„– Tatu, hast du dir etwa eine Katze angeschafft? – Erstaunte die Tochter Ludmila, die am Wochenende zu Besuch kam.“

28. Oktober 2024

Heute kam Heike, meine Tochter, überraschend zu Besuch. Papa, hast du etwa eine Katze aufgenommen? fragte sie, während sie die Türschwelle überquerte. Ich zuckte die Schultern und blickte aus dem Küchenfenster auf das kleine Beet, das ich seit Jahrzehnten pflege. Dort lag er ein schäbig aussehender Rotschopf, der bereits am dritten Tag hintereinander meine Beete heimsuchte. Zuerst fraß er die Tomaten, dann fand er ein schlafendes Plätzchen zwischen den Gurken, und heute hatte er sich einfach im jungen Kohl niedergelassen.

Geh zurück zu deinen Besitzern, murmelte ich und klopfte dabei gegen das Glas. Der Kater hob den Kopf, sah mich mit seinen gelben Augen an und blieb trotz meiner Worte sitzen trotzig, fast herausfordernd.

Ich zog meine Gummistiefel an und trat auf den gepflügten Boden. Der Kater wich nicht davon, sondern schritt nur ein paar Schritte zurück und setzte sich neben den Zaun. Ein dünner, abgewetzter Kerl, ein abgerissenes Ohr, ein Schwanz, der mehr Fell als Knochen zu haben schien.

Na, du armer Kerl, sagte ich und beugte mich über den Kohl, um den Schaden zu begutachten. Du hast wohl schon zu lange gefuttert, sonst würde dich ja niemand mehr aufnehmen. Der Kater miaute leise und klang fast wie ein klagender Appell. In diesem Moment erkannte ich: Er ist hungrig. Seine Augen flammten auf.

Woher kommen deine Besitzer? fragte ich, setzte mich auf eine Kippe und ließ ihn an meinem Fußrücken schnuppern. Er strich mit seinem Kopf an meinem Gummistiefel, schnurrte leise, als wolle er sich für das NichtVertreiben bedanken.

Opa, warum lebt da überhaupt eine Katze? fragte mein Enkel Sascha, der zum Wochenende in die Hütte gefahren war. Sie gehört doch jemandem aus der Nachbarschaft.

Ja, wohl. Sie ist wohl weggelaufen oder wurde ausgesetzt ich weiß es nicht.

Und wem gehörte sie?

Ein Seufzer entwich mir. Ich kenne die Vorbesitzerin. Sie war die Witwe Hannelore, meine Nachbarin am anderen Ende des Dorfes. Sie verstarb vor einem Monat, und nur für die Beerdigung kamen Verwandte vorbei. Das Haus wurde geräumt, die Möbel weggebracht und man vergaß die Katze.

Sie lebte bei Oma Anna, fügte ich hinzu, und nach ihr blieb sie allein.

Sascha sah den mageren RotkäppchenKater mitleidig an: Opa, könnten wir ihn nicht mitnehmen?

Wozu?, schnappte ich zurück. Ich habe noch keinen einzelnen Kater, der mir das Essen wegschnappt.

Doch als Sascha am Abend wieder zurück in die Stadt fuhr, stellte ich für den Kater eine Schale mit Reste meiner Gemüsesuppe vor die Tür. Er schlich vorsichtig heran, fraß gierig und hastig.

Na gut, murmelte ich, einmal darf es sein

Dieses einmal entwickelte sich schnell zu einer täglichen Routine. Jeden Morgen ging ich zum Beet, und dort wartete er bereits, geduldig, ohne zu jaulen, nur mit einem erwartenden Blick. Anfangs fütterte ich ihn mit Resten, später kochte ich extra Brei und kaufte günstige Dosenfutter. Ich redete mir ein, das sei nur vorübergehend, bis er neue Besitzer finde.

