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010
„Lass doch nach, du bist doch die Ältere!“ – Wenn Gerechtigkeit in der Familie zur Prüfung wird
Ich hatte sie zuerst genommen! Hannas aufgebrachte Stimme hallte durch die Küche. Nein, ich!
Homy
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011
Lass ihn in Ruhe „Liebling, er hat von deiner Sorte mindestens ein Dutzend.“ Die fremde Frau bohrte ihren Blick in Veronikas Augen. „Lass mich raten: Du träumst bestimmt schon von der Hochzeit, oder?“ „Da muss ich dich leider enttäuschen – eine Hochzeit wird es nicht geben …“ „Gib Maxim frei und stell dich mir nie wieder in den Weg – sonst wirst du es bereuen. Das verspreche ich dir!“ *** Veronika wurde in Berlin geboren und wuchs dort auf. Ihre Eltern gaben ihr und ihrer älteren Schwester einen guten Start ins Leben, schenkten beiden zum 18. Geburtstag jeweils eine eigene Wohnung. Veronika war sicher: Die Pflicht der Eltern war getan, sie hatte eine solide Ausbildung bekommen und war nun selbst verantwortlich für ihr Leben. Schon zum Studienbeginn suchte sie sich einen Job und war seitdem nie mehr finanziell von ihren Eltern abhängig. Diese frühe Selbstständigkeit lehrte Veronika, ihre Probleme selbst zu lösen; die Eltern wussten kaum, was in ihrem Leben wirklich vorging. Als sie Maxim kennenlernte, beschloss Veronika, ihre Familie noch nicht in die Beziehung einzuweihen. In den letzten zwei Jahren gab es etwas Entfernung zwischen ihr und ihrer Mutter. Vera Iljinitschna, seit kurzem in Rente, wollte unbedingt Oma werden und träumte davon, endlich Enkel von der jüngeren Tochter zu bekommen. „Kind,“ hörte Veronika bei jedem Besuch, „deine große Schwester Julia hat schon ein Kind. Wann bist du dran?“ Veronika hatte genug vom Thema, denn das Beispiel der Schwester war abschreckend: Mit 19 geheiratet, schnell ein Kind bekommen, das Studium abgebrochen – und seitdem Hausfrau geworden, mit der es kaum noch Gesprächsthemen gab. Veronika hatte andere Pläne: Heiraten wollte sie eher mit 30, Kinder mit 35 – dann würde sie auf sicherem finanziellen Fundament stehen, drei Jahre Elternzeit locker stemmen und keine Sorgen haben. Auf Unterstützung anderer wollte sie nicht bauen. Doch Vera Iljinitschna hielt von diesen Plänen nichts: „Deine Einstellung ist falsch. Für das Geld in der Familie ist immer der Mann zuständig. Deine Aufgabe ist es, den richtigen Partner zu finden, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Das andere sollte dich nicht bekümmern!“ Veronika antwortete geduldig: „Siehst du nicht, wie abhängig Julia von Sergej ist? Sie bettelt ständig um Geld, und wenn er nicht gibt, holt sie es sich von euch. Das will ich nicht. Ich will nicht abhängig sein!“ „Veronika, so ist das eben. Bei deinem Vater und mir war das auch so. Acht Jahre war ich nur für euch Kinder da – und trotzdem haben wir es geschafft! Zusammen.“ „Du hast Papa aus Liebe geheiratet – genau das will ich auch. Wenn mir einer begegnet, den ich lieben und von dem ich Kinder will, dann ja. Aber irgendwen heiraten, wie Julia, das mache ich nicht.“ *** Mit Maxim lernte Veronika genau rechtzeitig kennen – ein paar Monate vor ihrem 30. Geburtstag. Er war charmant, modern, behandelte sie als Gleichberechtigte und drängte nicht auf Dominanz. Veronika ließ sich Zeit – es sollte alles im eigenen Tempo laufen. *** Sie waren fast ein Jahr zusammen, ohne je über Hochzeit zu sprechen. Das störte Veronika nicht, bis sie sich einer Freundin, Viola, anvertraute. Violas Frage ließ Zweifel keimen: „Bist du sicher, dass er es ernst meint? Mein Viktor hat mir nach drei Monaten einen Antrag gemacht! Du kennst weder seine Eltern noch seine Freunde… Versteckt er dich? Hat er vielleicht noch jemand anders?