Educational
012
Er nannte mich vor seinen Freunden einfach “nur Friseurin”. Da habe ich ihm gezeigt, wie sich echte Demütigung anfühlt.
Damals, als ich siebzehn war, wurde mir schnell klar, dass ich nur auf mich selbst zählen konnte.
Homy
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063
Das ließ ich mir aufbürden! — Papa, was sind das für neue Sachen? Hast du etwa einen Antiquitätenladen geplündert? — Kristina zog verwundert die Augenbrauen hoch, während sie die weiße Häkeldecke auf ihrem Kommode betrachtete. — Wer hätte gedacht, dass du auf so alten Kram stehst. Dein Geschmack ist ja fast wie der von Oma Trude… — Ach, Krissilein? Was machst du denn hier ohne Anruf? — Oleg trat aus der Küche. — Ich… Also… Ich hab dich gar nicht erwartet… Vater bemühte sich, munter zu wirken, doch sein Blick war sichtlich schuldbewusst. — Das sieht man ja, — murmelte Kristina und ging missmutig ins Wohnzimmer, wo sie weitere Überraschungen erwarteten. — Papa… Woher kommt das alles? Was passiert hier eigentlich? Kristina erkannte ihre Wohnung kaum wieder. …Als sie die Wohnung von ihrer Oma geerbt hatte, war der Zustand deprimierend: Alte DDR-Möbel, ein klobiger Röhrenfernseher auf einer abgenutzten Kommode, verrostete Heizungen, sich ablösende Tapeten… Aber wenigstens ihr eigenes Zuhause. Kristina hatte damals einige Ersparnisse und steckte alles in eine Renovierung – und zwar nicht irgendeine! Sie hatte sich für skandinavischen Stil entschieden: Helle Farben, Minimalismus, alles wirkte offener. Sie arrangierte liebevoll jeden Akzent, suchte passende Gardinen, legte flauschige Teppiche aus… Nun aber hingen anstelle der schweren Verdunklungsvorhänge einfache Nylon-Store. Das italienische Sofa war begraben unter einer synthetischen Fleecedecke mit fletschendem Tiger. Auf dem Couchtisch stand eine knallpinke Plastikvase mit ebenso grell-pinken Kunststoffrosen. Und das war noch das geringste Übel. Viel schlimmer waren die Gerüche. Aus der Küche klang das Zischen von Bratöl und ein penetrantes Fisch-Aroma. Tabakqualm lag in der Luft. Dabei hat ihr Vater nie geraucht… — Krissilein, du verstehst ja … — begann Oleg schließlich. — Also… Ich bin nicht allein. Ich wollte es dir früher sagen, aber… naja. — Wie, nicht allein? — stotterte Kristina. — Papa, so war das nicht abgemacht! — Kristina, du musst doch verstehen, nur weil deine Mutter weg ist, ist mein Leben nicht vorbei! Ich bin noch ein junger Mann, nicht mal Rente. Hab ich kein Recht auf mein Privatleben? Kristina war überrumpelt. Klar hat ihr Vater ein Recht auf eine neue Partnerin. Aber doch nicht in ihrem eigenen Zuhause! …Die Eltern hatten sich vor einem Jahr getrennt. Die Mutter nahm Vaters Affäre gleichmütig, als wäre sie eine lästige Last los, und widmete sich ganz sich selbst. Sie hatte so viele Freundinnen, dass sie kaum Zeit zum Grübeln fand. Vater aber war am Boden zerstört. Vor der Ehe hatte er eine eigene Wohnung, doch dort war seit Jahren alles nur schlimmer geworden: Zuerst vermietet, dann bei einem Brand verwüstet. Geld für eine Renovierung fehlte, also hatte er die Wohnung einfach vergessen; verkauft wurde sie vorsichtshalber nicht, aber an ein Leben dort war undenkbar. Rußige Wände, kaputte Fenster, Schimmel – mehr Gruft als Wohnung. — Krissi, ich weiß nicht, wie ich hier wohnen soll… — seufzte Vater damals. — Hier ist es echt gefährlich. Und bis zum Winter schaffe ich die Renovierung nicht, Geld reicht auch nicht. Na ja, dann erfriere ich eben… Ist wohl mein Schicksal. Kristina hielt es nicht aus. Sie konnte doch nicht zulassen, dass ihr Vater so wohnte. Schließlich stand ihre eigene Wohnung jetzt leer – sie war gerade frisch verheiratet und zu ihrem Mann gezogen. Nach Vaters Vermietungs-Pech wollte sie die Wohnung keinesfalls vermieten. — Papa, wohn doch erstmal bei mir, — schlug sie vor. — Alles ist bereit, alle Annehmlichkeiten. Mach deinen eigenen Kram