An jenem Tag spazierte Katharina mit ihren Kindern im Park. Plötzlich kam eine junge, hübsche Unbekannte auf sie zu: – Guten Tag. Oh, was für süße Kinder Sie haben! Ich wünschte, ich hätte auch eigene… – Ach, warum denn nicht? Haben Sie noch nicht die große Liebe gefunden? – Doch, aber er ist verheiratet. Er will sich aber scheiden lassen. Ach wissen Sie was, ich zeige Ihnen ein Foto von ihm. Katharina nahm ihr Handy – und erstarrte… Es war ER. – Hey! Katharina! Komm endlich runter! Lass uns ins Kino gehen! – rief Sascha, und Katharina stürmte zu ihm, ohne auf etwas anderes zu achten. Die Nachbarinnen tuschelten vor dem Hauseingang: – Die ist auch nicht ganz normal… Doch Katharina war das völlig egal – sie liebte Sascha über alles… Nach dem Schulabschluss waren sie unzertrennlich. Sie unternahmen alles gemeinsam. Niemand konnte sich die beiden einzeln vorstellen. Weder Sascha noch Katharina konnten sich ein Leben ohne den anderen denken… Deshalb war es keine Überraschung, als sie eines Tages heirateten. Sascha begann ein Jurastudium. Katharina hätte auch gern studiert, musste aber in den Mutterschutz gehen. Es war schwierig für sie… Die Geburt war nicht leicht, die Zeit danach auch… Sie war gerade mal 19. Alle Hausarbeiten blieben an Katharina hängen, denn Sascha musste noch studieren, wechselte ins Fernstudium und suchte sich einen Job. Er brauchte schließlich Erholung. Aber Katharina fand das normal. Sie achtete immer weniger auf ihr Aussehen, trug immer dieselben alten Shorts und T-Shirts. An eine Frisur war gar nicht zu denken. Sie wurde nervös, magerte ab… – Katharina, warum denn? Für mich bist du die Schönste auf der Welt! – tröstete sie Sascha, immer gepflegt und erfolgreich. – Bald ist Ivan alt genug, dann hast du wieder Zeit für alles! Katharina nickte nur. Sie hatte fest beschlossen, noch zu studieren. Wenn Ivan älter ist… dann holt sie alles nach… Aber dann geschah das Unerwartete. Ivan wurde gerade zwei, da wurde Katharina wieder schwanger. Sie wusste nicht, ob sie sich freuen oder weinen sollte. Sascha war glücklich und beruhigte sie erneut: – Was ist denn? Alles wird gut! Ist doch wunderschön – jetzt haben wir einen Sohn und eine Tochter! Das Studium musste erneut verschoben werden. Wer weiß, wie lange noch… Es wurde immer anstrengender. Katharina wusste oft nicht einmal mehr, welcher Wochentag war… Nach Sofies Geburt bestand ihr Alltag aus Windeln, Waschen, Babybrei und nie endender Hausarbeit. Putzen, kochen, Hemden bügeln, Wäsche waschen, die Kinder versorgen… Katharina dachte schon, das würde nie wieder aufhören… Ihre Mutter half, so gut sie konnte. – Was hast du denn erwartet? Zwei Kinder machen eben Arbeit… Aber das tröstete Katharina wenig. Sie wollte alles wenigstens einmal vergessen… Die Kinder wuchsen heran. Sofie wurde immer neugieriger, Ivan ging in den Kindergarten. Endlich wurde es etwas leichter. Eines Tages sprach Katharina sogar über ihr geplantes Studium. Sascha reagierte abweisend. Er blickte sie erstaunt von unten her an: – Studium? Wie stellst du dir das vor? Ivan kommt bald in die Schule, Sofie ist noch ganz klein… Reicht das Geld etwa nicht? Wie soll das alles ohne Mutter klappen? Ich tue doch alles für euch… Mehr als genug… Katharina hielt dagegen – sie wollte auch eine Ausbildung, einen guten Beruf, vielleicht sogar Karriere machen… Lernen mochte sie schon immer; sie hatte das Abitur mit guten Noten bestanden. Sascha lachte nur: – Karriere, Katharina? Du bist doch keine zwanzig mehr. Bleib einfach daheim… Und so fügte sich Katharina. Immerhin war es jetzt etwas einfacher geworden. Sie konnte sich wieder mehr um sich selbst kümmern, kaufte sich neue Kleidung, machte die Haare, die Nägel… – Ist dir das gar nicht aufgefallen, Schatz? – strahlte sie Sascha am Abend an. – Was denn? – fragte er zerstreut, ohne vom Computer aufzusehen. – Schau mal, ich hab eine neue Bluse, eine neue Frisur, und Nägel machen lassen… Wollen wir heute mal rausgehen wie früher? Kino, Park – weißt du noch, wie wir uns unter den Sternen geküsst haben? Du bist nie mehr zu Hause… – Park? Was für Nägel? Und was ist mit den Kindern? Ich bin doch unterwegs, weil ich arbeite. Nein, nichts da, kein Park. Übrigens, ich muss bald für drei Wochen auf Geschäftsreise. – Schon wieder eine Dienstreise? Das ganze Jahr bist du unterwegs, die Kinder und ich sehen dich kaum… – Es lässt sich nicht ändern, Liebling. Das Geld kommt nicht von allein. – Er küsste sie