In meinem Leben hatte ich drei lange Beziehungen. In allen dreien glaubte ich, irgendwann Vater zu werden. Und doch habe ich jedes Mal die Beziehung beendet, als das Thema Kinder ernster wurde.
Meine erste Partnerin, Sabine, hatte schon ein kleines Kind, als wir uns kennenlernten. Ich war damals 27. Anfangs war es mir egal; ich gewöhnte mich an ihren Alltag, an die Struktur, die ein Kind vorgibt, an die damit verbundenen Pflichten. Doch als wir selbst über ein gemeinsames Kind zu sprechen begannen, verstrichen Monate, ohne dass etwas passierte. Sie war die Erste, die sich medizinisch untersuchen ließ. Bei ihr war alles in Ordnung. Dann kam die Frage, ob ich denn auch schon beim Arzt gewesen sei. Ich wiegelte ab, sagte, es würde schon klappen. Aber in mir wuchsen Zweifel und Unbehagen. Ich wurde gereizter, spannte innerlich an. Immer wieder führten diese Themen zu Streitereien. Eines Tages stand ich auf und ging.
Meine zweite Beziehung war mit einer kinderlosen Frau sie hieß Katharina. Von Anfang an war klar, dass wir eine Familie wollten. Die Jahre zogen ins Land. Immer wieder folgte auf Hoffnungen die Enttäuschung eines negativen Tests. Katharina weinte häufiger. Ich hingegen begann, die Diskussion zu vermeiden. Als sie vorschlug, gemeinsam zum Spezialisten zu gehen, warf ich ihr Übertreibung vor. Mehr und mehr entglitt mir das Interesse, ich ging später nach Hause, fühlte mich eingeengt. Nach vier Jahren trennten wir uns.
Die dritte Beziehung brachte mich zu Barbara, die bereits zwei pubertierende Söhne hatte. Sie sagte ganz offen, dass sie keinen Kinderwunsch mehr hätte. Doch irgendwann diesmal sogar von mir aus kam das Thema wieder auf. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich dazu in der Lage bin. Aber auch hier geschah nichts. Mit der Zeit fühlte ich mich fehl am Platz, als sei ich ein Besucher in einem Leben, das nicht zu mir gehört.
Das Erstaunliche war: In allen drei Beziehungen war es nicht nur Enttäuschung, die mich prägte sondern Angst. Die Angst, vor einem Arzt zu sitzen und bestätigt zu bekommen, dass ich selbst vielleicht der Grund bin.
Ich habe nie Tests gemacht, habe das Gespräch immer gemieden. Lieber habe ich jede dieser Beziehungen verlassen, als mich mit einer Wahrheit auseinanderzusetzen, von der ich nicht wusste, ob ich sie tragen könnte.
Heute bin ich über vierzig. Ich sehe meine Ex-Partnerinnen gelegentlich, mit ihren neuen Familien, mit Kindern, die nicht meine sind. Manchmal frage ich mich dann, ob ich wirklich ging, weil der Alltag zu schwer wurde oder weil mir der Mut fehlte, mich meiner eigenen Unsicherheit zu stellen.
Was ich daraus gelernt habe? Wahre Reife bedeutet vor allem, sich auch mit den eigenen Ängsten auseinanderzusetzen. Davonlaufen löst keine Probleme mutig sein, auch wenn es schwerfällt, macht das Leben am Ende reicher.




