Educational
03
Eltern-Chat am Limit: Wie ein Streit um Schulsachen im Klassenchat einer deutschen Grundschule eskalierte – und wie Eltern, Lehrer und Kinder lernen mussten, wieder zuzuhören
Chat am Limit Katrin stand am Herd und rührte in der Soße, während sie immer wieder einen Blick auf ihr
Homy
An meinem Geburtstag zeigte mein Sohn plötzlich auf die Gäste und rief: „Da ist sie! Sie trägt genau diesen Rock!” Am Abend vorher suchte ich im Dachgeschoss nach der Kuscheldecke, die Florian – mein Sohn – dringend für den Klassenausflug wollte. Also kramte ich in alten Koffern, Elektrokabeln und eingestaubten Ventilatoren herum, als mir eine elegante, schwarze Schachtel auffiel. Drin lag ein Rock aus tiefviolettem Satin – fein bestickt, edel, wunderschön. Sofort erinnerte ich mich: Diesen Rock hatte ich meinem Mann, Thomas, vor Monaten in einem Schaufenster gezeigt, insgeheim hoffend, er würde mir diesen Wunsch heimlich erfüllen. Ich vermutete, die Schachtel wäre sein Geburtstagsgeschenk an mich. Um die Überraschung nicht zu verderben, legte ich sie zurück und kaufte mir sogar eine passende Bluse, nur für den Moment, wenn ich das Geschenk endlich auspacken würde. Doch an meinem Geburtstag überreichte mir Thomas statt des Rocks einen Stapel sorgfältig ausgesuchter Bücher – kein Wort, kein Hinweis auf die geheimnisvolle Schachtel. Drei Monate vergingen. Der Rock tauchte nicht mehr auf, die Hoffnung aber blieb. Eines Tages kam Florian blass in die Küche und erzählte mir zögerlich, dass er seinen Vater – als er unerwartet früher nach Hause kam – mit einer Frau im Schlafzimmer gesehen hatte. Sie trug exakt diesen Rock. An Thomass Geburtstag bereitete ich alles für die Feier vor. Mit einem Knoten im Bauch spielte ich weiterhin die perfekte Gastgeberin. Plötzlich zog Florian an meinem Ärmel, zeigte in Richtung Wohnzimmer und flüsterte: „Mama, da ist er. Der Rock! Sie trägt ihn!” Dort stand Sarah, Thomass Assistentin, selbstbewusst und strahlend – ungefähr mit dem Rock, den mein Mann für mich hätte aufheben sollen. Ich brachte ihr ein Tablett und fragte freundlich: „Sarah, dieser Rock steht dir hervorragend. Wo hast du ihn her?” Sarah errötete und antwortete verlegen, er sei ein Geschenk gewesen. Thomas sah uns mit bleichem Gesicht zu. „Wie schade”, sagte ich ruhig. „Ich dachte immer, dieser Rock sei für mich bestimmt gewesen. Offenbar lag ich falsch.” Mit diesen Worten wusste ich: Mein Leben würde ab jetzt nur mir gehören.
Am Abend vor dem Geburtstag meines Mannes stand ich im Dachgeschoss und durchwühlte unsere Schränke.
Homy
Educational
06
Vererbter Schatten: Eine deutsche Familiengeschichte zwischen Genrisiko, Angst und Zusammenhalt
Damals, vor vielen Jahren, war es an einem jener kalten Novembersonntage, an die man sich später nicht
Homy
Educational
014
“Die Schwiegertochter verzichtet auf die Tochter – eine ergreifende Geschichte über Familie, Verlust und Neuanfang.”
Ja. Ich habe keinen Platz, um sie mitzunehmen. Und kein Geld, um mit ihr zu leben. Wenn Sie sie nicht
Homy
Educational
06
Der Mann hat seine Frau aus dem Haus geworfen
Mann, du glaubst nicht, was das alles ausgespuckt hat, als ich das letzte Mal in der Kneipe mit dir drüber
Homy
Educational
07
Deine Sachen stehen am Aufzug. Nimm sie und geh — Dasha, warum hast du dich eingeschlossen? — Er lächelte, aber in seinen Augen blitzte Unruhe auf. — Ich habe das Schloss gewechselt, Roman. — Wieso? — Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht. — Weil ich schlauer geworden bin. Deine Sachen stehen am Aufzug. Nimm sie und geh. Dasha ist sechsundvierzig, ihr “Romeo” einundfünfzig. Eigentlich der perfekte Altersunterschied, beide lebenserfahren, keine rosa Brille mehr. Dasha hat eine Scheidung hinter sich, die sie längst verarbeitet hat, Roman zwei tragische Beziehungen… Sie waren das perfekte Paar. Roman lobte seine Auserwählte immerzu: — Es duftet herrlich, — meinte er, während er ein Stück Apfelkuchen aß. — Du bist eine Zauberin, Dasha. — Ist nur ein ganz normaler Apfelkuchen, — winkte sie ab und errötete. — Iss, solange er noch warm ist. Nur eine Sache störte