auf die Wange und ging schlafen. Katharina zuckte nur mit den Schultern, seufzte und brachte die Kinder ins Bett. Später sah sie Sascha im Schlafzimmer, wie er wieder von ihr abgewandt schlief. Sie bemerkte – so lagen sie schon lange, jeder für sich… Ihr Wohnviertel hatte einen schönen Spielplatz und gleich daneben lag ein großer Park mit Bänken und einem kleinen Teich. Katharina ging oft mit den Kindern dorthin, las eine Zeitschrift oder ein Buch, während sie Ivan und Sofie beobachtete. Oft fiel ihr eine junge, hübsche Frau ins Auge – modische Kleidung, tolle Frisur, schöne Schuhe, einfach eine Erscheinung. Die Frau saß meist auf der Bank, schlenderte umher. Mit der Zeit grüßten sie sich sogar. Auch heute begrüßte die Frau Katharina, wie eine alte Bekannte. Diesmal setzte sie sich zu ihr auf die Bank. – Guten Tag. Wir sehen uns hier so oft – ich dachte, ich spreche Sie endlich mal an, – sagte die Unbekannte. – Natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben, – lächelte sie freundlich. – Aber nein, gern! Ich bin Katharina. Und das sind meine Kinder, Ivan und Sofie. – Ich heiße Christina! Sie haben wunderbare Kinder… Wirklich bezaubernd! Wenn Sie wüssten, wie gern ich eigene mit meinem geliebten Mann hätte… – Sie blickte traurig zu Boden. – Ach, Sie finden bestimmt noch den richtigen – Sie sind ja so hübsch… Oder möchten Sie keine Kinder? Entschuldigen Sie! Ich sage manchmal Sachen… – Nein, nein, alles gut. Ich habe einen Mann… Aber leider gibt’s da ein „Aber“ – wir sind nicht verheiratet, vielmehr, er ist noch verheiratet… Aber seine Frau, na ja… Er liebt sie nicht und will sich scheiden lassen. Bald, dann bekomme ich auch Kinder und Familie und alles… – Christina seufzte wieder. – Das klappt bestimmt bei Ihnen! – nickte Katharina mitfühlend. – Wollen Sie ihn mal sehen? Ich habe Fotos. Er sieht toll aus, hat einen guten Job, verdient nicht schlecht. Er bringt mir Geschenke, wir waren kürzlich in Italien, bald fliegen wir ans Meer nach Griechenland. Schauen Sie… hier sind wir in Rom… – und Christina zeigte ein Bild auf dem Handy. Katharina nahm das Handy – und erstarrte. Ihr Sascha lächelte sie vom Foto an… Wie im Nebel gab sie das Handy zurück und rief hastig nach den Kindern… Tränen traten ihr in die Augen, sie rang um Fassung, um nicht loszuweinen… Christina trat leise beiseite und verschwand still aus dem Park. Offenbar hatte sie alles verstanden. Aber Katharina sah das nicht mehr. Sie sah nur das Bild vor sich, auf dem ihr Mann eine fremde Frau umarmte… Wie sie nach Hause kam, wusste sie nicht mehr. Die Kinder saßen schweigend da, als sie in Eile Sachen in Koffer warf… Katharina setzte sich zu ihnen. – Hört mal zu, Sofie, Ivan… Wir fahren jetzt zu Oma, okay? – Mama – und Papa? Kommt er auch? fragte Ivan. – Ja, bestimmt. Später. Versprochen. Sie rief ein Taxi. Der Fahrer half höflich beim Einladen – und schaute verwundert auf die weinende Frau mit zwei kleinen Kindern und wild zusammengepackten Taschen. Bei ihrer Mutter brachte Katharina die Kinder vor den Fernseher und brach endlich zusammen. – Mama, – schluchzte sie, – stell dir vor, ich sitz zu Hause mit zwei Kindern, und er… er ist mit ihr in Italien… in Griechenland… Wie konnte er nur? Wie?… Ich habe alles für ihn geopfert… mein Studium, meine Karriere, mein Leben, meine Träume… Wie kann das sein?! Mama! Was soll ich jetzt tun? – Sie weinte und weinte… – Was du tun musst? Du musst weitermachen. Ich helfe dir, wenn du dich trennen willst. Das Leben geht weiter. Du bist jung. Und die Kinder sind ein Geschenk… Nach einer Weile ruft Katharina Sascha an. Sie erzählte ihm alles. Und am Ende sagte sie, sie wolle sich scheiden lassen. Sascha war überrascht, schwieg einen Moment. Als er hörte, dass Christina ihr alles erzählt hatte, sagte er genervt: – Tja… Früher oder später hättest du eh alles erfahren. Scheidung also… Die Wohnung läuft auf dich, du kannst bleiben. Christina hast du ja gesehen. Wer bist du – Hausfrau, ohne Abschluss – und wer ist sie? Und ich, ich bin ein gemachter Mann… – und legte auf. Katharina starrte lange aufs Telefon. Insgeheim hoffte sie, er würde gleich anrufen und sagen, das war alles ein Scherz, alles wird gut… Doch es gab keinen Anruf… Sie wusste, sie musste alles hinter sich lassen… Das Leben neu beginnen. Wo soll sie anfangen? Wie wird der Morgen ohne ihn? Aber eigentlich war sie schon lange ohne ihn… Sie hatte es nur nicht sehen – oder nicht sehen wollen…

