Als die Liebe an mir vorbeiging: Mein Leben an der Seite einer Frau, die mich Tag für Tag zerstörte
Als die Liebe an mir vorbeizog: Mein Leben mit einer Frau, die mich täglich zerbrachLange war ich nur
Homy
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034
„Du wolltest doch beide, dann zieh sie jetzt auch beide groß! Ich habe genug – ich gehe!“, sagte ihr Mann kalt und verließ sie, ohne einen Blick zurückzuwerfen. Die Tür fiel leise ins Schloss, aber der Schmerz blieb in Alinas Herz wie ein Echo, das nicht vergehen wollte…
Du wolltest doch beide, jetzt zieh sie auch bitte alleine groß. Ich hab genug, ich gehe! presste ihr
Homy
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013
– Schau nur, Evdokia, Kerle gibt’s hier wie Sand am Meer. Doch selbst hier hast du keinen Ehemann gefunden! – lachte Luise. Im Dorf lebte die alleinstehende Evdokia – 33 Jahre alt, ohne Mann und ohne Kinder. Eine schöne, sympathische Frau, aber sie fand nie einen Partner im Dorf und wagte es nie, darüber hinauszuziehen. Vor zehn Jahren hatte Friedrich von der Nachbarstraße um sie geworben, doch Luise, eine lebenslustige Frau, spannte ihn ihr aus. Im Dorf machten sich viele Gedanken über Evdokias Schicksal: Einige bedauerten sie, andere, wie Luise, verspotteten sie offen. – Ich sage es euch, Omas – das ist ein altes Familienunglück bei denen, mütterlicherseits! – klagte Waltraud. – Seht selbst, ein Mann hat in deren Haus seit Ewigkeiten nicht mehr gewohnt. Evdokias Opa soll noch vor ihrer Mutter verschwunden sein, der Vater – Gott hab ihn selig – starb, als das Kind drei war. Und Evdokia hat nie einen Mann im Haus gehabt. Die bleibt eine alte Jungfer, sag ich euch! Wer will sie denn jetzt noch heiraten? Bestimmt ein Familienfluch … – Ach, was für ein Fluch? – lachte Luise. – Sie ist halt keine gute Frau, da sind die Männer weggelaufen. Jetzt ist es zu spät. Die Männer im Dorf sind alle vergeben. Vielleicht zieht unsere Dousja ja in die Stadt, da wartet sie bestimmt schon jemand – Luise lachte wieder. Der Winter ging vorbei. Es zeigte sich, dass am Dorfrand ein großes Kohlevorkommen gefunden wurde. Ein Bergarbeiterdorf sollte entstehen – im Frühling rückten zahlreiche Arbeiterbrigaden an. Auch einige Frauen aus dem Dorf, darunter Evdokia, halfen im Haushalt. Die meisten Jungs waren jedoch sehr jung oder schon verheiratet. – Schau mal, Evdokia, Männer gibt’s hier wie Strohhalme. Aber selbst hier findest du keinen! – spottete Luise. Evdokia schwieg nur. Es tat ihr weh, als Luise ihr Friedrich ausgespannt hatte – sie hatte ihn wirklich gemocht. Doch nun trauerte sie ihm nicht nach. Friedrich war dem Alkohol verfallen und behandelte Luise schlecht … Bald kam eine weitere Brigade aus der Stadt. Ihr Vorarbeiter – ein Mann, den alle Frauen mieden. – Habt ihr diesen Kerl gesehen? Heute kam er zu mir, ich hab fast den Löffel fallen lassen. Angst hab ich bekommen. Ist er alt, ist er jung? Irgendwie unheimlich! – sagte Waltraud. – Vielleicht schaut sich wenigstens der unsere Evdokia an! – lachte Luise wieder. – Aber eigentlich, ich hab gehört, das ist ’ne Krankheit. Weiß nur nicht, wie sie heißt. Aber wirklich, bleibt dem bloß fern! Der ist krank! Nach Luises Kommentaren rannten die Frauen jedes Mal weg, wenn der Mann sich näherte. Sie nannten ihn nur „den Hässlichen“ – niemand kannte seinen Namen. – Meister, meine Weste ist gerissen. Kannst du sie nähen? – sprach „der Hässliche“ eines Tages Evdokia an. – Klar, zeig her … Da muss man nicht nähen, das braucht einen Flicken! Ich mache das, keine Sorge. Kannst sie morgen holen. – Danke, Meisterin. – Aber