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016
Die Fee Schon in der sechsten Klasse war allen klar: Lisa Bogatsch war zum Arztberuf wie geschaffen. Damals stürzte der Nachbarsjunge von der Schaukel und zog sich eine schwere Kopf- und Knieverletzung zu – ein Anblick nichts für schwache Nerven. Doch die zwölfjährige Lisa behielt die Nerven. „Janka, hol bitte Wasser, Verband und Desinfektionsmittel!“, wies sie ihre Freundin aus der Nachbarwohnung an. Als die erschrockene Mutter des Jungen, Frau Tanja, ankam, hatte Lisa die Wunden bereits fachmännisch versorgt und verbunden. Frau Tanja war beeindruckt: „Du wirst mal eine tolle Ärztin! Viele Ärzte könnten sich an dir ein Beispiel nehmen.“ Auf Klassenfahrten war Lisa unersetzlich – niemand verletzte sich gern, aber mit Lisa an der Seite fühlte man sich sicher. Dann kamen das Medizinstudium, das praktische Jahr, die Facharztausbildung sowie regelmäßige Fortbildungen. Eines Tages musste sie während ihrer Tätigkeit als behandelnde Ärztin sogar die Leitung der Abteilung für Funktionsdiagnostik übernehmen. Im Krankenhaus wurde die inzwischen unter ihrem neuen Namen, Dr. Elisabeth Tichonowa, bekannte Ärztin sehr geschätzt. Das Team war spitze – abgesehen vom älteren Chefarzt Dr. Vladimir Jurjewitsch Stepanow: ein Nörgler und regelrechter Energievampir, der gern stichelte. Lisa gab sich Mühe, ihn zu ignorieren, aber innerlich kostete es sie viel Kraft. Erfreulicherweise begegneten sie sich nur selten – meist in der Ärztekommission, die Diagnosen der Neuaufnahmen besprach. Doch auch diese Treffen waren anstrengend. Dr. Stepanow diskutierte und spöttelte oft, und jeder merkte, dass ihn Lisas Gelassenheit noch mehr reizte. „Ein unmöglicher Mensch!“, klagte Lisa abends beim Essen ihrem Mann. „Du schaffst das – du bist doch unser kleiner Diplomat“, lächelte ihr Mann Valerij. „Mama, falls dir das Arztsein zu viel wird, kannst du immer noch in die Diplomatie wechseln – da verdient man besser“, sagte ihr 13-jähriger Sohn Maxim. Lisa war immer diplomatisch – aber auch nur ein Mensch. Sie spürte: Irgendwann würde das Maß voll sein – und dann knallte es. Eines Tages platzte ihr bei der Kommissionssitzung der Kragen: Eine ältere Patientin, die tapfer um ihre Gesundheit rang, wurde von Dr. Stepanow vor versammelter Runde harsch vorgeführt. Lisa konnte nicht anders – sie stellte sich schützend vor die Patientin, sprach Klartext mit ihrem Vorgesetzten und erinnerte ihn daran, dass Ärzte Hoffnung schenken sollten. Tatsächlich zeigte sich Dr. Stepanow danach zerknirscht, brachte Lisa ausgerechnet Baldriantropfen und bat schüchtern um Entschuldigung. Kurze Zeit später war der Chefarzt wie verwandelt: Er brachte der besagten Patientin einen Blumenstrauß und Pralinen – für die Enkelin – und zeigte sich von seiner besten Seite. Das Team war verblüfft: „Lisa, was hast du bloß mit ihm gemacht? Sogar lächeln kann er jetzt!“ Beim wöchentlichen Frauenteestündchen in der Krankenhausküche – einem festen Ritual, bei dem jede Kollegin Selbstgebackenes oder Marmelade beisteuerte – wurde gerätselt: „Stepanow heiratet!“, verkündete die Textilverwalterin. Und tatsächlich: Bald darauf gestand der frisch verliebte und strahlende Chefarzt Lisa, dass er die genese Patientin heiraten wolle – und lud sie zur Hochzeit ein, schließlich hatte sie ihre Begegnung erst ermöglicht. Die Hochzeitsfeier wurde ein großes Glück für alle Beteiligten – und Lisas Feenhaftigkeit zeigte sich darin, wie sie mit Herz, Verstand und einer Portion Diplomatie nicht nur Patienten, sondern auch Kollegen heilen konnte.
Die Fee Schon in der sechsten Klasse war klar: Lena Baumann wird einmal eine fantastische Ärztin.
