Die ausgefallene Zoe

Die Sonderbare Sofie

Darf ich mal durch, bitte? Kommen Sie, Frau Nachbarin Ja, es passt! Halt vorsichtiger, das ist doch kein Sack Kartoffeln!..

Sofie trat mit Viktor beiseite und ließ die neuen Nachbarn zum Aufzug. Er, groß und breit gebaut vermutlich, dachte Sofie, ein ehemaliger Soldat und sie, winzig, flink wie eine Maus, hatten ganz neu eine Wohnung in diesem Frankfurter Plattenbau gekauft und schleppten ihre Sachen rein.

Schau mal, Viki, was für eine schöne Pflanze die haben! Ein richtiger Baum! Sofie betrachtete ganz verzückt den riesigen Ficus in seinem Topf. Die Blätter, wie glänzend und dick Sollen wir uns auch so einen kaufen? Bitte, Viktor! Den stellen wir ins Wohnzimmer, das wär doch so schön! Sofie schmiegte sich träumerisch an ihren Mann, schlang den Arm um seine Schulter.

Ach komm, was für ein Quatsch! So ein Unkraut nimmt doch nur Platz weg. Ich stell da lieber einen Stuhl hin, da kann man die Jacken drauflegen. Lass mal gut sein, Sofi. Du immer mit deinem Grünzeug! Nimm mir lieber die Tasche ab, mein Arm wird lahm. Ich schau schon mal nach dem Schlüssel in meiner Hosentasche. Irgendwer muss ja auch die Tür aufschließen, wie immer! Viktor reichte ihr die volle Gemüsetasche, aus der sie für das Wochenende ein Ratatouille zaubern sollte damit Viktor dann satt war. Er lief schon los und kramte in den Taschen seiner ausgebeulten Jeans.

Die Jeans waren so alt, da konnte man meinen, die hat er schon zu Schulzeiten getragen. Aber Viktor mochte sie, sie seien bequem und leicht, sagte er. In Wirklichkeit wollte er bloß nichts Neues kaufen. Erst wenn die Schuhe wirklich durch sind oder Hemden und Jacken schon am Zerfallen, dann besorgt er neue. Sofie sollte das genauso machen. Viktor nannte das “sparsam Leben”, Ines, Sofies Freundin, fand das einfach nur Geiz und Knauserigkeit. Doch Sofie rechnete schon lange nicht mehr nach. Viktor kassierte sowieso ihr ganzes Gehalt und sparte es für Notfälle.

Was tust du dir das alles noch an? schimpfte Ines, Wofür brauchst du diesen Oberlöwen eigentlich?!

Ach weißt du, Ines, das ist halt Liebe. Familie halt. Wir Sofie knetete nervös die Ecke ihres uralten Tischläufers, den Viktor von der Laube mitgebracht hatte, um keinen neuen zu kaufen. Alles müsse man doch ausnutzen, meinte er. In den Garten hätte man auch ohne Decke am Tisch gegessen, aber in der Stadt ging es “auf keinen Fall” ohne. Den alten hatte er übrigens selbst ruiniert, als er in einem Radioreparaturversuch Lötkolben und Funken auf das Tischtuch schickte. Also gabs den karierten, muffig riechenden Läufer von der Datsche.

Viktor, vielleicht sollten wir doch mal einen neuen kaufen? Einen billigen, ich schwöre Sofie flüsterte zaghaft.

Als Antwort bekam sie nur einen mahnenden, strengen Blick. Also schwieg sie.

Sofie schwieg mittlerweile überhaupt viel. Jetzt trug sie stoisch die Tüten mit dem Gemüse, das Netz mit der Torpedo-Melone, die eine Kollegin aus ihrem Heimatdorf mitgebracht hatte, plus ein Glas Kompott und drei Zucchini. Viktor musste ja erst den Schlüssel finden, würde dann die Tür aufschließen und hineinlassen, bevor sie endlich zu Abend aßen. Aber erst kam Viktors ausgiebiges Badritual: wildes Herumplätschern, Schimpfen über das rutschige Stück Seife, das laut im Badewannenboden aufschlug, laute Rufe dann war es still, und ein rosiger, nach Erdbeere duftender Viktor kam in Shorts und Handtuch heraus, trank Sofies kühlen Malzbier, schmatzte, und stellte sich vors Spiegel.

