Als die Liebe an mir vorbeizog: Mein Leben mit einer Frau, die mich täglich zerbrach
Lange war ich nur ein Schatten in meinem eigenen Leben. Ich schwieg, denn ich dachte, mein Leid sei klein im Vergleich zu den großen Tragödien der Welt. Ich schwieg, weil ich glaubte, ein Mann müsse standhaft sein und alles aushalten. Nun bin ich 58 Jahre alt. Dreißig Jahre Ehe liegen hinter mir im Herzen ist nur Müdigkeit, Schmerz und Leere zurückgeblieben. Das Leben ist vorbeigezogen, das Glück ist nie eingekehrt. Kein Zuhause nur Wände. Keine Familie nur endloser Krieg. Unter demselben Dach und doch wie Fremde. Zusammen, aber jeden Tag ein Kampf ums Dasein. Vielleicht ist es längst zu spät, etwas zu ändern.
Das Spiel der Familie
Ich habe aus Vernunft geheiratet und mit meinem Leben bezahlt.
Es war im Jahr, als die Kirschblüten in München spät aufgingen. Ich war 28, meine Eltern drängten mich, Clara zu heiraten Genug mit dem Junggesellendasein, sie ist ein braves, anständiges Mädchen aus feinem Haus, sagten sie. Ich liebte Clara nicht. Damals schien mir Liebe bloß ein romantisches Hirngespinst, im Leben zähle Sicherheit über alles. Also heirateten wir. Damit begann mein eigenes Fegefeuer.
Clara zeigte mir sehr schnell, wer hier das Sagen hatte. Vor Freunden demütigte sie mich, vor unserer Verwandtschaft machte sie mich zum Gespött. Draußen liebenswürdig, zärtlich zu Hause ein Eissturm. Konnte sie in Gesellschaft sagen: Mein fürsorglicher Mann!, warf sie mir daheim Tassen hinterher und zischte: Du bist ein Niemand! Nutzloser Dreck!
Alles schien sie zu stören: wie ich saß, aß, sprach, atmete. Doch ich schwieg. Ich ertrug es der Kinder wegen. Damit sie eine Familie hätten. Ich hoffte, es würde besser werden. Es wurde schlimmer. Von Leben konnte keine Rede sein ich überdauerte nur. Kein Nachbar der Welt würde seinen Hund so behandeln wie Clara mich.
Als die Kinder auszogen, begann der wahre Albtraum
Unsere Söhne wurden erwachsen, gründeten eigene Familien. Mit ihrem Auszug fielen dann auch Claras Masken. Sie bemühte sich nicht mehr, irgendeine Rolle zu spielen. Ich baute mir eine kleine Kammer hinter dem Haus dorthin zog ich dann. Gemeinsame Mahlzeiten, Gespräche, Lachen all das war verstummt. Wir teilten nur noch Küche, Geschirr und Kühlschrank. Clara beschriftete die Schüsseln, damit ich ihr Essen nicht berührte. Komisch, oder? Ein Dach, zwei fremde Welten.
Ich aß allein, schlief allein, erwachte mit derselben schweren Last auf der Brust. Immer wenn einer sagte: Ihr seid ein starkes Paar, du und Clara!, wollte ich schreien. Ist das Stärke? Dann ist das ein Kerker.
Claras Tage begannen mit Vorwürfen und endeten mit Beschimpfungen
Wenn Clara zu Hause war, verwandelte sich die Wohnung in eine Hölle. Schon wieder den Müll nicht rausgebracht, Nichtsnutz!, fing sie an, endete meist bei: Du hast mein Leben ruiniert. Versager! Ein Hindernis warst du schon immer! Das sagte sie am liebsten. Ich schwieg. Ich dachte, meine Stille würde sie ermüden. Doch Claras Wut kannte keinen Schlaf. Sie musste irgendwen zerreißen und ich war nun mal da.
Einmal hörte ich sie am Telefon zu einer Freundin sagen: Er steht nur herum wie eine alte Kommode, stört wenigstens niemanden. Da wurde mir klar: Für sie gab es mich nicht mehr. Ich war zerbrochen. Und was am schlimmsten war: Ich konnte nicht fort. Das Haus hatte ich selbst gebaut, jeden Cent dafür zur Seite gelegt, die Söhne großgezogen Und jetzt blieb ich nur, damit ich nicht unter Brücken schlafen muss.
Warum ich immer noch hier bin, weiß ich selbst nicht
Fortgehen? Aber wohin? Die Söhne haben ihre eigenen Schwierigkeiten, führen ihr eigenes Leben. Sie kommen selten, tun dann so, als wäre alles in bester Ordnung. Für sie ist es einfacher so. Für mich spielt es keine Rolle mehr. Ich warte einfach. Ich warte, dass endlich alles endet. Dass dieser Groll in mir verstummt. Dass der Hass vergeht, ich nicht mehr jeden Tag gegen eine Fremde in meiner Wohnung kämpfen muss.
Vielleicht schreibe ich das gar nicht für mich. Sondern für jene, die noch einen Ausweg haben. Für die, die an der Schwelle stehen. Bitte heiratet nicht ohne Liebe. Lebt nicht mit jemanden, der euer Licht löscht. Opfert euch nicht für den schönen Schein. Die Kinder werden groß. Und ihr bleibt zurück. Allein Auge in Auge mit jemanden, der euch nicht liebt. Eines Morgens werdet ihr dann erkennen: Das Leben ist an euch vorbeigegangen. So wie es mir erging.




