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011
ATME NUR WEITER… – Ach du meine Güte… Wo hast du die denn ausgegraben? Die wiegt doch mindestens ein Zentner! Ich verstehe dich einfach nicht, Oleg. Wirklich, ein richtiger Klotz! Unmöglich. Was findest du bloß an ihr? Mama, bitte sag du auch mal was dazu, – ereiferte sich Lena immer weiter… – Jetzt beruhig dich doch, Lena. Das ist schließlich die Entscheidung deines Bruders. Oleg muss mit ihr leben. Also soll er sich auch um seine Braut kümmern, – wandte sich Anna Viktoria vielsagend an ihren Sohn. – Seid ihr fertig? Dann hört gut zu. Ich heirate Tanja. Und im Herbst bekommen wir außerdem ein Kind. So, meine lieben Damen, die Diskussion ist beendet, – sagte Oleg und verließ das Wohnzimmer. …Oleg war schon einmal verheiratet. Mit einer echten Schönheit. Die Tochter stammt aus dieser Ehe. Er liebte seine Frau abgöttisch. Aber scheinbar passte er der Schwiegermutter nicht in den Kram. Sie tat alles, um diese Liebe zu zerstören. Oleg musste gehen. Damals ging er völlig auf Abwege. Trank hemmungslos, geriet in Schlägereien, wechselte die Frauen… …Und plötzlich tauchte Tanja auf. Sie lernten sich im Bekanntenkreis kennen. Tanja hatte Oleg sofort ins Auge gefasst. Sympathisch, stattlich, unterhaltsam. Und dieser Humor! Keiner brachte Tanja so schnell zum Lachen wie er. Tanja unterrichtete an der Schule Algebra. Sie wohnte noch bei den Eltern zu Hause. Sie war vierundzwanzig, als sie Oleg begegnete. Manchmal sieht man jemanden – und liebt ihn plötzlich für immer. Ohne Gründe, einfach so. Einfach weil er da ist. Man weiß: Das ist meine verwandte Seele. Und du glaubst, ihn schon tausend Jahre zu kennen. Ohne ihn ist das Leben unvorstellbar. So ging es Tanja. Oleg fiel die Unbekannte an jenem Abend gar nicht weiter auf. Erstens war er völlig betrunken. Zweitens war Tanja so gar nicht sein Typ, wirklich überhaupt nicht. Drittens hatte Oleg mit dem Thema Familie abgeschlossen. „Nie wieder heirate ich! Reicht mir!“, sagte er oft zu Freunden. Doch in dieser Runde war Emma. Ein echtes Schätzchen. Oleg unterhielt sich locker mit ihr, zog sich mit Emma in die Küche zurück. Später gingen sie Hand in Hand in die Nacht hinaus. …Mit Emma war alles aufregend. Oleg war absolut zufrieden. Ein echtes Champagner-Mädel. Männer drehten sich nach ihr um und seufzten tief. Oleg stellte Emma seiner Schwester Lena vor. – Hübsches Mädchen. Aber nicht zum Heiraten, – war Lenas Urteil. – Weiß ich, – antwortete Oleg. Emma verließ Oleg, sie wählte einen anderen. Oleg nahm es gelassen. Nein, sie war nicht die Richtige für ihn. Tanja aber wartete geduldig auf ihre Chance. Oleg war frei – jetzt musste sie handeln. Tanja lud Oleg zu einem Date ein. Zögerlich, aber er sagte schließlich ja. Sie brachte ihn zu ihren Eltern nach Hause. Mama und Papa fanden Oleg sofort sympathisch. Und so fing alles an… Oleg war rund um die Uhr von Tanjas Fürsorge umgeben. Tanja schwirrte wie ein Schmetterling um ihn herum. Jeder Wunsch wurde ihm sofort erfüllt. Nach einem halben Jahr erzählte Oleg schließlich Mutter und Schwester von seiner zukünftigen Frau Tanja. – Und liebst du sie, Oleg? – fragte seine Mutter. – Nein. Geliebt habe ich mal… Aber das weißt du, Mama. Es tut weh. Mir reicht, dass Tanja mich abgöttisch liebt, – sagte Oleg nachdenklich. – Ob du es aushältst, mit einer Frau zusammenzuleben, die du nicht liebst? – Anna Viktoria wischte sich eine Träne ab. – Wir werden sehen, – wich Oleg aus. …Die Hochzeit wurde im Haus der Braut gefeiert. – Liebt und lebt miteinander, und