Der Spiegel hatte stumpfe, schwarze Flecken in den Ecken und war so alt, dass darin vermutlich schon Sofies Ururgroßeltern ihr Spiegelbild gesehen hatten. Die schiefe Schranktür knarzte auf, und Viktor bewunderte sich, seinen vorstehenden, nach unten hängenden Bauch, schlaffe Brust, dicke, wabbelige Arme. Dann spannte er sie an, posierte wie die Bodybuilder im Fernsehen, Sixpack erschien natürlich keiner, aber für Sofie spielte das sowieso keine Rolle. Sie liebte ihn auch so. Was sollte sie auch machen?

Verdammte Kiste, hast du den kaputten Taschenboden immer noch nicht genäht, Sofie? Wie oft habe ich dich darauf hingewiesen?! fauchte Viktor. Wo rennst du jetzt hin, lass die Tüten stehen! Ich finde den Schlüssel nicht!

Alle suchten. Nila, die neue Nachbarin und stolze Besitzerin des heißbegehrten Ficus, half.

Ohne Witz, habt ihr die vielleicht verloren? freundlich reichte sie das Schlüsselbund. Die lagen im Treppenhaus.

Sofie wurde rot, als Nila sie noch lobte, wie hübsch ihr Haarspange war.

Ach, danke für die Schlüssel, Sofie wurde ganz verlegen. Die Spange die hab ich damals im Dänemark-Urlaub gekauft.

Ach, meine Mutter hatte mal genau so eine! Mit winzigen Muscheln! Nila lächelte freundlich.

Sofie strahlte, doch dann musste sie sich beeilen Viktor blickte schon vorwurfsvoll aus der Wohnung. Sie rannte los, blieb aber nochmal stehen.

Ach Verzeihung, braucht ihr noch Hilfe? Es ist so viel Zeug, und bald wirds dunkel und es fängt an zu regnen

Nein, nein, alles gut! Du hast doch selbst schon genug zu tun, meinte Nila und zeigte auf Sofies Tüten. Wenn wir uns eingerichtet haben, kommen Sie auf einen Tee vorbei. Ich heiße Nila, mein Mann heißt Paul. Und ihr?

Sofie, Viktor, stellte sich Sofie vor. Also, wenn ihr wirklich nichts braucht dann bis später!

Tür zu. Viktor planschte bereits ausgiebig im Bad, das Gemüse räumte mal wieder niemand in den Kühlschrank.

Sofie hatte exakt fünfzehn Minuten Pause nach ihrer Schicht im Supermarkt, in dem sie als Warenexpertin arbeitete, und sollte dann das Abendessen servieren. Fünf Minuten Pause, zwanzig Minuten Aufwärmen von den vorbereiteten Frikadellen und Kartoffelpüree.

Das Wasser rauschte, Seife knallte in die Wanne, Viktor schimpfte, und seine Frau Nein, nicht Frau, sie waren ja gar nicht verheiratet! Nur zusammengezogen, Viktor hatte nie Zeit für Papiere gehabt, “dieser Kram läuft nicht weg”, meinte er. Also wartete Sofie, bis es ihm mal recht war.

Sie setzte sich auf das durchgesessene Sofa, streckte die Beine im grau-braunen Strumpfhosen aus und dachte fünfzehn Minuten lang einfach mal dass irgendwann, in ein paar Jahren, sie und Viktor ein Kind hätten, eine richtige Familie wären Neue Möbel kaufen, Gardinen wechseln, renovieren, endlich einen modernen Staubsauger und neue Töpfe.
Ein Wasserkocher vielleicht, oder sogar eine Mikrowelle! Aber, wie Viktor immer sagte, das ist “unrealistisch, viel zu teuer.” Sparen sei das Motto.

Der innere Wecker rief sie zur Vernunft, sie rannte in die Küche.

Spät abends, als Viktor schnarchte und Sofie sich geduscht hatte, stand sie vorm alten Schrankspiegel, schlug die Nachthemdenfalte zurecht und fragte:

Viktor, meinst du, ich soll wieder schwimmen gehen? Früher war ich ja im Verein, war fast auf dem Weg zur Lizenz

Was hast du jetzt fürn Kram im Kopf? Hast du noch alle? Weißt du, was son Schwimmbad kostet? Und wie soll ich dann meiner Mutter Geld schicken? Sparst du nicht fürs Auto? knurrte er. Träum weiter!

