Svetlanas Kolleginnen und Freundinnen waren neidisch – sie hatte einen erwachsenen, wohlhabenden Mann um den Finger gewickelt. Andreas war fünfzehn Jahre älter als sie und leitete das Unternehmen, in dem sie arbeitete.

Linda wurde von Kolleginnen und Freundinnen beneidet sie hatte einen älteren, wohlhabenden Mann um den Finger gewickelt. Thomas war fünfzehn Jahre älter als sie und leitete die Firma, in der sie arbeitete.

Kaum ist sie da, schon angelt sie sich den Chef und geht zum Standesamt wurde hinter ihrem Rücken getuschelt.
Vom einfachen Mädchen zur Dame des Hauses!
Genau so!

Linda selbst wollte die Beziehung zum Chef nicht öffentlich machen. Sie hatten sich bereits gedatet, bevor sie ihren Job in seiner Firma antrat. Sie wusste damals nicht, dass Thomas Geschäftsführer war, das Bewerbungsgespräch ging sie ins Blaue hinein. Dennoch bekam sie prompt den Vertrag Thomas behauptete später, er habe damit nichts zu tun gehabt, alles lief über die Personalabteilung, die sie ausschließlich anhand ihres Lebenslaufs und ihrer Berufserfahrung auswählte.

Später bekam sie natürlich Wind davon und bat Thomas, ihre Beziehung geheim zu halten. Aber nichts bleibt ewig verborgen. Die Affäre von Thomas und Linda wurde bald zum Stadtgespräch, jeder im Unternehmen wusste davon, und die Lästermäuler kamen auf ihre Kosten wegen dem Witwer und seiner jungen, hübschen Kollegin.

Linda prahlte nie mit ihrer Erscheinung und war sich sicher, dass sie die Stelle nicht nur wegen hübscher Augen bekommen hatte. Doch die Klatschbasen waren anderer Meinung.

Es sind nicht mal zwei Jahre vergangen seit Annas Tod, und schon will Thomas wieder heiraten!
Anna Schreiber war die ehemalige Inhaberin des Betriebs und Thomas erste Ehefrau. Sie waren zehn Jahre verheiratet, bis Anna bei einem Unfall ums Leben kam und Thomas das Erbe und das Unternehmen hinterließ.

Plötzlich war Thomas ein sehr begehrter Junggeselle, aber nach Annas Tod zog er sich erst zurück, litt sichtlich, was ihn für die Damenwelt nur noch interessanter machte.
So treu
Wie ein Schwan! seufzten die Frauen und warfen ihm tiefe Blicke zu.

Thomas war nicht gerade der Herzensbrecher oder ein auffällig attraktiver Typ. Es war wohl eher der Kontostand, der die Jägerinnen anzog. Aber Linda verliebte sich natürlich nicht wegen des Geldes in Thomas.

Kennengelernt haben sie sich auf denkbar banale Weise: Er fuhr ihr im Edeka an der Kasse mit dem Einkaufswagen in die Füße, ruinierte dabei ihre Strumpfhose und Wildlederschuhe und meckerte sie noch an, weil sie angeblich vordrängte.

Linda ließ sich jedoch nicht beirren und konterte so schlagfertig, dass er ihr daraufhin ihren gesamten Einkauf bezahlte und anschließend durch das ganze Einkaufszentrum hinterherschlief, um sich zu entschuldigen.

Bitte, entschuldigen Sie vielmals Es war ein anstrengender Tag murmelte Thomas. Darf ich Ihnen die Taschen tragen helfen?

Nein, danke. Ich bin mit dem Auto da und komme allein klar wehrte Linda höflich ab.

In Wirklichkeit besaß Linda kein Auto. Sie wartete nur, bis Thomas verschwand und ging dann zur Bushaltestelle. Ausgerechnet fuhr Thomas denselben Weg und sah sie dort stehen.

Steigen Sie doch bitte ein.
Nein, danke.
Ich fahre keinen Meter weiter, bis Sie eingestiegen sind Thomas war überzeugend. Er blockierte die Haltebucht, sodass die Leute Linda förmlich überredeten, endlich in den Wagen zu steigen, damit der Verkehr weiter rollte.

Schlussendlich gab sie nach.