“ Erst jetzt dachte Veronika nach, warum Maxim ihre Beziehung nicht ernster machte. Sie trafen sich meist bei ihr, selten blieb er über Nacht. Als sie das Gespräch auf die Zukunft lenkte, wollte sie mehr über seine Familie erfahren. Maxim wich aus, beantwortete Fragen nur knapp, mied das Thema Kennenlernen der Eltern. Als Veronika aber nicht locker ließ, willigte er ein: Erst die Freunde, dann die Familie. *** Das Wochenende mit seinen Freunden war sehr angenehm – aber seltsam: Keiner der Männer im Kreis war verheiratet, keine Eheringe, alle zwischen 35 und 45. „Sind bei euch alle Singles?“ fragte Veronika. Maxim lachte: „Scheint so. Unsere Clique ist eben so. Jetzt bist du dran – wann lernen wir deine Eltern kennen?“ Das Treffen mit ihren Eltern verlief großartig, Maxim punktete, war charmant und offen. Erstmals erfuhr Veronika selbst, dass Maxim eine eigene Wohnung in der Berliner Innenstadt hatte. Sie war nun glücklich – der nächste Schritt war nur noch das Kennenlernen seiner Eltern. Doch dazu kam es nicht. *** Eines Abends rief Maxim an: „Warte heute nicht auf mich, Schatz, wichtiger Mandant, viel Geld im Spiel. Morgen sehen wir uns.“ Veronika wünschte ihm Glück – da klingelte es an ihrer Tür. Sie dachte, Maxim habe es sich anders überlegt – doch vor ihr stand eine elegante, unbekannte Brünette. „Guten Abend. Ich müsste dringend mit Ihnen sprechen. Darf ich reinkommen?“ Drinnen rechnete Veronika mit allem, doch die Fremde begann unvermittelt: „Ich wollte der Frau in die Augen sehen, die so selbstbewusst in eine fremde Ehe drängt und versucht, dem Vater von zwei Kindern die Familie zu nehmen.“ Veronika ahnte sofort, wen sie vor sich hatte. Die Fremde fuhr fort: „Normalerweise lasse ich meinem Mann kleine Abenteuer durchgehen. Sechzehn Jahre Ehe – da hat man sich aneinander gewöhnt. Aber seine Nebenbeziehungen dauern selten länger als ein paar Monate. Mit Ihnen läuft das jetzt schon ein Jahr!“ „Ich will nicht glauben, dass Sie für unsere Familie wirklich eine Bedrohung sind – aber jetzt musste ich einen Detektiv beauftragen.“ „Veronika, ich bitte Sie, lassen Sie meinen Mann in Ruhe! Sie verstehen sicher, ich werde den Vater meiner Kinder nicht einfach so hergeben. Und wenn es darauf ankommt, dann wird Maxim sich gegen Sie entscheiden.“ „Die Kanzlei gehört meinem Vater. Alles, was Maxim hat, verdankt er ihm. Denken Sie mal nach, ob Sie sich das wirklich antun wollen.“ Die Frau ging. Veronika brach in Tränen aus, rief Maxim an. „Du bist verheiratet! Hast zwei Kinder! Warum hast du mich so lange belogen? Deine Frau war hier!“ Maxim blockte: „Wir reden später. Ich habe zu tun.“ Und legte auf. Sie erreichte ihn nie wieder. Vermutlich wechselte Maxim seine Nummer, denn Veronika versuchte es über Freunde, Familie, Kollegen – er blieb verschwunden. Monatelang litt sie unter der Trennung, ihren Eltern sagte sie nichts. Sie erklärte, sie habe sich von dem erfolgreichen Anwalt getrennt – angeblich, weil sie nicht zusammenpassten. Es dauerte anderthalb Jahre, bis Veronika wieder bereit war, jemand anderem eine Chance zu geben.
