Educational
07
An jenem Tag spazierte Katharina mit ihren Kindern im Park. Plötzlich kam eine junge, hübsche Unbekannte auf sie zu: – Guten Tag. Oh, was für süße Kinder Sie haben! Ich wünschte, ich hätte auch eigene… – Ach, warum denn nicht? Haben Sie noch nicht die große Liebe gefunden? – Doch, aber er ist verheiratet. Er will sich aber scheiden lassen. Ach wissen Sie was, ich zeige Ihnen ein Foto von ihm. Katharina nahm ihr Handy – und erstarrte… Es war ER. – Hey! Katharina! Komm endlich runter! Lass uns ins Kino gehen! – rief Sascha, und Katharina stürmte zu ihm, ohne auf etwas anderes zu achten. Die Nachbarinnen tuschelten vor dem Hauseingang: – Die ist auch nicht ganz normal… Doch Katharina war das völlig egal – sie liebte Sascha über alles… Nach dem Schulabschluss waren sie unzertrennlich. Sie unternahmen alles gemeinsam. Niemand konnte sich die beiden einzeln vorstellen. Weder Sascha noch Katharina konnten sich ein Leben ohne den anderen denken… Deshalb war es keine Überraschung, als sie eines Tages heirateten. Sascha begann ein Jurastudium. Katharina hätte auch gern studiert, musste aber in den Mutterschutz gehen. Es war schwierig für sie… Die Geburt war nicht leicht, die Zeit danach auch… Sie war gerade mal 19. Alle Hausarbeiten blieben an Katharina hängen, denn Sascha musste noch studieren, wechselte ins Fernstudium und suchte sich einen Job. Er brauchte schließlich Erholung. Aber Katharina fand das normal. Sie achtete immer weniger auf ihr Aussehen, trug immer dieselben alten Shorts und T-Shirts. An eine Frisur war gar nicht zu denken. Sie wurde nervös, magerte ab… – Katharina, warum denn? Für mich bist du die Schönste auf der Welt! – tröstete sie Sascha, immer gepflegt und erfolgreich. – Bald ist Ivan alt genug, dann hast du wieder Zeit für alles! Katharina nickte nur. Sie hatte fest beschlossen, noch zu studieren. Wenn Ivan älter ist… dann holt sie alles nach… Aber dann geschah das Unerwartete. Ivan wurde gerade zwei, da wurde Katharina wieder schwanger. Sie wusste nicht, ob sie sich freuen oder weinen sollte. Sascha war glücklich und beruhigte sie erneut: – Was ist denn? Alles wird gut! Ist doch wunderschön – jetzt haben wir einen Sohn und eine Tochter! Das Studium musste erneut verschoben werden. Wer weiß, wie lange noch… Es wurde immer anstrengender. Katharina wusste oft nicht einmal mehr, welcher Wochentag war… Nach Sofies Geburt bestand ihr Alltag aus Windeln, Waschen, Babybrei und nie endender Hausarbeit. Putzen, kochen, Hemden bügeln, Wäsche waschen, die Kinder versorgen… Katharina dachte schon, das würde nie wieder aufhören… Ihre Mutter half, so gut sie konnte. – Was hast du denn erwartet? Zwei Kinder machen eben Arbeit… Aber das tröstete Katharina wenig. Sie wollte alles wenigstens einmal vergessen… Die Kinder wuchsen heran. Sofie wurde immer neugieriger, Ivan ging in den Kindergarten. Endlich wurde es etwas leichter. Eines Tages sprach Katharina sogar über ihr geplantes Studium. Sascha reagierte abweisend. Er blickte sie erstaunt von unten her an: – Studium? Wie stellst du dir das vor? Ivan kommt bald in die Schule, Sofie ist noch ganz klein… Reicht das Geld etwa nicht? Wie soll das alles ohne Mutter klappen? Ich tue doch alles für euch… Mehr als genug… Katharina hielt dagegen – sie wollte auch eine Ausbildung, einen guten Beruf, vielleicht sogar Karriere machen… Lernen mochte sie schon immer; sie hatte das Abitur mit guten Noten bestanden. Sascha lachte nur: – Karriere, Katharina? Du bist doch keine zwanzig mehr. Bleib einfach daheim… Und so fügte sich Katharina. Immerhin war es jetzt etwas einfacher geworden. Sie konnte sich wieder mehr um sich selbst kümmern, kaufte sich neue Kleidung, machte die Haare, die Nägel… – Ist dir das gar nicht aufgefallen, Schatz? – strahlte sie Sascha am Abend an. – Was denn? – fragte er zerstreut, ohne vom Computer aufzusehen. – Schau mal, ich hab eine neue Bluse, eine neue Frisur, und Nägel machen lassen… Wollen wir heute mal rausgehen wie früher? Kino, Park – weißt du noch, wie wir uns unter den Sternen geküsst haben? Du bist nie mehr zu Hause… – Park? Was für Nägel? Und was ist mit den Kindern? Ich bin doch unterwegs, weil ich arbeite. Nein, nichts da, kein Park. Übrigens, ich muss bald für drei Wochen auf Geschäftsreise. – Schon wieder eine Dienstreise? Das ganze Jahr bist du unterwegs, die Kinder und ich sehen dich kaum… – Es lässt sich nicht ändern, Liebling. Das Geld kommt nicht von allein. – Er küsste sie auf die Wange und ging schlafen. Katharina