wenn ihr mal streitet, dann versöhnt euch gleich wieder, ihr Frischvermählten, – gab Tanjas Mutter mit auf den Weg. …Sie stritten oft, aber versöhnten sich nicht immer. Oleg fing wieder an zu trinken. Er kehrte zurück in sein Elternhaus. Anna Viktoria schüttelte bloß den Kopf, schwieg aber. Tanja kam direkt zu Oleg nach Hause: – Was hast du dir nur dabei gedacht, Oleg? Komm sofort zurück – ich geb‘ dich nicht her! Also kam er zurück. …Ein Sohn wurde geboren. All die kleinen Sorgen… Das Leben zog weiter… Oleg wuchs immer mehr in diese warmherzige Familie hinein. Schwiegervater und Schwiegermutter liebten den Schwiegersohn wie ihr eigenes Kind. Das beste Stück Fleisch war für Oleg. Wenn er von der Arbeit kam, schlichen alle auf Zehenspitzen durchs Haus. Er brauchte schließlich seine Ruhe. Sie beschenkten ihn oft. Oleg hat Tanjas Eltern nie gekränkt. Immer mit großem Respekt behandelt. Er übernahm sämtliche Hausarbeit selbst. Tanja nannte er stets zärtlich “Tanjuschka”. Seinen Sohn vergötterte er. …Fünfundzwanzig Jahre Eheleben vergingen wie im Flug… Die Eltern wurden alt. Wurden häufig krank, waren ständig bei Ärzten. – Oleg, vielleicht solltest du auch endlich mal zum Check in die Praxis gehen? – schlug Tanja ihrem Mann vor. – Wenn du meinst, Tanjuschka… – erwiderte Oleg. …Ständig war er im Stress: den Garten in Ordnung bringen, den Gartenzaun erneuern, im Haus renovieren… Immer hatte er es eilig. …Dann kam der Notarzt. – Hier kann man leider nichts mehr tun. Plötzlicher Herztod… Tanja verlor den Boden unter den Füßen. Sie fiel in Ohnmacht. Die Ärzte holten sie zurück. – Wie kann das sein? Oleg war doch erst bei allen Untersuchungen. „Kern gesund“, hieß es. Und jetzt sowas… Ich glaub’s nicht!!! – Tanja schrie vor Verzweiflung. Die alten Eltern saßen fassungslos da. – Wir, die Alten, wir hätten sterben sollen! Wir! Was für eine Ungerechtigkeit! – weinte Tanjas Mutter hemmungslos. – Oleg! Du bist mein Leben! Atme nur weiter! Atmiiiiiiie… – Tanja warf sich zu ihrem verstorbenen Mann. …Beerdigung. …Zwei Monate später starb Tanjas Vater. Kurz vor seinem Ende stöhnte er: – Oleg! Hol mich zu dir! Einen Monat darauf starb auch die Mutter. …Ein halbes Jahr später verkaufte Tanja das Haus. Sie konnte dort nicht mehr leben. Kaufte eine kleine Wohnung. Verheiratete ihren Sohn. …Sie gestand Olegs Schwester Lena, nach sieben Jahren Witwendasein: – Lena, so einen Mann wie Oleg findet man kein zweites Mal… Ich habe die Hölle durchlebt, als er ging. Ich habe ihn nicht beschützen können… Meinem Sohn habe ich gesagt: Ich will neben Papa beerdigt werden. Es tut so weh, ohne meinen Geliebten… Und, glaub mir, Lena – die Zeit heilt gar nichts…
ATMUNG, BITTE, NUR ATMUNG Ach du meine Güte… Wo hast du sie denn aufgetrieben? Die wiegt doch mindestens
Homy
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08
Leerblüte Karinas Ehemann arbeitete als Gynäkologe in einer Münchner Frauenklinik. Das verheiratete Paar wünschte sich sehnlichst ein Kind, aber bei Karina stellte sich einfach keine Schwangerschaft ein. Andreas, ihr Mann, behandelte sie selbst, fuhr sie zu diversen Kurorten und Moorbädern, zog Kollegen zu Rate – alles ohne Erfolg. Fünf Jahre voller Hoffen und Warten verstrichen. In letzter Zeit kam Andreas ständig später nach Hause, war ungewöhnlich gut gelaunt und machte bissige Scherze über Karina. Sogar das verletzende Wort „Leerblüte“ fiel beiläufig. Die Wärme zwischen ihnen war verschwunden… Immer öfter sprach er von einer neuen Krankenschwester auf seiner Station. Er nannte sie „meine