Educational
09
Die Schwägerin kam zum Fest im exakt gleichen Kleid wie ich – und forderte, dass ich mich sofort umziehe!
Ach, Paul, schau noch mal genauer hin, meinst du nicht, der Reißverschluss am Rücken steht ein wenig ab?
Homy
Educational
08
Als meine Schwiegermutter mir einen Küchen­schürze schenkte und mir damit meinen Platz zuwies, revanchierte ich mich mit gleicher Münze – eine Geschichte von Familien­grenzen, Gerechtigkeit und einer überraschenden Antwort auf einen „gut gemeinten“ Geschenk-Hinweis
Na los, Geburtstagskind, komm in die Mitte! Jetzt wird richtig gratuliert du verkriechst dich ja schon
Homy
Educational
088
– Nein, du solltest jetzt wirklich nicht kommen, denk doch mal selbst, Mama. Die Reise ist weit, eine ganze Nacht im Zug, und du bist auch nicht mehr die Jüngste. Warum dieser Stress? Außerdem ist Frühling, da hast du sicher auf dem Garten genug Arbeit – sagt mein Sohn mir. – Ach, mein Sohn, aber warum denn nicht? Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen. Und deine Frau möchte ich endlich kennenlernen, wie man so schön sagt, die Schwiegertochter soll man näher erleben – sage ich ehrlich. – Dann machen wir es so: Wart noch bis Ende des Monats, dann kommen wir alle zu dir, an Ostern sind ja viele Feiertage – beruhigt mich mein Sohn. Wenn ich ehrlich bin, war ich schon drauf und dran loszufahren, aber ich glaubte ihm, willigte ein und wartete zu Hause. Doch niemand kam. Ich rief meinen Sohn mehrmals an, aber er drückte weg. Dann rief er selbst zurück und sagte, er sei sehr beschäftigt, ich solle nicht auf ihn warten. Ich war sehr enttäuscht. Ich hatte mich so auf meinen Sohn und die Schwiegertochter gefreut. Er hatte vor einem halben Jahr geheiratet, und ich hatte sie noch nie gesehen. Meinen Sohn Alex habe ich, wie man so sagt, für mich bekommen. Ich war schon 30, heiratete nie. Also beschloss ich, wenigstens ein Kind zu haben. Vielleicht ist das eine Sünde, aber ich habe diesen Schritt nie bereut, auch wenn es oft schwer war, weil wir kaum Geld hatten und ums Überleben kämpften. Aber ich habe immer mehrere Jobs gemacht, damit mein Kind alles hatte, was es brauchte. Mein Sohn wuchs heran und ging zum Studium nach Berlin. Um ihm anfangs dort zu helfen, ging ich sogar nach Polen zur Arbeit, um ihm Geld fürs Studium und das Leben in der Hauptstadt zu schicken. Mein Mutterherz war froh, helfen zu können. Alex jobte ab dem dritten Semester selbst, nach dem Uni-Abschluss stand er auf eigenen Beinen. Nach Hause kam mein Sohn selten, vielleicht einmal im Jahr. Und ich, muss ich gestehen, war nie in Berlin. Ich dachte, wenn der Sohn mal heiratet, fahre ich bestimmt hin. Ich begann sogar für diesen Anlass zu sparen. Am Ende hatte ich 1500 Euro zur Seite gelegt. Vor einem halben Jahr rief mein Sohn an und teilte mir die große Neuigkeit mit – er heiratet. – Mama, aber komm bitte nicht, wir lassen uns nur standesamtlich trauen, die Feier machen wir später – warnte er mich vor. Ich war enttäuscht, aber was soll man machen. Alex stellte mich per Videoanruf mit der Schwiegertochter bekannt. Sie schien nett. Sehr hübsch. Und reich. Mein Schwiegersohn, ihr Vater, ist ein wohlhabender Geschäftsmann. Mir blieb nur, mich zu freuen, dass es meinem Sohn gut geht. Aber die Zeit verging, und mein Sohn lud mich weder ein noch kam er selbst. Ich konnte es kaum erwarten, Schwiegertochter und Sohn zu sehen. Also machte ich mich auf den Weg, kaufte ein Zugticket, packte selbstgebackenes Brot, Eingemachtes und Hausgemachtes, und fuhr los. Dem Sohn rief ich kurz vor der Abfahrt an. – Mama, was machst du denn? Wozu? Ich bin auf der Arbeit, kann dich nicht abholen. Gut, hier ist die Adresse, nimm ein Taxi – meinte Alex. Am Morgen kam ich in Berlin an, nahm ein Taxi und staunte über den Fahrpreis. Aber Berlin war wunderschön, ich genoss die Aussicht aus dem Fenster. Die Tür öffnete mir meine Schwiegertochter. Kein Lächeln, keine Umarmung, sie bat mich nur trocken in die Küche. Mein Sohn war längst weg, er war früh zur Arbeit. Ich packte meine Mitbringsel aus: Kartoffeln, Rote Beete, Eier, getrocknete Äpfel, marinierte Pilze, Gurken, Tomaten, Marmelade. Die Schwiegertochter beobachtete schweigend und sagte schließlich, all das hätten sie nicht gebraucht, sie würden so etwas nicht essen, und überhaupt, sie würde zu Hause nicht kochen. – Was esst ihr denn? – fragte ich verwundert. – Uns bringt täglich der Lieferdienst Essen. Und ich koche nicht gerne, der Geruch bleibt sonst so lange – sagte Ilona. Da kam ihr Sohn, etwa drei, dreieinhalb Jahre alt. – Das ist mein Sohn, Daniil – sagte Schwiegertochter. – Daniel? – fragte ich nach. – Nein, Daniil, keinesfalls Daniel. Ich kann es nicht leiden, wenn man Namen verdreht. – Gut, Ilona. – Ich bin nicht Ilonka, sondern Ilona. In der Stadt verdreht man keine Namen, aber woher solltest du das wissen… Mir war zum Weinen. Nicht etwa, weil mein Sohn eine Frau mit Kind heiratete, sondern weil er mir das nie erzählt hatte. Aber das war nicht alles. Ich sah an der Wand ein großes Hochzeitsfoto. – Ach, kein Fest? Schön, dass ihr wenigstens Fotos habt – sagte ich, um das Thema zu wechseln. – Wie kein Fest? Natürlich, mit 200 Gästen. Nur du warst nicht eingeladen, Alex sagte, du warst krank. Vielleicht besser so – musterte mich die Schwiegertochter von Kopf bis Fuß. – Möchtest du frühstücken? – Ja. Ilona stellte Tee und ein paar Stücke teuren Käse vor mich hin. Das war für sie Frühstück. Aber ich war das nicht gewohnt, besonders nach der Reise. Ich wollte Eier anbraten und mein eigenes Brot essen. Doch sie verbot mir das strikt – wegen des Geruchs. Sie