zuckte nur mit den Schultern, seufzte und brachte die Kinder ins Bett. Später sah sie Sascha im Schlafzimmer, wie er wieder von ihr abgewandt schlief. Sie bemerkte – so lagen sie schon lange, jeder für sich… Ihr Wohnviertel hatte einen schönen Spielplatz und gleich daneben lag ein großer Park mit Bänken und einem kleinen Teich. Katharina ging oft mit den Kindern dorthin, las eine Zeitschrift oder ein Buch, während sie Ivan und Sofie beobachtete. Oft fiel ihr eine junge, hübsche Frau ins Auge – modische Kleidung, tolle Frisur, schöne Schuhe, einfach eine Erscheinung. Die Frau saß meist auf der Bank, schlenderte umher. Mit der Zeit grüßten sie sich sogar. Auch heute begrüßte die Frau Katharina, wie eine alte Bekannte. Diesmal setzte sie sich zu ihr auf die Bank. – Guten Tag. Wir sehen uns hier so oft – ich dachte, ich spreche Sie endlich mal an, – sagte die Unbekannte. – Natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben, – lächelte sie freundlich. – Aber nein, gern! Ich bin Katharina. Und das sind meine Kinder, Ivan und Sofie. – Ich heiße Christina! Sie haben wunderbare Kinder… Wirklich bezaubernd! Wenn Sie wüssten, wie gern ich eigene mit meinem geliebten Mann hätte… – Sie blickte traurig zu Boden. – Ach, Sie finden bestimmt noch den richtigen – Sie sind ja so hübsch… Oder möchten Sie keine Kinder? Entschuldigen Sie! Ich sage manchmal Sachen… – Nein, nein, alles gut. Ich habe einen Mann… Aber leider gibt’s da ein „Aber“ – wir sind nicht verheiratet, vielmehr, er ist noch verheiratet… Aber seine Frau, na ja… Er liebt sie nicht und will sich scheiden lassen. Bald, dann bekomme ich auch Kinder und Familie und alles… – Christina seufzte wieder. – Das klappt bestimmt bei Ihnen! – nickte Katharina mitfühlend. – Wollen Sie ihn mal sehen? Ich habe Fotos. Er sieht toll aus, hat einen guten Job, verdient nicht schlecht. Er bringt mir Geschenke, wir waren kürzlich in Italien, bald fliegen wir ans Meer nach Griechenland. Schauen Sie… hier sind wir in Rom… – und Christina zeigte ein Bild auf dem Handy. Katharina nahm das Handy – und erstarrte. Ihr Sascha lächelte sie vom Foto an… Wie im Nebel gab sie das Handy zurück und rief hastig nach den Kindern… Tränen traten ihr in die Augen, sie rang um Fassung, um nicht loszuweinen… Christina trat leise beiseite und verschwand still aus dem Park. Offenbar hatte sie alles verstanden. Aber Katharina sah das nicht mehr. Sie sah nur das Bild vor sich, auf dem ihr Mann eine fremde Frau umarmte… Wie sie nach Hause kam, wusste sie nicht mehr. Die Kinder saßen schweigend da, als sie in Eile Sachen in Koffer warf… Katharina setzte sich zu ihnen. – Hört mal zu, Sofie, Ivan… Wir fahren jetzt zu Oma, okay? – Mama – und Papa? Kommt er auch? fragte Ivan. – Ja, bestimmt. Später. Versprochen. Sie rief ein Taxi. Der Fahrer half höflich beim Einladen – und schaute verwundert auf die weinende Frau mit zwei kleinen Kindern und wild zusammengepackten Taschen. Bei ihrer Mutter brachte Katharina die Kinder vor den Fernseher und brach endlich zusammen. – Mama, – schluchzte sie, – stell dir vor, ich sitz zu Hause mit zwei Kindern, und er… er ist mit ihr in Italien… in Griechenland… Wie konnte er nur? Wie?… Ich habe alles für ihn geopfert… mein Studium, meine Karriere, mein Leben, meine Träume… Wie kann das sein?! Mama! Was soll ich jetzt tun? – Sie weinte und weinte… – Was du tun musst? Du musst weitermachen. Ich helfe dir, wenn du dich trennen willst. Das Leben geht weiter. Du bist jung. Und die Kinder sind ein Geschenk… Nach einer Weile ruft Katharina Sascha an. Sie erzählte ihm alles. Und am Ende sagte sie, sie wolle sich scheiden lassen. Sascha war überrascht, schwieg einen Moment. Als er hörte, dass Christina ihr alles erzählt hatte, sagte er genervt: – Tja… Früher oder später hättest du eh alles erfahren. Scheidung also… Die Wohnung läuft auf dich, du kannst bleiben. Christina hast du ja gesehen. Wer bist du – Hausfrau, ohne Abschluss – und wer ist sie? Und ich, ich bin ein gemachter Mann… – und legte auf. Katharina starrte lange aufs Telefon. Insgeheim hoffte sie, er würde gleich anrufen und sagen, das war alles ein Scherz, alles wird gut… Doch es gab keinen Anruf… Sie wusste, sie musste alles hinter sich lassen… Das Leben neu beginnen. Wo soll sie anfangen? Wie wird der Morgen ohne ihn? Aber eigentlich war sie schon lange ohne ihn… Sie hatte es nur nicht sehen – oder nicht sehen wollen…
Damals, vor vielen Jahren, spazierte Katharina mit ihren Kindern durch den Stadtpark von München.
