Sommerreifen – Sicher und komfortabel durch die warme Jahreszeit auf deutschen Straßen

Sommerreifen

Möchtest du die Kartoffeln lieber mit Rosmarin oder einfach so?, fragte Helene, ohne sich vom Herd umzudrehen.

Die Pfanne zischte, der Rosmarin verbreitete sein harziges, sommerliches Aroma, während draußen der Februar erneut eine frische Schicht Schnee auf das Fensterbrett legte. Im Landhaus war es warm, es roch nach Essen und nach etwas Altvertrautem, fast Unmerklichem wie der eigene Shampooduft.

Mit Rosmarin, bitte, tönte es aus dem Flur Friedrich. Das Geräusch des sich öffnenden Reißverschlusses, dumpfes Klopfen der Stiefel auf dem Holzfußboden, dann Stille. Immer verhielt er sich so: er kam heim, zog die Schuhe aus, verweilte einige Minuten im Flur, als müsste er die Straße aus den Lungen pusten, bevor er das Haus betrat.

Helene rührte die Kartoffeln um, drehte die Temperatur herunter. Dreiundzwanzig Jahre schon wusste sie, wann man das Feuer klein stellen muss. Dreiundzwanzig Jahre wusste sie, dass der Rosmarin erst ganz am Ende hinein darf, sonst schmeckt alles bitter. Aus solchen Kleinigkeiten bestand ihr Leben; aus ihnen wuchsen die Dinge, die man Familie nannte.

Wie war dein Tag?, rief sie.

Ach wie immer, antwortete Friedrich. Besprechung auf Besprechung. Die Ausschreibung macht einen fertig.

Sie nickte, obwohl er es nicht sehen konnte. Die Ausschreibung. Seit zwei Monaten wohnte sie in ihrem Haus, wie ein ungebetener Gast, nahm den Platz am Tisch, drängte Gespräche zur Seite, entschuldigte späte Heimkehr. Helene fragte nicht weiter nach. Sie war Ehefrau, kein Ermittler.

Friedrich stapfte in Socken und Jogginghose in die Küche, platzierte sein Handy am Spülbecken und griff nach einer Flasche Wasser im Kühlschrank. Helene betrachtete ihn flüchtig. Einundfünfzig, etwas massiger um die Schultern, die Geheimratsecken schnitt er seit Jahren kurz, damit sie weniger auffielen. Ein vertrautes Gesicht. Das Gesicht, das morgens neben ihr auf dem Kopfkissen lag, so oft, dass sie aufgehört hatte zu zählen.

Soll ich noch einen Salat machen?, fragte sie.

Lass mal, nicht so viel Hunger.

Er nahm das Wasser und verschwand im Wohnzimmer, schaltete den Fernseher ein. Das vertraute Grundrauschen, irgendeine Stimme erklärte das Wetter. Helene hob die Pfanne, füllte die Kartoffeln in die Schüssel, deckte sie ab, damit sie warm blieben, griff nach dem Küchentuch.

In diesem Moment blinkte Friedrichs Handy am Rand der Spüle.

Sie wollte eigentlich nicht hinschauen. Der Blick fiel einfach darauf, so wie man flüchtig durch den Raum schaut, wenn die Hände beschäftigt und der Kopf ganz woanders ist. Auf dem Display erschien ein Name: Reifenservice Jonas. Und darunter, in der Vorschau, einige Worte.

Helene las sie einmal. Noch einmal. Dann legte sie das Küchentuch auf den Tisch und nahm das Handy in die Hand.

Vermisse dich, mein Lieber. Kommst du heute?

Sie starrte auf den Bildschirm. Das Handy war ohne Code, Friedrich hatte nie einen eingerichtet Wer nichts zu verbergen hat, braucht keinen Code. Das ist was für Leute mit Doppelleben. Helene öffnete den Chat.

Nachrichten seit Oktober. Vier Monate. Nein, fast ein halbes Jahr. Sie scrollte hoch jede Nachricht ein Schritt abwärts, als ginge es immer dunkler in den Keller, wo feuchte Erde riecht. Du sahst heute so gut aus. Hab die ganze Nacht an dich gedacht. Wenn wir uns sehen, dreh ich durch. Ruf an, wenn du kannst, mein Herz. Und seine Antworten lebendig, warm, ganz und gar nicht wie die Worte, die er zu ihr sagte.

Helene legte das Handy zurück. Die Kartoffeln dampften unter dem Deckel. Draußen schneite es. Der Fernseher im Wohnzimmer murmelte weiter. Alles war wie vor drei Minuten und doch war plötzlich alles anders.

Sie nahm das Handy erneut, suchte im Chat nach der Nummer. Rief sie von ihrem eigenen Handy an.

Freizeichen. Noch eins. Noch eins.

Hallo? eine junge Stimme, leicht heiser, ein wenig überrascht.

Guten Abend, sagte Helene. Ihre Stimme kam ihr fremd vor. Ruhig. Beinahe gelassen. Ist das der Reifenservice?