dank mir nicht zu früh … – Seht mal, unsere Evdokia schnappt sich schon die Weste vom Vorarbeiter. Wetten, sie hängt die sich in ihrem Zimmer ganz vorne auf! – spottete Luise. Evdokia war so nervös beim Nähen, dass ihr die Hände zitterten. Aber sie leistete gute Arbeit. Am nächsten Morgen wollte sie eigentlich die Weste nicht zurückgeben. Sie war so einsam, dass selbst ein fremdes Kleidungsstück im Haus sie schon tröstete. Sie drückte dem Mann schnell die Weste in die Hand, bevor er ihre Tränen sah. – Scheu dich nicht vor mir, Meisterin. Ich weiß, was die Leute reden. Aber ich bin nicht krank. Ich bin verbrannt worden. Und wie heißt du? – Evdokia … – Ich bin Anatol, Tilo für Freunde. Meinen richtigen Namen weiß ich nicht. Nach dem Krieg brachten sie mich ins Kinderheim – ohne Name, ohne Papiere. Damals schon verbrannt, den Nachnamen Gorjew bekam ich dort. Man schätzte mein Alter auf etwa zwei. Mein Eintrittstag gilt als Geburtsdatum, also bin ich jetzt einunddreißig. Du hast wohl gedacht, ich sei viel älter … – Ich hab nichts gedacht … – Danke dir, Evdokia. Hat dein Mann eigentlich geschimpft, dass du einem fremden Mann die Weste geflickt hast? – Ich hab keinen Mann, also schimpft auch keiner … – Wenn ich nochmal kommen sollte, jagst du mich nicht weg? – Ich jage dich nicht weg. Und Evdokia jagte Tilo nicht fort. Im Gegenteil, sie bat ihn um Hilfe beim Zaun, der nun ganz eingefallen war. Kein Wunder, nach dreißig Jahren ohne Mann im Haus. Es stellte sich heraus: Tilo hatte goldene Hände und ein warmes Herz. So wurde die Familie Gorjew zum Vorbild im ganzen Dorf – ausgerechnet Luise wäre beinahe an ihrem eigenen Gift erstickt. Evdokia liebte ihren Mann sehr. Tilo trug seine Frau auf Händen, verwöhnte die Töchter Marina und Natalie … Und selbst wenn er äußerlich keine Schönheit war – wichtig war, dass er ein großartiger Mensch war! Gefällt euch die Geschichte? Gebt ein Like und schreibt einen Kommentar!
Also, pass auf, neulich habe ich dir ja von der Hannelore aus unserem Dorf erzählt. Die arme Frau, schon
Homy
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039
Schwiegermutter: Wie Anna Peters in ihrer Familie nach der Geburt des zweiten Enkels ihren Platz sucht, lernt loszulassen und entdeckt, dass Versöhnung manchmal darin besteht, einfach da zu sein, statt zu kämpfen
SCHWIEGERMUTTER Ulrike Schneider saß in ihrer kleinen Frankfurter Küche und schaute dem leise kochenden
Homy
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012
Frau Alexandra, Sie mischen sich wirklich unnötig ein. Ihr Sohn und ich sind erwachsene Menschen und entscheiden selbst, wer am Wochenende wo sein wird
Frau Helene Schneider, Sie mischen sich vergeblich ein. Ihr Sohn und ich sind erwachsene Menschen, wir
Homy
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017
Ich bin 25 Jahre alt und lebe seit zwei Monaten bei meiner Oma – nach dem plötzlichen Tod ihrer einzigen Tochter. Früher hatten wir alle unser eigenes Leben, doch nach dem Verlust blieben nur noch sie und ich. Viele sagen, ich würde meine Jugend aufgeben, statt sie zu genießen. Andere meinen, es sei richtig, sie nicht allein zu lassen. Doch ich empfinde es nicht als Verzicht, sondern als bewusste Entscheidung: Ich arbeite, spare, kümmere mich um den Haushalt, begleite meine Oma zu Ärzten, wir kochen zusammen und schauen abends fern – weil sie alles ist, was mir von meiner Familie geblieben ist. Ich möchte nicht, dass sie ihre letzten Jahre mit dem Gefühl verbringt, eine Last zu sein. Ist das wirklich ein Fehler – oder vielleicht der richtige Weg? Was würdest du tun?