Homy
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013
Wenn Liebe ihren Preis hat: Die Geschichte einer Mutter zwischen Schulden, Enttäuschung und der Suche nach Würde in einer kleinen Münchner Wohnung
Was Liebe kostet: Ein Traum von einer Mutter zwischen Schulden und Enttäuschung Wie viel hast du heute
Homy
Mein Ehemann und seine Geliebte haben während meiner Arbeit die Schlösser unserer Wohnung in Stuttgart gewechselt – doch sie ahnten nicht, welche Überraschung ich für sie bereithielt
Ich sitze auf der Treppe vor meiner eigenen Wohnung in Hamburg, den Schlüssel in der Hand aber er passt
Homy
Educational
08
Sarah zieht mit ihrem vier Monate alten Baby Leo in eine neue Wohnung – allein, erschöpft und ohne Unterstützung. Die Wände sind so dünn, dass Nachbar Herr Kowalski, ein älterer, brummiger Mann, jeden ihrer Schritte hört. Jede Nacht schreit Leo stundenlang wegen Koliken, Sarah ist am Ende ihrer Kräfte und fürchtet wegen der Beschwerden des Nachbarn die Kündigung. Doch als alles am schlimmsten scheint, steht Herr Kowalski plötzlich mit Werkzeugkoffer und einer Tüte selbstgemachter Hühnersuppe vor der Tür – und wird zum Retter in der Not, der zeigt, dass auch die grimmigsten Nachbarn das größte Herz haben können.
Dienstag, 7. März Seit vier Tagen wohne ich mit meiner vier Monate alten Tochter, Frieda, nun in unserer
Homy
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036
Mit Sechzig wird dir plötzlich klar: Was damals wie eine Katastrophe wirkte, war in Wahrheit pures Glück IRGENDWO ZWISCHEN 30 UND 60 Als Agathe sich auf ihren 60. Geburtstag vorbereitete, klang die Zahl bedrohlich. Früher galt das als Beginn des Alters, heute sagt man „Übergang vom mittleren zum fortgeschrittenen Alter“. Traurig. Schon zu ihrem 30. Geburtstag hatte sie das Gefühl, die Jugend sei vorbei. Nun, mit Blick auf ihre Kinder, konnte sie darüber nur schmunzeln. Als sie sich im Ankleidezimmerspiegel betrachtete, dachte sie: „Eigentlich ganz okay.“ Sie prüfte ihr Spiegelbild, nickte sich zu: „Fühlt sich an wie vierzig – nichts tut weh, alles funktioniert.“ Sie zwinkerte sich zu: „Na, da ist noch Leben drin!“ und machte sich an die Aufgabe ihres Ehemanns Michael, der von allen liebevoll „Michi“ genannt wird. Die große Feier sollte in Griechenland steigen, mit Freunden und Familie. Agathe war anfangs dagegen – so ein Anlass, da müsse man mehr nachdenken als feiern. Und teuer war es auch! Doch sie wurde überstimmt. Michi versprach die Organisation – sogar eine Diashow mit Leonard Cohen-Songs sollte es geben. Die Fotos dafür? Natürlich von ihr. Agathe durchstöberte alte Fotokisten. Vieles war nach zwei Auswanderungen und endlosen Umzügen verloren gegangen. An Kinder- und Jugendfotos mangelte es fast völlig: Als sie Anfang 20 die Sowjetunion verließ, zählte Pragmatismus mehr als Sentimentalität. Einiges konnte sie später von ihren Eltern „retten“. Danach: erste Ehe, Scheidung, neue Fotos vom neuen Abschnitt. Vieles blieb für „später“ liegen – das nie kam. Ihr neuer Mann war kein leidenschaftlicher Fotograf, aber trotzdem hatten die ersten Jahre etliches ergeben. Mit den Umbrüchen der Zeit wurden die Fotos digital, verschwanden auf alten Handys und Festplatten, die keiner mehr öffnete. Beim Durchblättern stieß sie auf ein Bild vom Abiball im Kleid der Großeltern aus Israel, eins aus dem Medizinstudium, eins von der Bar Mitzwa des Sohnes – wie nervös er war! Und dann entdeckte sie ein an ein anderes klebendes Foto. Mit Feingefühl löste sie es: Ihre Freundin Nora, daneben Agathe im blauen Abendkleid bei einer armenischen Taufe. Nora kam als schüchterne, kluge Assistentin aus Eriwan zur Facharztausbildung ins St. Josefs-Hospital in München. Die zierliche, stille Frau mit den großen Augen mochte jeder beschützen. Keiner ahnte, wie sie argumentieren konnte. Mit Mutter und Ehemann – ihrem Mentor, deutlich älter – war sie nach Deutschland gekommen. Sie bestand alle Prüfungen auf Anhieb. Die Gynäkologie wählte sie der Nähe ihres Mannes wegen, brach nach einem halben Jahr Schlafentzugs ab und stieg zur Inneren Medizin um. Mit Agathe verstand sie sich sofort. Noras Mutter hütete bald Agathes Kind. Sie wurden wie Familie. Am Ende der Ausbildung kamen die Spezialisierungsfragen: „Vielleicht Rheumatologie?