Eine kleine Silvestergeschichte: Wie eine pensionierte Lehrerin zufällig eine Kiste Sekt im REWE gewinnt – und damit nicht nur ihre Nachbarn, den Kater Felix und sich selbst, sondern das ganze Haus an Silvester überrascht

Eine kleine Silvestergeschichte.

Eines Tages gewann eine ältere Lehrerin ganz unverhofft… eine Kiste Sekt! Eine ganze Kiste Sekt! Und das ganz zufällig! Im Supermarkt, in dem sie nach dem Unterricht regelmäßig ihre Einkäufe machte, lief gerade ein Silvestergewinnspiel. Als pragmatischer Mensch glaubte die Lehrerin eigentlich nie an solche Verlosungen oder Lotterien. Doch die Kassiererin überredete sie freundlich.

Na, brauchen Sie keinen Sekt für die Feiertage? fragte die Kassiererin mit einem Augenzwinkern.

Die Lehrerin seufzte schwer. Silvester feierte sie schon seit Jahren allein. Ihr Mann war vor langer Zeit gestorben, ihre Tochter war zum Studium nach Berlin gezogen und dortgeblieben. Nur gelegentlich rief sie ihre Mutter an, klagte über viel Arbeit, die Enkelin sei krank und sie könne nicht kommen. Die Schüler mochten die Lehrerin zwar sehr, aber sie hatten selbstverständlich eigene Pläne für die Ferien. So verbrachte die Lehrerin Silvester meist in Gesellschaft eines alten Plastikbäumchens, geschmückt mit bunten Kugeln aus DDR-Zeiten, eines aus Watte gebastelten Weihnachtsmanns und ihres Katers Felix.

Hier bitte Ihr Name und Ihre Telefonnummer, riss die Kassiererin sie aus ihren trüben Gedanken. Als die Lehrerin das Formular ausgefüllt hatte, warf die Kassiererin ihren Zettel in die Losbox. Die Lehrerin packte ihre bescheidenen Einkäufe und machte sich langsam auf den Heimweg.

Das war zwei Wochen vor Silvester. Schulaufgaben, Notengebung, Vorbereitungen all das ließ sie den Gewinn schnell vergessen.

Am 31. Dezember ging sie noch einmal in den Supermarkt, um Katzenfutter für Felix zu besorgen, der einen unersättlichen Appetit hatte. Während sie beim Betreten des Ladens leise vor sich hin brummelte, hörte sie plötzlich, wie ihr Name durch die Lautsprecher gerufen wurde. Verdutzt blieb sie stehen. Eine kleine Menschenmenge hatte sich versammelt, und auf einer kleinen Bühne stand jemand als Weihnachtsmann verkleidet, der über ein Mikrofon die Gewinner der Silvesteraktion bekanntgab.

Frau Ingrid Vogt!, rief der Weihnachtsmann lautstark, Ist Frau Ingrid Vogt unter uns?

Die Lehrerin bekam kein Wort heraus, wie ihre Schüler vor der Tafel, aber zum Glück eilte die Kassiererin herbei, hob ihre Hand und rief:

Hier! Da ist sie!
Dann zog sie Frau Vogt zur Bühne.

Der Weihnachtsmann war etwas überrascht, dass der Hauptpreis eine Kiste teurer Sekt ausgerechnet an eine ältere Dame in einer abgetragenen Winterjacke mit abgewetztem Pelzbesatz und alten Stiefeln ging. Eigentlich hatte er mit einer jungen Frau in schicker Daunenjacke über einem glitzernden Kleid gerechnet. Sogar der Lokalfernsehsender war extra gekommen, um diesen glücklichen Moment festzuhalten und in den Abendnachrichten zu zeigen

Naja, was solls,, seufzte der Weihnachtsmann, Gewinnspiel ist Gewinnspiel. Da muss die Oma eben den Sekt bekommen.

Feierlich wurde der Preis der Lehrerin überreicht. Mit einer hübsch dekorierten Schlittenkarre wurde sie samt Gewinn vor den Supermarkt gebracht. Natürlich wurden Fotos gemacht aber die blieben wohl auf dem Handy des Weihnachtsmannes.

Das Gewinnspiel ging weiter, es gab schließlich noch andere Preise. Die Lehrerin, immer noch leicht benommen von ihrem Glück, zog die Schlittenkarre samt Sektkiste zum Ausgang.

Ach herrje, ich habe mich ja noch gar nicht bei der Kassiererin bedankt,, fiel ihr dort ein, ohne sie hätte ich gar nicht teilgenommen. Die Lehrerin ließ den Gewinn beim Sicherheitsmann, nahm eine Flasche aus der Kiste und suchte die Kassiererin. Als sie den Namensschild Sabine las, überreichte sie ihr stolz die Flasche und bedankte sich herzlich, bevor sie weiterging.

Die zweite Flasche schenkte sie ebenso feierlich dem Pförtner. Er wollte zuerst nicht annehmen, doch sie bestand darauf.

Dann muss ich schließlich nicht alles alleine tragen, sagte sie lachend, und was soll ich mit so viel Sekt?

Wohnen Sie weit weg? fragte der Wachmann.

Um die Ecke, in der Lindenstraße 22, dritte Etage, antwortete sie.

Er half ihr, die Kiste und den Schlitten die Treppe hinunter zu bringen, wünschte ihr ein frohes neues Jahr und sah ihr lange nach, während sie langsam davonschlenderte.

Zuhause deckte sie ihren wertvollen Gewinn mit ihrem Wollschal zu und eilte in Richtung Wohnung.