Schwesterchen“. Warum bloß? All diese Veränderungen verhießen nichts Gutes, und Karina vermutete, dass Andreas sich anderweitig umsah. Entschlossen suchte sie ihn im Krankenhaus auf – eine Umgebung, die sie sonst stets mied, weil das Glück der jungen Familien sie schmerzhaft an die eigenen Kinderwünsche erinnerte. Als Karina vorsichtig anklopfte, wurde sie Zeugin einer peinlichen Szene zwischen Andreas und der attraktiven Krankenschwester Verena. Der Duft ihres Parfums hing noch im Raum, als Karina azurblauen Himmel, ihr Mann wich unnötigen Erklärungen aus. Am Abend kam es zur unausweichlichen Aussprache. Andreas gab, mit gepackter Tasche und gesenktem Blick, zu: „Karina, verzeih mir. Unser Leben ist farblos geworden, und die Zeit rennt. Ich will nun einmal Vater werden…“ „Schon gut, Andreas. Ich weiß… Ich bin eben eine Leerblüte. Ich wünsche dir Liebe und viele Nachkommen. Leb wohl!“ Verzweifelt verbrachte Karina die nächsten Jahre mit dem Versuch, ihre große Leere zu füllen: Adoption wurde ihr als „unvollständige Familie“ verwehrt, im Kloster fand sie keinen Trost. Bis eine alte Nonne ihr Hoffnung zusprach: „Dein Glück ist näher, als du denkst.“ Kurz darauf begegnete Karina im Theater dem herzlichen Alexander. Sie gestand ihm ihr vermeintliches „Manko“, doch Alexander hielt zu ihr. Sie heirateten, und sieben Jahre später waren sie glückliche Eltern von drei Kindern. Jahre später trifft Karina zufällig Andreas im Park. Er wirkt älter, erschöpft, und gesteht ihr, dass die Krankenschwester ihn betrogen hat – das „gemeinsame Kind“ war nicht seines. Seine Mutter offenbarte ihm: Er sei seit einer Mumpserkrankung in der Kindheit unfruchtbar. „Die wahre Leerblüte war ich…“, sagt Andreas leise. Karina tröstet ihn: „Du hast als Arzt so vielen geholfen, Leben zu schenken – das zählt doch!“ Heute hat auch Andreas seine Familie gefunden: Gemeinsam mit einer alleinstehenden Mutter zieht er liebevoll ihren kleinen Sohn groß und hat durch das Herz eine neue Vaterrolle gefunden. Zwei Menschen, getrennt durchs Schicksal, finden jeder auf seine Weise das große Glück.
DER LÖWENZAHN An Gerdas Seite war einst ihr Mann, Thomas, der als Gynäkologe in der Geburtsstation des
Homy
Unsere Tochter wählt die Liebe – wir zahlen den Preis: Wie Elodies Märchenhochzeit in Lyon unsere Familie an ihre Grenzen brachte
15. MärzIch ging unruhig in meiner kleinen Wohnung in München auf und ab, das Handy fest in der Hand
Homy
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06
Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus: Larisa blättert gedankenverloren durch ihre Lieblingszeitung – heute aber bleiben die Schlagzeilen ungelesen, denn ihr Herz kreist um eine schmerzhafte Frage. Nie zuvor beachtete sie die Rubrik „Ich suche dich“, doch an diesem Abend greift sie aus Sehnsucht nach einem Gespräch zum Hörer und landet schließlich beim Sorgentelefon. Am anderen Ende wird sie aufgefangen und beginnt zaghaft, ihre Lebensgeschichte zu teilen: Den Weg von der leidenschaftlichen Jugendliebe, der Trennung einer Familie, verbotener Liebe und dem scheinbaren Glück an der Seite ihres Eroberten bis zum dramatischen Bruch nach Jahrzehnten Ehe, als ihr Mann eine Jüngere verlässt und selbst Vater wird. Zurück bleibt Larisa, in einer großen Wohnung mit Erinnerungen, in Einsamkeit, Reue, Sehnsucht nach Vergebung – aber auch mit der Hoffnung auf einen Neuanfang, denn das Leben hält immer neue Wendungen bereit. Eine bewegende Geschichte darüber, dass alles ins Leben zurückkehrt – mit Verlust, Schuld und der Kraft, wieder aufzustehen.
