Ins Leere blickend: Dima und Anja heirateten mit 19 Jahren, weil sie nicht ohneeinander leben konnten – eine wilde, leidenschaftliche Liebe, die ihre Eltern sofort veranlasste, die Beziehung zu legalisieren, um Skandale zu vermeiden… Die Hochzeit war ein rauschendes Fest mit allem Drum und Dran: Puppe auf der Motorhaube, Blumenmeer, Feuerwerk, Festsaal, laute „Bitter!“-Rufe. Anjas Eltern konnten sich finanziell nicht beteiligen – ihre kargen Löhne reichten nur für das Nötigste und den Wodka. So übernahm alles die Mutter des Bräutigams, Alexandra Alexandrowna, die auf Deutsch Sanna Sannowna genannt werden wollte, weil ihr russischer Name kompliziert war. Obwohl sie ihren Sohn Dima von einer Verbindung mit einem Mädchen aus einer Trinkerdynastie abhalten wollte, war er überzeugt, ihre Liebe würde alles Negative überstrahlen. Sanna Sannowna warnte: „Von einer Esche wachsen keine Apfelsinen. Hoffentlich hält eure Liebe länger als eine Spatzen-Nase.“ Anja und Dima schienen am Beginn ihres Glücks zu stehen, Sanna Sannowna schenkte ihnen großzügig eine Wohnung zur Hochzeit, zwei Töchter – Tanja und Swetlana – wurden geboren, doch das Glück war nicht von Dauer. Anja begann zu trinken, floh zu einem anderen Mann mit Familie, ließ die Kinder zurück. Sanna Sannowna nahm die Enkelinnen bei sich auf. Dima verlor sich in einer Sekte, heiratete wieder, hatte aber kaum noch Zeit für seine Töchter. Anja kehrte Jahre später mit einem weiteren Kind, Mascha, zurück, verschwand erneut, ließ das Mädchen bei Sanna Sannowna. Die Jahre vergingen, die Familie zerfiel, Sanna Sannowna und ihr Mann starben, Tanja blieb kinderlos, Swetlana wählte Einsamkeit, Mascha bekam als Jugendliche selbst ein Kind und zog zu ihrer Mutter aufs Dorf, die nun als Trinkerin und Außenseiterin verschrien war. Dima verließ die Sekte, blieb einsam zurück mit drei Katzen in der Wohnung seiner Mutter. Und doch: Das Glück hatte einmal an die Tür von Dima und Anja geklopft…

IN DIE LEERE BLICKEND

Thomas und Leni heirateten, als sie beide erst neunzehn waren. Ihre Liebe war leidenschaftlich, fast schon rauschhaft, sie konnten kein Leben ohneeinander vorstellen. Die Eltern beschlossen deshalb schnell, ihre Verbindung zu legalisieren bevor irgendetwas Unrechtes geschehen konnte.

Die Hochzeit wurde ein großes, unvergessliches Fest, ganz wie es sich gehört: Ein Stoffherz schmückte die Motorhaube, Blumen in Hülle und Fülle, ein Feuerwerk, ein prunkvoller Festsaal und immer wieder die Rufe: Küsschen! Küsschen!

Lenis Eltern konnten es sich nicht leisten, sich finanziell an der Feier zu beteiligen. Ihr Lohn reichte gerade für das Nötigste und für Alkohol. Die gesamte Hochzeit wurde von Thomas Mutter bezahlt: Alexandra Wagner von allen, der Einfachheit halber, Sanna genannt.

Sanna hatte ihren Sohn stets davor gewarnt, sich mit einem Mädchen einzulassen, dessen Eltern dem Alkohol so zugetan waren. Aber Thomas ließ sich nicht beirren. Er versicherte seiner Mutter, Leni habe mit den Problemen ihrer Eltern nichts zu tun. Ihre Liebe, meinte er überzeugt, sei stärker als alle Schatten der Vergangenheit.

Sanna hielt dagegen: Weißt du, mein Sohn, vom Apfelbaum wächst kein Pfirsich. Pass auf, dass eure Liebe nicht kürzer währt als eines Spatzes Schnabel

Doch für Thomas und Leni schien das Glück grenzenlos. Sie glaubten fest, dass nur die Liebe, das ausgelassene Leben und das große Glück vor ihnen lagen. Die Welt schien ihnen zu Füßen zu liegen.