Damals, vor vielen Jahren, spazierte Katharina mit ihren Kindern durch den Stadtpark von München. Plötzlich kam eine junge, sehr hübsche Fremde auf sie zu. Guten Tag! Oh, was für wunderbare Kinder Sie haben! Ach, ich wünschte, ich hätte auch eigene Kinder…
Wie kommt es, dass Sie keine haben? Haben Sie noch nicht die Liebe Ihres Lebens gefunden?
Doch, die habe ich. Die Frau lächelte traurig. Nur leider ist er schon verheiratet. Er will sich aber trennen. Möchten Sie vielleicht ein Foto von ihm sehen?
Katharina nahm das Handy und sah ihn.

Katharina! Beeil dich! Lass uns ins Kino gehen!, rief Alexander fröhlich, während Katharina ihm voller Vorfreude entgegeneilte. Die Nachbarinnen am Hauseingang tuschelten:
Die ist ja ganz übermütig…
Aber Katharina war das egal ihre Liebe zu Alexander war grenzenlos.

Nach dem Abitur waren sie unzertrennlich. Niemand konnte sich vorstellen, dass sie je getrennt wären. Auch sie selbst lebten nur füreinander. Es wunderte keinen, als sie schließlich heirateten.

Alexander begann sein Jurastudium. Katharina hätte auch gerne studiert, doch das Leben kam dazwischen. Sie bekam ihr erstes Kind und musste zu Hause bleiben, mit gerade mal neunzehn Jahren. Die Geburt war schwer, die Umstellung noch schwerer. Trotzdem erledigte sie den gesamten Haushalt, denn Alexander musste schließlich lernen. Er stieg auf ein Fernstudium um und suchte sich einen Job. Sein Argument war, er müsse sich ausruhen.

Katharina nahm das als selbstverständlich hin. Die eigenen Bedürfnisse traten immer mehr in den Hintergrund: Sie trug tagelang denselben Rock, dieselbe Bluse, die Haare oft ungepflegt. Ihr Erscheinungsbild war ihr egal geworden, sie wurde dünner, oft nervös.

Katharina, du bist immer noch die Schönste für mich, versicherte Alexander, stets gepflegt und erfolgreich, wart’s ab, sobald unser Johannes etwas größer ist, kommt auch deine Zeit.

Katharina nickte nur. Sie schwor sich, eines Tages zu studieren. Sie hoffte, bald könnte sie wieder an sich denken.

Doch dann kam alles anders. Johannes war gerade zwei Jahre alt, als Katharina wieder schwanger wurde. Sie wusste nicht recht, ob sie sich freuen oder traurig sein sollte. Alexanders Reaktion war optimistisch: Jetzt bekommen wir einen Sohn und eine Tochter das ist doch wunderbar!

Katharinas Studium rückte in weite Ferne.

Die Zeit war hart. Das Leben bestand nur aus Windeln, Kinderbrei, Schnuller und Wäsche. Mal bekam Johannes Zähne, mal hatte Mathilda Bauchweh. Dazu der ganze Haushalt: Kochen, Putzen, Hemden bügeln, Kindersachen waschen… Katharina glaubte, das alles würde nie enden.

Ihre Mutter half, wo sie konnte, hatte Verständnis.
Du hast doch zwei kleine Kinder. Natürlich ist das schwer…
Aber Katharina konnte der Trost kaum helfen. Sie wollte einfach nur für einen Moment all das vergessen.

Mit der Zeit wurden die Kinder selbstständiger. Mathilda wuchs, und Johannes ging inzwischen in den Kindergarten. Es wurde etwas leichter.
Einmal wagte Katharina, das Thema Weiterbildung anzusprechen. Alexander reagierte ungehalten. Studieren? Wie stellst du dir das vor? Johannes kommt bald in die Schule, Mathilda ist noch klein. Wirst du nicht genug unterstützt? Ich bring doch das Geld nach Hause. Und wer soll sich um die Kinder kümmern?
Katharina widersprach, erzählte von ihren Träumen, einer richtigen Ausbildung, vielleicht Karriere. Doch Alexander lachte nur:
Karriere, Katharina? Überleg mal, wie alt du bist. Bald bist du dreißig. Bleib doch einfach daheim.

So blieb Katharina zu Hause. Wenigstens wurde ihr Alltag leichter. Sie gönnte sich neue Kleidung, ließ sich die Haare schneiden, machte die Nägel schön.

Und, fällt dir was auf, Liebling? kokettierte sie abends vor ihm.

Was denn? murmelte Alexander abwesend, ohne vom Computer aufzusehen.

Na, ich habe doch neue Sachen gekauft, meine Haare…, die Nägel… Und wenn wir heute mal wie früher ins Kino gehen würden? Oder zumindest im Park spazieren, wie damals… Ich seh dich kaum noch, Alexander. Du bist nie zu Hause.

Wie, Park? Maniküre? Was ist mit den Kindern? Ich bin eben selten hier, weil ich für euch arbeite. Und übrigens fahre ich bald dienstlich nach Frankfurt. Drei Wochen bin ich weg.

Schon wieder so eine Geschäftsreise! Das ganze Jahr bist du unterwegs. Die Kinder und ich sehen dich kaum.

So ist das, Liebes. Das Geld verdient sich nicht von selbst, sagte er und küsste sie flüchtig auf die Wange, bevor er ins Schlafzimmer verschwand.

