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035
Das Geheimnis In einem typisch deutschen Dorf, das eher an eine ländliche Gemeinde erinnert, lebte einst ein Mädchen namens Larissa. Eines Tages nahm ihre Mutter, die an allerlei Aberglauben glaubte, Larissa mit zu einer berühmten alten Dorf-Wahrsagerin. Diese legte die Karten und prophezeite: „Glücklich wird deine Larissa – alles wird gut ausgehen. Nur einen Mann an ihrer Seite sehe ich nicht.“ Damals war Larissa etwa zehn Jahre alt. Die Worte der geheimnisvollen Alten prägten sich ihr ein, obwohl sie sie kaum verstand. Jahre vergingen, Larissa wuchs zu einer schönen, stattlichen jungen Frau heran, die die Aufmerksamkeit aller Burschen im Dorf auf sich zog – doch sie konnte sich nie entscheiden. Nach dem Abitur blieb Larissa, obwohl sie gute Noten hatte, im Heimatdorf und arbeitete in der örtlichen Molkerei. Es wurde getuschelt, sie habe eine Affäre mit einem Vorgesetzten, aber niemand sah sie je zusammen. Die Frauen im Betrieb warnten sie: „Larissa, pass auf, dass du nicht hängen bleibst! Fahr lieber in die Stadt – mit deinem Aussehen würdest du dort sofort genommen werden!“ Sie hörte zu, lächelte, schwieg. Dann verbreitete sich das Gerücht wie ein Lauffeuer: „Larissa ist schwanger!“ Sofort begann die Debatte – wer hatte die schönste Frau im Dorf „beglückt”? Trotz aller Spekulationen blieb der Vater unbekannt. Larissas Mutter schimpfte sie aus dem Haus: „Damit musst du jetzt allein klarkommen – du hast es dir eingebrockt!“ Zwei Wochen später kaufte Larissa ein kleines Häuschen samt Inventar – woher das Geld kam, blieb ein Rätsel. Kurz darauf wurden im Haus Wunder wahr: Alles wurde renoviert, neue Geräte und Möbel geliefert… Im Herbst kam ihr Sohn Anton zur Welt. Larissa war zwar gefordert – Kleinkind, Haushalt, Garten –, doch sie meisterte alles mit Kraft und ohne je zu klagen. Die Nachbarinnen beobachteten, wie sie glücklich und stolz durchs Dorf ging, halfen ihr hier und da, und Larissas Ruf als fleißige, anständige Frau wuchs. Doch dann, zwei Jahre später, das nächste Gerücht: „Larissa ist wieder schwanger!“ Noch einmal wurde getuschelt, noch einmal blieb der Vater unbekannt. Aber Sarah ließ sich davon nicht beirren. Im Garten entstand ein neues Gewächshaus, der Hausanschluss für Gas wurde verlegt, alles perfekt ausgestattet – woher hatte eine allein erziehende Frau das Geld? Niemand wusste es. Zwei weitere Söhne folgten, und die Leute spalteten sich: Die einen lachten über sie, die anderen bewunderten ihren Mut – und wieder andere nannten sie abschätzig beim Nachwuchs als schlechtes Beispiel. Selbst ihre Mutter schämte sich und blieb fern. Larissa aber blieb stolz und aufrecht. Eines Tages hielt eine schicke Limousine vor ihrem Haus: Der angesehene Molkereidirektor, Herr Schneider, der gerade erst seine langkranke Ehefrau verloren hatte, stieg mit einem riesigen Blumenstrauß aus, besuchte Larissa, und als sie beide wieder hinaustraten, zog er Larissa an sich, küsste sie öffentlich – und erklärte laut: „Larissa hat JA gesagt. Wir und unsere drei Söhne laden euch alle zur Hochzeit ein.“ Betroffenes Schweigen. Jetzt bemerkten alle, wie ähnlich Larissas Jungen Herrn Schneider sahen… Glückwünsche prasselten auf sie ein. Nach einer prächtigen Hochzeit zogen Larissa und ihre Kinder in das große Haus des Direktors – alle halfen beim Umzug. Und ein Jahr später kam endlich das ersehnte Mädchen zur Welt… Und so fragt sich das ganze Dorf bis heute: Wer kann den Wahrsagerinnen noch trauen?