Thomas entpuppte sich als sehr angenehmer Mann, solange er nicht herumschrie und mit Einkaufswagen auf die Füße fuhr. Linda dachte, unter anderen Umständen hätte sich eine Freundschaft entwickeln können. Doch für Thomas bedeutete das Treffen mehr. Er hatte sich Hals über Kopf verliebt, obwohl er nach Annas Tod überzeugt war, nie mehr die Richtige finden zu können. Und plötzlich war Linda da. Ganz anders als Anna, sowohl äußerlich als auch vom Charakter.

Irgendwie berührte sie ihn stärker, als er erwartet hatte. Noch dazu so sehr, dass er sich einmal ihre Adresse besorgte und sie täglich vor ihrer Wohnung erwartete. Schlussendlich willigte sie in ein gemeinsames Date ein etwas später fing sie in seiner Firma an. Ob das Zufall war? Vielleicht.

Was die Kollegen erzählten, kümmerte Thomas nicht. Er war glücklich und machte keinen Hehl daraus. Große Geschenke gab es nicht er verwöhnte Linda aber mit viel Aufmerksamkeit.

Linda gefiel, wie er sie anschaute. Sie mochte die große Wohnung im Herzen von München, das teure Auto und die sichere Zukunft, die er ihr bieten konnte. So zog sie rasch zu ihm und lernte seine Mutter, Frau Dr. Hannelore Bauer, kennen.

Hannelore war eine ruhige Frau, ganz auf ihren Sohn fokussiert. Nach Annas Tod war sie zu Thomas gezogen und kümmerte sich um Haushalt, Bügeln und Kochen.

Als Linda im Haus einzog, übernahm Hannelore weiterhin die Hausarbeit. Linda störte das nicht; sie beanspruchte keine Herrschaft über den Haushalt und aß gern, was ihre Schwiegermutter zubereitete. Alles lief gut bis Thomas einen Heiratsantrag machen wollte.

Linda war irritiert, dass Thomas immer noch seinen Ehering trug, selbst nach dem Tod der Frau.
Ich spüre immer noch eine Verbindung zu Anna gestand er. Das gefiel Linda nicht, und sie bat ihn, den Ring abzulegen.

Gut Thomas war verlegen, wenn es dich stört, dann nehme ich ihn ab.

Du bist doch nicht mehr verheiratet. Sonst sieht es aus, als hätte ich eine Affäre mit einem verheirateten Mann! Sie erklärte es ihm, und Thomas stimmte zu. Das Schmuckstück verschwand eine Weile in der Schublade. Als es allerdings soweit war, Linda einen Antrag zu machen, holte Thomas eine Schmuckschatulle aus dem Safe darin das Familienerbstück, ein prachtvoller Ring mit einem herrlichen Diamanten.

Alles war perfekt: ein Restaurant am Odeonsplatz, Livemusik, ein Glas Wein und auf dem Grund das wertvolle Schmuckstück.

Linda musste sich fast verschlucken, als sie den Ring im Mund spürte, nachdem sie aus dem Glas getrunken hatte.

Willst du meine Frau werden? fragte Thomas und wollte den Ring auf Lindas Finger schieben. Doch sie zog die Hand zurück.

Nein.
Wie bitte?! Thomas verstand die Welt nicht mehr.
Ich möchte diesen Ring nicht tragen.
Das ist ein einzigartiges Familienerbstück! Solche Ringe gibt es kein zweites Mal! Weißt du überhaupt, was er wert ist?! regte sich Thomas auf.
Das ist mir egal. Ich will keinen Ring tragen, den deine verstorbene Frau getragen hat.
Aber wieso?
Das bringt Unglück. So etwas macht man nicht.
Sei doch nicht abergläubisch!
Soll ich jetzt auch noch ihr Brautkleid anziehen? Deine Mutter meinte, es liegt noch irgendwo.
Ein Kleid kann man neu kaufen. Aber neuen Schmuck, so speziell wie diesen, gibt es nicht mehr. Schau dir nur das Gold und die edle Fassung an!
Nein, ich will kein gebrauchtes Juwel. Und auch an deiner Hand will ich diesen Ring nicht sehen. Du weißt, wie ich dazu stehe.
Ist das dein letztes Wort? Thomas runzelte die Stirn.
Ja. Tut mir leid Linda stand vom Tisch auf. Der Abend war ruiniert.
Ich denke, wir sollten eine Pause machen schlug Thomas vor.
Ich denke auch.

Linda ging, Thomas hielt sie nicht zurück. Die Musiker spielten weiter, das Hauptgericht wurde serviert und der Ring blieb in der Schachtel liegen.