Dasha an ihrem Mitbewohner: Romans ständige Rückblicke in die Vergangenheit. — Weißt du, für Lucy habe ich auch manchmal gekocht. Immer am Wochenende. Pfannkuchen gebacken. Aber sie sagte immer, ich würde nur das Mehl verschwenden. Kannst du dir das vorstellen? “Roman” — meinte sie — “du bringst nur die Lebensmittel um.” Und später, als wir uns scheiden ließen, hat sie sogar noch die Pfannen mitgenommen. Hat gesagt: “Das war ein Geschenk von meiner Mutter, fass das nicht an.” — Ganz schön kleinlich, — meinte Dasha kopfschüttelnd. — Wegen ein paar Pfannen so ein Theater… — Ach, wenn es nur die Pfannen gewesen wären! — Roman zog verbittert die Mundwinkel runter. — Sie hat alles abgeräumt. Die Wohnung auf sich umgeschrieben, während ich für die Familie unterwegs war, um Geld zu verdienen. Das Auto dem Sohn überlassen, obwohl der erst achtzehn und keinen Führerschein hatte. Ich bin mit einer Sporttasche raus. Wortwörtlich. Unterhosen, Socken und Zahnbürste. Dasha tat er in diesen Momenten schrecklich leid. Wie kann man so sein? Jahre mit jemandem verbringen und ihn dann wie einen räudigen Hund auf die Straße setzen. — Und die zweite? — fragte sie leise, obwohl sie die Geschichte längst kannte. — Bei der Zweiten haben wir schnell gemerkt, dass es nicht passt. Nach vier Jahren war Schluss. Wieder die Schwiegermutter, die sich einmischte. Es gab kaum was zu teilen, nur Schulden und das Kind. Ich bin gegangen und habe alles ihr gelassen. Ich prozessiere doch nicht mit einer Frau! Ich habe Prinzipien. Bin ein Mann, ich kann alles wieder aufbauen. “Männer wie er”, dachte Dasha mit Respekt. Ehrwürdig. Ein anderer würde um jeden Löffel klagen, aber er war mit erhobenem Haupt gegangen! — Meine Wohnung ist groß, da ist genug Platz für uns beide, — sagte sie am Anfang, vor etwa drei Monaten. — Und ich habe auch ein Häuschen außerhalb. Da kann ich Männerhände brauchen. — Dasha, das ist mir unangenehm, — Roman senkte den Blick. — Ich will nicht wie so ein Schmarotzer rüberkommen. Ich such mir was Richtiges und stehe bald wieder fest im Leben… — Red keinen Unsinn. Zu zweit ist alles leichter. Letztlich zog er ein. Viel hatte er wirklich nicht: einen abgewetzten Koffer, zwei Anzüge aus besseren Tagen und ein Laptop. Dasha überschüttete ihn mit Fürsorge. Sie wollte diesen Menschen aufwärmen, zeigen, dass nicht alle Frauen Raubtiere sind. Mit ihrem Ex-Mann Vadim war sie ruhig auseinandergegangen — die Liebe war eben vorbei. Die Wohnung geteilt, verkauft, zwei kleinere dafür gekauft. Vadim zahlte pünktlich den Unterhalt, gratulierte zu Silvester. Nüchtern, aber verlässlich. Roman war anders. *** Der erste Warnschuss kam nach einem Monat Zusammenleben. Eigentlich nichts Großes, Kleinigkeiten, aber … Roman meinte, er müsste kurz in den Baumarkt, Scharniere für den Garderobenschrank kaufen — die Tür hing schief. — Ich bin gleich zurück, — rief er aus dem Flur. — Nur schnell hin und wieder zurück. Vier Stunden später kam er wieder. Ohne Scharniere. — Stell dir vor, überall geschlossen! — erzählte er empört, während er die Schuhe auszog. — Inventur oder so, hab den ganzen Tag den halben Ort abgeklappert, nirgendwo die richtige Größe. Dasha war verdutzt: — Im “BauMarkt”? Am Samstag? Die haben doch rund um die Uhr offen. — Sag ich ja! Chaos pur. Zettel an der Tür. — Komisch, — meinte Dasha und zuckte die Schultern. — Na gut, wir kaufen sie später. Als sie abends den Müll rausbrachte, traf sie die Nachbarin, Frau Waltraud. Die schleppte einen riesigen Sack mit Baumischungen aus genau dem „BauMarkt“. — Ganz schön schwer, oder? — fragte Dasha und hielt die Tür auf. — Und wie! Aber heute gibt’s dort Rabatte, das war voll bis unters Dach! Musste mich richtig durchkämpfen zur Kasse. Dasha blieb stehen. — Wie voller Laden? Ist der nicht wegen Inventur zu? Frau Waltraud schaute sie an, als hätte sie nicht alle Tassen im Schrank: — Welche Inventur? Die machen ganz normal weiter. Ich war vor ner Stunde da. Dasha kehrte nervös in die Wohnung zurück. Warum hatte er gelogen? Hätte er doch einfach gesagt, dass er einen Freund besucht, im Café saß, einfach spazieren