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022
Gestohlenes Glück Frühling hält dieses Jahr früh Einzug in Annes Schrebergarten—Ende März ist schon der ganze Schnee geschmolzen. Obwohl der Winter zurückkehren könnte, genießt Anne die ersten wärmenden Sonnenstrahlen: Sie repariert den Zaun, richtet das Holzlager, überlegt Hühner und ein Ferkel anzuschaffen—vielleicht auch einen Hund und eine Katze. Doch genug geträumt, denkt sie lächelnd, jetzt will sie das Beet umgraben, die Erde riechen, wie damals als Kind, barfuß über das frisch gepflügte Feld laufen, die warme, weiche Erde spüren. Noch können wir leben, sagt Anne halblaut, da steht plötzlich ein Mädchen am Gartentor: schüchtern, in dünner Jacke aus dem Ausbildungszentrum, mit billigen Schuhen und Nylonstrumpfhose—für diese Zeit viel zu dünn angezogen. Die junge Olya bittet ins Klo, dann fragt sie, ob Anne ein Zimmer vermietet und erzählt, sie wolle nicht ins Wohnheim, dort werde getrunken, geraucht, und Jungen gingen ein und aus. Wer bist du?, will Anne wissen—schließlich gesteht Olya: „Bist du Anna Samojlowa? Du… hast du mich nicht erkannt, Mama? Ich bin es, Olya, deine Tochter.“ Jahrzehntelang getrennt, fallen sich Mutter und Tochter schluchzend in die Arme. Das Leben geht weiter: Olya wächst auf, verliebt sich, will heiraten. Anne blüht auf, näht für ihre Tochter, den Schwiegersohn, später für die Enkel—das Haus erwacht zu neuem Leben. Doch dann holt sie eine Krankheit ein. Auf dem Sterbebett will Anne ihrer Tochter ein Geständnis machen: „Ich bin nicht deine leibliche Mutter, Olya…“ Doch Olya hält ihre Hand: „Niemals, für mich wirst du immer meine Mama sein. Die da oben wissen schon, warum sie uns zusammengeführt haben.“ Nach Annes Tod liest Olya deren aufgeschriebenes Leben—von Verlust, Hunger nach Liebe und schuldhafter Freude, als sie Olya einst für sich behalten hat. Am Grab legt die Enkelin einen Blumenkranz nieder und fragt: „War Großmutter Anna nett? Und schön?“—und Olya antwortet: „Die Allerschönste, mein Kind.“ Und der Wind flüstert in der Birke: „Wir sind immer bei dir.“ Gestohlenes Glück—eine Erzählung über mütterliche Liebe, zweite Chancen und das tiefe Bedürfnis, Familie zu haben.
Fremdes Glück Es ist lange her. Damals, als der Schnee schon früh geschmolzen war Ende März, obwohl noch
Homy
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025
WIR HABEN SIE ALLE VERURTEILT Mila stand weinend in der Kirche – schon seit fünfzehn Minuten. Für mich war das überraschend. „Was macht diese Tussi hier?“, dachte ich. Genau sie hätte ich hier am allerwenigsten erwartet. Wir kannten uns nicht persönlich, aber ich sah sie oft. Wir wohnen im gleichen Haus, gehen im selben Park spazieren. Ich – mit meinen vier Kindern, sie – mit ihren drei Hunden. Wir alle haben sie immer verurteilt. Wir – das sind ich, die anderen Mütter mit ihren Kindern, die Omas auf den Bänken, die Nachbarn und vermutlich sogar die Passanten. Mila sah immer großartig aus, war modisch gekleidet und schien leichtlebig und selbstbewusst. — Hat schon wieder den Kerl gewechselt, — nörgelte Oma Gertrud auf der Bank vor dem Haus. — Schon den dritten. — Kann sich’s ja leisten, hat ja Geld wie Heu, — stimmte ihre Freundin Frieda zu, während sie neidisch zusah, wie Mila mit dem nächsten „Freund“ in ihre teure ausländische Karre stieg. Friedas Sohn Uwe, 45 Jahre alt, hat es noch nicht mal zu einem gebrauchten Golf gebracht. — Besser wäre, sie würde mal Kinder kriegen, die biologische Uhr tickt schließlich, — mischte sich Opa Heinz ein, sonst immer Gegenpart zu den Omas, aber beim Urteil über Mila waren sie sich einig. Später wurde auf der Bank hämisch getratscht, dass auch der neueste „Typ“ abgehauen sei. „Kein Wunder, die ist halt ’ne Schlampe! Und bei ihr zuhause stinkt’s bestimmt nach Hund!“, war das Fazit. Am meisten mochte sie aber keine von uns – wir Mütter. Während wir – halb verrückt – unseren Kindern hinterherjagten, von Rutsche zu Schaukel, von Busch zu Mülltonne, spazierte sie seelenruhig mit ihren „Kötern“ vorbei und grinste manchmal sogar leicht schadenfroh. So nach dem Motto: Selber Schuld, wenn ihr euch mit dem Nachwuchs abmüht! Ich genieße mein Leben! Und ihr rechnet, ob’s für Marias neue Jacke reicht oder ob die Schuhe noch warten müssen. „Man sieht sofort – die ist garantiert Kinderfrei. Die sind alle so!“, sagte meine Freundin Anja, Mutter von drei Jungs. „Reiche Leute und ihre Spleens – Hund, Katze, Hamster“, bestätigte die mit Zwillingen schwangere Steffi, während sie versuchte, ihre älteste Tochter vom Baum zu holen. „Die will nur Spaß und Reisen, bloß kein Stress. Ich hab seit sieben Jahren keinen Strand mehr gesehen“, seufzte Fünffach-Mama Martina. „Stimmt, stimmt, stimmt“, stimmte ich allen zu, inklusive den Omas auf dem Hof. Und rannte, um meine weinende Marie aufzuheben. „Sie sollte lieber mal Kinder kriegen, statt so viele Hunde zu halten“, rief eine Oma mal laut hinterher. „Kümmert euch um euer eigenes Leben!