Homy
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018
Je weiter weg, desto näher das Herz … – Weißt du was, mein lieber Enkel? Wenn ich euch wirklich so sehr im Weg stehe, bleibt mir nur eine Wahl. Zu meinen Töchtern fahre ich nicht mehr, und ich werde auch nicht ständig bei Freunden oder Bekannten unterkommen. Einen neuen Opa brauche ich übrigens auch nicht. Was ihr euch das immer ausdenkt! Mich noch im Alter verheiraten! – Oma, genau das sag ich dir doch die ganze Zeit! Und Mama sieht das genauso: Zieh doch ins Seniorenheim. Alles ganz einfach – überschreib das Haus auf mich, du bekommst da ein schönes Zimmer, Mama regelt das. Du bist nicht allein, hast andere zum Reden, Nachbarinnen direkt nebenan und wir stören uns nicht gegenseitig. – Ich gehe nicht weg aus meinem Haus. Das sage ich dir, Sascha. Wenn ich dir wirklich zur Last falle, dann ist da die Tür – sieben Wege führen hinaus. Du bist jung, hast doch Köpfchen. Such dir eine Wohnung und leb dein Leben, wie du willst. Wolltest nicht studieren? Dann geh halt arbeiten! Dein Liebesleben kannst du ausleben, jeden Tag eine neue Freundin anschleppen, wenn’s sein muss. Ich bin alt, in einem Monat werde ich 65, ich brauch meine Ruhe und Stille. Es reicht. Ich habe jetzt ein paar Jahre herumgeirrt, es wird Zeit, nach Hause zurückzukehren. Das ist nichts, mein lieber Enkel, wenn ihr mich aus meinem eigenen Haus jagt und auf meine Rente zusammen mit deinen Freundinnen lebt. Meine Rente ist kein Gummiband, das sich endlos strecken lässt. Du hast eine Woche Zeit. Findest du keine Wohnung, geh zu Freunden oder Bekannten. Oder zu der, wie heißt sie gleich, ich vergesse das immer – jedenfalls soll sie heute nicht mehr in meinem Haus sein. Erst wollen sie mir einen alten Bräutigam andrehen, und dann schicken sie mich ins Altenheim! Der entrüstete Enkel wollte noch etwas sagen, aber Lidia Pawlowna hörte ihm schon nicht mehr zu, ging wortlos in ihr Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Ihr Kopf tat höllisch weh. Eigentlich müsste ich eine Tablette nehmen, aber ich will so ungern in die Küche, um Wasser zu holen, nur um Sascha nicht zu begegnen. Beim Blick durch ihr kleines Zimmer entdeckte Lida eine Flasche Mineralwasser mit dem letzten Rest am Boden. Na bitte, reicht für einen Schluck. *** Lida war selbst überrascht von ihrer Entschlossenheit. Es hatte sich so viel aufgestaut, endlich konnte sie alles herauslassen. Zwei lange Jahre hatte sie geschwiegen, alles geduldet, rannten auf einen Anruf hin zu der einen Tochter, dann zur anderen, und genauso schnell schickten sie sie zurück: „Sag Mama, wir wollen dich nicht zu sehr beanspruchen …“ Jetzt aber schmiss der 20-jährige Enkel, ein echter Faulenzer, in Omas Häuschen das Regiment. Heute die große Liebe namens Daria, morgen Masha – Oma nervt, hustet hinter der Wand und stört beim Kuscheln. – Oma, fahr doch mal wieder zu deiner Schwester, damit wir mal alleine sind, Daria, Masha, Swetlana, Irina (zutreffendes bitte unterstreichen – die Freundinnen wechseln oft). Und Lidia Pawlowna reiste mal zur Cousine, zur Patin, zur alten Kollegin. Anfangs war sie überall willkommen, aber als das zweimal pro Woche passierte, war die Freude dahin – Lida merkte, die Leute fühlten sich von ihrer Anwesenheit belastet. *** Und gerade, als sie selbst nicht mehr wusste, wohin sie noch fahren sollte – bekam die ältere Tochter ein Baby. Großstadtleben, Wohnungskredit, älteres Schulkind – da war Omas Hilfe dringend nötig. Lidia Petrowna zog zur Tochter. Erst waren alle glücklich: warme Abendessen, saubere Wohnung, gepflegte Enkel. Doch nach ein paar Monaten fing der Schwiegersohn an zu meckern. Er war nur zehn Jahre jünger als die Schwiegermutter: – Lidia Petrowna, kaufen Sie nicht mehr so billige Würstchen, die sind ungesund. Warum gibt’s eigentlich Würstchen, wenn Sie doch eh den ganzen Tag daheim sind? Könnten Sie nicht was Richtiges kochen – Frikadellen zum Beispiel? Und so weiter – mal zu wenig Sparsamkeit, mal zu wenig Fleisch, dann wieder der Kommentar: „Wenn Sie schon mit den Kindern zu Hause sind, könnten Sie die Große beim Lernen unterstützen – wozu brauchen wir bei einer lebenden Oma noch Nachhilfelehrer?“ Nicht mal telefonieren sollte sie! Auch die älteste Enkelin hatte ihren eigenen Kopf. Die Oma zieht sich unmöglich an, macht ihr vor Gleichaltrigen nur Schande und zwingt sie zum Lernen. Überhaupt, Oma, warum bist du hier? Fahr zurück in dein Dorf, zu Hause kannst du machen, was du willst! Lida schwieg, bemühte sich um jeden. Für den Schwiegersohn kaufte sie Fleisch von ihrer kleinen Rente, steckte der Enkelin Taschengeld zu – als Kompensation „für die Schande“ –, und selbst dem Enkel Sascha, Taugenichts, der weder studieren noch arbeiten wollte, überwies sie den Rest der Rente, damit keine weiteren Schulden für Strom und Wasser entstanden. Klagen bei der Tochter – zwecklos! Die hängt am Mann, wagt kein böses Wort. Manchmal, wenn der Schwiegersohn nicht da war: „Mama, halt durch, ist für mein Wohl.