gegangen ist! Warum so eine Lügengeschichte? Roman saß auf dem Sofa und zappt durch die Kanäle. — Roman, — sie blieb ruhig. — Ich habe draußen die Nachbarin getroffen. Sie kommt gerade vom Baumarkt. Offen ist alles, sagt sie. Roman drehte sich nicht mal zu ihr um. In seinem Gesicht keine Regung. — Ach ja? Dann haben sie halt wieder aufgemacht. Als ich da war, stand ein Schild „Technische Pause 15 Minuten“. Ich hab ne halbe Stunde gewartet, keiner kam. Ich bin dann zum Baumarkt am Markt, aber auch nichts gefunden. — Du hast vorher gesagt „Inventur“. Und dass du überall unterwegs warst. Jetzt sah er sie an. Und sein Blick war ganz unschuldig. — Dasha, warum hakst du so auf Worten rum? Pause, Inventur — spielt doch keine Rolle! Ich hab es nicht gekauft, fertig. Warum jetzt ein Drama draus machen? Dasha fühlte sich schuldig. Ehrlich, warum nervt sie ihn? Hat er einfach verwechselt oder vergessen. Männer nehmen es eben nicht so genau… Eine Woche später das gleiche Spiel. Roman behauptete, ihn habe ein alter Chef angerufen, es gäbe ein Vorstellungsgespräch. — Eine echt gute Firma, Dasha. Top Gehalt, — der Daumen ging hoch. — Wenn die mich nehmen, hab ich dir schon mal die neue Winterjacke versprochen. Abends kam er missmutig zurück. — Und? — Dasha machte sich gleich Sorgen. — Ach, Betrug! Versprochen klang alles super, in Wirklichkeit ein Hungerlohn und unmögliche Arbeitszeiten. Ich hab gleich gesagt: Sucht euch andere Trottel. — Schade, — seufzte Dasha. — Aber das klappt schon noch. War das Ivan, der dich angerufen hat? — Ivan? — Roman runzelte die Stirn, als wüsste er überhaupt nicht, wovon sie spricht. — Na, du meintest doch, dein Ex-Chef. — Ach so, nee, das war Serge, der stellvertretende Chef. Mit dem hab ich mich immer gut verstanden. Und Ivan ist schon lange in Rente, — sagte er, sah weg und verschwand im Bad. Dasha war sich sicher, erst ein paar Tage zuvor erzählt bekommen zu haben, wie ihm eben jener Ivan bei der Kündigung die Hand gedrückt und versprochen habe, ihn zurückzuholen. „Vielleicht stimmt etwas mit meinem Gedächtnis nicht?“, dachte sie. Als Roman später schlief, piepte sein Handy. Dasha hätte sonst nie auf fremde Telefone geschaut — das war ihr zuwider. Doch das Display leuchtete auf, und die Nachricht war deutlich zu lesen: “Liebling, wann gibst du mir mein Geld zurück? Es ist schon ein Monat vergangen. Ignorieren ist nicht die feine Art.” Die Nummer war nicht eingespeichert. *** Beim Frühstück am nächsten Morgen sprach Dasha ihn an: — Roman, du hast letzte Nacht eine SMS bekommen. Jemand will sein Geld zurück. Roman verschluckte sich. Sein Gesicht wurde schlagartig rot. — Muss sich wohl vertan haben. Spam. Heute gibt’s von den Gaunern ja leider immer mehr… — Da stand aber „Liebling“ am Anfang. Er lachte, aber ziemlich gequält. — Genau die Gauner! Wissen schon, wie sie einen ansprechen. Mach dir keinen Kopf, Dasha. Er schnappte das Handy und löschte hastig etwas. — Hör zu, — begann er schnell das Thema zu wechseln. — Es ist was. Meine Tochter aus erster Ehe, Katharina, hat Probleme. Ihr Sohn ist krank, braucht teure Medikamente. Sie hat angerufen und geweint. Ich kann da nichts abschlagen, ist doch meine eigene Tochter. — Natürlich, — Dasha wurde stutzig. — Wie viel brauchst du? — Fünfzehntausend Euro ungefähr. Bis zum nächsten Gehalt, ich kriege das gerade nirgends zusammen. Kannst du mir helfen? Sobald ich was habe, bekommst du alles auf Heller und Pfennig zurück. Dasha blickte ihn an. — Fünfzehn tausend. Was hat der Kleine denn? — Na ja… starke Allergie. Schock, braucht jetzt eine Kur. — Alles klar. Sie ging zum Kommodenschrank, holte das Geld. — Hier. — Du bist ein Schatz! — Er sprang auf, umarmte sie, gab ihr einen Kuss auf die Wange. — Du bist Gold wert. Katharina wird dir ewig dankbar sein. Aber Dasha ließ das ganze Tag über den Verdacht nicht los — nicht wegen des Geldes, das war nur Geld. Ihr war klar: Roman log. Sie erinnerte sich, dass Roman mal sein altes Tablet zum Laden in der Stube hatte. Damit machte er sonst nichts, alles lief übers Handy. Sie kannte das Passwort — viermal die Eins. Hatte er ihr mal verraten, als sie einen Film für ihn suchen sollte. Sie durchsuchte die sozialen Medien, wurde fündig. Genau die Chatnachrichten mit Katharina Romanowa. Der Tochter. Chats waren knapp. „Papa, wann zahlst du den Unterhalt? Mama droht wieder, zum Amt zu gehen. Wir haben nichts mehr zu essen und du erzählst nur Märchen!