“, fuhr Mila sie an, wollte noch mehr sagen, schluckte es aber runter und verschwand mit ihren „nervigen Hunden“. „Unverschämt!“, keifte die Oma zurück. …Ich sah Mila noch einen Moment weinend in der Kirche stehen. Dann verließ ich das Gotteshaus. „Warten Sie!“, hörte ich plötzlich hinter mir. „Bitte, warten Sie.“ Mila kam auf mich zu. „Sie sind doch die, die immer mit den vier Mädchen im Park ist?“ „Ja – und Sie mit den drei Hunden.“ „Genau. Darf ich Sie kurz sprechen? Wissen Sie, ich bewundere Sie immer mit Ihren Töchtern, und all die anderen Mütter…“, sagte sie – und errötete. „Sie?!?“ Ich war baff. Am liebsten hätte ich gesagt: „Sie, die doch kinderlos, egoistisch und eingebildet ist!“ Mir kamen ihre „spöttischen“ Blicke in den Sinn… So lernten wir uns kennen. Wir setzten uns auf eine Bank. Mila erzählte… und weinte. Man sah, wie dringend sie jemanden zum Reden brauchte… …Mila wuchs in einer liebevollen Familie auf, wollte immer viele Kinder. Heiratete aus Liebe, erlitt aber zwei Fehlgeburten. Die Ärzte sagten „unfruchtbar“. Ihr Mann verschwand darum schnell. Auch der zweite Ehemann verließ sie aus demselben Grund, doch vorher folgten jahrelange Behandlungen – fast hätte Mila eine Eileiterschwangerschaft nicht überlebt. Dann kam ein dritter „Freund” – und wieder eine Eileiterschwangerschaft. Der Mann verschwand, sobald das Thema Kind auftauchte. Ihm gefiel Milas Auto, ihr Verdienst, aber ein Kind wollte er nicht. „Ich hätte alles gegeben, um ein Baby zu bekommen!“ „Ich dachte, Sie lieben Hunde“, sagte ich hilflos. „Ja, ich liebe Hunde“, lächelte Mila. „Aber das heißt nicht, dass ich keine Kinder liebe.“ Um nicht so allein zu sein, holte sie sich Teo, dann Mike (den ihr Bekannte vorübergehend da ließen – der blieb dann einfach). Fenja, den dritten Hund, nahm Mila als Welpen im Winter von der Straße mit. Sie konnte ihn nicht leiden lassen. „So eine Hundezucht, sie sollte lieber ein Kind bekommen“, kam mir der Spruch der Oma wieder in den Sinn. „Die Uhr tickt…“, höhnte Opa Heinz. Die Uhr tickte tatsächlich… Mila war bereits 41, sah aber keine 30 aus. Sie entschied: Sie will ein Kind adoptieren. Egal wie alt. Ihr gefiel besonders Kolja, sechs Jahre alt – oder besser gesagt, er mochte sie. „Wirst du meine Mama?“ fragte er. „Ja, werde ich!“, antwortete sie. Doch Kolja durfte nicht zu ihr – seine Mutter, psychisch krank, hatte ihre Rechte noch nicht verloren. „Das war wie ein Schlag ins Gesicht“, erinnerte sie sich. „Das Kind braucht eine Familie – und nichts kann getan werden.“ Dann kam Lena, vier Jahre alt. Schon zweimal adoptiert, beide Male zurückgegeben – zu wild, zu schwierig. Jemand im Heim erzählte: Als die zweite „Mama“ sie zurückbrachte, kroch Lena weinend auf Knien hinterher und flehte: „Mama, bitte gib mich nicht wieder ab! Ich verspreche, ich bin brav!“ Als Mila sie kennenlernte, fragte Lena gleich: „Gibst du mich auch wieder weg?“ „Niemals!“, brachte Mila unter Tränen hervor. Mit der Adoption gab es wieder Probleme. Mila sagte nicht, welche. „Aber das ist meine Tochter, für sie werde ich kämpfen!“ An diesem Tag war Mila zum allerersten Mal in der Kirche. „Ich wusste einfach nicht mehr wohin!“, sagte sie. Der Pastor kam, sie redeten lange, und Mila schrieb sich etwas auf. „Es wird alles gut! Mit Gottes Hilfe!“, hörte ich ihn sagen. Und Mila lächelte… Wir gingen zusammen heim. „Sie denken sicher, ich bin arrogant und eingebildet“, sagte Mila. „Aber ich kann einfach nicht mehr jedem alles erklären. Ich bin einfach erschöpft – von all den Urteilen…“ Ich schwieg. Mila lud mich ein, mal mit meinen Mädchen und den Hunden zu ihr zu kommen. Ich sagte zu. Und das werde ich auch tun – nur etwas später. Im Moment schäme ich mich einfach sehr. Und ich frage mich: Warum ist so viel Unsympathie in uns? Warum denken wir immer das Schlechteste über einen Menschen? Und ich wünsche mir so sehr, dass bei Mila, dieser außergewöhnlichen Frau, die wir alle so verurteilt haben, am Ende alles gut wird. Dass Lena sie umarmt, an sich drückt und sagt: „Mama!“ – in dem Wissen, dass sie nie wieder weggegeben wird. Und dass Teo, Mike und Fenja fröhlich um sie herumspringen… Vielleicht geschieht ja doch ein Wunder, und Mila findet einen guten, echten Mann. Und Lena bekommt ein Geschwisterchen. Solche Wunder gibt es doch, oder? Und möge niemand von ihnen je wieder ein schlechtes Wort hören müssen…
WIR HABEN SIE ALLE VERURTEILT Ich stand heute im Dom und beobachtete, wie Mila weinte. Schon seit einer
Homy
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0127
