„– Wegen deiner Schwärmerei bist du von der Uni geflogen! Wir haben dich zum Studieren nach München geschickt, nicht zum Heiraten! Uns hat gerade noch gefehlt, ein Mädchen vom Land in die Familie aufzunehmen! – schimpfte der Vater. Die stürmische Verliebtheit des Sohnes sollte durch eine Trennung beendet werden, und auf Wunsch des Vaters ging Viktor zum Wehrdienst. Jahre später, während sie zu Hause Ordnung schaffte – neue Tapeten, gordinen gewechselt, endlich die Sachen auf dem Dachboden sortiert – fand Viktoria in einer alten Kiste die Briefe von Viktor. Wie lange hatte sie diese nicht mehr geöffnet! Das Putzen geriet in Vergessenheit, als sie einen Brief nach dem anderen las und an die Zeit zurückdachte, als sie und Viktor sich an der Technischen Universität München kennenlernten: Er aus der Stadt, sie vom Land. Die Liebe war stürmisch, aber die Trennung folgte bald. Die Briefe wurden ihr Trost – bis sie plötzlich ausblieben… Sashko, gemeinsamer Freund, überzeugte Viktor, nicht mehr zu schreiben – angeblich wegen Viktorias neuem Glück. Viktoria resignierte und heiratete Sashko. Doch das Leben brachte kein Glück. Die Ehe blieb ohne Liebe, beide lebten bloß nebeneinander. 35 Jahre vergingen. Die Kinder wurden erwachsen – und die Ehe zerbrach. Nach der Trennung erfuhr Viktoria, wie ihre große Liebe von damals manipuliert worden war. Auch Viktors Ehe war gescheitert, und beide lebten allein. Beim Aufräumen las Viktoria erneut die alten Briefe, weinte und lächelte – und beschloss, ihm zu schreiben, ihn einzuladen ins Café gegenüber. Und tatsächlich… als sich nach so vielen Jahren ihre Blicke trafen, erkannten sie, die wahre Liebe vergeht nie. Seit fast fünf Jahren leben sie nun zusammen und zählen jeden Tag zu den glücklichsten ihres Lebens. – Wahre Liebe verschwindet nicht spurlos. Davon sind wir heute überzeugt!“
Wegen deiner Schwärmerei bist du von der Uni geflogen! Wir haben dich zum Studieren nach Berlin geschickt
Homy
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097
„Ich möchte endlich mal an mich denken und richtig ausschlafen“, sagte mein Mann beim Abschied Drei Monate dauerte dieses Chaos. Drei Monate schlafloser Nächte, in denen Max laut schrie und die Nachbarn an die Wand klopften. Drei Monate, in denen Marina wie ein Zombie mit roten Augen und zitternden Händen durchs Leben stapfte. Igor hingegen schlurfte miesgelaunt durch die Wohnung – wie ein Gewitter auf zwei Beinen. „Kannst du dir vorstellen, wie ich auf der Arbeit mittlerweile aussehe? Wie ein Penner!“, warf er eines Morgens einen Blick in den Spiegel. „Ich habe Augenringe bis zu den Kniescheiben.“ Marina schwieg. Fütterte ihren Sohn, schaukelte ihn, fütterte wieder – ein endloser Kreislauf. Und irgendwo in der Nähe tapste Igor umher, ihr Mann, der statt Unterstützung nur Beschwerden lieferte. „Sag mal, könnte deine Mutter mal einspringen?“, fragte er an einem Abend entspannt nach einer heißen Dusche. Frisch und ausgeruht. „Ich hab überlegt, ob ich vielleicht eine Woche zu einem Kumpel aufs Land fahre…“ Marina erstarrte mit dem Fläschchen in der Hand. „Ich brauche dringend eine Pause, Marina. Ganz ehrlich.“ Igor begann, seine Sachen in eine Sporttasche zu packen. „Ich habe schon ewig nicht mehr richtig geschlafen.“ Und sie? Schlafen?! Ihre Augen fallen zu, aber kaum liegt sie, fängt Max wieder an zu schreien. Und das ist in dieser Nacht schon das vierte Mal. „Mir ist auch alles zu viel…“, flüsterte sie. „Klar ist es schwer“, winkte Igor ab, während er sein Lieblingshemd in die Tasche stopfte. „Aber ich hab halt einen anspruchsvollen Job, Verantwortung – so kann ich nicht zu den Kund:innen.“ Und plötzlich sah Marina sich aus der Distanz: Sie im ausgebeulten Bademantel, mit zerzausten Haaren und schreiendem Kind auf dem Arm. Und er, der seine Tasche packt und vor allem wegrennt. „Ich möchte endlich mal für mich leben und schlafen“, murmelte Igor, ohne sie anzusehen. Die Tür fiel ins Schloss. Marina stand mit ihrem weinenden Sohn mitten in der Wohnung und spürte, wie innen alles zerfiel. Eine Woche verging. Dann noch eine. Igor meldete sich dreimal – fragte nach dem Rechten. Sein Ton war distanziert, als würde er mit einer entfernten Bekannten reden. „Komme am Wochenende.“ Kam nicht. „Bin morgen definitiv da.“ Wieder nichts. Marina wiegte den schreienden Sohn, wechselte Windeln, machte Fläschchen. Schlaf nur in halben Stunden zwischen den Fütterungen. „Bei dir alles gut?“ fragte eine Freundin. „Klar“, log Marina. Warum lügt sie? Es ist doch zum Schämen – der Mann hat sie verlassen. Sie allein mit dem Baby. Schlimmer kann’s doch kaum werden! Aber das Überraschendste passierte im Supermarkt – sie traf Lenas Kollegin, die mit Igor im Büro arbeitet. „Und wo steckt deiner?“, fragte Lena. „Arbeitet viel.