Eine kurze Pause am anderen Ende.

Welcher Reifenservice? Wahrscheinlich falsch verbunden.

Mag sein, antwortete Helene. Wie heißen Sie denn?

Wieder eine Pause. Dann vorsichtiger:

Marlene. Und Sie?

Ich bin die Ehefrau von Friedrich Hartmann, sagte Helene. Der Mann, den du Liebling nennst. Der heute Abend auf ein Glas Sekt vorbeikommen soll.

Stille. So dicht, dass man in ihr hätte versinken können.

Ich begann Marlene.

Schon gut, unterbrach Helene. Ich wollte nur sicher gehen, dass ich es richtig verstanden habe.

Sie legte auf.

Das Handy wog schwer in ihrer Hand. Sie stellte es zurück an die Spüle, wo sie es gefunden hatte. Ging zum Herd. Deckel runter. Trockener, harziger Rosmarinduft schlug ihr entgegen.

Friedrich, rief sie.

Ihre Stimme war ruhig. Das wunderte sie selbst.

Ja?, kam es zurück aus dem Wohnzimmer.

Komm zum Abendessen.

Er kam nach einer Minute, warf einen Blick auf den gedeckten Tisch. Setzte sich. Griff zur Gabel. Sie stellte die Kartoffelschale hin, setzte sich ihm gegenüber. Schaute ihn an.

Warum isst du nichts? fragte er, ohne aufzublicken.

Friedrich.

Irgendwie, in der Art, wie sie seinen Namen aussprach, hob er den Kopf. Sie sah in sein Gesicht. Sah, wie sich etwas veränderte ganz fein, kaum sichtbar, aber sie wusste, wo sie hinschauen musste. Dreiundzwanzig Jahre, jeden Morgen, jeden Abend. Sie kannte sein Gesicht besser als ihr eigenes.

Was ist los?

Wer ist Marlene?

Eine Sekunde, zwei. Er wich nicht aus, doch es zuckte in seinen Zügen, ein winziger Wechsel. Helene kannte ihn nur zu gut.

Woher?

Dein Handy lag in der Küche. Es kam gerade eine Nachricht.

Er legte die Gabel hin. Schwieg einige Sekunden, dann:

Du hattest kein Recht, meine Nachrichten zu lesen.

Helene sah ihn an. Irgendwo in ihr, in einer Ecke, die vor wenigen Minuten noch warm und lebendig war, wurde es langsam kalt. Wie Kartoffeln, die zu lange unter dem Deckel stehen.

Kein Recht, wiederholte sie. Erzähl mir was vom Reifenservice Jonas.

Seine Miene wechselte. Nicht Reue, nein, eher Verärgerung.

Das ist ein Geschäftskontakt, ich

Friedrich. Ganz leise. Ich habe diese Nummer angerufen. Es ging eine Marlene ran. Sie wartet heute Abend auf dich. Mit Sekt.

Stille senkte sich über die Küche wie Schnee langsam, lautlos, unausweichlich.

Er antwortete nicht sofort. Erst sah er auf den Tisch, dann zum Fenster, dann wieder zum Tisch. Helene wartete. Sie drängte nicht. Plötzlich hatte sie alle Zeit der Welt.

Das ist nicht das, was du denkst, sagte er schließlich.

Was ist es dann?

Es ist nichts Ernstes. Einfach

Was ist es gewesen, Friedrich?

Er hob den Blick; darin etwas, für das Helene keinen Namen fand. Nicht Schuld. Etwas Unangenehmeres.

Seit Oktober sehen wir uns, gestand er schließlich. Sie arbeitet bei uns. Im Vertrieb. Noch jung, ja. Es ist passiert ich habe es nicht geplant.

Passiert, wiederholte Helene.

Helene, versteh doch

Wie alt ist sie?

Pause.

Achtundzwanzig.

Helene nickte. Achtundzwanzig. Zwanzig Jahre jünger. Fast so alt wie ihre Tochter Kathrin, die mit Mann und zwei Kindern in München lebt und sonntags anruft. Helene nickte noch einmal, als würde sie diese Zahl im Regal ablegen.

Warum?, fragte sie.

Wie: warum?

Sag es mir einfach.

Er wieder schaute zum Fenster. Draußen schneite es weiter, großflockig, gelassen, gleichgültig.

Du würdest es nicht verstehen.

Versuch es.

Er schwieg. Dann:

Mit dir habe ich alles. Haus, Verpflichtungen, Werkstatttermine, Rechnungen, Kathrins Kinder. Alles, was dazugehört. Bei ihr bei ihr lebe ich einfach. Verstehst du? Ohne Ballast. Es ist leicht.

Helene hörte zu. Ganz genau, so wie man ein Urteil vernimmt, das man sich merken muss.

Für dich bin ich also das Haus und die Probleme.

So habe ich das nicht

Doch. Das hast du gerade gesagt.

