Educational
080
Schwiegertochter wollte auf der Gartenlaube nicht mithelfen, aber den Erntekorb voller Vorräte trotzdem abholen
Ach, Mareike, weißt du, mit meiner Schwiegertochter Lena das ist jedes Mal das gleiche Theater, wenns
Homy
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0423
Schwiegertochter erträgt jahrelang die Schwiegermutter – so kam es am Ende dazu
Schwiegertochter ertrug ihre Schwiegermutter so kam es dazu Zwillinge?! entfuhr es Ingrid Müller.
Homy
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023
Mein Mann meinte, ich solle mich um seine Mutter kümmern – aber ich hatte ganz andere Pläne
Tagebuch, 12. Oktober Gestern hat Sebastian wieder so unvermittelt entschieden, als wäre ich nur ein
Homy
Educational
010
Ich merkte, dass mein Ex-Mann eine Affäre hatte, weil er plötzlich anfing, die Straße zu fegen – so absurd es klingt, so war es. Er war gelernter Elektriker mit Werkstatt im eigenen Garagen, hauste lieber zwischen Kabeln und Werkzeug, scheute alle Hausarbeit und nutzte seine Freizeit sonst für Bier, Fußball und Grillen mit Freunden. Unsere Straße war ein unbefestigter Weg, voller Laub und Staub – normalerweise fegte ich morgens, bis eines Tages eine neue Nachbarin einzog. Wochen später bestand er plötzlich darauf, das Fegen zu übernehmen – immer pünktlich um sieben, was ihm nie ähnlichgesehen hatte. Eines Tages blickte ich aus dem Fenster: Er stand mit Besen, tat aber nichts, plauderte und lachte mit der Nachbarin gegenüber. Ab da wiederholte sich das Ritual, auch zu anderen Gelegenheiten kamen beide “zufällig” gemeinsam aus dem Haus. Noch hatte ich keinen Beweis – nur Muster, Zufälle, die keine mehr waren. Ich konfrontierte ihn, er wurde blass, gestand: Ja, er sei in die Nachbarin verliebt. Er zog sofort zu ihr in das Haus nebenan. Lange hielten sie nicht – zwei Monate später waren beide verschwunden, niemand weiß bis heute warum. Die Nachbarschaft klatschte, die Verwandten tuschelten, aber ich wollte nichts mehr wissen.
Ich habe herausgefunden, dass mein Ex-Mann mir fremdgeht, weil er plötzlich angefangen hat, die Straße zu fegen.
Homy
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040
„Knöpfchen? Ich habe sie Tanne genannt. Sie ist heute Morgen hier überall herumgelaufen – man sah gleich, dass sie sich verlaufen hatte. Später hat sie sich dann an meinen Füßen zusammengerollt, also habe ich sie ins Auto gesetzt, damit sie nicht erfriert, das arme Ding“, lächelte der Mann… „Tina, musst du immer so ein Pech haben? Wie oft habe ich dir gesagt, dass dieser Uwe nichts für dich ist!“, schimpfte Tinas Mutter. Tina stand mit gesenktem Kopf da. Obwohl sie gerade erst siebenunddreißig geworden war, fühlte sie sich wie ein Schulmädchen, das mit einer schlechten Note nach Hause kommt. Bitter war es für sie, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre gescheiterte Ehe und die kleine Tochter. Denn ausgerechnet zum schönsten aller Feste stand sie nun alleine da – ohne Familienoberhaupt. „Ich ziehe aus“, murmelte Uwe am Abend achtlos und Tina begriff erst nicht, was ihr Mann meinte. „Wo gehst du denn hin?“, fragte sie mechanisch und stellte ihm einen Teller dampfenden Linseneintopf hin. „Du bist echt nicht von dieser Welt, Tina. Die wichtigen Dinge kapierst du einfach nicht! Wie habe ich das all die Jahre mit dir ausgehalten?“, stöhnte Uwe theatralisch. Tina kam nicht einmal mehr dazu, ihn um Erklärungen zu bitten, da erzählte er gleich von selbst: „Ich kann einfach nicht mehr! Und dann auch noch dein ständig jaulender Hund. Die Kleine ist immer krank. Null Romantik, Tina! Schau dich doch mal an – was ist nur aus dir geworden?“ Tina versuchte, ihr erschrockenes Spiegelbild im Buffetschrank zu erkennen, aber es gelang ihr nicht. Die Tränen liefen von selbst, und sie blieb allein in der Küche stehen. Uwe hasste Tränen. Er blickte wehmütig auf den Eintopf, stand vom Tisch auf und ging, um seine Sachen zu packen… Der kleine Hund Knöpfchen, der Unheil witterte, schlich sich winselnd an Tinas Beine und versuchte sie zu trösten. „Jetzt kann ich endlich mal ausschlafen, ohne diesen ewigen Lärm!“, rief Uwe noch im Türrahmen mit seiner Sporttasche. „Uwe, und was ist mit Leonie?“, flüsterte Tina und dachte an ihre fünfjährige Tochter, die gerade seelenruhig in ihrem Zimmer schlief. „Lass dir was einfallen – du bist schließlich die Mutter!