“ „Klar. Männer sind alle gleich – sobald Kinder da sind, stecken sie nur noch im Büro.“ Lena rückte näher: „Sag mal, ist Igor oft auf Geschäftsreisen?“ „Welche Geschäftsreisen?“ „Na, nach Hamburg ist er doch gerade erst gefahren! Seminar. Hat uns die Fotos gezeigt.“ Hamburg? Wann das denn?! Marina erinnerte sich: Igor hatte letzte Woche drei Tage nicht angerufen. Sagt, er sei beschäftigt gewesen. Gelogen, nicht beschäftigt. In Hamburg entspannt. Igor kam schließlich am Samstag vorbei. Mit Blumen. „Entschuldige, dass ich länger nicht da war. Viel Arbeit.“ „Warst du in Hamburg?“ Er erstarrte mit dem Strauß in der Hand. „Wer hat das gesagt?“ „Egal. Wichtig ist: Warum lügst du?“ „Ich lüge nicht. Wollte nur nicht, dass du traurig bist, weil ich allein gefahren bin.“ Allein?! Mit Baby hätte sie sowieso nicht reisen können! „Igor, ich brauche Hilfe, verstehst du? Ich habe wochenlang nicht geschlafen.“ „Dann bezahlen wir halt eine Nanny.“ „Wovon? Du gibst doch kein Geld.“ „Wie kein Geld? Ich bezahle doch unsere Wohnung und die Nebenkosten.“ „Und für Essen? Windeln? Medikamente?“ Schweigen. Dann: „Vielleicht gehst du wieder arbeiten? Wenigstens in Teilzeit? Warum hockst du zuhause? Dann nehmen wir eine Nanny.“ Zu Hause hocken. Als wäre das Erholung! Marina nahm Max, sah Igor an und wusste plötzlich: Dieser Mann liebt sie nicht. Nie geliebt. „Geh.“ „Was?“ „Raus. Und komm nicht wieder, solange du nicht für dich selbst entschieden hast: Familie oder Freiheit.“ Igor nahm die Schlüssel und ging. Zwei Tage später schrieb er: „Denke nach.“ Marina schlief weiterhin nicht. Und dachte ebenfalls nach. Stellen Sie sich vor, Sie sind zum ersten Mal seit Monaten mit Ihren eigenen Gedanken allein. Mutter rief an: „Marina, wie geht’s? Igor nicht daheim?“ „In Geschäftsreise.“ Wieder gelogen. „Soll ich mal vorbeikommen? Helfen?“ „Ich schaffe das.“ Aber Mutter kam einfach von selbst. „Was ist denn hier los?“, schaute sich um. „Ach du meine Güte, sieh dich mal an!“ Marina sah in den Spiegel. Ja, famos. „Und Igor?“ „Arbeitet.“ „Um acht Uhr abends?“ Marina schwieg. „Was ist los?“ Da brach Marina in Tränen aus. Richtig – laut, verzweifelt, wie ein Kind. „Er ist weg. Sagt, er will für sich leben.“ Mutter schwieg. Dann: „So ein Mistkerl. Ein ganz seltener.“ Marina war überrascht. Ihre Mutter schimpfte nie. „Ich hab immer gedacht, Igor ist schwach. Aber so schwach hätte ich nicht erwartet.“ „Mama, vielleicht hab ich ja Schuld? Hätte ich mehr Verständnis zeigen müssen?“ „Marina, ist dir das alles nicht zu viel?“ Diese Einfachheit traf Marina – die ganze Zeit hatte sie nur an Igor gedacht. An seine Müdigkeit, seinen Komfort. Nie an sich selbst. „Was soll ich jetzt tun?“ „Leben. Ohne ihn. Lieber alleine, als mit so einem.“ Igor kam am Samstag zurück. Gebräunt. Wahrscheinlich hat er „nachgedacht“ auf dem Land. „Können wir reden?“ „Ja.“ Sie setzen sich: „Hör mal, Marina, ich weiß, es ist für dich hart. Aber für mich auch nicht leicht. Vielleicht einigen wir uns: Ich zahle Geld, besuche euch, wohne aber erstmal getrennt.“ „Wie viel?“ „Was?“ „Geld. Wie viel?“ „Naja, vielleicht tausend Euro.“ Tausend Euro. Fürs Kind, Essen, Medikamente. „Igor, verschwinde.“ „Was?!“ „Du hast mich schon verstanden. Und bleib weg.“ „Marina, ich meine es ernst!“ „Das meine ich auch. Freiheit wolltest du? Und wo bleibt meine?“ Und dann sagte Igor den Satz, der alles klärte: „Was willst du denn mit Freiheit? Du bist doch Mutter!“ Marina sah ihn an: Da war er, der echte Igor. Ein kindischer Egoist, der Mutterschaft für ein Urteil hält. „Morgen gebe ich den Antrag auf Unterhalt ab. Ein Viertel deines Gehalts. So steht’s im Gesetz.“ „Das traust du dich nicht!“ „Doch, das tu ich.“ Er ging und schlug die Tür zu. Und Marina spürte zum ersten Mal: Es wird leichter zu atmen. Max weinte. Aber jetzt wusste sie: Sie schafft das. Ein Jahr verging. Igor versuchte zweimal zurückzukommen. „Marina, wollen wir es probieren?“ „Zu spät.“ Igor bezeichnete Marina als zickig. Überhaupt nicht überzeugend. Marina fand eine Nanny, fing als Krankenschwester an. Auf der Arbeit lernte sie Arzt Andreas kennen. „Haben Sie Kinder?“ „Einen Sohn.“ „Und der Vater?“ „Lebt für sich.“ Sie stellte Andreas vor. Er brachte Max ein Spielzeugauto mit. Die beiden spielten und lachten zusammen. Bald spazierten sie oft gemeinsam durch den Park. Igor erfuhr davon. Rief an: „Das Kind ist ein Jahr, und du schon mit anderen Männern!“ „Und du? Soll ich warten?“ „Du bist Mutter!“ „Ja, bin ich. Und was ist?“ Er rief nie wieder an. Andreas war anders. Wenn Max krank wurde – kam sofort. Wenn Marina völlig erschöpft war – nahm sie mit zu seinem Häuschen aufs Land. Jetzt ist Max zwei. Nannte Andreas „Opa“. Igor erinnert er sich nicht. Igor hat wieder geheiratet. Unterhalt zahlt er. Marina ist nicht wütend. Auch sie lebt jetzt für sich selbst. Und das ist wunderbar.