Liebes Tagebuch, manchmal kommt es mir so vor, als hätte mein Leben alle Zutaten für ein altes Dorfmärchen.
Homy
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043
Die Geliebte meines Mannes war einfach umwerfend. Hätte ich als Mann wählen müssen, hätte ich genau sie ausgesucht. Es gibt diese Frauen, die ihren Wert kennen: Sie gehen mit aufrechtem Rücken, blicken offen und direkt, hören aufmerksam zu. Sie brauchen kein freizügiges Outfit, um aufzufallen, denn sie strahlen königliche Gelassenheit aus und geraten nie in Panik. Genau so eine Frau war sie – das genaue Gegenteil von mir. Denn wer bin ich? Immer in Eile, schimpfe auf Kinder und Mann, mir fällt alles aus den Händen, im Job Stress, der Chef unzufrieden. Ewig in Jeans und Pullovern unterwegs – ein Kleid oder eine Bluse bügeln, das ist für mich schon fast ein Kraftakt. Zum Glück habe ich den neuesten Wäschetrockner, der alles glatt bügelt und das Bügeleisen überflüssig macht. Aber die Geliebte? Perfekte Figur, Haltung, Beine, Haare, Augen, alles zum Niederknien! Seitdem ich davon erfahren habe – und erst recht, seit ich die beiden zufällig im Café in Barmbek gesehen habe, halte ich innerlich die Luft an. Mein Mann hielt ihre Hände, küsste ihre Finger… Wie aus einem alten Gedicht, dachte ich ironisch. Aber objektiv: Die Frau war der Hammer. Ich fühlte mich komisch, wie nach einem Sonnenbrand – der Moment, in dem man weiß, dass es gleich richtig weh tut, aber noch ist alles leer. Nichts. Mein Mann kam pünktlich und war wie immer: ausgeglichen, humorvoll – der typische hanseatische Sanguiniker. Ich dagegen: leicht entflammbar, rastlos, hektisch. Jetzt hätte ich auch gern etwas von seinem Humor gehabt. Den ganzen Abend wollte ich ihn direkt fragen – möglichst kühl und sachlich: „Und, wie läuft’s mit deiner Geliebten? Hab euch letztens im Café gesehen, wow, die ist wirklich toll. Verstehe dich. Hätte ich an deiner Stelle vielleicht auch nicht widerstehen können…“ Und dann zusehen, wie ihm der Schweiß ausbricht und er zu stottern beginnt. Ich hätte weitermachen können: „Na, wann stellst du sie eigentlich den Kindern vor? Sie wird ihnen bestimmt gefallen. Und mich? Wo soll ich hin? Bringt sie wenigstens eine eigene Wohnung mit oder zieht sie bei uns ein?“ Aber ich sagte nichts. Er kuschelte sich wie gewohnt im Bett an mich und schlief schnell ein. Vielleicht läuft bei denen noch gar nichts – dachte ich, als ich mich an meinen Bettrand verzog und leise lachte. Jetzt denke ich schon wie eine Frau, die live beim Betrügen zusehen durfte und trotzdem vor allen so tut, als sei nichts passiert. Vielleicht ist es bei denen ja nur die Anfangsphase – erste Sympathiewellen, abgestimmte