Willst du überhaupt Autofahren? Du hast ja nicht mal den Führerschein! entgegnete Sofie leise und zupfte an ihrem Schlafanzug. Hier und da Speck, wäre schön, das loszuwerden Nur

Wenn wir das Auto haben, lerne ich das! Und du bist keine Meerjungfrau, brauchst kein Schwimmbad! lachte Viktor. Mit dem Körper? Du sinkst wie ein Stein! Vergiss es, mein Dickerchen! Komm, leg dich hin, ich friere schon von der Fensterseite her. Leg dich hin, mein Seehund!

Sie legte sich hin, schloss fest die Augen und erinnerte sich an das Schwimmbad, an die Eltern auf den Rängen, der Vater, der auf die Bank schlug, die Mutter die mit der Wollmütze wedelte, und sie selbst im leuchtend roten Badeanzug durchs Wasser schoss. Und es fühlte sich so leicht an, anerkannt zu werden, bejubelt zu werden, und egal wie das Rennen ausging sie wurde umarmt, als “tolle Leistung” gelobt.

Sofie weinte still. Warum war sie hier, warum so? Viktor schnarchte, wälzte sich, und sie fand keinen Schlaf, war einfach nur erschöpft und fror an den Füßen.

Seehund Wann war sie das geworden? Es lag nicht nur am Körper: Die Jahre, Hormone, drei Fehlgeburten, schlechtes Essen. Sie war innerlich zum Seehund geworden schweigsam, resigniert, runder und wusste nicht mehr, ob sie überhaupt noch Wünsche hatte. Dafür hatte Viktor alles im Griff.

Leise stand sie auf, deckte Viktor zu, damit er sie nicht suchte, stand dann am Fenster.

Da saß Nila, die neue Nachbarin, auf der Bank im Hof. Einfach so, kommentarlos.

Ist denn was passiert bei denen? dachte Sofie erschrocken und ging schnell in Gummischuhen und Mantel raus zu Nila.

Sofie! Guten Abend, rutschte Nila zur Seite und machte Platz für sie. Warum bist du so erschrocken?

Sitzt du hier, weil ihr euch gestritten habt? Sofie blickte besorgt zu den erleuchteten Fenstern. Ach, mach dir keine Sorgen. Männer sind halt Wenn sie müde sind, drehen sie schnell durch. Mein Viktor brüllt auch, wenn er müde ist. Wird schon wieder, das sind die Nerven beim Umzug und…

Aber nein! lachte Nila und zog ein Bonbon aus der Tasche. Willst du eins? Komm schon! Bei uns ist alles in Ordnung. Paul putzt gerade noch den Boden fertig. Fast alles eingerichtet hier. Sie strahlte.

Was? Er putzt? Das gibts doch nicht! Männer machen sowas nicht, außer vielleicht auf Schiffen oder beim Bund Sofie runzelte zweifelnd die Stirn.

Wir machen alles füreinander, damit es dem anderen gut geht. Wenn Paul hier fertig ist, sortieren wir gleich noch seine Biobücher ins Regal. Er ist doch Hobbywissenschaftler. Und dann falle ich ins Bett. Und deiner? Nila war neugierig.

Meiner der schläft, murmelte Sofie und fügte hinzu: Wir sind ja nicht mal verheiratet. So was halt. Mit ihm wirds wohl so bleiben. Wer will mich schon noch außer Viktor?

Es wurde still. Nila musterte Sofie aufmerksam, reichte ihr ein Taschentuch.

Du bist eine hübsche Frau, Sofie, selbst ohne Make-up und in Gummischuhen.

Ach, hör auf! Ich bin dick geworden, alles ist schlaff Viktor meint, das reicht ihm so. Er braucht nichts anderes.

Und du? Bist du zufrieden? hakte Nila nach, Sofie wich aus:

Wenn Viktor glücklich ist, bin ich es auch, sagte sie.

Schwimmst du wirklich? Warst du Sportlerin? fragte Nila, und Sofie nickte.

