Als unsere erwachsenen Kinder beschlossen, auf eigene Faust unabhängig zu sein: Schulden, Wohnungsverlust und teure Fehler – Wie junge Deutsche trotz elterlicher Hilfe alles aufs Spiel setzten

Damals, als unsere Kinder heirateten, fassten wir als Eltern beider Familien den Entschluss, sie beim Start in ein eigenes Zuhause zu unterstützen. Mein Mann und ich hatten Rücklagen gebildet, genauso wie die Schwiegereltern. Gemeinsam reichte das gerade für eine kleine Eigentumswohnung in einer bescheideneren Gegend von München. Wir wollten sie den Kindern schenken, doch beide bestanden ausdrücklich darauf, unabhängig zu sein und sich ihr Zuhause selbst zu kaufen.

So verging einige Zeit, bis wir erfuhren, dass sie tatsächlich eine Wohnung erworben hatten sogar eine mit drei Zimmern. Woher das Geld kam? Einen Kredit bei der Sparkasse hatten sie aufgenommen, um ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Die monatlichen Raten, davon seien sie überzeugt, könnten sie allein stemmen.

Nach einiger Zeit wuchs der Wunsch nach einem Auto. Ihre Wohnung lag nun einmal außerhalb des Zentrums und der Weg zur Arbeit mit S-Bahn und Bus war beschwerlich. Sie kauften einen Neuwagen auf Pump beim Händler. Wir hatten geraten, erst einmal mit einem soliden Gebrauchtwagen vorlieb zu nehmen. Aber unsere Kinder betonten ihren eigenen Weg, Unabhängigkeit und Selbstgenügsamkeit.

Als nächstes zog es sie zum Thema Familiengründung. Sie wünschten sich ein Kind und am liebsten, sollte es im Ausland zur Welt kommen, um direkt einen zweiten Pass zu erhalten. Auch hierfür nahmen sie einen weiteren Kredit auf, damit unsere Tochter unter besten medizinischen Bedingungen entbinden konnte und der Arzt stets erreichbar war.

Nach der Geburt sollte natürlich das Kinderzimmer schön renoviert werden. Auch das wurde über einen Kredit finanziert. Fragten wir vorsichtig, wie sie sich das alles langfristig vorstellten, kam jedes Mal die Antwort: Wir schaffen das selbst, wir sind unabhängig.

Doch das Schicksal war nicht auf ihrer Seite. Mein Schwiegersohn verlor plötzlich seinen Arbeitsplatz, unsere Tochter befand sich noch in Elternzeit. Geld war keines mehr da, die Raten waren aber weiterhin fällig. Sie baten uns, das Wochenendhaus am Chiemsee zu verkaufen, um wenigstens einen Teil der Schulden zu tilgen. Wir zögerten, aber am Ende ließen wir uns überreden allein, es reichte nicht aus.

Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Wohnung zu verkaufen, später auch das Auto. Schließlich mussten sie zu den Eltern meines Schwiegersohns aufs Land ziehen. Nun beklagen sie sich häufig, nichts Eigenes mehr zu besitzen. Dass alles so gekommen ist, liegt leider auch daran, dass sie unsere Ratschläge ignorierten. Die Schulden sind noch nicht abbezahlt es wird wohl noch Jahre dauern. Es bleibt ein Gefühl aus Kummer und Bedauern.

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Homy
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Verwandtschaft – Familienbande und ihre Bedeutung im deutschen Alltag