weigerte sich auch, mein Brot zu probieren, meinte, sie und Alex ernähren sich gesund. Mir verging der Appetit, so traurig war ich, dass mein Sohn mich nicht zur Hochzeit eingeladen hatte. Darauf hatte ich mich so lange gefreut, Geld zurückgelegt – alles umsonst. Beim Tee schwieg die Schwiegertochter. Ihr Sohn kam und schmiegte sich an mich. Ich wollte ihn umarmen, da hielt mich Ilona zurück, man wisse ja nicht, womit ich angekommen sei, und das sei doch ein Kind. Süßigkeiten hatte ich keine, also gab ich ihm ein Glas selbstgemachte Himbeermarmelade für Pfannkuchen. Die Schwiegertochter riss mir das Glas aus der Hand: “Wie oft soll ich es noch sagen? Wir essen keinen Zucker!” Ich stand kurz vorm Weinen, trank meinen Tee nicht aus und zog mich an. Die Schwiegertochter ignorierte das, fragte nicht mal, wohin ich gehe. Vor der Haustür setzte ich mich auf eine Bank und weinte hemmungslos. Kurz darauf kam die Schwiegertochter mit dem Kind raus und warf all mein Eingemachtes in den Müll. Als sie weg war, sammelte ich alles ein, holte mir ein Ticket für den Abendzug zurück. Am Bahnhof aß ich endlich: Suppe, Fleisch, Kartoffeln und Salat. Es war teuer, aber ich war es wert, endlich mal etwas Gutes zu essen. Die Taschen stellte ich ins Schließfach, hatte noch Zeit, Berlin zu erkunden. Die Stadt gefiel mir, ich vergaß meine Sorgen kurz. Im Zug konnte ich nicht schlafen, ich weinte die ganze Nacht. Mein Sohn rief nicht an, fragte nicht, wo ich war. Ich hätte eher an Schnee im Sommer geglaubt, als daran, dass mein Kind mich so behandeln würde. Mein einziger Sohn, auf den ich so viel Hoffnung setzte – und am Ende war ich ihm völlig gleichgültig. Jetzt überlege ich, was ich mit dem Geld mache, das ich für seine Hochzeit gespart habe. Soll ich Alex die 1500 Euro geben, damit er weiß, dass die Mutter immer an ihn gedacht hat? Oder soll ich ihm nichts geben, weil er es nicht verdient hat?
Nein, jetzt brauchst du wirklich nicht extra herkommen. Überleg doch mal, Mama! Die Reise ist lang, du
Homy
Oje, Olya, was ist denn mit diesen überflüssigen Kilos von dir? Ist das nicht ein Problem? – Dimas Mutter gab nicht nach. – Meiner Meinung nach habe ich keine überflüssigen, vor allem, weil mein zukünftiger Ehemann sie durchaus zu schätzen weiß. Nicht jede Frau muss rank und schlank wie ein Model sein. – Olya musterte Elena und Dimas Mutter mit spöttischem Blick. Elena wurde vor Empörung knallrot angesichts solcher Frechheit. – Mama! Hast du wieder Abnehmtee gekauft? Oder Chia-Samen? Warum hast du mir so viel Butter in den Brei getan – das macht doch dick! Dima, hast du wieder Hefebrot angeschleppt? Das ist doch ungesund! Morgens muss man drei Gläser Wasser trinken, sonst nimmt man nie ab… Wo ist mein Wasser?! – Solche Sprüche musste Dima schon von klein auf hören. Seine Mutter und seine große Schwester waren ständig mit ihrer Figur beschäftigt. Inzwischen war seine Schwester schon achtunddreißig, immer noch unverheiratet und erinnerte Dima an ein ausgemergeltes, ständig hungriges Pferd. Seine Mutter glich einer strengen, geraden Stricknadel. Das ging Dima so auf die Nerven, dass er sich immer zu lebensfrohen Menschen mit gutem Appetit hingezogen fühlte. Er träumte davon, eine Frau zu finden, die ganz anders war als seine Mutter und Schwester. Und er hat sie gefunden! Sie hieß Olga. Olga… Schon ihr Name klang weich und lecker, wie ein duftendes Stück Kuchen. Nein, Olga war nicht dick. Aber bei einer Körpergröße von 1,73 m wog sie 85 kg. Und all diese Kilos strahlten Gesundheit und Lebensfreude aus: großzügiger Busen, schmale Taille, weibliche Formen und Grübchen auf den vollen Wangen, die man am liebsten knuffen wollte. Das alles begeisterte Dima vom ersten Moment an. Eines Abends brachte er seine Schwester in die Sparkasse. Sie zog eine Nummer, setzte sich auf den Warteplatz – und Dima spazierte wartend durch die Bankhalle. Plötzlich hörte er ein silbriges, glockenhelles Lachen – leise, aber so ansteckend, dass Dima unwillkürlich lächelte. Er wollte die Besitzerin dieses Lachens unbedingt sehen, konnte nicht widerstehen und ging dem Klang nach. Es war die junge Frau am Serviceschalter, die gerade einen älteren Kunden bediente. Der hatte wohl einen Witz gemacht, und sie lachte erneut auf. Dima konnte den Blick nicht von ihr wenden… Ihr Haar fiel in Wellen, ihr Mund war wie gemalt – und sie hatte eindeutig weibliche Kurven, das sah man auf den ersten Blick… Im Auto mit seiner Schwester war Dima zwar körperlich anwesend, aber in Gedanken immer noch bei der hübschen Bankangestellten. – Dima, hörst du mir eigentlich zu? – fragte Elena gereizt. – Aber sicher, Elena, natürlich höre ich zu… – krampfhaft versuchte Dima zu überlegen, worüber sie gerade sprach. – Ich habe meinem Verehrer gesagt, dass ich kein gebratenes Fleisch esse, nur gekochte Putenbrust… – beschwerte sich die Schwester. Dima nickte mitfühlend und schnalzte missbilligend mit der Zunge. Am nächsten Tag fuhr er gegen Abend direkt zur Bank. „Sein“ Schwarm war da, Dima atmete auf. Er wartete den Feierabend ab, holte einen Strauß Rosen aus dem Auto und ging auf sie zu. – Sagen Sie mal, brauchen Sie zufällig einen Mann? Oder sucht Ihre Mutter noch einen Schwiegersohn? – platzte er mit einer eingesessenen Floskel heraus und hielt ihr die Rosen entgegen. Wahrscheinlich war sein Gesichtsausdruck so unbeholfen und witzig, dass sie laut auflachte – aber die Rosen nahm sie doch. – Wahnsinn… wie schön! Und wie die duften! – Sie steckte das Gesicht in die Blumen, während er sie glücklich ansah… Von diesem Tag an waren sie unzertrennlich. Manchmal weiß