Ich finde für die Tochter meines Mannes einen besseren Ehemann – Familiendrama um Liebe, Stolz und das Ringen zwischen Schwiegermutter und Schwiegersohn in einer deutschen Großstadt

Weißt du, ich muss dir was erzählen, was bei uns letztens abging. Es war mal wieder Monatsanfang, und Markus sitzt da wie jeden Abend und checkt seine Commerzbank-App. Dieser Monat wird echt eng, murmelte er, während er die Zahlen anschaute. Ich hab gesehen, wie er tief durchgeatmet hat das Geld rinnt uns wirklich seit einer Weile durch die Finger. Und er weiß warum, er traut sich nur nicht, das laut zu sagen.

Markus kam gerade aus dem Fahrstuhl, zog den Knoten seiner Krawatte locker und schlenderte Richtung Wohnung. Dritter Stock, vierte Tür links das kennt er mittlerweile wie seine Westentasche. Du glaubst nicht, wie sehr sich solche Abläufe einbrennen, wenn du sie jeden Tag machst. Der Schlüssel drehte sich im Schloss und gleich schwebte ihm der Geruch von frisch gebratenen Bratkartoffeln mit ordentlich frischem Schnittlauch in die Nase. Jana mag Schnittlauch richtig gern, das muss immer so sein. Markus schlüpfte aus den Schuhen, warf die Aktentasche auf die Kommode und rief:

Ich bin da!
Bin in der Küche!, kam es zurück von Jana.

Sie stand am Herd, rührte in der Pfanne, ihre blonden Haare zum Zopf gebunden und diese rot-karierte Lieblingsbluse übergeworfen. Markus ging von hinten hin, gab ihr einen Kuss auf den Kopf.

Riecht super.
Kartoffeln mit Champignons setz dich, ich deck gleich den Tisch.

Jana lächelte, aber irgendwie wars nicht dieses fröhliche Lächeln. Markus merkt das sofort, weil Jana immer so tut als sei alles in Ordnung, aber innerlich brodelts. Drei Jahre Ehe da kennst du sowas.

Er setzte sich, schaute zu, wie Jana das Essen auf die Teller machte. Irgendwas nagte an ihr, die Bewegungen etwas hektisch, nicht so ruhig wie immer. Und klar, Markus wusste: Da steckt meistens ein Gespräch mit ihrer Mutter dahinter. Elisabeth weiß einfach, wie sie die Stimmung nach unten zieht.

Hat deine Mama angerufen?, fragt er schon wissend, dass die Antwort ja ist.

Jana erstarrt kurz, stellt dann den Teller vor ihn, setzt sich gegenüber.

Ja. Nichts Wildes.

Total gelogen. Elisabeth ruft nie einfach so an. Nach jedem Gespräch bleiben immer so kleine gemeine Sticheleien hängen.

Markus bohrte nicht weiter nach warum auch? Die Sprüche von seiner Schwiegermutter hat er über die Jahre oft genug gehört: zu wenig Gehalt, zu altes Auto, keine Zukunftsperspektiven. Immer derselbe Kram.

Sie essen eine Weile schweigend. Die Wohnung ist zwar nur eine Ein-Zimmer-Wohnung in einer Platte, aber wenigstens gehört sie uns! Markus hat die noch vor der Hochzeit selbst gekauft das ist für ihn sowas wie sein kleiner Stolz. Nicht groß, aber ehrlich verdient.

Jana stochert in den Kartoffeln rum, kaum Appetit. Ihr Kopf ist voll. Natürlich mit ihrer Mutter. Elisabeth bleibt einfach im Kopf hängen wie ein nerviger Werbesong.

Markus erinnert sich an ihr erstes Treffen mit Elisabeth. Da tauchte er auf, in den besten Jeans und dem einzigen halbwegs ordentlichen Pulli, den er hatte. Elisabeth musterte ihn von oben bis unten, als wär er irgendwas vom Grabbeltisch und fragte schnippisch:

Was machen Sie beruflich?
Ich bin Ingenieur.
Ingenieur … Das kam rüber, als hätte Markus grade zugegeben, er wäre ein Taschendieb. Und Gehalt, ist das auch ordentlich?

Jana wurde damals ganz rot und wechselte das Thema, aber der Ton war gesetzt. Drei Jahre sind vergangen, Elisabeth ist keinen Deut milder geworden.