“, fragte Agathe zögernd. „Quatsch!“, winkte Nora ab. „Noch mehr Jahre Ausbildung – geh in die Allgemeinmedizin! Da bist du die Königin.“ Agathe war beeindruckt – am Ende blieb sie in der Inneren, Nora ging in die Rheumatologie, nach Berlin. Noras Familie war ihr Ein und Alles: Mutter, Ehemann, Bruder – alle unterstützten sie. Doch ein Kind ließ auf sich warten: künstliche Befruchtung, Hoffen und Leiden. Dann klappte es doch. Eine Tochter, gerade rechtzeitig nach Abschluss der Ausbildung. Nora entschied sich, in Berlin unter Armeniern zu bleiben. Die Freundinnen hielten erst noch engen Kontakt, dann wurde es ruhiger – bis plötzlich eine Einladung zur Taufe kam. Nora plante eine prestigeträchtige Feier: 5.000-Euro-Kleid, französischer Friseur – alles vom Feinsten, in den späten 90ern! Agathe geriet kurz in Panik, doch ihre Friseurin beruhigte sie: „Deine Haare kriegt jeder hin. Bürste, Föhn, Haarspray – Fertig.“ Agathe kaufte ein blaues Kleid mit schulterfreiem Schnitt im Sonderangebot, einen Anzug für Michi, einen riesigen Karo-Koffer (sie mochte auffälliges Gepäck) und Selbstbräuner. Zeit zum Sonnen fehlte – ihre bayerisch-blasse Haut hätte in Berlin noch gepasst, aber nicht nach Kalifornien. In Berlin angekommen, spazierten sie am Samstag durch die Stadt: Michi trug ein T-Shirt „München – schlimmer geht immer!“. Der Plan: Grunewald, Brandenburger Tor, Kudamm. Was klappte: Grunewald gesperrt, Kudamm Baustelle, Verkehrschaos. Aber das hippe Bio-Essen (teuer, fad, aber gesund) wurde immerhin probiert. Später liefen sie herum am Wannsee, Eis und Popcorn, Hipster auf Skateboards, der Duft von Sonnencreme, und eine Fahrt über den Ku’damm, wo alle Reklamen wie Filmkulissen wirkten. „Hier hat, glaube ich, Helene Fischer mal gegessen“, sagte Agathe launig mit Blick in den Reiseführer. „Oder jemand, der aussieht wie Helene Fischer“, scherzte Michi. Agathe probierte teure Designerbrillen in einer Nobelboutique, sprühte teure Nischenparfums auf und verließ den Laden wie Julia Roberts aus Pretty Woman. Fast. Am Sonntag, nach einem schnellen, viel zu unscheinbaren Hotelfrühstück, begann Agathe die Vorbereitung. Der Selbstbräuner trocknete ungleichmäßig: Ergebnis – Zebra. Nur eben orange. Michi wollte beim Styling helfen; Agathe lehnte das Angebot nach Sektfrühstück dankend ab. Einziger geöffneter Friseursalon: im chinesischen Viertel. Die Dame sprach kein Deutsch, rollte die Haare auf und fixierte alles mit einer halben Flasche Spray. Agathe wagte einen angsterfüllten Blick in den Spiegel: oranger Teint, Frisur wie Dauerwelle in den Achtzigern – sie drehte sich schnell wieder weg und beschloss, nie wieder solche Risiken einzugehen. Das Make-up übernahm Michi. „Du bist immer zu dezent“, meinte er. „Das muss knallen!“ Er arbeitete inspiriert: violett-blaue Lider, bräunliche Wangen, bordeauxfarbene Lippen – Agathe war fassungslos, Michi begeistert. Draußen versuchte sie, ein Taxi zu bekommen, vergeblich. „Die halten mich sicher für ein Callgirl“, sagte sie. „Versuch du’s – du siehst wenigstens aus wie ein Chef.“ Er lachte, aber stellte sich an die Straße und winkte ein Taxi heran. Die Party fand in Noras neuem Haus am Rande Berlins statt – voll mit Gästen, Musik, Kindern, Glanz und Gloria. Mittendrin: Nora, so wunderschön wie immer. Und: mit Herpes. „Alles vom Stress!