Ich habe dir doch geraten, nach dem dritten Kind Schluss zu machen. Ich habe dir sogar extra Tabletten gekauft in der Hoffnung, dass du vielleicht nochmal drüber nachdenkst, was du da tust. Aber anscheinend waren meine Bemühungen völlig für die Katz.
Wie viele Kinder wollt ihr denn eigentlich noch bekommen? fragte meine Schwiegermutter Irmgard, spitz wie Senf.
Lass das mit dem Sarkasmus, ja? Bist du so aufgebracht, weil Lukas dir von meiner Schwangerschaft erzählt hat? erwiderte Annalena gelassen.
Natürlich bin ich das! Ich hab dir doch gesagt, nach Nummer drei ist Schluss. Sogar Pillen hab ich dir besorgt, damit du ein bisschen überlegst. Hat aber anscheinend alles nichts gebracht, beklagte sich Irmgard.
Wir kennen deine Meinung, aber wir wollen eben nicht gegen Mutter Natur kämpfen, antwortete Annalena.
Seid ihr nicht ganz dicht? Dann könnt ihr schön auf meine Hilfe verzichten! fauchte Irmgard aufgebracht.
Annalena wollte gerade was entgegnen, da klingelte plötzlich das Telefon.
Irmgard war noch nie groß hinter ihren Enkelkindern gewesen. Sie nahm sie nicht mit in den Zoo, verbrachte kaum Zeit mit ihnen und Geschenke oder Süßigkeiten gabs nur an Geburtstagen. Annalena und Lukas waren auch finanziell völlig unabhängig. Als Annalena mit dem dritten Kind schwanger wurde, bestand Irmgard darauf, es wegmachen zu lassen, doch das Paar blieb stur und Irmgard wurde am Ende doch ganz vernarrt in ihr Enkelkind. Und dann wurde Annalena schon wieder schwanger! Die Beziehung war sowieso etwas angespannt, aber Annalena versuchte, die Familienpolitik vor Lukas und den Kindern möglichst zu verbergen, solange daheim für alle das Leben rund lief.
Lukas hatte einen soliden, gut bezahlten Job, und Annalena schmiss nebenbei von zuhause ein kleines Unternehmen. Als das langsam Fahrt aufnahm, stellte sie sogar eine nette Studentin ein, die beim Kinderbetüddeln half. Eigentlich war alles bestens wenn da nicht Irmgards Genörgel wäre. Von Anfang an konnte sie Annalena nicht ausstehen und träumte heimlich davon, dass ihr Sohn sich von ihr trennt. Aber wie das nun mal in deutschen Familien ist: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und plötzlich gabs Kinder, eins nach dem anderen.
Nach Annalenas Ansicht hatte Irmgard schlicht Angst, dass das vierte Enkelkind finanziell bedeuten würde: Lukas ganzes Geld fließt direkt in die Familie und ihr bleibt nur noch der Rest für den Zahnarzt und das gelegentliche Wellness-Wochenende in Oberstaufen. Früher bekam sie alles: neue Küche, frische Gardinen und sogar Balkonmöbel von Lukas bezahlt. Jetzt fürchtete sie, dass sie bald den Gürtel enger schnallen muss. Das wurmte Irmgard gewaltig.
Annalena versuchte, das beständige Gemecker ihrer Schwiegermutter zu ignorieren, aber irgendwann nervt es einfach. Andererseits wirklich Einfluss auf die Entscheidung der jungen Familie hatte die Oma nie. Die beiden bekamen ihr viertes Kind, ob sie wollte oder nicht.
Tja, wie geht man mit so einer Mutter um, die meint, den Chef im Ring spielen zu müssen und sich pausenlos einmischt? Am besten lächelt man einfach freundlich und trinkt noch einen Kaffee schließlich heißt es in Deutschland ja: Lieber ein paar Kinder zu viel als eine Schwiegermutter zu wenig.