man einfach: Das ist mein Mensch, ich brauche nichts anderes mehr im Leben. So ging es Dima mit Olga. Einen Monat später machte er ihr einen Antrag und sie sagte überglücklich Ja. Jetzt mussten sie nur noch die Eltern vorstellen. Olgas Eltern empfingen sie mit reich gedecktem Tisch, Lachen und lebhaftem Geplauder. Olgas Mutter, eine große und schöne Frau, drückte Dima beide Wangen und brachte ihn damit total aus dem Konzept. Der Vater klopfte kameradschaftlich auf die Schulter und nahm ihn mit in die Küche. – Rette dich vor den Frauen, sonst machen sie dich ganz fertig. Aber keine Sorge – Natalja, Olgas Mutter, ist friedlich, deswegen liebe ich sie seit dreißig Jahren. Und unsere Olga ist ein Diamant. Pass gut auf sie auf, mein Sohn. – Olgas Vater blickte ihn eindringlich an. Danach saßen sie lange am Tisch, aßen mit Appetit, lachten laut, erzählten lustige Geschichten. Später griff Ivan Dmitrijewitsch, Olgas Vater, zur Gitarre und alle sangen gemeinsam. Dima fühlte sich so richtig wohl und geborgen, als würde er diese Familie schon ewig kennen… Drei Tage später ging es zu Dimas Eltern. Unterwegs hielt Olga in einer Konditorei an und kaufte handgemachte Eclairs für die Damen. Um fünf Uhr klingelten sie an der Tür. Dimas Mutter, Gabriele Anatoliewna, machte auf. – Oh… Hallo, meine Lieben… – Sie sah Olga verblüfft an und erstarrte mit offenem Mund und Hand an der Türklinke… – Mama, ich hab dich auch lieb. Wollen wir vielleicht nicht im Flur stehen, sondern reingehen? – Dima drückte sanft nach, und endlich kamen sie ins Wohnzimmer. – Natürlich, mein Junge, natürlich… Kommt rein… Und Sie sind wohl Olga, ja? – Sie fasste sich und musterte Olga schamlos von Kopf bis Fuß. – Ja, ich bin Olga! Und ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen. – Olga streckte ihr die Hand entgegen und trat ein. Dimas Mutter blieb noch einen Moment erstaunt stehen. – Papa, Elena, Mama – das ist Olga, meine Verlobte. Wir haben uns angemeldet – die Hochzeit ist bald! Olga, das ist meine Familie: meine Schwester Elena, Mama Gabriele Anatoliewna und Papa Nikita Sergejewitsch. Die Nachricht schien Dimas Familie völlig zu überrumplen. Schweigend saßen sie am Tisch, es klapperten nur die Bestecke… – Also! Olga! Herzlich willkommen in unserer Familie, wir freuen uns sehr! Habt ihr auch was mitgebracht? Oh, genau richtig! Und Leckereien sind auch dabei, die sind wohl für euch Mädels. – rettete Vater Nikita Sergejewitsch die Stimmung. – Nein, nein, bei uns gibt es abends keine Törtchen. Wirklich, Olga… – Dimas Mutter schob die Schachtel Eclairs förmlich angeekelt von sich weg. – Ihr nicht, aber wir schon! Her damit, wir schauen mal! Ich wette, Olga bringt nur sehr Feines mit, stimmt’s Olga? – lachte der Vater. Alle entspannten sich etwas. Der Tisch war bescheiden, aber nett gedeckt – Schokolade, kleine Snacks, eine Flasche Sekt. Man stieß an, trank, dann herrschte wieder eine stumme Spannung. – Mama, ich habe Olgas Eltern kennengelernt. Wirklich tolle Leute, euch würden sie gefallen. – warf Dima ein, um bloß irgendetwas zu sagen. Olga betrachtete ihr Sektglas. Elena starrte nur Olga an. Vater begann einen Witz – endlich wurde wieder gelacht, und die Atmosphäre lockerte sich. – Olga, machen Sie sich mal keine Sorgen, ich kenne einen fantastischen Spezialisten. Ich stelle Sie gern vor – dann bekommen wir Ihr Problem bestimmt in den Griff. – meinte Dimas Mutter plötzlich. – Problem? Welches Problem soll ich denn haben? – Olga sah ehrlich überrascht aus. – Na, Olga, Ihre überflüssigen Kilos! Ist das denn kein Problem? – Dimas Mutter blieb hartnäckig. – Ich finde nicht, dass ich welche habe. Und meinem zukünftigen Mann gefallen sie auch. Nicht alle müssen schlank wie Streichhölzer sein! – Olga musterte Elena und Dimas Mutter ironisch. Elena wurde knallrot. – Olga, Sie haben mindestens zwanzig Kilo zu viel! Das ist ungesund. Und wenn Sie mal Kinder bekommen, will ich gar nicht wissen, wie Sie dann aussehen… – Nach der Geburt werde ich noch schöner – dann habe ich meinen Mann und mein Kind bei mir. Und Sie, Elena, sind Sie verheiratet? Ich bin sicher, so eine schlanke Frau wie Sie hat bestimmt einen attraktiven Ehemann – und mindestens zwei Kinder… – konterte Olga und biss genüsslich in ihr Törtchen. Elena schluckte empört und wollte noch etwas sagen, holte tief Luft – doch da unterbrach Vater Nikita Sergejewitsch mit einem Toast und füllte die Gläser nach. – Auf die Frauen dieser Familie – so verschieden und doch alle geliebt! Nach etwa zwei Stunden gingen Dima und Olga nach draußen. Sie sahen sich an, seufzten – und fingen plötzlich gleichzeitig an zu lachen. – Tja… Damit hatte ich echt nicht gerechnet – dass meine zukünftige Schwiegermutter mir sagt, ich sei zu rund! – Olga, Liebling, du bist wunderschön und du weißt es! Und Mama und Elena… vergib ihnen. Verwandte kann man sich leider nicht aussuchen. Die Hochzeit war auf den 25. August angesetzt. Freunde und Verwandte kamen ins Standesamt und anschließend ins Restaurant. Die Braut strahlte in ihrem wundervollen Kleid, das ihre weibliche Figur vorteilhaft betonte. Der Bräutigam konnte die Augen nicht von ihr lassen. Olgas Mutter Natalja Jewgeniewna stand ihrer Tochter in Schönheit und Figur in nichts nach. Ihr elegantes Kleid betonte die tollen Kurven. Die Männer kamen gar nicht aus dem Staunen heraus. Sie unterschied sich deutlich von der hageren, kleinen Schwiegermutter im dunklen Etuikleid. Auch Dimas Schwester Elena war wie ihre Mutter – nur etwas jünger. Die Musik begann, das Brautpaar tanzte den Hochzeitstanz – man sah sofort: Für sie beide existierte