– Lass ihn in Ruhe. – Liebes, du bist doch nur eine von vielen, zischte die fremde Frau und
Homy
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08
Im Gegensatz zu ihr: Wie unsere Nachbarin zur wahren Oma wurde und warum meine Schwiegermutter lieber alleine bleibt – Eine Geschichte über Familie, Enttäuschungen und überraschende Herzlichkeit im deutschen Alltag
Damals, als ich noch jung war, erinnere ich mich lebhaft an einen ganz bestimmten Abend in München, als
Homy
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011
Du bist und bleibst die Beste Die Hochzeit im Dorf war ein echtes Fest – Dasha und Hermann gaben sich das Jawort. Wie immer wurde ein ländliches Fest ausgelassen gefeiert, und auch danach saßen die Lustigen noch lange zusammen, gröhlten Lieder in den Stuben oder sogar einfach auf einer Bank vor irgendeinem Haus – im Dorf findet sich immer ein Anlass zum Feiern. Dasha und Hermann lebten gleich nach der Hochzeit getrennt von den Eltern im Häuschen von Hermanns Oma. Hermann arbeitete als Fahrer auf einem Sprinter, brachte Waren aus der Stadt in die beiden Dorfläden. Die beiden waren noch nicht lange zusammen, als Hermann wusste: Aus dem bescheidenen und herzigen Mädchen wird mal eine fürsorgliche Ehefrau. Zwei Monate Beziehung, dann kam schon der Heiratsantrag. „Dasha, lass uns heiraten“, schlug Hermann eines Abends bei einem Spaziergang vor. „Was, so schnell?“ – „Warum warten – wir kennen uns doch schon seit der Schule, auch wenn ich zwei Jahre vor dir fertig war. Also, sag jetzt: Möchtest du?“ „Ich will“, antwortete Dasha fröhlich. Dasha Mutter war erstaunt, als sie von dem Antrag erfuhr. „Och Kind, das geht aber fix beim Hermann, bin mir nicht sicher, ob das wirklich Liebe ist… Was empfindest du denn für ihn?“ „Ich mag ihn. Es ist gut so.“ „Hauptsache, du triffst die richtige Wahl, mein Mädchen. Ein Mann sollte zuverlässig sein – eine Mauer im Leben.“ Im Dorf bemerkte inzwischen jeder, dass Michael in letzter Zeit gerne mal einen über den Durst trank. Eigentlich war er ein anständiger, wenn auch schüchterner Kerl. Doch seit er sich bei diesen Nichtsnutzen einnistete, die den ganzen Tag nur abhängen und trinken… „Tanja, was ist nur los mit deinem Michi?“ wunderten sich die Nachbarn. „Guter Junge, arbeitet als Mähdrescherfahrer – und jetzt versäuft er alles. Die werfen ihn noch raus, so eine verantwortungsvolle Arbeit…“ Mehrere Monate hörte Michael nicht mit dem Trinken auf. Seine Mutter kämpfte mit ihm, redete mal gut zu, schimpfte, aber nichts half. Während der Erntezeit erschien er nicht zur Arbeit – Schluss, raus. Früher war er einer der fleißigsten Fahrer gewesen, kannte jede Maschine in- und auswendig. „Was ist bloß mit dem Michael“, schüttelte Oma Evdoika den Kopf, als sie Tanja traf. „Hab ihn neulich wieder betrunken gesehen, wie schade…“ Tanja hatte keine Ahnung, was los war. Zu Hause lag Michael auf dem Sofa und murmelte vor sich hin. Sie beugte sich über ihn: „Dasha… warum nur… warum hast du ihn geheiratet… ich liebe dich doch…“ „Mein Gott, etwa wegen der Dasha von der Post? Unser Michael ist verliebt? Wer hätte das gedacht? – Er war immer so schüchtern, mit Mädchen hat er nie gesprochen…“ Am selben Tag kam Dasha an Tanjas Haus vorbei, brachte Briefe. Tanja wartete schon. „Dasha, warum hast du Hermann geheiratet? Michael ist jetzt am Boden, vielleicht trinkt er deswegen. Warum hast du uns das angetan?