“, antwortete Uwe und verließ, begleitet von Knöpfchens Jaulen, die Wohnung… Tina saß die ganze Nacht mit dem Hund in der Küche und drückte ihn fest. Knöpfchen leckte ihr beruhigend die Hände. Sie spürte, dass etwas Schreckliches passiert war… Tage vergingen, bis Tina ihrer Mutter alles gestand. Die rief regelmäßig an und wollte wissen, wie es läuft. Tina behauptete rasch, alles sei in Ordnung, und legte auf. „Und – was ist mit Arbeit? Hast du was gefunden? Du wirst schon sehen, der faule Uwe lässt dich sitzen und du landest auf der Straße!“, sagte die Mutter bei ihrem nächsten Besuch. Da konnte Tina ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie erzählte von den abgelehnten Bewerbungen und Uwes Weggang vor einigen Tagen. Die Mutter stöhnte. Sie hatte mit so einer Wendung nicht gerechnet. „Man hat doch gleich gemerkt, was Uwe vorhat – fünf Jahre zusammen, ein Kind – und trotzdem hat er dich nie geheiratet!“, empörte sich die ältere Frau. Klar tat ihr ihre unvernünftige Tochter und das Enkelkind leid. „Und jetzt?“, fragte sie schließlich. Tina zuckte die Schultern: „Ich bewerbe mich als Erzieherin im Kindergarten bei Leonie“, sagte sie mutlos. „Lange wirst du davon nicht leben können… und den Hund musst du ja auch noch durchfüttern!“, resümierte die Mutter, die ohnehin kein Herz für Tiere hatte – und den von ihrer Tochter aufgelesenen kleinen Knöpfchen schon gar nicht. Sie wollte noch etwas sagen, merkte aber, dass Tina nur mit Mühe die Tränen zurückhielt. „Na gut, weine nicht mehr. Ich helfe dir. Wenn’s sein muss, passe ich auch auf Leonie auf“, sagte sie tröstend… Eine weitere Woche verging. Tina hatte inzwischen tatsächlich eine Anstellung bekommen – zusammen mit Leonie ging sie nun jeden Morgen in den Kindergarten. Das Mädchen war glücklich. „Mama, können wir Knöpfchen als Helferin mitnehmen? Immer schimpft Oma, dass sie zu müde ist zum Gassi gehen. Vielleicht hilft Knöpfchen dir beim Aufräumen und bewacht uns alle beim Mittagsschlaf!“, schlug das kleine Mädchen fröhlich vor. Tina musste lachen und drückte ihre Tochter. Aber bald kamen die Fragen: „Mama, kommt Papa noch mal zurück? Schafft er es bis Silvester?“ Tina brachte es nicht übers Herz, ihr reinen Wein einzuschenken. Sie erzählte von einer eiligen Dienstreise. Sie rief Uwe an und versuchte eine Verabredung zu arrangieren. Doch der blockte ab: „Sei still, Tina, ich muss auch mal was für mich tun! Sag Leonie, ich sei auf geheimer Mission. Bin nicht so bald zurück. Irgendsowas halt“, sagte er am Telefon und fragte noch, ob sie seinen Krawatte gesehen hätte. „Wie soll ich denn bitte ins neue Jahr starten ohne meine Krawatte?“, jammerte er, bevor er auflegte. Tina starrte nachdenklich vor sich hin. Sie wusste nicht, wie sie das neue Jahr allein bewältigen sollte – und wie sie Leonie die Wahrheit erklären sollte. Eines Tages gingen die Oma und die Enkelin zur Kinderärztin. Leonie war gerade krank geworden, erholte sich aber schnell. Da bog Uwe unvermittelt um die Ecke. „Papa! Bist du zurück?“, stürmte das Mädchen strahlend auf ihn zu. Der Mann zuckte zusammen, zwang sich zu einem Lächeln und erklärte seiner Tochter leise, dass er und Mama nicht mehr zusammenleben würden. Dann brach er rasch wieder auf. „Vielleicht schaue ich nochmal vorbei – wenn’s passt!“, sagte er noch. Leonie stand wie versteinert da und flüsterte: „Du brauchst nicht mehr vorbeizukommen.“ Am Abend bekam sie wieder Fieber. Zwei Tage später kam die Kinderärztin nach Hause. Leonie wollte mit niemandem mehr sprechen und schien auch keinerlei Lust zu haben, wieder gesund zu werden. „Vermutlich reagiert sie mit Stress“, sagte die Ärztin, als sie von der Trennung erfuhr. Tina machte sich Vorwürfe: „Ich hätte gleich alles erklären müssen. Sie hätte es verstanden“, meinte sie zur Mutter, die nur den Kopf schüttelte… Bald darauf das nächste Unglück: Die Oma war mit Knöpfchen draußen. In aller Eile ließ sie den Hund ohne Leine laufen. Als die ältere Dame wieder schimpfte, rannte der kleine Hund plötzlich in die andere Richtung davon. „Na dann – erfrier ruhig draußen! Vielleicht kommst du von selbst wieder zurück!“, rief die Großmutter und stapfte ins Haus, um Leonie Medizin zu bringen. Von dem Moment an weigerte sich Leonie, zu essen oder zu trinken. Weder Trösten noch Versprechen, Knöpfchen zu suchen, halfen. „Wenn Knöpfchen wieder da ist, esse ich auch wieder“, erklärte sie und drehte sich an die Wand. „Alles deine Erziehung, Tina. Das Kind ist total verzogen! Das habe ich dir schon immer gesagt…“, begann ihre Mutter. „Kümmer dich lieber um Knöpfchen als um deine Vorwürfe!