Sechzehn Jahre später tauchte die leibliche Mutter meiner Kinder plötzlich in ihrem Leben auf und behauptete, sie sei ihre wahre Mutter und ich sei für sie niemand.

Meine Ehe mit David begann vor achtzehn Jahren, in den Schatten des Unmöglichen. Davids ehemalige Frau, Lorelei, verließ ihn und ihre Kinder, um mit einem anderen Mann zu entfliehen. Lorelei und David hatten zwei wundervolle Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Damals waren die Kinder erst drei und vier Jahre alt, als David plötzlich seinen Job verlor. Die Welt in unserer Straße in Hamburg schien sich im Nebel zu verlieren. Lorelei rannte von Vorstellungsgespräch zu Vorstellungsgespräch, während David Trost in Bier und Selbstmitleid suchte, von Kneipe zu Kneipe trabte und sein Leid seinen alten Freunden aus Schulzeiten klagte.

In dieser trüben Zeit begann Davids Mann, als ob aus einem Märchen geschrieben, seiner Frau hinterherzuspionieren. Und Lorelei, von Eurosorgen bedrückt und von emotionalen Stürmen erfasst, entschied sich schließlich, Mann und Kinder zurückzulassen, um mit ihrem neuen Partner zusammenzuleben. Die Kinder blieben wie kleine Gestalten, die zwischen Staubwolken im Flur wandern, zurück in einer Wohnung, die von Einsamkeit heimgesucht wurde. Unsere Nachbarn, darunter Frau Schmitt und Herr Schneider, traten aus dem Regen hervor, brachten Brötchen und Suppe, teilten Trost und Wärme.

David aber, gefangen in einem traumhaften Nebel, bemerkte gar nicht, wie seine Welt zerfiel. Erst als die Stimmen der Kinder durch die leere Wohnung hallten, wurde ihm klar, dass Lorelei fort war. Doch es war zu spät die Kinder wurden in ein Kinderheim gebracht, ein altmodisches Gebäude mit Eichenbäumen, wo Träume ein anderes Licht bekamen.

Ich begegnete David als verspielte Gestalt auf einer Hochzeit unseres gemeinsamen Freundes Paul in München. Seine Geschichte griff nach meinem Herz, als hätte jemand einen Schatz im Bayerwald entdeckt. Ich fühlte mich zu ihm gezogen wie zu einem Musikstück aus Kindertagen. Schon bald nach der Feier bot ich an, seine Kinder aus dem Heim zu holen. Obwohl ich selbst nicht Mutter werden konnte, empfand ich für die Kinder eine Liebe, die tief aus einer anderen Welt zu stammen schien. Sie nannten mich Mama Gerlinde, manchmal liebe Mütterchen, und ihre Liebe war wie ein Frühlingstag am Rhein.

Achtzehn Jahre lang ahnten die Kinder nicht, dass ich nicht ihre leibliche Mutter war. Dann tauchte Lorelei auf, aus dem Dunst der Vergangenheit, bereit, ihre Kinder wiederzufinden und ihnen offenbaren, wer sie ist. Der Sohn, Ludwig, nahm die Nachricht auf wie ein stilles Gewässer; für ihn war ich und bin ich die einzige Mutter, ohne Zweifel. Die Tochter, Anneliese, sprühte heller, offener, und entschied sich, Lorelei zu vergeben. Anfangs zögerte ich die Narben vergangener Jahre schienen noch zu bluten. Trotzdem sah ich, dass Lorelei von Schuldgefühlen verfolgt wurde und nun die Brücke zu ihren Kindern wiederaufbauen wollte.

Am Ende begriff ich, dass zwei liebende Mütter wie zwei Sonnen sind, die den Tag erhellen. Ich unterstützte Lorelei dabei, sich mit ihren Kindern zu versöhnen. Muttersein bedeutet nicht nur das Gebären, sondern auch das Aufziehen und das Teilen von Liebe, als sei das Leben selbst ein träumerisches Märchen in der deutschen Nacht.

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Homy
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Sechzehn Jahre später tauchte die leibliche Mutter meiner Kinder plötzlich in ihrem Leben auf und behauptete, sie sei ihre wahre Mutter und ich sei für sie niemand.
Ich hatte drei lange Beziehungen in meinem Leben. In allen dreien dachte ich, dass ich Vater werden würde. Und in allen drei bin ich gegangen, als das Thema Kinder ernst wurde. Die erste Frau, mit der ich zusammen war, hatte bereits ein kleines Kind. Ich war 27. Anfangs machte mir das nichts aus. Ich gewöhnte mich an ihren Alltag, den Rhythmus ihres Kindes, an die Verantwortung. Aber als wir darüber sprachen, selbst ein Kind zu bekommen, vergingen Monate und nichts geschah. Sie ging zuerst zum Arzt. Bei ihr war alles in Ordnung. Sie fragte mich, ob ich mich auch untersuchen lassen hätte. Ich sagte, das sei nicht nötig, das klappt schon. Aber ich fühlte mich zunehmend unwohl… gereizt… angespannt. Wir fingen an, nur noch zu streiten. Und eines Tages ging ich einfach. Die zweite Beziehung war anders. Sie hatte keine Kinder. Von Anfang an war klar, dass wir eine Familie wollten. Jahre vergingen, wir versuchten es oft. Jeder negative Test machte mich verschlossener. Sie weinte immer öfter. Ich wich dem Thema aus. Als sie vorschlug, gemeinsam zum Spezialisten zu gehen, sagte ich ihr, sie übertreibe. Ich kam immer später nach Hause, verlor das Interesse, fühlte mich eingeengt. Nach vier Jahren trennten wir uns. Die dritte Frau hatte bereits zwei Teenager-Söhne. Von Beginn an sagte sie, es sei für sie in Ordnung, wenn wir keine weiteren Kinder hätten. Doch das Thema kam wieder auf. Eigentlich brachte ich es selbst zur Sprache. Ich wollte mir beweisen, dass ich es kann. Und wieder… nichts passierte. Ich fühlte mich fehl am Platz, als würde ich einen Platz einnehmen, der nicht für mich bestimmt ist. In allen drei Beziehungen passierte etwas Ähnliches. Es war nicht nur Enttäuschung. Es war Angst. Angst, vor einem Arzt zu sitzen und zu hören, dass das Problem bei mir liegt. Ich habe mich niemals untersuchen lassen. Niemals etwas bestätigt. Ich bin lieber gegangen, als eine Antwort zu bekommen, von der ich nicht wusste, ob ich sie ertragen könnte. Heute bin ich über vierzig. Ich sehe meine Ex-Partnerinnen mit ihren Familien, mit Kindern, die nicht meine sind. Und manchmal frage ich mich, ob ich wirklich gegangen bin, weil ich genug hatte… oder weil ich nicht den Mut hatte, zu bleiben und mich dem zu stellen, was vielleicht mit mir los war.