“ Mehr nicht. Sobald die jüngere Enkelin in die Krippe kam, war Oma überflüssig. Schwiegersohn sagte es deutlich: „Lidia Petrowna, danke, wir brauchen Sie nicht mehr. Sie können heimfahren.“ Glücklich fuhr Lida nach Hause. Endlich wieder die Herrin im Haus. Doch im Haus: Sascha – der Enkel –, fest eingenistet, samt Freundin. Das Häuschen eine Katastrophe; Stromschulden, Wasserrechnungen unbeantwortet. Sie nahm einen Kredit auf und bezahlte alles. Kaum war alles wieder hergestellt, war Sascha nicht zufrieden. Das Haus ist zu klein, keine Privatsphäre, wenn Oma hustet … Dann der Anruf der jüngeren Tochter: Jetzt hilf uns aber bitte, wenn das Baby kommt. Was sollte sie tun? Sie fuhr hin. Drei Monate lebte sie dort, irgendwann war sie wieder überflüssig. Sie wartete nicht, bis sie hinausgebeten wurde, sondern fuhr von selbst heim. Und wieder war Sascha unzufrieden. Lidia Petrowna hätte es vielleicht weiter ertragen, wenn da nicht jener Vorfall nach ihrer Heimkehr gewesen wäre. Wieder einmal putzte sie das ganze Haus, diesmal hatte sie alle Rechnungen pünktlich selbst bezahlt. Aber wieder störte Oma den Enkel. *** – Sascha, ich fahre heute zu meiner Patin, die hat Geburtstag – komme erst spät wieder. Macht die Tür zu, ich nehme den Hintereingang, will euch nicht wecken. – Warum bleibst du nicht gleich über Nacht? Dann schleppst du nachts nicht rum und störst uns nicht. Bleib doch noch ein, zwei Tage bei ihr – dann können wir mal entspannen. – Wie, entspannen? Ich bin doch erst seit einer Woche wieder da! – Eine Woche ist auch schon lang genug. Bleib halt weg, ok? – Nein, ich komme nach Hause! Der Geburtstag war im vollen Gange: Erst Café, dann zu Hause weitergefeiert. Von Sorgen wollte keiner reden. Lida wollte schon heim, als ihre Freundin einen Anruf bekam. Sie ging kurz raus und sagte dann: „Das war deine Tochter, Nastja.“ – Nastja? Was ist passiert? Warum ruft sie mich nicht an? Ist alles in Ordnung? – Lida nahm das Handy, wollte schon wählen, aber Katja hielt sie zurück. – Ruf nicht an, alles ist gut. Sie will nur, dass du hier übernachtest. – Übernachten? Warum das? Ich hab Sascha gesagt, ich komm heim! – Sascha hat seiner Mutter gesagt, dass sie gerne mal zu zweit wären und du störst. Daher hat Nastja mich gebeten, dich bei mir schlafen zu lassen. Bleib echt heute mal, erzähl mir, was los ist. – Ach, es ist alles in Ordnung. – Weißt du, wenn alles gut wäre, würden die Kinder doch nicht bei Freunden anrufen und Mütter bitten, ihre eigene Mutter zu beherbergen … Sie hat mich letztens auch gefragt, ob ich nicht einen Opa mit Wohnung weiß. Sascha müsste mal heiraten, aber du stehst im Weg. Wär vielleicht besser, du würdest dir einen Opa suchen, wenn du nicht ins Seniorenheim willst … Lida erzählte alles – wie sie mit ihrer ältesten Tochter lebte und auch nicht recht war, dass sie der Jüngeren zur Last fiel, dass sie dem Enkel Sascha im Weg ist. Zwei Jahre lebt sie so, hat ein eigenes Haus, und doch ist sie darin überflüssig. – Weißt du, Katja, nicht mal im eigenen Haus bin ich Herrin. Sascha ist nach dem Abi zu Nastja gezogen. Ihr Mann – der Stiefvater – wollte ihn nicht dort haben. Also kam er zurück. Militär? Gescheitert. Studium? Wollte er nicht. Solange er in der Schule war, hat Nastja uns noch Geld geschickt, aber ab 18 war Schluss … Also sitzt er auf meinem Hals. Lida blieb trotzdem nicht bei Katja, fuhr heim. Kaum zu Hause, machte sie Sascha eine klare Ansage. Sascha beschwerte sich bei seiner Mutter, dass die „alte Frau“ den Verstand verliere und ihn rausschmeiße. Nastja rief an, wollte ihre Mutter zurechtweisen. Aber Lida sagte ihr dasselbe wie dem Enkel. Sascha zog aus, kündigte an, dass er nie wieder helfen werde, kein Fuß mehr in dieses Haus setze. Lida blieb allein – aber zum ersten Mal war ihr das Alleinsein eine Freude. Endlich aufatmen! Das ganze Leben hat sie sich nach anderen gerichtet. Töchter konnten mit dem Gedanken, dass sie nicht heiratete, nicht umgehen. Nach dem Tod des Mannes musste sie alles allein schultern. Sie wollte nur das Beste, am Ende zog sie sich Abhängige heran. Es ist kein Zustand, wenn man im Alter aus dem eigenen Haus gejagt wird – was ist das für ein Leben, wenn man im eigenen Zuhause als überflüssig gilt? Sascha hat es schließlich eingesehen, kam und bat sie um Verzeihung. Lida hatte längst vergeben. Aber zurück ins Haus lud sie ihn nicht ein. Als Gast ist er immer willkommen, aber wohnen werden sie nicht mehr zusammen. Er ist jung, hat anderes im Kopf, und sie braucht nun Ruhe. Die Töchter laden sie jetzt wieder ein, Hilfe wird gebraucht. Doch Lida lehnt ab. „Bringt die Kinder zu mir, gerne passe ich auf. Hier ist die Luft besser und ich in meinem Haus mein eigener Herr.“ Lida sagt: Je älter man wird, desto mehr lernt man das Eigene zu schätzen. Und ich glaube, sie hat recht.
