Dem Herzen kann man nichts befehlen Fröhlich durch das Dorf nach Hause zurückgekehrt, schob Prochor das Gartentor auf und trat in den Hof. Aus dem Haus stürmte seine Mutter ihm entgegen, umarmte ihren Sohn und wischte sich die Tränen ab. – Mein Junge, du hast deinen Dienst abgeleistet. Mein Gott, wie du deinem Vater ähnelst, ein richtiges Abbild – schade nur, dass er seinen Sohn nicht mehr sehen kann, – redete und redete Tatjana. – Hallo, Mama, du zerdrückst mich ja vor lauter Freuden, – lachte Prochor, – komm, lass uns reingehen. – Proschka, mein Sohn, die ganze Woche konnte ich kaum schlafen, habe immer auf dich gewartet. Gott sei Dank, jetzt bist du zu Hause, jetzt wird mir auch leichter ums Herz. Prochor kam gestärkt aus der Bundeswehr zurück, er war schon immer ein kräftiger Kerl, aber jetzt noch durchtrainierter. Vor der Einberufung hatte er sich nie ernst mit Mädchen eingelassen, auch wenn einige Hoffnung hegten. – Ich möchte vor der Bundeswehr keine feste Beziehung eingehen. Was, wenn das Mädchen nicht wartet? Dann würde ich mich unnötig quälen… Lieber erst nach dem Dienst verlieben und dann heiraten, – sagte er zu seinen Freunden. – Vielleicht ist das auch richtig, – unterstützte ihn sein Kumpel Max, – du bist sowieso immer so ernst, auch bei solchen Themen. – Er klopfte ihm auf die Schulter. – Sohn, komm an den Tisch, ruh dich aus, und heute Abend… – weiter kam sie nicht, denn Max stürmte ins Haus, fiel Prochor um den Hals und freute sich riesig. – Mann, du bist aber kräftig geworden! Die Bundeswehr hat dir echt gutgetan, – lachte Max. – Hallo, Max, setz dich zu mir an den Tisch, – bot Prochor an. – Meine Mutter hat schon erzählt, dass sie dich gesehen hat, als du am Haus vorbeigelaufen bist. Da bin ich gleich hinterher. Den ganzen Tag kamen Freunde und Bekannte vorbei, jung und alt – jeder wollte mit Prochor sprechen. Abends gingen Max und er in den Dorfklub, wo schon die Musik tobte und die Tänze im vollen Gange waren. Prochor, der die Mädchen vermisst hatte, stand da und überlegte, wen er zum Tanz auffordern sollte. Als der Weiße Tanz ausgerufen wurde, kam Rita direkt auf ihn zu. – Na, komm tanzen, ich lade dich ein, – sagte sie bestimmt und nahm ihn an die Hand. Mit Rita tanzend, fehlte erstmal das Gesprächsthema. Sie sah ihm nur schweigend in die Augen, er begann zu schwitzen und schaute verlegen zur Seite. – Habe ich etwa verlernt, mit Mädchen zu reden? – dachte er, doch Rita ergriff die Initiative. Er kannte Rita, sie war drei Jahre älter, aufgeweckt und attraktiv. Den ganzen Abend ließ sie ihn nicht los und er brachte sie nach Hause. Sie gingen wieder schweigend – bis Prochor sich ein Herz fasste und von seinem Dienst erzählte. Doch Rita hielt plötzlich an, küsste ihn fest auf die Lippen und er war völlig überrumpelt. Sie lachte nur. Prochor war es etwas unangenehm: Rita war ziemlich offen, und das passte ihm nicht so recht, aber störte ihn auch nicht wirklich. – Proschka, warum bist du so schüchtern? Hast du dich in der Bundeswehr so verändert? – lachte sie. Noch in derselben Nacht verstand er: Rita hatte nichts mit Zurückhaltung zu tun. Am