Jedes Treffen ist ein Geduldsspiel. Svens Sohn hat grad sein zweites Unternehmen gegründet … Wann wollt ihr euch denn mal ein neues Auto gönnen? Euer Toyota ist doch bald Schrott … Jana träumte als Kind immer von einem Ferienhaus, wusstest du das?

Markus hat gelernt, die Kommentare einfach an sich abprallen zu lassen. Lächeln, nicken, nicht streiten. Es bringt nichts Elisabeth ändert sich nicht.

Jana war jetzt fertig mit Essen und schob den Teller weg.

Mama lädt zum Abendessen am Samstag, Papa hat Geburtstag.

Markus spürte sofort, wie er innerlich leichter angespannt war. Geburtstage bei Janas Eltern sind eine Disziplin: ein langer Tisch, die ganze Sippe sitzt versammelt und Elisabeth die Kommandantin vorneweg.

Wann?”,
Um sieben.
Okay. Wir halten mal nach einer Sachertorte Ausschau, auf dem Weg.
Mama meint, wir sollen nix mitbringen, sie macht alles allein.

Klar, Elisabeth muss alles kontrollieren. Wenn jemand eine eigene Torte mitbringt, passt das nicht in ihr perfektes Bild.

Jana räumte ab, Markus schaute ihr hinterher. Sie wirkte so zerbrechlich, wie ein kleiner Vogel. Er wollte sie immer schützen, aber der Wind, der ihr die Federn zerzaust, kommt meistens direkt aus ihrem Elternhaus und das kann man eben nicht abschalten.

Jana … Sie drehte sich um. Du weißt doch, ich lieb dich.
Und ich dich, sagte sie leise.
Doch da flackert was in ihren Augen Zweifel, Müdigkeit, vielleicht etwas Schuldgefühl. Markus fragte nicht. Manchmal ist es besser, nicht zu wissen, was im Kopf des Menschen, den man liebt, gerade vorgeht. Besonders, wenn die Gedanken gar nicht von ihm sind.

Samstag kam viel zu früh.

Markus parkte den alten Toyota vorm Mehrfamilienhaus der Schwiegereltern. Die Lackschäden am Kotflügel sind seit letztem Herbst da. Jana fummelte nervös am Gurt ihrer Tasche.

Bereit?”
Nee. Aber wir müssen ja nach oben.

Drinnen roch es nach Braten und leiser Stimmen. Janas Vater, Karl-Heinz, ein ruhiger, freundlicher Typ, nimmt Jana in den Arm, schüttelt Markus die Hand. Der Jubilar ist selbst ganz verlegen.

Alle sitzen schon am langen Tisch Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen. Markus hat nach drei Jahren die Namen noch nicht drauf. Elisabeth sitzt wie die Gastgeberin zentral vor Kopf, gibt Ansagen an die jüngeren Kinder.

Markus setzt sich neben Jana an den Rand seine übliche Rettungsposition.

Erstmal gehts friedlich los, ein paar Trinksprüche auf den Geburtstagsmann, Gläser klirren, Lachen. Markus entspannt sich etwas, greift nach Brot.

Markus, sagt Elisabeth plötzlich mit lauter Stimme und er weiß, jetzt gehts los. Ihr lebt immer noch in eurer Ein-Zimmer-Wohnung?
Ja, Elisabeth. Uns reicht der Platz.
Reicht …, wiederholt sie spöttisch. Und an Kinder habt ihr gedacht? Wo soll das Kind denn da schlafen im Badezimmer?

Jana spannt sich direkt an. Markus legt unter dem Tisch seine Hand auf ihre.

Wenn es soweit ist, finden wir eine Lösung.
Eine Lösung …, lacht Elisabeth. Mit deinem Gehalt? Du musst einen Kredit aufnehmen, Markus. So machen das normale Menschen. Größere Wohnung, ein Schritt nach vorne.
Ich will keine Schulden. Wir haben unsere Wohnung, das reicht für jetzt.
Das reicht ihm!, ruft sie, sucht Bestätigung bei den anderen. Hört ihr das? Er sagt: Es reicht. Während Jana sich zusammenkuschelt, ziehen die Freundinnen in große Wohnungen um …
Mama, murmelt Jana.
Sei ruhig. Ich rede mit deinem Mann! Und jetzt schau: Svens Sohn, der Timo zwei Kredite, jetzt Dreizimmerwohnung im Zentrum und einen Audi. Und du? Fährst auf einem klapprigen Toyota, wohnst in eurer Zelle. Bist du überhaupt ein Mann? Schämst du dich nicht?

