Wieder zur Geliebten zurück. Ein Tagebucheintrag
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Auf Drängen meiner Mutter beendete ich schließlich die Beziehung zu Franziska. Ehrlich gesagt, verstand ich ihren Lebensstil nie so ganz. Sie war ständig unterwegs, arbeitete als Event-Moderatorin in Bistros, Restaurants, bei Hochzeiten, Geburtstagen, sogar Beerdigungen oder Kinderfesten. Das alles war meiner Mutter suspekt, und sie machte mir sehr deutlich klar: Franziska, so eine Frau, das sei keine richtige Partnerin fürs Leben.
Und auch ich spürte, dass zwischen uns nichts Halbes und nichts Ganzes war. Immer wieder plagte mich Eifersucht, wenn Franziska sich herrichtete und zu einem Auftrag ins Lokal aufbrach. Allein das schien mir schon unpassend. Und mit dem Urteil meiner Mutter, die zwar oft schimpfte, aber selten irrte, war meine Entscheidung besiegelt.
Ein Jahr später heiratete ich dann Katharina, eine Bibliothekarin. Sie gefiel meiner Mutter auf Anhieb: ruhig, bescheiden, fleißig. Das ist eine richtige Ehefrau, schwärmte sie. Schau sie dir an! Unauffällig, ordentlich, immer die Bluse zugeknöpft, die Röcke knielang, am Abend rechtzeitig zuhause. So muss das sein! Gold wert, diese Frau! Endlich habe ich deine Wahl gutgeheißen, Sebastian…
Meine Mutter, Helga, war eine bewundernswerte Frau, die nie zu den Schönen gezählt hatte, immer fleißig war, auf dem Postamt beschäftigt. Sie hatte immer von einer Familie geträumt, aber als sie fünfunddreißig wurde, akzeptierte sie, dass eine Ehe wohl nicht mehr kommt, also bekam sie ein Kind ohne Mann obwohl sie selbst das für unmoralisch hielt.
So kam ich Sebastian zur Welt. Anfangs halfen Oma und Opa, aber bald waren nur noch Mutter und ich übrig.
Ich liebte meine Mutter sehr und half ihr, wo ich konnte. In der Schule liefs nicht so gut, besonders im Gymnasium. Nach der zehnten wechselte ich ins Möbelkolleg, lernte und arbeite seitdem als Verkäufer im Möbelhaus.
Als ich dann mit der bodenständigen Katharina zusammenkam, glaubte meine Mutter, dass das Glück nun endlich da war: eine anständige junge Frau, bald Enkelkinder, das war ihr einziger großer Wunsch
Wir feierten die Hochzeit bescheiden in unserer Wohnung, denn Verwandte gab es kaum, nur zwei Freunde von mir Moritz und Lukas und bei Kathi zwei Kolleginnen aus der Bibliothek mehr brauchte sie nicht, jetzt zähle nur noch die Familie
Nach der Hochzeit empfing mich Kathi stets mit einem warmen Essen. Es schmeckte meist etwas fad und wechselte selten sie war das vom Vater so gewöhnt, wegen seines empfindlichen Magens. Katharina redete kaum, lachte selten und verbrachte fast jede freie Minute lesend. Fernsehen mochte sie nicht, sodass meine Mutter, die für ihre Serien lebte, sogar den Ton kaum mehr aufdrehte. Selbst die heißgeliebten Schmalzkringel briet sie nicht mehr, das und alles Fette war Katharina zu ungesund.
In unserer Wohnung herrschte fortan Stille und Langeweile. Ich selbst stumpfte regelrecht ab.
Ein halbes Jahr später arbeitete ich einmal länger, stellte mein Handy aus und kam nicht nach Hause Katharina verbrachte diese Nacht weinend, bat um Sonderurlaub und zog noch am selben Tag mit gepackten Sachen zurück zu ihren Eltern. Sie sagte zu Helga mit bitterer Stimme: Ich dachte, Sebastian sei ein anständiger Mensch. Nun hat er mich betrogen…
So still wie Katharina im Alltag war, so standhaft zeigte sie sich nach dem Bruch. Ich flehte sie nicht an entschuldigte mich nur, dass ich ihre Erwartungen enttäuscht hatte.
Meine Mutter setzte mir zu: Sebastian, sag, wo warst du? Schließlich erzählte ich es.
Mama, es war Zufall: Franziska kam ins Möbelhaus, einen neuen Sessel kaufen. Sie wusste nicht, dass ich dort arbeite.
Wusste nicht? Die hat das extra eingefädelt, um dich wieder zu kriegen!, schimpfte Helga.
Mama, du verstehst das falsch, ich wollte nur Tschüss sagen, aber sie hat mich hinausgeworfen!
Ach was, rausgeworfen! Das ist doch wieder so ein Trick! Lass die Finger von ihr. Die ruiniert noch dein Leben! Helga war richtig verzweifelt, dass ich vielleicht doch zu dieser Frau zurückkehre.