langsam fertig und zieh dann um. Aber eine Bedingung: Keine Gäste! — Echt jetzt? — fragte Vater erstaunt. — Danke, mein Schatz! Du rettest mich! Ich verspreche – alles ganz ruhig und friedlich. Jaja. Friedlich… Während Kristina sich an ihr Versprechen erinnerte, flog die Badezimmertür auf und ein Schwall duftenden Dampfes strömte heraus. Heraus schwebte eine etwa fünfzigjährige Frau im dicken Frottee-Bademantel von Kristina. Ihrem Lieblingsbademantel. Nun spannte er kaum noch über die üppigen Formen der Fremden. — Oh, Olegi, haben wir etwa Besuch? — fragte die Dame mit rauer Stimme und gönnerhaftem Lächeln. — Hättest ja mal vorher Bescheid geben können, dann wär ich nicht in Schlabberklamotten. — Wer sind Sie bitte? — fragte Kristina scharf. — Und weshalb tragen Sie meinen Bademantel? — Ich bin Jana, die Liebste deines Vaters. Und warum so gereizt? Der Bademantel hing doch eh nur rum. Kristinas Puls schoss vor Ärger hoch. — Nehmen Sie ihn sofort ab, — zischte sie. — Kristina! — flehte Oleg, stellte sich zwischen sie. — Nun hör auf! Jana hat doch nur… — Jana trägt fremde Sachen in einem fremden Haus! — unterbrach Kristina. — Papa, tickst du noch richtig? Du bringst deine Freundin hierher und lässt sie in meinen Sachen rumwühlen?! Jana verdrehte dramatisch die Augen und ging ins Wohnzimmer, wo sie sich so schwer auf den Tigerplaid plumpsen ließ. — Du bist aber unverschämt, — stellte sie fest. — Wäre ich Oleg, wäre längst der Gürtel raus – egal wie alt! Wie redest du überhaupt mit deinem Vater? Dass er sich für eine andere entschieden hat, geht dich gar nichts an, Fräulein. Kristina war wie vor den Kopf gestoßen. Eine fremde Frau stänkert in ihrem Wohnzimmer. — Das stimmt, — sagte sie. — Aber nur, solange es nicht in meinem Haus passiert. — Deinem? — Jana hob eine Braue und blickte zu Oleg. Der stand gedrückt an der Wand, die Schultern hochgezogen, und blickte ängstlich von seiner zornigen Tochter zur frechen Freundin. Offensichtlich hoffte er, dass sich der Sturm einfach von selbst verziehen würde – doch die Wetterprognose hatte sich gerade dramatisch verschlechtert. — Ach… Mein Papa hat Ihnen das wohl vergessen zu sagen? — Kristina lächelte frostig. — Dann mach ich das mal: Er ist hier nur Gast. Die Wohnung ist meine. Jedes Stück vom Besteck bis zu den Gardinen habe ich gekauft. Ich hab ihn aufgenommen, aber nicht erwartet, dass er seine… Herzdamen hier anschleppt. Jana lief knallrot an. — Oleg?.. — ihre Stimme wurde eisig. — Was erzählt sie da? Du hast mir gesagt, es sei deine Wohnung. Hast du etwa gelogen? Vater drückte sich noch mehr in die Wand, als wolle er sich darin auflösen. Die Ohren brannten. — Also… Jana, so war das nicht gemeint. Du hast mich falsch verstanden, — stotterte er. — Ich hab eine eigene Wohnung, halt nur nicht diese. Ich wollte dich nicht mit Einzelheiten belasten. — Nicht belasten?! Toll, jetzt muss ich mir hier was anhören, nur wegen dir! Kristinas Geduld war erschöpft. — Raus, — sagte sie leise. — Wie bitte? — stutzte Jana. — Raus. Beide. Ihr habt eine Stunde. Seid ihr noch hier, reden wir besser mit dem Anwalt. So viel dazu: „habe jemand in mein Häuschen gelassen…“ Kristina ging zur Tür, doch Oleg drückte sich endlich von der Wand ab und stürzte ihr hinterher. — Kind! Willst du deinen eigenen Vater auf die Straße setzen? Du weißt doch, wie es bei mir aussieht! — jammerte er. — Ich erfriere doch da! Er klammerte sich an ihren Ärmel, und Kristinas Herz wurde weich. Kindheitserinnerungen, das Gefühl von Pflicht, Mitleid für den quasi-älteren Papa… Die Kehle war wie zugeschnürt. Doch dann fiel ihr Blick auf Jana. Die saß da, die Beine überschlagen, in Kristinas Bademantel, und schaute sie an mit solcher Abneigung, dass alle Zweifel verschwanden. Würde sie jetzt nachgeben, würde am nächsten Tag diese Frau die Türschlösser tauschen und neue Tapeten kleben. — Papa, du bist erwachsen. Such dir eine