in diesem Moment niemand sonst auf der Welt. Die Gäste verharrten in stillem Staunen. – Tja… Der Braut täte ein paar Kilo weniger ganz gut. Sie ist schon ziemlich stattlich. Das Kleid macht sie sogar noch breiter… – murmelte Dimas Mutter unzufrieden. Wie sagt man doch – ein Wort ist wie ein Spatz: Ist es erstmal hinaus, holst du es nicht zurück… Wahrscheinlich hätte Gabriele Anatoliewna am liebsten alles ungeschehen gemacht – aber es war zu spät, sie hatte es gesagt. – Übrigens, jede Menge Männer stehen gar nicht auf Knochen. Die bevorzugen richtige, lebendige Frauen. Ihr Sohn übrigens auch. Und Sie, Schwiegermutter, nehmen Sie sich gefälligst mit ihren Worten zurück! Ich bin zwar weich, aber wehe, jemand will meiner Tochter schaden – dann kann ich ziemlich temperamentvoll werden… – schritt Natalja Jewgeniewna energisch vor und trieb Dimas Mutter mit ihrer stolzen Figur wortwörtlich in die Ecke. Einige Augenblicke starrten sich die beiden Frauen an. Dimas Mutter ängstlich, Natalja Jewgeniewna entschlossen. Vater Ivan Dmitrijewitsch schaltete sofort und lenkte die Stimmung wieder um: – Oh! Mädels! Ich sehe, ihr habt euch blendend angefreundet. Aber jetzt entführe ich meine Frau zum Tanzen, Frau Gabriele Anatoliewna! Natalja, mein Schatz, unser Tanz! Das junge Paar hat getanzt – jetzt sind wir Alte dran. Er umarmte stolz seine Frau, und sie wirbelten im Walzer übers Parkett. Die Musik spielte, lauter fröhliche Gesichter – die Hochzeit ging weiter, wie man in den Schlagern sagt, mit Gesang und Tanz. Bleibt zu hoffen, dass das junge Paar glücklich lebt – und reich an Liebe und Glück wird… Denn das ist schließlich das Wichtigste, oder?
Hildegard, und diese überschüssigen Kilos bei dir ist das denn kein Problem?, ließ die Mutter von Dieter
Homy
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08
— Du hast mich doch nie geliebt. Du hast mich ohne Liebe geheiratet. Jetzt wirst du mich verlassen, weil ich krank geworden bin… — Ich verlasse dich nicht! – sagte Marina und umarmte Igor fest. – Du bist der beste Mann! Niemals würde ich dich verlassen… Igor konnte kaum glauben, dass das wahr war. Seine Stimmung war schlecht… Marina war fünfundzwanzig Jahre verheiratet – all die Jahre zog sie immer noch die Aufmerksamkeit der Männer auf sich. Schon als junge Frau war sie begehrt, in der Schule schwärmten die Jungen für sie, obwohl sie eigentlich keine klassische Schönheit war. Trotzdem blieb sie mit Vadim zusammen, auch wenn er nicht der einfachste Mann war. Sie trennten sich nicht; gemeinsam zogen sie ihre Tochter groß, die dann mit ihrem Mann nach Italien auswanderte. Marina und Vadim blieben im großen, lebenslang gemeinsam erbauten Haus zurück – und als Vadim bei einem tragischen Autounfall starb, blieben Marina und das große Haus allein. Daria kam zum Abschied, sprach von Hausverkauf und einer Wohnung, schlug einen Umzug nach Italien vor. „Nein“, entschied Marina, „ich habe das Haus nicht gebaut, um es zu verkaufen!“ Ihre Tochter lächelte, die Mutter scherzte tapfer. Das Leben ging weiter, und nach einer Zeit der Trauer versammelten sich die Verehrer geradezu um sie. Auch Marinas eigene Mutter konnte sich nie erklären, warum die Männer ihr reihenweise zu Füßen lagen. „Du bist meine Tochter, nicht mal eine klassische Schönheit… Was finden sie bloß an dir?”, fragte sie einst. „Charme und Ausstrahlung, Mama!“, lachte Marina. Fast dreißig Jahre später hatte sich daran nichts geändert: Während andere Frauen nach vierzig klagen, sie fänden keinen Mann, hatte Marina mit 46 gleich zwei ernsthafte Bewerber. Ihr Herz schlug mehr für den sympathischen, aber etwas lebensuntauglichen Dmitri, doch sie entschied sich pragmatisch für Igor – handfest, zuverlässig, nicht so wortgewandt, aber ein Mann, der zupacken konnte und sich im großen Haus auskannte. Dmitri war enttäuscht, zog sich zurück. Marina heiratete Igor – ein goldenherziger Mann, der den Garten verwandelte, der alles reparieren konnte, der sie auf Händen trug. Nach ihrem ersten, schwierigen Ehemann genoss sie nun späte Zweisamkeit und dachte oft, warum sie Igor erst so spät getroffen hatte. Vier Jahre waren sie glücklich, dann wurde Igor krank, verlor Energie und Gewicht. Marina drängte ihn zum Arzt, doch er fürchtete weniger die Diagnose als dass ihn Marina verlassen könnte, wenn er hilflos würde – denn hatte sie ihn wirklich aus Liebe geheiratet? Seine Ängste zogen ihn immer mehr herunter, bis er schließlich kollabierte. Die Diagnose: ein gutartiger Lebertumor, aber er würde lange brauchen, um wieder zu Kräften zu kommen. Igor fühlte sich nutzlos, fragte sich, ob Marina bleiben würde. Doch sie blieb – stark, zugewandt, voller Liebe. Sie machte ihm Mut, kümmerte sich, stand zu ihm auch in der schwierigsten Zeit. Gemeinsam feierten sie seinen Geburtstag – ohne starken Alkohol, aber mit Freunden, Spielen und viel Lachen. Igor spürte zum ersten Mal wieder Hoffnung. Abends auf der Terrasse, unter dem Sternenhimmel, umarmte er Marina fest. Und sie lachten – allen Schwierigkeiten zum Trotz. Freunde, wenn euch unsere Geschichten gefallen, hinterlasst gern eure Kommentare und Likes – das motiviert uns, weiterzuschreiben! — Du hast mich nie geliebt. Du hast mich ohne Liebe geheiratet. Und nun verlässt du mich, weil ich krank bin… — Ich verlasse dich nicht! – sagte Marina und drückte Igor fest an sich. – Du bist der beste Mann! Nie würde ich dich verlassen… Eine bewegende Geschichte über Marinas Neuanfang nach schwerem Verlust, ihre späte zweite Liebe – und die Frage, was eine Ehe wirklich zusammenhält, wenn das Leben plötzlich alles verändert.