Ja. Früher. Aber dann starben meine Eltern, und ich hatte nur noch Arbeit, mal Urlaube mit Freundinnen, und dann traf ich Viktor. Er zog zu mir, wir versuchten eine richtige Familie zu sein. Kinder hat nicht geklappt. Dabei wollte ich…

Die Nacht, das Blätterrauschen, die Schatten, das alles machte offen.

Sofie erzählte von Viktor, der ihre Beziehung schnell Richtung Ehe lenkte, dabei war sie seine erste. “Blume verwelken”, er müsse sich beeilen, hatte er gesagt, er wohnte sich ein, und Sofie passte sich an, weil sie meinte, Glück sei so.

Wie alt bist du? fragte Nila irgendwann.

Dreiunddreißig, Sofie zuckte die Schultern. Nicht gerade taufrisch.

Unfassbar. Was hättest du denn gern, so im Leben?

Ach, ich hab ja alles. Mann, Wohnung, Arbeit Sofie log und beide wussten es.

Kleider hätte sie gern, einen Friseurbesuch, dass sich mal jemand um sie sorgt und irgendein kleiner neuer Traum. Endlich mal heiraten.

Ich möchte wieder hübsch sein. Etwas abnehmen, mich zusammenreißen. Viktor sagt, ich soll mich nicht bemühen, ich bin doch jetzt sein Seehund.

Ich versteh schon, meinte Nila, und als Paul ihr vom Fenster winkte, stand sie auf. Sie versprach, Sofie zu besuchen.

Sie geht, weil ihr Mann ruft. Sofie schmunzelte. Eigentlich laufen wir alle brav den Männern hinterher, was Aber…

Der Gedanke blieb unvollendet, denn nun erschien Viktor am Fenster und brüllte:

Wo bleibst du eigentlich?! Mein ganzer Rücken ist schon ausgekühlt! Dann schlug er sich an die Stirn. Ach, ganz vergessen: Ich hab eine Kur bekommen, ich fahr! Ich brauch noch Klamotten, hab ja nichts zum Abendessen dort!

Sofie war baff. Eine Kur? Und fährt einfach allein?

Du hast doch Sachen, murmelte sie, sich in eine Ecke ihres alten Bettes kuschelnd. Für mich gibt’s nichts Neues, für die Auto-Sparbüchse sparen wir weiter, keinen Ficus darf ich, und für dich einfach alles?

Viktor grunzte beleidigt:

Ich bin hier der Herr im Hause, ich entscheide, wofür das Geld ausgegeben wird! Schlaf jetzt, in zwei Tagen gehts los, du packst meinen Koffer!

Sofie begleitete ihn nicht zum Bahnhof, rief nur durch, dass er an seine Bauchschmerztabletten denken soll. Viktor hatte immer Durchfall bei neuem Essen.

Ja, ja, hör auf zu meckern! schnaubte er ins Telefon, sang Über den Wolken und tanzte in der Diele. Er fuhr zum Vergnügen, mit reichlich Geld, während Sofie zu Hause warten und den Haushalt halten sollte.

Nila kam gleich am Tag nach Viktors Abfahrt vorbei, brachte Wein, ein paar exotische Pralinen und Salate.

Ach, das ist doch teuer! Sofie erschrak.

Nicht teurer als unser Glück! Stell den Tisch, wir feiern ein bisschen.

Und sie feierten. Sofie wurde schon leicht beschwipst, lachte erst, dann weinte sie, weil ihr so lang niemand mehr Gesellschaft geleistet hatte, ohne dass sie rennen, servieren, gefallen musste.

Bin ich nur sein Dienstmädchen, Ines! Ich hab fast vergessen, wie ich aussehe. Und dabei wäre da so viel Leben in mir Neue Tapeten, Luft holen Aber in meiner Situation? Sofie weinte leise, fast flüsternd.

Dann schmeiß ihn raus, leb endlich für dich! schlug Nila auf den Tisch.

Bist du verrückt? Wie soll ich ohne ihn Sofie erstickte im Schluchzen.

Nila kochte Kaffee, blieb, bis Sofie sich wieder gefangen hatte: Morgen, gleiche Stunde, neues Glück.

Am nächsten Tag schleppte Nila sie in die Stadt. Nicht zu viel, aber sieben Kleider probiert, zwei gekauft mit Viktors gespartem Geld, dazu Schuhe und eine Tasche. Dann sonnte sich Sofie im Spiegel, strahlend glücklich.