Atemzüge, gleiche Gedanken. Ein Profi halt, mein Mann. Nicht ein Muskelzucken, kein verräterisches Wort! Ich wälzte mich im Bett, schlief unruhig, träumte von knallbunten Blumen und fremden Frauen in roten Kleidern. Am Morgen bewegte ich mich träge durch die Wohnung, machte die Kinder fertig, alles wie immer – zumindest nach außen. Aber was tun? Was machen Frauen in so einer Situation? Sollte ich googeln? Google half nicht. Ich hatte keine Antworten. Einfach weitermachen wie bisher? Was soll’s – ich lebe ja schon so weiter. Nichts hat sich geändert: Gewohnter Alltag, pünktlicher Mann, kein Lippenstift an seinem Hemd, kein fremdes Parfüm, tobende Kinder, Sonntag Kino. Routinemäßiger Sex zweimal die Woche – manchmal dreimal, wenn man die Details genau nimmt. Vielleicht war ich im Café doch im Irrtum? War ich nicht. Ich rief ihn mittags an – keine Antwort. Also setzte ich mich ins Taxi und fuhr wieder zu dem Café in Barmbek. Vorher erklärte ich dem Fahrer, wir würden dort „arbeiten, auf ein Paket warten“. Da stand sein Auto. Mein Mann und sie kamen raus, stiegen in sein Auto und fuhren davon. Ich wurde ganz weiß, bat den Taxifahrer um Wasser, spielte einen Anruf ins Leere vor: „Ist egal mit eurem Paket, ich warte nicht länger, fahre jetzt zur Arbeit!“ Komisch, dass mir immer noch nicht egal war, was der Taxifahrer denkt. Die Erkenntnis, dass es eine Geliebte gibt, stellt das ganze Leben auf den Kopf. Sich trennen? Wahrscheinlich. Einfach weitermachen? Warum? Was soll das bringen? Ich erinnerte mich daran, wie es vor ein paar Jahren bei Freunden war: Er hatte eine Affäre, log und bestritt alles – bis die Beweise nicht mehr wegzureden waren. Mein Mann sagte damals: „Also ich würde nie lügen. Wer Mist baut, soll die Größe haben, es zuzugeben und die Familie abzusichern oder ganz zu gehen.“ Damals war ich richtig stolz auf ihn. Verantwortungsbewusst, mein Hamburger Jung. Lustig, wie leicht das über andere zu sagen ist, wenn es einen selbst nicht trifft. Aber wenn man plötzlich selbst mittendrin steckt, verlässt einen aller Mut, sobald beide – Frau und Geliebte – einem gegenüber sitzen. Ich setzte mich im Café einfach zu ihnen. Die Geliebte schaute überrascht auf. Mein Mann wurde blass. „Ist doch nicht das, was ich denke, oder?“, fragte ich und hob die Hand, um ihn am Reden zu hindern. „Wissen Sie was? Eigentlich ist das kein Drama. Sowas passiert. Aber jetzt überlegt mal, wie ihr das löst – Kinder, gemeinsame Wohnung, alte Eltern. Ihr schafft das schon! Ihr seid doch erwachsen.“ Dann stand ich langsam auf und verließ das Café. Das frisch gebügelte Kleid stand mir gut. Schade, dass ich es so lange nicht getragen hatte.