Rudi, komm her, rief ich. Rudi, ich rufe dich, wie Hannelore dich einst nannte. Der Kater reagierte auf jeden Namen, solange man ihn rief.

Allmählich gewöhnte sich Rudi ein. Tagsüber döste er in der Sonne zwischen den Tomatenreihen, abends kam er zu mir aufs Vordach, schlief in der alten Hundehütte, die noch stand. Nur vorübergehend, wiederholte ich oft, ganz vorübergehend. Doch Wochen vergingen, und er ging nicht mehr. Ich bemerkte, wie sehr ich seine rote Schnauze vor der Tür, sein leises Schnurren am Abend und die Wärme seines Körpers auf meinen Knien vermisste.

Heike kam erneut am Wochenende vorbei und fragte erstaunt: Papa, hast du etwa eine Katze aufgenommen?

Nein, sie kam von selbst, erwiderte ich. Sie war Nachbars Katze, die Besitzerin ist tot

Warum fütterst du sie dann? Setz sie nicht irgendwo anders hin.

Wem gehört denn ein alter Kater noch?, sagte ich und streichelte Rudi hinter dem abgerissenen Ohr. Er kann bleiben.

Heike schüttelte den Kopf. In den letzten Jahren habe ich mich zurückgezogen, spreche kaum noch mit ihr. Nach Mamas Tod hat sich alles verändert.

Im Herbst verschlechterte sich Rudis Zustand. Er aß kaum noch, lag schwach in der Hütte und atmete schwer. Ich setzte mich zu ihm und fragte: Was ist los, mein Freund? Er keuchte leise und miaute schwach. Ich fuhr ihn zum Tierarzt im nahegelegenen Kreisstadt. Fast meine gesamte Rente von 800 musste ich für die Behandlung ausgeben, doch ich bereute es nicht.

Der junge Tierarzt sagte: Er ist ein netter Kater, aber sein Alter und ein schwaches Immunsystem machen ihn anfällig.

Zu Hause richtete ich auf der Veranda ein kleines Lazarett ein, legte alte Decken aus, stellte Näpfe mit Wasser und Futter bereit und gab ihm täglich Pillen. Heil dich, flüsterte ich, ohne dich wäre alles leer.

Sascha, der zu den Winterferien zurückkam, fragte: Opa, ist Rudi wieder gesund?

Ja, sieh nur, wie er auf dem Napf liegt. Rudi lag zusammengerollt, sein Fell glänzte, die Augen klar.

Wird er immer hier bleiben? fragte er.

Wo sollte er sonst hingehen?, streichelte ich ihn. Wir sind ein Team.

Warst du nicht allein? fragte Sascha.

Ja, nach Mamas Tod war das Haus still, ich kochte für mich allein, sah fern, schlief in einem leeren Zimmer. Es war einsam.

Jetzt aber nicht mehr, antwortete ich. Rudi begrüßt mich, wenn ich vom Beet zurückkomme, schnurrt, während ich das Abendessen koche, liegt auf meinem Schoß beim Fernsehen. Es gibt wieder Sinn.

Heike hörte schweigend zu. Vielleicht sah sie zum ersten Mal, wie wichtig der Kater für mich war.

Wirst du dann nicht doch zu uns in die Stadt ziehen? fragte sie später.

Nein, hier habe ich alles Haus, Beet, Rudi. Die Stadt kann mir nichts bieten.

Ein Jahr später leben Rudi und ich im gleichen gemächlichen Rhythmus: Morgens Frühstück und ein Spaziergang über das Beet, tagsüber Hausarbeiten, der Kater döst im Schatten, abends Abendessen, Fernsehen, Rudi zuckelt auf meinem Schoß. Die Nachbarn sehen uns zusammen und sagen: Peter, dein Kater ist jetzt ganz zahm!

Er ist nicht mehr meiner, antworte ich lachend. Wir gehören zusammen.