Ich bin 25 Jahre alt und lebe seit zwei Monaten mit meiner Großmutter zusammen. Meine Tante ihre einzige
Homy
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011
Familiäre Geheimnisse Als Alisa nach einem weiteren Flug zurückkehrte, eilte sie schnell in ihre Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing. Vor der Tür hielt sie einen Moment inne, holte tief Luft und stellte sich vor, wie sehr sich ihr Mann freuen würde. Doch als sie klingelte, blieb die Tür verschlossen – keine Reaktion. Wieder und wieder drückte sie auf die Klingel, überzeugt davon, dass Nikolai tief und fest schlief, so wie stets vor seinem Arbeitsbeginn um neun. Doch niemand öffnete. Nach einigem Suchen fand sie ihren Schlüssel ganz unten in ihrer schicken Handtasche und schloss selbst auf. „Niko, ich bin zuhause! Wo bist du, Liebling?“ Wo konnte er nur so früh am Morgen sein? Normalerweise schlief er bis sieben Uhr, die Küche war blitzblank, und auch das von ihr vorbereitete Essen lag unberührt im Kühlschrank. „Ich verstehe gar nichts mehr… Betrügt Niko mich etwa? Hat er vielleicht, während ich dienstlich unterwegs war, bei einer anderen Frau gewohnt?“ Alisas Herz schnürte sich bei diesen Gedanken schmerzhaft zusammen. Tränen traten ihr in die Augen, ein bitterer Kloß lag ihr im Hals. Sie ließ sich erschöpft aufs Parkett im Wohnzimmer sinken und betrachtete ihren Koffer. Darin, irgendwo zwischen Sommerkleidern und Kosmetika, verbargen sich kleine Mitbringsel für Niko – wie jedes Mal, wenn sie ihn nach einem Flug überraschte. Diesmal hatte sie sogar Sake besorgt, der unter Stewardessen als „Einfuhrkunststück“ galt. Plötzlich sprang sie auf, wischte sich mit einer Hand die Tränen ab und rief ihren Mann an, fest entschlossen, ihm endlich alles zu sagen, was sie über ihn dachte. Aber das Handy-Display blieb stumm – die automatische Ansage der Telekom wiederholte monoton: „Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar. Bitte versuchen Sie es später erneut.“ „Aha… Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Du hast sogar dein Handy ausgeschaltet, damit dich bloß niemand stören kann…“ Wütend tigerte Alisa durch die Dreizimmerwohnung, schimpfte halblaut vor sich hin – eine Angewohnheit, wenn sie überfordert oder aufgebracht war. Müde vom Langstreckenflug, machte sie sich einen starken Kaffee, zündete sich eine Zigarette an und ließ die Gedanken kreisen. Was war bloß schiefgelaufen? Wo hatte sie einen Fehler gemacht? Vor ihrem inneren Auge tauchten Szenen aus ihrer gemeinsamen Münchner Zeit auf: Ihr erster Besuch in der Kfz-Werkstatt, wo Nikolai – damals noch Automechaniker im Blaumann – ihr gleich auffiel. Trotz Ölflecken und ruppigem Charme hatte irgendetwas die junge Lufthansa-Stewardess verzaubert, sie reichte ihm spontan ihre Visitenkarte. Nikolai – ein Waisenjunge, wie sie selbst. Nach Abschluss der Berufsschule steckte er all seine Kraft in den Job in Schwabing, hielt sich über Wasser und arbeitete schon fast ein Jahrzehnt im gleichen Betrieb. Alisa konnte das Leben im Heim nachempfinden; ihre eigene Kindheit – geprägt von schweren Missbrauchserfahrungen durch den Heimbetreiber – lag ihr noch immer schwer auf der