Er stand auf, lief ein paar Schritte in der Küche, blieb am Fenster stehen. Draußen bliebt der Schnee an der Scheibe kleben und sickerte langsam herab.

Können wir jetzt vielleicht normal reden? Ohne

Ohne was?

Ohne dieses Gerichtsverfahren hier.

Das ist kein Prozess, sagte sie. Das ist ein Gespräch. Du hast an diesem Tisch gesessen, mein Essen gegessen und gleichzeitig auf den Abend bei ihr gewartet. Ist das wahr?

Er schwieg. Das Schweigen war die Antwort.

Nimm dein Handy, sagte Helene. Nimm deine Jacke. Fahr in ein Hotel.

Helene

Ich schreie nicht, ich dreh nicht durch. Ich bitte dich, zu gehen. Heute, jetzt.

Er sah sie an mit jenem Ausdruck, in dem sich Schuld und Kränkung mischen, eine seltsame Farbe zwischen es tut mir leid und selbst schuld. Den hatte sie in dreiundzwanzig Jahren noch nie gesehen.

Wo soll ich um diese Zeit hin?

Friedrich, wir wissen beide, wohin du gehst.

Er senkte den Blick. Dann wieder hoch irgendetwas in ihm gab nach.

Gut, sagte er. Ich gehe. Aber wir müssen reden.

Irgendwann vielleicht. Nur nicht heute.

Er verließ die Küche. Helene hörte, wie er draußen rumging, die Garderobe öffnete, die Jacke nahm. Lange Pause, dann die Tür, die ins Schloss fiel.

Sie saß noch eine Weile am Tisch. Die Kartoffeln waren längst kalt. Der Rosmarinduft verflogen. Der Fernseher plapperte weiter, und Helene dachte plötzlich daran, dass sie ihn besser ausschalten sollte sonst verschwendet sie Strom. Aber das war so ein seltsamer Gedanke, für eine Frau, deren Ehe eben in die Brüche ging.

Sie stand auf, stellte das Essen in den Kühlschrank, schaltete die Herdlampe aus. Dann ging sie zurück zum Tisch und nahm Friedrichs Handy, das er wieder in der Küche vergessen hatte.

Sie hielt es einen Moment lang.

Dann rief sie Marlenes Kontakt wieder auf.

Lange überlegte Helene nicht. Sie war zeitlebens jemand gewesen, der in wichtigen Situationen schnell denken konnte. Zwanzig Jahre Buchhalterin. Zahlen, Abläufe, Ordner. Sie sah Struktur, wo andere nur Chaos sahen.

Sie kannte sich mit Ausschreibungen aus. Mehr als Friedrich ahnte. Zehn Jahre führte sie seine Buchhaltung, dann kam ein externer Experte. Aber die Gespräche beim Abendessen blieben, und ihr Gedächtnis war bestens.

Sie schrieb von Friedrichs Handy, kühl, sachlich, ganz anders als er sonst.

Marlene, dringend. In meinem Ordner auf dem Desktop liegen Unterlagen zur Ausschreibung für die Südumgehung. Blauer Ordner. Pack ihn heute irgendwo weg. Da ist alles, was nicht auffallen sollte.

Senden. Zwei Minuten später kam Antwort: Mach ich, Liebling. Bin schon dran. Kommst du bald?

Helene steckte das Handy ein, griff nach dem Mantel, trat in die Nacht.

Der Schnee berührte ihr Gesicht zart, beinahe sanft. Das Auto sprang sofort an. Das Navi kannte die Adresse. Die von Marlene hatte sie eben noch herausgesucht, am Tisch, bei den kalten Kartoffeln Friedrich löschte nie Browserverläufe. Er dachte gar nicht an sowas. Nichts zu verbergen.

Die Straßen fast leer. Februar, später Abend, Schneefall. Helene fuhr ruhig, beide Hände am Steuer. Radio blieb aus, sie mochte die Stille. In der Stille dachte es sich am besten.

Marlene wohnte am Stadtrand von Augsburg, in so einem neuen Viertel mit vielen glas- und betonverkleideten Häusern. Helene parkte einhundert Meter vorm Haus, schaltete das Warnblinklicht ein. Blick nach vorne.

Am Bordstein stand Friedrichs Auto. Der silberne SUV mit dem Kratzer am Heck, den er seit zwei Jahren nicht hatte reparieren lassen. Helene betrachtete den Kratzer. Sie war dabei gewesen, als es passiert war Rückwärtsgang im engen Hof, er hatte geflucht, sie gelacht, dann Pizza gegessen und alles vergessen.

Helene stieg nicht aus. Sie ging nicht zum Haus, klingelte nicht, stellte keine Szenen.

Sie nahm ihr Handy, wählte.

Finanzamt, guten Abend, sagte eine müde Frauenstimme.