“, klagte die zukünftige Immunologin dramatisch. „Du bist trotzdem die Schönste“, versicherte Agathe. Und das stimmte auch. Jetzt schaut Agathe das Foto an: das blaue Kleid, orange Haut, Achtziger-Dauerwelle, Herpes bei der Freundin – aber glückliche, junge Gesichter. Damals schien es eine Katastrophe. Heute würde sie keinen Moment davon missen wollen. Weder den Herpes, noch den Selbstbräuner, noch die schräge Frisur. Hauptsache noch einmal diese Lebenslust, die Freundin an der Seite, dieses Gefühl: Alles ist noch offen. Denn ehrlich gesagt… so zwischen dreißig und sechzig – das war eigentlich die schönste Zeit. Und was danach kommt – mal sehen. Die Bürste ist ja noch da. Und mit dem Bräunen hat sie heute auch keine Probleme mehr.
Mit sechzig begreift man plötzlich: Was früher wie ein Unglück erschien, war in Wahrheit oft ein Glück.
Homy
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09
Ich bin fünfundvierzig – und erst vor zwei Wochen habe ich etwas über meine Mutter begriffen, wofür ich mich bis heute schäme. Wie konnte ich das all die Jahre übersehen? Sie ist achtzig, lebt allein in einem kleinen, beigen Haus in Niedersachsen, in dem sie fast fünfzig Jahre verbracht hat – mit blätternden Fensterläden und alten Küchengeräten, die sie partout nicht austauschen will, „weil sie doch noch funktionieren“. Letzten Mittwoch rief sie mich an und sagte: — Dennis… Ich brauche Hilfe mit dem Einkaufszettel. Kannst du vorbeikommen? Ich fange wohl an, manches zu vergessen. Meine erste Reaktion? Genervt. Deadlines im Büro. Die Kinder. Berge von Rechnungen. All das, was einen zerreißt. — Sag einfach, was du brauchst, – entgegnete ich. – Ich bestelle alles online. Sie schwieg. Dann flüsterte sie leise: — Ich hätte gern, dass du kommst. Ich ging hin. In der Küche standen drei ordentlich gepackte Einkaufstüten. — Mama… Du warst doch schon im Supermarkt, – stammelte ich. Sie winkte ab: — Das ist nur das Nötigste. Ich brauche noch was anderes. Sie reichte mir ihr vertrautes Spiralnotizbuch. Auf der Liste stand: • Weintrauben • Küchenpapier • Kaffeesahne • Gesellschaft In mir wurde alles still. Sie sah verlegen aus – wie ein Kind, das ertappt wurde. — Ich wusste nur nicht, wie ich dich sonst bitten sollte zu kommen, – flüsterte sie. – Du bist immer so beschäftigt. Ich wollte nicht stören. Diese schlichten, leisen Worte trafen mich härter als alles der letzten Jahre. Meine Mutter. Sie, die früher zwei Jobs hatte und dennoch nie eines meiner Schulfeste verpasste. Die jeden meiner Malkreidenzeichnungen aufbewahrte. Die sich immer hinten anstellte. Und jetzt glaubte sie, sie müsse so tun, als brauche sie Einkaufshilfe, um einen Besuch ihres eigenen Sohnes zu verdienen. Ich drückte sie fester, als ich je jemanden gedrückt habe. — Vorsicht, du zerdrückst mich, – lachte sie. Wir gingen gar nicht mehr einkaufen. Stattdessen setzten wir uns an ihren kleinen Küchentisch mit den Sonnenblumen-Servietten aus den Neunzigern. Sprachen über den neuen Hund der Nachbarn. Über Papa. Und wie wir ihn vermissen. Ich blieb viel länger als geplant. Trank diesen simplen Instantkaffee. Und hörte wirklich zu – so, wie sie mir immer zugehört hat. Bevor ich ging, brachte sie mich zur Tür und hielt meine Hand ein bisschen länger als sonst. — Du hast mir die ganze Woche geschenkt, mein Schatz, – sagte sie leise. Noch auf dem Heimweg dachte ich nur: Wie oft hat sie wohl am Fenster gestanden und auf mein Auto gewartet? Wie oft sich eingeredet: „Er kommt bestimmt, wenn er Zeit hat“, und das Haus antwortete mit Stille? Irgendwo zwischen Erwachsenenleben, Terminen und Stress habe ich angefangen, sie wie einen Punkt auf meiner To-Do-Liste zu behandeln. Aber für sie war ich nie ein Termin. Ich war ihr Leben. Und alles, was sie wollte, war eine Stunde mit ihrem Sohn in dem Haus, in dem sie mich großgezogen hat. Internetfund.