Die Geliebte ihres Mannes war einfach hinreißend. Hätte sie selbst als Mann die Wahl gehabt, sie hätte
Homy
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010
Im Ruhestand und von tiefer Einsamkeit erfasst: Erst im Alter wurde mir klar, dass ich mein Leben falsch gelebt habe
Also, ich erzähle dir das mal: Letztens habe ich da diesen Moment gehabt, wo ich realisiert habe, wie
Homy
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014
Vorahnung des Unheils: Julias schlaflose Nacht, dunkle Angst ums eigene Kind und der schwere Weg vom Schock der Leukämie-Diagnose bis zur lebensrettenden Operation in Israel – eine bewegende Muttergeschichte über Hoffnung, Verzweiflung und das Wunder des zweiten Lebens im Herzen einer deutschen Familie
VORAHNUNG DES UNHEILS Henriette erwachte irgendwo zwischen Mitternacht und Nebel, ihr Schlaf wie durchgeschnitten
Homy
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016
Im Ruhestand und von tiefer Einsamkeit erfasst: Erst im Alter wurde mir klar, dass ich mein Leben falsch gelebt habe
Also, ich erzähle dir das mal: Letztens habe ich da diesen Moment gehabt, wo ich realisiert habe, wie
Homy
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0101
Der Verrat der eigenen Kinder Daria blickte wieder einmal voller Bewunderung auf ihren Bruder und ihre Schwester. Wie schön sie waren! Groß, schwarzhaarig, mit strahlend blauen Augen. Schon wieder wurden sie ausgezeichnet. Sie hatten erneut einen Wettbewerb gewonnen. Daria stand auf, um die Erste zu sein, die gratuliert. Sie humpelte leicht auf dem rechten Bein und eilte auf sie zu. Für Bruder und Schwester hatte sie zwei kleine Häschchen gebastelt – eines im Röckchen, eines in karierten Hosen. Diese wollte sie verschenken. Ungeschickt, sehr kräftig, mit dünnen, angeklammerten Haaren, lag ein offenes Lächeln auf ihren Lippen. Kristina und Mark taten jedoch, als sähen sie Daria nicht. Mit Mühe bahnte sie sich einen Weg zu ihnen. – Bitte lassen Sie mich durch! Das sind mein Bruder und meine Schwester! Lassen Sie mich durch! – rief Daria fröhlich. – Kri, da schreit irgendein dickes Mädchen, sie wäre eure Schwester. Stimmt das etwa? – wandte sich die blonde Lisa an Kristina. Kristina drehte sich kurz um und sah Daria. – Diese dicke Kuh, schon wieder da! Bestimmt hat Mama sie geschickt. Was für eine Blamage! – dachte sie. Und laut sagte sie: – Nein, natürlich nicht. Ich habe nur einen Bruder, Mark. – Hab ich mir gleich gedacht. Die will sich wohl wichtigmachen. Und stopft euch auch noch irgendwelche Spielzeuge in die Hand, – lachte Lisa. – Wahrscheinlich ist das unser lokaler Fan. Nimm ihr die Sachen ab, Lisa. Und komm dann zu uns, wir gehen jetzt zur Siegerehrung! – rief Kristina, schickte Mark einen Kuss zu und zog ihn aus der Menge. Lisa nahm die Häschchen von Daria entgegen und versprach, sie weiterzugeben. – Okay! Ich warte dann zu Hause auf euch! Backe noch Quarktaschen! – rief Daria glücklich und humpelte davon. – Hier, hab’s dir weitergegeben. Sie meinte, sie wartet zu Hause auf euch. Backt Quarktaschen. Sie sieht ja selbst aus wie eine Quarktasche. Kri, die kann doch nicht eure Verwandte sein? Warum hängt die dauernd an euch? – hakte Lisa nach. – Nein! Ich kenn die nicht! Viele wollen sich bei uns einschmeicheln, einfach weil wir so erfolgreich sind. Komm, gehen wir! – warf Kristina die Häschchen in den Müll, schnappte sich