Aber das Leben erzählte seine eigene Geschichte.

Als Hochzeitsgeschenk übergaben Sanna und ihr Mann dem jungen Paar eine kleine Wohnung in einer ruhigen Ecke von München. Lebt glücklich, Kinder!

Zunächst war die Ehe harmonisch. Das Schicksal, so schien es, war ihnen wohlgesonnen.

Leni brachte zwei Töchter zur Welt: Tanja und Svea. Thomas liebte seine Mädchen über alles. In seiner Familie fühlte er sich als ein wahrer Herr im Haus und war stolz darauf.

Doch nach nicht einmal fünf Jahren änderte sich alles. Leni verschwand immer häufiger aus dem Haus. Wenn sie zurückkam, roch Thomas den Alkohol. Er suchte Erklärungen, doch Leni schwieg zunächst, bis sie eines Tages herausplatzte, sie habe ihn nie wirklich geliebt es sei nur jugendliche Verliebtheit gewesen.

Nun, so erklärte sie, habe sie endlich den Mann ihrer Träume gefunden. Sie würde ihn verlassen, egal, dass dieser Mann schon verheiratet war und drei Töchter hatte.

Für Thomas brach eine Welt zusammen. Er fühlte sich wie von dunklem Nebel umhüllt. Verraten von der Frau, die er so sehr liebte.

Leni floh mit ihrem Geliebten in ein abgelegenes bayerisches Dorf. Ist mein Schatz bei mir, ist es selbst in einer Scheune ein Paradies, redete sie sich ein. Die Töchter überließ sie ihrem Schicksal.

Sanna Wagner war eine burschikose, energische Frau, schwer zu fassen und noch schwerer zu entmutigen. Sie nahm die beiden Enkelinnen zu sich, gemeinsam mit ihrem Mann schlossen sie die Mädchen ins Herz und gaben ihnen alles, was sie konnten.

Thomas, von Kummer und Einsamkeit getrieben, schloss sich auf Rat eines Freundes einer strengreligiösen Gemeinschaft an. Dort wurde er schon bald mit einer Witwe, Klara, verheiratet, die ihrerseits zwei Söhne, Oleg und Viktor, mitbrachte. Nach einer Weile folgte die kirchliche Trauung nach den Regeln der Gemeinschaft.

Für seine eigenen Töchter hatte Thomas kaum noch Zeit. Klara überschüttete ihn mit ihren Sorgen, die niemals abrissen. Wenn Thomas anmerkte, dass er Tanja und Svea sehen wolle, hieß es nur: Sie haben eine Mutter. Lass sie sich kümmern. Bring lieber Viktor zur Schule und gib Oleg etwas zu essen

Thomas tat alles, was von ihm verlangt wurde. Aber im Herzen trauerte er Leni immer noch nach und wusste gleichzeitig: Es gibt kein Zurück.

Sieben Jahre später stand Leni plötzlich vor Sannas Tür. An der Hand ein Mädchen von vielleicht vier Jahren. Sanna musterte die ehemalige Schwiegertochter kritisch.

Du siehst mitgenommen aus, Leni. Ist das deine Tochter? höhnte sie.

Ja, das ist Marie. Dürfen wir eine Zeitlang bei euch bleiben? fragte Leni unsicher.

Solche Gäste habe ich nicht erwartet. Rausgeworfen worden? bohrte Sanna nach.

Nein, ich bin von selbst gegangen. Ich halte es nicht mehr aus. Mein Mann schlägt mich und ist ständig betrunken, klagte Leni.

Den Mann hast du dir selbst ausgesucht. Niemand hat dich gezwungen. Was ist mit deinen Eltern, warum gehst du nicht zu ihnen? Sanna ließ Milde nicht so recht durchscheinen.

Ich habe meine Mädchen vermisst. Darum bin ich gekommen. Darf ich sie wenigstens sehen? Leni wurde mutiger, im Wissen um Sannas großes Herz.

Schau an, jetzt erinnerst du dich an deine Kinder! Du bist wie der Kuckuck, Leni, schimpfte Sanna, doch bevor sie weitermachen konnte, läutete es.