Am Hauseingang traf sie zufällig ihre Nachbarin, mit der sie sonst nie viele Worte wechselte. Aber an Silvester sind alle ein klein wenig freundlicher als sonst. Also zog die Lehrerin eine weitere Flasche aus der Kiste und schenkte sie, ohne lange zu überlegen, ihrer Nachbarin. Diese war völlig perplex:

Was, die alte Lehrerin kauft sich so teuren Sekt?, dachte sie verwundert.

Der Schlitten war nun immer leichter.

Im Hinterhof traf sie die Eltern eines ihrer Schüler. Der Vater trug eine Tanne auf der Schulter, die Mutter einen selbstgebackenen Kuchen, und ihr Sohn rannte voraus mit einem Schlitten. Sie begrüßten die Lehrerin, gratulierten zum neuen Jahr und bekamen zu ihrer Überraschung auch eine Flasche Sekt geschenkt.

Sie sind doch jung, stoßen Sie um Mitternacht schön an!, lachte die Lehrerin.

Aber das ist doch so ein teurer Sekt… zögerten die Eltern.

Ich habe ihn gewonnen. Im Supermarkt. Gerade eben, erzählte sie aufgeregt.

Gemeinsam freuten sie sich über die netten Überraschungen und verabschiedeten sich.

Die Lehrerin ließ den Schlitten vor dem Hauseingang stehen.

Vielleicht nehmen ihn ja die Kinder zum Schlittenfahren, ich brauche ihn eh nicht, dachte sie, nahm die letzten beiden Flaschen aus der Kiste und fuhr mit dem Fahrstuhl nach oben. Doch plötzlich fiel das Licht aus, der Fahrstuhl stoppte. Was nun? Zum Glück war die nervige Nachbarin gerade auf dem Heimweg und rief sogleich den Notdienst. Der Techniker kam, ziemlich schlecht gelaunt, weil er kurz vor Feierabend gestört wurde.

Diese alten Damen können die nicht mal zuhause bleiben? Schnee und Kälte schrecken sie nie ab, brummte er.

Nachdem er die Lehrerin befreit hatte, bekam auch er überraschend eine Flasche Sekt.

Na, was es nicht alles gibt…, pfiff er durch die Zähne. Der Sekt konnte ihm gerade recht kommen, hatte er doch zu Silvester eine Dame eingeladen, auf deren Zuneigung er große Hoffnungen setzte.

Als die Lehrerin endlich zu Hause ankam, wartete bereits der hungrige Kater Felix auf sie. Müde, aber zufrieden strich sie ihm übers Fell und berichtete:

…Du wirst es nicht glauben, Felix, ich habe einen Kasten Sekt gewonnen und ihn mit netten Menschen geteilt.

Miau, antwortete der Kater missmutig.

Eine Flasche ist noch übrig… Schade, dass wir wieder nur zu zweit feiern.

Einige Stunden vergingen. Die Lehrerin deckte den Tisch, holte das liebevoll zubereitete Sauerkraut mit Kassler und Kartoffelsalat aus dem Kühlschrank, schnitt etwas Wurst für Felix.

Da klingelte es plötzlich an der Tür.

Vor der Tür standen die Kassiererin und der Wachmann, Arm in Arm, mit einer verführerisch duftenden Tüte.

Wir sind zwar keine Weihnachtsmann und kein Engel, aber wir wollten Sie trotzdem besuchen, sagte der Wachmann. Und Sabine überreichte ihr eine duftende frisch gegrillte Brathähnchen.

Frisch aus der Küche extra für Sie, sagte sie lachend.

Wie schön! rief die Lehrerin gerührt, Kommt herein!

Das waren die ersten Gäste seit langem.

Wenig später klingelte es erneut. Die Eltern des Schülers standen da, mit ihrem Kuchen.

Wir bleiben nicht lange, wollten nur ein wenig Stimmung bringen, sagten sie.

Während sie sich gemeinsam an den Tisch setzten, klingelte es ein weiteres Mal. Die Nachbarin stand mit einer bunt verpackten Schachtel an der Tür.

Für Sie, meinte sie.

Ein Geschenk! rief die Lehrerin entzückt, ein richtiges! Zu Silvester hat mir schon lange niemand mehr etwas geschenkt. Vielen Dank, kommen Sie, setzen Sie sich doch dazu!

Es wurde ein lebhaftes kleines Fest, sie verabschiedeten gemeinsam das alte Jahr bei Dinner for One, wie es in Deutschland Tradition hat, und zum Jahreswechsel gingen die Gäste zurück zu ihren Familien. Silvester bleibt eben ein Familienfest.

Die Lehrerin und Felix waren wieder allein.

Ach, und den Sekt haben wir ganz vergessen, seufzte sie.

Doch da klingelte es noch einmal.

An der Tür standen ihre Tochter, die Enkelin und der Schwiegersohn. Die lang ersehnten liebsten Gäste.

Mama! rief die Tochter und schloss sie fest in die Arme. Endlich haben wir es geschafft!

Entschuldige, der Schneesturm hat uns aufgehalten. Wir sind langsam wie die Schnecken gefahren. Selbst den Sekt haben wir vergessen lachte der Schwiegersohn.

So endete das Jahr für mich anders als gedacht. Ich habe gelernt: Selbst ein kleines Glück kann groß werden, wenn man es teilt und manchmal bringt das Schicksal an Silvester sogar die Menschen zurück, die man am meisten vermisst.

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Homy
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Eine kleine Silvestergeschichte: Wie eine pensionierte Lehrerin zufällig eine Kiste Sekt im REWE gewinnt – und damit nicht nur ihre Nachbarn, den Kater Felix und sich selbst, sondern das ganze Haus an Silvester überrascht
Nicht mehr passend – Zeit für Veränderung