Katharina seufzte und brachte die Kinder zu Bett. Als sie ins Schlafzimmer kam, lag Alexander schon schlafend mit dem Rücken zu ihr. Sie dachte nach und erkannte: Sie schlafen schon lange nicht mehr miteinander im wahrsten Sinne des Wortes und auch im übertragenen Sinne.

Im Hinterhof gab es einen Spielplatz mit Schaukeln, Rutsche und Sandkasten. Gleich daneben lag der große Englische Garten mit Bänken und einem kleinen Weiher.
Katharina ging fast täglich mit ihren Kindern dorthin, setzte sich auf eine Bank, las Zeitschriften oder Bücher und beobachtete Johannes und Mathilda.

Oft begegnete sie dort einer jungen, eleganten Frau, perfekt gekleidet, makellose Frisur, teure Schuhe einfach eine Erscheinung. Mal saß sie auf einer Bank, mal schlenderte sie auf und ab. Mit der Zeit grüßten sie sich immer.
Heute sprach die Frau Katharina an.

Guten Tag! Wir treffen uns so oft, da dachte ich, ich stelle mich mal vor, wenn es Ihnen recht ist, sagte sie freundlich.

Aber natürlich, sehr gerne. Ich heiße Katharina und das sind meine beiden Kleinen, Johannes und Mathilda.

Ich bin Greta. Sie haben bezaubernde Kinder… Ich würde alles dafür geben, eigene zu haben mit dem Mann, den ich liebe. Sie blickte traurig auf die Schuhspitzen.

Was ist los? Sie sind so hübsch, Sie hätten bestimmt jemanden gefunden… Oder können Sie vielleicht keine bekommen? Entschuldigung, das war indiskret!

Nein, nein, alles gut. Ich habe einen Mann, den ich liebe… Aber er ist verheiratet. Seine Frau sei unerträglich und er will sich scheiden lassen. Ich sollte nur noch etwas Geduld haben. Irgendwann werden wir eine Familie. Greta seufzte.

Ja, bestimmt, sagte Katharina mitfühlend.

Wollen Sie ein Foto sehen? Er sieht toll aus, hat einen guten Job, verdient nicht schlecht. Überhäuft mich mit Geschenken, verreist mit mir vor kurzem waren wir in Italien, bald geht es nach Griechenland ans Meer. Hier sind wir gerade in Rom… Greta scrollte auf dem Handy und reichte es Katharina.

Katharina sah hin und erstarrte: Auf dem Foto erkannte sie Alexander, der lachend diese fremde Frau umarmte.

Wie betäubt gab sie Greta das Telefon zurück, rief schnell nach den Kindern. Tränen stiegen ihr in die Augen, sie rang um Fassung. Greta zog sich diskret zurück und verschwand im Park. Katharina nahm es kaum wahr, sie sah nur das Bild von Alexander, glücklich mit einer anderen.

Wie sie nach Hause kam, wusste sie hinterher nicht mehr. Die Kinder saßen still, während ihre Mutter hastig Kleidung und ein paar Sachen in Koffer warf.

Katharina setzte sich zu den Kindern.
Hört mal, ihr Lieben, heute fahren wir zu Oma. Einverstanden?
Mama und Papa? Kommt er auch? fragte Johannes leise.

Ja, Liebling, bestimmt. Er kommt später nach, keine Sorge

Katharina bestellte ein Taxi. Der Fahrer half freundlich beim Einladen und warf einen erstaunten Blick auf die verheulte Frau mit zwei kleinen Kindern und hastig gepackten Koffern.

Bei ihrer Mutter angekommen, schickte sie die Kinder vor den Fernseher, endlich konnte sie reden.
Mama! Katharina schluchzte, Stell dir vor, ich sitze zu Hause mit zwei Kindern, und er er ist in Italien Mit ihr! Wie kann er mir das antun? Ich habe alles für ihn aufgegeben mein Studium, den Beruf, meine Träume Wie ist das nur möglich? Was soll ich nur tun? Katharina konnte die Tränen nicht zurückhalten.