Ich bin fünfundvierzig. Und erst vor zwei Wochen wird mir etwas über meine Mutter klar etwas, das mir
Homy
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08
Eine kleine Silvestergeschichte: Wie eine pensionierte Lehrerin zufällig eine Kiste Sekt im REWE gewinnt – und damit nicht nur ihre Nachbarn, den Kater Felix und sich selbst, sondern das ganze Haus an Silvester überrascht
Eine kleine Silvestergeschichte. Eines Tages gewann eine ältere Lehrerin ganz unverhofft…
Homy
Wann wird eine Mutter zur Last? Eine Geschichte von Verrat, Egoismus und Ungerechtigkeit in einer deutschen Familie
Wann wird eine Mutter zur Last? Eine Geschichte von Verrat, Egoismus und UngerechtigkeitMan sagt, wenn
Homy
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09
VERLIEBT IN EINE HERZLICHE FRAU ODER: SOLL DOCH REDEN, WER WILL! „Du verlässt mich wirklich für so eine Provinzlerin?“ – meine Frau war fassungslos. „Bitte nenn Galina nicht so. Es ist alles entschieden, Inna. Es tut mir leid“, sagte ich und packte schnell meine Sachen. „Ich hoffe, du kommst bald zur Vernunft. Das kann gar nicht anders sein. Deine Kollegen, Nachbarn – sie werden dich auslachen. Für wen lässt du dich ein? Für eine einfache, unscheinbare Frau. Was sagen wir den Kindern? Dass ihr akademischer Papa mit einer Landfrau durchgebrannt ist?“ Inna drehte nervös ihr Taschentuch in den Händen. „Den Kindern? Die sind doch längst erwachsen. Sveta will bald heiraten, und Valerij geht seine eigenen Wege. Wir haben ihnen nichts mehr zu sagen. Und was Nachbarn, Kollegen oder Fremde denken… das ist mir herzlich egal. Ich schaue schließlich auch in niemandes Schlafzimmer“, versuchte ich Inna meinen Standpunkt so behutsam wie möglich zu erklären. Es war unmöglich. Wenn eine Ehe auseinandergeht, schmerzt es beide. Inna starrte wie abwesend aus dem Fenster, während sie in der Küche saß. Ich hatte kein bisschen Mitleid mit ihr. Kein bisschen. Innen war nur Leere, sonst nichts. …Inna ist meine dritte Ehefrau. Als ich sie traf, schlug mein Herz höher, ich fühlte mich bereit für ein neues Glück. Wunderschöne, gepflegte und selbstbewusste Frau. Ich war damals auch nicht ohne… konnte mich kaum vor Verehrerinnen retten. Früh verliebt, früh verheiratet. Doch sobald der Alltag einkehrte, kam oft schnell die Ernüchterung, und ich ergriff die Flucht. Nur aus der Ehe mit Inna hatte ich Kinder. Ich dachte, mit Inna hätte ich mein Ziel erreicht, meinen Anker geworfen. Aber wie sagt man? Man sieht die Frucht nicht von außen. Mit der Zeit wurde aus der süßen Liebe eine trockene, schrumpelige Rosine. Nach außen waren wir das perfekte Paar, die Vorzeigefamilie. Nachbarn bewunderten (oder verachteten?) unser hübsches, ruhiges Familienleben. Bei Begegnungen im Hausflur wurde hinter unserem Rücken getuschelt. Wir schritten stolz vorbei, wie auf dem roten Teppich. Doch hinter der Wohnungstür sah alles anders aus: Inna war keine Haushälterin. Der Kühlschrank leer, dreckige Wäscheberge, Staub überall. Aber perfekt manikürte Nägel, Frisur und frisches Make-up. Inna war überzeugt, dass die Welt sich um sie zu drehen hätte. Sie ließ sich nur lieben, selbst aber war sie unnahbar – für mich genauso wie für die Kinder. Unsere Kinder wuchsen mit meiner Mutter in der Wohnung auf. Sie schwieg lange zu dem Chaos, brachte aber irgendwann den Kindern Ordnung bei. Kochen, aufräumen, für sich sorgen – all das lernten sie von ihr. Inna, die sich selbst für besonders elitär hielt, nannte die Kinder immer bei vollem Vornamen – Svetlana und Valerij. Niemals sprach sie zärtlich mit ihnen. Die Kinder suchten Nähe lieber bei der herzlichen Großmutter. Inna untersagte mir den Kontakt zu Nachbarn, hielt „solche Gespräche“ für überflüssig und sprach selbst außer einem trockenen „Guten Tag“ kein Wort mit ihnen. All das fiel mir in den ersten Jahren gar nicht auf. Ich war verliebt und genoss einfach das Leben mit meiner Familie. Sveta war die Musterschülerin, Valerij ein schulischer Versager. Mich erstaunte das, wachsen doch beide in derselben Familie auf. Doch Valerij verweigerte das Lernen und hasste seine strebsame Schwester schließlich offen. Streit gab es regelmäßig. Es waren die neunziger Jahre. Nach dem Abitur schloss Valerij sich einer zwielichtigen Gruppe an und verschwand spurlos. Drei Jahre lang hörten wir nichts von ihm. Wir suchten, wir litten. Meine Mutter seufzte: „Dafür fällt der Sohn vom Pferd, weil ihn die Mutter schief aufgesetzt hat.