“ Dasha war völlig überrascht: „Tanja, ich weiß nicht, wovon du redest…“ Doch Tanja ließ nicht locker. „Michael liebt dich! Habs heute gehört. Er ist eben scheu…“ „Aber ich wusste das nicht, wirklich! Er hat mir nie seine Liebe gezeigt…“, versicherte Dasha. „So ist er nun mal… Aber red bitte mit ihm, ja? Vielleicht kommt er wieder zur Vernunft.“ Zwei Tage später begegnete Dasha Michael, gerade als der mit seinen Kumpels am Straßenrand Bier trank. Sie setzte sich zu ihm auf einen Stamm: „Wie lange geht das schon, Michael – diese Liebe?“ „Schon seit der Schule…“, gestand er nach langem Zögern. Dasha erklärte ihm: „Wenn man jemanden liebt, dann will man das Beste für den anderen. Wer aber trinkt, macht nur sich und seiner Mutter das Leben schwer… Du bist ein Mann, reiß dich zusammen. Und außerdem – so schön bin ich gar nicht! Schiefe Beine, chaotischer Haushalt, schlecht gelaunt – warum um mich weinen? Du findest noch eine bessere. Bitte, tu’s für deine Mutter.“ Er schwieg und sie ging weiter. Doch im Gehen hörte sie sein leises Murmeln: „Du bleibst trotzdem die Beste…“ Einige Tage später wunderte sich Dasha: Michael war plötzlich nirgends mehr zu sehen. Von Tanja erfuhr sie: „Er hat mit dem Trinken aufgehört, Dasha – du hast mit ihm gesprochen, nicht wahr? Vielen Dank, er hilft mir jetzt sehr im Haus…“ Mit einem Lächeln verteilte Dasha weiter ihre Post. Doch dann sah sie Hermanns Sprinter wieder am Laden stehen – obwohl er eigentlich in der Stadt sein müsste. Sie ging in den Laden, wo sie ihren Mann innig mit Verkäuferin Tatjana erwischte. Schnell war im Dorf die Scheidung bekannt. Dasha reichte ein: Ihr Mann hatte sie mit Tatjana betrogen. Wieder wusste es jeder vorher, nur die Ehefrau erfährt es zuletzt. Tanjas Mutter kam nach Hause: „Michael, Dasha ist geschieden! Hermann ist fremdgegangen. Jetzt gibt’s eine neue Chance! Dein alter Chef nimmt dich wieder, du kannst sofort wieder als Mähdrescherfahrer anfangen.“ Kurze Zeit später ging ein neues Gerücht durchs Dorf: „Hast schon gehört? Der Michael und Dasha von der Post heiraten!“ Bei der Hochzeit leuchtete Tanjas Mutter vor Freude. Und die Nachbarinnen bestätigten: „Michael ist ein ruhiger, fleißiger Kerl, er wird ein guter Ehemann. Sie werden glücklich!“ Und Hermann? Soll mit Tatjana seines Glück versuchen. Einige Zeit später. Michael kommt nach Hause, Dasha serviert Suppe und selbst gebackenen Kuchen. „Du bist die Beste, Dasha“, schwärmt Michael. Dasha lacht: „Ach was, ich bin doch so unangenehm…“ Michael blickt sie liebevoll an: „Für mich bist du immer die Beste.“ „Und, Michael – ich bin schwanger!“ Er springt auf, strahlt: „Ich wusste es! Du bist und bleibst die Beste!“ Dasha brachte eine Tochter zur Welt und drei Jahre später einen Sohn. Besonders glücklich: Schwiegermutter Tanja, die ihre Schwiegertochter und Enkelkinder über alles liebt. Das Dorfleben nahm seinen Lauf.
Du bist trotzdem die Beste Die Hochzeit im Dorf war eine große Sache. Lotte und Heinrich hatten geheiratet.
