den Schäferhund dort untertags ruhen. An jenem Abend hatte er Max noch nicht rausgelassen. Wäre der Hund schon draußen gewesen, hätten die Jungs sich gar nicht erst reingetraut. Später erzählte die Enkelin, dass sie anfangs gar nicht wegen der Eltern geweint hatte, sondern weil sie Max so sehr vermisste. Der Opa ließ ihn zwar nie ins Haus, sondern behielt ihn tagsüber draußen, und sagen konnte sie ihm nicht, dass sie so sehr nach dem Hund verlangte. Nachdem Max die Schläger vertrieben hatte, kam er zurück und schleckte glücklich das Gesicht seiner kleinen Herrin. Er hatte sie ebenfalls schmerzlich vermisst. So lebten sie fortan zu dritt: Dietrich, das Mädchen und Max. Von der Mutter hat man nie wieder etwas gehört.
– Ich brauche kein gelähmtes Kind… – sagte die Schwiegertochter und ging einfach davon
Homy