Olga bereitete den ganzen Tag das Silvesterfest vor: putzte, kochte, deckte den Tisch. Es ist ihr erstes Silvester ohne ihre Eltern – stattdessen feiert sie mit ihrem Freund. Seit drei Monaten wohnt sie nun mit Timo in seiner Wohnung. Er ist 15 Jahre älter als sie, war verheiratet, zahlt Unterhalt und trinkt gerne mal einen über den Durst… Aber das spielt alles keine Rolle, wenn man liebt. Weshalb sie sich gerade in ihn verliebt hat, konnte keiner so recht verstehen: Er ist alles andere als ein Schönling, eher das Gegenteil, hat einen schwierigen Charakter, ist unfassbar geizig und pleite ist er sowieso. Und wenn er mal Geld hat, gibt er es nur für sich selbst aus. Und trotzdem hat Olga sich in dieses „Wunderwesen“ Timo verliebt. Drei Monate lang hoffte Olga, dass Timo zu schätzen weiß, wie tüchtig und genügsam sie ist – und sie vielleicht sogar heiraten will. Oft sagte er: „Man muss erstmal eine Weile zusammenleben, mal sehen, wie du als Hausfrau bist. Nicht, dass du am Ende so bist wie meine Ex.“ Wer seine Ex war, blieb für Olga ein Rätsel – er druckste immer nur herum. Darum strengte sie sich besonders an, zeigte sich von ihrer besten Seite: schimpfte nie, wenn er betrunken heimkam, kochte, wusch seine Wäsche, machte sauber, kaufte alles von ihrem eigenen Geld (bloß nicht, dass er denkt, sie ist auf sein Geld aus). Auch das Silvesteressen bezahlte sie allein. Und selbst ein neues Handy schenkte sie ihm. Während Olga das Fest vorbereitete, „bereitete“ sich ihr „Wunder-Timo“ ebenfalls auf seine Weise vor: Er soff mit Freunden. Betrunken kam er nach Hause und verkündete, dass heute seine Kumpels und deren Frauen zum Feiern kämen – alles Leute, die Olga nicht kannte. Der Tisch war gedeckt, noch eine Stunde bis Mitternacht – Olga war die Lust auf Feierlaune gründlich vergangen, aber sie verkniff sich jede Kritik, denn sie wollte auf keinen Fall sein negatives Bild von Ex-Freundinnen bestätigen. Eine halbe Stunde vor Mitternacht stürmte die betrunkene Gesellschaft die Wohnung. Timo wurde sofort heiter, platzierte alle am Tisch, und der Saufabend begann. Olga stellte er den Gästen nicht einmal vor – sie wurde ignoriert, niemand sprach mit ihr oder beachtete sie, während sie lachten, tranken, ihre Witze rissen. Als Olga darauf hinwies, dass es zwei Minuten bis Mitternacht sei und man doch die Gläser zum Anstoßen füllen sollte, blickte man sie an, als wäre sie eine ungebetene Fremde. „Und wer bist du?“, lallte eine Frau. „Die Bett-Nachbarin“, lachte Timo, und die ganze Runde lachte mit. Sie aßen das Essen, das Olga gekocht hatte, verspotteten sie, und zur Mitternacht waren die Gesprächsthemen nur, wie naiv sie sei. Timo verteidigte sie nicht, sondern lachte mit – schlang das Essen hinunter, das sie gekauft hatte, und ließ sie spüren, dass sie für ihn nur Putzfrau und Köchin war. Stumm verließ Olga das Wohnzimmer, packte ihre Sachen und ging zu ihren Eltern. So ein schlimmes Silvester hatte sie noch nie erlebt. Die Mutter sagte nur: „Ich hab dich gewarnt.“ Der Vater atmete erleichtert auf, Olga weinte sich den Kummer von der Seele und nahm endlich die rosa Brille ab. Eine Woche später, als Timo pleite war, stand er bei Olga auf der Matte und fragte ganz ungerührt: „Sag mal, warum bist du eigentlich abgehauen? Bist du beleidigt oder was?“ Und weil sie nicht auf Versöhnung eingehen wollte, wurde er patzig: „Na super – du hockst dich schön bei Mutti und Vati auf die faule Haut, und ich hab den leeren Kühlschrank! Langsam benimmst du dich echt wie meine Ex!“ Vor lauter Dreistigkeit war Olga sprachlos. Sie hatte sich oft im Kopf vorgestellt, wie sie ihm endlich klar sagt, was sie von ihm hält – aber jetzt brachte sie kaum ein Wort heraus. Das einzige, was sie noch konnte: ihn kräftig zur Tür hinauszuwerfen. So begann mit Silvester für Olga ein neues Leben.
Du, ich muss dir erzählen, wie mein Silvester damals mit Kerstin abgelaufen ist das war echt wie aus
Homy
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042
Halt Abstand von mir! Ich habe dir nie versprochen, dich zu heiraten! Und überhaupt weiß ich gar nicht, von wem das Kind ist – vielleicht ist es ja gar nicht meines? – Mit diesen Worten ließ Viktor, der dienstlich in ihrem Dorf war, die fassungslose Walentina einfach stehen. Aber Walentina konnte gar nicht glauben, was sie da sah und hörte. War das wirklich derselbe Viktor, der ihr einst so liebevoll den Himmel auf Erden versprach? Traurig, einsam und mit 35 Jahren, beschließt sie, dennoch Mutter zu werden. Sie bringt die kleine Marie zur Welt, zieht sie allein groß, zunächst ohne Mutterliebe, aber mit Verantwortung. Eines Tages tritt Igor, ein wortkarger Fremder, in Walentinas Leben – das ganze Dorf tuschelt. Doch Igor entpuppt sich als wahrer Goldschatz: Er repariert das Haus, kocht, kümmert sich rührend um Marie, schenkt ihr Schaukeln, lernt ihr das Radfahren und wird zu dem Vater, den sie nie hatte. Als Marie erwachsen ist, bleibt Igor ihr ein treuer Begleiter durchs Leben, führt sie zum Altar und freut sich über die Enkelkinder, bis er schließlich von dieser Welt geht. Am Grab sagt Marie mit Tränen in den Augen: „Leb wohl, Papa … Du warst der beste Vater der Welt. Ich werde dich nie vergessen.“ Denn Vater ist nicht immer der, der das Leben schenkt – sondern der, der da ist, der liebt und begleitet – und Igor bleibt für immer in ihrem Herzen. Eine bewegende Geschichte aus dem deutschen Alltag – über Einsamkeit, zweite Chancen und die wahre Bedeutung von Familie.