Seele. Mit vierzehn hatte sie eine Abtreibung machen müssen; der Heimleiter kam vor Gericht. Die neue Heimleiterin kümmerte sich um das Mädchen, schickte sie zu Psychologen und unterstützte sie nach dem Jugendheim bei der Bewerbung für die Hochschule für Luftfahrt in Hamburg. Heute, als Stewardess mit Altbauwohnung, schickem Audi und scheinbar erfülltem Leben, fühlte sich Alisa nur in Liebesdingen orientierungslos. Dreieinhalb Jahre lebte sie mit ihrer ersten großen Liebe zusammen, doch nach dem erfahrenen Trauma lautete die Diagnose: Sie würde ihren Kinderwunsch begraben müssen. Später begegnete ihr Pavel, ein charmanter, fürsorglicher Mann – bis sie herausfand, dass er längst verheiratet war. Alisa schwor sich, allen Männern künftig zu widerstehen. Wäre da nur nicht Nikolai gewesen, zu dem sie erstmals von sich aus Kontakt suchte. Nach einem Monat waren sie ein Paar, nach einem weiteren zogen sie zusammen; ein halbes Jahr später meldeten sie sich auf dem Standesamt in München an. Die Hochzeit war klein, aber Alisa glücklich: Endlich ein verlässlicher, bodenständiger Mann, der Wert auf Zuhause und Familie legte, ihr das Leben angenehm machte, sogar den Müll rausbrachte und neulich das Badezimmer eigenhändig renoviert hatte. An freien Tagen schlenderten sie gemeinsam durchs Univiertel oder machten Ausflüge in den Englischen Garten. Sie waren ein Herz und eine Seele – bis Alisa an dem Morgen nach dem Flug die Welt nicht mehr verstand und Schlimmes befürchtete. Sie musterte ihr Spiegelbild: Die makellos sitzende Uniform, die langen, kastanienbraunen Haare, die azurblauen Augen – nach außen schien alles perfekt. Sie wechselte in einen sportlichen Freizeit-Look und fuhr, scheinbar ziellos, zur Werkstatt in Schwabing. Dort war Niko nicht, aber seine Kollegen erklärten, dass er spontan zwei Tage freigenommen hatte, „wegen Familienangelegenheiten“. „Familienangelegenheiten?“ – In ihrer Ehe gab es nie solche Probleme! Alisa fuhr noch ein wenig durch die Stadt, kehrte aber schließlich ratlos heim. Kein Anruf, keine Nachricht – selbst gegen Abend blieb Nikos Platz leer. Alisa wurde panisch. Nach einer schlaflosen Nacht ging sie direkt zur Polizei in der Maxvorstadt und meldete ihren Mann als vermisst. Schon nach einem Tag fand man ihn – doch von da an nahm alles eine Wendung, die Alisa wie einen Albtraum erlebte. Nikolai war in einen Autounfall geraten und lag im Krankenhaus in Haar. Warum hatte man ihn nicht in die Klinik Innenstadt gebracht? Die Ärztin erklärte ihr, der Unfall habe sich in der Nähe des Münchner Stadtrands ereignet – deshalb sei er nach Haar gebracht worden. Erschöpft ließ sich Alisa im Flur nieder – da trat eine junge Frau auf sie zu, leicht verwahrlost und mit rauer Stimme. „Bist du die Frau von Niko?“ „Ja. Und Sie sind…?“ „Ich… Ich bin die Mutter seiner Tochter.“ „Das kann doch nicht sein!“ „Und ob. Wir waren verheiratet, aber er kam mit meiner Alkoholkrankheit nicht klar. Die Kleine habe ich damals meiner Mutter gelassen und bin nach Berlin gegangen. Mein neuer Freund will das Kind nicht aufziehen, Nikos Mutter ist tot, und Niko hat mir das Versprechen abgenommen, die Kleine nicht ins Kinderheim zu geben. Jetzt ist er im Krankenhaus… Ich sehe keine andere Lösung als das Jugendamt.