“, schrie Tina plötzlich. „Also wirklich! Ich mache mir doch nur Sorgen um euch“, entgegnete ihre Mutter und verließ das Haus. Tina war wieder allein. Sie lief abends stundenlang um den Block. Leonie schlief schließlich ein, doch Tina hoffte weiter, dass Knöpfchen zurückfinden würde. Doch vergeblich. Durchgefroren kam sie nach Hause und fiel in einen unruhigen Schlaf… Früh wachte Leonie auf: „Mama, ich habe von einer Tanne geträumt! Wir haben sie geschmückt und Knöpfchen gefunden!“, erzählte sie begeistert. Tina lächelte traurig. Auf dem Tisch stand ein kleiner Plastikbaum. Bald war Silvester, und sie hatten alles vorbereitet, wie sie nur konnten. Doch Leonie war enttäuscht und bestand darauf, dass es unbedingt ein großer, echter Baum sein müsse. „Sonst kommt Knöpfchen auch nicht – wie im Traum!“, weinte sie. Tina seufzte. Ein echter Baum passte nicht ins knappe Haushaltsbudget. Sie rief ihre Mutter an, aber die lehnte einen Besuch schroff ab: „Dir ist irgendein Hund wohl wichtiger als deine eigene Mutter! Denk mal darüber nach!“, sagte sie beleidigt. Tina merkte, dass sie auf Oma nicht zählen konnte. Wenigstens war Wochenende… Leonie ging es weiterhin schlecht, sie wollte nicht aufstehen. Als am Silvesterabend alles bereit war, begann das Mädchen plötzlich zu weinen: „Es gibt keine Tanne, Mama. Und Knöpfchen kommt nie mehr zurück. Papa auch nicht…“ Tina strich ihr über den Kopf und schluckte die Tränen hinunter. Dann bat sie die nette Nachbarin, kurz auf Leonie achtzugeben, und lief hinaus in die frostige Nacht… Der eisige Wind blies ihr ins Gesicht, Schneeflocken tanzten. Die Leute waren fröhlich – nur Tina suchte verzweifelt ihren Hund. „Wo bist du nur, meine Kleine?“, flüsterte sie und durchstreifte immer wieder die Straße. Plötzlich kam sie zu einem kleinen Weihnachtsbaum-Verkauf. Ein knorriger Verkäufer stand bibbernd zwischen den letzten Bäumen. „Noch ‘ne Tanne gefällig? Die letzten beiden, ich mach Rabatt!“, rief er, offenbar in Eile nach Hause. „Wahrscheinlich wartet schon seine Frau mit dem Essen – und die Kinder schauen aus dem Fenster…“, schoss es Tina durch den Kopf. Da lief ein glückliches Paar vorbei und kaufte eine Tanne. „Na, was ist? Nehmen Sie eine? Hier, die letzte! Ich helfe auch gern beim Tragen!“, bot der Mann an. Tina blickte verzweifelt – sie hatte kein Geld. Selbst das wenige, das noch zu Hause lag, hätte nie für den Baum gereicht. Verlegen bemerkte sie die Zweige im Wagen des Mannes. „Darf ich vielleicht… ein paar Tannenzweige nehmen, wenn Sie sie eh nicht mehr brauchen?“, fragte sie vorsichtig. Der Mann schaute sie an, dann auf die Zweigrester. „Natürlich – ich helfe Ihnen!“, sagte er und hob einen großen Arm voll aus dem Wagen. Tina bedankte sich herzlich und begann sich zu rechtfertigen: „Wissen Sie, meine Tochter ist krank… träumt von einer Tanne, unser Hund ist fort… irgendwie ist alles ganz und gar nicht festlich dieses Jahr…“ Der Mann hörte zu. Er war selbst gerade von seiner Frau verlassen worden und vermisste sie schmerzlich. Auch niemand wartete dieses Jahr auf ihn… Da trat ein weiterer Mann an den Stand: „Was kostet die Tanne?“, fragte er und blickte auf das letzte Exemplar. „Die ist schon vergeben. Vielleicht hat mein Kollege noch was!“, erwiderte der Verkäufer. Tina sah ihn überrascht an. „Kommen Sie, ich helfe Ihnen mit dem Baum bis nach Hause!“, lächelte er plötzlich. Da merkte Tina, dass der Kerl doch gar nicht so brummig war, wie er aussah. „Aber ich habe kein Geld…“, stammelte sie. „Ich weiß“, sagte er leise. Und dann geschah etwas Wunderbares, wie es nur an Silvester möglich ist: Der Mann öffnete seinen Lieferwagen – auf dem Sitz schlief Knöpfchen, eingewickelt in einen Wollpullover. Sie begriff erst gar nicht… „Wie… aber… wie kommt Knöpfchen zu Ihnen?“, flüsterte Tina mit Tränen in den Augen. „Knöpfchen? Ich habe sie Tanne genannt. Sie lief hier heute Morgen herum, war völlig verloren… und hat sich dann bei mir zusammengerollt. Ich hab sie ins Auto genommen, damit sie nicht erfriert, armes Ding“, lächelte der Mann. Er hieß Paul. Er liebte Tiere und kam gut mit Kindern klar. Bald kehrte Wärme und Freude in Tinas Wohnung ein – so wie noch nie zuvor. Vielleicht lag es am Zauber dieses besonderen Abends, vielleicht war es Schicksal… Eines ist sicher: Diese neue Familie ist nun glücklich. Und Knöpfchen wird manchmal noch liebevoll Tanne genannt.