nächsten Tag kam sie gleich zu ihnen nach Hause, unterhielt sich mit Tatyana wie mit einer alten Freundin. Die beiden kannten sich ja auch schon lange – im Dorf kennt jeder jeden. Die Mutter merkte sofort, dass Rita ernste Absichten hatte, sie war gesprächig, lebenslustig und bot sofort ihre Hilfe im Haushalt an. Bald kam Rita regelmäßig, griff zum Besen, zeigte, wie tüchtig und geschickt sie war. Tanya mochte sie, aber Prochor war verunsichert. – Warum kommt Rita tagsüber, wenn wir abends ohnehin im Klub verabredet sind? Eines Morgens stand Nachbar Opa Miron im Hof – sie wohnen direkt am Zaun. Jeden Morgen schaute der alte Mann prüfend über die Nachbarschaft und brummelte zufrieden, wenn alles beim Alten war. Ein neugieriger Mensch. Prochor brachte gerade Heu unters Scheunendach, als Opa Miron plötzlich hinter ihm stand. – Moin Nachbar, – sagte er, und Prochor zuckte zusammen. – Grüß dich, Opa Miron, du hast mich erschreckt! – lachte er. – Na, so leicht kriegt dich keiner, – schmunzelte der ältere Mann. – Ich sehe schon, Rita ist ständig bei dir. Noch bist du standhaft – aber sie wird dich schon einfangen. Sie ist eine flinke, braucht nicht viel Überzeugung, so eine habe ich damals auch gehabt. Nur dass ich meine Frau lange umwerben musste. Aber deine Rita schnappt sich gleich deine Mutter, wickelt sie um den Finger. Die kann was! Prochor hielt sich bedeckt, denn Opa Miron hatte ja recht. Die Hartnäckigkeit von Rita wurde ihm allmählich zu viel. Sie interessierte ihn nicht, berührte weder sein Herz noch seine Seele. – Junge, verliebt siehst du nicht aus. Wenn ihr Klammergriff zu eng wird, befreie dich von einer Liebe, die keine ist… Prochor verstand, dass Opa Miron recht hatte. Zuhause sprach er mit seiner Mutter: – Mama, ich klär das heute mit Rita. Ich hab genug von dieser Bekanntschaft. – Wieso denn, mein Junge? Rita ist doch nett, hilft mir, flink und tüchtig. Was willst du denn mehr? – Ich will eine, die mich fasziniert, die geheimnisvoll ist… Rita ist zu berechenbar. Tatyana verstand ihn nicht. Am Abend klammerte sich Rita wieder an ihn, küsste ihn, dass er kaum sprechen konnte. Am Ende ließ er sie wissen: Es war ihr letzter gemeinsamer Abend. Er ging nicht mehr in den Klub, verbrachte seine Abende mit Büchern im Bett. Rita kam immer noch, aber er mied sie. Manchmal fuhr er mit Max angeln oder besuchte einen Kameraden in der Stadt. Lief er Rita über den Weg, nickte er nur knapp und verschwand. Die Zeit verging. Ins Dorf kam eine neue, junge Landärztin, Pauline. Unauffällig gekleidet, ohne grelles Make-Up, schüchtern, aber entschlossen. Ihre Augen – wie zwei blaue Seen, darin konnte man versinken. Im Klub war sie nie, Freundinnen hatte sie noch keine. Aber Opa Miron ging zur Sprechstunde, der Rücken schmerzte. Seitdem schwärmte der alte Mann von Pauline: – Unsere neue Ärztin ist zwar noch ganz jung, aber streng. Verordnet mir Tabletten und besteht darauf, dass ich die Termine einhalte. Die nimmt’s genau mit mir. Und erst ihre Augen! Die leuchten wie kleine Sternchen, am liebsten würde man gar nicht mehr gehen. Prochor kannte sie nicht, er war den ganzen Tag