Weißt du, ich muss dir einfach erzählen, wie neulich alles kam, als ich mich so allein gefühlt habe.
Homy
Der Sohn meines Mannes zerstört unser Familienglück – wie kann ich ihn aus unserem Zuhause fernhalten?
Ich sitze gerade am Küchentisch in unserer kleinen Wohnung in München, klammere mich an meine mittlerweile
Homy
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013
Die „beste Feindin“ – Wenn aus der engen Freundin die Rivalin wird: Warum so viele Ehemänner sich ausgerechnet in die beste Freundin ihrer Frau verlieben und wie alltägliche Nähe, langjährige Freundschaft und der feste Platz in der Familie zur Zerreißprobe für Ehe und Vertrauen werden – eine Geschichte voller deutscher Lebensrealität, Warnungen der Mutter und dem bitterschönen Wiedersehen mit alten Gefühlen.
DIE “VERFLIXTE” FREUNDIN Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass Ehemänner zur besten Freundin
Homy
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08
Ein Paradies im Plattenbau Als Dima ihr die Schlüssel zu seiner Wohnung überreichte, wusste Eva: Sie hatte ihre Bastille genommen. Kein Leonardo DiCaprio hat den Oscar je so herbeigesehnt, wie Eva auf ihren Adam (wenn auch Dima) mit eigenem „Pavillon“ gewartet hatte. Mit 35, voller Sehnsucht, war ihr Blick immer öfter auf Straßenkatzen oder Schaufenster von „Alles für Handarbeit“ gerichtet. Und dann kam er – ein einsamer, seine Jugend der Karriere, gesunder Ernährung, Fitnessstudio und anderer Selbstoptimierungskram geopfert habender, kinderloser Mann. Auf diesen „Wunsch“ hatte Eva seit sie 20 war gehofft – und offenbar hatte der lahme Nikolaus endlich begriffen, dass das ernst gemeint war. „Ich habe dieses Jahr nur noch eine letzte Geschäftsreise, dann gehöre ich ganz dir“, meinte Dima, als er ihr das langersehnte Werkzeug gab – den Schlüssel zu seinem Refugium. „Erschrick bitte nicht vor meiner Höhle. Ich komme sonst nur zum Winterschlaf nach Hause“, sagte er noch und flog mit der Lufthansa ins nächste Wochenende und eine andere Zeitzone. Eva packte Zahnbürste, Creme, Schwämmchen ein – und machte sich auf, die Höhle zu inspizieren. Gleich am Eingang tauchten Probleme auf. Dima hatte gleich gewarnt: Das Schloss klemmt manchmal. Aber SO schlimm? Fast 40 Minuten kämpfte Eva mit der Tür – stieß, zog, steckte den Schlüssel bis zum Anschlag, drehte höflich, aber die eifersüchtige Tür wollte sich nicht einer neuen Bewohnerin öffnen. Psychologische Kriegsführung, wie damals auf dem Schulhof, half auch nichts. Da öffnete sich die Tür der Nachbarin: „Entschuldigung, wieso brechen Sie da ein?“ „Ich breche nicht ein, ich hab einen Schlüssel!“, schnaufte Eva, den Schweiß abwischend. „Und wer sind Sie bitte? Ich hab Sie hier noch nie gesehen.“ „Ich bin SEINE Freundin!“, entgegnete Eva herausfordernd, Hand in der Hüfte – doch die Nachbarin schaute nur durch den Türspalt. „Sieee…?“, wunderte sich die Frau. „Ja, ich! Gibts Probleme?“ „Nee, nur… er hat hier noch nie eine Frau… naja, dann mal viel Spaß!“ „Was heißt hier ‘eine wie ich’?“, aber die Nachbarin zuckte nur mit den Schultern und schloss die Tür. Eva dachte: Jetzt oder nie. Sie rammte den Schlüssel energisch hinein, so dass sie fast den kompletten Rahmen drehte – und endlich öffnete sich die Tür. Dimas ganzes Inneres offenbarte sich – Evas Seele wurde von Eiskristallen überzogen. Klar, allein lebende Männer sind oft etwas asketisch, aber das hier war eine echte Klosterzelle. „Armer Kerl, dein Herz hat längst vergessen – oder nie gekannt – was Gemütlichkeit ist!