Mark und Lisa und eilte zur Ehrung. Doch Lisa hatte gelogen. Daria war tatsächlich Kristinas Halbschwester. Ihre Mutter, Ines Jansen, hatte sie aufgenommen, nachdem eine entfernte Verwandte gestorben war. Die Jansens waren von einem Urlaub zurückgekehrt – und Daria war plötzlich ganz allein. Klein, mit Handicap. Eigentlich war Ines nur eine weit entfernte Cousine – sie hatten nicht mal denselben Nachnamen. Näher verwandte Verwandte hatten abgelehnt, aber sie nahm Daria trotzdem auf. Vorher hatte sie Streitereien mit ihrem Mann und den Kindern durchstehen müssen. Als sie erfuhren, dass sie eine Schwester bekommen, rasteten sie aus. Kristina und Mark waren verwöhnt, die Eltern erfüllten ihnen jeden Wunsch. – Mama, nimm die bloß nicht zu uns! Die ist dick, hinkt, und ist auch noch dumm. Mit der kann man sich doch nicht zeigen! – Kinder, habt Mitleid mit dem Mädchen. Sie ist ganz allein. Für Hunde und Katzen macht man’s doch auch, sie ist ein kleiner Mensch. Bei uns stört sie niemanden, wir haben ein großes Haus! – versuchte Ines Jansen, sie zu beruhigen. Sie willigten nur widerwillig ein. Ines war die Geschäftsführerin eines Edeka-Markts, sie verdiente das Geld. Der Vater war ihr Stellvertreter und nahm’s locker, hatte regelmäßig Affären hinter Ines’ Rücken. Falls Ines es wusste, schwieg sie – ihr Leonhard war ein Bilderbuchmann, die Kinder ganz der Vater. Daria wuchs heran. Klein, pummelig, mit hellblonden Haaren und fast durchsichtigen, blauen Augen – wie bei ihren Geschwistern, aber milchiger. – Ihre Augen sehen aus wie Milch mit Tinte. Dickie! – lachte Kristina. Daria war wie ein Brötchen – weich, herzlich, mit Grübchen in den Wangen, sehr liebevoll. Doch sie spielte immer alleine, denn Bruder und Schwester ließen sie nicht mitmachen. Sie musste auch für ihre Fehler herhalten – die teure Vase zerschlug Mark, aber Mama denkt, es war Daria. Kristina riss Mamas schicke Bluse an einem Nagel auf, schob den Fehler auf Daria. Doch Daria rechtfertigte sich nie, nickte nur und entschuldigte sich. Sie wusste, wer die Wahrheit war, aber wollte nicht, dass Bruder und Schwester Ärger bekamen. Weil sie doch so hübsch waren! Die „Pflegemama“ Ines Jansen schimpfte nie mit Daria – nur der Vater warf ihr ständig vor: – Warum hast du dieses Gespenst ins Haus geholt? Vor den Gästen ist das peinlich! Kann kaum laufen, wiegt wie ein kleines Nilpferd. Unseren schönen Kindern hast du ein Kuckucksei untergeschoben. Niemand wollte sie haben, alle waren klüger, nur du hast sie dir aufgehalst. Wer braucht dieses hässliche Ding mal, wenn es erwachsen ist?, – brüllte Leonhard. Daria hörte es an der Tür, ging zum Spiegel und mochte ihr Spiegelbild nicht. Wünschte, so schön zu sein wie Kristina und Mark. Zur Schule kam sie in eine andere als die Geschwister – weil die mit Schulverweigerung und schlechten Noten drohten, falls sie auf die gleiche sollte. Ines musste nachgeben. Sie merkte, dass die Brücke, die sie zwischen eigenen und Pflegekind gebaut hatte, fast völlig zerstört war… und konnte nichts tun. Die Zeit verging. Mark und Kristina gingen weg zum Studium. Daria bat, zu Hause bleiben zu dürfen. – Was, mein Kind. Du kannst überall hin, ich bezahle alles! Willst du? Designerin, Übersetzerin, was du willst, Daria – du kannst alles machen! – Ines nahm sie in den Arm. Wie ein Kätzchen schmiegte sich Daria an sie – und sofort war Ines beruhigt. Von