Je weiter weg, desto vertrauter… Weißt du was, mein lieber Enkel! Wenn ich euch so sehr störe
Homy
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016
Als meine Frau den Hund zum Tierarzt brachte, ahnte sie schon, einen folgenschweren Fehler gemacht zu haben – denn statt einem Pechvogel lebten nun plötzlich zwei im Haus… Es fing an, als ein Findelkätzchen bei uns einzog – ganz typisch, meine Frau wollte nur den Müll rausbringen und kam mit tierischem Anhang zurück. Der Kater, den wir Nevik nannten (von „der Unglückliche“), stolperte von einer Katastrophe in die nächste: Erst die Pfoten im heißen Eintopf und in die saure Sahne, später sämtliche Ausflüge ins Chaos. Gläser, Schalen, Vasen – alles flog zu Boden, meist auf Nevik selbst. Tischsalz wurde panisch verteidigt, denn der Kater zielte immer mittenrein. Dreimal überlebte er einen Stromschlag, nur mit viel Glück und dem Arzt. Mehrfach mußten wir ihn aus dem Putzwassereimer retten. Selbst Sprünge gingen nie dahin, wohin sie sollten. Ständig schrammte Nevik an Ecken, Spiegeln und Sesseln entlang. Meine Frau zog sogar zu „weisen Frauen“ auf dem Land, doch nach zerbrochenem Geschirr verweigerten alle Heilerinnen fortan die Hilfe. Bis ein Tipp kam: Nevik braucht einen Partner – am besten einen Hund. Die Chihuahua-Hündin (schrecklich anzusehen, noch schlimmer bellend), für ein kleines Vermögen angeschafft, wurde auf den Namen Rex getauft und brachte sofort neue Episoden ins Haus. Kaum war Rex ins Leben getreten, schnappte die erste Mausefalle zu – ausgerechnet an der Hundenase. Die Fahrt zum Tierarzt ließ meine Frau daran zweifeln, jemals wieder Glück ins Haus bringen zu können: Nun waren sie zu zweit, die kleinen Pechmagneten. Bald waren sie ein Herz und eine Seele und steckten gemeinsam in jeder nur denkbaren Misere: von Ameisen und Bienen über Gänseschnäbel bis zum Hühnerpick. Aber eines Morgens wendete sich alles… Mein Mann, der wie immer mit Kaffee und Stulle zur Arbeit hastete, wurde von Nevik blockiert. Der Kater weigerte sich, Platz zu machen, kratzte sogar. Als mein Mann weniger geduldig wurde, sprengte Rex heldenhaft dazwischen, kauerte sich zitternd vor Nevik und stellte sich schützend in den Weg – kläffend wie eine Hustenattacke. Gerade noch rechtzeitig, denn draußen krachte ein Milch-Laster, hatte die Bremsen versagt, und rammte unser Auto zu Schrott. Nur weil die beiden „Pechvögel“ ein Drama machten, blieb mein Mann verschont. Seitdem fragt er jeden Morgen die Zwei, ob draußen die Luft rein ist, bevor er das Haus verlässt – und grinst über ihre nickenden, tapferen Gesichter. Sind sie jetzt Glückskinder? Fehlanzeige! Das Chaos bleibt, nur wird jetzt geschmust, getröstet und geliebt, egal ob nach Sahne-Attacken oder nächtlichem Gekreische. Rex bekam ein teures Halsband und Nevik ein Kuschelbett, das er natürlich meidet – lieber schläft er auf unseren Füßen und fällt regelmäßig runter. Dann eilt Rex zur Rettung, bellt drohend und verteidigt seinen Katzenfreund. Nachts liegen schließlich beide zwischen uns im Bett – und alles ist gut. Vielleicht kommt es Ihnen verrückt vor – aber im Grunde ist das alles nur eine Liebeserklärung: Man liebt nicht, weil jemand Glück oder Pech bringt, sondern weil es ihn gibt. Und das ist das größte Glück von allem!
Es war einmal, vor vielen Jahren, als meine Frau unseren Hund zum Tierarzt brachte. Damals begann sich
Homy
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033
Ein Mädchen betritt ein deutsches Restaurant, sieht einen Teller mit Essensresten auf einem Tisch – und beginnt zu essen. Ein Kellner bemerkt sie, geht auf sie zu und nimmt ihr kommentarlos den Teller weg. Doch was dann geschieht, musst du bis zum Ende lesen! Die bewegende Geschichte der achtjährigen Maria: Aus einer kinderreichen Familie, vom Vater verlassen, kämpft ihre Mutter täglich um das Nötigste. Samstags hilft Maria auf dem Wochenmarkt, um etwas Geld zu verdienen. Der verlockende Duft aus dem Restaurant lässt sie nicht los, bis sie eines Tages der Versuchung nachgibt – und damit nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern auch eine unvergessliche Lektion in Menschlichkeit erhält. Eine rührende deutsche Alltagsgeschichte über Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und große Träume in kleinen Herzen.
Ein kleines Mädchen betrat ein Restaurant am Rande von Frankfurt. Mit großen, hungrigen Augen entdeckte
Homy
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012
Fräulein, sobald der alte Mann seine billige Suppe endlich auslöffelt, geben Sie mir bitte seinen Tisch – ich habe keine Zeit zu verlieren! Ich bin heute großzügig, schreiben Sie die Rechnung auf mich. Doch der bescheidene Alte verpasste dem reichen Großkotz im kleinen, gemütlichen Restaurant an einer ruhigen Ecke eines deutschen Städtchens eine unerwartete Lektion! Es war ein einfaches, warmes Lokal, in dem es nach frischem Brot und heißer Suppe roch – ein Ort, an dem man nicht nur zum Essen kam, sondern um sich… zu Hause zu fühlen. Jeden Tag um die gleiche Zeit kam er: Ein alter, ärmlicher Mann mit abgearbeiteten Händen und müder, lebensgezeichneter Miene. Er verlangte nie mehr, beschwerte sich nicht, störte niemanden. Setzte sich an seinen Stammplatz in der Ecke, zog die Mütze ab, wärmte sich die Hände und sagte immer mit sanfter Stimme: „Eine Suppe… bitte, wenn’s möglich ist.“ Alle kannten ihn. Manche sahen ihn mit Mitleid, andere mit Verachtung. Doch die meisten… betrachteten ihn als Teil des Restaurants, als jemanden, der nichts mehr zu verlieren hatte, aber noch seine Würde bewahrte. Eines Tages öffnete sich die Tür schwungvoll – und es betrat ein Mann im teuren Anzug mit funkelnder Uhr. Arrogant, gewohnt, alles sofort zu bekommen: Herr Dr. Meyer, erfolgreicher Geschäftsmann, „jemand“ – jeder kannte ihn. Als Meyer Platz nahm, entdeckte er den Alten, der gerade seine Suppe löffelte, als wäre jeder Bissen ein kleiner Sieg. Meyer lachte verächtlich und winkte die Kellnerin heran: „Fräulein… sobald der alte Mann seine billige Suppe endlich auslöffelt, geben Sie mir bitte seinen Tisch. Ich bin heute großzügig… schreiben Sie die Rechnung auf mich!“ Die Kellnerin erstarrte. Nicht wegen der „Spende“, sondern wegen seines erniedrigenden Tons. Der alte Mann hatte alles gehört – alle im Lokal hatten es gehört. Doch der Alte blieb ruhig, blickte dem reichen Mann fest in die Augen – mit einer Wärme, hinter der schmerzhafte Erinnerung lag: „Schön, dich wohlbehalten zu sehen, Heinz… Vergiss nicht: Als du nichts hattest, gab ich dir die Suppe. Deine Mutter war eine einfache Frau, du hast dich immer am Zaun versteckt, weil dir vor Hunger das Herz klopfte…“ Das Lokal hielt den Atem an. Meyers Maske fiel in Sekunden. Tränen blieben in Kellnerins Augen zurück, das Lokal schwieg – und zum ersten Mal seit vielen Jahren war der große Herr ganz klein. An der Tür, mit gebrochener Stimme: „Bitte… vergib mir.“ Der Alte sah ihn an: „Nicht mir musst du vergeben – sondern dem Kind, das du begraben hast, um groß zu erscheinen.“ Zum Abschied: „Komm morgen… übermorgen… und so lange es Gott will – deine Suppe wird nie wieder ‚billig‘ sein.“ Denn manchmal straft uns das Leben nicht mit Verlust, sondern mit Erinnerungen – damit wir zurückfinden… zur Menschlichkeit. Wenn du bis hier gelesen hast, lass ein ❤️ da und teile es weiter – vielleicht braucht heute jemand die Erinnerung, dass der Wert eines Menschen sich nicht in Geld misst, sondern im Herzen.