Markus legte langsam seine Gabel weg. Drei Jahre lang hat er das geschluckt, die Vergleiche, die Sticheleien wegen Jana, für Frieden.

Ich schäme mich nicht, antwortet er ruhig. Ich arbeite ehrlich. Ich lüge nicht, ich betrüge niemanden. Ich lebe nach meinen Möglichkeiten.

Nach deinen Möglichkeiten!” Elisabeth packt wütend auf den Tisch. Gläser springen, eine Gabel klimpert auf den Boden, ihr Gesicht knallrot.

Du bist kein Mann, du bist ein Waschlappen! Meine Tochter hat jemand Besseres verdient als dich! Ich suche Jana einen besseren Mann, ganz sicher!”

Stille. Alle schauten betroffen, Janas Vater stierte auf seinen Teller. Markus stand langsam auf. Jetzt war Schluss.

Elisabeth, ich muss mich nicht vor jemandem rechtfertigen, der mich sowieso nicht respektiert. Sie halten mich für nicht gut genug das ist Ihr Bier. Aber ich lass mich nicht länger runtermachen.

Jana schaute ihn an, voller Schock. Dann drehte sie sich zu ihrer Mutter. Die beiden wichtigsten Menschen in ihrem Leben standen nun auf zwei Seiten. Und da war eine Linie, die nach einer Entscheidung verlangte.

Jana steht ebenfalls auf.

Mama, ich liebe dich. Aber wenn du meinen Mann nochmal so behandelst, gehen wir und kommen nicht wieder.

Elisabeth war wie erstarrt.

Was hast du gesagt?
Du hast mich verstanden. Markus ist mein Mann. Ich hab ihn selbst ausgesucht. Und ich lasse nicht zu, dass du ihn noch mal beleidigst, nie wieder.
Wie kannst du nur!, schrie Elisabeth. Undankbares Gör! Ich hab dich großgezogen, und jetzt du entscheidest dich für diesen … diesen Versager!
Mama, hör auf!

Janas Stimme schnitt durch die Luft. Die Tanten und Onkel drückten sich in die Stühle, sogar Tante Ingrid blieb still.

Du hast mein Leben jahrelang kontrolliert Klamotten, Freunde, sogar, wen ich lieben soll. Jetzt ist Schluss. Ich bin erwachsen. Ich bestimme selbst, wie ich leben will und mit wem.

Elisabeth starrte ihre Tochter an ganz blass, mit stechenden Wangen.

Du wirst dich noch erinnern, an diesen Tag, fauchte sie. Wenn er dich sitzen lässt, ohne einen Cent, kommst du angekrochen. Da seh ich dann, ob ich dich überhaupt noch reinlass.

Sie rauscht vorbei, niemandem in die Augen blickend, die Schlafzimmertür kracht zu.

Markus ging zu Jana, nahm sie fest in den Arm. Sie drückte ihr Gesicht an seine Brust, ihre Schultern zuckten vor unterdrücktem Weinen.

Du hast alles richtig gemacht, flüsterte Markus ihr ins Haar. Ich bin verdammt stolz auf dich.

Karl-Heinz stand langsam auf.

Fahrt heim, ihr zwei sie wird sich wieder beruhigen. Irgendwann.

Im Auto war Jana ganz ruhig und Markus ließ sie in Frieden.

Erst zu Hause, in unserer kleinen Wohnung, sagte sie:

Ich rufe sie nicht zuerst an.
Wie du willst, ich stehe hinter dir.

Jana sah ihn an müde, verweint. Aber tief drin war sowas wie Feuer.

Wir schaffen das, meinte sie schließlich.

Markus nahm sie in den Arm. Draußen färbte der Sonnenuntergang den Himmel über Hamburg orange. Die kleine Wohnung fühlte sich plötzlich nicht eng, sondern sicher an. Ihre eigene Festung. Und beide wussten: Jetzt fängt alles erst richtig an.

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Homy
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Ich finde für die Tochter meines Mannes einen besseren Ehemann – Familiendrama um Liebe, Stolz und das Ringen zwischen Schwiegermutter und Schwiegersohn in einer deutschen Großstadt
Sie ließ mich auf der Parkbank warten… Jahre voller Schmerz vergingen, bis ich sie wiedersah