Ich will mal nur an mich denken und endlich ausschlafen, verkündete mein Mann beim Gehen. Drei Monate
Homy
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06
Nach 25 Jahren Ehe verlassen – Wie ein arbeitsloser Schlosser in einem kleinen deutschen Städtchen zum Stadtgespräch wurde, weil seine Frau zum ersten Mal Fabrikarbeit annahm, und wie ein Treffen im teuren Restaurant alles veränderte
Verlassen Stell dir vor, fünfundzwanzig Jahre Ehe! Und dann hat er sie einfach verlassen! tuschelten
Homy
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025
Gebt uns die Schlüssel zum Ferienhaus – wir wohnen dort während der Feiertage! Wie ein hilfsbereites Ehepaar Freunde zu ihrem Häuschen einlud, ohne Folgen zu bedenken Iwan und Elena verbringen wegen seiner kranken Mutter Silvester ruhig zu Hause. Ihre Freunde Rita und Michael sind enttäuscht, weil der geplante Ausflug aufs Land abgesagt wird. Doch Rita überredet Elena, ihnen den Schlüssel zum Ferienhaus zu geben – sie wollen dem Stress mit der Schwiegermutter entfliehen! Was als Gefälligkeit beginnt, wird zur Belastung: Von Schneechaos, defektem Grill und ständiger Hilfe am Telefon bis zu unerwarteten Nebenkosten für Traktor, Elektro-Schaufel und Duftöle in der Sauna. Am Ende fordern die Freunde, dass die Ausgaben fürs Ferienhaus geteilt werden! Nach diesem Ferienhaus-Fiasko bleibt die Freundschaft auf der Strecke – und die großzügigen Gastgeber vertrauen ihr Eigentum nie wieder leichtfertig anderen an.
2. Januar Heute ist ein Tag voller gemischter Gefühle. Seitdem meine Mutter krank geworden ist, haben
Homy
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06
Das Haus des Anstoßes – Oder warum betrifft das eigentlich mein Zuhause?
Haus des Anstoßes Und was hat das jetzt mit meinem Haus zu tun? Tante Ingrid, die gerade schon ein Glas
Homy
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017
Nachricht auf dem Handy meines Mannes kurz vor Mitternacht – ich stelle seinen Koffer auf die Treppe – Hast du den Sekt wieder ins Gefrierfach gelegt? Ich habe doch gesagt, einfach in den Kühlschrank, sonst friert er wieder und dann haben wir Sekt mit Eisstücken, – Galina wuselte um den festlich gedeckten Tisch und suchte Platz für das Schälchen mit rotem Kaviar. Andreas, lässig auf dem Sofa vor dem Fernseher, drehte sich nicht einmal um. Er war ganz in seine Handy-Chats vertieft, tippte blitzschnell, ein kaum merkliches Lächeln auf den Lippen. – Ach komm, Galina, sei nicht so pingelig. Zwanzig Minuten wird da schon nichts passieren. Wir holen ihn raus, während der Bundespräsident spricht, dann wärmt er sich von selbst auf, – winkte er ab und sah nicht vom Handy auf. – Sag mir lieber, wo mein blaues Hemd ist. Das, das du letzte Woche gebügelt hast. Galina seufzte und wischte sich die Hände am Schürzchen ab. Bis Mitternacht war es nur noch anderthalb Stunden, und ihre Ente im Ofen brauchte Aufmerksamkeit – für die Frisur war auch noch keine Zeit. Jeder Silvesterabend verlief nach demselben Muster: Sie machte sich einen Stress, damit alles perfekt wirkt, während Andreas das für selbstverständlich nahm und sich nur minimal an den Vorbereitungen beteiligte. – Im Schrank auf dem zweiten Brett, Andreas. Wo auch sonst? – Sie schaute nach der Ente. Der Duft von Bratäpfeln und Gewürzen erfüllte die Küche, verbreitete diese ganz besondere Festtagswärme. – Du könntest wenigstens beim Tischdecken helfen. Die Servietten, die Gläser… – Gleich, Galina, gleich. Das ist eine wichtige Nachricht von der Arbeit, muss ich kurz beantworten, – murmelte er. Galina stockte einen Moment. Eine Arbeitsnachricht? Am 31. Dezember, um kurz vor elf? Andreas arbeite doch als Logistikleiter, da hatte um die Uhrzeit jeder Spediteur schon frei. Sie schob die Bedenken beiseite. Vielleicht steckt doch irgendwo ein Lkw fest oder eine Rechnung fehlt. Nach 25 Jahren Ehe hatte sie gelernt, Andreas zu vertrauen, oder sich zumindest keine Vorwürfe wegen Kleinigkeiten zu machen. Sie schnitt den Käse und dachte daran, dass sie diesmal niemand eingeladen hatten. Die Kinder – Sohn Arne und Tochter Lena – sind längst aus dem Haus. Arne feierte mit seiner Verlobten in den Alpen, Lena war mit ihrem Mann nach Mallorca geflogen. Galina war zunächst niedergeschlagen, dann beschloss sie, einen romantischen Abend zu zweit zu gestalten. Wie früher. Sie hatte ein neues Kleid gekauft, dunkelblauer Samt, passend zu ihren Augen, war extra zum Friseur und zur Maniküre, hatte schöne Geschenke organisiert. Für Andreas gab es eine hochwertige Armbanduhr, auf die er so lange gespart hätte, aber sich das Geld immer verkniff. – Gefunden! – rief Andreas aus dem Schlafzimmer. – Das steht mir gar nicht schlecht, oder? Hab ich zugenommen? Er kam in den Flur, die Knöpfe am Bauch schlossen sich mit Mühe. Galina betrachtete ihren Mann