Geh mir aus dem Weg! Ich habe dir niemals versprochen, dich zu heiraten! Und überhaupt, ich weiß doch
Homy
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088
– Nein, du solltest jetzt wirklich nicht kommen, denk doch mal selbst, Mama. Die Reise ist weit, eine ganze Nacht im Zug, und du bist auch nicht mehr die Jüngste. Warum dieser Stress? Außerdem ist Frühling, da hast du sicher auf dem Garten genug Arbeit – sagt mein Sohn mir. – Ach, mein Sohn, aber warum denn nicht? Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen. Und deine Frau möchte ich endlich kennenlernen, wie man so schön sagt, die Schwiegertochter soll man näher erleben – sage ich ehrlich. – Dann machen wir es so: Wart noch bis Ende des Monats, dann kommen wir alle zu dir, an Ostern sind ja viele Feiertage – beruhigt mich mein Sohn. Wenn ich ehrlich bin, war ich schon drauf und dran loszufahren, aber ich glaubte ihm, willigte ein und wartete zu Hause. Doch niemand kam. Ich rief meinen Sohn mehrmals an, aber er drückte weg. Dann rief er selbst zurück und sagte, er sei sehr beschäftigt, ich solle nicht auf ihn warten. Ich war sehr enttäuscht. Ich hatte mich so auf meinen Sohn und die Schwiegertochter gefreut. Er hatte vor einem halben Jahr geheiratet, und ich hatte sie noch nie gesehen. Meinen Sohn Alex habe ich, wie man so sagt, für mich bekommen. Ich war schon 30, heiratete nie. Also beschloss ich, wenigstens ein Kind zu haben. Vielleicht ist das eine Sünde, aber ich habe diesen Schritt nie bereut, auch wenn es oft schwer war, weil wir kaum Geld hatten und ums Überleben kämpften. Aber ich habe immer mehrere Jobs gemacht, damit mein Kind alles hatte, was es brauchte. Mein Sohn wuchs heran und ging zum Studium nach Berlin. Um ihm anfangs dort zu helfen, ging ich sogar nach Polen zur Arbeit, um ihm Geld fürs Studium und das Leben in der Hauptstadt zu schicken. Mein Mutterherz war froh, helfen zu können. Alex jobte ab dem dritten Semester selbst, nach dem Uni-Abschluss stand er auf eigenen Beinen. Nach Hause kam mein Sohn selten, vielleicht einmal im Jahr. Und ich, muss ich gestehen, war nie in Berlin. Ich dachte, wenn der Sohn mal heiratet, fahre ich bestimmt hin. Ich begann sogar für diesen Anlass zu sparen. Am Ende hatte ich 1500 Euro zur Seite gelegt. Vor einem halben Jahr rief mein Sohn an und teilte mir die große Neuigkeit mit – er heiratet. – Mama, aber komm bitte nicht, wir lassen uns nur standesamtlich trauen, die Feier machen wir später – warnte er mich vor. Ich war enttäuscht, aber was soll man machen. Alex stellte mich per Videoanruf mit der Schwiegertochter bekannt. Sie schien nett. Sehr hübsch. Und reich. Mein Schwiegersohn, ihr Vater, ist ein wohlhabender Geschäftsmann. Mir blieb nur, mich zu freuen, dass es meinem Sohn gut geht. Aber die Zeit verging, und mein Sohn lud mich weder ein noch kam er selbst. Ich konnte es kaum erwarten, Schwiegertochter und Sohn zu sehen. Also machte ich mich auf den Weg, kaufte ein Zugticket, packte selbstgebackenes Brot, Eingemachtes und Hausgemachtes, und fuhr los. Dem Sohn rief ich kurz vor der Abfahrt an. – Mama, was machst du denn? Wozu? Ich bin auf der Arbeit, kann dich nicht abholen. Gut, hier ist die Adresse, nimm ein Taxi – meinte Alex. Am Morgen kam ich in Berlin an, nahm ein Taxi und staunte über den Fahrpreis. Aber Berlin war wunderschön, ich genoss die Aussicht aus dem Fenster. Die Tür öffnete mir meine Schwiegertochter. Kein Lächeln, keine Umarmung, sie bat mich nur trocken in die Küche. Mein Sohn war längst weg, er war früh zur Arbeit. Ich packte meine Mitbringsel aus: Kartoffeln, Rote Beete, Eier, getrocknete Äpfel, marinierte Pilze, Gurken, Tomaten, Marmelade. Die Schwiegertochter beobachtete schweigend und sagte schließlich, all das hätten sie nicht gebraucht, sie würden so etwas nicht essen, und überhaupt, sie würde zu Hause nicht kochen. – Was esst ihr denn? – fragte ich verwundert. – Uns bringt täglich der Lieferdienst Essen. Und ich koche nicht gerne, der Geruch bleibt sonst so lange – sagte Ilona. Da kam ihr Sohn, etwa drei, dreieinhalb Jahre alt. – Das ist mein Sohn, Daniil – sagte Schwiegertochter. – Daniel? – fragte ich nach. – Nein, Daniil, keinesfalls Daniel. Ich kann es nicht leiden, wenn man Namen verdreht. – Gut, Ilona. – Ich bin nicht Ilonka, sondern Ilona. In der Stadt verdreht man keine Namen, aber woher solltest du das wissen… Mir war zum Weinen. Nicht etwa, weil mein Sohn eine Frau mit Kind heiratete, sondern weil er mir das nie erzählt hatte. Aber das war nicht alles. Ich sah an der Wand ein großes Hochzeitsfoto. – Ach, kein Fest? Schön, dass ihr wenigstens Fotos habt – sagte ich, um das Thema zu wechseln. – Wie kein Fest? Natürlich, mit 200 Gästen. Nur du warst nicht eingeladen, Alex sagte, du warst krank. Vielleicht besser so – musterte mich die Schwiegertochter von Kopf bis Fuß. – Möchtest du frühstücken? – Ja. Ilona stellte Tee und ein paar Stücke teuren Käse vor mich hin. Das war für sie Frühstück. Aber ich war das nicht gewohnt, besonders nach der Reise. Ich wollte Eier anbraten und mein eigenes Brot essen. Doch sie verbot mir das strikt – wegen des Geruchs. Sie weigerte sich auch, mein Brot zu probieren, meinte, sie und Alex ernähren sich gesund. Mir verging der Appetit, so traurig war ich, dass mein Sohn mich nicht zur Hochzeit eingeladen hatte. Darauf hatte ich mich so lange gefreut, Geld zurückgelegt – alles umsonst. Beim Tee schwieg die Schwiegertochter. Ihr Sohn kam und schmiegte sich an mich. Ich wollte