Wohnung, — entgegnete Kristina, befreite ihren Ärmel. — Du bist selbst schuld. Wir hatten abgemacht, du wohnst allein – stattdessen bringst du fremde Frauen, lässt sie meine Sachen tragen und meinen Geschmack ruinieren… — Ach komm, nimm deinen blöden Kram! — warf Jana ihr entgegen. — Geh, Olegi! Lass dich nicht so erniedrigen. Undankbares Kind… Eine halbe Stunde packen – und die Sache war erledigt. Vater verließ wortlos, zusammengekrümmt wie ein alter Mann, die Wohnung. Kristina würde nie seinen Hundeblick vergessen – wie ein ausgesetzter Streuner im Regen. Doch sie blieb standhaft, bewegte keinen Muskel. Kaum waren sie weg, riss sie die Fenster auf, um Fisch, Tabak und billiges Parfüm zu vertreiben. Dann packte sie Bademantel, Decke und alles, was Jana zurückgelassen hatte, und warf alles in den Müll. Am nächsten Tag: Reinigung und Schlosswechsel. Der Ekel vor den Sachen der Fremden saß tief. Besonders diese Frau… …Vier Tage später. Jetzt war Kristinas Wohnung wieder frei von Fremdem – keine Plastikblumen und keine „Duftwunder“. Sie wohnte zwar weiter beim Mann, aber das Gefühl von Befreiung war herrlich. Mit dem Vater hatte sie seitdem nicht mehr gesprochen. Am vierten Tag rief er von sich aus an. — Hallo, — sagte Kristina zögernd. — Na, Kristina… — begann Vater mit schwerer Zunge. — Zufrieden? Freust du dich jetzt? Jana ist weg. Hat mich verlassen… — Ach, wie überraschend, — entfuhr es Kristina. — Lass mich raten: Das passierte, als sie deine echte Wohnung gesehen hat und merkte, dass man da richtig ranklotzen müsste? Vater schniefte. — Genau… Ich hab ‘nen Heizstrahler aufgestellt, auf nem Luftbett geschlafen. Drei Tage hat sie’s ausgehalten… Dann meinte sie, ich wär ein armer Schlucker und Lügner. Hat zusammengepackt und ist zu ihrer Schwester. Meinte, mit mir hat sie nur Zeit verschwendet… Aber wir haben uns doch geliebt, Kristina! — Liebe? Da war doch nichts. Du wolltest dich bequem unterbringen, und sie auch. Ihr habt euch beide vertan. Pause. Vater gab nicht auf. — Es ist schlimm alleine hier, Tochter, — sagte er schließlich. — Es ist furchtbar… Kann ich zurückkommen? Ich bin allein, wirklich! Ich schwöre! Kristina senkte den Blick. Ihr Vater saß irgendwo in Kälte und Verfall. Aber das hatte er sich selbst gebaut: erst Affäre, dann Tochter belogen, jetzt auch noch Jana verarscht. Ja, sie hatte Mitleid. Aber daraus Nachsicht machen – das vergiftet beide. — Nein, Papa. Ich lasse dich nicht zurück, — sagte Kristina. — Hol dir Handwerker, mach die Bude fertig. Lerne, in den Umständen zu leben, die du dir selbst geschaffen hast. Das Einzige, was ich tun kann: Handwerker empfehlen. Mehr nicht. Meld dich, falls du Hilfe brauchst. Dann legte Kristina auf. Hart? Vielleicht. Aber sie wollte nicht, dass künftig irgendwer Flecken auf ihrem Bademantel und ihrer Seele hinterlässt. Manchmal gibt es Schmutz, den kann man nicht mehr reinigen – sondern nur von vornherein draußen halten aus dem eigenen Leben…
Selbst eingebrockt Papa, was sind das denn für neue Sachen? Hast du einen Antiquitätenladen geplündert?
Homy
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012
Entlassen aus dem Krankenhaus – Doch zu Hause kam die bittere Erkenntnis, dass ich nicht mehr allein leben kann: Die schmerzhafteste Lektion meines Lebens Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, erklärten die Ärzte meinen Kindern, dass ich nicht alleine leben sollte. Was dann geschah, wurde für mich zur demütigendsten und traurigsten Lektion meines Lebens.
Es war damals, vor vielen Jahren, als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde und meinen Kindern gesagt
Homy
„Bitte… heirate mich“, flehte die milliardenschwere alleinerziehende Mutter einen Obdachlosen an. Doch was er sich als Gegenleistung wünschte, schockierte alle…
Bitte heirate mich, hauchte sie, während sie eine kleine, von dunklem Samt ausgekleidete Schachtel reichte.