Guten Abend, begann Helene. Ich möchte anonyme Hinweise geben, zu Unregelmäßigkeiten bei der Firma Hartmann-Bau, Steuernummer kann ich gleich diktieren. Ausschreibung für Bau der Südumgehung. Es gibt Unterlagen ich denke, das wird Sie interessieren.

Sie sprach ruhig, präzise. Namen, Daten, Summen, Abläufe. Alles, was zwanzig Jahre im Gedächtnis lag, das gewohnt war, mit Zahlen umzugehen. Am anderen Ende war niemand mehr müde jetzt war die Stimme aufmerksam.

Ihre Kontaktdaten?

Gebe ich, sagte Helene. Aber wie schnell können Sie aktiv werden?

Mit belastbaren Unterlagen, binnen weniger Tage eine Prüfung.

Die Unterlagen gibt es. Ich weiß, wo sie gerade sind.

Sie diktierte die Daten, legte auf und schaute hinaus auf den silbernen SUV mit seinem Kratzer am Heck.

In ihr war etwas. Keine Wut. Kein Triumph. Etwas Kälteres, Klärenderes. Wie Luft nach einem Schneesturm, klar und durchsichtig.

Sie wartete. Lange musste sie nicht.

Eineinhalb Stunden später stoppten zwei zivile Fahrzeuge am Haus. Menschen in Alltagskleidung gingen ins Treppenhaus. Helene sah, wie im dritten Stock Licht aufflammte und wieder erlosch. Noch einmal. Dann Minutenlang nichts dann trugen sie etwas hinaus.

Helene stieg aus.

Sie ging gemessen, im grauen Mantel, ohne Hast. Ihre Stiefel quietschten leise auf dem frischen Schnee. Die Haustür stand offen, einer hielt sie von innen auf. Helene stieg in den Aufzug, drückte die Drei.

Die Wohnungstür war geöffnet. In der Diele standen zwei Leute. Hinten am Fenster: Friedrich. Er trug die gleiche Kleidung wie beim Weggehen. Helene registrierte das automatisch. Auf dem Sofa im kleinen Wohnzimmer saß eine junge Frau im Bademantel. Marlene, hellblond, verlaufene Mascara, erschreckend jung.

Friedrich sah Helene, erstarrte für einen Moment. Viele Gefühle gingen über sein Gesicht. Sie sah sie alle.

Helene, setzte er an.

Nicht jetzt, unterbrach sie. Erstmal kommen die Herren.

Einer der Beamten trat auf sie zu, zeigte seinen Ausweis, sprach von einer Durchsuchung. Helene nickte, holte Friedrichs Handy hervor, reichte es.

Hier ist der Chatverlauf, der Sie interessieren könnte. Auch die Nachricht von heute Abend, zum Wegschaffen der Unterlagen.

Friedrich starrte sie an. Sein Gesicht wurde ganz ruhig.

Helene, weißt du, was du da tust?

Sehr genau.

Marlene sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. In ihren blauen Augen etwas, das Helene jetzt nicht analysieren wollte.

Friedrich, sagte Helene ruhig. Heute habe ich online die Scheidung eingereicht. Unterwegs, im Auto. Es ist ordentlich gemacht, ich hab es überprüft. Sie zog einen kleinen Schlüssel an einem weißen Band aus der Tasche, legte ihn auf das Sideboard. Das ist der Schlüsseln für den Tresor im Büro. Da ist der Ordner mit den Finanzunterlagen drin. Du wirst einen guten Anwalt brauchen. Für beides.

Er schwieg.

Und noch was: Die Kartoffeln stehen im Kühlschrank. Wenn du morgen deine Sachen holen willst, kannst du sie gern aufwärmen. Es ist genug da.

Sie wandte sich ab und ging.

Im Aufzug schaute sie ihr Spiegelbild in der Metalltür: eine verbleichende Frau im grauen Mantel. Fünfzig wird sie im März. Dreiundzwanzig Ehejahre. Buchhalterin, gute Köchin, Mutter einer erwachsenen Tochter, Oma von zwei Enkeln. Das wusste sie über sich. Daraus bestand sie, von außen betrachtet.

Die Lifttür öffnete sich.

Sie trat hinaus.

Inzwischen hatte der Schnee nachgelassen. Der Himmel über Augsburg hing tief, orange vom Licht der Großstadt. Eine einzige Lampe blinkte auffallend träge, als zähle sie ihre eigene Zeit. Helene atmete die Kälte tief ein. Spürte, wie sie bis zum Grund der Lungen drang und dort blieb, klar und frisch.

Und genau hier, unter dieser Laterne auf dem schneebedeckten Asphalt, flossen ihr die Tränen.

Sie hielt sie nicht auf. Kein Grund. Niemand außer ihr, der Schnee, die Laterne, das ferne Grollen eines Autos. Sie weinte leise, keine Krämpfe, nur Tränen auf ihren Wangen in der Kälte, und sie trocknete sie nicht ab, sondern atmete einfach.