ihn umarmen, da hielt mich Ilona zurück, man wisse ja nicht, womit ich angekommen sei, und das sei doch ein Kind. Süßigkeiten hatte ich keine, also gab ich ihm ein Glas selbstgemachte Himbeermarmelade für Pfannkuchen. Die Schwiegertochter riss mir das Glas aus der Hand: “Wie oft soll ich es noch sagen? Wir essen keinen Zucker!” Ich stand kurz vorm Weinen, trank meinen Tee nicht aus und zog mich an. Die Schwiegertochter ignorierte das, fragte nicht mal, wohin ich gehe. Vor der Haustür setzte ich mich auf eine Bank und weinte hemmungslos. Kurz darauf kam die Schwiegertochter mit dem Kind raus und warf all mein Eingemachtes in den Müll. Als sie weg war, sammelte ich alles ein, holte mir ein Ticket für den Abendzug zurück. Am Bahnhof aß ich endlich: Suppe, Fleisch, Kartoffeln und Salat. Es war teuer, aber ich war es wert, endlich mal etwas Gutes zu essen. Die Taschen stellte ich ins Schließfach, hatte noch Zeit, Berlin zu erkunden. Die Stadt gefiel mir, ich vergaß meine Sorgen kurz. Im Zug konnte ich nicht schlafen, ich weinte die ganze Nacht. Mein Sohn rief nicht an, fragte nicht, wo ich war. Ich hätte eher an Schnee im Sommer geglaubt, als daran, dass mein Kind mich so behandeln würde. Mein einziger Sohn, auf den ich so viel Hoffnung setzte – und am Ende war ich ihm völlig gleichgültig. Jetzt überlege ich, was ich mit dem Geld mache, das ich für seine Hochzeit gespart habe. Soll ich Alex die 1500 Euro geben, damit er weiß, dass die Mutter immer an ihn gedacht hat? Oder soll ich ihm nichts geben, weil er es nicht verdient hat?
Nein, jetzt brauchst du wirklich nicht extra herkommen. Überleg doch mal, Mama! Die Reise ist lang, du
Homy
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08
— Du hast mich doch nie geliebt. Du hast mich ohne Liebe geheiratet. Jetzt wirst du mich verlassen, weil ich krank geworden bin… — Ich verlasse dich nicht! – sagte Marina und umarmte Igor fest. – Du bist der beste Mann! Niemals würde ich dich verlassen… Igor konnte kaum glauben, dass das wahr war. Seine Stimmung war schlecht… Marina war fünfundzwanzig Jahre verheiratet – all die Jahre zog sie immer noch die Aufmerksamkeit der Männer auf sich. Schon als junge Frau war sie begehrt, in der Schule schwärmten die Jungen für sie, obwohl sie eigentlich keine klassische Schönheit war. Trotzdem blieb sie mit Vadim zusammen, auch wenn er nicht der einfachste Mann war. Sie trennten sich nicht; gemeinsam zogen sie ihre Tochter groß, die dann mit ihrem Mann nach Italien auswanderte. Marina und Vadim blieben im großen, lebenslang gemeinsam erbauten Haus zurück – und als Vadim bei einem tragischen Autounfall starb, blieben Marina und das große Haus allein. Daria kam zum Abschied, sprach von Hausverkauf und einer Wohnung, schlug einen Umzug nach Italien vor. „Nein“, entschied Marina, „ich habe das Haus nicht gebaut, um es zu verkaufen!“ Ihre Tochter lächelte, die Mutter scherzte tapfer. Das Leben ging weiter, und nach einer Zeit der Trauer versammelten sich die Verehrer geradezu um sie. Auch Marinas eigene Mutter konnte sich nie erklären, warum die Männer ihr reihenweise zu Füßen lagen. „Du bist meine Tochter, nicht mal eine klassische Schönheit… Was finden sie bloß an dir?”, fragte sie einst. „Charme und Ausstrahlung, Mama!“, lachte Marina. Fast dreißig Jahre später hatte sich daran nichts geändert: Während andere Frauen nach vierzig klagen, sie fänden keinen Mann, hatte Marina mit 46 gleich zwei ernsthafte Bewerber. Ihr Herz schlug mehr für den sympathischen, aber etwas lebensuntauglichen Dmitri, doch sie entschied sich pragmatisch für Igor – handfest, zuverlässig, nicht so wortgewandt, aber ein Mann, der zupacken konnte und sich im großen Haus auskannte. Dmitri war enttäuscht, zog sich zurück. Marina heiratete Igor – ein goldenherziger Mann, der den Garten verwandelte, der alles reparieren konnte, der sie auf Händen trug. Nach ihrem ersten, schwierigen Ehemann genoss sie nun späte Zweisamkeit und dachte oft, warum sie Igor erst so spät getroffen hatte. Vier Jahre waren sie glücklich, dann wurde Igor krank, verlor Energie und Gewicht. Marina drängte ihn zum Arzt, doch er fürchtete weniger die Diagnose als dass ihn Marina verlassen könnte, wenn er hilflos würde – denn hatte sie ihn wirklich aus Liebe geheiratet? Seine Ängste zogen ihn immer mehr herunter, bis er schließlich kollabierte. Die Diagnose: ein gutartiger Lebertumor, aber er würde lange brauchen, um wieder zu Kräften zu kommen. Igor fühlte sich nutzlos, fragte sich, ob Marina bleiben würde. Doch sie blieb – stark, zugewandt, voller Liebe. Sie machte ihm Mut, kümmerte sich, stand zu ihm auch in der schwierigsten Zeit. Gemeinsam feierten sie seinen Geburtstag – ohne starken Alkohol, aber mit Freunden, Spielen und viel Lachen. Igor spürte zum ersten Mal wieder Hoffnung. Abends auf der Terrasse, unter dem Sternenhimmel, umarmte er Marina fest. Und sie lachten – allen Schwierigkeiten zum Trotz. Freunde, wenn euch unsere Geschichten gefallen, hinterlasst gern eure Kommentare und Likes – das motiviert uns, weiterzuschreiben! — Du hast mich nie geliebt. Du hast mich ohne Liebe geheiratet. Und nun verlässt du mich, weil ich krank bin… — Ich verlasse dich nicht! – sagte Marina und drückte Igor fest an sich. – Du bist der beste Mann! Nie würde ich dich verlassen… Eine bewegende Geschichte über Marinas Neuanfang nach schwerem Verlust, ihre späte zweite Liebe – und die Frage, was eine Ehe wirklich zusammenhält, wenn das Leben plötzlich alles verändert.