“ „Warten Sie, holen Sie das Mädchen! Wenn Niko die Kleine zu sich nehmen wollte, dann machen wir das auch.“ „Wirklich? Du wirst es nicht bereuen?“ „Ich werde es nicht bereuen.“ Die Frau rannte los, und Alisa sackte auf dem Stuhl zusammen. So konnte es also laufen: Sie selbst konnte keine Kinder bekommen, während andere ihre Kinder loswerden wollten. Zu Unrecht hatte sie Niko Untreue vorgeworfen – doch warum hatte er ihr nicht gleich von seiner ersten Ehe und dem Kind erzählt? Jetzt warteten große Aufgaben auf Alisa: Das erste Kennenlernen mit dem Mädchen, das in seinem kurzen Leben schon so viel Zurückweisung erfahren hatte, und eine lange Reha-Zeit für ihren Mann. Aber Alisa glaubte fest daran, dass sie es schaffen würde. Das Mädchen würde sie lieben wie ihr eigenes Kind, ihrem Mann würde sie beistehen. Hauptsache, es gab fortan keine weiteren Geheimnisse in ihrer Familie.
Familiengeheimnisse Klara war gerade erst von ihrem letzten Flug zurückgekehrt. Sie eilte die Treppe
Homy
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07
Meine Kinder waren gegen meine neue Ehe, weil sie um ihr Erbe fürchteten
Tagebuch, 18. Oktober Sag mal, bist du verrückt geworden, Mama? In deinem Alter heiraten? Anjas Stimme
Homy
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041
Leonid wollte einfach nicht glauben, dass Ira seine Tochter ist. Seine Frau Vera arbeitete im Supermarkt und man munkelte im Dorf, dass sie sich dort in der Lagerhalle öfter mit fremden Männern traf. Deshalb bezweifelte Leonid, dass die zierliche Ira wirklich seine Tochter war – und lehnte das Kind ab. Nur der Großvater stand zu seiner Enkelin und vermachte ihr schließlich sein Haus. Nur Opa liebte Ira wirklich Schon als Kind war Ira oft krank, zart und schmächtig. „So was Kleines gab es in keiner unserer Familien!“, behauptete Leonid. „Dieses Kind ist wirklich kein Meins.“ Mit der Zeit übernahm auch die Mutter die Ablehnung. Die Einzige, die Iras Herz berührte, war Opa Matthias. Sein Haus stand ganz am Rand vom Dorf, direkt am Wald. Sein Lebenswerk: der Försterberuf. Auch nach der Rente zog es ihn fast täglich in den Wald, wo er Beeren und Heilkräuter sammelte und im Winter die Tiere fütterte. Die Leute hielten ihn für ein bisschen sonderbar und hatten sogar Respekt – manches, was er sagte, traf erstaunlich oft ein. Trotzdem holten sich viele seine Kräuter und Wundermittel. Seine Frau hatte Matthias schon lange verloren – sein Trost waren der Wald und Ira. Als sie in die Schule kam, verbrachte sie die meiste Zeit bei ihrem Opa. Er weihte sie in die Geheimnisse von Pflanzen und Wurzeln ein. Ira lernte leicht und sagte auf die Berufsfrage stets: „Ich will Menschen heilen.“ Doch die Mutter behauptete, Geld für ihr Studium hätte sie keines. Opa tröstete: „Ich bin nicht arm, du bekommst deine Bildung, und wenn‘s sein muss, verkaufen wir eben die Kuh.“ Er hinterließ seiner Enkelin Haus und Glück Vera, seine Tochter, schaute selten vorbei – bis ihr Sohn in der Stadt beim Kartenspiel alles verlor und verprügelt wurde. Sie flehte Matthias verzweifelt um Geld an. „Beim ersten richtigen Problem stehst du vor meiner Tür? Du warst jahrelang nicht hier!