11. November Heute war einer dieser Tage, an denen das Leben einem eine ganz unerwartete Lektion erteilt.
Homy
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013
Eine ältere Dame findet in der Dorfkirche eine Kette auf dem Boden und beschließt, sie nicht zurückzugeben… bis sie weiß, wem das Bild darin gehört – Eine bewegende Geschichte über Schicksal, Familie und ein unerwartetes Wiedersehen im Herzen eines deutschen Dorfes
In der alten Dorfkirche irgendwo im Herzen Bayerns schien die Zeit stillzustehen. Der Duft von Weihrauch
Homy
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017
Ein alter Herr erhebt sich mühselig aus dem Bett, tastet sich an der Wand entlang ins Nebenzimmer und blickt im Schein der Nachtlampe mit schwachen Augen auf seine liegende Ehefrau: „Sie bewegt sich nicht! Ist sie etwa gestorben?“ Auf den Knien flüsternd: „Sieht so aus, als atmet sie.“ Dann steht er auf, schleppt sich in die Küche, trinkt einen Kefir, geht zur Toilette und kehrt in sein Zimmer zurück. Schlaf will nicht kommen: „Wir sind beide schon neunzig. Wie lange haben wir gelebt! Bald ist es soweit, und niemand ist mehr da. Unsere Tochter, Andrea, starb noch vor sechzig. Unser Sohn, Markus, ist im Gefängnis ums Leben gekommen. Die Enkelin, Oksana, lebt seit zwanzig Jahren in München. Von uns denkt sie wohl kaum noch, hat sicher selbst schon große Kinder.“ Als er einschläft, spürt er eine Hand: „Konstantin, bist du wach?“ Über ihm beugt sich seine Frau: „Du hast dich gar nicht bewegt. Ich hatte Angst, du wärst tot.“ „Ich lebe noch! Schlaf weiter.“ Nach raschelnden Schritten und dem Klick des Lichtschalters trinkt sie in der Küche Wasser, geht zur Toilette und kehrt in ihr Zimmer zurück. Im Halbdunkel denkt sie: „Irgendwann wache ich auf, und er ist tot. Was tun? Vielleicht sterbe ich vorher. Beerdigungen haben wir längst organisiert. Wer hätte gedacht, dass wir das je tun müssten? Aber gut so – Enkelin Oksana hat uns vergessen, und außer Nachbarin Pauline, die einen Schlüssel hat und für zehn Euro von der Rente Lebensmittel und Medikamente besorgt, kommt sonst niemand. Was sollen wir mit dem Geld? Runter vom vierten Stock schaffen wir es sowieso nicht mehr.“ Die Sonne scheint herein. Konstantin öffnet die Augen, geht auf den Balkon, sieht das frische Grün des Flieders, lächelt: „Wir haben es bis zum Sommer geschafft!“ „Lena, komm, ich zeig dir was“, ruft er. Schwerfällig vorsichtig bringt er sie hinaus: „Siehst du, die Flieder blüht schon! Und du sagtest, wir erleben den Sommer nicht mehr.“ „Und die Sonne scheint.“ Auf der Bank lehnen sie sich aneinander: „Weißt du noch, wie ich dich damals ins Kino einlud – zu Schulzeiten, der Flieder war damals auch schon grün.“ „So was vergisst man nicht“, erwidert sie. „Über siebzig Jahre ist das her… fünfundsiebzig.“ Lange schweigen sie, erinnern sich an die Jugend, die nicht vergeht, wenn auch vieles andere vergessen wird. „Wie die Zeit vergeht… Und noch gar nicht gefrühstückt!“ – „Lena, mach doch mal einen richtigen Tee! Immer nur Kräuter…“ – „Das dürfen wir doch gar nicht.“ – „Aber ein bisschen, Zucker nur einen Löffel…“ Konstantin schlürft den dünnen Tee, denkt an frühere Jahre mit süßem, kräftigem Tee, Piroggen und Buletten. Pauline kommt, lächelt: „Wie geht’s euch denn?“ – „Was kann schon mit Neunzig sein?“, scherzt er. – „Solange du noch Witze machst, ist alles gut! Was braucht ihr?“ – „Pauline, kauf bitte Hähnchenfleisch, daraus gibt’s Nudelsuppe!“ – „Und etwas fürs Herz, bitte“, bittet seine Frau. Pauline putzt, räumt, und bereitet alles für sie vor. Dann sitzen die beiden wieder auf dem Balkon in der Sonne. Pauline bringt Haferbrei, kocht Suppe fürs Mittagessen. – „Eine gute Frau“, sagt er. – „Dafür schreibst du ihr aber nur zehn Euro ab.“ – „Die Wohnung ist eh schon auf sie überschrieben – nur, sie weiß es nicht.“ Bis zum Mittag verweilen sie im Sonnenschein. Es gibt Hühnersuppe, fein geschnittenes Fleisch und zerdrückte Kartoffeln. „Hab ich immer so für Andrea und Markus gekocht, als sie klein waren“, erinnert sich seine Frau. „Und jetzt kocht für uns ein fremder Mensch“, seufzt er. „So ist das Leben, Kosta“, sagt sie. „Und sterben werden wir, ohne dass jemand weint.“ – „Schluss jetzt, Leni, lass uns noch ein wenig schlafen. Im Alter ist alles wie bei Kindern: Suppe püriert, Mittagsschlaf und kleine Pausen.“ Nach einem Nickerchen steht Konstantin wieder auf, bemerkt zwei vorsorglich bereitgestellte Gläser Saft auf dem Küchentisch. Er trägt sie ins Schlafzimmer seiner Frau: „Warum bist du so traurig, Leni?