Du hast mich doch nie geliebt. Ohne Liebe hast du mich geheiratet. Jetzt wirst du mich verlassen, wo
Homy
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037
— Oma, hallo! — rief Matthias. — Wer hat Ihnen erlaubt, einen Wolf im Dorf zu halten? Als Alla Stepanowna den zerstörten Gartenzaun sah, weinte sie bitterlich. Schon oft hatte sie die morsche Umzäunung mit Brettern gestützt und notdürftig repariert, in der Hoffnung, dass ihre kleine Rente irgendwann für einen neuen Zaun reichen würde. Doch es kam anders: Der Zaun war zusammengebrochen. Seit zehn Jahren hatte sie den Hof allein bewirtschaftet, seitdem ihr geliebter Mann, Peter Andreas, verstorben war. Seine goldenen Hände fehlten überall. Solange er lebte, musste sie sich um nichts kümmern; Peter war handwerklich begabt – Schreiner und Zimmermann. Alles erledigte er persönlich, so gab es nie Bedarf, einen Handwerker zu rufen. Im Dorf war er für seine Güte und seinen Fleiß hoch angesehen. Gemeinsam genoss das Paar vierzig glückliche Jahre – gerade einen Tag vor ihrem Jubiläum verstarb er. Das gepflegte Haus, die reiche Ernte aus dem Garten, das wohlversorgte Vieh – all das verdankten sie gemeinsamer Arbeit. Ihr einziges Kind, ihr Sohn Egor, war der ganze Stolz der Familie. Schon als Junge half er, ohne dazu gedrängt werden zu müssen. Wenn die Mutter müde vom Bauernhof heimkehrte, hatte er bereits Holz gehackt, Wasser geholt, den Ofen geheizt und das Vieh versorgt. Peter kam nach Feierabend, wusch sich, und trat auf die Veranda, um eine Pfeife zu schmauchen, während seine Frau das Abendessen zubereitete. Am Abend saß die Familie beisammen, tauschte Neuigkeiten aus und war einfach glücklich. Unaufhaltsam verging die Zeit, und zurück blieben nur Erinnerungen. Egor wurde erwachsen, verließ das heimatliche Haus und ging zum Studium in die große Stadt, heiratete die Städterin Ludmilla und ließ sich in der Hauptstadt nieder. Anfangs besuchte er die Eltern im Urlaub, doch später bestand seine Frau auf Auslandsreisen im Sommerurlaub – jedes Jahr. Peter Andreas ärgerte sich über die Entscheidung seines Sohnes. „Wovon ist unser Egor denn so erschöpft? Wahrscheinlich hat ihm diese Lucy den Kopf verdreht. Für was braucht er all diese Reisen?“ Der Vater war traurig, die Mutter sehnsüchtig. Doch was blieb ihnen? Sie lebten in der Hoffnung auf eine Nachricht vom Sohn. Doch eines Tages wurde Peter schwer krank. Er wollte nichts mehr essen, baute sichtlich ab. Die Ärzte verschrieben Medikamente, doch schließlich gaben sie ihn zur Pflege nach Hause zurück. Im Frühling, als die Natur erwachte und die Nachtigallen im Wald sangen, starb Peter. Egor kam zur Beerdigung, weinte bitterlich und machte sich Vorwürfe, nicht rechtzeitig gekommen zu sein. Er blieb eine Woche zuhause, dann kehrte er nach Berlin zurück. In den darauffolgenden zehn Jahren schrieb er nur drei Briefe an seine Mutter. Alla blieb alleine zurück. Sie verkaufte die Kuh und die Schafe an Nachbarn. Wozu sollte sie noch Vieh halten? Die Kuh blieb lange am alten Zaun stehen und hörte, wie die alte Bäuerin kläglich weinte. Alla verschloss sich im hintersten Zimmer, hielt sich die Ohren zu und weinte. Ohne Männerhände ging alles bergab: Mal tropfte das Dach, mal splitterten die morschen Dielen auf der Veranda, mal überschwemmte das Wasser den Keller … Allerhand versuchte sie selbst zu richten, soweit ihr das möglich war. Sie legte von ihrer Rente Geld für Handwerker zurück, manchmal erledigte sie kleinere Reparaturen selbst, schließlich wuchs sie auf dem Land auf und wusste sich zu helfen. So lebte sie, sparte an allen Ecken und Enden – bis das nächste Unglück über sie hereinbrach. Alla Stepanownas Augenlicht verschlechterte sich plötzlich stark, dabei hatte sie früher nie Augenprobleme. Im Dorfladen konnte sie kaum noch die Preise lesen, und nach einigen Monaten erkannte sie nicht einmal mehr das Geschäftsschild. Die Gemeindeschwester kam vorbei, konnte nur den Kopf schütteln und bestand auf einer Untersuchung im Krankenhaus. „Alla Stepanowna, wollen Sie etwa blind werden? Mit einer Operation könnten Sie Ihr Augenlicht wiedergewinnen!“ Aber die alte Dame hatte Angst vor einem Eingriff und weigerte sich, zu fahren. Nach einem Jahr war ihr Sehvermögen fast ganz verschwunden. Doch sie nahm es gelassen. „Wozu brauche ich die Welt noch zu sehen? Fernsehen tu ich sowieso bloß noch hörend. Die Nachrichten reichen mir so. Im Haus finde ich auch alles im Gedächtnis.