Du hast mich doch nie geliebt. Ohne Liebe hast du mich geheiratet. Jetzt wirst du mich verlassen, wo
Homy
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010
„Meine Wohnung, Mama! Ich will nicht, dass der Stiefvater hier wohnt!“ – „Gib ihn doch in die Klapsmühle, Sima. Der Junge dreht völlig durch! Und überhaupt, warum bestimmt ein 16-jähriger Bengel, wie wir Erwachsenen zu leben haben? Nimm ihm die Wohnung weg und setz ihn auf die Straße!“ *** Als ein Erbstück spaltet – Wenn der 16-jährige Sohn um sein Recht auf die eigene Wohnung kämpft, der Stiefvater auf Gerechtigkeit pocht und die Familie unter dem Druck zu zerbrechen droht: Eine deutsche Patchwork-Familie streitet über Eigentum, Gerechtigkeit und Liebe
Die Wohnung gehört mir, Mama! Und ich will nicht, dass mein Stiefvater hier wohnt! Gib ihn doch in die
Homy
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05
Silvesterwunder: Als Olga und Peter allein feiern wollten – und mit einem Lächeln, einem Kinde und alten Erinnerungen eine ganz besondere Neujahrsnacht erlebten
31. Dezember Seltsamerweise fühlt sich Silvester dieses Jahr anders an. Ich, Gertrud Engelhardt, und
Homy
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038
— Oma, hallo! — rief Matthias. — Wer hat Ihnen erlaubt, einen Wolf im Dorf zu halten? Als Alla Stepanowna den zerstörten Gartenzaun sah, weinte sie bitterlich. Schon oft hatte sie die morsche Umzäunung mit Brettern gestützt und notdürftig repariert, in der Hoffnung, dass ihre kleine Rente irgendwann für einen neuen Zaun reichen würde. Doch es kam anders: Der Zaun war zusammengebrochen. Seit zehn Jahren hatte sie den Hof allein bewirtschaftet, seitdem ihr geliebter Mann, Peter Andreas, verstorben war. Seine goldenen Hände fehlten überall. Solange er lebte, musste sie sich um nichts kümmern; Peter war handwerklich begabt – Schreiner und Zimmermann. Alles erledigte er persönlich, so gab es nie Bedarf, einen Handwerker zu rufen. Im Dorf war er für seine Güte und seinen Fleiß hoch angesehen. Gemeinsam genoss das Paar vierzig glückliche Jahre – gerade einen Tag vor ihrem Jubiläum verstarb er. Das gepflegte Haus, die reiche Ernte aus dem Garten, das wohlversorgte Vieh – all das verdankten sie gemeinsamer Arbeit. Ihr einziges Kind, ihr Sohn Egor, war der ganze Stolz der Familie. Schon als Junge half er, ohne dazu gedrängt werden zu müssen. Wenn die Mutter müde vom Bauernhof heimkehrte, hatte er bereits Holz gehackt, Wasser geholt, den Ofen geheizt und das Vieh versorgt. Peter kam nach Feierabend, wusch sich, und trat auf die Veranda, um eine Pfeife zu schmauchen, während seine Frau das Abendessen zubereitete. Am Abend saß die Familie beisammen, tauschte Neuigkeiten aus und war einfach glücklich. Unaufhaltsam verging die Zeit, und zurück blieben nur Erinnerungen. Egor wurde erwachsen, verließ das heimatliche Haus und ging zum Studium in die große Stadt, heiratete die Städterin Ludmilla und ließ sich in der Hauptstadt nieder. Anfangs besuchte er die Eltern im Urlaub, doch später bestand seine Frau auf Auslandsreisen im Sommerurlaub – jedes Jahr. Peter Andreas ärgerte sich über die Entscheidung seines Sohnes. „Wovon ist unser Egor denn so erschöpft? Wahrscheinlich hat ihm diese Lucy den Kopf verdreht. Für was braucht er all diese Reisen?“ Der Vater war traurig, die Mutter sehnsüchtig. Doch was blieb ihnen? Sie lebten in der Hoffnung auf eine Nachricht vom Sohn. Doch eines Tages wurde Peter schwer krank. Er wollte nichts mehr essen, baute sichtlich ab. Die Ärzte verschrieben Medikamente, doch schließlich gaben sie ihn zur Pflege nach Hause zurück. Im Frühling, als die Natur erwachte und die Nachtigallen im Wald sangen, starb Peter. Egor kam zur Beerdigung, weinte bitterlich und machte sich Vorwürfe, nicht rechtzeitig gekommen zu sein. Er blieb eine Woche zuhause, dann kehrte er nach Berlin zurück. In den darauffolgenden zehn Jahren schrieb er nur drei Briefe an seine Mutter. Alla blieb alleine zurück. Sie verkaufte die Kuh und die Schafe an Nachbarn. Wozu sollte sie noch Vieh halten? Die Kuh blieb lange am alten Zaun stehen und hörte, wie die alte Bäuerin kläglich weinte. Alla verschloss sich im hintersten Zimmer, hielt sich die Ohren zu und weinte. Ohne Männerhände ging alles bergab: Mal tropfte das Dach, mal splitterten die morschen Dielen auf der Veranda, mal überschwemmte das Wasser den Keller … Allerhand versuchte sie selbst zu richten, soweit ihr das möglich war. Sie legte von ihrer Rente Geld für Handwerker zurück, manchmal erledigte sie kleinere Reparaturen selbst, schließlich wuchs sie auf dem Land auf und wusste sich zu helfen. So lebte sie, sparte an allen Ecken und Enden – bis das nächste Unglück über sie hereinbrach. Alla Stepanownas Augenlicht verschlechterte sich plötzlich stark, dabei hatte sie früher nie Augenprobleme. Im Dorfladen konnte sie kaum noch die Preise lesen, und nach einigen Monaten erkannte sie nicht einmal mehr das Geschäftsschild. Die Gemeindeschwester kam vorbei, konnte nur den Kopf schütteln und bestand auf einer Untersuchung im Krankenhaus. „Alla Stepanowna, wollen Sie etwa blind werden? Mit einer Operation könnten Sie Ihr Augenlicht wiedergewinnen!“ Aber die alte Dame hatte Angst vor einem Eingriff und weigerte sich, zu fahren. Nach einem Jahr war ihr Sehvermögen fast ganz verschwunden. Doch sie nahm es gelassen. „Wozu brauche ich die Welt noch zu sehen? Fernsehen tu ich sowieso bloß noch hörend. Die Nachrichten reichen mir so. Im Haus finde ich auch alles im Gedächtnis.