“ Gestern gesendet. Romans Antwort: „Katharina, halt durch. Gerade versuche ich, einer dummen Ziege Geld aus der Tasche zu ziehen, dann bekommst du alles. Druck mich nicht so!“ Dasha sackte aufs Sofa: Ihre Beine waren wie aus Gummi. Dumme Ziege… Sie ist gemeint. SIE ist die dumme Ziege. Sie scrollte weiter. Chat mit „Tanja“. „Liebling, wo bleibst du? Ich warte. Du wolltest heute kommen.“ Roman antwortete: „Ich komme, Süße. Habe von meiner Tussi gerade Kohle abgegriffen, angeblich für meinen Enkel. Bin in ‘ner Stunde da.“ Dasha legte das Tablet hin. Die Hände zitterten nicht. Im Gegenteil — sie war eiskalt. Das Puzzle war komplett. All die „bösen Ex-Frauen“, die ihn abgezockt hatten… Weder die eine noch die andere hat ihn ruiniert. Es waren normale Frauen, die wohl einfach genug hatten vom ewigen Lügen. Er war kein Opfer. Sondern ein Schmarotzer. Sie ging in die Küche, holte große schwarze Müllsäcke, in den Schlafraum, öffnete den Kleiderschrank. Anzüge flogen samt Bügel in die Säcke. Hemden, Socken, das ganze „Hab und Gut“. Dasha packte seinen Rasierer, Zahnbürste, Ladekabel — und stellte drei prall gefüllte Säcke an die Haustür. Das Schloss hatte sie innert Minuten getauscht — ihr handwerkliches Geschick war oft nützlich, und ein Ersatzschloss lag noch im Werkzeugkasten vom letzten Umbau. Sie hatte es in zwölf Jahren allein gelernt. *** Roman kam nach drei Stunden, wollte den Schlüssel ins neue Schloss stecken. Vergeblich, er klingelte. Dasha öffnete, ließ die Kette an der Tür. — Dasha, warum hast du abgeschlossen? Das Schloss hakt… — Er lächelte, doch in seinen Augen zuckte Panik. — Ich habe das Schloss getauscht, Roman. — Warum? — Sein Gesicht wurde starr. — Weil die „dumme Ziege“ schlau geworden ist. Roman erstarrte. — Was redest du da? Welche dumme Ziege? — Na die, die du abzockst. Deine Sachen stehen am Aufzug. Nimm sie und geh. — Dasha, bist du verrückt? — Er versuchte Empörung, doch es kam nur dünn heraus. — Wer hat dir denn den Mist erzählt? Ich war doch bei meiner Tochter, habe Medikamente gebracht! — Ich habe die Nachrichten gelesen, Roman. Mit Katharina. Und mit Tanja. Er wurde still. Angst blitzte kurz auf, dann Hass. — Ach, hast du in meinem Tablet geschnüffelt? Dafür hast du kein Recht! Das ist meine Privatsphäre! — schrie er. — Meine Privatsphäre — das ist meine Wohnung und mein Geldbeutel. Du bist ein Dieb und ein Lügner. — Geh zum Teufel! — brüllte er. — Wer will dich schon, alte Schachtel! Ich war nur aus Mitleid mit dir zusammen! Dachte, wenigstens kochen kannst du, aber dein Eintopf ist nicht mal genießbar! — Nimm deine Sachen, Roman. Die fünfzehntausend Euro sieh als Honorar für dein Schauspiel. Günstig davongekommen. Er wollte noch etwas sagen, aber Dasha knallte ihm die Tür vor der Nase zu. Von draußen dumpfe Tritte und wilde Beschimpfungen. Sie ging in die Küche. Auf dem Tisch seine Tasse, abgeschlaffter Teebeutel am Boden. Dasha nahm die Tasse, kippte sie in die Spüle. Dann warf sie die Tasse in den Müll. Danach noch seinen Lieblingsteller. Das Handy vibrierte — Vadim, der Ex, schrieb. “Hallo! Deine Tochter sagte, das Wasser läuft in der Datscha. Ich fahre am Samstag vorbei, soll ich mal nachschauen? Alles ok bei dir?” Dasha lächelte. “Hallo! Komm gern vorbei. Es gibt Apfelkuchen und Tee. Mir geht’s gut. Sogar besser als vorher!” *** Der Schmarotzer ließ ihr noch eine Weile keine Ruhe. Er kam fast jeden Abend, kroch die Treppe rauf, heulte und bettelte, dann wieder trat er gegen die Tür und schrie, drohte, sie „rauszuekeln“. Die Anzeige bei der Polizei brachte Ruhe — Roman ließ sie endlich in Frieden. Und Dasha brauchte nichts mehr. Nur noch eines: Ruhe, Frieden und… Alleinsein.
Deine Sachen stehen beim Aufzug. Nimm sie und geh Annegretchen, warum hast du abgeschlossen?