Homy
Ein Unerwünschter Gast: Wenn deutsche Gastfreundschaft auf strikte Hausregeln trifft Meine Mutter möchte uns während der Abwesenheit meiner Schwiegermutter besuchen – doch diese verbietet jede fremde Präsenz in ihrer Wohnung. Ich, Lea, 25, stecke in einer herzzerreißenden Situation. Mein Mann, Anton, und ich leben in der großzügigen Wohnung seiner Mutter, Gerda Schulze, in einer Kleinstadt bei Stuttgart – nicht vorübergehend, sondern voraussichtlich bis zum Ende meiner Elternzeit. Vor drei Monaten kam unsere Tochter Emilia zur Welt, seither dreht sich alles um sie. Doch statt familiärer Harmonie fühle ich mich wie eine Gefangene im Haus meiner Schwiegermutter, wo ihre Regeln gelten und meine eigene Mutter nicht einmal zu Besuch kommen darf. Gerdas Wohnung bietet viel Platz – drei Zimmer, eine große Küche, ein Balkon… Vier Personen könnten problemlos wohnen. Anton gehört die Wohnung teilweise mit, doch wir nutzen nur ein Schlafzimmer, um niemanden zu stören. Ich stille Emilia, wir schlafen gemeinsam, alle scheinen sich damit zu arrangieren. Doch das Leben hier ist täglicher Konflikt. Gerda ist kein Fan vom Putzen, also bleibt alles an mir hängen. Vor der Geburt habe ich stundenlang Jahre alten Staub entfernt, und jetzt halte ich alles sauber, koste es was es wolle – mit Baby ist das überlebenswichtig. Wäsche, Bügeln, Kochen… alles mein Job. Gerda betritt die Küche nicht einmal. Zum Glück ist Emilia ein ruhiges Baby – sie schläft oder brabbelt, während ich wie eine Biene herumschwirre. Meine Schwiegermutter tut gar nichts mehr. Früher spülte sie zumindest das Geschirr, jetzt stellt sie ihre Teller einfach hin und verschwindet. Ich schweige, um Streit zu vermeiden, doch in mir brodelt es. Wie schwer ist es, einen Teller kurz abzuspülen? Eine Kleinigkeit, die mich dennoch fertig macht. Während ich putze und koche, schaut Gerda fern oder telefoniert mit ihren Freundinnen. Für den Familienfrieden reiße ich mich zusammen – aber mit jedem Tag werde ich erschöpfter. Kürzlich kündigte Gerda an, im Herbst zu ihrer Familie nach Mecklenburg zu fahren. Ihre Nichte heiratet, sie will die Gelegenheit nutzen, ihre Schwestern und Neffen wiederzusehen. Ich war glücklich: Endlich wären Anton, Emilia und ich allein, wie eine richtige Familie! Am selben Tag rief meine Mutter, Elodie, an. Sie lebt weit weg bei Hamburg und hat ihre Enkelin noch nicht sehen können. Mir fehlte sie sehr und wollte gern kommen. Ich war überglücklich – endlich könnte sie Emilia in die Arme schließen und ich hätte ein Stück Zuhause bei mir. Eine doppelte Freude, die ich am Abend mit Anton teilen wollte. Doch die Freude hielt nicht lange. Als ich von Mamas Besuch sprach, wechselte Gerda abrupt die Stimmung. “Ich will keine Fremden in meiner Wohnung, während ich weg bin!”, verkündete sie. Fremde? Damit meinte sie meine Mutter – Emilias Oma! Ich war fassungslos. Wie kann man meine Mutter so behandeln? Klar, eng sind sie nie gewesen, aber sie haben sich auf unserer Hochzeit getroffen. Damals wohnten wir zur Miete, Mama übernachtete bei uns, weil Gerda ihre Verwandten aufgenommen hatte – das ist drei Jahre her. Ist das Grund genug, sie als Fremde abzustempeln? Gerda war völlig uneinsichtig. Sie warf mir vor, ich würde mit meiner Mutter unter einer Decke stecken, als wollten wir ihr in ihrer Abwesenheit die Wohnung streitig machen. Die Bahntickets waren schon gebucht, aber jetzt witterte sie Absicht hinter Mamas Besuch. “Deine Mutter hat sich zwei Jahre kaum gemeldet, und jetzt