“ Manchmal sorgte sie sich jedoch: Im Dorf gab es immer mehr unsichere Gestalten, Einbrüche in leerstehende Häuser häuften sich, alles wurde gestohlen. Alla hätte gern einen Hund gehabt, der mit seiner imposanten Erscheinung und lautem Bellen ungebetene Gäste abschreckte. Sie fragte den Jäger Sören: „Weißt du, ob der Förster Welpen abzugeben hat? Ich würde sogar den Kleinsten nehmen, ich ziehe ihn schon groß …“ Sören, der örtliche Jäger, sah die alte Frau prüfend an: „Oma Alla, wozu willst du ausgerechnet einen Husky? Die sind doch was für den Wald. Ich könnte dir einen richtigen Schäferhund aus der Stadt besorgen.“ „Die sind doch bestimmt teuer…“ „Nicht teurer als Sicherheit, Oma Alla.“ „Na, dann bring einen.“ Alla zählte ihr Erspartes zusammen und kam zu dem Schluss, dass es für einen guten Hund reichen müsste. Doch Sören war nicht sehr zuverlässig und schob das Vorhaben immer wieder auf. Sie schimpfte mit ihm wegen leeren Versprechungen, aber insgeheim hatte sie Mitleid. Er war ein bedauernswerter Kerl – ohne Familie, ohne Kinder. Seine beste Freundin war die Schnapsflasche. Sören, im gleichen Alter wie ihr Sohn Egor, war nie aus dem Dorf herausgekommen. Die Stadt war ihm zu eng. Seine größte Leidenschaft war die Jagd; manchmal blieb er tagelang im Wald. Wenn keine Jagdsaison war, verdingte er sich im Dorf: bestellte Gärten um, zimmerte, reparierte Landmaschinen. Was er bei den alten Damen verdiente, lieferte er direkt am Kiosk gegen Schnaps ab. Nach seinen Saufgelagen verschwand er im Wald, kam nach ein paar Tagen mit Pilzen, Beeren, Fischen, Kiefernzapfen zurück, verkaufte sie zu Spottpreisen und versäufte wieder alles. Dem Trinker half Alla ab und an gegen Bezahlung bei der Hofarbeit. Als nun der Zaun umfiel, musste sie wieder auf ihn zurückgreifen. „Mit dem Hund wird’s wohl noch warten müssen,“ seufzte Alla Stepanowna. „Erst muss ich Sören für den Zaun zahlen, und das Geld reicht kaum.“ Sören kam diesmal nicht mit leeren Händen. In seinem Rucksack bewegte sich etwas zwischen den Werkzeugen. Er lächelte und rief Alla. „Schauen Sie mal, was ich Ihnen mitgebracht habe.“ Er öffnete den Rucksack. Die alte Frau tastete nach dem kleinen plüschigen Kopf. „Sören, hast du mir wirklich einen Welpen gebracht?“ wunderte sie sich. „Den Besten vom Besten. Einen echten Schäferhund, Oma.“ Das Hündchen winselte und mühte sich, aus dem Rucksack zu kommen. Alla Stepanowna wurde nervös: „Aber ich habe doch gar nicht genug Geld! Nur für den Zaun!“ „Jetzt nehme ich ihn doch nicht wieder mit zurück, Oma Alla! Weißt du, was ich für diesen Hund eigentlich gezahlt habe? Tausende!“ Was blieb ihr übrig? Sie musste zum Laden, wo die Verkäuferin ihr fünf Flaschen Schnaps auf Kredit gab und ihren Namen in das Schuldenbuch eintrug. Bis zum Abend hatte Sören den Zaun fertig repariert. Alla bekochte ihn mit einem herzhaften Mittagessen und spendierte ein Gläschen. Gut gelaunt durch den Schnaps dozierte Sören, während das kleine Hündchen zusammengerollt neben dem Ofen schlief: „Zweimal am Tag muss man ihn füttern. Hol einen ordentlichen Strick, der Hund wird groß und stark. Kenn mich da aus.“ So zog bei Alla ein neuer Mitbewohner ein: Tobi. Die alte Dame schloss den Welpen schnell ins Herz, dankte es ihr mit Treue. Jedes Mal, wenn Alla in den Hof kam, sprang Tobi fröhlich an ihr hoch, wollte ihr Gesicht abschlecken. Nur eine Sache war sonderbar – der Hund wurde riesig wie ein Kalb und lernte dennoch nie zu bellen. Das bekümmerte sie sehr. „Ach, Sören! Was bist du doch für ein Hallodri! Hast mir einen untauglichen Hund verkauft!“ Doch sie brachte es nicht übers Herz, die liebe Kreatur hinauszuwerfen. Er musste ja nicht bellen. Die Nachbarshunde bellten ohnehin nicht, wenn Tobi – mittlerweile bis zu Alla Stepanownas Hüfte gewachsen – vorbeikam. Eines Tages besuchte Matthias, der Jäger aus dem Nachbardorf, das Dorf, um für den bevorstehenden Winter Jagdproviant einzukaufen. Vorbei am Haus von Alla Stepanowna, blieb er schockiert stehen, als er Tobi sah. — Oma, hallo! — rief Matthias. — Wer hat Ihnen erlaubt, einen Wolf im Dorf zu halten? Alla legte erschrocken die Hände an die Brust. „Ach Gott, wie dumm ich war! Dieser Betrüger Sören! Er hat mir versprochen, es sei ein waschechter Schäferhund …“ Matthias riet ihr eindringlich: „Oma, du musst ihn im Wald freilassen. Sonst passiert noch was Schlimmes!“ Die alten Augen füllten sich mit Tränen. Sie konnte sich den Abschied von Tobi kaum vorstellen: ein gutes, sanftes Tier – aber eben doch ein Wolf. In letzter Zeit war er nervös, zog an der Kette, wollte in die Freiheit. Die Leute im Dorf sahen ihn mit Angst. Sie hatte keine Wahl. Matthias brachte den Wolf in den Wald. Tobi wedelte kurz zum Abschied und verschwand im Gebüsch. Niemand hat ihn je wiedergesehen. Alla weinte ihrer geliebten Kreatur nach und verfluchte Sören. Auch der war betrübt; eigentlich hatte er es gut gemeint. Als er in jüngeren Tagen im Wald auf Bärenspuren stieß, hörte er in der Nähe Winseln. Schon wollte er fliehen, aber unter den Büschen entdeckte er eine Höhle. Neben einer toten Wölfin lagen totgebissene Wolfbabys, wohl ein Bär hatte den Bau überfallen. Nur eines hatte überlebt und sich gerettet. Sören hatte Mitleid, nahm das Tier mit und brachte es später zu Alla, fest in der Hoffnung, das Tier würde groß werden und in den Wald zurückkehren. In der Zwischenzeit, so seine Überlegung, würde er der Oma einen echten Hund organisieren. Doch Matthias hatte alles kaputtgemacht. Lange traute sich Sören nicht, bei Alla zu klingeln, wanderte im Schnee um ihr Haus, während die alte Frau den Ofen heizte, um nicht zu erfrieren. Da pochte es plötzlich an der Tür. Alla tappte hin und öffnete. Vor ihr stand ein Mann. „Guten Abend, Oma. Darf ich bei Ihnen übernachten? Ich wollte ins Nachbardorf und habe mich verirrt.