Homy
Angst vor der Stiefmutterrolle: Lisa fürchtet die Ehe mit einem Witwer
Angst, Stiefmutter zu werden: Greta zögert die Heirat mit dem Witwer.Die Stiefmutter sah genau, dass
Homy
Educational
012
Deine Sachen stehen am Aufzug. Nimm sie und geh — Dasha, warum hast du dich eingeschlossen? — Er lächelte, aber in seinen Augen blitzte Unruhe auf. — Ich habe das Schloss gewechselt, Roman. — Wieso? — Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht. — Weil ich schlauer geworden bin. Deine Sachen stehen am Aufzug. Nimm sie und geh. Dasha ist sechsundvierzig, ihr “Romeo” einundfünfzig. Eigentlich der perfekte Altersunterschied, beide lebenserfahren, keine rosa Brille mehr. Dasha hat eine Scheidung hinter sich, die sie längst verarbeitet hat, Roman zwei tragische Beziehungen… Sie waren das perfekte Paar. Roman lobte seine Auserwählte immerzu: — Es duftet herrlich, — meinte er, während er ein Stück Apfelkuchen aß. — Du bist eine Zauberin, Dasha. — Ist nur ein ganz normaler Apfelkuchen, — winkte sie ab und errötete. — Iss, solange er noch warm ist. Nur eine Sache störte Dasha an ihrem Mitbewohner: Romans ständige Rückblicke in die Vergangenheit. — Weißt du, für Lucy habe ich auch manchmal gekocht. Immer am Wochenende. Pfannkuchen gebacken. Aber sie sagte immer, ich würde nur das Mehl verschwenden. Kannst du dir das vorstellen? “Roman” — meinte sie — “du bringst nur die Lebensmittel um.” Und später, als wir uns scheiden ließen, hat sie sogar noch die Pfannen mitgenommen. Hat gesagt: “Das war ein Geschenk von meiner Mutter, fass das nicht an.” — Ganz schön kleinlich, — meinte Dasha kopfschüttelnd. — Wegen ein paar Pfannen so ein Theater… — Ach, wenn es nur die Pfannen gewesen wären! — Roman zog verbittert die Mundwinkel runter. — Sie hat alles abgeräumt. Die Wohnung auf sich umgeschrieben, während ich für die Familie unterwegs war, um Geld zu verdienen. Das Auto dem Sohn überlassen, obwohl der erst achtzehn und keinen Führerschein hatte. Ich bin mit einer Sporttasche raus. Wortwörtlich. Unterhosen, Socken und Zahnbürste. Dasha tat er in diesen Momenten schrecklich leid. Wie kann man so sein? Jahre mit jemandem verbringen und ihn dann wie einen räudigen Hund auf die Straße setzen. — Und die zweite? — fragte sie leise, obwohl sie die Geschichte längst kannte. — Bei der Zweiten haben wir schnell gemerkt, dass es nicht passt. Nach vier Jahren war Schluss. Wieder die Schwiegermutter, die sich einmischte. Es gab kaum was zu teilen, nur Schulden und das Kind. Ich bin gegangen und habe alles ihr gelassen. Ich prozessiere doch nicht mit einer Frau! Ich habe Prinzipien. Bin ein Mann, ich kann alles wieder aufbauen. “Männer wie er”, dachte Dasha mit Respekt. Ehrwürdig. Ein anderer würde um jeden Löffel klagen, aber er war mit erhobenem Haupt gegangen! — Meine Wohnung ist groß, da ist genug Platz für uns beide, — sagte sie am Anfang, vor etwa drei Monaten. — Und ich habe auch ein Häuschen außerhalb. Da kann ich Männerhände brauchen. — Dasha, das ist mir unangenehm, — Roman senkte den Blick. — Ich will nicht wie so ein Schmarotzer rüberkommen. Ich such mir was Richtiges und stehe bald wieder fest im Leben… — Red keinen Unsinn. Zu zweit ist alles leichter. Letztlich zog er ein. Viel hatte er wirklich nicht: einen abgewetzten Koffer, zwei Anzüge aus besseren Tagen und ein Laptop. Dasha überschüttete ihn mit Fürsorge. Sie wollte diesen Menschen aufwärmen, zeigen, dass nicht alle Frauen Raubtiere sind. Mit ihrem Ex-Mann Vadim war sie ruhig auseinandergegangen — die Liebe war eben vorbei. Die Wohnung geteilt, verkauft, zwei kleinere dafür gekauft. Vadim zahlte pünktlich den Unterhalt, gratulierte zu Silvester. Nüchtern, aber verlässlich. Roman war anders. *** Der erste Warnschuss kam nach einem Monat Zusammenleben. Eigentlich nichts Großes, Kleinigkeiten, aber … Roman meinte, er müsste kurz in den Baumarkt, Scharniere für den Garderobenschrank kaufen — die Tür hing schief. — Ich bin gleich zurück, — rief er aus dem Flur. — Nur schnell hin und wieder zurück. Vier Stunden später kam er wieder. Ohne Scharniere. — Stell dir vor, überall geschlossen! — erzählte er empört, während er die Schuhe auszog. — Inventur oder so, hab den ganzen Tag den halben Ort abgeklappert, nirgendwo die richtige Größe. Dasha war verdutzt: — Im “BauMarkt”? Am Samstag? Die haben doch rund um die Uhr offen. — Sag ich ja! Chaos pur. Zettel an der Tür. — Komisch, — meinte Dasha und zuckte die