“ Inna schnaubte beleidigt und verschloss sich stundenlang im Bad. Dahinter hörten wir ihr leises Schluchzen. Die Hoffnung blieb – bis Valerij eines Tages zurückkam: abgemagert, mit Narben bedeckt, eine Frau im Schlepptau, die ebenso von Leben gezeichnet war. Wir empfingen sie vorsichtig – unser Sohn war misstrauisch, meist schweigsam. Sveta zog bald aus – wollte heiraten, wurde aber nicht gefragt. Sie blieb mit einem dubiosen Mann zusammen, brachte keine Kinder zur Welt. Sie kam oft geprügelt zu Besuch, klagte aber nie. Meine alte Mutter tröstete: „Kind, trenn dich von diesem Schläger, sonst bringt er dich noch um. Wer leiden will, dem wird der Peiniger nicht fehlen.“ „Oma, alles ist ok. Timur liebt mich. Die blauen Flecken… ich bin halt auf der Treppe ausgerutscht. Das heilt wieder“, sagte Sveta, längst keine Musterschülerin mehr. Und dann – ich hatte mein selbst lange vergessenes Alter – verliebte ich mich neu. Wie man so sagt: „Alter macht’s nochmal krachen.“ Nach der Schicht im Werk zog es mich nicht nach Hause – Streit mit Valerij, Entfremdung von Inna, Mamas Spott… In unserer Kantine arbeitete Gabi. Immer gut gelaunt, herzenswarm, etwas rundlich mit roten Bäckchen. Jahre lang fiel sie mir gar nicht auf – bis ich plötzlich den hellen Klang ihres Lachens hörte. Stets freundlich, für jeden ein gutes Wort. Im Vergleich zu Inna war sie das pure Gegenteil: Haare zum Knoten gewickelt, Nägel kurz, kaum Make-up nur etwas orangefarbenen Lippenstift. Aber sie strahlte Wärme und Geborgenheit aus – sie liebte einfach das Leben und die Menschen. Bei ihr roch es nach frischem Kuchen, im Kühlschrank standen Eintopf, Frikadellen und Grütze bereit. Sie verköstigte Nachbarn und Freundinnen herzlich gern. Ich konnte nicht anders, als mich in diese gemütliche, bodenständige Frau zu verlieben. Ich umwarb Gabi mit Blumen, lud sie ins Kino, in Cafés ein. „Klaus, ich mag dich auch. Aber du hast eine Frau. Was werden deine Kinder sagen? Ich will keine Ehebrecherin sein“, zögerte Gabi. Ich schwankte, wie viele Männer, die sich nicht entscheiden können. Manchmal übernachtete ich bei Gabi. Inna ahnte längst, was lief – die „Gutmeinenden“ redeten und trugen jedes Detail zu, wer das war, wo sie wohnte, wann es begann… Unsere Affäre wurde zum Stadtgespräch. Inna machte Szenen, beschimpfte meine „ungepflegte Ländliche“ und drohte sich das Leben zu nehmen. Sechs Monate später packte ich meine Sachen und zog zu Gabi. Sie war überglücklich, bestand aber darauf: „Klaus, in einem Monat zeigst du mir deine Scheidungspapiere. Sonst geht das nicht.“ Ich tat es, wir heirateten später offiziell. Ich bereue nichts. Sveta und Valerij kommen oft zu Besuch, Gabi verwöhnt sie mit leckerem Essen. Sveta hat sich wohl inzwischen von Timur getrennt, und Valerij ist wie ausgewechselt, gesünder, erwartet selbst Nachwuchs. Vielleicht reicht ihm der Blick auf das Leben am Abgrund. Gabi führte Valerij und Sveta wieder zusammen: „Ihr seid Geschwister! Ihr müsst zusammenhalten, euch gegenseitig helfen. Verschwende dein Leben nicht als Verlorener in der Welt.“ Jetzt halten Bruder und Schwester zusammen. Meine Mutter ist inzwischen verstorben. Inna… ist alt geworden, von früherem Stolz keine Spur mehr, sie grüßt mich nicht, dreht sich weg, wenn wir uns begegnen – wir wohnen Tür an Tür. Aber ich gehe nie mehr an alte Adressen zurück. Vielleicht verurteilt mich jemand… aber es ist mein Leben, meine Entscheidungen. Dafür stehe ich ein. Für die Meinung anderer will ich mich nicht verbiegen.
