Unsere Tochter wählt die Liebe – wir zahlen den Preis: Wie Elodies Märchenhochzeit in Lyon unsere Familie an ihre Grenzen brachte

15. März
Ich ging unruhig in meiner kleinen Wohnung in München auf und ab, das Handy fest in der Hand, wo gerade wieder eine Benachrichtigung über einen überfälligen Zahlungseingang aufblinkte. Mein Herz zog sich zusammen vor Sorge: Wie sollte ich meine Familie ernähren, wo doch meine Tochter und ihr Ehemann mehr und mehr auf meinen Schultern lasteten? Alles hatte begonnen, als meine älteste Tochter, Frieda, damals neunzehn Jahre alt, mir erklärte, dass sie ein Kind erwartete und heiraten wollte.
Früher habe ich Seite an Seite mit meiner Kollegin gearbeitet, Gisela eine kluge, aufmerksame Frau. Gisela zog alleine ihre zwei Töchter groß: Frieda, neunzehn Jahre, und die kleine Leonie, gerade mal zehn. Gisela hat sich nie über ihr Schicksal beklagt. Frieda studierte fleißig an der Universität, Leonie überzeugte mit guten Noten in der Schule. Beide hörten auf ihre Mutter, waren vorbildlich, und Gisela war stolz, auch wenn es als alleinerziehende Mutter alles andere als einfach war.
In Friedas zweitem Studienjahr lernte sie dann ihre erste große Liebe kennen: Benjamin. Der junge Mann stammte aus Rheinland-Pfalz, aber als Gisela ihn dann besser kennenlernte, stimmte sie der Beziehung ihrer Tochter zu. Benjamin schien freundlich, ehrlich keiner, der nur nimmt. Schon bald beschlossen die beiden, zusammenzuziehen. Damit sie aber keine eigene Wohnung mieten mussten, zogen sie einfach bei Gisela ein. Sie mochte diese überstürzte Entscheidung gar nicht: Ihre Tochter war erst neunzehn, sollte erst ihr Studium abschließen, selbstständig werden. Aber was blieb ihr übrig?
Gisela lebte in einer Drei-Zimmer-Wohnung, aber die Räume waren winzig, der Platz ohnehin knapp bemessen. Noch ein junger Erwachsener Friedas zukünftiger Ehemann verschärfte das Problem. Gisela arrangierte sich irgendwie, bis sie erfuhr, weshalb die jungen Leute es so eilig hatten: Frieda gestand, dass sie schwanger war und die beiden heiraten wollten. Es zog Gisela den Boden weg. Ihre Tochter, kaum erwachsen, sollte bald schon ein Kind auf die Welt bringen.
Benjamin arbeitete nicht. Genau wie Frieda war er Vollzeitstudent, und keiner von beiden zog in Betracht, auf ein Fernstudium zu wechseln. Dennoch planten sie eine Hochzeit, wie man sie sonst nur aus Filmen kennt. Sie reservierten ein der teuersten Restaurants in München, luden eine Unmenge Gäste ein, und Frieda bestellte ein Couture-Brautkleid, wie für den Laufsteg entworfen. Gisela versuchte dagegenzuhalten, erklärte mehrfach, dass sie das alles einfach nicht bezahlen konnte. Doch Frieda begann zu weinen, die Hand auf dem Bauch:
Mama, willst du etwa deinem Enkelkind etwas verwehren?
Mit zusammengebissenen Zähnen zahlte Gisela alles. Sie griff auf ihre wenigen Rücklagen zurück, löste ihr Sparkonto auf und nahm sogar noch einen neuen Kredit auf. Sie hoffte, dass nach der Hochzeit die beiden ein wenig zur Vernunft kamen, sich Arbeit suchten und endlich auf eigenen Beinen standen. Aber diese Hoffnung zerplatzte wie eine Seifenblase: Frieda und Benjamin blieben einfach bei ihr wohnen und dachten gar nicht ans Arbeiten.