“ – „Schlechte Stimmung, Wetter drückt. Fühl mich heute schlecht, hab das Gefühl, ich sterbe bald. Begrab mich wenigstens ordentlich.“ – „Red keinen Unsinn, was mach ich nur ohne dich?“ – „Einer von uns geht zuerst.“ „Schluss jetzt, auf den Balkon mit uns!“ Bis zum Abend sitzen sie draußen. Pauline bringt Quarkkeulchen und kocht das Abendessen. Abends schauen sie wie immer alte Komödien oder Zeichentrickfilme – von neuen Filmen verstehen sie kaum noch etwas. Nach dem ersten Trickfilm steht sie auf: „Ich geh schlafen, bin heute sehr müde.“ „Dann geh ich auch. Warte, ich will dich noch mal richtig ansehen!“ „Warum?“ „Einfach so.“ Sie sehen sich lange an, denken wohl an ihre Jugend – als alles noch vor ihnen lag. „Komm, ich bring dich zu deinem Bett.“ Lena nimmt ihn unter den Arm, sie gehen langsam – ganz fürsorglich deckt er sie zu, geht in sein eigenes Schlafzimmer, schwer ums Herz, kann lange nicht schlafen. Er glaubt, nicht eingeschlafen zu sein – als die Digitaluhr zwei Uhr zeigt, steht er auf, geht ins Zimmer seiner Frau. Sie liegt mit offenen Augen, starrt an die Decke. „Lena!“ Er nimmt ihre Hand – eiskalt. „Lena, was ist…? Le-e-na!“ Plötzlich bekommt er selbst keine Luft mehr, schleppt sich in sein Zimmer, legt Dokumente auf den Tisch, kehrt zu ihr zurück, betrachtet lange ihr Gesicht, legt sich neben sie, schließt die Augen, sieht seine Leni – jung, schön, wie vor fünfundsiebzig Jahren, sie geht einem hellen Licht entgegen, und er läuft zu ihr, ergreift ihre Hand… Am Morgen betritt Pauline das Schlafzimmer. Sie liegen nebeneinander, auf den Gesichtern ein glückliches Lächeln. Benommen ruft Pauline den Notarzt. Der Arzt staunt: „Zusammen gestorben. Sie müssen sich sehr geliebt haben.“ Sie werden abgeholt, Pauline sinkt erschöpft auf einen Stuhl. Da sieht sie den Bestattungsvertrag und… das Testament auf ihren Namen. Den Kopf auf den Händen, beginnt sie leise zu weinen.
Der alte Herr mühte sich aus dem Bett und stützte sich an der Wand entlang, um ins Nebenzimmer zu gelangen.
Homy
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09
Guten Tag, ich bin die Geliebte Ihres Mannes. Ich legte das Mode-Magazin zur Seite, das ich gerade durchblätterte, und blickte auf die attraktive Blondine, die plötzlich in der Tür zu meinem Büro stand. Sie lächelte süffisant und sagte: „Ich habe leider schlechte Nachrichten für Sie – ich bin schwanger. Natürlich von Ihrem Mann.“ Ich fragte die Blondine sachlich: „Haben Sie einen Nachweis?“ Triumphal zog sie aus ihrer teuren Designertasche einen weißen Zettel mit blauer Stempelmarke – sie war gut vorbereitet. Ich prüfte das Attest – es war echt. Kein Wunder, denn mit solchen Nachrichten sollte man besser keine Fälschung riskieren. „Gut“, sagte ich, „es sieht tatsächlich so aus, als wären Sie schwanger. Nun fehlt nur ein Vaterschaftstest, um zu bestätigen, dass das Kind auch wirklich von meinem Mann ist – dann ist alles geklärt.“ Die Blondine schien den Boden unter den Füßen zu verlieren und fragte zögernd: „Geklärt – was meinen Sie damit?“ Ich klärte sie freundlich auf: „Mein Mann wird Ihnen Unterhalt zahlen, ich suche Ihnen eine tolle Gynäkologin, reserviere Ihnen ein komfortables Zimmer in der besten Klinik – Sie können beruhigt entbinden, ohne Sorgen um sich und Ihr Kind.“ Die Blondine wirkte nun unruhig: „Hören Sie nicht zu? Ich bekomme ein Kind, es braucht seinen Vater.“ Ich antwortete gelassen: „Unsere drei Kinder brauchen ihren Vater auch – und zum Glück haben sie ihn. Machen Sie sich keine Sorgen, mein Mann wird ihr Kind besuchen, vielleicht wird er es sogar zur Schule bringen. Sie können Ihr Kind auch mal zu uns geben – wir haben erstklassige Nannys. Und ich liebe Kinder ebenfalls. So haben Sie Zeit für sich und können Ihr eigenes Leben ordnen. Glauben Sie mir, mit Kind ist das schwer genug.“ Die Blondine sprang auf und knetete nervös ihre teure Tasche. „Verstehen Sie denn nicht? Ich schlafe mit Ihrem Mann! Ich erwarte sein Kind! Er liebt Sie nicht mehr, sondern mich!“ Ich wurde nachdenklich. Das arme, noch so junge Mädchen tat mir fast leid. Aber das Leben wischt romantische Flausen schnell aus jungen Köpfen – besonders aus denen, die glauben, einen reichen Mann einfach „ergattern“ zu können. „Liebes, Sie sind schon die vierte Dame innerhalb kurzer Zeit, die so etwas behauptet. Die erste vergaß das Attest ganz, die zweite und dritte hatten gefälschte… Ach ja, bei einer stimmte zwar die Schwangerschaft, aber nicht die Vaterschaft. Mein Mann und ich haben noch keiner wirklich Hilfesuchenden Unterstützung verweigert, aber offensichtliche Lügen duldet nicht mal er – und er ist sehr großzügig.