“ Manchmal sorgte sie sich jedoch: Im Dorf gab es immer mehr unsichere Gestalten, Einbrüche in leerstehende Häuser häuften sich, alles wurde gestohlen. Alla hätte gern einen Hund gehabt, der mit seiner imposanten Erscheinung und lautem Bellen ungebetene Gäste abschreckte. Sie fragte den Jäger Sören: „Weißt du, ob der Förster Welpen abzugeben hat? Ich würde sogar den Kleinsten nehmen, ich ziehe ihn schon groß …“ Sören, der örtliche Jäger, sah die alte Frau prüfend an: „Oma Alla, wozu willst du ausgerechnet einen Husky? Die sind doch was für den Wald. Ich könnte dir einen richtigen Schäferhund aus der Stadt besorgen.“ „Die sind doch bestimmt teuer…“ „Nicht teurer als Sicherheit, Oma Alla.“ „Na, dann bring einen.“ Alla zählte ihr Erspartes zusammen und kam zu dem Schluss, dass es für einen guten Hund reichen müsste. Doch Sören war nicht sehr zuverlässig und schob das Vorhaben immer wieder auf. Sie schimpfte mit ihm wegen leeren Versprechungen, aber insgeheim hatte sie Mitleid. Er war ein bedauernswerter Kerl – ohne Familie, ohne Kinder. Seine beste Freundin war die Schnapsflasche. Sören, im gleichen Alter wie ihr Sohn Egor, war nie aus dem Dorf herausgekommen. Die Stadt war ihm zu eng. Seine größte Leidenschaft war die Jagd; manchmal blieb er tagelang im Wald. Wenn keine Jagdsaison war, verdingte er sich im Dorf: bestellte Gärten um, zimmerte, reparierte Landmaschinen. Was er bei den alten Damen verdiente, lieferte er direkt am Kiosk gegen Schnaps ab. Nach seinen Saufgelagen verschwand er im Wald, kam nach ein paar Tagen mit Pilzen, Beeren, Fischen, Kiefernzapfen zurück, verkaufte sie zu Spottpreisen und versäufte wieder alles. Dem Trinker half Alla ab und an gegen Bezahlung bei der Hofarbeit. Als nun der Zaun umfiel, musste sie wieder auf ihn zurückgreifen. „Mit dem Hund wird’s wohl noch warten müssen,“ seufzte Alla Stepanowna. „Erst muss ich Sören für den Zaun zahlen, und das Geld reicht kaum.“ Sören kam diesmal nicht mit leeren Händen. In seinem Rucksack bewegte sich etwas zwischen den Werkzeugen. Er lächelte und rief Alla. „Schauen Sie mal, was ich Ihnen mitgebracht habe.“ Er öffnete den Rucksack. Die alte Frau tastete nach dem kleinen plüschigen Kopf. „Sören, hast du mir wirklich einen Welpen gebracht?“ wunderte sie sich. „Den Besten vom Besten. Einen echten Schäferhund, Oma.“ Das Hündchen winselte und mühte sich, aus dem Rucksack zu kommen. Alla Stepanowna wurde nervös: „Aber ich habe doch gar nicht genug Geld! Nur für den Zaun!“ „Jetzt nehme ich ihn doch nicht wieder mit zurück, Oma Alla! Weißt du, was ich für diesen Hund eigentlich gezahlt habe? Tausende!“ Was blieb ihr übrig? Sie musste zum Laden, wo die Verkäuferin ihr fünf Flaschen Schnaps auf Kredit gab und ihren Namen in das Schuldenbuch eintrug. Bis zum Abend hatte Sören den Zaun fertig repariert. Alla bekochte ihn mit einem herzhaften Mittagessen und spendierte ein Gläschen. Gut gelaunt durch den Schnaps dozierte Sören, während das kleine Hündchen zusammengerollt neben dem Ofen schlief: „Zweimal am Tag muss man ihn füttern. Hol einen ordentlichen Strick, der Hund wird groß und stark. Kenn mich da aus.“ So zog bei Alla ein neuer Mitbewohner ein: Tobi. Die alte Dame schloss den Welpen schnell ins Herz, dankte es ihr mit Treue. Jedes Mal, wenn Alla in den Hof kam, sprang Tobi fröhlich an ihr hoch, wollte ihr Gesicht abschlecken. Nur eine Sache war sonderbar – der Hund wurde riesig wie ein Kalb und lernte dennoch nie zu bellen. Das bekümmerte sie sehr. „Ach, Sören! Was bist du doch für ein Hallodri! Hast mir einen untauglichen Hund verkauft!“ Doch sie brachte es nicht übers Herz, die liebe Kreatur hinauszuwerfen. Er musste ja nicht bellen. Die Nachbarshunde bellten ohnehin nicht, wenn Tobi – mittlerweile bis zu Alla Stepanownas Hüfte gewachsen – vorbeikam. Eines Tages besuchte Matthias, der Jäger aus dem Nachbardorf, das Dorf, um für den bevorstehenden Winter Jagdproviant einzukaufen. Vorbei am Haus von Alla Stepanowna, blieb er schockiert stehen, als er Tobi sah. — Oma, hallo! — rief Matthias. — Wer hat Ihnen erlaubt, einen Wolf im Dorf zu halten? Alla legte erschrocken die Hände an die Brust. „Ach Gott, wie dumm ich war! Dieser Betrüger Sören! Er hat mir versprochen, es sei ein waschechter Schäferhund …“ Matthias riet ihr eindringlich: „Oma, du musst ihn im Wald freilassen. Sonst passiert noch was Schlimmes!