Du verlässt mich wegen dieser Hinterwäldlerin? Meine Frau Hanna schaute mich fassungslos an.
Homy
Educational
017
Elternliebe. Elena atmete erschöpft, aber glücklich aus, als sie ihre Kinder ins Taxi setzte. Mila ist vier, David eineinhalb. Sie haben wunderbare Tage bei Oma und Opa verbracht: mit Plätzchen, Umarmungen, Märchen und Freuden, die „etwas mehr als zu Hause“ erlaubt sind. Auch Elena freute sich ehrlich über diesen Besuch. Eltern, Schwestern, Nichten und Neffen – das Elternhaus nahm sie ohne Bedingungen und Erklärungen auf. Mamas Essen, dem man nicht widerstehen kann. Der Weihnachtsbaum, der mit Lichtern und skurrilen, rührend-altmodischen Kugeln glitzerte. Papas Trinksprüche, vielleicht etwas zu lang, aber immer von Herzen. Die Geschenke der Mutter – fürsorglich, notwendig, mit Liebe gemacht. Für einen Moment fühlte sich Elena wieder wie ein Kind. Am liebsten hätte sie einfach gesagt: „Mama, Papa, danke, dass es euch gibt!“ Elena setzte sich mit den Kindern ins Taxi. Die Fahrt verlief ruhig, die Kinder waren müde und schliefen aneinander gekuschelt auf dem Rücksitz ein – zufrieden, satt, glücklich. Unterwegs bat Elena, an einem kleinen Laden am Straßenrand zu halten. „Eine Minute, ich wollte nur Windeln und Wasser holen“, sagte sie dem Fahrer. Nach fünf Minuten kam Elena zurück, stieg ins Auto… und ihr Herz rutschte ihr in die Hose. Die Kinder waren weg! Der Fahrer plauderte entspannt mit einer fremden jungen Frau auf dem Beifahrersitz. „WAS…?“ entfuhr es Elena langsam. Die Frau drehte sich abrupt um: „Wer sind Sie?! Was machen Sie in meinem Auto?!“ Der Fahrer zuckte mit den Schultern: „Keine Ahnung! Und Sie — was wollen Sie von uns?“ „Sind Sie verrückt?! Wo sind meine Kinder?!“ „Na toll!“, fauchte die Frau. „Du hast auch noch Kinder, von denen du mir nichts erzählst?!“ und schlug auf ihn mit ihrer Handtasche ein. „Was fällt dir ein, einfach irgendwelche Leute ins Auto zu lassen?!“, schrie Elena jetzt. „Wo sind meine Kinder, ich will es wissen!“ Drei bis fünf Minuten war im Auto die Hölle los: Geschrei, Anschuldigungen, wildes Gestikulieren, Weltuntergangsstimmung. Plötzlich öffnete sich die Tür… Ein fremder Mann beugte sich herein und sagte ruhig: „Entschuldigen Sie, junge Frau… das ist nicht Ihr Auto. Ich stehe ein paar Meter weiter vorn.“ Die Welt stand still. Elena knallte wortlos und wütend die Tür zu, sprang hinaus und rannte zu einem baugleichen, hellen Auto, das davor stand. Sie riss die Tür auf. Auf dem Rücksitz schliefen ihre Kinder friedlich. Zwei kleine Engel, die sich nicht einmal regten. Elena atmete aus, als käme sie gerade vom Rand des Abgrunds zurück. Sie setzte sich, schloss die Tür und murmelte: „Fahren Sie bitte weiter…“ Und dann überkam sie ein Lachen. Richtiges, nervöses, befreiendes Lachen. Auch der Fahrer begann zu lachen, wischte sich die Augen ab und war offenbar mehr als glücklich, dass alles so ausgegangen war – ohne Drama, aber mit einer Geschichte fürs ganze Leben. Elena sah auf die schlafenden Kinder und erkannte plötzlich eine einfache Wahrheit: Eltern sind im Alltag sanft, müde, amüsiert, manchmal zerstreut. Aber sobald eine Gefahr droht, werden sie zu Löwen! Ohne Zweifel, ohne Nachdenken, ohne Angst. Nur ein Gefühl: beschützen! So funktioniert Liebe. Still, solange alles gut ist, und unerschütterlich, wenn es um die eigenen Kinder geht.
Elisabeth atmete tief und doch zufrieden aus, als sie Anna und Benni ins Taxi hob. Anna ist vier, Benni
Homy