Rudi schnurrt zufrieden auf meinem Schoß, und ich denke daran, wie gut es war, dass ich diesen hungrigen Streuner nicht weggeschickt habe. Manchmal entscheidet das Herz, nicht der Verstand, und das ist die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

„– Tatu, hast du dir etwa eine Katze angeschafft? – Erstaunte die Tochter Ludmila, die am Wochenende zu Besuch kam.“
Glauben Sie an das Schicksal! Svetlana war eine erfolgreiche Geschäftsfrau, wie so viele, hatte sie kaum Zeit für ihr Privatleben. Ihr Arbeitsalltag spielte sich meist im Büro, auf Geschäftsreisen oder am Wochenende schlafend zu Hause ab. Sie war sehr aktiv und diszipliniert, hatte immer einen Plan für jede Lebenslage. Mit 32 Jahren hatte sie weder Familie noch Kinder, sondern nur ein florierendes Unternehmen und eine einzige Freundin. Ihre Eltern starben früh bei einem Autounfall, und ihre Großmutter zog sie groß. Diese gab ihr trotz bescheidener Mittel alles, was sie konnte, und Svetlana träumte schon als Kind davon, erfolgreich zu werden und ihrer geliebten Oma zu helfen. So kam es: Schule, Studium mit Auszeichnung und ein erfolgreiches Unternehmen (sie besaß ein Reisebüro, das ihr gute Gewinne brachte). Mit 27 kaufte sie sich eine Wohnung, mit 30 ein teures Auto. Sie unterstützte ihre Großmutter mit teuren Medikamenten, Kleidung und Delikatessen. Die Oma starb, als Svetlana 31 war, und sie blieb ganz allein zurück. Ihre Freundin verbrachte ab und zu Zeit mit ihr, beim Shoppen oder auf Reisen, sonst war da niemand. Svetlana hatte hohe Ansprüche an einen Partner, denn sie war erfolgreich und wollte einen ebenso erfolgreichen und fürsorglichen Mann an ihrer Seite. Die Jahre vergingen, doch sie traf ihn nicht, also konzentrierte sie sich ganz auf ihr Geschäft. Eines Tages, auf dem Rückflug von einer Geschäftsreise aus Spanien, konnte sie im Flugzeug lange nicht einschlafen, obwohl sie sehr müde war. Neben ihr saßen Kinder, die laut spielten und schrien. Sie bat die Stewardess, sie auf einen anderen Platz weiter weg von den Kindern zu setzen. Kaum umgesetzt, schlief sie sofort ein. Nach der Landung wachte sie auf und sah ihn! Ein etwa 38-jähriger, sehr interessanter und gebildeter Mann. Sie bedauerte, die ganze Reise verschlafen zu haben, denn er gefiel ihr auf Anhieb. Nach dem Aussteigen gingen sie gemeinsam zur Passkontrolle und standen nebeneinander in der Schlange. Ihr Gespräch war so spannend, dass die Zeit wie im Flug verging. Vadim erzählte, dass auch er von einer Geschäftsreise zurückkam und sie die ganze Zeit beobachtet hatte – schon am Flughafen in Spanien war sie ihm aufgefallen, aber er traute sich nicht, sie anzusprechen, weil er dachte, sie sei bestimmt verheiratet. Sie tauschten Telefonnummern aus und verabschiedeten sich. Am nächsten Tag brachte ein Kurier einen riesigen Blumenstrauß und eine Karte ins Büro, in der stand, dass sie heute im Restaurant erwartet wird. So begann ihre Romanze! Nach fünf Monaten machte Vadim ihr einen Heiratsantrag. Heute ist Svetlana 36, hat eine Familie, einen liebevollen Ehemann, zwei Söhne (Zwillinge) und ein erfolgreiches Unternehmen. Natürlich kann sie es jetzt nicht mehr allein führen, aber dank ihres Mannes schaffen sie alles gemeinsam! Liebt einander und glaubt an das Schicksal!