liebevoll. Für 52 sah er gut aus. Die grauen Schläfen gaben ihm Würde, die Lachfalten kamen nur beim Lächeln. – Ganz der Gentleman – sagte sie ehrlich. – Komm, wir verabschieden das alte Jahr. Sie gingen zum Tisch. Im Fernsehen jubelte die Show, Stars sangen Dreißig-Jahre-Hits, die Lichterkette blinkte am Baum. Galina schöpfte ihm Salat, schenkte Beerenpunsch aus. Andreas legte das Handy aufs Tischtuch, Display nach unten, direkt neben seinen Teller. – Auf ein neues Jahr und dass alles Schlechte zurückbleibt, – Galina erhob ihr Glas. – Na klar, – Andreas stieß an, trank aus und griff sofort ans Handy. – Eine Sekunde, ich muss nur das Ergebnis checken. – Andreas, jetzt lass doch mal das Handy weg, – bat Galina dieser Zeit eindringlich. – Wir sitzen hier zu zweit. Wozu das Gerät? Schenk deiner Frau Aufmerksamkeit. – Galina, fang bitte nicht an. Jeder ist erreichbar heutzutage. Wer weiß, vielleicht meldet sich Arne oder Lena schickt Fotos? Da hatte er einen Punkt. Galina schwieg – vielleicht würden die Kinder ja wirklich noch schreiben. Sie aßen, redeten über das Wetter, die kommenden Feiertage. Andreas schlug vor, an die Hütte zu fahren, Schnee zu räumen, Grillen anzufeuern. Galina nickte, stellte sich die Spaziergänge vor. Alles wirkte so ruhig, so richtig. Die Ente war auf den Punkt geröstet, das Fleisch löste sich förmlich, die Äpfel waren köstlich. Kurz vor zwölf griff Andreas endlich nach dem Sekt. – Na dann, Mutti, stöpseln wir auf! Bald schlagen die Glocken. Die Flasche knallte, prickelnder Wein floss ins Glas. Galina war aufgeregt wie ein Kind. Der Moment des Jahreswechsels schien ihr immer magisch. Papier und Stift lagen bereit für den Wunsch, der verbrannt und ins Sektglas gemischt werden sollte. Seit Jahren schrieb sie denselben: “Dass alle gesund und glücklich bleiben”. Am Bildschirm erschienen die Glocken. Der Countdown begann. – Frohes Neues, Liebling! – rief Andreas und hob sein Glas. – Frohes Neues, Andi! – Galina lächelte. In diesem Moment, genau beim ersten Glockenschlag, vibrierte das Handy mit einem kurzen Ton, der Display leuchtete auf. Es lag kaum einen halben Meter neben Galinas Hand. Andreas, beschäftigt mit dem Sekt, schaffte es nicht rechtzeitig covern oder verdecken. Die Benachrichtigung erschien als heller Balken auf dem dunklen Hintergrund. Große Schrift, Nachrichtenvorschau. Galina wollte nicht lesen, aber das Auge fiel von selbst und las die bekannten Buchstaben. Die Nachricht stammte von “Herrn Meier Autowerkstatt”. Text: “Frohes Neues, mein Löwe! Kann es kaum erwarten, bis du dich von deiner Glucke losreißt. Der Sekt wird warm, und Dessous sind überflüssig geworden. Lieb dich, deine Mieze.” Galina erstarrte. Die Zeit stand still. Die Fernsehglocken bohrten weiter: dong, dong, dong – der Klang war wattig entfernt. Sie starrte auf den Bildschirm, bis er erlosch, doch die Worte brannten sich wie Feuer ein: “Mein Löwe.” “Von deiner Glucke.” “Deine Mieze.” Unterschrieben – Herr Meier. Langsam setzte die Erkenntnis ein, schmerzhaft und stoßweise. Herr Meier. Autowerkstatt. Andreas fuhr in letzter Zeit ständig zum Service. Sagte, das Auto spinnt, mal Radlager, mal Öl, mal Sensor. “Altes Schätzchen, braucht Pflege.” Galina hatte geglaubt, mitgefühlt, Geld für Ersatzteile aus dem Haushaltsbudget gegeben. Andreas sah ihren Blick. Sah, wie ihr Gesicht erblasste. Hektisch griff er das Handy und steckte es eilig in die Hosentasche. – Galina, was hast du denn? Denk an deinen Wunsch, die Glocken schlagen! – Seine Stimme zitterte, ein Hauch von Panik. Langsam hob Galina den Blick. Keine Tränen, nur die eisige, lähmende Erkenntnis. Fünfundzwanzig Jahre. Ein Vierteljahrhundert. Und dann “Glucke”. – Herr Meier also? – fragte sie leise mit fremder, heiserer Stimme. Andreas verschluckte sich. – Wer? Wen meinst du? Ein Mechaniker hat mich nur beglückwünscht, vermutlich Massen-Mail. Die schicken das an alle Kunden. – Nennt der Mechaniker dich “Löwe”? Und wartet im Negligé? – Galina erhob sich, der Stuhl kratzte widerlich am Parkett. Andreas’ Gesicht überzog sich mit roten Flecken. Er versuchte ein Lächeln, es geriet zur Grimasse. – Galina, du starrst anderen Leuten aufs Handy? Das ist ja peinlich! Außerdem hast du alles falsch verstanden. Die Jungs aus der Werkstatt machen halt mal blöde Späße. – Zeig her, – Galina streckte die Hand aus. – Zeig die Unterhaltung. Wenn das ein Werkstattwitz war, lachen wir zusammen. Andreas lehnte sich ängstlich zurück und schützte die Tasche. – Ich muss gar nichts zeigen! Ein Mensch braucht Privatsphäre! Du machst hier ausgerechnet zu Silvester eine Eifersuchtsszene? Bist du jetzt völlig durchgedreht? Im Fernsehen beginnt die Nationalhymne. Draußen knallen Feuerwerke. Drinnen herrscht zermürbende Stille. – Völlig durchgedreht … Also, ich bin die alte Glucke, und