auf dem Feld, kam abends müde nach Hause. Doch eines Tages riss er sich den Rücken. Opa Miron bekam alles mit, sprach Tatjana darauf an, dass ihr Sohn sich kaum bewegen konnte. – Keine Sorge, ich hole die Ärztin. Die kommt vorbei, du musst arbeiten. Proschka ist jung und kräftig, aber manchmal überschätzt man sich. Pauline kam wie versprochen vorbei. – Sie sieht ja noch wie ein Mädchen aus, – dachte Prochor, – ob die wirklich was kann? Ihr Blick streng, aber die blauen Augen voll Wärme, die Stimme weich. Als sie ihn behandelte, stockte ihm der Atem. – Alles klar, – sagte sie, – ich verschreibe Tabletten, und komme selbst zu den Spritzen. Prochor wartete nun jeden Tag sehnsüchtig auf Pauline und schaute ständig auf die Uhr. Es ging ihm besser, und eines Tages nahm er all seinen Mut zusammen, schloss sie spontan in die Arme und wollte sie küssen. Da bekam er eine schallende Ohrfeige. Ihre Augen funkelten zornig, Pauline packte ihre Sachen und verließ das Haus. – Warum habe ich das getan? – haderte Prochor. – Ich dachte, das geht einfach so… Aber richtig so, sie hat Charakter. Pauline blieb kühl, kam, verabreichte die Spritze und ging, ohne ein Wort. Am nächsten Tag entschuldigte er sich, doch sie sagte nichts. Doch in ihren Augen konnte er sehen – er war ihr nicht gleichgültig. Auch sie hatte dasselbe Gefühl. Die Spritzenkur war vorbei, Prochor genas, die Hauptarbeit auf dem Feld war geschafft. Abends ging er wieder in den Klub. Gleich kam Rita, doch Prochor sah plötzlich Pauline mit einer Freundin. Musik erklang, er bat sie zum Tanz. Ihre schlanke Figur, der anmutige Gang, eine zarte, etwas schüchterne Lächeln – ihre Augen… Prochor fühlte sich wie im siebten Himmel. Nach dem Tanz flüsterte er: – Lass uns hier verschwinden! – Pauline lächelte und nickte. Bald feierte das ganze Dorf ihre Hochzeit. Alle freuten sich, außer Rita, die Pauline erfolglos schlechtzureden versuchte. Heute wachte Prochor früh auf, trat vor das Haus, atmete die kühle Morgenluft tief ein. Er wollte barfuß durchs Gras laufen, ging dann aber wieder ins Haus zurück zu seiner Frau. Sie quietschte vor Kälte, schmiegte sich dann aber zufrieden an ihn. Er drückte sie fest an sich, da lachte Pauline: – Vorsicht, jetzt! – Was denn? Keine Sorge, ich brech dich nicht… – witzelte er. – Doch, weißt du nicht… Wir sind bald zu dritt! Prochor sprang vor Freude auf. – Wirklich? Du meinst das ernst? – Ja, ja! – lachte Pauline, und er konnte es kaum fassen. – Jetzt aber auf, ich geh die Kuh melken und du bringst sie auf die Weide. Dann standen für ihn frische Pfannkuchen mit Schmand und duftender Tee auf dem Tisch. Er gab Pauline einen Kuss auf die Wange, deutete grinsend aufs Bett – Zeit hatten sie noch. Pauline begleitete ihn vor die Tür, er hob sie hoch und drehte sich mit ihr im Hof. Opa Miron sah es vom Nachbarhaus und schmunzelte zufrieden. – Na so was, das Leben mit einer jungen Frau scheint süß zu sein… Und Prochor arbeitete den ganzen Tag voller Glück – am liebsten hätte er der ganzen Welt zugerufen, dass er Vater wird. Danke fürs Lesen, fürs Folgen und für eure Unterstützung. Viel Glück im Leben!