Knöpfchen? Ach was, ich hab sie Tanne genannt. Sie ist hier heute Morgen herumgewuselt. Man hat ihr sofort
Homy
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024
Sie nannte sich Waise, um einen reichen Mann zu heiraten, und stellte mich als Nanny für meinen eigenen Enkel ein – gibt es etwas Schmerzlicheres, als dass die eigene Tochter dir einen Lohn zahlt, nur damit du dein Enkelkind in den Arm nehmen darfst? Ich wurde Dienstmagd im Herrenhaus meiner Tochter, trug Uniform, schwieg und senkte den Kopf, um dem Kind nahe zu sein. Für ihren Ehemann war ich „Mary“ – die Frau aus der Agentur. Doch als mein Enkel mich am Geburtstag „Oma“ nannte, wurde ich entlassen, um ihrer großen Lüge willen. Ist es gerechtfertigt, für die Liebe zur Familie eine solche Lüge zu leben, oder findet die Wahrheit immer ans Licht?
Sie sagte, sie sei eine Waise, nur um in eine reiche Familie einzuheiraten, und stellte mich als Kindermädchen
Homy
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037
Papa, erinnerst du dich noch an Nadja Alexandrowna Martynenko? Es ist schon spät, aber komm bitte morgen zu mir. Dann stelle ich dir meinen kleinen Bruder und deinen Sohn vor. Das war’s. Bis morgen! Der Junge schlief direkt vor ihrer Wohnungstür. Irina wunderte sich: Warum schläft ein Kind so früh am Morgen in einem fremden Treppenhaus? Sie war Lehrerin mit zehn Jahren Berufserfahrung und konnte einfach nicht achtlos vorbeigehen. Vorsichtig beugte sie sich zu ihm hinunter und schüttelte sanft seine schmale Schulter: „Hey, junger Mann, aufwachen!“ „Was?“, murmelte der Junge und richtete sich unbeholfen auf. „Wer bist du? Warum schläfst du hier?“ „Ich schlafe nicht. Ihr Fußabtreter ist nur so weich. Ich habe mich gesetzt und bin aus Versehen eingenickt“, antwortete er. Irina wohnte in diesem Haus erst seit einem halben Jahr. Nach der Scheidung hatte sie die Wohnung gekauft. Sie kannte die Nachbarn kaum, aber ihr war klar: Das Kind kommt nicht aus diesem Haus. Er war etwa zehn, vielleicht elf Jahre alt, trug zwar alte, aber saubere Kleidung und tippelte nervös von einem Bein aufs andere. Irina merkte sofort, dass der Junge auf die Toilette musste: „Los, schnell. Ich muss gleich zur Arbeit.“, sagte sie, während sie ihn in die Wohnung ließ. Misstrauisch sah er sie mit seinen ungewöhnlich hellblauen Augen an. „So eine Augenfarbe sieht man selten“, dachte sie flüchtig. Während ihr Gast nach dem Toilettengang die Hände wusch, machte Irina ihm ein paar Wurstbrote. „Hier, iss etwas.“ „Danke!“, der Gast stand schon in der Tür, „Sie haben mich gerettet. Jetzt kann ich in Ruhe warten.“ „Auf wen wartest du denn?“, fragte Irina. „Auf Oma Antonina Petrowna. Sie wohnt direkt neben Ihnen. Vielleicht kennen Sie sie?“ „Antonina Petrowna kenne ich ein wenig, aber sie wurde vorgestern mit dem Notarzt ins Krankenhaus eingeliefert. Ich kam gerade von der Arbeit, als sie sie mit der Trage aus dem Haus brachten.“ „In welches Krankenhaus?“, fragte der Junge besorgt. „Gestern hatte die 20. Städtische Notdienst. Wahrscheinlich ist sie dorthin gebracht worden.“ „Verstehe. Wie heißen Sie eigentlich?“, fragte der Junge jetzt, nachdem er sich von seiner Retterin überzeugen wollte. „Irina Fjodorowna“, antwortete sie bereits im Gehen, auf dem Sprung zur Arbeit. In der Schule raubten ihr Arbeit und Alltag den letzten Nerv, doch der Gedanke an den Jungen ließ sie nicht los. „Wahrscheinlich ist mein unerfüllter Mutterinstinkt in mir wach geworden“, dachte Irina traurig. Sie hatte keine eigenen Kinder und war deshalb von ihrem Mann getrennt. Er war zu einer Frau gegangen, die ihm eine Tochter geboren hatte. In der großen Pause rief Irina im Krankenhaus an und erfuhr, dass die Nachbar-Oma mit einem Schlaganfall eingeliefert worden war. Die Prognose war nicht gut – immerhin war sie schon 78. Nach der Arbeit sah sie den Jungen wieder – er wartete im Hausflur auf der Fensterbank. „Ich habe auf Sie gewartet“, freute er sich. „Oma bleibt noch lange im Krankenhaus, ich durfte nicht zu ihr.