Ich bin 25 Jahre alt und lebe seit zwei Monaten bei meiner Oma – nach dem plötzlichen Tod ihrer einzigen Tochter. Früher hatten wir alle unser eigenes Leben, doch nach dem Verlust blieben nur noch sie und ich. Viele sagen, ich würde meine Jugend aufgeben, statt sie zu genießen. Andere meinen, es sei richtig, sie nicht allein zu lassen. Doch ich empfinde es nicht als Verzicht, sondern als bewusste Entscheidung: Ich arbeite, spare, kümmere mich um den Haushalt, begleite meine Oma zu Ärzten, wir kochen zusammen und schauen abends fern – weil sie alles ist, was mir von meiner Familie geblieben ist. Ich möchte nicht, dass sie ihre letzten Jahre mit dem Gefühl verbringt, eine Last zu sein. Ist das wirklich ein Fehler – oder vielleicht der richtige Weg? Was würdest du tun?

Ich bin 25 Jahre alt und lebe seit zwei Monaten mit meiner Großmutter zusammen. Meine Tante ihre einzige lebende Tochter ist vor acht Wochen plötzlich verstorben. Bis dahin haben meine Großmutter und sie sich eine Wohnung in Dresden geteilt, den Alltag, die Stille. Ich war oft zu Besuch bei ihnen, wir hatten unser kleines Ritual, doch jede von uns lebte letztlich ihr eigenes Leben. Alles änderte sich schlagartig, als meine Großmutter allein zurückblieb.

Der Umgang mit dem Verlust ist mir nicht fremd. Meine Mutter ist gestorben, da war ich erst 19. Seitdem habe ich gelernt, Leere und Abwesenheit als Teil meines Tages zu akzeptieren. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt. Es gibt keine Geschichte dazu, kein unausgesprochenes Geheimnis er war einfach nie da. Als dann auch noch meine Tante ging, wurde mir eines ganz bewusst: Nun sind nur noch meine Großmutter und ich übrig.

Die ersten Tage nach der Beerdigung waren seltsam. Meine Großmutter hat nicht ständig geweint, aber der Schmerz zeigte sich in kleinen Gesten sie bewegte sich langsamer, vergaß, das Licht auszuschalten, saß oft einfach da und starrte ins Leere. Ich sagte mir, ich bleibe nur ein paar Tage. Aus diesen Tagen wurden Wochen. Bis ich eines Tages meine Kleidung ordentlich in den Schrank legte und spürte: Jetzt gehe ich nicht mehr weg.

Natürlich blieben die Kommentare nicht aus. Die Menschen reden viel und schnell. Die einen meinen, ich handle richtig wie könnte ich eine alte Frau, die gerade ihre Tochter verloren hat, allein lassen? Andere halten mir vor, ich würde meine Jugend verschwenden, ich sollte mit 25 reisen, ausgehen, einen Freund haben, das Leben genießen. Sie fragen mich, ob mir das nicht zu viel wird, ob ich mich gefangen fühle oder Angst habe, später ganz allein zu sein.

Ganz ehrlich: Für mich fühlt es sich anders an.

Ich arbeite, spare etwas Geld, halte die Wohnung in Schuss, begleite meine Großmutter zu Arztterminen, wir kochen zusammen, am Abend sehen wir gemeinsame Fernsehsendungen. Ich habe nicht das Gefühl, auf etwas zu verzichten. Ich habe das Gefühl, eine Wahl zu treffen. Ich habe zurzeit keinen Partner, denke weder an Kinder noch ans Auswandern. Ich denke an Stabilität, an Nähe, daran, die Geschichte vom Verlassenwerden, die ich viel zu gut kenne, nicht zu wiederholen.

Meine Großmutter ist das Letzte, was mir von meiner direkten Familie geblieben ist. Keine Mutter mehr, keine Tante, keinen Vater. Und ich möchte nicht, dass sie ihre letzten Jahre mit dem Gefühl verbringt, eine Last oder ein Störfaktor zu sein. Ich will nicht, dass sie jeden Tag allein isst oder mit dem Gedanken einschläft, dass niemand mehr da ist.

Vielleicht wird mein Leben später einen anderen Weg nehmen. Vielleicht werde ich reisen, mich verlieben, wegziehen. Doch im Moment ist dies mein Platz. Nicht aus Pflicht, nicht aus Schuld. Sondern weil ich meine Großmutter liebe und mich selbst an ihrer Seite.

Und wie würdet ihr euch entscheiden?

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Homy
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Ich bin 25 Jahre alt und lebe seit zwei Monaten bei meiner Oma – nach dem plötzlichen Tod ihrer einzigen Tochter. Früher hatten wir alle unser eigenes Leben, doch nach dem Verlust blieben nur noch sie und ich. Viele sagen, ich würde meine Jugend aufgeben, statt sie zu genießen. Andere meinen, es sei richtig, sie nicht allein zu lassen. Doch ich empfinde es nicht als Verzicht, sondern als bewusste Entscheidung: Ich arbeite, spare, kümmere mich um den Haushalt, begleite meine Oma zu Ärzten, wir kochen zusammen und schauen abends fern – weil sie alles ist, was mir von meiner Familie geblieben ist. Ich möchte nicht, dass sie ihre letzten Jahre mit dem Gefühl verbringt, eine Last zu sein. Ist das wirklich ein Fehler – oder vielleicht der richtige Weg? Was würdest du tun?
Oma auf Zeit