Dem Herzen kann man nicht befehlen

Tagebuch heute

Nachdem ich durch unser kleines Dorf spaziert war, schob ich das Gartentor auf und trat in unseren Hof. Meine Mutter stürmte mir entgegen, zog mich an sich und wischte sich verstohlen die Tränen aus dem Gesicht.

Mein Junge, du bist endlich wieder da! Schau dich an als wärst du deinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Ach, hätte er dich nur noch sehen können, sprudelte es aus ihr heraus.

Ich grinste, drückte sie sanft, Hallo Mama, du erdrückst mich ja fast. Lass uns reingehen.

Lukas, ich konnte die ganze Woche kaum schlafen, hab jeden Tag auf dich gewartet. Gott sei Dank bist du endlich wieder zu Hause. Jetzt kann ich auch wieder zur Ruhe kommen.

Aus der Bundeswehr bin ich wie ausgewechselt zurückgekehrt: kräftiger denn je, muskulös und aufrecht. Schon vor dem Einzug war ich kein Schwächling, aber jetzt Und Mädchen hatte ich immer nur auf Distanz gehalten, was sie selbst nie richtig verstanden.

Ich will vor dem Wehrdienst keine ernste Beziehung. Wer weiß, ob das Mädchen dann wartet das macht einem doch nur das Herz schwer Lieber danach: erst die Pflicht, dann die Liebe, dann die Hochzeit, erzählte ich oft meinem Freund Markus.

Wahrscheinlich ist das sogar vernünftig, stimmte Markus zu und klopfte mir freundschaftlich auf den Rücken. Du warst schon immer so ein ernster Typ.

Mittlerweile waren wir im Haus, Mama stellte Brotzeit auf den Tisch, als Markus plötzlich hereinplatzte, mich lachend umarmte und ausrief: Mensch, Lukas, du bist ja ein ganz anderer Kerl geworden! Der Wehrdienst hat dir echt gutgetan.

Mir blieb der Tag kaum Zeit zum Verschnaufen, es kamen Nachbarn, alte Schulfreunde, Jung und Alt jeder wollte quatschen und mich drücken.

Abends zogen Markus und ich zum Dorfgemeinschaftshaus. Die Musik war schon in vollem Gange, überall wurde getanzt. Mir schwirrte der Kopf vor lauter Mädchen aber kaum, dass ich mir überlegt hatte, wen ich ansprechen könnte, kam Lisa schon auf mich zu.

Hi! Du tanzt jetzt mit mir!, zwinkerte sie und zog mich einfach mit auf die Tanzfläche.

Mit Lisa kam kein rechtes Gespräch auf; sie sah mir in die Augen, ich wurde schon nervös und konnte ihren Blick kaum erwidern. Innerlich grinste ich über meine eigene Unsicherheit, aber schließlich übernahm Lisa das Ruder und brachte die Unterhaltung in Gang.

Sie war drei Jahre älter, quirlig und gepflegt anzusehen. Den ganzen Abend wich sie mir nicht von der Seite, also blieb mir am Ende nichts anderes übrig, als sie nach Hause zu begleiten. Unterwegs wollte ich ihr von meiner Zeit beim Bund erzählen, aber da blieb Lisa einfach stehen, küsste mich unvermittelt und brachte mich völlig aus dem Konzept. Sie lachte herzlich, mir war es eher unangenehm und ich merkte, dass Lisa ein ganz anderes Tempo vorlegte. Es war mir nicht immer ganz recht, aber irgendwie passte es doch.

Lukas, bist du jetzt schüchtern geworden in der Bundeswehr?, kicherte sie.

Die Nacht verlief genauso forsch wie der Kuss. Gegen Morgen schlich ich nach Hause. Und am nächsten Tag tauchte Lisa bei uns auf dem Hof auf, als wäre es das Natürlichste. Sie half meiner Mutter, war fröhlich, frische Blumen auf dem Tisch, überall Ordnung ganz die perfekte Schwiegertochter. Mama mochte sie. Ich war mir selbst aber gar nicht sicher.

Warum kam Lisa eigentlich tagsüber, wenn wir uns abends im Gemeindehaus sowieso wieder trafen? Das ging mir nicht aus dem Kopf.

Unser Nachbar, Herr Albrecht, ein rüstiger Rentner, beobachtete alles mit viel Interesse. Jeden Morgen inspizierte er von seinem Fenster aus unseren Hof, murmelte immer etwas von Alles in bester Ordnung.

Eines Morgens arbeitete ich im Stall, als er plötzlich hinter mir stand. Na, junger Nachbar, sieht so aus, als hätte Lisa dich schon fest im Griff. Die lässt ja nicht locker, was? Pass bloß auf, die ist nicht auf den Kopf gefallen.”, grinste er mit seinem weißen Schnauzer.

Sein Gerede brachte mich mehr ins Grübeln. Mit Lisa wars bequem, aber nicht so, dass sie mir wirklich das Herz gestohlen hätte. Ich war fast erleichtert, als sogar Herr Albrecht das sagte: Man sieht dir die große Liebe nicht an, Lukas. Mach dich frei!

Abends erklärte ich meiner Mutter: Ich mach Schluss mit Lisa. Sie ist nett, aber nicht wirklich die Richtige.