Am nächsten Tag mied Linda den Chef am Arbeitsplatz, und Thomas zeigte sich kaum aus seinem Büro. Abends fuhr sie zu ihren Eltern nach Augsburg. Sie empfingen sie herzlich und rieten ihr, die Verlobung zu lösen und sich jemanden in ihrem Alter zu suchen.

Du bist jung, klug, attraktiv! Warum ausgerechnet Thomas? 15 Jahre älter und dann noch Witwer!
Linda schwieg, sie wusste selbst nicht, was richtig war. Thomas wäre ein guter Ehemann, aber seine Bindung zu seiner verstorbenen Frau machte ihr Angst.

Die Situation zog sich über einige Tage. Thomas meldete sich nicht, Linda ignorierte ihn, zog sich zurück und meldete sich schließlich krank. Am Arbeitsplatz brodelte die Gerüchteküche: Der Boss und seine schöne Kollegin hatten sich getrennt.

Thomas selbst verstärkte die Konflikte, kam übellaunig ins Büro und ließ seinen Frust an den Mitarbeitern aus. Auch seine Mutter Hannelore bekam das zu spüren. Sie versuchte, mit ihrem Sohn über Linda zu reden, erhielt aber nur brummige Antworten.

Hannelore gefiel das nicht. Sie sah, dass ihr Sohn litt, aber sich nicht überwinden konnte, es wieder gut zu machen. Also fasste sie sich ein Herz und besuchte ihre Schwiegertochter in Spe.

Frau Bauer?! Linda war überrascht. Sie erwartete keinen Besuch.
Hallo Linda. Wie gehts denn?
Nicht so gut. Ich bin krank.
Darum wohnst du jetzt allein? Damit ich mich nicht anstecke? lächelte sie spitzbübisch.
Nicht ganz Linda errötete.
Dann komm zurück. Thomas dreht wegen dir fast durch!
Das glaube ich nicht Linda verzog die Lippen.
Er ist eben stolz und hat mir nicht einmal verraten, was los ist. Was ist passiert? Ihr liebt euch doch! fragte Hannelore.
Er will, dass ich seinen alten Ring trage den seiner verstorbenen Frau.
Ach so Und wenn es diesen Ring nicht gäbe, wäre alles okay?
Dieses Schmuckstück muss weg verkauft oder eingeschmolzen, damit ein neuer daraus wird. Ich könnte nicht jeden Tag daran denken, dass es von einer anderen ist und auch energetisch ist das schwierig.
Ich verstehe dich, Linda. Ich glaube, Thomas ist einfach noch nicht bereit zu heiraten. Er hängt zu sehr an Anna, obwohl er für dich ganz andere Gefühle hat.
Auf Altem kann man nichts Neues bauen, Frau Bauer sagte Linda. Es tut mir leid. Vielen Dank, dass Sie da waren. Es war schön Sie zu sehen.

Hannelore verabschiedete sich. Sie tat ihr Sohn und auch Linda leid. Sie hatten sich an einem Detail entzweit aber die Ursachen saßen tiefer.

Eine Woche später war Lindas Krankschreibung vorbei. Sie musste zurück ins Büro. Sie wollte Thomas möglichst aus dem Weg gehen und wusste nicht, wie sich verhalten. Von ihm war kein Zeichen gekommen. Die Enttäuschung war groß, weshalb sie beschloss, ihre Kündigung einzureichen und woanders ihr Glück zu versuchen.

Thomas unterzeichnete die Kündigung, ohne ein Wort zu wechseln. Grimmig hockte er am Tisch.
Erwachsen bist du schon, aber benimmst dich wie ein Kind sagte Linda beim Gehen.
Gib dir selbst die Schuld. Niemand hat mir jemals widersprochen!
Linda schwieg. Sie wusste, dass es so richtig war. An Thomas Hand glitzerte der alte Ehering, als er die Kündigung unterschrieb.

Es war richtig. Er wird Anna nie loslassen, dachte sie und packte ihre Sachen. Sie fühlte sich leichter und zweifelte nicht länger an ihrer Entscheidung. Thomas aber haderte noch lange und verstand nicht, warum Linda ihn nicht gewürdigt, geschweige denn, ihn als solch begehrten Bräutigam geheiratet hatte.

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Homy
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Svetlanas Kolleginnen und Freundinnen waren neidisch – sie hatte einen erwachsenen, wohlhabenden Mann um den Finger gewickelt. Andreas war fünfzehn Jahre älter als sie und leitete das Unternehmen, in dem sie arbeitete.
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