Das waren keine Tränen der Hilflosigkeit. Kein Zusammenbruch. Etwas anderes. So als würde absterbende Haut abschilfern schmerzhaft, aber notwendig und darunter wächst schon etwas Neues: noch zart, aber lebendig.

Sie dachte an Friedrich. Daran, wie er vor dreiundzwanzig Jahren gewesen war, beim Sommerfest der Firma, wo sie sich kennenlernten. Er lachte laut und herzlich, warf den Kopf zurück das war es, was sie fesselte. Dass so ein Lachen nicht zu spielen ist. Oder doch? Hatte sie es bloß nicht bemerkt?

Sie dachte an das gemeinsame Haus am Stadtrand, wie sie es gemeinsam geplant hatten; an die Wahl des Badfliesen, über die sie sich zankten, bis sie gemeinsam darüber lachen mussten. Wie Kathrin, damals noch klein, nachts zu ihnen ins Bett kroch, sie zu dritt da lagen alles schien sicher, stabil, ewig.

Nichts ist ewig. Das weiß jeder nur glaubt man immer, es betreffe die anderen.

Langsam versiegten die Tränen. Helene wischte mit dem Handrücken die Wangen ab, zog ihr Handy hervor, schaute lange auf Friedrichs Kontakt.

Löschte ihn.

Öffnete den Browser. Gab ein: Tickets Kroatien. Sie betrachtete die Preise, die Termine. April. Im April ist es dort schon warm, das Meer offen, aber kaum Touristen. Leise, goldenes Licht, ganz anders als hier.

Sie wollte immer schon mal nach Kroatien. Noch vor Friedrich dann kam er, dann das Haus, dann Kathrin, Enkel, Ausschreibung das Leben ist so, dass man alles aufschiebt, und fast nie kommt es dazu, das Aufgeschobene doch zu tun. Immer steht irgendwas im Weg.

Sie wählte den 8. April. Ein Einzelzimmer an der Adria in einem kleinen familiengeführten Gasthaus; sie kannte die Fotos: weiße Wände, hölzerne Fensterläden, Pelargonien auf dem Sims.

Bezahlte.

Per Mail kam die Buchungsbestätigung.

Sie steckte das Handy ein. Ging zum Auto.

Der Schnee knirschte unter den Stiefeln weicher als vorher, oder bildete sie sich das ein?

Auf der leeren Landstraße kehrten in ihrem Kopf keine Gedanken zurück. Nur Stille. Diese tiefe, nach dem Schneefall.

Zu Hause öffnete sie als erstes das Küchenfenster. Ließ kalte Luft herein. Stand am Fenster, schaute auf die Dächer des Ortes, weiß überzuckert. Ging dann ins Büro, öffnete den Safe und prüfte den Ordner. Alles da. Unterlagen, die sie die letzten Monate systematisch gesammelt hatte, seitdem sie etwas spürte. Nicht wusste, nur spürte. Erst wie ein leises Geräusch nebenan, dann immer klarer.

Buchhalterin. Sie konnte Zahlen lesen. Seit einem Jahr stimmten Friedrichs Zahlen nicht mehr.

Sie schloss den Safe. Der Schlüssel lag nun in Augsburg, auf irgendeiner fremden Kommode. Soll er dort bleiben.

Helene setzte einen Tee auf. Wartete im Wirtschaftszimmer einer Abstellkammer, in der sie ihre Träume lagerte: Kartons voller Bücher, eine alte bauchige Vase, ganz hinten eine Kiste aus rissigem Leder.

Sie öffnete sie.

Darin lagen Pinsel. Verkrustete Tuben. Ein Skizzenblock, mindestens fünfzehn Jahre alt. Sie blätterte: Ufer, Boote. Himmel, flüchtig skizziert. Sie konnte malen. Früher. Bevor die Zeit nicht mehr reichte.

Sie betrachtete eine dieser Skizzen lange.

Dann ging sie zurück zum Tee.

In der Nacht fand sie kaum Schlaf. Lag im Dunkeln, starrte an die Decke. Von draußen das Geräusch von Schnee, leises Rieseln auf dem Dach. Sie dachte alles und nichts gleichzeitig. Sonst war alles in ihrem Kopf wie eine Tabelle Spalten, Zeilen, Summen. Jetzt schwammen alles durcheinander.

Wie kann man neben einem Menschen leben und ihn nicht wirklich kennen? Dreiundzwanzig Jahre: gemeinsamer Tisch, gemeinsames Bett, Urlaube, Videoanrufe mit Kathrins Kindern und trotzdem Und trotzdem.

Oder, dachte sie dann, hatte ich ihn je gekannt? Oder habe ich mir das Bild selbst zurechtgelegt aus passendem Lachen, Badezimmerfliesen, Ausflügen, Kaffeetassen? Daraus baute sie einen Menschen, nannte ihn Ehemann und der eigentliche Friedrich war die ganze Zeit da, daneben, aber getrennt, wie hinter Glas.