Mama war entsetzt. Aber sie ist doch so fleißig, hilfsbereit was willst du denn noch?

Ich zuckte mit den Schultern. Jemanden, der mich fasziniert, der mir ein Rätsel bleibt Nicht alles soll so offensichtlich sein.

Mama verstand das nicht. Am Abend versuchte ich, mich von Lisa zu lösen. Sie ließ mich kaum zu Wort kommen, küsste und lachte. Trotzdem sagte ich ihr, dass es das letzte Mal sei.

Die nächsten Tage mied ich den Dorfklub, las statt dessen Bücher im Bett, fuhr mit Markus angeln oder besuchte einen Kumpel in Hannover. Lisa kreuzte ständig auf, ließ aber bald von mir ab.

Mitten im Hochsommer zog eine neue junge Landärztin ins Dorf: Emilia. Dezent gekleidet, ohne großes Make-up, zurückhaltend und feinfühlig, aber auch bestimmt. Ihre Augen waren so blau und klar wie zwei Bergseen. Im Dorf kannte sie zunächst niemand.

Herr Albrecht musste natürlich direkt hin er hatte Probleme mit dem Rücken. Nach dem Besuch schwärmte er: Ach, unser Fräulein Doktor klein, aber oho! Hat mir genau erklärt, wie und wann ich meine Medizin nehmen muss. Und diese Augen! Wenn sie lächelt, geht die Sonne auf.

Ich hatte Emilia noch nie gesehen, war den ganzen Tag draußen bei der Ernte, kam ausgelaugt abends heim. Eines Morgens, als ich wieder zu schwer hob, krachte es in meinem Rücken, ich konnte mich kaum aufrichten. Herr Albrecht bekam das sofort mit, lief los und bat Emilia, vorbeizuschauen.

Als sie kam, war ich skeptisch: so jung und zart, was soll die mir helfen können? Doch ihr Blick war streng, und doch blitzten die blauen Augen warmherzig. Ihre Hände an meinem Rücken ich hielt plötzlich ganz still.

Sie brauchen Tabletten und Injektionen, ich komme die nächsten Tage vorbei, bestimmte sie.

Ich wartete jeden Tag auf Emilia, mit immer mehr Sehnsucht. Als ich wieder besser gehen konnte, fasste ich mich ein Herz, wollte ihr meine Dankbarkeit in einem Kuss zeigen. Doch sie verpasste mir so eine Ohrfeige, dass mir schwindlig wurde.

Ohne ein Wort packte sie ihre Sachen und ging. Ich ärgerte mich maßlos über meine Dummheit. Natürlich hatte sie mehr Respekt verdient! Am nächsten Tag entschuldigte ich mich; sie blieb wortkarg. Aber ich spürte: Auch sie mochte mich insgeheim.

Als die Spritzen endlich vorbei waren, war die Ernte eingebracht, auf dem Hof wurde es ruhiger. Abends ging ich wieder ins Gemeindehaus. Kaum drinnen, lief Lisa schon auf mich zu, aber mein Blick blieb an Emilia hängen. Sie stand abseits, still, in ein Gespräch mit einer Freundin vertieft.

Musik setzte ein. Ich fragte sie, ob sie tanzen möchte. Ihre Figur, ihre Haltung so federleicht, so anmutig, mit diesen offenen, scheuen Augen. Ich fühlte mich wie auf Wolken. Nach dem Tanz flüsterte ich ihr zu: Lass uns abhauen. Sie lachte und nickte spitzbübisch.

Nicht einmal ein Jahr später feierten wir unsere Hochzeit. Ganz Dorf feierte mit, nur Lisa schaute finster drein und lästerte, doch keiner hörte auf sie.

Heute früh bin ich aufgewacht, trat hinaus in die kühle Morgenluft, wollte eigentlich barfuß durchs nasse Gras laufen, doch dann zog es mich zurück ins warme Bett zu Emilia. Sie japste unter der Kühle meiner Haut, schmiegte sich dann aber froh an mich.

Ich drückte sie richtig fest, bis sie lachend sagte: Pass auf, diesmal musst du vorsichtiger sein

Warum das? lachte ich zurück.

Na, wir sind bald nicht mehr zu zweit. Ich bin schwanger, Lukas.