du hast draußen eine junge Mieze? – Das hab ich nie gesagt! – quietschte Andreas. – Das ist alles Fantasie! Hör auf zu spinnen, lass uns anstoßen und uns beruhigen. Galina blickte auf den festlich gedeckten Tisch. Die Ente, die sie mariniert hatte. Die Salate, von ihr geschnitten. Den Kristall, der sonst nur zu großen Feiertagen aus der Vitrine kommt. All das wirkte plötzlich wie eine Kulisse. Ein billiges Theater, in dem sie die Törin gab. Schweigend verließ sie die Küche. – Galina! Wohin gehst du? – Andreas sprang auf, folgte aber nicht. Sie ging ins Schlafzimmer, knipste helles Licht an, das unerbittlich das gemeinsame Bett aufleuchtete. Die Tagesdecke, von ihr passend zu den Vorhängen ausgewählt. Die Polster, auf denen sie Jahre miteinander verbracht hatten. Sie schob die Schiebetür des Schranks auf. Oben lag der große Rollkoffer. Mit dem waren sie zuletzt vor drei Jahren in die Türkei gereist, der letzte gemeinsame Urlaub, in dem Andreas schon so abwesend und mit dem Handy beschäftigt war. Galina wuchtete den Koffer auf den Boden. Sie öffnete ihn und begann, methodisch alle Sachen vom Mann hereinzuschaufeln. Pullover, Jeans, T-Shirts – alles flog als Häufchen hinein. Sie faltete und glättete nicht. Einfach rein, ohne Rücksicht. – Sag mal, tickst du noch richtig? – Andreas stand in der Tür. Seine Augen waren rund. – Spinnst du? Silvester! – Genau, – presste Galina hervor. Sie kippte das Socken- und Unterwäschefach über dem Koffer aus. – Silvester. Neustart. Mit deiner Mieze. Ich ohne Verräter. – Galina, hör auf! Das war nur eine Nachricht! Da war nix! – Andreas griff nach ihren Armen. Galina stieß ihn mit unverhoffter Kraft fort. Adrenalin und Wut gaben ihr Kraft. – Fass mich nicht an! – brüllte sie, dass Andreas zurückwich. – Nichts war? “Kann es nicht erwarten, dass du dich losreißt”? Deshalb hast du gedrängelt? Deshalb warst du den ganzen Abend nervös? Wolltest schnell schlemmen, anstoßen und ab zu ihr, und mir Märchen vom kranken Freund oder einem Unfall auf der Arbeit erzählen? Andreas schwieg. An seinem irren Blick erkannte Galina, dass sie den Nagel getroffen hatte. Genau dieser Plan: Mit der Ehefrau das neue Jahr, dann zur Geliebten weiterfeiern. – Raus! – sagte sie ruhig. – Sofort. – Wo soll ich denn hin? Es ist Nacht! Erster Januar! Du bist nicht bei Trost! Das ist auch meine Wohnung! – Die Wohnung war ein Geschenk meiner Eltern. Du bist hier nur gemeldet. Und gleich nach den Feiertagen bist du abgemeldet. Jetzt – ab zu Herrn Meier. In die Werkstatt. Sollen er und deine Mieze dich wärmen. Sie klappte den Koffer zu. Kleidung quoll heraus, der Reißverschluss ging kaum zu, egal. Sie drückte das Knie drauf, irgendwie zu, der Hemdenärmel hing raus. – Galina, lass uns morgen reden. Wir sind beide betrunken … – Andreas versuchte zu beschwichtigen. – Ich hab keinen Tropfen getrunken – schnitt sie ihm ab. – Und reden brauchen wir nicht. Fünfundzwanzig Jahre … Ich hab dir alles geglaubt, dich auf Händen getragen – und ich war für dich die Glucke. Sie packte den Koffer und ließ ihn durch den Flur rollen. Die Räder klapperten auf dem Laminat. Andreas trabte hinterher. – Du schmeißt wegen Nichtigkeiten alles weg! Denk an die Kinder! Was wird Arne sagen? – Den Kindern erzähle ich alles. Und zeige den Screenshot, wenn du nicht gleich verschwindest. Mal sehen, wie Arne reagiert, wenn Papa Mama “Glucke” nennt. Andreas erbleichte – die Meinung des Sohnes war ihm immer wichtig gewesen. Im Flur öffnete Galina die Tür. Aus dem Treppenhaus wehte kühle Luft und der Duft von angebranntem Essen. Man hörte “Prosit!” und Gläserklirren von den Nachbarn. – Nimm deine Jacke! – befahl sie. Andreas zog widerwillig den Parka an – hoffte immer noch, dass es ein Theater sei: Ein bisschen Geschirr fliegt, dann verzeiht sie. Jetzt weint sie doch gleich, und alles wird wie immer. – Galina, wohin soll ich denn? Hör auf mit dem Zirkus. Jeder macht mal einen Fehler. Es war eine Affäre, nichts Ernstes. Ich liebe dich doch! Dieses “Ich liebe dich” nach dem “Glucke” war der letzte Tropfen. – Raus! – Galina schob den Koffer auf den Treppenabsatz. Er rollte ein paar Meter und krachte gegen das Geländer. Der Hemdenärmel hing wie eine weiße Kapitulationsflagge. Andreas humpelte hinterher, noch im Hausschuhen. – Die Stiefel! – erinnerte Galina und schleuderte sie ihm vor die Füße. – Und den Schlüssel aufs Regal. – Du wirst es bereuen, Galina! Jetzt bist du allein! Wen willst du noch mit fünfzig? – Endlich brach die Wut hervor. Sein Gesicht verzog sich hasserfüllt. – Deine Suppen und Langeweile hab ich jahrelang ertragen! Die Mieze ist jung, lebendig – du bist eine ausgeleierte Schallplatte! – Gut so, – Galina empfand seltsame Erleichterung bei seinen Worten. Die Masken waren gefallen: Kein Ehemann, sondern ein fremder, böser Kerl. – Vielleicht