Die Eltern von Benjamin schenkten dem Paar einen gebrauchten VW Polo. Die beiden fuhren damit in München umher, als wäre jeder Tag ein Ausflug, während die Schwiegereltern das Benzingeld bezahlten wohlwissend, dass ihr Sohn keinen Cent verdiente. Aber alles andere Lebensmittel, Rechnungen, Kleidung blieb an Gisela hängen. Die beiden wussten ja nicht mal, was ein Brot beim Bäcker kostet! Wenn Gisela das Thema Geld ansprach, verdrehte Frieda die Augen:
Mama, wir studieren! Was erwartest du denn von uns?
Zu sparen kam Frieda zu keiner Sekunde in den Sinn. Sie zeigte mir Kataloge voller Kinderwagen und Babybetten, selbstverständlich nur die teuersten und angesagtesten Modelle. Mir stockte der Atem, als ich an meinen Einkommen dachte.
Frieda, ich kann mir das einfach nicht leisten! Ich zahle immer noch deinen Studienkredit und muss mich auch um Leonie kümmern
Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? fuhr mich meine Tochter empört an. Du wirst Oma und machst so ein Theater?
Die stille Wut in mir wuchs und wuchs. Die beiden planten ein Kind aber ich sollte für alles aufkommen? Ich trug die ganze Familie, arbeitete bis zur Erschöpfung doch das Geld reichte nie. Der eingebrockte Studienkredit für Frieda hing mir wie ein Damoklesschwert über dem Kopf, Leonie brauchte ebenso Aufmerksamkeit, und die jungen Erwachsenen lebten in den Tag hinein, als gäbe es kein Morgen.
Ich weiß noch genau, wie eines Tages der Frust überkochte. Ich kam ermattet von der Arbeit heim, nachdem mich der Chef wegen meiner Verspätung verursacht vom Wocheneinkauf für allesamt zur Rede gestellt hatte. Zu Hause erwartete mich schon die nächste Szene: Frieda und Benjamin lachten ausgelassen, blätterten in einem Babyausstatter-Magazin und suchten nach einer Wiege, die mehr als die Hälfte meines Monatslohns kostete. Leonie saß still in der Ecke und malte, während sich das Geschirr meterhoch im Spülbecken türmte.
Muss ich jetzt etwa auch noch euren Abwasch erledigen? platzte es aus mir heraus, während ich die Einkaufstaschen abstellte.
Ach, Mama! protestierte Frieda. Wir kümmern uns doch um das Baby!
Ihr wartet ein Kind, aber ich soll für alles zahlen? Diese Farce reicht jetzt! Entweder ihr sucht euch einen Job oder ihr zieht aus!
Heulend brach Frieda zusammen, Benjamin wurde blass, aber ich blieb endlich konsequent. Ich gab ihnen einen Monat Zeit, sich wenigstens eine kleine Nebentätigkeit zu suchen.
Sonst könnt ihr zu Benjamins Eltern ziehen. Sollten die euch finanzieren.
Frieda und Benjamin probierten weiterhin, mich weichzuklopfen. Aber Tränen halfen diesmal nicht mehr. Ich liebe meine Tochter doch ich verstand endlich: Ohne klare Grenzen würden sie mich vollends ruinieren. Leonie, die meine Verzweiflung spürte, umarmte mich eines Tages und flüsterte:
Mama, ich werde das später nie tun.
Trotz Tränen musste ich lächeln. Für meine Kleine kämpfe ich weiter. Was Frieda und Benjamin angeht? Die Realität des Lebens wartet bereits aber ich bin nicht länger das rettende Ufer.
Heute weiß ich: Nächstenliebe hat Grenzen. Ich muss zuerst für mich und Leonie sorgen, damit ich überhaupt helfen kann und manchmal ist nein die wichtigste Lektion im Leben, für mich und für andere.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Unsere Tochter wählt die Liebe – wir zahlen den Preis: Wie Elodies Märchenhochzeit in Lyon unsere Familie an ihre Grenzen brachte
Nora muss zwei Stunden früher aufstehen und zwei Stunden später ins Bett gehen als ihre „Schwiegermutter“