Ich schnappte nach Luft. Wirklich?

Sie nickte strahlend. Wirklich! Komm, steh auf, ich geh die Kühe melken, du bringst sie auf die Weide.

In der Küche erwartete mich ein Stapel Pfannkuchen mit Quark und dampfender Tee. Nach dem Frühstück küsste ich Emilia auf die Wange, zwinkerte und deutete aufs Schlafzimmer wir hatten noch Zeit.

Begeistert wirbelte ich sie später im Hof herum, während Herr Albrecht von seiner Veranda aus grinsend zusah.

Na, der Bursche hats erwischt. Mit einer jungen Frau ist das Leben süß!

Voller Vorfreude auf unser Kind, ging ich den ganzen Tag beseelt meinen Arbeiten nach. Ich will die ganze Welt umarmen!

Danke fürs Zuhören und euer Interesse. Euch allen im Leben viel Glück!

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Homy
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Dem Herzen kann man nichts befehlen Fröhlich durch das Dorf nach Hause zurückgekehrt, schob Prochor das Gartentor auf und trat in den Hof. Aus dem Haus stürmte seine Mutter ihm entgegen, umarmte ihren Sohn und wischte sich die Tränen ab. – Mein Junge, du hast deinen Dienst abgeleistet. Mein Gott, wie du deinem Vater ähnelst, ein richtiges Abbild – schade nur, dass er seinen Sohn nicht mehr sehen kann, – redete und redete Tatjana. – Hallo, Mama, du zerdrückst mich ja vor lauter Freuden, – lachte Prochor, – komm, lass uns reingehen. – Proschka, mein Sohn, die ganze Woche konnte ich kaum schlafen, habe immer auf dich gewartet. Gott sei Dank, jetzt bist du zu Hause, jetzt wird mir auch leichter ums Herz. Prochor kam gestärkt aus der Bundeswehr zurück, er war schon immer ein kräftiger Kerl, aber jetzt noch durchtrainierter. Vor der Einberufung hatte er sich nie ernst mit Mädchen eingelassen, auch wenn einige Hoffnung hegten. – Ich möchte vor der Bundeswehr keine feste Beziehung eingehen. Was, wenn das Mädchen nicht wartet? Dann würde ich mich unnötig quälen… Lieber erst nach dem Dienst verlieben und dann heiraten, – sagte er zu seinen Freunden. – Vielleicht ist das auch richtig, – unterstützte ihn sein Kumpel Max, – du bist sowieso immer so ernst, auch bei solchen Themen. – Er klopfte ihm auf die Schulter. – Sohn, komm an den Tisch, ruh dich aus, und heute Abend… – weiter kam sie nicht, denn Max stürmte ins Haus, fiel Prochor um den Hals und freute sich riesig. – Mann, du bist aber kräftig geworden! Die Bundeswehr hat dir echt gutgetan, – lachte Max. – Hallo, Max, setz dich zu mir an den Tisch, – bot Prochor an. – Meine Mutter hat schon erzählt, dass sie dich gesehen hat, als du am Haus vorbeigelaufen bist. Da bin ich gleich hinterher. Den ganzen Tag kamen Freunde und Bekannte vorbei, jung und alt – jeder wollte mit Prochor sprechen. Abends gingen Max und er in den Dorfklub, wo schon die Musik tobte und die Tänze im vollen Gange waren. Prochor, der die Mädchen vermisst hatte, stand da und überlegte, wen er zum Tanz auffordern sollte. Als der Weiße Tanz ausgerufen wurde, kam Rita direkt auf ihn zu. – Na, komm tanzen, ich lade dich ein, – sagte sie bestimmt und nahm ihn an die Hand. Mit Rita tanzend, fehlte erstmal das Gesprächsthema. Sie sah ihm nur schweigend in die Augen, er begann zu schwitzen und schaute verlegen zur Seite. – Habe ich etwa verlernt, mit Mädchen zu reden? – dachte er, doch Rita ergriff die Initiative. Er kannte Rita, sie war drei Jahre älter, aufgeweckt und attraktiv. Den ganzen Abend ließ sie ihn nicht los und er brachte sie nach Hause. Sie gingen