“ Sie fragte ihn nach seinem Namen. Der Junge hieß Fjodor – oder wie er selbst betonte, Fjodor, nicht Fedja. Nach einer kleinen Stärkung nahm Irina den Jungen beiseite: „Bist du weggelaufen? Deine Eltern suchen dich sicher!“ „Ich habe keine Eltern mehr. Ich wohne bei meiner Tante.“ „Dann macht sich deine Tante Sorgen!“, meinte Irina. „Nein. Ich habe ihr gesagt, dass ich zu Oma gehe. Sie weiß nicht, dass Oma im Krankenhaus ist. Zu ihr will ich nicht unbedingt zurück, auch wenn sie nett ist und fast nie trinkt. Aber ihr Mann, mein Onkel, der trinkt jeden Tag, wird böse, und sie haben schon vier Kinder, bald fünf… Da passe ich gar nicht mehr dazu. Sie meinten, mich ins Heim zu bringen, aber das will ich nicht. Sind Sie sauer, dass ich Sie so aufhalte? Mama meinte immer, ich sei ein hyperaktives Kind – ganz der Papa, auch so helläugig. Mama ist seit zwei Jahren tot.“ „Wie hieß deine Mama?“ „Nadja Alexandrowna Martynenko. Sie war lieb und schön. Sie arbeitete als Sekretärin beim Direktor eines Chemiewerks, aber den Namen weiß ich nicht mehr.“ „Und dein Papa?“ – Irina horchte nun auf. „Gab’s nicht. Ich hatte nie einen Vater“, erwiderte Fjodor traurig. Da traf Irina ein Geistesblitz: Seine Augen! Genau so einen Blick hatte nur einer – ihr eigener Vater. Und der war Direktor eines Werks! Irina war wie der Atem geraubt: „Die Affäre zwischen Direktor und Sekretärin – wie banal! Hat er gewusst, dass sie von ihm schwanger war? Hat er ihr Verschwinden bemerkt?“ Und sie? Sie nannte den Jungen Fjodor – wie ihn… Sie muss ihn sehr geliebt haben. Irina war das einzige Kind gewesen und hatte sich immer einen Bruder oder eine Schwester gewünscht. „Hol doch bitte schnell ein Brot aus dem Laden direkt gegenüber“, bat Irina Fjodor und schickte ihn los. Sofort rief sie ihren Vater an: „Papa, erinnerst du dich noch an Nadja Alexandrowna Martynenko? Es ist schon spät, komm bitte morgen zu mir. Ich stelle dir deinen kleinen Sohn und meinen Bruder vor. Bis morgen, alles Weitere dann!“ „Ich habe dir das Sofa im Wohnzimmer gemacht. Geh duschen, dann schlafen“, wies Irina den Jungen an, als er zurückkam. Wie es weitergehen würde, wusste sie nicht – aber eins war klar: Ihren kleinen Bruder würde sie nicht zu problematischen Verwandten geben und erst recht nicht ins Heim! Am nächsten Morgen kam ihr Vater. An Wochenenden schlief Irina sonst immer aus – heute war sie früh auf den Beinen. Sie hatte kaum geschlafen. Ihren Vater liebte sie sehr. Er war immer für sie da, im Gegensatz zu ihrer Mutter – unterstützte sie bei Studienwahl und durch die Scheidung. Er war, wie immer: gepflegt, ruhig, im gebügelten Anzug, glänzende Schuhe, ein Hauch von teurem Parfum – ein stattlicher Mann. „Na, was hast du dir da wieder ausgedacht? Einen Bruder hast du gefunden! Ich konnte kaum schlafen, war so aufgeregt!“, rief er schon im Flur. „Sei leise, Papa, mein Gast schläft noch“, führte Irina ihn in die Küche. „Setz dich zum Frühstück, du bist sicher hungrig.“ Beim Frühstück schilderte Irina die Situation. „Das ist ja komisch! Ja, ich hatte eine Sekretärin: Nadja Martynenko. Klug, jung, schön. Ich gestehe: Irgendwann konnte ich ihrem Charme nicht widerstehen. Ein Mann ist schließlich auch nur ein Mensch! Aber meine Frau hätte ich nie verlassen… Einmal fragte Nadja, ob ich nicht auch einen Sohn wollten würde. Ich sagte, ich hätte schon eine Tochter, brauche keinen Sohn mehr. Wenig später war ihre Mutter krank, Nadja wollte sich kümmern und zog aufs Land. Nach etwa einem Jahr kam sie zurück. Frisch und gelassen. Ich scherzte: ‚Hast du geheiratet?’ Sie: ‚Ja, und einen Sohn habe ich jetzt.’ Aber ihr Familienname blieb der gleiche. Doch irgendwann wurde sie krank und starb. Erst als ich einen Antrag auf Unterstützung unterschrieb, erfuhr ich davon. Sie war noch so jung. Aber, Irina: Sie hatte einen Mann – willst du mir wirklich einen Sohn unterschieben?