“ Die Blondine wirkte aufgelöst, während ich weitersprach: „Und was Ihr Verhältnis zu meinem Mann angeht – er schläft auch mit mir. Und mit anderen Frauen! Soll ich ihm seine kleinen Schwächen verdenken? Solange das weder mich noch unsere Kinder betrifft… Geben Sie mir Ihre Nummer, ich organisiere den Vaterschaftstest und Sie werden informiert.“ Die junge Dame verlor die Nerven und verließ fluchtartig das Büro. Ich zündete mir eine Zigarette an. Ich hatte diesen Besuch längst erwartet – ich wusste von der neuen Affäre meines Mannes. Ich habe das Gespräch ausgehalten, wie schon die drei vorherigen. Auch wenn es schwer zu ertragen ist, fiel es mir leichter, ruhig zu bleiben, als einen hysterischen Anfall zu bekommen und meinen wohlhabenden, erfolgreichen Mann an eine andere zu verlieren. Er ist damals auch von seiner vorherigen Ehefrau zu mir gekommen, nachdem ich selbst schwanger vor ihrer Tür stand. Sie tat ihren Unmut lauthals kund, doch er hasste Dramen und Tränen. So heiratete er mich, ich war ja tatsächlich schwanger – und dann folgten noch zwei Kinder. In meinem Innersten wusste ich, ein Mann, der seiner Frau mit mir fremdging, würde auch mir nicht treu sein. Es werden wohl noch neue Konkurrentinnen kommen. Aber ich werde nicht den Fehler seiner Ex-Frau wiederholen und keine von ihnen eine Chance lassen. Ich kann es ertragen. Ich schaffe das.
Guten Tag, ich bin die Geliebte Ihres Mannes. Ich lege das Layout des Magazins zur Seite, das ich gerade
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09
Leben wie der Mond: Mal ganz, mal am Schwinden Ich glaubte, unsere Ehe sei unerschütterlich und ewig wie das Universum. Leider irrte ich… Meinen zukünftigen Mann lernte ich während des Medizinstudiums kennen – wir heirateten im fünften Semester. Als Hochzeitsgeschenk bekamen wir von meiner Schwiegermutter eine Reise nach Jugoslawien (heute Slowenien) und die Schlüssel zu einer Wohnung. Und das war erst der Anfang. Kaum verheiratet, zogen wir in eine großzügige Dreizimmerwohnung. Schwiegereltern unterstützten uns nach Kräften. Jedes Jahr erkundeten mein Mann und ich dank seiner Eltern Europa. Wir waren jung, verliebt und voller Hoffnung. Dima, der Virologe, ich die Internistin. Arbeiten, helfen, lieben. Unsere Söhne Daniel und Klaus wurden geboren. Heute, nach so vielen Jahren, erkenne ich, dass mein Leben damals wie ein sich mächtig schlängelnder Fluss war. Zehn Jahre lang lebte ich im Überfluss. Alles brach von einem Moment auf den anderen zusammen… Ein Klingeln an der Tür. Da stand sie: eine hübsche, etwas niedergeschlagene junge Frau. „Wen suchen Sie?“ frage ich gelassen. „Sind Sie Sophia? Dann bin ich hier richtig. Darf ich reinkommen?“ zagt sie. Ich ließ sie eintreten und bemerkte, dass sie schwanger war. „Sophia, ich heiße Tanja. Es ist mir peinlich, aber ich liebe Ihren Mann sehr. Dmitri liebt mich auch. Wir erwarten ein Kind“, platzte es aus ihr heraus. „Aha. Überraschend. War das alles?“ kochte ich innerlich. „Nein.“ Sie holte eine edle Schachtel hervor. „Bitte nehmen Sie – das ist für Sie.“ Drin lag ein goldener Ring. „Was soll das? Wollen Sie etwa meinen Mann kaufen? Dima steht nicht zum Verkauf! Nehmen Sie das zurück!“ „Ich will Sie nicht verletzen, Sophia. Ich schäme mich so. Aber ich liebe Dima! Nehmen Sie wenigstens den Ring, dann fühlt es sich für mich besser an.“ Tanja begann aufrichtig zu weinen. Für einen Moment tat sie mir leid. Doch wer hat Mitleid mit mir? Sie stahl mein Glück, und ich bemitleide sie… Ich schob ihr den Ring zurück und warf sie hinaus. Mit diesem Moment begann mein Leben zu bröckeln… Die Schwiegermutter rief an: Dima verlässt die Familie. Sie kam, packte für ihn, nahm alles mit. „Sophia, wir bleiben trotzdem deine Familie“, sagte sie beim Abschied, „aber Dimi und Tanja – wie Kälber, die gehen, wohin ihr Herz sie führt!“ Ein halbes Jahr später kam Dimas Tochter zur Welt. Kurz darauf hörte ich, dass er auch Tanjas Tochter aus erster Ehe adoptierte. Unsere Söhne besuchte er nie. Die „Alimente“ kamen nur noch über die Schwiegermutter an. Es waren die wilden 90er. Ich landete mit Nervenzusammenbruch im Krankenhaus, die Kinder nahm die Schwiegermutter auf und verwöhnte sie nach Strich und Faden. Nach meiner Entlassung weigerten sich Daniel und Klaus, zu mir zurückzukommen: „Oma ist viel netter!