plötzlich taucht sie auf? Das passt mir nicht!”, polterte sie. Ich versuchte zu erklären, dass Mama einfach nur ihr Enkelkind sehen will, aber Gerda blieb hart. Sie drohte, ihre Reise abzusagen, um ihr “Eigentum” zu bewachen. Als wäre es ein Schloss voller Schätze, und nicht nur eine dreizimmerwohnung mit abgenutzter Tapete! Das alles erzählte ich meiner Mutter, ich konnte das nicht für mich behalten. Sie war traurig, schlug aber vor, ihren Besuch lieber auf den Sommer zu verschieben, um Streit zu vermeiden. Gerda hat ihre Tickets tatsächlich storniert – jetzt läuft sie durch die Wohnung wie eine Kontrolleuse und beobachtet jeden meiner Schritte, als wäre ich eine potentielle Einbrecherin. Ich fühle mich erniedrigt. Meine Mutter, die sich so sehr wünschte, Emilia endlich kennenzulernen, muss wegen Gerdas Launen verzichten. Und ich, die ich hier mit auf dem Mietvertrag stehe, darf nicht einmal meine eigene Familie einladen. Mein Herz ist schwer. Ich mache alles für dieses Zuhause: putze, koche, halte alle Launen aus… und ernte dafür nur Misstrauen und Verbote. Anton hält sich heraus, wirkt aber angespannt. Wer von uns hat nun Recht? Gerda, die ihr Zuhause wie eine Festung schützt? Oder ich, die möchte, dass meine Mutter endlich ihre Enkelin kennenlernt? Meine Mutter ist keine Fremde, sie gehört zu unserer Familie. Doch Gerda sieht mich als Bedrohung und meine Wünsche als Falle. Ich bin zermürbt von dieser Kontrolle und davon, mich als Gast fühlen zu müssen im eigenen Heim. Diese Situation zerreißt mich – und ich weiß nicht, wie ich daraus komme, ohne alles kaputt zu machen.
Ein Unerwünschter Besuch: Wenn deutsche Gastfreundschaft auf feste Regeln trifftDamals war es so, dass
Homy
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07
Bitte lasst mich gehen – Die bewegende Geschichte einer Mutter, die ihr geliebtes Dorf nicht verlassen will, eines Sohnes zwischen Pflicht, Liebe und Hilflosigkeit, und einer Schwiegertochter, die am eigenen Kinderwunsch und der Familienlast zu zerbrechen droht – zwischen Abschied, Hoffnung und einem wundersamen Neubeginn im Herzen Deutschlands
Lasst mich bitte gehen Ich fahre nirgendwohin… flüsterte die Frau mit brüchiger Stimme.
Homy
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012
Das Leben fängt gerade erst an Am Vorabend verabredeten sich Julia und ihre Freundin Kathi zu einem morgendlichen Lauf – auch wenn beide Semesterferien an der Uni hatten und das Aufstehen schwerfiel, wollten sie endlich mal wieder etwas für die Fitness tun. „Kathi, pass auf, verschlaf morgen nicht wieder! Ich weiß doch, wie sehr du es liebst, dich bis mittags im Bett zu räkeln“, mahnte Julia am Abend, und Kathi versprach hoch und heilig: „Mach dir keine Sorgen, Julia, wenn’s sein muss, bin ich total verantwortungsbewusst – das weißt du doch!“ Selbst sie musste über diese Worte lachen, Verantwortung gehörte sonst eher nicht zu ihren Stärken. Trotzdem schaffte Julia es am nächsten Morgen aufzustehen, sogar noch bevor ihre Mutter zur Arbeit aufbrach. Die trank noch ihren Kaffee in der Küche – und schimpfte leise vor sich hin. „Mama, zu wem sprichst du da eigentlich?“, wunderte sich Julia. „Zu mir selbst – schau dir das an, neue Bluse, und schon ein Kaffeefleck drauf!“ „Und wer sagt immer, ich würde meine Klamotten nicht schonen? Hättest auch Kaffee in deinem Schlabbershirt trinken können…“ „Ich hab’s eilig, jetzt muss ich wohl nochmal umziehen. Egal, reib mir morgens nicht gleich Salz in die Wunde. Sag mal, warum stehst du eigentlich so früh auf?