“ „Wie heißt du denn, mein Lieber? Ich sehe schlecht …“ „Boris.“ „Aber wir haben im Dorf gar keinen Boris …“ „Ich bin erst vor Kurzem hergezogen. Hab ein Haus gekauft, wollte es besichtigen, bin festgefahren – und jetzt zu Fuß durch den Schneesturm!“ „Hast du etwa das Haus vom verstorbenen Herrn Danilitsch gekauft?“ Der Mann nickte. „Ganz genau.“ Sie bat den Fremden herein und stellte den Wasserkessel auf. Nicht bemerkend, dass er den alten Buffetschrank mit begehrlichen Blicken musterte – üblicher Geld- und Wertsachenplatz auf dem Land. Als sie in der Küche hantierte, begann er, im Schrank zu wühlen. Alla hörte das leise Knarren der Tür. „Was suchst du da, Boris?“ „Es war doch eine Währungsreform! Ich helfe Ihnen nur, die alten Geldscheine loszuwerden.“ Sie runzelte die Stirn. „Unsinn. Von einer Reform war keine Rede! Wer sind Sie wirklich?“ Der Mann zückte ein Messer und hielt es ihr an den Hals. „Ruhe jetzt, Oma. Hol Geld her, Gold, Essen!“ Alla wurde angst und bange. Ein auf der Flucht vor der Polizei befindlicher Verbrecher – sie hatte ihr Schicksal besiegelt … Doch plötzlich sprang die Haustür auf: Ein riesiger Wolf stürmte herein und fiel den Räuber an. Der rief vor Schreck auf, aber ein dicker Schal rettete ihn vor dem tödlichen Biss. Der Einbrecher stach mit dem Messer nach dem Wolf, traf ihn an der Schulter. Tobi rollte zur Seite, der Verbrecher nutzte die Gelegenheit zur Flucht. Im selben Moment kam Sören auf den Hof – er hatte sich zum Entschuldigen aufgemacht. Am Zaun sah er einen Mann mit Messer davonspringen, wild fluchend. Sören rannte zu Alla und fand drinnen den blutenden Wolf. Er begriff sofort und stürmte zum Dorfpolizisten. Der Dieb wurde gefasst und zu einer neuen Haftstrafe verurteilt. Tobi wurde zum Helden des Dorfes. Die Leute brachten ihm Futter, grüßten ihn auf der Straße. Der Wolf wurde nie mehr angekettet, hatte seine Freiheit – doch er kam immer wieder zu Oma Alla zurück, meistens zusammen mit Sören nach ausgedehnten Jagden. Eines Tages parkte ein schwarzer SUV vor ihrem Haus. Jemand hackte Holz – ihr Sohn Egor. Als er Sören sah, breitete er die Arme aus. Am Abend saßen alle um den Tisch, und Alla strahlte vor Glück. Egor überredete sie, mit in die Stadt zur Operation zu kommen, um das Augenlicht wiederzuerlangen. „Na gut, wenn’s sein muss …“ seufzte die Alte. „Im Sommer kommt mein Enkel, den will ich unbedingt sehen. Sören, halte bitte Haus und Tobi in Ordnung, ja?“ Sören nickte. Tobi kuschelte sich am Ofen ein, zufrieden die Pfoten unter der Schnauze. Sein Platz war hier – bei seinen Freunden. Um keine neuen Geschichten zu verpassen, folgt uns auf der Seite! Schreibt eure Gedanken und Gefühle in die Kommentare und schenkt uns ein Like!
Oma Else! rief Matthias empört. Wer hat Ihnen erlaubt, einen Wolf im Dorf zu halten? Else Steinmann weinte
Homy
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0294
Als Rita am Silvesterabend einsam zurückblieb, sollte sie nur für ihre beste Freundin Pauline während deren Winterurlaub in den Alpen die Blumen gießen und die Schildkröte füttern – doch als sie Paulines Wohnung mit dem Schlüssel betrat, brannte überall Licht, die Lichterkette am Tannenbaum glitzerte und aus dem Bad drangen seltsame Geräusche… Rita öffnete die Badezimmertür – und war sprachlos vor Überraschung!
Rita ging zu ihrer Freundin Helene nach Hause, um die Blumen zu gießen und Helenes Schildkröte zu füttern.
Homy
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02
OHNE HERZ… Klaudia Vasilevna kam nach Hause zurück. Trotz ihres respektablen Alters von 68 Jahren besuchte sie regelmäßig den Friseur und gönnte sich kleine Schönheitsrituale, die ihre Stimmung und ihr Wohlbefinden steigerten. „Klaudia, es war eine Verwandte von dir da. Ich habe ihr gesagt, dass du später heimkommst. Sie meinte, sie schaut nochmal vorbei“, berichtete ihr Mann Jürgen. „Welche Verwandte denn? Ich habe doch gar keine Verwandten mehr. Irgendeine entfernte Cousine dritten Grades… Wahrscheinlich will sie etwas von mir. Du hättest ruhig sagen können, dass ich verreist bin – und zwar ganz weit weg“, entgegnete Klaudia verärgert. „Und warum lügen? Ich finde, sie sieht wie eine von euch aus, so groß und stattlich, sie erinnert mich an deine verstorbene Mutter, Gott hab sie selig. Ich glaube nicht, dass sie was will – sehr gepflegte, gebildet wirkende Dame“, versuchte Jürgen, seine Frau zu beruhigen. Etwa vierzig Minuten später klingelte die Verwandte. Klaudia öffnete selbst. Die Frau sah tatsächlich wie ihre Mutter aus: teurer Mantel, feine Stiefel, Handschuhe, kleine Diamantohrringe – darin kannte sich Klaudia aus. Klaudia lud die Frau an den gedeckten Tisch. „Lernen wir uns doch kennen – Familie eben. Ich bin Klaudia – ohne Vatersnamen bitte, ich sehe, wir sind ähnlich alt. Das ist mein Mann Jürgen. Von welcher Seite bist du mit mir verwandt?“, fragte die Gastgeberin. Die Frau zögerte, errötete leicht: „Ich bin Galina… Galina Wladimirowna. Wir sind wirklich nicht weit auseinander – ich bin am 12. Juni fünfzig geworden. Sagt dir dieses Datum nichts?