Homy
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012
Der Mann meiner Träume verließ seine Ehefrau für mich – doch die Folgen hätte ich mir nie vorstellen können
Der Mann meiner Träume hat tatsächlich seine Frau für mich verlassen, aber ich hätte nie gedacht, was
Homy
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022
Vaters Wochenendhäuschen Wie Olga zufällig und ganz unerwartet erfuhr, dass das Wochenendhäuschen von ihr und ihrem Vater verkauft worden war – bei einem Telefonat mit der Mutter in einer anderen Stadt, als ein technischer Fehler sie zum Mithören eines vertraulichen Gesprächs machte. So etwas kennt man nur aus Filmen! Zwei Städte, zwei Menschen, die die wichtigsten Neuigkeiten teilen: Das Häuschen ist weg, gut verkauft – und jetzt ist sogar Geld da, um Olga ein wenig zu helfen! Olga erinnert sich an ihr schwieriges Verhältnis zur Physik, die ihr Vater ihr immer nahebringen wollte; an sonnige Septembertage, an süß duftende Äpfel aus dem Garten – Sorten, die ihr ebenso wenig vertraut waren wie die Gesetze der Physik. Die wirklich große Frage: Wie erklärt man die veränderte Herbstsonne? Und wie lebt man mit der heimlichen Verliebtheit in den Physiklehrer? Auf dem Häuschen blühte das wahre Glück: Der Vater, jetzt als Hauptmechaniker im Telegraphiestützpunkt tätig, pfeifend und zufrieden; die Mutter – die schöne, stolze Bibliotheksleiterin mit leuchtend roten Haaren und Sinn für Ordnung – nur selten zu Besuch, ihre perfekten Hände mehr für Bücher als für Beete gedacht. Die kleinen Alltagsdramen und das große, stille Verständnis des Vaters. Später: Olgas Studienjahre in einer fremden Stadt, die Einsamkeit, die zähe Schönheit des neuen Lebens – und die deutsche WG-Nachbarinnen aus der DDR, die stets ordnungsgemäß die geliehenen Zigaretten bezahlen und staunen über russische Gurken, aber Schweigen über die legendären Thüringer Würste. Nach dem Studium, die erste Ehe, Arbeit in der Redaktion der „Neuen Stimme“ des Flugzeugwerks, Trennung, und die zweijähriger Tochter Marisha. Der Vater kommt weiterhin regelmäßig und bringt Äpfel aus dem alten Garten. Später, am Häuschen: Herbsttage, Apfelernte, Drachensteigen, und die Gewissheit der Ewigkeit – bis der Vater nach einem Infarkt im Oktober geht. Olga lebt allein am Häuschen, wird von alten Freunden des Vaters unterstützt, fühlt die Unausweichlichkeit der Veränderung, das Versprechen, mit Marisha jeden Herbst zurückzukehren und den Garten zu pflegen. Das Wochenendhäuschen und die Erinnerungen: Apfelduft, Herbstnebel, der stille Rhythmus von Leben und Abschied. Und die letzte, bittere Überraschung – als Olga erfährt, dass das Häuschen ganz ohne ihr Wissen verkauft wurde, mit dem Setzling weißer Johannisbeere für den Vater noch im Gepäck, während der Regen die gelben Blätter gegen die Schwelle schlägt.
Vaters Gartenhaus Dass das gemeinsame Gartenhaus mit ihrem Vater verkauft worden war, erfuhr Ulrike völlig
Homy
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017
Heimkehr aus Frankreich: Als Johannes spätabends nach der Arbeit in seine Wohnung in Heidelberg zurückkehrt, trifft er unerwartet auf einen Fremden – und entdeckt, dass seine Schwester heimlich eingezogen ist
12. Juni Zurück in Deutschland, wieder Konstanz am Bodensee. Die Stadt war ruhig, als ich spätabends
Homy
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01k.
Mach auf, wir sind da – Willkommen bei Familie! „Julchen, die Tante Nadja kommt!“ – Die Stimme am Telefon klang so übertrieben fröhlich, dass man unwillkürlich die Augen verdrehte. „Wir sind nächste Woche in der Stadt, müssen ein paar Dokumente erledigen. Wir wohnen bei dir, ein oder zwei Wochen, okay?“ Ohne ein „Hallo“, ohne „Wie geht’s?“, einfach: Wir wohnen bei dir. Kein „Dürfen wir?“, kein „Würde es dir passen?“. Wir wohnen bei dir. Punkt. „Tante Nadja“, Julia bemühte sich um einen sanften Tonfall, „schön, von dir zu hören. Aber wegen dem Übernachten… Ich kann euch gern ein Hotel empfehlen? Es gibt gerade günstige und schöne Angebote.“ „Hotel? Wozu Geld ausgeben?“ – Die Tante schnaubte, als hätte die Nichte etwas völlig Absurdes gesagt. „Du hast doch Papas alte Wohnung! Eine große Dreizimmerwohnung – für EINE Person!“ Julia schloss die Augen. Es geht wieder los. „Das ist meine Wohnung, Tante.