“, schloss er. In dem Moment kam der Junge in die Küche, grüßte höflich – und der Vater erblich vor Staunen: Die Ähnlichkeit war nicht zu übersehen. „Komm, wir stellen uns vor…“, sagte der Vater und reichte dem Jungen die Hand. „Fjodor Nikolajewitsch.“ „Fjodor Fjodorowitsch Martynenko“, antwortete der Junge und legte seine Hand in die große Männerhand. Sie blickten sich gleichzeitig überrascht an. „Heute habe ich nur Fjodors zu Gast!“, lächelte Irina bewegt. Der Junge ging sich frisch machen, und der Vater sagte: „Unfassbar! Der Junge sieht aus wie ich damals. Aber Nadja hatte einen Mann!“ „Papa, sie hat sich die Ehe nur ausgedacht, um dir kein schlechtes Gewissen zu machen! Schau in die Personalakten: Wann war sie in Elternzeit? Fjodor schwört, er hatte nie einen Vater!“, erwiderte Irina. „Aber Nadja hatte keine Geschwister. Wer sind dann die Tante und Oma?“, wunderte sich der Vater. Nun mischte sich der Junge ein, der den letzten Teil des Gesprächs mitangehört hatte. „Tante Walja ist eigentlich nur eine entfernte Verwandte. Sie kamen, als meine Mutter schon schwer krank war. Oma Tonja ist Waljas Mutter. Nach Mamas Tod haben sie mich mitgenommen. Sie kriegen sogar Geld für mich. Der Onkel schimpft immer, es sei zu wenig. Ich hab Sie wiedererkannt, Fjodor Nikolajewitsch! Das Foto von Ihnen stand bei Mama immer am Spiegel, später im Fotoalbum. Ich dachte erst, Sie wären ein Schauspieler. Ich habe Mama gefragt, wer das sei. Sie wollte es mir erklären, wenn ich größer bin.“ Irina gab dem Jungen Frühstück und schickte ihn ins Kino – das war gleich um die Ecke. „Na, Papa, hast du noch Zweifel?“, fragte Irina. „Wohl kaum. Wir müssen aber einen Vaterschaftstest machen und alles gerichtlich klären“, antwortete der Vater. Es folgten der unvermeidliche Nervenzusammenbruch, die vorgetäuschte Hypertoniekrise und angeblich ein drohender Herzinfarkt bei Ludmilla Iwanowna – der Ehefrau von Fjodor Nikolajewitsch. Doch sie fuhr schließlich an die Ostsee und erst viel später traute sie sich, Fjodor kennenzulernen. Fjodor gefiel ihr, aber aufnehmen wollte sie ihn nicht. Zu Besuch: ja. Für immer: Nein. „Mein schlechtes Nervenkostüm!“, sagte sie. „Und meine Haushälterin ist keine Erzieherin!“ Niemand drängte sie. Fjodor Nikolajewitsch verbrachte viel Zeit mit dem Jungen, entdeckte Parallelen zwischen ihnen – zum Beispiel mochten beide keinen Grießbrei, aber liebten Katzen, lispelten ein wenig und, nicht zu vergessen: Die offensichtliche äußere Ähnlichkeit… Endlich waren alle Formalitäten erledigt, die Vaterschaft anerkannt – ein Prozess, der sich zwei Monate hinzog. Fjodor Nikolajewitsch kam zu Irina, rief den Jungen zu sich und sagte: „Ab heute bist du gesetzlich mein Sohn. Das ist dein neuer Ausweis. In Wahrheit warst du es immer, aber ich wusste es nicht. Vergib mir bitte, wenn du kannst! Du musst mich nicht Papa nennen, aber vergiss nie: Jetzt bist du nicht mehr allein auf dieser Welt. Ich bin dein Vater, Irina deine Schwester.“ „Ich habe gleich gewusst, dass du mein Papa bist! Als ich dich das erste Mal sah“, lächelte Fjodor. „Ach, wie schlau die heutigen Kinder sind…“, schmunzelte der Vater und nahm seinen Sohn in den Arm. Irina bemerkte die Tränen im Blick ihres Vaters. Fjodor blieb bei ihr wohnen, besucht aber gelegentlich Ludmilla Iwanowna – der Vater kommt fast täglich. Und Irina und Fjodor holten sich ein Kätzchen… Ein alter Mann verschenkte vor dem Supermarkt Katzenbabys – Fjodor nahm das Schwächste. Sie nannten es Murzik. In diesem Moment war Fjodor der glücklichste Mensch der Welt! PS: Fjodor Nikolajewitsch ließ für Nadja ein weißes Marmordenkmal fertigen. Gemeinsam mit Fjodor bringt er oft frische Blumen ans Grab. Eines Tages, als sie Blumen brachten, sagte Fjodor: „Weißt du, Papa, Mama hat einen Tag vor ihrem Tod gesagt, ich solle nicht traurig sein. Sie verschwindet ja nicht wirklich, sie kommt nur in eine andere Welt und passt von dort auf mich auf. Sie wolle mir helfen, so gut es geht. Ich glaube jetzt, sie hat dich und Irina zu mir geführt! Das weiß ich ganz sicher! Glaubst du mir, Papa?“ „Natürlich glaube ich dir“, sagte der Vater.