Schultern. — Na gut, wir kaufen sie später. Als sie abends den Müll rausbrachte, traf sie die Nachbarin, Frau Waltraud. Die schleppte einen riesigen Sack mit Baumischungen aus genau dem „BauMarkt“. — Ganz schön schwer, oder? — fragte Dasha und hielt die Tür auf. — Und wie! Aber heute gibt’s dort Rabatte, das war voll bis unters Dach! Musste mich richtig durchkämpfen zur Kasse. Dasha blieb stehen. — Wie voller Laden? Ist der nicht wegen Inventur zu? Frau Waltraud schaute sie an, als hätte sie nicht alle Tassen im Schrank: — Welche Inventur? Die machen ganz normal weiter. Ich war vor ner Stunde da. Dasha kehrte nervös in die Wohnung zurück. Warum hatte er gelogen? Hätte er doch einfach gesagt, dass er einen Freund besucht, im Café saß, einfach spazieren gegangen ist! Warum so eine Lügengeschichte? Roman saß auf dem Sofa und zappt durch die Kanäle. — Roman, — sie blieb ruhig. — Ich habe draußen die Nachbarin getroffen. Sie kommt gerade vom Baumarkt. Offen ist alles, sagt sie. Roman drehte sich nicht mal zu ihr um. In seinem Gesicht keine Regung. — Ach ja? Dann haben sie halt wieder aufgemacht. Als ich da war, stand ein Schild „Technische Pause 15 Minuten“. Ich hab ne halbe Stunde gewartet, keiner kam. Ich bin dann zum Baumarkt am Markt, aber auch nichts gefunden. — Du hast vorher gesagt „Inventur“. Und dass du überall unterwegs warst. Jetzt sah er sie an. Und sein Blick war ganz unschuldig. — Dasha, warum hakst du so auf Worten rum? Pause, Inventur — spielt doch keine Rolle! Ich hab es nicht gekauft, fertig. Warum jetzt ein Drama draus machen? Dasha fühlte sich schuldig. Ehrlich, warum nervt sie ihn? Hat er einfach verwechselt oder vergessen. Männer nehmen es eben nicht so genau… Eine Woche später das gleiche Spiel. Roman behauptete, ihn habe ein alter Chef angerufen, es gäbe ein Vorstellungsgespräch. — Eine echt gute Firma, Dasha. Top Gehalt, — der Daumen ging hoch. — Wenn die mich nehmen, hab ich dir schon mal die neue Winterjacke versprochen. Abends kam er missmutig zurück. — Und? — Dasha machte sich gleich Sorgen. — Ach, Betrug! Versprochen klang alles super, in Wirklichkeit ein Hungerlohn und unmögliche Arbeitszeiten. Ich hab gleich gesagt: Sucht euch andere Trottel. — Schade, — seufzte Dasha. — Aber das klappt schon noch. War das Ivan, der dich angerufen hat? — Ivan? — Roman runzelte die Stirn, als wüsste er überhaupt nicht, wovon sie spricht. — Na, du meintest doch, dein Ex-Chef. — Ach so, nee, das war Serge, der stellvertretende Chef. Mit dem hab ich mich immer gut verstanden. Und Ivan ist schon lange in Rente, — sagte er, sah weg und verschwand im Bad. Dasha war sich sicher, erst ein paar Tage zuvor erzählt bekommen zu haben, wie ihm eben jener Ivan bei der Kündigung die Hand gedrückt und versprochen habe, ihn zurückzuholen. „Vielleicht stimmt etwas mit meinem Gedächtnis nicht?“, dachte sie. Als Roman später schlief, piepte sein Handy. Dasha hätte sonst nie auf fremde Telefone geschaut — das war ihr zuwider. Doch das Display leuchtete auf, und die Nachricht war deutlich zu lesen: “Liebling, wann gibst du mir mein Geld zurück? Es ist schon ein Monat vergangen. Ignorieren ist nicht die feine Art.” Die Nummer war nicht eingespeichert. *** Beim Frühstück am nächsten Morgen sprach Dasha ihn an: — Roman, du hast letzte Nacht eine SMS bekommen. Jemand will sein Geld zurück. Roman verschluckte sich. Sein Gesicht wurde schlagartig rot. — Muss sich wohl vertan haben. Spam. Heute gibt’s von den Gaunern ja leider immer mehr… — Da stand aber „Liebling“ am Anfang. Er lachte, aber ziemlich gequält. — Genau die Gauner! Wissen schon, wie sie einen ansprechen. Mach dir keinen Kopf, Dasha. Er schnappte das Handy und löschte hastig etwas. — Hör zu, — begann er schnell das Thema zu wechseln. — Es ist was. Meine Tochter aus erster Ehe, Katharina, hat Probleme. Ihr Sohn ist krank, braucht teure Medikamente. Sie hat angerufen und geweint. Ich kann da nichts abschlagen, ist doch meine eigene Tochter. — Natürlich, — Dasha wurde stutzig. — Wie viel brauchst du? — Fünfzehntausend Euro ungefähr. Bis zum nächsten Gehalt, ich kriege das gerade nirgends zusammen. Kannst du mir helfen? Sobald ich was habe, bekommst du alles auf Heller und Pfennig zurück. Dasha blickte ihn an. — Fünfzehn tausend. Was hat der Kleine denn? — Na ja… starke Allergie. Schock, braucht jetzt eine Kur. — Alles klar. Sie ging zum Kommodenschrank, holte das Geld. — Hier. — Du bist ein Schatz! — Er sprang