wieder schweigend – bis Prochor sich ein Herz fasste und von seinem Dienst erzählte. Doch Rita hielt plötzlich an, küsste ihn fest auf die Lippen und er war völlig überrumpelt. Sie lachte nur. Prochor war es etwas unangenehm: Rita war ziemlich offen, und das passte ihm nicht so recht, aber störte ihn auch nicht wirklich. – Proschka, warum bist du so schüchtern? Hast du dich in der Bundeswehr so verändert? – lachte sie. Noch in derselben Nacht verstand er: Rita hatte nichts mit Zurückhaltung zu tun. Am nächsten Tag kam sie gleich zu ihnen nach Hause, unterhielt sich mit Tatyana wie mit einer alten Freundin. Die beiden kannten sich ja auch schon lange – im Dorf kennt jeder jeden. Die Mutter merkte sofort, dass Rita ernste Absichten hatte, sie war gesprächig, lebenslustig und bot sofort ihre Hilfe im Haushalt an. Bald kam Rita regelmäßig, griff zum Besen, zeigte, wie tüchtig und geschickt sie war. Tanya mochte sie, aber Prochor war verunsichert. – Warum kommt Rita tagsüber, wenn wir abends ohnehin im Klub verabredet sind? Eines Morgens stand Nachbar Opa Miron im Hof – sie wohnen direkt am Zaun. Jeden Morgen schaute der alte Mann prüfend über die Nachbarschaft und brummelte zufrieden, wenn alles beim Alten war. Ein neugieriger Mensch. Prochor brachte gerade Heu unters Scheunendach, als Opa Miron plötzlich hinter ihm stand. – Moin Nachbar, – sagte er, und Prochor zuckte zusammen. – Grüß dich, Opa Miron, du hast mich erschreckt! – lachte er. – Na, so leicht kriegt dich keiner, – schmunzelte der ältere Mann. – Ich sehe schon, Rita ist ständig bei dir. Noch bist du standhaft – aber sie wird dich schon einfangen. Sie ist eine flinke, braucht nicht viel Überzeugung, so eine habe ich damals auch gehabt. Nur dass ich meine Frau lange umwerben musste. Aber deine Rita schnappt sich gleich deine Mutter, wickelt sie um den Finger. Die kann was! Prochor hielt sich bedeckt, denn Opa Miron hatte ja recht. Die Hartnäckigkeit von Rita wurde ihm allmählich zu viel. Sie interessierte ihn nicht, berührte weder sein Herz noch seine Seele. – Junge, verliebt siehst du nicht aus. Wenn ihr Klammergriff zu eng wird, befreie dich von einer Liebe, die keine ist… Prochor verstand, dass Opa Miron recht hatte. Zuhause sprach er mit seiner Mutter: – Mama, ich klär das heute mit Rita. Ich hab genug von dieser Bekanntschaft. – Wieso denn, mein Junge? Rita ist doch nett, hilft mir, flink und tüchtig. Was willst du denn mehr? – Ich will eine, die mich fasziniert, die geheimnisvoll ist… Rita ist zu berechenbar. Tatyana verstand ihn nicht. Am Abend klammerte sich Rita wieder an ihn, küsste ihn, dass er kaum sprechen konnte. Am Ende ließ er sie wissen: Es war ihr letzter gemeinsamer Abend. Er ging nicht mehr in den Klub, verbrachte seine Abende mit Büchern im Bett. Rita kam immer noch, aber er mied sie. Manchmal fuhr er mit Max angeln oder besuchte einen Kameraden in der Stadt. Lief er Rita über den Weg, nickte er nur knapp und verschwand. Die Zeit verging. Ins Dorf kam eine neue, junge Landärztin, Pauline. Unauffällig gekleidet, ohne grelles Make-Up, schüchtern, aber entschlossen. Ihre Augen – wie zwei blaue Seen, darin konnte man versinken. Im Klub war sie nie, Freundinnen hatte sie noch keine. Aber Opa Miron ging zur Sprechstunde, der Rücken schmerzte. Seitdem schwärmte der alte Mann von Pauline: – Unsere neue Ärztin ist zwar noch ganz jung, aber streng. Verordnet mir Tabletten und besteht darauf, dass