“ Klaudia erbleichte. „Ich sehe, du erinnerst dich. Ja, ich bin deine Tochter. Bitte keine Sorge, ich will nichts von dir. Ich wollte dich nur einmal sehen. Ich habe zeitlebens nicht verstanden, warum meine Mutter mich nicht liebt – sie ist übrigens schon acht Jahre tot. Warum liebt mich nur Papa? Er ist vor zwei Monaten gestorben. Am Ende hat er mir von dir erzählt und dich um Verzeihung gebeten, falls du es kannst“, berichtete Galina erregt. „Ich verstehe nicht… du hast eine Tochter?“, fragte der überraschte Jürgen. „Anscheinend ja. Ich erkläre es dir später“, antwortete Klaudia. „Also, du bist meine Tochter? Schön! Hast du geschaut? Falls du meinst, ich würde bereuen oder um Verzeihung bitten – nein, das werde ich nicht. Ich habe keine Schuld daran“, entgegnete Klaudia. „Dein Vater hat dir hoffentlich alles erzählt. Falls du meinst, du könntest mit mir Muttergefühle wecken – auch das nicht. Tut mir leid.“ „Darf ich Sie trotzdem noch einmal besuchen? Ich wohne gleich im Nachbarort. Wir haben ein großes Zweifamilienhaus, kommen Sie mit Ihrem Mann vorbei. Sie werden sich an den Gedanken gewöhnen, dass es mich gibt. Ich habe Fotos von Ihrem Enkel und Ihrer Urenkelin mitgebracht, wollen Sie sie sehen?“, fragte Galina schüchtern. „Nein, möchte ich nicht. Komm nicht wieder. Vergiss mich. Leb wohl“, antwortete Klaudia schroff. Jürgen bestellte Galina ein Taxi und brachte sie hinaus. Klaudia hatte inzwischen schon den Tisch abgeräumt und saß ruhig vor dem Fernseher. „Du bist ganz schön abgebrüht! Du würdest eine ganze Armee führen können – hast du denn gar kein Herz? Ich wusste zwar immer, dass du kalt bist, aber so sehr… damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte ihr Mann. „Wir haben uns kennengelernt, da war ich 28. Aber mein Herz ist mir schon viel früher genommen und zertreten worden“, erzählte Klaudia. Sie war ein Mädchen vom Land, immer mit dem Traum, in die Stadt zu kommen – so streng lernte sie und schaffte als Einzige aus ihrer Klasse den Sprung auf die Uni. Mit 17 lernte sie Wolfram kennen, fast 12 Jahre älter – sie liebte ihn. Nach der Armut der Kindheit war alles in der Stadt wie ein Märchen. Die Stipendien reichten nie – hungrig nahm sie jede Einladung ins Café von ihm dankbar an. Er versprach ihr nichts, und doch war sie sicher: Diese Liebe führt zur Ehe. Als er sie auf seine Datscha einlud, ging sie mit; fortan trafen sie sich noch öfters dort. Irgendwann wurde klar: Sie ist schwanger. Sie erzählte Wolfram. Er war glücklich. Als die Situation auffiel, fragte sie, wann sie endlich heiraten würden, jetzt, wo sie 18 war. „Hab ich dir das je versprochen? Ich heirate dich nicht. Und überhaupt – ich bin schon verheiratet…“ Aber das Kind? Sie? „Du bist jung, kräftig – man konnte dich als Statue verewigen. Nimm dir Urlaub wegen dem Studium, lerne, und dann kommen meine Frau und ich zu dir. Wir können keine eigenen Kinder bekommen, daran liegt es wohl. Wenn du geboren hast, nehmen wir das Kind, um den Rest kümmern wir uns. Ich bin zwar noch jung, aber habe Beziehungen, meine Frau leitet eine Klinik. Also, keine Sorge ums Kind. Nach der Geburt gehst du zurück ins Studium. Wir zahlen dir sogar was.“ Damals kannte niemand den Begriff Leihmutterschaft. Klaudia war wohl die erste Leihmutter weit und breit. Was hätte sie tun sollen? Zurück ins Dorf – die Schande der Familie? Bis zur Geburt wohnte sie im Haus des Paares. Die Frau von Wolfram mied sie. Ihre Tochter brachte sie zuhause zur Welt, die Hebamme kam dazu; das Mädchen wurde ihr gleich weggenommen. Nie hat sie sie wiedergesehen. Nach einer Woche wurde sie höflich verabschiedet, Wolfram gab ihr Geld. Dann zurück auf die Uni, später Arbeit im Werk, eigene Wohnung im Wohnheim erhalten. Jobs: erst Meisterin, dann leitende Kontrolleurin. Freunde gab es viele, aber niemand machte ihr einen Heiratsantrag – bis Jürgen sie fand. Sie war schon 28, zwar wollte sie keinen Mann mehr, aber es wurde Zeit. Du kennst ja die weiteren Jahre. Es war ein gutes Leben – drei Autos, ein Haus wie aus dem Prospekt, Datscha in Schuss, jedes Jahr Urlaub. Das Werk hat die 90er überlebt, weil gewisse Teile für Traktoren nur dort gefertigt wurden und keiner sonst wusste, was in den anderen Hallen gemacht wurde. Das Werk ist bis heute mit Stacheldraht und Wachtürmen umgeben. Früher in Rente. Es fehlt uns nichts – keine Kinder, und das ist gut so. Wenn ich sehe, was heute für Kinder herumlaufen…“, schloss sie ihre Beichte. „Wir haben nicht gut gelebt. Ich habe dich geliebt, mein Leben lang versucht, dein Herz zu wärmen – umsonst. Keine Kinder, keine Tiere – nicht einmal ein Kätzchen hast du je aufgenommen. Als deine Schwester mal bat, das ihre Nichte bleiben kann, hast du nein gesagt. Und jetzt? Heute kam deine Tochter – und wie wirst du ihr gerecht? Deine eigene Blutslinie – nichts… Wär ich jünger, ich würde mich scheiden lassen, aber jetzt ist es zu spät. Mit dir zusammen ist es immer kalt geblieben – immer kalt“, entgegnete der verärgerte Jürgen. Klaudia bekam fast Angst, so hat er noch nie mit ihr gesprochen. Die Tochter hat ihr ruhiges Leben zerstört. Jürgen lebt seitdem auf der Datscha, kümmert sich um drei gerettete Hunde und ungezählte Katzen. Daheim ist er kaum noch. Klaudia weiß, dass er mit Galina, ihrer Tochter, Kontakt hat, sich mit allen angefreundet hat, die Urenkelin über alles liebt. „Er war immer ein wenig sonderbar – dann soll er leben, wie er will“, denkt Klaudia. Dennoch verspürt sie bis heute nicht das Bedürfnis, Tochter, Enkel oder Urenkelin kennenzulernen. Sie fährt allein ans Meer, erholt sich, sammelt neue Kraft und fühlt sich bestens – ohne Herz.
OHNE HERZ… Klara von Stein kehrt nach Hause zurück. Sie war beim Friseur trotz ihres ehrwürdigen
Homy