ihren eigenen Kindern bekam sie selten mal einen Kuss, und dann nur widerwillig. Nicht diese Herzenswärme, die Daria schenkte. Daria empfing sie immer abends, selbst wenn es spät wurde. Entweder im Garten oder im Flur auf dem Hocker. Mann und Kinder waren meist beschäftigt – keiner kam runter, um „Hallo“ zu sagen. Als Ines einmal eine Bemerkung machte, rief Kristina: – Mama, wir haben eben zu tun! Die Dumme da wartet auf dich wie ein Hund, weil sie nichts Besseres zu tun hat. Träumen tut sie auch nicht. Darias klare Augen schauten auf die Mutter. Und sie flüsterte: – Mama, darf ich Tiere pflegen? Hunde, Katzen. Hamster, Schweinchen. Ich will Tierärztin werden. Und das kann man doch auch hier lernen. Kein Wunder, Daria schleppte ständig neue Tiere heim. Kätzchen und Hundewelpen. Pflegte sie gesund und suchte neue Plätze. Nur ein großer, zotteliger Hund blieb bei ihnen. Kristina hätte lieber einen Rassehund gehabt, aber Ines stand zu Daria. So lebten sie weiter. Bald musste Ines wegen ihrer Gesundheit zu Hause bleiben. Ihr Mann wandte sich prompt einer anderen zu – der Inhaberin des Friseursalons. Die Kinder kamen eigentlich nur noch wegen dem Geld vorbei. Sie hatte Rücklagen, zum Glück. Nur Daria blieb an ihrer Seite, hinkte, kochte Leckereien, massierte, machte Kräutertee – und abends saßen sie unter dem Apfelbaum und tranken Tee. Da war Daria der glücklichste Mensch. Kristina und Mark gründeten Familien, Mutter half bei Wohnungen. Dann schlug das Schicksal zu – Mark kam nachts um vier, den Tränen nahe, und gestand große Schulden. Woher nehmen, fragte Ines. – Mama, du hast dann eben keinen Sohn mehr. – grinste Mark. – Wie meinst du das? – Die Lösung: Das Haus verkaufen. Mit allem würde es reichen. – Aber Mark… und wie sollen wir, Daria und ich? Wo wohnen wir dann? – Was aus der fetten Dummen wird, ist mir egal. Die ist erwachsen, verdient selbst was. Schluss, genug durchgefüttert. Du kommst zu mir! Meine Leni freut sich! Ines traute der Schwiegertochter nicht, widersprach aber nicht. Ihr Sohn sollte ja gerettet werden! Bedingung: Daria kommt mit. Mark willigte ein. Doch Daria sagte nachher zur Mutter: – Mama… Fahr alleine. Ich… ziehe zu jemandem um, wir sind zusammen, er lädt mich schon lang zu sich ein. Mach dir keine Sorgen um mich! – Wer ist das? Den würde ich aber gern kennenlernen! – Später, Mama. Später. Auch Mark war froh, Daria nicht abschieben zu müssen. Doch das war gelogen. Sie hatte niemanden, wollte aber ihrer Mutter keine Sorgen machen und Streit vermeiden – sie liebte ihre Mama mehr als alles auf der Welt. Sie mietete sich ein Zimmer – im Haus von Opa Prochor, der Pensionär war und selber Hilfe brauchte, weil es im Haus Tiere gab. Als er erfuhr, dass sie Tierärztin war, war er überglücklich, wollte keine Miete nehmen, aber Daria zahlte trotzdem. Ihr Leben richtete sich ein – Job, Wohnung, Menschen respektierten sie, Tiere liebten sie; nach jeder Behandlung verteilte sie Leckerli. – Na komm, Schari, hier, das hat Daria für dich! Keine Angst, hab dir Tropfen dagelassen, und ruf an, wenn was ist! – sagte Daria stets liebevoll zu Herrchen und Tier. – Ach Kind, so nett wie du empfängt mich nicht mal das Krankenhaus! Ein Goldstück von Mädchen!, – schwärmte Anna, die Besitzerin eines prachtvollen Katers. Daria blühte auf, aber das Herz blieb schwer – wie geht’s Mama? Telefonate wurden seltener, jetzt