Kein angenehmer Gedanke.

Gegen Morgen dämmerte sie weg. Träumte nichts oder nur formlos, farblos, nur Blau und Weiß, Wasser und Himmel.

Am Morgen rief sie Kathrin an.

Mama? So früh?

Es ist neun. Katja, ich will dir was sagen.

Pause. Dann wacher:

Was ist passiert?

Dein Vater und ich. Wir trennen uns.

Lange Stille.

Mama

Es geht mir gut, sagte Helene. Ich wollte, dass du das weißt. Bitte ruf deinem Vater noch nicht an. Gib mir ein paar Tage.

Aber wieso wie

Ich erzähle alles, versprochen. Aber jetzt möchte ich nur, dass du weißt: Es geht mir gut. Ich brauche keine Hilfe, keine Reise. Nur ein bisschen Zeit.

Kathrins Stimme vibrierte:

Mama, wie kann das

Katja, sagte Helene, mir geht es wirklich gut. Im April fahre ich nach Kroatien.

Wohin?

Kroatien. Zum Malen. An die Küste.

Lange Pause.

Bist du sicher, es geht dir gut?

So sicher wie lange nicht, antwortete Helene. Und das war ehrlich, nicht einfach, aber wahr.

Sie legte auf. Trank Kaffee am offenen Fenster. Auf dem Gehweg schlappten die Kinder zur Schule, Spuren im frischen Schnee. Spatzen lärmten in der Birke am Zaun. Der Himmel war weiß und leise.

Drei Tage später traf sie den Anwalt. Eine junge Frau, sachlich, mit kurzem Haar, hörte ruhig zu, machte Notizen.

Die Scheidung ist schon eingereicht?

Ja.

Das Vermögen aus der Ehe: Haus, Konten, Geschäftsanteile. Es wird schwierig wegen der Prüfung.

Mir ist klar. Ich will nicht alles. Nur meinen Anteil. Und bitte schnell, möglichst ohne Drama.

Die Anwältin sah sie an.

Sie sind erstaunlich ruhig.

Ich war Buchhalterin, erklärte Helene. Wir denken in Zahlen, nicht in Gefühlen.

Das hilft, sagte die Anwältin.

Nicht immer, sagte Helene.

Friedrich rief die nächste Woche an. Unbekannte Nummer.

Ich bins, sagte er.

Die Stimme anders als sonst etwas fehlte, vielleicht die alte Souveränität.

Ich höre.

Wir müssen reden. Ehrlich. Ohne Anwälte.

Wir reden doch.

Du weißt, was dein Anruf ausgelöst hat? Prüfung, Dokumente Sehr ernst.

Ja. Ich weiß.

Hast du das mit Absicht getan?

Friedrich, sagte sie, du hast ein halbes Jahr ein Doppelleben geführt. Mir jeden Tag ins Gesicht gelogen. Am Esstisch, in diesem Haus. Alles jetzt ist die logische Folge deiner Entscheidungen, nicht meiner.

Stille.

Ich wollte Ich dachte, vielleicht könnten wir

Nein, sagte sie. Könnten wir nicht.

Du lässt mich nicht mal ausreden.

Du wolltest fragen, ob wir von vorne anfangen könnten?

Pause.

Ich weiß es nicht, gestand er. Ich weiß gar nichts mehr.

Das glaube ich dir, sagte Helene. Du hast keine Konsequenzen erwartet. Du hast geglaubt, es geht weiter: Haus, Ehefrau, Abendessen und sie. Gleichzeitig. Männer denken gern, das geht immer so.

Du bist ungerecht.

Vielleicht. Aber ehrlich.

Wieder Pause.

Wie gehts dir?, fragte er leise, fast ehrlich.

Sie schaute zum Fenster. März war es, der Schnee schmolz, Blätter, altes Gras kam zum Vorschein.

Gut, sagte sie. Besser als du, nehme ich an.

Das glaube ich, sagte er. Da war wieder etwas, das sie nicht analysieren wollte.

Friedrich: Sprich mit dem Anwalt. Die Teilung läuft besser sauber für uns beide.

Gut.

Und: Kathrin weiß Bescheid. Ich hab ihr alles gesagt. Ruf sie an.

Helene

Das ist keine Bitte. Nur Info. Sie ist deine Tochter. Sie hat ein Recht auf deine Wahrheit.

Sie legte auf.

Saß eine Weile in der Stille. Draußen schabte jemand mit der Schneeschaufel. Beruhigend, rhythmisch. Helene dachte, sie sollte bald selbst die Zufahrt frei machen. Milch einkaufen. Den Handwerker anrufen, der den Wasserhahn schon im Januar reparieren wollte.

Alles alltägliche Gedanken, Gedanken von jemandem, der lebt und das war tröstlich.

Sie machte methodisch weiter. Erst das Haus: seine Sachen in Kartons, in die Abstellkammer. Keine Fotos verbrannt. Gebügelt, verstaut, nicht weggeschmissen, aber nicht mehr sichtbar. Möbel im Schlafzimmer gerückt andere Akzente. Neue Kissen gekauft.