Tanja und Svea waren inzwischen herangewachsen und begegneten ihrer Mutter mit Misstrauen; Bitternis stand in ihren Augen. Von Mutterliebe keine Spur, der Schmerz des Verlassenwerdens saß tief. Sanna hatte oft bemerkt, ihre Enkelinnen seien zu Lebzeiten der Eltern zu Waisen geworden.

Trotz allem nahm Sanna Leni und Marie bei sich auf sie konnte Frau und Kind ja nicht auf die Straße setzen.

Doch nach einem Monat verließ Leni die Familie heimlich. Es kam heraus, dass sie zu ihrem süßen Peiniger zurück ins Dorf gegangen war. Marie ließ sie kurzerhand bei der Großmutter. Nun waren Sanna und ihr Mann für drei Enkelinnen verantwortlich, die sie liebten und umsorgten. In ihrem Zuhause herrschten Wärme, Respekt und Geborgenheit.

Das Leben rauschte weiter, Jahre vergingen.

Großmutter Sanna, dann ihr Mann, traten nacheinander den letzten Weg an. Tanja heiratete, doch blieb kinderlos. Svea verbrachte ihr Leben allein.

Marie bekam mit siebzehn ein Kind und zog zu ihrer Mutter, irgendwo in der bayerischen Einöde.

Die Jugend war gegangen, ohne sich zu verabschieden, das Alter kam, ohne zu grüßen.

Leni lebte inzwischen allein. Ihr letzter Gefährte war krank geworden, schließlich ein Pflegefall. Seine Töchter brachten ihn in die Stadt, machten Leni Vorwürfe: Sie hätte sich besser kümmern müssen. Zum Schluss warf man ihr noch nach: Kümmere dich lieber um deinen eigenen Kram!

Im Dorf wurde Leni als schamlose Trunkenboldin bekannt. In kleinen Gemeinden spricht sich jede Geschichte schnell herum, die Gerüchte schwirrten durch die Luft. Ihr Ruf war miserabel.

Thomas schließlich floh vor Klara und entkam nur knapp der Sekte. Er blieb allein zurück, lebte in der alten Münchner Wohnung seiner Mutter. Sein Leben bestand aus Wasserbrot und kalten Nächten, mit drei Katzen als einziger Gesellschaft damit der Wahnsinn nicht ganz Macht über ihn gewann. So hatte sich das Glück das alles sicher nicht vorgestellt

Und doch hatte das Glück einst an die Tür von Leni und Thomas geklopft.