Die Mutter seufzte, nahm sie in den Arm.
Was sollst du tun? Das Leben geht weiter, mein Kind. Wenn du dich trennen willst, unterstütze ich dich, so gut ich kann. Es gibt noch so viele Möglichkeiten für dich. Deine Kinder sind dein Glück.

Ein wenig beruhigter rief Katharina Alexander an. Sie erzählte ihm alles. Am Schluss sagte sie, dass sie die Scheidung wolle.

Alexander schwieg einen Moment, dann meinte er kühl: Das hätte ich ja früher oder später erfahren. Gut, dann eben Scheidung. Die Wohnung ist auf deinen Namen, also bleib ruhig dort. Und du hast Greta ja gesehen. Wer bist du, und wer ist sie? Eine Hausfrau ohne Abschluss oder eine Göttin. Ich bin im Leben angekommen. Er legte auf.

Lange saß Katharina mit dem Handy in der Hand und wartete, dass Alexander noch einmal anrief und alles als schlechten Scherz auflöste. Doch das Telefon blieb still.

Sie musste alles hinter sich lassen ein neues Leben beginnen. Doch wie sollte sie das? Wie würde sie morgens ohne ihn aufstehen? Aber dann wurde ihr klar, sie war schon lange ohne ihn oder hatte einfach nicht hinschauen wollen.