Dann die Küche. Die Pfanne mit dem Rosmarin entsorgt nicht, dass sie schlecht war, sie wollte sie nur nicht mehr. Eine neue gekauft, mit knallrotem Griff, fast albern. Sie lachte erst, dann freute sie sich das durfte sein.

Im März schrieb sie sich in einem Malkurs ein. Kleine Werkstatt zwei Orte weiter. Mittlere Alterslehrerin, ruhig, zurückhaltend. Die erste Stunde stand sie zwanzig Minuten vorm leeren Papier, ehe sie anfing.

Die Hand konnte es noch. Verwunderte sie selbst. Fünfzehn Jahre Pause und trotzdem: Bewegung, Druck, das unterschiedliche Verhalten der Farben. Sie malte einen Uferstreifen. Nicht real, nur angedeutet blau und weiß, Ufer und Wasser, schmale Landlinie.

Sehr gut, sagte die Lehrerin, blieb stehen. Sie hatten mal Übung.

Lang ists her.

Nicht wichtig. Die Hand vergisst nie.

Abends las Helene. Nicht mehr Krimis und Rezepte, sondern Bücher, die sie Jahre liegen gelassen hatte. Sie las langsam, ließ die Worte nachklingen.

Kathrin kam Ende Februar kurz vorbei. Sie tranken Tee in der Küche; Kathrin betrachtete ihre Mutter mit einem neuen Blick, in dem vieles lag.

Mama, du bist irgendwie

Was?

anders.

Älter?

Nein. Kurze Pause. Ruhiger. Nicht kalt einfach anders.

Vielleicht, sagte Helene.

Bist du wütend auf Papa?

Helene überlegte.

Wohl schon, irgendwo. Aber das ist nicht das Stärkste.

Und was dann?

Sie betrachtete Kathrin dieses vertraute Gesicht, in dem sie und zugleich Friedrich wiederzufinden waren und doch war es nur Kathrin, ganz für sich.

Neugier, sagte sie.

Neugier?

Auf das, was jetzt kommt. Ich hab lang nichts mehr erwartet alles war Routine. Jetzt weiß ich nicht, was vor mir liegt. Das ist komisch, auch beängstigend, aber irgendwie lebt es.

Kathrin starrte sie an.

Willst du, dass Papa zurückkommt?

Nein, sagte Helene schlicht. Nicht mal, wenn er wollte.

Weshalb?

Helene hielt die Tasse warm in den Händen.

Weil ich die Nachrichten gelesen habe, Kathrin. Er hat ihr Dinge geschrieben, die er mir nie geschrieben hätte vielleicht, weils mit ihr leicht war, keine Masken nötig. Mit mir war Hausverwaltung. Ich war nur Funktion. Stabilisator. Sowas will ich nicht mehr sein.

Kathrin wandte sich ab. Sprach erst nach einigen Sekunden:

Papa hat angerufen.

Ich weiß.

Er sagt, er bereut es.

Kann sein, sagte Helene. Aber bereuen ist nicht das Gleiche wie ändern. Das ist sein Weg, nicht meiner.

Mama, meinst du, du hättest es anders machen können? Nicht übers Finanzamt?

Helene schwieg.

Vielleicht, antwortete sie schließlich. Man hätte schreien können. Oder verzeihen. Oder alles ignorieren. Viele machen das. Ich habe es anders getan. Nicht um zu schaden. Weil ich nicht anders kann.

Du warst immer sehr exakt, sagte Kathrin.

Und, ist das schlecht?

Nein. Aber manchmal einschüchternd.

Sie schwiegen ein wenig, dann stand Kathrin auf, umarmte sie von hinten, legte ihr die Wange ins Haar.

Du bist wirklich okay?

Ganz sicher.

Kroatien stimmt wirklich?

Achter April.

Allein?

Ja. Genau so.

Kathrin blieb noch eine Weile, dann goss sie sich Tee nach. Sie saßen gemeinsam in dieser Geborgenheit einer schweigenden Küche. Das fühlte sich eigenartig richtig an.

Die Anwältin hatte recht es wurde kompliziert. Friedrich stellte seinen eigenen Juristen ein, alles zog sich. Die Prüfung machte es nicht leichter. Helene unterschrieb, las Dokumente, kochte zuhause Suppe, las, malte.

Nachbarin Frau Vogt, seit acht Jahren Zaunbekanntschaft, kam eines Tages mit Marmelade vorbei.

Frau Hartmann, ich hab gehört, Sie haben Sorgen?

So ist es, sagte Helene.

Friedrich ist ausgezogen?

Ja.

Für immer?

Für immer.

Kurze Pause, dann schiebt sie das Glas über den Zaun.

Kirsche, selbstgemacht. Nehmen Sie.

Danke, sagte Helene.