“, fragte die Mutter und wechselte die Bluse. „Kathi und ich wollten im Park joggen gehen“, erklärte Julia pflichtbewusst. „Ach Gott, da muss ich ja lachen… gerade mit deiner Kathi, die schläft bestimmt immer noch. Sag mal, warst du eigentlich neulich mal wieder bei der Oma?“ „Hab sie gestern angerufen, wir telefonieren ja täglich…“ „Schön und gut, aber heute schaust du bitte bei ihr vorbei. Bring ihr diese Tabletten gegen den Bluthochdruck vorbei – sie hat sich neulich beschwert. Und hol ihr doch Croissants und Erdbeermarmelade! Sie wird immerhin schon vierundsechzig. Du hast doch jetzt Zeit – ich muss los!“, rief die Mutter und verschwand aus der Wohnung. „Na prima, dann fahr ich halt wie Rotkäppchen zur Oma – nur dass Mama keine Brötchen gebacken hat“, dachte Julia schmunzelnd – ach, und was ist jetzt mit dem Joggen? Sie wählte Kathis Nummer, die meldete sich verschlafen: „Ja… oh, Julia, ich hab verschlafen! Bist du schon im Park? Sorry, gleich…“ „Kein Stress! Ich hab eine Mission: Oma besuchen. Joggen fällt heute aus. Ich frühstücke, hole noch ein paar Sachen und mach mich dann auf den Weg – sie wohnt ja am anderen Ende der Stadt.“ „Top, dann schlaf ich noch ne Runde!“, freute sich Kathi und legte auf. „Mama hatte recht“, musste Julia lachen, „diese Kathi ist wirklich eine Schlafmütze. Aber ehrlich, ich wär wohl auch lieber liegen geblieben…“ Eine Stunde später verließ Julia mit Rucksack, Geldbeutel, Medikamentenliste und Regenschirm (es sah nach Regen aus) das Haus. Bis zur Oma am anderen Ende Berlins dauerte es weitere sechzig Minuten. Es war fast Mittag, als sie bei Maria Schulze klingelte. Oma öffnete prompt – und Julia war so baff, dass sie erst mal zurückwich, unsicher, ob sie an der richtigen Wohnung war. „Wow! Was für eine Verwandlung! Das bist doch du, Oma?“, staunte sie. „Natürlich, mein Kind! Julia, ehrlich: Sieht man’s? Ich seh heute jünger aus, oder?“, drehte sich die Großmutter tragend im Kreis. „Omaaaa! Diese Frisur – mega stylisch! Und wo ist dein kastanienbraunes Haar hin? Jetzt hast du so ein edles Silbergrau. Und die Nägel! Du bist definitiv zu cool, um Oma genannt zu werden!“, lachte Julia. „Gefällt’s dir wirklich?“ „Klar! Mama meint zwar, dein Blutdruck spinnt, also hab ich Tabletten gebracht. Und Croissants und Erdbeermarmelade!“ „Croissants und Marmelade sind nett, aber ich verzichte gerade auf Süßes – nimm sie ruhig selbst!“ „Oma, ich glaub, ich fall um! Was ist denn mit dir passiert? Bist du etwa verliebt?“ Julia sah ihre Oma forschend an. Sonst wollte Oma nie, dass sie so schnell wieder fährt – jetzt schien sie sie geradezu loswerden zu wollen. „Willst du einen Tee?“ „Weißt du, Julia, die Zeit ist knapp heute – nimm ruhig die Croissants und die Marmelade mit, hier noch Quarkpfannkuchen, damit du nicht verhungerst unterwegs“, lachte Maria. „Okay, Oma, ich fahr dann. Aber irgendwas ist hier faul… Hat Oma etwa ein Date?“ Julia überlegte angestrengt. Immerhin hatte sie es noch nie erlebt, dass Oma sie „rauswarf“. Sie beschloss, die Sache im Auge zu behalten – vielleicht hatte jemand das Herz ihrer Oma erobert? Oder sie ging mit Freundinnen ins Kino? Schließlich war sie sehr unternehmungslustig. Als sie aus dem Haus trat, stellte sie sich hinter die Garagen. Keine halbe Stunde später verließ Maria tatsächlich das Haus – im schicken neuen Kostüm und ging zielstrebig in Richtung Volkspark. Julia folgte ihr vorsichtig mit Abstand und versteckte sich hinter einem Fliederbusch, als sie sah, wie Oma im Park einem eleganten, grauhaarigen Herrn mit Blumenstrauß begegnete. Die beiden lachten, er küsste sie auf die Wange – Julia war baff. „Na sowas! Da lieg ich ja richtig – ein neuer Freund! Und ich dachte immer, im Alter gibt’s keine Liebe mehr… Aber seht euch die beiden an!