kann Mieze Ente braten. Sie schloss die Tür vor seiner Nase, drehte den Riegel zweimal und legte die Kette vor. Mit dem Rücken zur eisigen Tür lehnte sie sich an, lauschte. Im Flur polterte es, Geschimpfe, Schuhgetrampel. Andreas zog sich um. Dann rollte der Koffer weg und man hörte den Aufzug. Stille. Galina glitt am Türrahmen hinunter. Die Beine zitterten, Herz klopfte bis zum Hals. Sie saß auf der Fußmatte im teuren Samtkleid und starrte auf den leeren Garderobenhaken, wo gerade noch Andreas‘ Jacke hing. Tränen kamen (noch) nicht – nur Schock, wie nach einem Unfall, wenn man die Verletzung sieht, aber keinen Schmerz spürt. Zehn Minuten saß sie dort, dann stand sie auf, strich das Kleid glatt und ging in die Küche. Dort hatte sich nichts verändert. Der Fernseher lief weiter, jetzt kam ein Musical. Der Sekt hörte auf zu perlen. Die Ente kühlte ab, das Fett glänzte nicht mehr. Galina nahm ihr Glas. – Frohes neues Jahr, Galina, – murmelte sie der leeren Stube zu. – Frohes neues Leben. Sie trank den Sekt wie Wasser. Er schmeckte nach nichts. Ihr Blick fiel auf das Geschenk für Andreas, die schöne Schachtel mit der Schweizer Uhr. Drei Monate hatte sie dafür gespart. Galina öffnete die Schachtel, das Chrom glänzte. – Macht nichts, – flüsterte sie. – Geb ich Arne. Oder ich verkauf sie, gönn mir was im Schwarzwald. Sie setzte sich an Andreas‘ Platz. Griff zur Gabel, probierte den Salat. Köstlich. Sie konnte immer gut kochen. Die Wohnung war sauber. Sie war gepflegt. “Glucke.” Das Wort steckte wie ein Splitter im Kopf. Aber als Andreas weg war, begann es die Kraft zu verlieren. Würde eine Glucke in der Silvesternacht ihren Mann rauswerfen? Eher hätte sie geschluckt, so getan als ob, heimlich ins Kissen geweint – und sich erst recht bemüht, zu gefallen. Aber sie hat ihn rausgeworfen. Also kein Hausmütterchen, sondern eine Frau mit Stolz. Galinas Handy piepte. Sie erschrak, dachte schon an fiese oder reuige Nachrichten von Andreas. Doch es war ein Bild von ihrer Tochter. Foto: Lena und ihr Mann am Strand, mit Weihnachtsmützen, Kokosnüsse in der Hand. “Mama und Papa! Frohes neues Jahr! Wir haben euch lieb! Wie geht’s euch? Lasst es euch schmecken mit Mamas Ente! Küsschen!” Galina sah die fröhliche, braungebrannte Lena, die ihr in jungen Jahren so ähnelt. Endlich kamen Tränen. Aber keine der Verzweiflung, sondern der Befreiung. Sie weinte um sich selbst, die vertanen Jahre und die blinde Liebe. Sie aß das Oliviersalat direkt mit dem großen Löffel aus der Schüssel. Dann wischte sie sich das Gesicht ab. Tippte der Tochter: “Frohes neues Jahr, meine Lieben! Uns geht’s gut. Papa … ist kurz frische Luft schnappen. Hab euch lieb.” Sie wollte ihnen das Fest nicht vermiesen. Sie erzählt es später. Heute war es nur ihr Kampf, ihr Sieg. Galina stand am Fenster. Neunter Stock. Unten zündete jemand Feuerwerk, bunte Blitze leuchteten über schneebedeckten Autos. Irgendwo unten lief Andreas mit Koffer. Sie sah ihn vor sich, wie er durch Schnee rollt, nach Taxi sucht. In der Silvesternacht kosten Taxen ein Vermögen, und man wartet lange. Und “Mieze” … Empfängt sie ihn mit Koffer? Einen Liebhaber mit Sekt und Geschenken nimmt man gern für ein paar Stunden auf – einen Mann, den die Ehefrau rausgeworfen hat, mit zerbeulten Sachen und ohne Geld (die Karten lagen alle auf Galinas Namen, war keine Gehalt mehr drauf) und Problemen? Galina schmunzelte. Werkstattromantik zerschellt schnell an der harten Realität. Sie kehrte zurück, nahm ein Entenbein, biss kräftig ab. Der Hunger kam zurück. Mit jedem Bissen fühlte sie sich gestärkter. Plötzlich klingelte es lang und stur an der Tür. Galina erschrak. Zurückgekehrt? Will er die Tür eintreten? Leise ging sie zum Guckloch. Auf dem Flur stand die Nachbarin, Frau Walter, leicht beschwipst, mit einer Schale unter dem Tuch. Galina öffnete aufatmend. – Galinchen, frohes neues Jahr! – rief Frau Walter mit Schwung. – Wir haben frische Krautpiroggen gebacken! Wollte mal den Nachbarn was bringen. Warum ist bei euch so ruhig? Wo ist Andreas? Hab den vorhin mit Koffer am Aufzug gesehen, ganz bleich. Dienstreise im neuen Jahr? Galina schaute auf die Piroggen. – Ist verreist, Frau Walter – antwortete sie ruhig. – Dienstreise. Lange. Für immer. Die Nachbarin bekam große Augen. – Wirklich? In der Silvesternacht? Hattet ihr etwa Streit? – Nein, – Galina lächelte ehrlich. – Im Gegenteil. Dinge geklärt. Kommen Sie rein, die Ente wird kalt, der Sekt ist offen. Allein ist zu viel. Kurz zögerte Frau Walter, dann zuckte sie mit den Schultern: – Da komm ich gern! Meiner schnarcht eh, ist besoffen. Wir machen uns einen schönen Frauenabend. Sie saßen bis drei in der Küche, aßen Ente, Piroggen, tranken Sekt und Likör. Galina verriet nichts von “Mieze” und “Glucke”, sagte nur, sie habe von der Affäre erfahren. Frau