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Homy
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An jenem Tag spazierte Katharina mit ihren Kindern im Park. Plötzlich kam eine junge, hübsche Unbekannte auf sie zu: – Guten Tag. Oh, was für süße Kinder Sie haben! Ich wünschte, ich hätte auch eigene… – Ach, warum denn nicht? Haben Sie noch nicht die große Liebe gefunden? – Doch, aber er ist verheiratet. Er will sich aber scheiden lassen. Ach wissen Sie was, ich zeige Ihnen ein Foto von ihm. Katharina nahm ihr Handy – und erstarrte… Es war ER. – Hey! Katharina! Komm endlich runter! Lass uns ins Kino gehen! – rief Sascha, und Katharina stürmte zu ihm, ohne auf etwas anderes zu achten. Die Nachbarinnen tuschelten vor dem Hauseingang: – Die ist auch nicht ganz normal… Doch Katharina war das völlig egal – sie liebte Sascha über alles… Nach dem Schulabschluss waren sie unzertrennlich. Sie unternahmen alles gemeinsam. Niemand konnte sich die beiden einzeln vorstellen. Weder Sascha noch Katharina konnten sich ein Leben ohne den anderen denken… Deshalb war es keine Überraschung, als sie eines Tages heirateten. Sascha begann ein Jurastudium. Katharina hätte auch gern studiert, musste aber in den Mutterschutz gehen. Es war schwierig für sie… Die Geburt war nicht leicht, die Zeit danach auch… Sie war gerade mal 19. Alle Hausarbeiten blieben an Katharina hängen, denn Sascha musste noch studieren, wechselte ins Fernstudium und suchte sich einen Job. Er brauchte schließlich Erholung. Aber Katharina fand das normal. Sie achtete immer weniger auf ihr Aussehen, trug immer dieselben alten Shorts und T-Shirts. An eine Frisur war gar nicht zu denken. Sie wurde nervös, magerte ab… – Katharina, warum denn? Für mich bist du die Schönste auf der Welt! – tröstete sie Sascha, immer gepflegt und erfolgreich. – Bald ist Ivan alt genug, dann hast du wieder Zeit für alles! Katharina nickte nur. Sie hatte fest beschlossen, noch zu studieren. Wenn Ivan älter ist… dann holt sie alles nach… Aber dann geschah das Unerwartete. Ivan wurde gerade zwei, da wurde Katharina wieder schwanger. Sie wusste nicht, ob sie sich freuen oder weinen sollte. Sascha war glücklich und beruhigte sie erneut: – Was ist denn? Alles wird gut! Ist doch wunderschön – jetzt haben wir einen Sohn und eine Tochter! Das Studium musste erneut verschoben werden. Wer weiß, wie lange noch… Es wurde immer anstrengender. Katharina wusste oft nicht einmal mehr, welcher Wochentag war… Nach Sofies Geburt bestand ihr Alltag aus Windeln, Waschen, Babybrei und nie endender Hausarbeit. Putzen, kochen, Hemden bügeln, Wäsche waschen, die Kinder versorgen… Katharina dachte schon, das würde nie wieder aufhören… Ihre Mutter half, so gut sie konnte. – Was hast du denn erwartet? Zwei Kinder machen eben Arbeit… Aber das tröstete Katharina wenig. Sie wollte alles wenigstens einmal vergessen… Die Kinder wuchsen heran. Sofie wurde immer neugieriger, Ivan ging in den Kindergarten. Endlich wurde es etwas leichter. Eines Tages sprach Katharina sogar über ihr geplantes Studium. Sascha