“, murmelte Eva beim Anblick des bescheidenen Wohnraums, der nun öfter ihre Zuflucht werden sollte. Andererseits war sie froh: Die Nachbarin hatte Recht – keine weibliche Hand hatte diese Fenster, Wände, Küche je berührt. Eva war die Erste. Sie hielt es nicht aus, zog wieder die Schuhe an und rannte in den nächsten „Möbel Martin“ für einen hübschen Duschvorhang und Badematte, dazu Topflappen und Küchentücher. Im Geschäft überkam sie die Welle: Zu Matte und Vorhang gesellten sich Duftkerzen, handgemachte Seife, Kosmetikboxen. „Ein paar Kleinigkeiten in eine fremde Wohnung bringen – das ist doch keine Unverschämtheit!“, beruhigte sie sich, als sie die zweite Ladung aufnahm. Das Schloss war nun kein Gegner mehr. Eigentlich funktionierte es überhaupt nicht mehr und erinnerte an einen Eishockey-Torwart ohne Helm. Eva verbrachte den halben Abend damit, den alten Zylinder mit Küchenmessern auszuhebeln und lief am Morgen zum Baumarkt für einen neuen. Die Messer mussten auch ersetzt werden. Und Gabeln, Löffel, Tischdecke, Schneidebretter, Topfuntersetzer – und Vorhänge waren auch gleich fällig. Sonntagmittag rief Dima an und sagte, dass sich seine Dienstreise noch um ein paar Tage verzögert. „Ich wäre dir sogar dankbar, wenn du meiner Wohnung etwas Leben und Wärme einhauchst“, lachte er, als Eva zugab, dass sie sich ein paar Freiheiten mit seiner Einrichtung genommen hatte. Übrigens – das „Wärme Einziehen“ betrieb sie mittlerweile schon auf LKW-Ladungen; alles wurde genau nach Einrichtungsplan verteilt. So viele Jahre war das in einer einsamen Frau aufgestaut – jetzt, da sie freie Hand hatte, konnte der Topf endlich überkochen. Als Dima zurückkam, war von der alten Wohnung nur noch eine kleine Spinne bei der Lüftung geblieben. Eva wollte auch die noch vertreiben, sah aber in die acht schockierten Augen und ließ sie als Symbol der Unantastbarkeit fremden Eigentums einfach bleiben. Dimas Wohnung sah aus, als sei er acht Jahre glücklich verheiratet, danach enttäuscht worden – und dann wieder glücklich, gerade eben deshalb. Eva hatte nicht nur die Wohnung, sondern gleich das halbe Treppenhaus für sich eingenommen, alle Nachbarn erfuhren, dass ab jetzt sie das Sagen hatte. Auch wenn der Ring am Finger noch fehlte – reine Formsache. Die Nachbarn beäugten sie erst skeptisch, dann zuckten sie nur: „Wenn Sie meinen. Ist ja Ihr Ding.“ *** Am Tag, als Dima zurückkommen sollte, bereitete Eva ein echtes, deutsches Abendessen zu, verpackte ihr noch straffes Hinterteil in aufreizend festliche Hülle, stellte Duftkerzen auf, dimmte das neue Licht – und wartete. So sollte ihr Adam empfangen werden! Kein Paradiesgarten, sondern ein richtiges Paradies im deutschen Plattenbau. Dima kam nicht. Als Eva spürte, wie das Korsett zu zwicken begann, hörte sie den Schlüssel im Schloss. „Keine Sorge, neues Schloss – einfach drücken, nicht abgeschlossen!“, rief sie verführerisch, aber auch etwas nervös. Vor jeglicher Verurteilung hatte sie keine Angst – sie hatte ganze Arbeit geleistet. Das würde ihr jeder vergeben. Genau in diesem Moment kam von Dima eine SMS: „Wo bist du? Ich bin zu Hause und sehe – die Wohnung ist wie immer. Meine Freunde meinten, du würdest alles mit Kosmetik vollstellen, aber nix davon.“ Eva las das natürlich erst viel später. Zunächst stürmten fünf fremde Menschen ins Zimmer: Zwei jüngere Männer, zwei Schulkinder, ein ziemlich betagter Opa, der sich plötzlich schön machte, als er Eva in ihrem freizügigen Outfit sah. „Na sieh mal an, Papa wird von der Krankenschwester empfangen. Wieso brauchtest du überhaupt diese Reha, wenn dich zu Hause ‘all inclusive’ erwartet?