“ Plötzlich überlegte Julia, ob sie das vielleicht heimlich weiter beobachten sollte. Doch als sie sich umdrehte, stieß sie mit einem etwa gleichaltrigen jungen Mann zusammen, der gerade die beiden im Handy-Video festhielt. „Hey! Wer bist du und wieso filmst du meine Oma? Wer hat dir das erlaubt?“ Der Junge war überrascht, konterte dann aber: „Wer ich bin? Journalist. Ich will eine Reportage über die Liebe im Alter drehen!“ Julia schnaubte: „Liebe im Alter? Als ob! Es gibt so viele Betrüger, die arme Omis um ihr Zuhause bringen.“ „Meinst du das ernst?“, fragte er verwundert. „Hundertpro! Wieso suchst du dir ausgerechnet meine Oma aus? Es gibt genug andere hier. Ich erlaube das nicht!“ Der Junge sah nun fast gekränkt aus. „Wenn du’s wissen willst: Der Herr ist mein Opa, Egon Schulze. Ich wohne gerade bei ihm, weil meine Eltern die Wohnung renovieren. Seit Wochen ist er wie ausgewechselt, hat sich neue Jeans gekauft und mich gebeten, ihm ein Parfüm auszusuchen. Da hab ich’s mir gedacht: Irgendwas ist da im Busch!“ Julia lachte auf. „Ach, das ist dein Opa? Ich heiße Julia! Und du?“ „Artem“, lächelte er. „Wir könnten unsere Großeltern ja einfach lassen. Ich hab nichts dagegen.“ „Stimmt, ich im Prinzip auch. Sollen sie doch…“ Artem grinste. „Und wenn wir beide schon hier sind – wie wär’s mit Kino? Ein neuer Thriller läuft gerade.“ „Klar, warum nicht!“ Drei Monate später rief Maria ihre Tochter an: „Herzlichen Glückwunsch, Egon hat mir einen Antrag gemacht und ich hab Ja gesagt! Die Hochzeit ist angesetzt, ihr seid herzlich eingeladen.“ „Oma“, lachte Julia, „muss das denn sein – in dem Alter heiraten?“ „Julia, Liebe kennt kein Alter! Und wenn die Liebe kommt – dann ab ins Standesamt!“, lachte Maria. „Das Leben kann auch mit über sechzig gerade erst beginnen!“ Wenig später feierten alle gemeinsam die Hochzeit von Maria und Egon in einem gemütlichen Café – und keiner war glücklicher als ihre Enkel Julia und Artem.
Das Leben beginnt erst In der Nacht zuvor hatte Annelie mit ihrer Freundin Frauke abgemacht, den Tag
Homy
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011
Das hatten wir doch schon mal – Eine festliche Eskalation: Wie Veras Traum von der perfekten Lichterkette zum Beziehungskrimi wurde, warum ihre Freundinnen zur Scheidung raten und was wirklich hinter Weihnachtsglanz und Alltagsfrust im deutschen Wohnzimmer steckt
Schau mal, was ich entdeckt habe! Klara zog eine Schachtel mit einer Lichterkette aus der Tüte und wedelte
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07
Neben dir zu stehen, ist mir peinlich, Mama – Die Geschichte von Arina: Dreißig Jahre Selbstaufopferung, eine Tochter, die nie fragt, woher das Geld kommt, und das schmerzhafte Erwachen am Tag der Hochzeit, zu der ihre eigene Mutter nicht eingeladen ist
Neben dir zu stehen, ist mir selbst peinlich Mama, das ist eine Katastrophe! sprudelte meine Tochter
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Ihr Enkel ist sechs Jahre alt: Eine Fremde hält mich auf offener Straße an – doch mein Sohn bestreitet alles
Ich kam wie gewöhnlich vollkommen erschöpft von der Arbeit nach Hause. Während ich gedankenverloren darüber
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