reagierte abweisend. Er blickte sie erstaunt von unten her an: – Studium? Wie stellst du dir das vor? Ivan kommt bald in die Schule, Sofie ist noch ganz klein… Reicht das Geld etwa nicht? Wie soll das alles ohne Mutter klappen? Ich tue doch alles für euch… Mehr als genug… Katharina hielt dagegen – sie wollte auch eine Ausbildung, einen guten Beruf, vielleicht sogar Karriere machen… Lernen mochte sie schon immer; sie hatte das Abitur mit guten Noten bestanden. Sascha lachte nur: – Karriere, Katharina? Du bist doch keine zwanzig mehr. Bleib einfach daheim… Und so fügte sich Katharina. Immerhin war es jetzt etwas einfacher geworden. Sie konnte sich wieder mehr um sich selbst kümmern, kaufte sich neue Kleidung, machte die Haare, die Nägel… – Ist dir das gar nicht aufgefallen, Schatz? – strahlte sie Sascha am Abend an. – Was denn? – fragte er zerstreut, ohne vom Computer aufzusehen. – Schau mal, ich hab eine neue Bluse, eine neue Frisur, und Nägel machen lassen… Wollen wir heute mal rausgehen wie früher? Kino, Park – weißt du noch, wie wir uns unter den Sternen geküsst haben? Du bist nie mehr zu Hause… – Park? Was für Nägel? Und was ist mit den Kindern? Ich bin doch unterwegs, weil ich arbeite. Nein, nichts da, kein Park. Übrigens, ich muss bald für drei Wochen auf Geschäftsreise. – Schon wieder eine Dienstreise? Das ganze Jahr bist du unterwegs, die Kinder und ich sehen dich kaum… – Es lässt sich nicht ändern, Liebling. Das Geld kommt nicht von allein. – Er küsste sie auf die Wange und ging schlafen. Katharina zuckte nur mit den Schultern, seufzte und brachte die Kinder ins Bett. Später sah sie Sascha im Schlafzimmer, wie er wieder von ihr abgewandt schlief. Sie bemerkte – so lagen sie schon lange, jeder für sich… Ihr Wohnviertel hatte einen schönen Spielplatz und gleich daneben lag ein großer Park mit Bänken und einem kleinen Teich. Katharina ging oft mit den Kindern dorthin, las eine Zeitschrift oder ein Buch, während sie Ivan und Sofie beobachtete. Oft fiel ihr eine junge, hübsche Frau ins Auge – modische Kleidung, tolle Frisur, schöne Schuhe, einfach eine Erscheinung. Die Frau saß meist auf der Bank, schlenderte umher. Mit der Zeit grüßten sie sich sogar. Auch heute begrüßte die Frau Katharina, wie eine alte Bekannte. Diesmal setzte sie sich zu ihr auf die Bank. – Guten Tag. Wir sehen uns hier so oft – ich dachte, ich spreche Sie endlich mal an, – sagte die Unbekannte. – Natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben, – lächelte sie freundlich. – Aber nein, gern! Ich bin Katharina. Und das sind meine Kinder, Ivan und Sofie. – Ich heiße Christina! Sie haben wunderbare Kinder… Wirklich bezaubernd! Wenn Sie wüssten, wie gern ich eigene mit meinem geliebten Mann hätte… – Sie blickte traurig zu Boden. – Ach, Sie finden bestimmt noch den richtigen – Sie sind ja so hübsch… Oder möchten Sie keine Kinder? Entschuldigen Sie! Ich sage manchmal Sachen… – Nein, nein, alles gut. Ich habe einen Mann… Aber leider gibt’s da ein „Aber“ – wir sind nicht verheiratet, vielmehr, er ist noch verheiratet… Aber