“ „Deine? Wem gehörte denn dein Vater, bitte? Ist er nicht aus unserer Familie? Blut ist dicker als Wasser, Julia! Wir sind keine Fremden, und du willst uns ins Hotel abschieben wie Streuner!“ „Ich schieb niemanden ab. Ich kann euch nur nicht aufnehmen.“ „Wieso denn das?“ „Weil ihr mir letztes Mal die Hölle bereitet habt“, dachte Julia, sagte aber höflich: „Umstände, Tante Nadja. Es geht einfach nicht.“ „Umstände! Drei leerstehende Zimmer und sie hat Umstände! Dein Vater hätte NIE die Familie vor die Tür gesetzt. Du bist ganz die Mama…“ „Tante…“ „Was, Tante! Wir kommen am Samstag, mittags. Maxim und Pawel sind dabei. Du empfängst uns ordentlich.“ „Ich sagte doch, es geht nicht.“ „Julia!“ – Die Stimme wurde hart und bestimmend. „Das steht nicht zur Debatte. Samstag sind wir da.“ Stille. Julia legte langsam das Handy auf den Tisch, blickte vor sich hin, atmete tief durch und ließ sich in den Stuhl zurückfallen. Wie immer. Vor zwei Jahren war Tante Nadja schon mal „zu Besuch“. Vier Menschen, angekündigt für drei Tage – zwei Wochen dauerte der Spuk. Julia erinnerte sich genau: Maxim, der Gatte, lag auf dem Sofa, natürlich in Straßenschuhen, und zappte bis nachts um drei durch TV-Kanäle. Pawel, ihr Sohn, 23, klaute Essen aus dem Kühlschrank und rührte nie das Geschirr an. Tante Nadja regierte in der Küche und kritisierte alles von den Vorhängen bis zu „falschen“ Fliesen. Beim Abschied: ein durchgebranntes Sesselpolster, eine kaputte Badregale, Flecken auf dem Teppich. Kein Wort zu Geld – nichts für Lebensmittel, nichts für Nebenkosten, die gehörig in die Höhe schossen. Einfach gingen sie – „Danke, Julchen, du bist eine echte Perle.“ Julia massierte die Schläfen. Nie wieder. Soll Tante Nadja ruhig brüllen wegen Papa und Familie! Wenn sie Samstag kommt – die Tür bleibt zu. Sie öffnete das Handy und suchte ein Hotel. Moderne, preiswert, mit Extras. Adresse schicken, freundlich erklären: das ist die einzige Hilfe, die sie bietet. Falls sie es nicht akzeptieren – nicht mehr Julias Problem. Zwei Tage tiefe Ruhe: Julia arbeitete, spazierte abends, kochte Dinner für eine Person und redete sich ein, die Ankündigung der Tante sei bloß ein Albtraum. Vielleicht überlegt die Familie es sich anders. Vielleicht finden sie andere Verwandte zum Unterkommen. Am Donnerstagabend klingelte das Handy. „Tante Nadja“ – und Julias Magen zog sich zusammen. „Julia, ich bin’s! Wir kommen morgen, 14 Uhr Ankunft. Hol uns ab und deck den Tisch, wir haben ordentlich Hunger!“ Julia setzte sich langsam aufs Sofa, die Finger umklammerten das Handy. „Tante Nadja“, sagte sie leise und klar, betonte jedes Wort, „ich habe es gesagt. Ihr kommt nicht in meine Wohnung. Bitte kommt nicht zu mir.“ „Ach, Quatsch!“ – Die Tante lachte, als hätte sie einen schlechten Witz gehört. „Du stellst dich an! Nicht reinlassen, reinlassen… Die Tickets sind gekauft!“ „Das ist euer Problem.“ „Julia, was ist denn los?“ – Erst Verwirrung, dann wieder der gewohnte Druck. „Bist du Familie oder nicht? Du musst helfen, das ist heilig!“ „Ich muss gar nichts.“ „Oh doch! Dein Papa, Gott hab ihn selig…“ „Tante, hör auf mit Papa. Ich sage NEIN. Das ist mein letztes Wort.“ Die Tante seufzte theatralisch: „Julchen, deine Meinung interessiert hier niemanden, kapierst du? Wir sind Familie. Du stellst dich an, als wären wir Fremde! Morgen um zwei, nicht vergessen!“ „Ich sage…“ „Schluss jetzt, bis dann!“ Stille. Julia starrte aufs dunkle Display. Sie spürte eine heiße Wut in der Brust. Das Handy flog aufs Sofa und Julia tigerte durch den Raum – drei Schritte hin, drei zurück, wie ein Tier im Käfig. Ihr Wille zählt also nicht. Na wunderbar. Jetzt wird zurückgewiesen, liebe Tanten. Julia griff zum Handy, suchte den Kontakt „Mama“. „Hallo? Julius, Liebling? Ist was passiert?“ „Mama, ich komme morgen zu dir. Für eine Woche, vielleicht auch länger.“ Pause. „Morgen? Du warst doch erst kürzlich da…“ „Ich weiß. Ich muss einfach. Ich arbeite von überall aus. Kann ich kommen?“ Die Mutter schwieg noch eine Sekunde, Julia sah förmlich, wie sie besorgt nachdachte. „Natürlich, komm. Ich freu mich immer. Ist denn alles okay?“ „Ja, Mama. Ich hab dich einfach vermisst.