ging meist Mark ans Handy und blockte schroff ab. – Ich weiß nicht. Seh sie seit Monaten nicht… – sagte sie seufzend zu Opa Prochor beim Tee. – Wieso? Fahr doch mal hin! Ich komm mit, hab noch meinen alten Golf, fährt noch! – schlug Prochor vor. Daria war froh. Sie fuhren zu Marks Adresse. Nach langem Klopfen öffnete eine hochgewachsene Blondine im Bademantel. – Was wollen Sie? Wir brauchen nichts! – wollte sie die Tür zuschlagen. – Sie sind Leni? Marks Frau? – Jap, – motzte sie. – Und Sie sind? – Ich bin Daria. Seine Schwester! – Daria wollte an ihr vorbei, doch Leni blockierte. – Und was willst du hier? Ich muss gleich zum Beauty-Termin. – hob Leni die Brauen. – Ich will nur kurz zu Mama. Wir stören euch nicht! – Ist nicht mehr hier. Mark hat sie ins Heim gebracht. Sie war ja völlig am Ende. Wer soll sich kümmern? Er muss arbeiten, ich auch. Keine Ahnung, welches Heim, ich war dort nie. Ich ruf mal an… Mark? Da steht diese Daria mit so ’nem alten Kerl. Adresse will sie. Okay. Hier, schreibe sie auf den Zettel. Und kommt nie wieder! Daria nahm die Adresse, rannte mit Opa Prochor die Treppe hinunter. – Warum hat mir niemand was gesagt? Ich hätte doch… Aber ich habe keine eigene Wohnung… Aber ich hätte eine Lösung gefunden… – flüsterte sie. – Mädchen, Mama hätte zu uns kommen können! Habe ein Zimmer frei! So geht das nicht! – regte sich Prochor auf. Sie kamen an. War das wirklich die zerbrechliche ältere Dame mit eingefallenen Augen – Darias Mutter? Die früher so resolut, herzlich und kräftig war. Nun lag sie kraftlos im Pflegebett. – Mama! Ich bin’s, Daria! Verzeih, dass ich nicht früher kam. Ich hab dich so lieb! Wir gehen nach Hause, Mama! Ich koche dir Eier, back Quarktaschen! Wir wohnen bei Opa Prochor, der hat Hühner und Ziegen und Schweinchen. Mama! Sie schafften es, Ines legal mitzunehmen – Daria war als Tochter eingetragen, und Prochor drohte sogar, seinen Kumpel General anzurufen, falls sie die Mutter nicht freigeben. Mark hatte nämlich geplant, dass die Mutter für immer im Heim bleibt… Am zehnten Tag stand Ines wieder auf, an einem Fenster, draußen brachten die Tiere Leben aufs Land: Schweinchen Frieda spazierte, der Hahn krähte, es roch nach Gras und Milch – und Rosinenbrötchen, denn Daria hatte gebacken. Als sie die Mutter sah, humpelte sie hinein, umarmte sie und bat sie um Vergebung, dass sie nicht früher kam – und entschuldigte sich, dass sie nun mit ihr leben müsse, nicht bei Mark und Kristina. Ines sagte kein Wort, hielt sie aber fest im Arm. Und sah in Daria wieder das kleine, komische, aber liebevolle Mädchen – nicht verwandt durch das Blut, aber durch das Herz verbunden. Sie war die Einzige, die diese Mutter wirklich liebte und im Alter nicht allein ließ, als die schönen und erfolgreichen Kinder sie längst abgeschrieben hatten. – Alles wird gut, Daria. Jetzt wird alles gut, mein Kind, – flüsterte Ines Jansen. – So, Mädels! Zeit zum Tee! – rief Opa Prochor in die Stube. Und lachend, Hand in Hand, begannen sie ihr neues Leben…
Verrat der eigenen Kinder Schon damals blickte Dorle voller Bewunderung zu ihrer Schwester und ihrem
Homy
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065
Ich habe meine Schwägerin und ihr Kind mit in den Sommerurlaub an die Ostsee genommen – und es tausendmal bereut!
Ich habe meine Schwägerin und ihren Sohn mit in den Urlaub genommen. Ich habe es tausendfach bereut.