seine Frau, na ja… Er liebt sie nicht und will sich scheiden lassen. Bald, dann bekomme ich auch Kinder und Familie und alles… – Christina seufzte wieder. – Das klappt bestimmt bei Ihnen! – nickte Katharina mitfühlend. – Wollen Sie ihn mal sehen? Ich habe Fotos. Er sieht toll aus, hat einen guten Job, verdient nicht schlecht. Er bringt mir Geschenke, wir waren kürzlich in Italien, bald fliegen wir ans Meer nach Griechenland. Schauen Sie… hier sind wir in Rom… – und Christina zeigte ein Bild auf dem Handy. Katharina nahm das Handy – und erstarrte. Ihr Sascha lächelte sie vom Foto an… Wie im Nebel gab sie das Handy zurück und rief hastig nach den Kindern… Tränen traten ihr in die Augen, sie rang um Fassung, um nicht loszuweinen… Christina trat leise beiseite und verschwand still aus dem Park. Offenbar hatte sie alles verstanden. Aber Katharina sah das nicht mehr. Sie sah nur das Bild vor sich, auf dem ihr Mann eine fremde Frau umarmte… Wie sie nach Hause kam, wusste sie nicht mehr. Die Kinder saßen schweigend da, als sie in Eile Sachen in Koffer warf… Katharina setzte sich zu ihnen. – Hört mal zu, Sofie, Ivan… Wir fahren jetzt zu Oma, okay? – Mama – und Papa? Kommt er auch? fragte Ivan. – Ja, bestimmt. Später. Versprochen. Sie rief ein Taxi. Der Fahrer half höflich beim Einladen – und schaute verwundert auf die weinende Frau mit zwei kleinen Kindern und wild zusammengepackten Taschen. Bei ihrer Mutter brachte Katharina die Kinder vor den Fernseher und brach endlich zusammen. – Mama, – schluchzte sie, – stell dir vor, ich sitz zu Hause mit zwei Kindern, und er… er ist mit ihr in Italien… in Griechenland… Wie konnte er nur? Wie?… Ich habe alles für ihn geopfert… mein Studium, meine Karriere, mein Leben, meine Träume… Wie kann das sein?! Mama! Was soll ich jetzt tun? – Sie weinte und weinte… – Was du tun musst? Du musst weitermachen. Ich helfe dir, wenn du dich trennen willst. Das Leben geht weiter. Du bist jung. Und die Kinder sind ein Geschenk… Nach einer Weile ruft Katharina Sascha an. Sie erzählte ihm alles. Und am Ende sagte sie, sie wolle sich scheiden lassen. Sascha war überrascht, schwieg einen Moment. Als er hörte, dass Christina ihr alles erzählt hatte, sagte er genervt: – Tja… Früher oder später hättest du eh alles erfahren. Scheidung also… Die Wohnung läuft auf dich, du kannst bleiben. Christina hast du ja gesehen. Wer bist du – Hausfrau, ohne Abschluss – und wer ist sie? Und ich, ich bin ein gemachter Mann… – und legte auf. Katharina starrte lange aufs Telefon. Insgeheim hoffte sie, er würde gleich anrufen und sagen, das war alles ein Scherz, alles wird gut… Doch es gab keinen Anruf… Sie wusste, sie musste alles hinter sich lassen… Das Leben neu beginnen. Wo soll sie anfangen? Wie wird der Morgen ohne ihn? Aber eigentlich war sie schon lange ohne ihn… Sie hatte es nur nicht sehen – oder nicht sehen wollen…
Ich finde für die Tochter meines Mannes einen besseren Ehemann – Familiendrama um Liebe, Stolz und das Ringen zwischen Schwiegermutter und Schwiegersohn in einer deutschen Großstadt