“, witzelte einer der jungen Männer, bis seine Frau ihn zurückpfiff. Eva stand wie angewurzelt mit zwei vollen Gläsern da. Schreien konnte sie nicht. Im Eck kicherte die Spinne. „Entschuldigung, w-wer sind Sie denn?“, piepste Eva. „Der Besitzer dieses Häuschens. Und Sie? Von der Sozialstation zum Verbandswechsel? Habe doch gesagt, kann selbst …“ meinte der Opa und musterte Eva im sexy Krankenhauskostüm. „Wow, Adam-Matthias – bei dir ist jetzt richtig was los! Nach dem Grabesstillen endlich Leben in der Bude. Wie heißen Sie, junge Dame? Finden Sie unseren Adam-Matthias nicht ein bisschen alt? Andererseits … eigener Wohnraum ist auch was wert….“ „E-ev … Eva …“ „So so, Adam-Matthias, du hast echt ein Händchen bei den Damen!“, schmunzelte die Nachbarin. Dem Opa gefiel die Situation offensichtlich. „U-und wo ist Dmitry?“, hauchte Eva – und kippte gleich beide Gläser runter. „Ich bin Dimitri!“, strahlte ein Achtjähriger. „Nicht so voreilig, das ist noch Papa-Sache“, schimpfte die Mutter und schob die Kids samt Mann aus dem Raum. „Entschuldigen Sie bitte, ich glaube, ich habe die Wohnung verwechselt … Das hier ist doch Jasminstraße 18, Wohnung 26?“ „Nö, das ist Fliederstraße 18“, rieb sich der Opa die Hände, bereit, das Geschenk auszupacken. „Klar, ich verwechsle die beiden immer … Machen Sie es sich gemütlich, ich … muss telefonieren.“ Sie flüchtete ins Bad, schloss ab, wickelte sich ins Handtuch und erst da las sie Dimas SMS. „Dima, ich bin gleich da, war noch im Supermarkt!“, tippt sie hektisch. „Super, ich warte. Bring bitte eine Flasche Wein mit“, kam als Sprachnachricht zurück. Wein hatte Eva jetzt genug – vor allem in sich selbst. Sie schnappte Duschvorhang und Matte, wartete, bis die Fremden in der Küche waren, stopfte alles in die Tasche und flitzte raus. „Matthias, sie haut ab! Die Liebe haut ab!“, hörte man durchs Haus. *** „Ich erzähle es dir später“, erklärte Eva ihr Outfit, als Dima ihr die Tür öffnete. Sie schlich wortlos vorbei, ging zuerst ins Bad, hängte ihren Duschvorhang auf, rollte die Matte aus, fiel aufs Sofa – und schlief bis zum nächsten Morgen, bis Stress und Wein verdampft waren. Am Morgen saß ein fremder junger Mann vor ihr, der auf Aufklärung wartete. „Sag mal … welche Adresse ist das überhaupt?“ „Jasminstraße 18.“
Paradies im Plattenbau Als Markus ihr die Schlüssel zu seiner Wohnung überreicht, weiß Ingrid: Die Festung
Homy
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03
Keinen hat interessiert, was passiert ist, bei wem mein Sohn war oder wie ich mich gefühlt habe: Meine Geschichte von einem Familienausflug, unerwarteter Krankheit und dem Wunsch nach familiärem Zusammenhalt in Deutschland
Keinen hat interessiert, was passiert war, bei wem mein Sohn war, oder wie ich mich fühlte.
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Die Tochter behandelte ihren Vater wie ein altes Möbelstück: Eine erschütternde Wahrheit aus dem deutschen Alltag
Tagebuch, 17. OktoberManchmal frage ich mich, wie das Leben so anders verlaufen kann, als man es sich
Homy
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03
Warum Männer im besten Alter sich nach jüngeren Frauen sehnen – Gründe, Fakten und wie sich Beziehungen in Deutschland nach langen Ehen verändern
Es überrascht heutzutage kaum jemanden, wenn ein Bekannter sich nach fünfzehn oder zwanzig Jahren Ehe
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