“, blaffte Opa Matthias und blieb hart: „Andris‘ Schulden zahle ich nicht. Ich spare für Iras Zukunft.“ Vor Wut tobte Vera: „Ich will euch beide nie wieder sehen – für mich gibt’s ab heute keinen Vater und keine Tochter mehr!“ Als Ira später in die Krankenpflege-Schule kam, bekam sie weder von Mutter noch Vater einen Cent – nur Opa half, unterstützt durch ihr Stipendium. Kurz vor Iras Abschluss wurde Matthias krank. Er spürte das Ende nahen und erzählte Ira, dass sie das Haus erbt – und mahnte, sie möge immer daran festhalten: „Solange hier ein Mensch lebt, lebt auch das Haus. Im Winter musst du den Ofen heizen. Hab keine Angst, alleine – hier wird dich dein Glück finden“, prophezeite er. „Du wirst glücklich werden, mein Kind.“ Vermutlich wusste er mehr als alle anderen. Matthias‘ Weissagung Im Herbst starb Matthias. Ira arbeitete nun als Krankenschwester im Kreiskrankenhaus, am Wochenende fuhr sie zum Großvaterhaus, zündete im Winter den Ofen an und hockte bei Vorräten aus dem vergangenen Sommer. Zwei freie Tage: Sie wollte nicht in ihrer gemieteten Kleinstadtwohnung hocken. Am Abend kam sie im Dorf an – nachts brach ein Schneesturm los. Am nächsten Morgen: Sturm schwächt ab, aber der Schnee hörte nicht auf. Plötzlich klopfte es an der Tür. Draußen stand ein junger Mann: „Tag. Ich hab mich mit dem Auto festgefahren, es steht direkt vor Ihrem Haus. Haben Sie eine Schaufel?“ „Liegt am Eingang – nehmen Sie sie ruhig. Soll ich helfen?“, bot sie an. Doch der kräftige Fremde lächelte: „Nicht, dass auch noch Sie im Schnee verschwinden.“ Er befreite sein Auto, kam aber nicht weit und steckte wieder fest. Ira bat ihn rein, auf einen heißen Tee. „Haben Sie keine Angst, hier allein am Waldrand?“, fragte er. Sie erklärte, dass sie nur am Wochenende da sei und noch nicht sicher wisse, wie sie zurückkäme. Er, Stas, wohnte ebenfalls in der Kreisstadt und bot seine Hilfe an – Ira willigte ein. Abends auf dem Rückweg überraschte Stas sie wieder und fragte lachend: „Bestimmt hat Ihr Kräutertee Zauberkräfte – ich wollte Sie unbedingt wiedersehen. Dürfte ich vielleicht noch mal auf einen Tee vorbeikommen?“ Eine Hochzeit gab’s nie – Ira wollte es nicht, Stas gab irgendwann nach. Dafür liebten sie sich ehrlich. Ira erlebte, dass Männer ihre Frau tatsächlich auf Händen tragen können. Als der erste Sohn zur Welt kam, fragte das Krankenhauspersonal, wie aus dieser zierlichen Frau so ein großer Junge werden konnte. Und als es um den Namen ging, sagte Ira: „Er wird Matthias heißen – nach einem ganz besonderen Menschen.“
Lothar wollte einfach nicht glauben, dass Irmgard seine Tochter war. Seine Frau, Veronika, arbeitete
Homy