ich die Termine einhalte. Die nimmt’s genau mit mir. Und erst ihre Augen! Die leuchten wie kleine Sternchen, am liebsten würde man gar nicht mehr gehen. Prochor kannte sie nicht, er war den ganzen Tag auf dem Feld, kam abends müde nach Hause. Doch eines Tages riss er sich den Rücken. Opa Miron bekam alles mit, sprach Tatjana darauf an, dass ihr Sohn sich kaum bewegen konnte. – Keine Sorge, ich hole die Ärztin. Die kommt vorbei, du musst arbeiten. Proschka ist jung und kräftig, aber manchmal überschätzt man sich. Pauline kam wie versprochen vorbei. – Sie sieht ja noch wie ein Mädchen aus, – dachte Prochor, – ob die wirklich was kann? Ihr Blick streng, aber die blauen Augen voll Wärme, die Stimme weich. Als sie ihn behandelte, stockte ihm der Atem. – Alles klar, – sagte sie, – ich verschreibe Tabletten, und komme selbst zu den Spritzen. Prochor wartete nun jeden Tag sehnsüchtig auf Pauline und schaute ständig auf die Uhr. Es ging ihm besser, und eines Tages nahm er all seinen Mut zusammen, schloss sie spontan in die Arme und wollte sie küssen. Da bekam er eine schallende Ohrfeige. Ihre Augen funkelten zornig, Pauline packte ihre Sachen und verließ das Haus. – Warum habe ich das getan? – haderte Prochor. – Ich dachte, das geht einfach so… Aber richtig so, sie hat Charakter. Pauline blieb kühl, kam, verabreichte die Spritze und ging, ohne ein Wort. Am nächsten Tag entschuldigte er sich, doch sie sagte nichts. Doch in ihren Augen konnte er sehen – er war ihr nicht gleichgültig. Auch sie hatte dasselbe Gefühl. Die Spritzenkur war vorbei, Prochor genas, die Hauptarbeit auf dem Feld war geschafft. Abends ging er wieder in den Klub. Gleich kam Rita, doch Prochor sah plötzlich Pauline mit einer Freundin. Musik erklang, er bat sie zum Tanz. Ihre schlanke Figur, der anmutige Gang, eine zarte, etwas schüchterne Lächeln – ihre Augen… Prochor fühlte sich wie im siebten Himmel. Nach dem Tanz flüsterte er: – Lass uns hier verschwinden! – Pauline lächelte und nickte. Bald feierte das ganze Dorf ihre Hochzeit. Alle freuten sich, außer Rita, die Pauline erfolglos schlechtzureden versuchte. Heute wachte Prochor früh auf, trat vor das Haus, atmete die kühle Morgenluft tief ein. Er wollte barfuß durchs Gras laufen, ging dann aber wieder ins Haus zurück zu seiner Frau. Sie quietschte vor Kälte, schmiegte sich dann aber zufrieden an ihn. Er drückte sie fest an sich, da lachte Pauline: – Vorsicht, jetzt! – Was denn? Keine Sorge, ich brech dich nicht… – witzelte er. – Doch, weißt du nicht… Wir sind bald zu dritt! Prochor sprang vor Freude auf. – Wirklich? Du meinst das ernst? – Ja, ja! – lachte Pauline, und er konnte es kaum fassen. – Jetzt aber auf, ich geh die Kuh melken und du bringst sie auf die Weide. Dann standen für ihn frische Pfannkuchen mit Schmand und duftender Tee auf dem Tisch. Er gab Pauline einen Kuss auf die Wange, deutete grinsend aufs Bett – Zeit hatten sie noch. Pauline begleitete ihn vor die Tür, er hob sie hoch und drehte sich mit ihr im Hof. Opa Miron sah es vom Nachbarhaus und schmunzelte zufrieden. – Na so was, das Leben mit einer jungen Frau scheint süß zu sein… Und Prochor arbeitete den ganzen Tag voller Glück – am liebsten hätte er der ganzen Welt zugerufen, dass er Vater wird. Danke fürs Lesen, fürs Folgen und für eure Unterstützung. Viel Glück im Leben!
„– Tatu, hast du dir etwa eine Katze angeschafft? – Erstaunte die Tochter Ludmila, die am Wochenende zu Besuch kam.“