Papa, erinnerst du dich an Gudrun Schneider? Heute ist es schon spät, aber komm morgen zu mir.
Homy
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058
Als ich nach Hause kam, stand die Tür offen: Mein erster Gedanke – ein Einbrecher war hier und hoffte, Geld oder Schmuck zu finden. Mein Name ist Larissa Dietrich, ich bin zweiundsechzig und seit fünf Jahren allein. Im Sommer lebe ich im kleinen Häuschen außerhalb von München und genieße das Landleben, im Winter kehre ich in meine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Stadt zurück. Doch nach einer Woche Abwesenheit entdecke ich, dass in meinem Haus ein Junge geschlafen hat – und damit beginnt für mich und kleinen Ivan eine ganz unerwartete Wendung des Lebens.
Als ich zurückkam, stand die Haustür offen. Mein erster Gedanke war jemand ist eingedrungen.
Homy
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010
Sie wollte nie die steinigen Wege gehen, die das Leben ihr bereitet hat – es ist einfach so gekommen. Sie hat sich ihre Geschichte nicht ausgesucht… Ihre Geschichte hat sie ausgesucht. Es ist eine Erzählung von Herzschmerz und Enttäuschung, von Stürzen und Niederlagen, Kampf und Verlust. Doch darüber hinaus ist es die Geschichte eines Aufstehens aus der Asche, jedes Mal stärker zu werden, aus jedem Fehler zu lernen und nach jedem Bruch an Schönheit zu gewinnen. Man nennt sie vielleicht kühl, unnahbar oder streng – doch das liegt nur daran, dass kaum jemand hinter ihre harte Schale blickt… Nicht um andere auszusperren, sondern um sich selbst zu schützen. Sie wurde oft verletzt – von Partnern, Freunden, sogar der Familie… und der bittere Nachgeschmack davon bleibt. Vielleicht empfängt sie nicht mehr jeden mit offenen Armen – nicht weil sie distanziert ist, sondern weil sie nun genau auswählt, wem sie nah kommt. Sie hat sich geschworen, niemanden mehr unwürdig in ihr Leben zu lassen… Wer ihr Herz erreicht, hat es sich verdient – denn sie ist es wert und noch so viel mehr. Viele verstehen sie nicht, und Männer haben stets ihre Meinung über sie, aber nur schwache Menschen machen die Starken schlecht, die sie nicht kontrollieren können. Sie wird sich nicht verbiegen, um anderen zu gefallen, und gibt sich nicht anders, als sie ist. Sie ist echt, leidenschaftlich – und für die, die sie liebt, immer da… Alle anderen müssen sich ihre Zuneigung erst verdienen. Vielleicht ist sie nicht die Beliebteste, doch ein paar echte Freunde sind ihr lieber als viele falsche. Täusche dich nicht an ihrer rauen Schale – sie besitzt ein Herz aus Gold und eine tiefe Seele… Und sie wird immer Haltung, Anspruch und Hoffnung bewahren, denn sie will wachsen und sich über den Alltag erheben. Wenn du ihr begegnest, sieh das Wunder einer Frau, die durch das Feuer ihres Lebens neu geboren wurde. Sie ist einzigartig – mit Recht, denn sie hat überstanden, was andere zerbrochen hätte, und das mit einem Lächeln auf den Lippen und Liebe im Herzen. Sie ist und bleibt die Frau, die sich nicht definieren, fassen oder leicht verstehen lässt… genau so, wie sie es will. Sie ist, und sie bleibt… Unvergesslich. | Rabenwolf
Sie wollte nie jene dunklen Wege gehen, doch im Traum zog sie das Leben endlose, gepflasterte Alleen
Homy
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010