Du bist nicht mehr meine Mutter Alexander war gerade dabei, in sein Auto zu steigen, um von der Arbeit nach Hause zu fahren, als plötzlich das Telefon klingelte. Die Nummer war unbekannt. Ohne große Lust drückte er auf den grünen Hörer. — Hallo. Wer ist da? — Ich bin’s… Hallo, antwortete eine fremde Frauenstimme. — Wer—*ich*? fragte Alexander misstrauisch. Stell dich bitte vor! Stille. Dann, kaum hörbar, die Stimme: — Ich bin’s… deine Mutter. Alexander erstarrte. Die Finger umklammerten das Lenkrad, das Herz schlug schneller. — Was soll das? Meine Mutter ist seit neunundzwanzig Jahren tot! — Nein… Ich bin Tatjana… Ich habe dich zur Welt gebracht. Alexander, ich bin es wirklich… Er legte auf. Sein Herz pochte heftig, die Hände waren schweißnass. Er spürte, wie jemand die Tür zu einer schrecklichen Vergangenheit geöffnet hatte, die er für immer begraben wollte. Nach ein paar Minuten klingelte das Telefon wieder. Dieselbe Nummer. — Ich will dich nicht hören, sagte er kalt. Ich habe keine Mutter mehr. Die Frau, die mich geboren hat, hat mich verlassen, als ich neun Jahre alt war. Seitdem bin ich Waise. — Bitte, nimm dir nur fünf Minuten Zeit. Ich flehe dich an… — Wofür? Damit ich noch eine Lüge höre? — Lass uns doch einfach einmal treffen. Nur ein Mal. Ich erkläre dir alles. Alexander wollte nicht. Aber er wusste, sie würde nicht aufgeben. Sie würde seine Adresse herausfinden, würde vor der Tür stehen, seine Frau stören, die Töchter erschrecken. Zwei Tage später trafen sie sich in einem kleinen Wäldchen am Rande von Kassel. Tatjana Iwanowna saß auf einer Bank, gebeugt, gealtert, und dennoch versuchte sie, die Spuren vergangener Schönheit zu bewahren. Die Hände zitterten ihr. — Hallo, Sascha… — Alexander, verbesserte er sie kühl. Sie hob den Blick—Verzweiflung in den Augen. — Ich weiß, ich habe Schuld… Aber ich hatte keine andere Wahl… Er schwieg. Vor seinem inneren Auge tauchten Kindheitserinnerungen auf—wie sie schrie, das Geschirr warf, abends ausging und ihn allein ließ. — Du hast mich bei Tante Doris gelassen. Und gesagt: „Ich komme in einem Monat wieder.“ Aber du bist mit irgendeinem Geschäftsmann nach Italien abgehauen. — Ich dachte, er würde uns beiden helfen… Aber er wollte dich nicht mitnehmen. Und ich… — Du hast dich für ihn entschieden. Nicht für mich. Sie schluchzte leise. — Ich habe niemand anderen. Mein Mann ist gestorben, seine Kinder haben mich rausgeworfen. Ich habe keinen Ort zum Leben. Nicht mal etwas zu essen. Ich bin vollkommen allein. — Dir tut es also leid um dich selbst? fragte er leise und senkte den Kopf ein wenig. Und mir mit neun—für wen hätte ich Mitleid haben sollen? — Vergib mir… Ich wusste nicht, wie ich dich um Verzeihung bitten sollte. Ich habe immer gehofft, du würdest von selbst kommen… — Nicht einmal eine Geburtstagskarte hast du mir geschickt. Nie. Schweigen. Dann flüsterte Tatjana: — Aber du bist trotzdem ein guter Mensch… Du bist gut geworden. — Ich bin dank der Menschen groß geworden, die du gehasst hast. Tante Doris. Meiner Frau. Meinen Freunden. Aber nicht dank dir. Sie streckte die Hand nach ihm aus, aber er wich zurück. — Ich verurteile dich nicht. Aber für mich bist du eine Fremde. Nicht einmal ein Feind. Einfach eine Leere. — Ich bin sterbenskrank… flüsterte sie. — Dann musst du Frieden schließen. Aber nicht mit mir. Er stand auf und ging, ohne zurückzublicken. Und zum ersten Mal seit vielen Jahren spürte er Erleichterung in seiner Brust. Die Vergangenheit hatte ihn endlich freigegeben. Und das Leben—ging weiter.
Nicht mehr meine MutterIch, Alexander, saß gerade im Auto, bereit vom Büro nach Hause zu fahren, als
Homy