auf, umarmte sie, gab ihr einen Kuss auf die Wange. — Du bist Gold wert. Katharina wird dir ewig dankbar sein. Aber Dasha ließ das ganze Tag über den Verdacht nicht los — nicht wegen des Geldes, das war nur Geld. Ihr war klar: Roman log. Sie erinnerte sich, dass Roman mal sein altes Tablet zum Laden in der Stube hatte. Damit machte er sonst nichts, alles lief übers Handy. Sie kannte das Passwort — viermal die Eins. Hatte er ihr mal verraten, als sie einen Film für ihn suchen sollte. Sie durchsuchte die sozialen Medien, wurde fündig. Genau die Chatnachrichten mit Katharina Romanowa. Der Tochter. Chats waren knapp. „Papa, wann zahlst du den Unterhalt? Mama droht wieder, zum Amt zu gehen. Wir haben nichts mehr zu essen und du erzählst nur Märchen!“ Gestern gesendet. Romans Antwort: „Katharina, halt durch. Gerade versuche ich, einer dummen Ziege Geld aus der Tasche zu ziehen, dann bekommst du alles. Druck mich nicht so!“ Dasha sackte aufs Sofa: Ihre Beine waren wie aus Gummi. Dumme Ziege… Sie ist gemeint. SIE ist die dumme Ziege. Sie scrollte weiter. Chat mit „Tanja“. „Liebling, wo bleibst du? Ich warte. Du wolltest heute kommen.“ Roman antwortete: „Ich komme, Süße. Habe von meiner Tussi gerade Kohle abgegriffen, angeblich für meinen Enkel. Bin in ‘ner Stunde da.“ Dasha legte das Tablet hin. Die Hände zitterten nicht. Im Gegenteil — sie war eiskalt. Das Puzzle war komplett. All die „bösen Ex-Frauen“, die ihn abgezockt hatten… Weder die eine noch die andere hat ihn ruiniert. Es waren normale Frauen, die wohl einfach genug hatten vom ewigen Lügen. Er war kein Opfer. Sondern ein Schmarotzer. Sie ging in die Küche, holte große schwarze Müllsäcke, in den Schlafraum, öffnete den Kleiderschrank. Anzüge flogen samt Bügel in die Säcke. Hemden, Socken, das ganze „Hab und Gut“. Dasha packte seinen Rasierer, Zahnbürste, Ladekabel — und stellte drei prall gefüllte Säcke an die Haustür. Das Schloss hatte sie innert Minuten getauscht — ihr handwerkliches Geschick war oft nützlich, und ein Ersatzschloss lag noch im Werkzeugkasten vom letzten Umbau. Sie hatte es in zwölf Jahren allein gelernt. *** Roman kam nach drei Stunden, wollte den Schlüssel ins neue Schloss stecken. Vergeblich, er klingelte. Dasha öffnete, ließ die Kette an der Tür. — Dasha, warum hast du abgeschlossen? Das Schloss hakt… — Er lächelte, doch in seinen Augen zuckte Panik. — Ich habe das Schloss getauscht, Roman. — Warum? — Sein Gesicht wurde starr. — Weil die „dumme Ziege“ schlau geworden ist. Roman erstarrte. — Was redest du da? Welche dumme Ziege? — Na die, die du abzockst. Deine Sachen stehen am Aufzug. Nimm sie und geh. — Dasha, bist du verrückt? — Er versuchte Empörung, doch es kam nur dünn heraus. — Wer hat dir denn den Mist erzählt? Ich war doch bei meiner Tochter, habe Medikamente gebracht! — Ich habe die Nachrichten gelesen, Roman. Mit Katharina. Und mit Tanja. Er wurde still. Angst blitzte kurz auf, dann Hass. — Ach, hast du in meinem Tablet geschnüffelt? Dafür hast du kein Recht! Das ist meine Privatsphäre! — schrie er. — Meine Privatsphäre — das ist meine Wohnung und mein Geldbeutel. Du bist ein Dieb und ein Lügner. — Geh zum Teufel! — brüllte er. — Wer will dich schon, alte Schachtel! Ich war nur aus Mitleid mit dir zusammen! Dachte, wenigstens kochen kannst du, aber dein Eintopf ist nicht mal genießbar! — Nimm deine Sachen, Roman. Die fünfzehntausend Euro sieh als Honorar für dein Schauspiel. Günstig davongekommen. Er wollte noch etwas sagen, aber Dasha knallte ihm die Tür vor der Nase zu. Von draußen dumpfe Tritte und wilde Beschimpfungen. Sie ging in die Küche. Auf dem Tisch seine Tasse, abgeschlaffter Teebeutel am Boden. Dasha nahm die Tasse, kippte sie in die Spüle. Dann warf sie die Tasse in den Müll. Danach noch seinen Lieblingsteller. Das Handy vibrierte — Vadim, der Ex, schrieb. “Hallo! Deine Tochter sagte, das Wasser läuft in der Datscha. Ich fahre am Samstag vorbei, soll ich mal nachschauen? Alles ok bei dir?” Dasha lächelte. “Hallo! Komm gern vorbei. Es gibt Apfelkuchen und Tee. Mir geht’s gut. Sogar besser als vorher!” *** Der Schmarotzer ließ ihr noch eine Weile keine Ruhe. Er kam fast jeden Abend, kroch die Treppe rauf, heulte und bettelte, dann wieder trat er gegen die Tür und schrie, drohte, sie „rauszuekeln“. Die Anzeige bei der Polizei brachte Ruhe — Roman ließ sie endlich in Frieden. Und Dasha brauchte nichts mehr. Nur noch eines: Ruhe, Frieden und… Alleinsein.
