Falsch abgebogen: Am Ziel vorbei in Deutschland

Angekommen am falschen Ort

Und wo hast du mich denn nun hingefahren, Gregor? fragte das Mädchen überrascht, während sie sich umsah. Alles, was es zu sehen gab, waren halb zerfallene Fachwerkhäuser. Man brauchte nicht lange nachzudenken, um zu ahnen, dass schon lange niemand mehr in diesem Dorf gelebt hatte.

Warum ist Gregor überhaupt hierher gefahren? Was führt er wohl diesmal im Schilde?
Um ehrlich zu sein, Mathilde, ich weiß selbst nicht, wie wir hier gelandet sind erwiderte Gregor.

Der junge Mann stieg aus dem Wagen, lief ein paar Meter nach links, dann nach rechts und kehrte wieder zurück.

Sicher, dass du es nicht weißt? schmunzelte Mathilde.

Sie konnte kaum glauben, dass Gregor sie zufällig hierher gebracht hatte. Dafür war er viel zu abenteuerlustig, mit ihm konnte man immer Überraschungen erleben.

Aber diesmal war tatsächlich eine Unsicherheit in seinen Augen zu sehen.

Meint Gregor vielleicht wirklich die Wahrheit? Und sie sind komplett zufällig hier gelandet?
Ich täusche dich nicht, rechtfertigte sich Gregor. Ich bin nur falsch abgebogen. Das Navi funktioniert doch nicht mehr…

Schon gut, ich glaube dir, lächelte Mathilde und blickte erneut zu den verbarrikadierten Fenstern der verlassenen Häuser. Fahren wir dann zurück? Was sollen wir hier noch?

Lass uns umdrehen, stimmte Gregor zu und setzte sich wieder ans Steuer.

Um richtig wenden zu können, musste er fast bis ans Ende der kopfsteingepflasterten Gasse fahren.

Dann rangierte er eine ganze Weile, mal vor, mal zurück, und drehte mit Kraft am Lenkrad.

Endlich hatte er gewendet und wollte jetzt aufs Gaspedal treten, um so schnell wie möglich aus diesem unheimlichen Ort zu verschwinden, als Mathilde plötzlich seine Hand packte und rief:

Gregor, halt an! Da vorn ist ein Kätzchen! Fahr doch nicht drüber!

Was? Ein Kätzchen? Gregor beugte sich nach vorn und schaute aufmerksam durch die Windschutzscheibe. Auf der Straße war aber weit und breit nichts.

Direkt beim Hinterrad, keuchte Mathilde.

Da ist wirklich niemand, erwiderte Gregor. Das kam dir nur so vor. Überleg mal: Wo soll in einem verlassenen Dorf ein Kätzchen herkommen?

Er fuhr ganz vorsichtig los, aber sofort packte Mathilde ihn erneut am Arm.

Halt!

Und genau in dem Moment sprang ein zotteliger kleiner Fellknäuel unter dem Wagen hervor und…

…verirrte sich vor Schreck mitten in eine große Pfütze, die fast die ganze Erde bedeckte.
Das Kätzchen miaute erschrocken, aber anstatt die Flucht zu ergreifen, suchte es einen kleinen Stein, der ein wenig aus dem Wasser ragte ein Rettungsanker in den ängstlichen Katzenaugen.

Wie es von diesem winzigen Inselchen zurück ans Ufer sollte das wusste das Kätzchen nicht.

Noch mal durch die Pfütze zu tapsen… nein, das wollte es nicht.

Wasser war ihm schon immer ein Graus.

Wäre da nicht dieses vierrädrige Ungeheuer gewesen, das es offenbar plattmachen wollte, es hätte sich niemals nass gemacht! Selbst für zehn Kilo Leberwurst hätte es das nicht getan. Miau, bettelte das Kätzchen und schaute Mathilde flehentlich an. In seinen Augen stand nur eine Frage: “Hilf mir, bitte!”

Gregor, wir müssen ihm helfen, wandte sich Mathilde an ihren Freund.

HelfenUnd wie stellst du dir das vor? Gregor kratzte sich am Kopf.

Ganz einfach! Du gehst durch die Pfütze, holst das Kätzchen und kommst zurück. Das sollte für einen Mann doch kein Problem sein!

Wieso gehst du nicht selbst? Gregor grinste. Das klingt immer so einfach. Ich hab meine neuen Turnschuhe an, die waren teuer, weißt du? Die ruiniere ich nicht.

Stimmt ja! Letzte Woche hat er noch geprahlt, dass er sich Ledersneaker aus Nilpferdleder für acht Hundert Euro gekauft hat, erinnerte sich Mathilde.
Dann zieh sie halt aus. Problem gelöst.

Tolle Idee! Willst du, dass ich womöglich krank werde? verzog Gregor das Gesicht. Frühling ist alles andere als Sommer.

Liebster, wie wolltest du denn baden gehen? Du hast mich doch überredet, ans Seeufer zu fahren, gerade Ende Mai!

Gregor schwieg. Dass der See nur Vorwand gewesen war, verschwieg er lieber. Ein wenig grillen, Rotwein trinken, und dann vielleicht im Zelt…

Gregor, wo bist du mit den Gedanken? Hörst du mir überhaupt zu?