“ „Sophia, lass die Jungs doch bei uns. Du musst eh die große Wohnung aufgeben“, bat mich meine Schwiegermutter. „Du schaffst eine Einzimmerwohnung auch allein.“ So blieb ich allein. Erst den Mann verloren, dann die Kinder. Ich musste die komfortable Wohnung eintauschen und fand mich in einer winzigen, baufälligen Einzimmerwohnung wieder. Die Kinder durfte ich nur an großen Feiertagen sehen. „Sophia, bitte störe die Jungen nicht allzu oft. Kümmere dich besser um dein eigenes Leben“, seufzte die Schwiegermutter. Meine Jungs entfremdeten sich immer mehr. Die Verbindung brach ab, ich verfiel in tiefe Traurigkeit. Meine Oma sagte immer: „Das Leben ist wie der Mond – mal voll, mal nimmt es ab.“ So konnte es nicht weitergehen. Ich war kurz davor, den Verstand zu verlieren – wollte endlich nicht mehr das Fußabtreterchen für alle sein. Immerhin hatte ich mein Medizinstudium mit Auszeichnung abgeschlossen! Bei einer beruflichen Konferenz in Frankreich lernte ich Jovan, einen serbischen Arzt, kennen. Wie wir uns verstanden haben, weiß ich bis heute nicht – Worte brauchten wir kaum. Es war die große Leidenschaft. Doch nach zehn Tagen hieß es Abschied nehmen. Das kurze Glück hauchte mir neues Leben ein. Von da an gab es wechselnde Bekanntschaften und Liebschaften. Nichts Ernstes. Eines Tages stellte meine Schwiegermutter fest: „Sophia, du blühst regelrecht auf – wie der Frühlingsanfang!“ Doch ich blieb allein. Meine beste Freundin Olga wanderte nach Griechenland aus: „Ich heirate einen Griechen. Unsere Typen hier taugen nichts. Zeit für ein neues Leben! Mit 40 geht alles erst richtig los!“, erklärte sie mir unter Tränen. „Was weinst du denn? Freu dich doch!“ „Ich will, dass du meinen Alexander kennenlernst. Vielleicht passt ihr zusammen – ich schenke ihn dir quasi!“ Also nahm ich Olgas Mann. Alexander war bald mein zweiter Ehemann. Er hatte nur einen Makel – er trank. Aber wie heißt es so schön: Liebe macht blind. Ich konnte nicht anders – ich liebte diesen Trunkenbold. Und so begann das Drama… Entgiftungen, Rehakliniken, viele Tränen. Alles half nichts. „Sophia, du willst doch bloß einen Abstinenzler aus mir machen. Aber das will ich nicht!“, erklärte er mir. Trotzdem kam Trennung nie infrage – lieber ein kümmerlicher Ehemann als keine Familie, dachte ich. Sieben Jahre kämpfte ich – wie einst Tanja um meinen ersten Mann. Aber dann stoppte Schurik! Er fand Arbeit als Fahrer im Leichenschauhaus. Die Erfahrungen dort prägten ihn. Seitdem habe ich endlich einen Ehemann, wie ich ihn mir wünsche: ruhig, nachdenklich und vor allem nüchtern. Olga staunte bei ihrem Besuch aus Griechenland: „Alexander trinkt nicht mehr? Unglaublich!“ Ich lache: „Kein Umtausch, keine Rückgabe!“ Meine Söhne sind inzwischen über 30, beide unverheiratet. Nach allem, was sie mit uns Erwachsenen durchgemacht haben, ist Freude an der eigenen Familie nicht groß. Und der Ex-Mann? Seine zweite Frau Tanja ist dem Alkohol verfallen, ihre gemeinsame Tochter zieht allein ein Kind groß. Dima heiratete zum dritten Mal – diesmal seine Praxis-Kraft. Kurz vor der Hochzeit fragte er noch unsere Söhne: „Ob eure Mutter nochmal von vorn mit mir anfangen will?“ Meine klare Antwort: „Nur über meine Leiche. Also – niemals!“
LEBEN, WIE DER MOND: MAL VOLL, MAL IM ABNEHMEN Manchmal kommt es mir vor, als sei unsere Ehe so unerschütterlich
Homy
Educational
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„Nach meinem Tod musst du ausziehen, ich vermache die Wohnung meinem Sohn…“ – Als A n a t o l die Ehefrau Galina nach jahrzehntelangem Zusammenleben damit konfrontiert, dass sie nach seinem Tod die gemeinsam renovierte Wohnung verlassen muss, weil alles an seinen leiblichen Sohn Sergej geht, bricht für sie eine Welt zusammen. Galina, die selbst aus dem Waisenhaus stammt, sich nach dem frühen Tod ihres ersten Mannes allein um zwei Kinder kümmerte und jahrelang alles in die Familie und das Zuhause investierte, steht plötzlich vor dem Nichts – und muss erkennen, dass Herzblut und Loyalität nicht vor Undank und egoistischen Entscheidungen schützen. Ein bewegender Generationenkonflikt aus dem deutschen Alltag über Patchwork-Familien, Gerechtigkeit, Vertrauen – und die Frage: Wem gehört das gemeinsame Zuhause, wenn am Ende die Vergangenheit zurückkehrt?
Nach meinem Tod wirst du leider ausziehen müssen, ich vermache die Wohnung meinem Sohn Es tut mir leid
Homy