Du verstehst das nicht, Mama Mehr konnte ich gar nicht sagen, sie ließ mich nicht ausreden.
Nach der Scheidung war ich eine ganze Weile am Boden. Erst als ich eine neue Freundin hatte, schien sich Helga zu freuen vielleicht gibts ja doch noch Enkel.
Anna, auch Beraterin im Möbelhaus, wurde die Nächste. Doch bald stellte sich heraus: Anna war faul, unordentlich, wurde sogar gekündigt, weil sie zu schroff mit Kunden war. Sie lag den ganzen Tag auf der Couch, tippte am Handy und tat so, als würde sie sich bewerben.
Wieder fragte ich mich: Wieso habe ich nur so ein Pech mit den Frauen?
Helga konnte die Szenerie kaum mehr ertragen, und als Anna ganz frech verkündete, wir würden bald heiraten, platzte es aus Helga heraus: Mach das lieber nicht, der Sebastian läuft immer wieder zu der Anderen zurück. Sie haben sogar ein Kind, er gibt Geld rüber und besucht den Jungen heimlich! Das wird nie anders!
Doch Anna lachte nur sie glaubte, Helga wolle einfach nur unser Glück zerstören, weil ich sie so gern hatte und sie nicht arbeiten musste.
Helga schaute sie mitleidig an, aber schüttelte nur den Kopf. Macht, was ihr wollt, es reicht mir!
Insgeheim überlegte sie, Franziska aufzusuchen und zu klären, warum ich sie nie vergessen konnte.
Sie wusste nicht einmal Franziskas aktuelle Adresse, aber hatte Glück: Gerade als sie vor dem Altbau ankam, kam Franziska heraus Hand in Hand mit einem kleinen Jungen.
Helga blieb fast das Herz stehen. Der Junge eine jüngere Ausgabe von mir: die gleichen hellen, frechen Augen, die abstehenden Ohren, der schiefe Mund. Kein Test der Welt könnte das besser beweisen
Franziska! Warte, ich will mit dir reden!, rief sie, ganz aufgelöst. So lange schon war sie Großmutter und wusste nichts davon.
Franziska drehte sich um, die Lippen zusammengepresst, aber sie blieb stehen.
Guten Tag, Frau Fuchs, ich höre.
Wie kann das sein, Franziska? Ich ahnte ja nichts Sebastian er hätte er ist doch nicht so einer stammelte Helga hilflos.
Keine Sorge, er wusste es auch nicht, erwiderte Franziska trocken und wollte gehen, aber Helga gab nicht auf.
Er liebt dich, das ist alles nur meine Schuld. Schick ihn nicht fort, redet wenigstens!, bat Helga, den Blick nicht von dem Jungen lösend. Nicht zu glauben ein kleiner Sebastian!
Wie heißt dein Sohn?, fragte sie zittrig. Franziska sah sie an, schien zu zögern.
Er heißt Emil. Los, Emil, wir müssen los, ich moderiere jetzt nur noch Kindergeburtstage und Emil ist immer dabei. Wir haben sonst niemanden.
Du hast doch mich ich bin doch seine Oma!, bot Helga an. Doch Franziska sagte nichts mehr, drehte sich um und verschwand mit Emil.
Tage später kam ich nach Hause, sah Helga bedrückt.
Mama, warst du bei Franziska?
Sie sah auf Anna war inzwischen schon aus dem Haus verschwunden.
Danke, Mama. Franziska hat mir verziehen. Ich darf Emil sehen, und ich will, dass sie mich heiratet.
Helga sah mich erstaunt an. Ich, der immer ihr Sohn war und sich gerne lenken ließ, wirkte plötzlich entschlossen.
Gut gemacht, Sebastian. Und verzeih mir für Glück muss man selbst kämpfen, selbst wenn man gegen die eigene Mutter antreten muss.
Sebastian und Franziska.
Franziska und ich haben kurz danach geheiratet. Ich bin zu ihr gezogen; meine Mutter kommt oft zu Emil, wenn wir beide arbeiten. Manchmal schläft Emil bei seiner Oma.
Und das Schönste: Wir erwarten bald unser zweites Kind ein Mädchen! Helga freut sich riesig und träumt schon davon, diesmal von Anfang an Oma zu sein.
Nun mischt sich meine Mutter nicht mehr ein, und das ist gut so. Franziska ist im Haushalt großartig, ich bin glücklich und lache wieder.
Wie gut, dass mein Herz mir den Weg zeigte. Ein Glück lässt sich nicht bauen, indem man über das Leben anderer trampelt, indem man dem Sohn die Frau auswählt und für ihn entscheidet.
Es passt: Der Mann soll die heiraten, ohne die er sowieso nicht mehr leben kann.
Heute habe ich verstanden: Nur das eigene Glück zählt und den eigenen Weg muss jeder selbst gehen.