Homy
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038
Ein chaotischer Kleiderschrank, Berge ungebügelter Wäsche, saure Suppe im Kühlschrank – all das ist unser Zuhause. Behutsam sprach ich meine Frau darauf an, doch plötzlich wurde ich zum Schuldigen gemacht. Als ich Maria das erste Mal sah, war es Liebe auf den ersten Blick. Ich war sofort von ihr verzaubert – ihrer Schönheit, ihrem Charme. Ich hielt mich für einen Glückspilz, so eine kluge, attraktive und ordentliche Frau an meiner Seite zu haben, und zögerte keine Sekunde, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Wir zogen zusammen, doch gleich zu Beginn sagte Maria mir, dass sie Hausarbeit nicht mag. Sie wolle sich auf ihre Karriere konzentrieren und die Aufgaben im Haushalt gerecht teilen. Das klang fair und vernünftig, ich stimmte zu und vertraute auf dieses Abkommen – nicht ahnend, was uns erwarten würde. Anfangs haben wir die Hausarbeit tatsächlich aufgeteilt, Maria versicherte mir, dass sie problemlos beides stemmen könne: den Job und die Aufgaben zuhause. Ich glaubte ihr und stellte ihre Entscheidungen nicht infrage. Sechs Monate später merkte ich jedoch, dass die Dinge aus dem Ruder liefen. Maries Karriere entwickelte sich nicht wie erhofft; sie arbeitete Teilzeit bei einer kleinen Firma mit unregelmäßigem Gehalt und unsteten Arbeitszeiten. Das Geld verwendete sie nur für ihre persönlichen Bedürfnisse, während ich täglich schuften ging. Dennoch pochte Maria weiterhin auf die Aufteilung der Haushaltsaufgaben und sah großzügig über ihre eigenen Pflichten hinweg. Zu Beginn erledigte sie ihre Aufgaben fleißig, doch nach und nach ließ ihr Engagement nach. Die Wohnung wurde immer unordentlicher, überall lagen ungebügelte Kleiderstapel. Und zu meiner Überraschung wurde ich dann verantwortlich gemacht – ich solle doch mehr helfen! Diese Haltung traf mich tief. Die doppelte Belastung von Arbeit und Haushalt wurde unerträglich, obwohl wir von Anfang an eine gerechte Aufgabenverteilung vereinbart hatten. Ich hoffte, nach der Geburt unseres Kindes würde sich die Situation bessern: Maria blieb nun in Elternzeit zuhause, doch leider verschärfte sich alles nur. Manchmal frage ich mich, ob es ohne sie leichter wäre. Die ständigen Streitereien gehören mittlerweile zum Alltag. Ich bemühe mich wirklich, Maries Perspektive zu verstehen, und versuche, mich in sie hineinzuversetzen – doch ich fühle mich schlicht vernachlässigt. Büroarbeit, Haushalt, Kinderbetreuung – ich jongliere alles und sehne mich nur nach etwas Erholung. Ich frage mich: Was macht Maria eigentlich den Tag über während der Elternzeit? Unser Baby ist zwei Monate alt und schläft noch viel – in dieser Zeit könnte man doch zumindest ein wenig Ordnung schaffen oder etwas zu essen zubereiten? Ich grüble bereits, wie wir das mit einem zweiten Kind schaffen würden. Ich stehe für Gleichberechtigung und gegenseitige Unterstützung – aber Maria scheint das nicht zu verstehen. Ich will unsere Familie nicht zerstören, denn ich liebe mein Kind über alles. Trotzdem bin ich am Ende meiner Geduld angelangt. Ich weiß nicht, wie ich in dieser Situation weitermachen soll. Auf wessen Seite stehst du in dieser Geschichte?
Ein chaotischer Kleiderschrank, Haufen von ungebügelten Hemden und saure Suppe im Kühlschrank das ist
Homy
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033
Als unsere erwachsenen Kinder beschlossen, auf eigene Faust unabhängig zu sein: Schulden, Wohnungsverlust und teure Fehler – Wie junge Deutsche trotz elterlicher Hilfe alles aufs Spiel setzten
Damals, als unsere Kinder heirateten, fassten wir als Eltern beider Familien den Entschluss, sie beim
Homy
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0316
Während der Scheidung überließ ein reicher Ehemann seiner Frau einen verlassenen Bauernhof irgendwo im Nirgendwo – doch ein Jahr später geschah etwas, das ihn vollkommen überraschte.
Während der Scheidung beschließt ein wohlhabender Ehemann, seiner Frau einen verlassenen Hof mitten in
Homy