“ Sie legte auf und lächelte erleichtert. Morgen zur Mittagszeit wird Tante Nadja vor verschlossener Tür stehen. Die können klingeln, meckern, schimpfen – die Gastgeberin ist nicht daheim. Nicht beim Einkaufen, nicht bei Freundinnen, sondern: in einer anderen Stadt, 300 Kilometer entfernt. Julia öffnete die Bahn-App. Morgenzug, 6:45 Uhr. Perfekt. Wenn die Tante an der Tür ist, trinkt sie längst Tee bei Mama. Blut ist dicker als Wasser – aber manchmal muss selbst Familie „Nein!“ hören. Im Zug hörte Julia den Rhythmus der Räder und stellte sich Tante Nadjas Gesicht vor der verschlossenen Wohnung vor. Die Augen fielen zu, die Müdigkeit wuchs, aber die Seele war ruhig. Mama holte sie am Bahnhof ab, drückte sie herzlich, brachte sie nach Hause. Es gab Quarkpfannkuchen und Tee, dann ab ins Bett. „Wir reden später“, meinte Mama, als sie die Tasse wegnahm, „erst mal ausruhen!“ Julia schlief sofort ein. Grelles Klingeln weckte sie. Sie tastete nach dem Handy, blinzelte aufs Display: „Tante Nadja“. „Julia!“ – Die Tante brüllte so laut, dass Julia das Handy abwandte. „Wir stehen seit zwanzig Minuten vor deiner Tür! Wieso machst du nicht auf?!“ Julia richtete sich auf, massierte ihr Gesicht. Draußen ging die Sonne unter – sie hatte halben Tag verschlafen. „Weil ich nicht da bin“, sagte sie und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. „Wie meinst du: nicht da? Wo bist du?!“ „In einer anderen Stadt.“ Stille. Dann Explosion: „Du bist fies geworden! Wusstest, dass wir kommen, und bist abgehauen?! Wie konntest du?!“ „Ganz einfach. Ich habe euch gewarnt. Ihr habt nicht gehört.“ „Wie kannst du nur! Du hast doch sicher jemandem den Schlüssel gegeben! Nachbarn, Freunde! Ruf sie an! Wir kommen auch ohne dich klar, sind nicht blöd!“ Julia stockte. So dreist? „Tante, meinst du das ernst?“ „Aber sicher! Wir sind erschöpft, und du treibst hier deinen Blödsinn!“ „Ich wohne nicht mehr mit euch zusammen. Und erst recht lasse ich euch nicht ohne mich rein.“ „Du – !“ Die Zimmertür ging auf. Mama stand da – Bademantel, zerzauste Haare und scharfes Blinzeln. Sie streckte die Hand aus, und Julia reichte schweigend das Handy. „Nadja“, die Stimme von Mama war eiskalt, „hier ist Vera. Hör zu und unterbrich mich nicht.“ In der Leitung irgendetwas Unverständliches. „Yurij mochte dich nie. Sein ganzes Leben lang nicht. Und ich weiß das besser als jeder andere. Also, warum klammerst du dich an seine Tochter? Was willst du von ihr?“ Die Tante wollte etwas sagen, stotterte, verhaspelte sich. „Ist gut so“, schnitt Mama ruhig ab. „Ruf Julia nie wieder an. Nie. Sie kann sich auf andere Hilfe verlassen – auf dich bestimmt nicht. Ende.“ Sie legte auf und reichte Julia das Handy zurück. Julia sah ihre Mutter an, als hätte sie sie zum ersten Mal gesehen. „Mama… Du… Ich hab dich nie so erlebt.“ Sie schnaubte, rutschte den Bademantel zurecht: „Dein Vater hat es mir beigebracht. Mit Nadja hilft nur eins: Einmal ordentlich brüllen – dann bleibt sie jahrelang fern.“ Sie lächelte endlich, die Augenwinkel kräuselten sich: „Funktioniert immer noch. Unglaublich, oder?“ Julia lachte laut, tief, befreit. Mama stimmte ein. „Nun komm schon“, winkte sie Richtung Küche, „erst mal einen Tee. Erzähl, was überhaupt passiert ist.“
Mach auf, wir sind da Karolinchen, hier ist Tante Birgit! Die Stimme am Telefon klang so übertrieben
Homy
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0965
Als Olga die Wohnung betritt, bleibt sie wie angewurzelt stehen: Neben ihrem und Ivans Schuhen steht ein Paar elegante High Heels – sie erkennt sie sofort als die ihrer Schwägerin. Was will Oksana hier? Ivan hatte nie etwas von ihrem Besuch erwähnt. „Olga, ist dein Mann wieder auf Geschäftsreise?“ ruft ihr Kollege Paul hinterher, als sie zur Bushaltestelle geht. „Wollen wir nach Feierabend einen Kaffee trinken? Deine Lieblings-Kakao, ein bisschen reden – sonst bleibt ja kaum Zeit für ‘Hallo’ oder ‘Tschüss’.“ „Tut mir leid, Paul, heute klappt‘s nicht. Ivan hat versprochen, früher nach Hause zu kommen, wir wollten gemeinsam die neue Küche aussuchen. Und nein, verreist ist er bestimmt nicht.“ „Und ist er wirklich immer pünktlich zuhause?“ fragt Paul mit kaum verhohlener Ironie. „Nicht immer,“ lächelt Olga und schüttelt den Kopf. „Wir brauchen im Moment dringend Geld, deshalb bleibt Ivan länger im Büro. Aber sobald die Wohnung fertig eingerichtet ist, wird sich das bestimmt ändern.