“ Die alten Augen füllten sich mit Tränen. Sie konnte sich den Abschied von Tobi kaum vorstellen: ein gutes, sanftes Tier – aber eben doch ein Wolf. In letzter Zeit war er nervös, zog an der Kette, wollte in die Freiheit. Die Leute im Dorf sahen ihn mit Angst. Sie hatte keine Wahl. Matthias brachte den Wolf in den Wald. Tobi wedelte kurz zum Abschied und verschwand im Gebüsch. Niemand hat ihn je wiedergesehen. Alla weinte ihrer geliebten Kreatur nach und verfluchte Sören. Auch der war betrübt; eigentlich hatte er es gut gemeint. Als er in jüngeren Tagen im Wald auf Bärenspuren stieß, hörte er in der Nähe Winseln. Schon wollte er fliehen, aber unter den Büschen entdeckte er eine Höhle. Neben einer toten Wölfin lagen totgebissene Wolfbabys, wohl ein Bär hatte den Bau überfallen. Nur eines hatte überlebt und sich gerettet. Sören hatte Mitleid, nahm das Tier mit und brachte es später zu Alla, fest in der Hoffnung, das Tier würde groß werden und in den Wald zurückkehren. In der Zwischenzeit, so seine Überlegung, würde er der Oma einen echten Hund organisieren. Doch Matthias hatte alles kaputtgemacht. Lange traute sich Sören nicht, bei Alla zu klingeln, wanderte im Schnee um ihr Haus, während die alte Frau den Ofen heizte, um nicht zu erfrieren. Da pochte es plötzlich an der Tür. Alla tappte hin und öffnete. Vor ihr stand ein Mann. „Guten Abend, Oma. Darf ich bei Ihnen übernachten? Ich wollte ins Nachbardorf und habe mich verirrt.“ „Wie heißt du denn, mein Lieber? Ich sehe schlecht …“ „Boris.“ „Aber wir haben im Dorf gar keinen Boris …“ „Ich bin erst vor Kurzem hergezogen. Hab ein Haus gekauft, wollte es besichtigen, bin festgefahren – und jetzt zu Fuß durch den Schneesturm!“ „Hast du etwa das Haus vom verstorbenen Herrn Danilitsch gekauft?“ Der Mann nickte. „Ganz genau.“ Sie bat den Fremden herein und stellte den Wasserkessel auf. Nicht bemerkend, dass er den alten Buffetschrank mit begehrlichen Blicken musterte – üblicher Geld- und Wertsachenplatz auf dem Land. Als sie in der Küche hantierte, begann er, im Schrank zu wühlen. Alla hörte das leise Knarren der Tür. „Was suchst du da, Boris?“ „Es war doch eine Währungsreform! Ich helfe Ihnen nur, die alten Geldscheine loszuwerden.“ Sie runzelte die Stirn. „Unsinn. Von einer Reform war keine Rede! Wer sind Sie wirklich?“ Der Mann zückte ein Messer und hielt es ihr an den Hals. „Ruhe jetzt, Oma. Hol Geld her, Gold, Essen!“ Alla wurde angst und bange. Ein auf der Flucht vor der Polizei befindlicher Verbrecher – sie hatte ihr Schicksal besiegelt … Doch plötzlich sprang die Haustür auf: Ein riesiger Wolf stürmte herein und fiel den Räuber an. Der rief vor Schreck auf, aber ein dicker Schal rettete ihn vor dem tödlichen Biss. Der Einbrecher stach mit dem Messer nach dem Wolf, traf ihn an der Schulter. Tobi rollte zur Seite, der Verbrecher nutzte die Gelegenheit zur Flucht. Im selben Moment kam Sören auf den Hof – er hatte sich zum Entschuldigen aufgemacht. Am Zaun sah er einen Mann mit Messer davonspringen, wild fluchend. Sören rannte zu Alla und fand drinnen den blutenden Wolf. Er begriff sofort und stürmte zum Dorfpolizisten. Der Dieb wurde gefasst und zu einer neuen Haftstrafe verurteilt. Tobi wurde zum Helden des Dorfes. Die Leute brachten ihm Futter, grüßten ihn auf der Straße. Der Wolf wurde nie mehr angekettet, hatte seine Freiheit – doch er kam immer wieder zu Oma Alla zurück, meistens zusammen mit Sören nach ausgedehnten Jagden. Eines Tages parkte ein schwarzer SUV vor ihrem Haus. Jemand hackte Holz – ihr Sohn Egor. Als er Sören sah, breitete er die Arme aus. Am Abend saßen alle um den Tisch, und Alla strahlte vor Glück. Egor überredete sie, mit in die Stadt zur Operation zu kommen, um das Augenlicht wiederzuerlangen. „Na gut, wenn’s sein muss …“ seufzte die Alte. „Im Sommer kommt mein Enkel, den will ich unbedingt sehen. Sören, halte bitte Haus und Tobi in Ordnung, ja?“ Sören nickte. Tobi kuschelte sich am Ofen ein, zufrieden die Pfoten unter der Schnauze. Sein Platz war hier – bei seinen Freunden. Um keine neuen Geschichten zu verpassen, folgt uns auf der Seite! Schreibt eure Gedanken und Gefühle in die Kommentare und schenkt uns ein Like!
Oma Else! rief Matthias empört. Wer hat Ihnen erlaubt, einen Wolf im Dorf zu halten? Else Steinmann weinte
Homy
Educational
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Als Rita am Silvesterabend einsam zurückblieb, sollte sie nur für ihre beste Freundin Pauline während deren Winterurlaub in den Alpen die Blumen gießen und die Schildkröte füttern – doch als sie Paulines Wohnung mit dem Schlüssel betrat, brannte überall Licht, die Lichterkette am Tannenbaum glitzerte und aus dem Bad drangen seltsame Geräusche… Rita öffnete die Badezimmertür – und war sprachlos vor Überraschung!
Rita ging zu ihrer Freundin Helene nach Hause, um die Blumen zu gießen und Helenes Schildkröte zu füttern.
Homy