Kater stolpert zufällig über ein Smartphone… Der Gegenstand roch nach Mensch und war überraschend warm. Gemütlich machte er es sich darauf bequem, umklammerte das Handy mit den Pfoten, legte sich obenauf – und plötzlich schaltete sich das Smartphone von einer sanften Katzenberührung ein. Rita hatte sich kaum über ihr neues Smartphone gefreut, da stellte es sich auch schon als Montagsgerät heraus: Es wurde bei jeder Berührung heiß. Und dann hat sie es auch noch verloren. So schade… Das Handy war super: großes Display, starker Akku – doch gerade der wurde ihr zum Verhängnis. Doch umtauschen? Unmöglich – das Gerät ist ja weg. Rita schimpfte sich selbst eine „dumme Gans“, griff zu ihrem alten Nokia-Knochen und wählte ihre eigene Nummer. Es klingelte, aber niemand hob ab. Nach ein paar Tropfen Baldrian legte sich Rita hin und versuchte zu überlegen, wo sie heute überall gewesen war. Vielleicht findet sie das Handy, wenn sie den Weg nochmal abläuft. Plötzlich vibrierte etwas unter ihrer Hand – jemand rief an. Auf dem Display erschien ihre eigene Nummer. „Hallo? Wer ist da?“ Nur ein Rascheln, kurze Atemzüge… und plötzlich: „Miau…“ Rita legte entsetzt auf. „Da treibt doch jemand seinen Schabernack“, dachte sie gereizt. Leider hatte sie keine Displaysperre eingerichtet – jetzt spielt jemand mit ihrem Handy. Doch der nächste Anruf ließ nicht lange auf sich warten. Schon wieder Atemgeräusche, wieder ein „Miau“, sobald sie sich meldete. „Hören Sie auf, mich anzurufen!“, platzte es aus ihr heraus. Aber die Anrufe hörten nicht auf. Schließlich war Rita alles egal – sie zog sich an und ging hinaus. Das Klingeln kam eindeutig von draußen – der „Spaßvogel“ musste also noch am Fundort sein. Sie marschierte ihre heutige Route ab, während sie immer wieder ihre Nummer wählte. Plötzlich hörte sie ganz in der Nähe ihren Klingelton. Entschlossen ging sie dem Ton nach, bereit, den frechen Finder zur Rede zu stellen. Währenddessen saß der Kater zufrieden an das warme Gerät gekuschelt und beobachtete fasziniert, wie das Ding „lebendig“ wurde und sprach. Er beschnupperte es, und das Handy murmelte weiter vor sich hin. Also antwortete der Kater höflich. Das Smartphone verstummte. Als der Kater es mit der Pfote nochmals antippte, begann es erneut zu reden – und wurde dabei noch wärmer. Draußen war es kalt, und dieses seltsame Gerät war wie eine kleine Wärmflasche. Wieder ein Pfotenstupser, und plötzlich erklang ein Lied. Erschrocken hieb der Kater kräftig darauf, aber das Handy sang einfach weiter. Im Kampf mit dem „singenden“ Gegenstand bemerkte er erst gar nicht, dass er nun nicht mehr alleine unter dem Baum war. Ritas Entschlossenheit verflog auf einen Schlag, als sie den „Übeltäter“ sah: Unter dem Baum saß ein roter, etwas verwahrloster Kater, der das Smartphone eifrig mit den Pfoten traktiert, um es zum Schweigen zu bringen. Doch noch ehe Rita reagieren konnte, stürzte sich der Kater wie ein alter Freund auf sie. Er schnurrte, schmiegte sich an ihre Hände und gab sich ihrer Zuneigung so hemmungslos hin, dass Rita vor lauter Überraschung ganz gerührt war. Der Kater rieb seinen Kopf an ihre Wangen, als ob er sie küssen wollte. Sie spürte, wie kalt er war – kein Wunder, dass er sich am heißen Handy gewärmt hatte. Mit dem Handy in der Tasche und dem Kater im Arm schlenderte Rita langsam nach Hause und dachte über Liebe auf den ersten Blick nach. Wie sehr sie dieses rote Fellknäuel mochte! Nach diesen liebevollen Gesten hätte sie ihn niemals unter dem Baum zurücklassen können. Und der Kater, bis über beide Ohren glücklich, schmiegte sich immer wieder an ihre Lippen und ihr Kinn, auch wenn Rita versuchte, auszuweichen – wobei sie angeben musste, dass es ihr insgeheim sehr gefiel. Wer hätte gedacht, dass ein Straßenkater so verschmust sein kann? Die Erklärung war denkbar einfach… Der Kater war völlig benebelt vom Baldriangeruch, den Rita sich eine Stunde zuvor zur Beruhigung auf die Haut geträufelt hatte.
Der Kater stolperte wie durch Zauberhand über ein Handy Das Gerät roch nach Mensch und strahlte eine
Homy