“ Paul nickt, wünscht einen schönen Abend und biegt ab. Olga hat Glück: Der Bus kommt sofort, normalerweise wartet sie ewig. Am Fenster sitzend verliert sie sich in Gedanken. Früher wollten Paul und sie heiraten, aber dann trennte man sich aus unerklärlichen Gründen. Ivan kam schnell in ihr Leben; ins Standesamt ging sie eher aus Trotz, um Paul zu zeigen: Schau her, ich bin nicht allein – jetzt ärgere dich ruhig! Paul versuchte sich zu versöhnen, versprach ihr das Glück, wollte sie nie verletzen, ewig treu sein – aber Olgas Herz gehörte schon Ivan. Sie beschloss, dass sie Paul nie wirklich geliebt hatte – vielleicht hatte sie sich das nur eingeredet. Mit der Zeit verblasste die Erinnerung an ihn, bis er vor kurzem zur Filiale versetzt wurde. Er wirkte überraschend erfreut über das „Zusammentreffen“, Olga jedoch spürte, dass er extra diesen Wechsel beantragt hatte, als er von ihrer Position erfuhr. Sie mochte es irgendwie, dass Paul allein blieb und ihr immer noch freundschaftlich begegnete. Insgeheim wünschte sie ihm Glück – und beneidete seine zukünftige Frau ein wenig: Paul konnte charmant umwerben, war ein Romantiker. Ivan dagegen war kein Unglück im Glück, aber in letzter Zeit arbeitete er ständig. Er bemühte sich für die Familie, damit es ihnen an nichts fehlte, aber für Olga blieb kaum Zeit. Und ohnehin wohnten sie in Oksanas Wohnung. Die Schwägerin hatte das großzügig angeboten, solange ihre Kinder klein waren. Oksana und ihr Mann hatten nie Geldsorgen, für sie war die Wohnung bloß eine Investition – später würden die Kinder dort wohnen. Ivan und Olga renovierten nach eigenem Geschmack, kauften Möbel; oft dachte Olga, dass eine möblierte Mietwohnung vielleicht besser gewesen wäre. Das Geld für Renovierung hätte für ein paar Jahre Miete oder eine erste Hypothek gereicht. Aber Ivan strahlte regelrecht, als Oksana ihnen die Wohnung gab. Am Haus angekommen, atmet Olga den typischen Regen-Geruch ein – heute kann sie sich nicht daran erfreuen. Ihr Kopf ist voll Gedanken, keins hält lange, alles fliegt vorbei. Wie lange wohnen sie schon hier? Ein Jahr? Anderthalb? Die Wohnung fühlt sich immer noch wie eine Durchgangsstation an. Renoviert, eingerichtet, und immer wartet sie auf etwas „Besseres“, als müsse das wahre Leben erst beginnen – aber wann? Langsam steigt sie die Treppen hinauf, als sie die Tür öffnet, erstarrt sie: Neben den eigenen Schuhen die teuren High Heels der Schwägerin. Was will Oksana hier? Ivan hat nichts gesagt. Olga will schon ins Wohnzimmer rufen, doch ihre Intuition stoppt sie – sie horcht. Oksanas Stimme klingt von drinnen: „Wir wollten eigentlich Urlaub machen, aber mein Mann kann nicht, deshalb wollte ich dir die Reisegutscheine geben – aber nur unter einer Bedingung: Du fährst nicht mit deiner Frau, sondern mit Vera.“ Olga zuckt innerlich zusammen. Vera? Den Namen hat Ivan mal beiläufig erwähnt, Oksana wollte ihn wohl mit ihrer Freundin verkuppeln. Damals dachte Olga nichts dabei… jetzt aber schnürt ihr die Angst die Kehle zu. Ivan klingt genervt: „Ich brauche Vera nicht, Oksana, ich hab Olga. Warum fängst du wieder damit an?“ Olga atmet auf. Oksana will nur ihre Meinung durchsetzen. Doch dann redet Oksana weiter: „Wen willst du täuschen, Ivan? Ich weiß, wie sehr du Vera mal geliebt hast – ihr wolltet heiraten, bis du gekränkt warst. Mit Olga bist du doch nur zusammen, damit Vera eifersüchtig wird. Sie wollte ja zurück, bat um Verzeihung – und du heiratest stattdessen Olga, aus Trotz!“ Olga klammert sich an die Wand. Hat Ivan sie wirklich nur geheiratet, um jemand anderen zu provozieren? Ihr Herz wird schwer. Auch sie war schnell nach der Trennung von Paul mit Ivan zusammengekommen… Aber jetzt lieben sie sich, das weiß sie doch! Oder? Ivan sagt: „Das ist vorbei, Oksana. Ich bin verheiratet, das zählt jetzt.“ Doch Oksana bleibt hartnäckig: „Was heißt verheiratet? Keine Kinder, zum Glück! Und ‘ne eigene Wohnung hast du auch nicht. Mit Vera hättest du alles – sie hat neulich eine neue Dreizimmerwohnung von ihren Eltern bekommen. Und sie liebt dich immer noch…“ Olga zittert vor Grimm und Enttäuschung, ist wie gelähmt. Was wird Ivan jetzt sagen? Ivan zögert: „Oksana… hör auf… Wohnen ist nicht alles. Wir finden schon unser eigenes Zuhause.