Sie schaffen das schon. Ohne Mitleid, ohne Neugier, einfach so. Erst denkt man, alles sei vorbei. Dann sieht man: Es ist nur anders.

Sie sprechen aus Erfahrung?

Ein halbes Lächeln.

Mein erster Mann war auch so ein Abenteurer. Ist lange her. Bin zwanzig Jahre allein geblieben. Nie bereut.

Sie ging, Helene blieb mit dem Glas Marmelade zurück und dachte: Geschichten vom Leben nach dem Betrug gibt es überall, in jedem Haus, fast nie erzählt. Frauen tragen sie still mit sich. Manchmal bis zum Ende.

Helene wollte es nicht still ertragen. Sie wusste nicht, was sie wollte aber es war ein neues Nichtwissen, kein altes. Früher wusste sie nicht, weil sie nicht dachte. Jetzt, weil alles vor ihr lag.

Anfang April sortierte sie die Abstellkammer. Sie stieß auf eine alte Kiste mit Fotos. Sie nahm sie heraus, betrachtete sie lange: Sie und Friedrich jung, Kathrin klein, alle drei am Meer irgendwo in Italien, Kathrin schaut weg, auf etwas Eigenes. Helene erinnerte sich: Hitze, Kathrin wollte kein Foto, Friedrich machte Quatsch. Sie alle lachten. Das war echte Freude.

Sie schloss die Kiste. Vernichten musste man Vergangenes nicht. Es war, wie es war; Gutes war auch darin. Das, was später geschah, macht es nicht ungültig es ist nur eine weitere Schicht. So ist Leben: nie schwarzweiß.

Am sechsten April packte sie den Koffer. Nicht groß, Rollen unten, vor Jahren gekauft, selten gebraucht. Sie steckte leichte Kleidung ein, ein Buch, einen Skizzenblock, Pinsel, neue Aquarellfarben. Sonnenbrille. Einen Sommerhut, gekauft im Frühling, noch nie getragen.

Am siebten April ging sie hinaus in den Garten, stand eine Weile unter der Birke. Die Erde roch nach Laub und etwas Frischem, Würzigem. Die Vögel lärmten, der Tag war mild, noch nicht warm, doch der Frost war endlich weg.

Friedrich rief an wieder von einer neuen Nummer.

Helene, du fährst morgen?

Ja.

Kathrin hats mir gesagt.

Stimmt.

Gute Reise.

Sie schwieg. Dann:

Danke.

Du fährst wirklich wegen Malen?

Ganz ehrlich, ja.

Ich wusste gar nicht, dass du malen kannst, sagte er. Leise, unschuldig, fast Bestätigung.

Vieles findet man später heraus.

Pause.

Helene, ich wollte

Lass es, unterbrach sie nicht schroff, nur bestimmt. Alles ist gesagt.

Ich wollte nur

Friedrich. Sie schaute auf die Birke, auf die Knospen, klein und fest und grünlich. Ich wünsche dir, dass du deine Themen klärst. Von Herzen. Ich brauche nicht, dass du leidest. Ich brauche mein eigenes Leben.

Lange Pause.

Das ist fair, sagte er endlich.

Ja, sagte sie. Tschüss.

Sie steckte das Handy weg. Stand noch etwas unter der Birke. Die Knospen wirkten so lebendig, so voller Energie da wurde ihr ganz eng in der Brust. Keine Träne lief. Sie stand einfach.

Dann ging sie ins Haus.

Am achten April, um sechs Uhr früh, schloss sie die Tür des Landhauses. Überprüfte den Schlüssel. Sah sich um; die Straße verschlafen, nur der Kehrer am Ende sammelte das alte Laub. Helene stellte den Koffer ans Auto.

Vor der Garage, an der Einfahrt, stand ihr Wagen. Sie öffnete ihn, packte den Koffer in den Kofferraum. Blieb kurz stehen.

Schaute auf die Reifen. Sommerreifen. Gute Qualität, noch neu, aber Winter war vorbei. Sie erinnerte sich: Vor Wochen hatte sie einen Termin beim Reifenservice gemacht. Nicht bei dem, dessen Nummer im Handy von Friedrich stand. Ein ganz gewöhnlicher, gleich um die Ecke. Letzte Woche hatten sie gewechselt. Jetzt waren Sommerreifen drauf, leicht, griffig, bereit für Asphalt.

Helene betrachtete die Räder einen Moment. Dann lächelte sie. Nicht breit, nur mit einem Winkel des Mundes wie jemand, der gerade etwas ganz Einfaches, Grundlegendes begriffen hat.

Sommerreifen. Es ist Zeit.

Sie setzte sich ins Auto, startete den Motor, öffnete das Fenster einen Spalt. Aprilmorgen, kalt und frisch, mit dem Geruch nach Knospen und feuchtem Asphalt. Das Navi zeigte den Weg zum Flughafen. Zwei Stunden, wenn kein Stau ist.

Sie fuhr los.

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