Walter, lebenserfahren, bohrte nicht nach, sondern meinte nur: “Richtig gemacht. Solche Kerle muss man rauswerfen, wenn sie keine Anstand mehr haben. Du bist noch attraktiv und taff, du bekommst noch eine richtige Schlange vor deiner Tür.” Galina glaubte es. Das erste Mal seit langem blickte sie voller Hoffnung in die Zukunft. Am Morgen weckte sie nicht das Schnarchen ihres Mannes, sondern Sonnenstrahlen. Der Kopf war klar. Die Wohnung still, aber nicht leer – sondern friedlich und rein. Galina ging durchs Zimmer, sammelte Sachen von Andreas ein – Rasierer, Hausschuhe, Ladegerät, Bücher – alles in einen Müllsack, den sie später vor die Tonne stellen würde. Sie kochte echten Kaffee, keinen Instant, wie Andreas ihn immer wollte. Setzte sich ans Fenster. Das Handy piepte – Nachricht von Andreas. “Galina, wieder nüchtern? Ich bin beim Kumpel untergekommen. Das war alles ein Missverständnis. Lass uns ruhig reden – ich verzeih dir den Ausraster.” Galina lachte laut. “Er verzeiht!” Wie nett. Sie drückte “Blockieren”. Loggte sich in die Banking-App ein und sperrte die Karten, die Andreas nutzte. Trank ihren Kaffee, sah in den Spiegel. Die Augen etwas geschwollen, aber frische Haut, gesundes Rot auf den Wangen. – Willkommen, neues Leben – sagte sie zu sich selbst. – Ich glaube, wir werden Freunde. Sie drehte die Musik auf, etwas Temperamentvolles, und begann zu räumen. Ein ganzes Jahr lag vor ihr. Und dieses Jahr gehört nur ihr. Hat Ihnen die Geschichte gefallen? Ich freue mich auf Ihr Like und Ihr Abonnement. Schreiben Sie in die Kommentare, wie Sie an Galinas Stelle handeln würden?
31. Dezember Heute habe ich etwas erlebt, das wohl mein Leben verändern wird und ich schreibe diese Zeilen
Homy
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0222
Gestern habe ich gekündigt. Ohne Kündigungsschreiben, ohne zweiwöchige Frist. Ich stellte den selbstgebackenen Kuchen auf den Tisch, griff nach meiner Tasche und verließ das Haus meiner Tochter. Meine „Chefin“ war niemand anderes als meine eigene Tochter – Claudia. Und mein Lohn war, wie ich all die Jahre glaubte, Liebe. Doch gestern wurde mir klar: In der Familienökonomie zählt meine Zuneigung nichts gegen ein nagelneues iPad. Mein Name ist Anna, ich bin 64 Jahre alt. Offiziell Rentnerin, ehemalige Krankenschwester, lebe bescheiden am Stadtrand. In Wirklichkeit bin ich Fahrerin, Köchin, Putzfrau, Hausaufgabenbetreuerin, Psychologin und Notfallbereitschaft für meine beiden Enkelkinder: Maximilian (9) und Daniel (7). Ich bin das, was man früher „Dorf“ nannte. Erinnern Sie sich an „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“? Heute besteht dieses „Dorf“ meist aus einer erschöpften Oma, die von Kaffee, Baldrian und Schmerzmitteln lebt. Claudia arbeitet im Marketing. Ihr Mann Andreas im Finanzwesen. Sie sind gute Menschen – zumindest habe ich mir das immer eingeredet. Sie sind ständig erschöpft. Ständig im Stress. Kita – teuer. Schule – anstrengend. Vereine – noch komplizierter. Als Max geboren wurde, schauten sie mich an wie Ertrinkende nach einem Rettungsring. „Mama, wir können uns keine Nanny leisten“, sagte Claudia damals unter Tränen. „Und Fremden vertrauen wir nicht. Nur dir.“ Und ich stimmte zu, weil ich kein Klotz am Bein sein wollte. Also wurde ich zur Stütze. Mein Tag beginnt um 5:45 Uhr. Ich fahre zu ihnen, koche Haferbrei – „richtigen“, weil Daniel keinen Instant mag. Bringe die Kinder zur Schule. Wische den Boden, den ich nicht verschmutzt habe, putze die Toilette, die ich nicht benutzt habe. Dann wieder Schule, Vereine, Englisch, Fußball, Hausaufgaben. Ich bin Oma mit Plan. Oma mit Regeln. Oma mit „Nein“. Und dann gibt es noch Birgit. Birgit ist Andreas‘ Mutter. Sie lebt in einer schicken Neubauwohnung an der Ostsee. Facelifting, neues Auto, Reisen. Sie sieht die Enkel zweimal im Jahr. Sie weiß nicht, dass Maximilian Allergien hat. Weiß nicht, wie man Daniel bei einer Mathe-Krise beruhigt. Sie hat noch nie Erbrochenes vom Kindersitz gewischt. Birgit ist die „Spaß-Oma“. Gestern wurde Max neun Jahre alt. Ich habe Wochen vorher geplant. Geld habe ich wenig, aber ich wollte etwas Echtes schenken. Drei Monate lang habe ich ihm eine schwere Decke gestrickt, weil er schlecht schläft – in seinen Lieblingsfarben. Und einen richtigen Kuchen gebacken, nicht aus der Mischung. Um 16:15 Uhr klingelte es. Birgit stürmte herein, Parfüm, perfektes Haar, große Einkaufstüten. „Wo sind meine Jungs?“ Die Enkel stürmten mir förmlich davon und rannten zu ihr. „Oma!“ Sie setzte sich aufs Sofa, griff nach einer großen Tüte mit Logo. „Ich wusste nicht, was ihr mögt, also habe ich das Neueste gekauft“, sagte sie. Zwei Gaming-Tablets. Die teuersten. „Ohne Limits“, zwinkerte sie. „Heute gelten meine Regeln!