“ Doch Oksana lässt nicht locker: „Du verweigerst Veränderungen. Vera war schon immer die bessere Wahl. Wenn du mit Olga weiterziehst, wirst du nie wirklich glücklich. Und übrigens: Ich kann euch meine Wohnung nicht mehr lange überlassen, ich habe andere Pläne – bald müsst ihr ausziehen.“ Ivan fragt leise: „Weiß Vera von deinen Plänen?“ „Natürlich!“ antwortet Oksana prompt. „Sie wollte das so. Die Reisegutscheine stammen von ihr – sie hat mich gebeten, mitzumischen.“ Es wird still. Olga fragt sich panisch, ob Ivan wirklich darüber nachdenkt. Dann hört sie ihn: „Und was sage ich Olga?“ „Sag einfach, du hilfst mir beim Renovieren im Gartenhaus. Währenddessen fährst du mit Vera ans Meer. Ganz unkompliziert.“ Olga hält es nicht mehr aus und schleicht sich heimlich aus der Wohnung. Ihre Füße tragen sie, wie von selbst, in ein stilles Café. Sie bestellt Vanille-Kakao, starrt aus dem Fenster in den Regen, während die Fetzen der gehörten Gespräche ihr keine Ruhe lassen. Wieder und wieder gehen Oksanas Worte ihr durch den Kopf. Konnte Ivan wirklich so lange schweigen, dass er früher beinahe Vera geheiratet hätte? Und dann die Bemerkung mit Paul – Olga und Ivan, beide hatten wohl aus Trotz geheiratet. Aber sie – Olga – liebt ihren Mann wirklich. Sie hat sich sogar geweigert, mit Paul ins Café zu gehen, von Meer ganz zu schweigen. Draußen wird es Nacht, Olga sitzt im Café, ohne den Kakao zu berühren. Die Zeit scheint stillzustehen. Ivan ruft nicht einmal an. „Wahrscheinlich plant er schon das Meer mit Vera,“ denkt sie bitter. Doch ihr Handy ist aus – Akku tot. Es bleibt nichts übrig, als nach Hause zu gehen. Draußen weht kühler Abendwind, Olga überredet sich selbst, dass das Ende ihrer Ehe gekommen ist. Die Trennung scheint unvermeidlich. Wieder zuhause, alles dunkel, leise – statt Gemütlichkeit entdeckt sie Reisetaschen. Ivan packt. „Jetzt fährt er also wirklich“, denkt sie. „Was machst du?“ fragt sie, obwohl sie die Antwort ahnt. Doch Ivan sagt: „Olga, wir gehen. Ich hab schon eine neue Wohnung gefunden. Erst mal zur Miete, aber demnächst nehmen wir einen Kredit. Es reicht, ich will nicht länger von Oksana abhängig sein.“ Olga kann es kaum fassen. Alles, was sie ihm sagen wollte, verliert an Bedeutung. „Wir gehen?“ fragt sie flüsternd. Ivan merkt die Unsicherheit und erklärt: „Ich habe mich mit Oksana gestritten – und beschlossen: Jetzt ist Schluss. Wir brauchen unser eigenes Zuhause.“ Olga fühlt erstmals Entspannung, aber noch ist nichts erledigt. Ivan setzt sich auf das Sofa, sie neben ihm, und er erzählt die ganze Geschichte – auch über Vera. „Ich bin mit dir verheiratet – ja, damals wollte ich Vera eins auswischen. Aber das ist vorbei. Du bist meine Liebe, ich will dich nicht verlieren.“ Olga spürt Erleichterung – die Enttäuschung bleibt, aber Offenheit zählt jetzt. „Tut mir leid, dass ich nie darüber gesprochen habe. Aber als du von Paul erzählt hast, dachte ich, es sei nicht der richtige Moment; später wollte ich es einfach nicht mehr zum Thema machen.“ Sie seufzt, Tränen steigen in ihre Augen – aber Erleichterung überwiegt. „Okay, was vorbei ist, ist vorbei. Du sagst, du hast eine Wohnung?“ „Ja. Vorübergehend, aber unser eigenes Zuhause. Ohne Oksana, ohne ihre Einmischung. Wir schaffen das zusammen – und irgendwann kaufen wir etwas.“ Olga nickt. Das ist ihr Weg: Endlich für sich leben, unabhängig von anderen. Ivan lächelt: „Also, packen wir gemeinsam?“ Olga nickt wieder, stumm. Sie glaubt: Ihr Leben beginnt jetzt wirklich neu – egal, was war, die Zukunft wird gemeinsam gestaltet. — Olga zwischen Vergangenheit und Neuanfang: Wie ein niemals ganz eigenes Zuhause, Familiengeheimnisse und alte Liebschaften ihr Leben durcheinanderwirbeln – und wie sie gemeinsam mit Ivan ihren eigenen Weg wählt
Als ich nach Hause kam, bin ich erstmal stehen geblieben direkt im Flur, da wo immer unsere Schuhe stehen
Homy
Educational
012
Ei, wohin gehst du? Und wer kocht jetzt für uns? — Was soll das? Wohin willst du gehen? Und wer übernimmt jetzt das Kochen? — fragte der alarmierte Ehemann, als er sah, was Antonia nach dem Streit mit ihrer Schwiegermutter tat…
Hanna, wohin willst du denn? Und wer soll jetzt für uns kochen? Was ist denn das? Wohin gehst du?
Homy