Am Samstag verabredeten sie sich, dass Sofie um elf zu Nila kommt Outfit: sportlich, bitte.

Wozu denn? Sofie war verwundert.

Du wolltest doch helfen! Nila grinste geheimnisvoll.

Leggings und T-Shirt, das war für Sofie Hausputzkleidung.

Perfekt! Nila zeigte aufs Tablet und startete das große Smart-TV. Jetzt machen wir Sport! Siehst du, hier auf Fitstars gibts alles: Yoga, Pilates, Ganzkörperkurse sogar Spagat! Sie lachte. Konnstest du mal Spagat, Sofie?

Früher, sicher. Jetzt nicht mehr.

Dann startete Nila das Workout-Video, beide turnten unbeholfen mit doch Sofie taute auf:

Du machst das falsch, schau das muss so Und wurde von Übung zu Übung aktiver.

Nach der ersten Session prosteten sie mit Saft. Fast täglich machten sie weiter. Heute hatten sie Freude, übten, lachten, und Sofie verlor schnell anderthalb Kilo. Die Kleider passten! Sie war abends oft fix und fertig, aber stolz.

Mit Nila kochte sie Rezepte von Fitstars nach, experimentierte mit neuen Gerichten, hörte dazu Gesundheitspodcasts. Viktor rief an: Sanatorium verlängert, auf ärztlichen Rat.

Was hast du gesagt? fragte Nila, elegant gedehnt.

Seine Sachen habe ich schon gepackt. Ich will ihn nicht mehr sehen, antwortete Sofie. Sie lachte, atmete tief durch und sah sich im neuen, großen Spiegel, das Paul ihr aufgehängt hatte. Mintgrüne Hanteln, ein schicker Trainingsanzug alles lag schon parat.

Neue Vorhänge, neue Tischdecke, neuer Esstisch ihre Wohnung wurde jetzt Sofies echtes Zuhause. Und das Fitstars-App auf ihrem Handy zählte fleißig Trainingspunkte. Vielleicht pflanzen sie einmal einen Baum für ihre Erfolge.

Aber das ist noch Zukunft, lachte Nila. Hier, ein Ficus! Den hast du dir verdient! Paul stellte ihn feierlich in die Ecke.

Nila, ich kann doch keinen Ficus annehmen! Das ist ja ein Schatz! Sofie war gerührt, dann liefen ihr die Tränen übers Gesicht. So lange hatte ihr niemand mehr etwas geschenkt.

Plötzlich schauten ihr die Männer wieder nach ja, nur weil sie wieder lachte, die Sofie.

Auch Ines besuchte sie und staunte: Du siehst viel jünger aus! Wie heißt denn dieses Programm?

Schließlich kam Viktor aus der Kur nach Hause. Der Koffer und die Taschen verabschiedeten ihn bereits in der Diele.

Was soll das? Was ist denn mit dir passiert, warum bist du dünner? Wer hat dir das erlaubt? Und wie soll ich jetzt ohne dich? Du bist doch ein Null ohne mich, du sonderbares Weib!

Ich hab es mir selbst erlaubt, Viktor. Wie du zurechtkommst, musst du selbst wissen ich wünsche dir alles Gute. Ruf bitte nicht an, du musst mich nicht mehr besuchen. Null sein ist gar nicht so schlimm! Sofie lächelte, half ihm, seinen Kiefer wieder zuzuklappen, rückte ihre Frisur zurecht und ging dann leichten Schrittes ins Wohnzimmer. Sie hörte erleichtert, wie die Tür ins Schloss fiel.

Sofie war nie ein Seehund, sie hatte sich nur verloren. Jetzt hat sie sich wiedergefunden. Sie gefällt sich selbst, und darum gefällt sie auch den anderen.

**

Tagebuch, 17. September:

Heute habe ich zum ersten Mal wirklich gespürt, dass ich meinem Leben eine neue Richtung geben kann, wenn ich den Mut finde, für mich selbst einzustehen. Am wichtigsten ist, dass ich mich selbst wieder liebe dann kommt alles andere von ganz allein.

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Homy
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Die ausgefallene Zoe
Der selbstverliebte Egoist