“ Die Kinder waren außer sich. Der Kuchen vergessen, die Gäste egal. Claudia und Andreas strahlten. „Mama, musst du immer so übertreiben…“, sagte Andreas, schenkte Birgit Wein ein. „Du verwöhnst sie viel zu sehr.“ Ich stand da mit der Decke in den Händen. „Maxi… ich habe auch ein Geschenk … und der Kuchen ist fertig…“ Er hob nicht einmal den Kopf. „Nicht jetzt, Oma. Ich mache hier gerade was.“ „Ich habe den ganzen Winter gestrickt…“ Er seufzte: „Oma, Decken braucht niemand. Birgit hat Tablets geschenkt. Warum bist du immer so langweilig? Du bringst nur Brot und Kleidung.“ Ich schaute meine Tochter an. Wartete, dass sie etwas sagt. Claudia lachte verlegen: „Mama, sei nicht böse. Er ist ein Kind. Klar, das Tablet ist cooler. Birgit ist eben die Spaß-Oma. Und du bist halt… die Alltags-Oma.“ Die Alltags-Oma. Wie das tägliche Geschirr. Wie der tägliche Stau. Man braucht sie – aber sieht sie nicht. „Ich will, dass Birgit hier wohnt“, rief Daniel. „Sie zwingt uns nie zu Hausaufgaben.“ Da ist etwas in mir zerbrochen. Ich habe die Decke zusammengelegt, auf den Tisch gelegt, die Schürze ausgezogen. „Claudia. Ich bin fertig.“ „Wie meinst du das? Willst du den Kuchen anschneiden?“ „Nein. Ich bin fertig.“ Ich griff meine Tasche. „Ich bin keine Maschine, die man einfach abschaltet. Ich bin deine Mutter.“ „Mama, wo gehst du hin?!“, schrie sie. „Morgen habe ich meine Präsentation! Wer holt die Kinder ab?“ „Keine Ahnung“, sagte ich. „Vielleicht verkauft ihr die Tablets. Oder die Spaß-Oma bleibt.“ „Mama, wir brauchen dich!“ Ich drehte mich um. „Genau das ist das Problem. Ihr braucht mich – aber ihr seht mich nicht.“ Ich bin rausgegangen. Heute bin ich erst um neun aufgewacht, Habe Kaffee gekocht. Auf der Veranda gesessen. Und zum ersten Mal seit Jahren tut mir der Rücken nicht weh. Ich liebe meine Enkelkinder. Aber ich werde nie wieder als kostenlose Haushaltshilfe leben, die sich hinter dem Wort „Familie“ versteckt. Liebe ist kein Selbstaufopferung. Und Oma ist kein Familien-Ressource. Wer eine Oma mit Regeln will, muss die Regeln auch respektieren. Und bis dahin … Vielleicht melde ich mich zum Tanzkurs an. So machen das angeblich die „Spaß-Omas“.
Gestern habe ich gekündigt. Ohne Antrag. Ohne zwei Wochen Vorlauf. Ich habe einfach den selbstgebackenen
Homy
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095
Die Braut erstarrte vor Schock, als sie sah, wer auf ihrer Hochzeit erschien – „Du bist es!“, rief sie überraschend aus. In einem Festsaal, der einem Schloss glich, unter funkelnden Kronleuchtern, während die High Society Münchens bei Champagner über Geschäfte, Fernreisen und Investments plauderte, schien alles perfekt. Maria, in einem schneeweißen Brautkleid, Tochter berühmter Unternehmer, sollte gerade das Leben ihrer Träume beginnen, doch in ihrem Herzen klaffte eine Leere. Nach dem Eröffnungstanz öffneten sich plötzlich mit einem kalten Lufthauch die Flügeltüren; herein kam ein schüchterner, abgerissener Jugendlicher – verunsichert, mit zu großen Schuhen, nur mit dem Wunsch, der Braut zu gratulieren. Unmut und Getuschel breiteten sich aus: „Was will denn der hier?“, „Holt den raus – Bettler haben hier keinen Platz!“ Doch als Maria den Jungen erkannte, gefror ihr das Blut in den Adern. Es war Andi, ihr kleiner Bruder aus dem Kinderheim, den sie niemals vergessen konnte und der wegen eines Herzfehlers nicht mit ihr adoptiert worden war. Jahre voller Angst und Sehnsucht verbanden sie. Mitten im Trubel lief Maria zu ihm, nahm ihn weinend in die Arme und flüsterte: „Du bist Familie!“. Der Festsaal verstummte. Ihr Ehemann legte dem zitternden Jungen wortlos sein Jackett um, bat ihn an den Tisch der Ehrengäste und reichte ihm Brot wie ein alter Freund – ein Moment, in dem alle Masken fielen und wahre Menschlichkeit siegte. So wurde aus einer perfekten Hochzeitsfeier im Herzen Deutschlands ein bewegendes Wiedersehen von Geschwistern, die das Leben einst getrennt hatte – und Maria gewann etwas Unbezahlbares zurück: Die echte Familie und ein Herz, das endlich vollständig heilte.
Die Braut erstarrte, als sie sah, wer plötzlich bei ihrer Hochzeit auftauchte. Bist du das?
Homy
Educational
08
Meine beste Freundin bat darum, für ein paar Nächte bei mir zu bleiben – und zog erst nach einem Monat aus, nachdem ich das Türschloss gewechselt habe
Eine alte Schulfreundin bat mich, für ein paar Nächte bei mir zu übernachten und blieb schließlich einen
Homy
Familienfluch oder Schicksal? Wie Katja nach Jahren unerfüllten Kinderwunschs bei der weisen Kräuterfrau Oma Anna die Wahrheit über die Sünden ihrer Mutter erfährt, dem Bruder begegnet, den sie nie kannte, und im Herzen Deutschlands um Vergebung, Versöhnung und ein neues Familienglück kämpft
Katharina sitzt nun schon seit zwei Stunden im Wartezimmer bei Frau Nina. Diese Kräuterfrau ist ihre
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