Deine Sachen stehen beim Aufzug. Nimm sie und geh Annegretchen, warum hast du abgeschlossen?
Homy
Educational
06
“Verlassener Neffe – Ein unerwartetes Familienkonflikt um Verantwortung und Familie”
**Der Verstoßene Neffe** Anna, ich diskutiere hier nicht mit dir, ich stelle nur Fakten auf den Tisch!
Homy
Educational
07
“Offensichtlich habe ich mir umsonst Mühe gegeben,” sagte die Schwiegermutter missmutig – “Das ist Gottes Strafe für dich, weil du eine fremde Familie zerstört hast! Jetzt kannst du leiden!” – “Ich habe nichts zerstört”, entgegnete Vera endlich. – “Natürlich nicht! Vадim hat mit Zoey fast 15 Jahre zusammengelebt! Und nur wegen dir hat er sie verlassen, sie ist abgestürzt und gestorben.” Mit 30 Jahren hatte Vera eine gescheiterte Ehe und ein paar ebenso unglückliche Beziehungen hinter sich und wünschte sich nichts sehnlicher als eine richtige Familie und ein Kind. Und als sie Vadim kennenlernte, schöpfte sie neue Hoffnung. Der fünf Jahre ältere, große und kräftige LKW-Fahrer erschien ihr als der Fels in der Brandung, den sie sich gewünscht hatte. Schon nach zwei Wochen sprach er begeistert von gemeinsamer Zukunft und einem Sohn – Vera betete dafür, dass alle ihre Pläne und Träume in Erfüllung gingen. Doch was sie nicht erwartet hatte, war, vier Monate später zu erfahren, dass ihr geliebter Mann verheiratet war. “Mach dir keine Sorgen”, sagte Vadim ernst. “Ich hatte die Scheidung bereits lange geplant, aber ich hatte weder einen Grund noch jemanden, zu dem ich gehen konnte. Ich kann doch als erwachsener Mann nicht zu meiner Mutter zurück?“ Alle verheirateten Männer sagen das, erwiderte Vera leise enttäuscht – doch Vadim war anders: Zwei Monate später zeigte er ihr die Scheidungspapiere, weitere zwei Monate darauf heirateten sie. Trotz der Tochter aus erster Ehe voll unterstützte Vadim Vera in ihrem Wunsch nach einem gemeinsamen Kind. Doch mit dem Kinderwunsch klappte es einfach nicht. Nach zwei Jahren ohne Erfolg ging Vera zur Ärztin. Die Diagnose: gesundheitliche Probleme. Es folgte ein belastender Hormonbehandlungskurs mit Stimmungsschwankungen, Fressattacken und Magenschmerzen. Vadim bemerkte ihren Wandel, wusste aber nicht, was los war – Vera schwieg aus Angst, verlassen zu werden. Eines Tages kam ihr Mann mit seiner Tochter, Daria, zu ihr. Darias Mutter war gestorben, Vadim kündigte an, sie würde nun bei ihnen leben. Vera war entsetzt – sie kannte das Mädchen kaum und wollte kein fremdes Kind aufziehen. Vadim warf ihr Egoismus vor, die Schwiegermutter ebenso. Schließlich zog Vadim aus, Daria blieb bei Vera. Nach einigen Wochen freundeten sich Vera und Daria an und wurden ein eingespieltes Team – bis Vadim eines Tages platzte und ihr vorwarf, ihn betrogen zu haben, da seine Mutter von Veras Unfruchtbarkeit und ihren Tabletten wusste. So kam es zur dramatischen Konfrontation zwischen Vera, Vadim, Daria und der Schwiegermutter. Daria entlarvte schließlich vor allen die Lügen der Großmutter und stellte klar: Ihre Mutter trank schon lange, der Vater wollte deshalb die Scheidung, nicht wegen Vera. Großmutter gab widerwillig zu: “Offensichtlich habe ich mir umsonst Mühe gegeben – ich habe sogar abgelehnt, Daria bei mir aufzunehmen, weil ich hoffte, Vera würde das nicht durchhalten und sich von Vadim trennen. Und dann auch noch diese Sache mit den Tabletten.” Am Ende versöhnten sich Vera und Vadim, Daria blieb bei ihnen, sie hatten nur noch selten Kontakt mit der Schwiegermutter – und Vera war sogar froh darüber. **Title (rewritten & adapted):** “Offensichtlich habe ich mir umsonst Mühe gegeben”, murrte die Schwiegermutter – wie Intrigen, Fehltritte und unerfüllter Kinderwunsch eine Patchwork-Familie in Bayern an ihre Grenzen bringen, bis die Wahrheit einer Tochter alte Wunden heilt
Ganz umsonst war meine ganze Mühe, murmelte die Schwiegermutter missmutig. Das ist die Strafe Gottes
Homy