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Homy
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Ins Leere blickend: Dima und Anja heirateten mit 19 Jahren, weil sie nicht ohneeinander leben konnten – eine wilde, leidenschaftliche Liebe, die ihre Eltern sofort veranlasste, die Beziehung zu legalisieren, um Skandale zu vermeiden… Die Hochzeit war ein rauschendes Fest mit allem Drum und Dran: Puppe auf der Motorhaube, Blumenmeer, Feuerwerk, Festsaal, laute „Bitter!“-Rufe. Anjas Eltern konnten sich finanziell nicht beteiligen – ihre kargen Löhne reichten nur für das Nötigste und den Wodka. So übernahm alles die Mutter des Bräutigams, Alexandra Alexandrowna, die auf Deutsch Sanna Sannowna genannt werden wollte, weil ihr russischer Name kompliziert war. Obwohl sie ihren Sohn Dima von einer Verbindung mit einem Mädchen aus einer Trinkerdynastie abhalten wollte, war er überzeugt, ihre Liebe würde alles Negative überstrahlen. Sanna Sannowna warnte: „Von einer Esche wachsen keine Apfelsinen. Hoffentlich hält eure Liebe länger als eine Spatzen-Nase.“ Anja und Dima schienen am Beginn ihres Glücks zu stehen, Sanna Sannowna schenkte ihnen großzügig eine Wohnung zur Hochzeit, zwei Töchter – Tanja und Swetlana – wurden geboren, doch das Glück war nicht von Dauer. Anja begann zu trinken, floh zu einem anderen Mann mit Familie, ließ die Kinder zurück. Sanna Sannowna nahm die Enkelinnen bei sich auf. Dima verlor sich in einer Sekte, heiratete wieder, hatte aber kaum noch Zeit für seine Töchter. Anja kehrte Jahre später mit einem weiteren Kind, Mascha, zurück, verschwand erneut, ließ das Mädchen bei Sanna Sannowna. Die Jahre vergingen, die Familie zerfiel, Sanna Sannowna und ihr Mann starben, Tanja blieb kinderlos, Swetlana wählte Einsamkeit, Mascha bekam als Jugendliche selbst ein Kind und zog zu ihrer Mutter aufs Dorf, die nun als Trinkerin und Außenseiterin verschrien war. Dima verließ die Sekte, blieb einsam zurück mit drei Katzen in der Wohnung seiner Mutter. Und doch: Das Glück hatte einmal an die Tür von Dima und Anja geklopft…
Ich habe dir geraten, nach dem dritten Kind Schluss zu machen. Ich habe dir sogar spezielle Tabletten gekauft – in der Hoffnung, dass du zweimal über deine Entscheidung nachdenkst. Doch offenbar waren all meine Mühen vergeblich. – Wie viele Kinder willst du eigentlich noch bekommen? fragte meine Schwiegermutter sarkastisch. – Lass uns doch bitte den Sarkasmus sein lassen. Bist du so verärgert, weil Peter dir von meiner Schwangerschaft erzählt hat? entgegnet Monica ruhig. – Natürlich bin ich das! Ich habe dir gesagt, beim dritten Kind sollte Schluss sein. Sogar Tabletten habe ich dir gekauft, damit du das überdenkst. Doch anscheinend war mein Einsatz umsonst, beschwert sich meine Schwiegermutter. – Wir kennen deine Einstellung, aber wir wollen nicht gegen die Natur handeln, antwortet Monika. – Wollt ihr mich auf den Arm nehmen? Dann könnt ihr künftig nicht mehr mit meiner Unterstützung rechnen! ruft Maria. Monika will gerade etwas erwidern, als plötzlich das Telefon klingelt. Maria hat ihre Kinder nie wirklich unterstützt. Sie besucht ihre Enkel selten, verbringt keine Zeit mit ihnen und bringt nur zu Geburtstagen kleine Geschenke oder Süßigkeiten mit. Finanziell sind Monica und Peter vollkommen unabhängig. Als Monica zum dritten Mal schwanger wurde, bestand die Schwiegermutter sogar auf einer Abtreibung – doch das Paar lehnte ab, und schließlich verliebte sich Maria in ihre Enkelin. Und dann wurde Monica wieder schwanger! Sie bemühte sich, die angespannte Beziehung zur Schwiegermutter vor ihrem Mann zu verbergen, solange sie und die Kinder sich wohl fühlten. Peter hat einen gut bezahlten Job, Monica arbeitet in Teilzeit von zu Hause aus. Als ihr kleines Geschäft zu wachsen begann, stellte sie sogar eine Assistentin für die Kinderbetreuung ein. Eigentlich läuft alles wunderbar – wäre da nicht Marias zerstörerische Einstellung. Von Anfang an mochte sie ihre Schwiegertochter nicht und hoffte sogar, ihr Sohn würde sich von Monica trennen. Doch ihre Hoffnungen erfüllten sich nie. Dann kamen die Kinder, eines nach dem anderen. Laut Monica lehnt ihre Schwiegermutter ein viertes Enkelkind vor allem deshalb ab, weil sie fürchtet, dass Peters Geld künftig hauptsächlich für die Familie und nicht mehr für die Unterstützung seiner Mutter verwendet wird. Maria war daran gewöhnt, ein komfortables Leben zu führen – ihr Sohn bezahlte die Zahnarztbesuche, schickte sie ins Spa und renovierte ihr Haus. Nun drohen all diese Extras zu entfallen: Kein finanzieller Rückhalt mehr. Bei dem Gedanken, künftig auf etwas verzichten zu müssen, ist Maria verständlicherweise aufgebracht. Monica versucht, Marias ständige Negativität zu ignorieren, doch es bleibt nicht ohne Einfluss auf ihr eigenes Wohlbefinden. Dennoch – es ist unwahrscheinlich, dass Maria die Entscheidung von Sohn und Schwiegertochter beeinflussen kann. Sie bekommen ihr viertes Kind! Wie geht man mit einer Mutter um, die sich so unverhohlen in das Leben ihrer erwachsenen Kinder einmischt?