Ich höre dich Aber ich gehe da nicht durch. Lass es gut sein.

Du meinst also, ich soll das machen?

Es war schließlich deine Idee, Mathilde, das Kätzchen zu retten. Mich betrifft das gar nicht. Ich wäre einfach drumrum gefahren.

Dann frage ich mich: Wofür brauche ich dich dann überhaupt?

Was meinst du damit?

Na, falls wir mal heiraten Muss ich dann alle Probleme allein lösen? Ist das deine Vorstellung vom Zusammenleben?

Du verdrehst alles…

Ungelenk spielte Gregor beleidigt, aber überzeugend war das nicht. Im Reden war er ohnehin besser.

Nein, natürlich habe ich andere Vorstellungen. Aber ich geh trotzdem nicht in die Pfütze. Erstens meine Sneaker Und zweitens…

Ich weiß. Zweitens, weil du Angst hast, krank zu werden…

Haha, sehr witzig. Ich habe seit Kindheit ein anfälliges Immunsystem

Schon gut, Gregor. Dann mache ich es eben.

Vielleicht solltest du es lassen, Mathilde? Lass uns einfach nach Hause fahren.

Nach Hause? Und das Kätzchen bleibt allein? Wo ist dein Mitgefühl?

Mathilde sah zum Kätzchen, dann zur Pfütze. Gerade als sie einen Schritt machen wollte, hörte sie hinter sich eine Männerstimme:

Ah, da bist du! Ich habe dich überall im Dorf gesucht! Warum bist du nur so weit weggerannt?

Gregor und Mathilde drehten sich gleichzeitig um und starrten überrascht einen jungen Mann in Gummistiefeln an.

Sie Sie Mathilde war so überrascht, dass sie kaum sprachfähig war.

Ich heiße Andreas. Und wie sind Sie überhaupt hergekommen? Haben Sie sich verirrt?

Offenbar brachte Mathilde heraus und fasste sich erstmal wieder.

Wir dachten, hier lebt niemand mehr. Übrigens, ich bin Mathilde.

Angenehm, ja. Es lebt wirklich keiner mehr hier außer denen da, Andreas zeigte auf das Kätzchen und schmunzelte.

Dann watete er wortlos durch die Pfütze, nahm das verängstigte Kätzchen hoch und kehrte ans Ufer zurück.
Da suche ich ihn überall, und dann macht er Ihnen die Show, scherzte Andreas.

In Wahrheit haben wir ihn wohl erschreckt, gab Mathilde schuldbewusst zu. Danke, dass Sie ihn gerettet haben.

Aber nicht doch…

Andreas streichelte dem Kätzchen über den Kopf, woraufhin es gleich wohlig schnurrte.

Kein Grund für Dank bin doch nur zwei Schritte gelaufen. Wäre der kleine Kerl im Morast festgesteckt, das wäre was anderes…

Naja Mathilde sah missbilligend zu Gregor, manche fürchten selbst die Pfütze. Vom Sumpf will ich gar nicht anfangen.

Wo gibt’s denn solche “Helden”? Andreas runzelte die Stirn.

Da vorne steht einer. Ich bat ihn, das Kätzchen zu holen, und wissen Sie, was er sagte?

Nein, aber ich will es wissen, Andreas schmunzelte, richtete den Blick auf Gregor.

Er meinte: Meine Turnschuhe waren teuer, sind aus Nilpferd-Leder. Die mache ich nicht dreckig!

Mathilde wunderte sich, wie leicht ihr das Gespräch mit dem fremden Mann fiel, fast wie mit einem alten Bekannten. Irgendwie spürte sie, dass er ein guter Mensch war.

Gregor dagegen…

Sein Blick auf seine Freundin war so wütend, dass wäre Andreas nicht da gewesen, wer weiß…

Sag mal, was verschlägt euch denn eigentlich hierher? fragte Andreas Gregor.

Zufall, schnaubte er und hatte offenbar keinen Drang für weitere Gespräche.

Wir wollten eigentlich zu einem See. Laut Plan sollte der hier in der Nähe sein, erklärte Mathilde.

In der Nähe? Andreas lächelte. Hier gibts keinen See. Vielleicht einen Tümpel, zehn Kilometer weiter, aber baden sollte man nicht. Es ist doch eh noch zu kalt. Sicher, dass ihr baden wolltet?

Doch, Mathilde war verwirrt. Laut Karte Das Navi hat den Geist aufgegeben…

Sie holte die Stadtkarte aus dem Handschuhfach, zeigte darauf.

Das ist ganz woanders, sagte Andreas kopfschüttelnd. Ihr seid wohl an der Gabelung falsch abgebogen.

Nicht wir Mein Freund da Er ist der Chef. Wollte mich wohl in die Einöde führen und loswerden, nicht wahr, Gregor?

Weißt du Gregor funkelte sie an. Vielleicht solltest du…

Wie bitte? Mathilde blieb wie vom Donner gerührt stehen.

Wir wollten eigentlich entspannen, nur Zeit miteinander verbringen, und jetzt… Plauderst du lieber mit ihm?

Gregor rang mit Worten.

Na los, sag schon, Andreas warf ihm einen lässigen Blick zu.

Ach, vergesst es…

Gregor zuckte mit den Schultern, setzte sich ins Auto und fuhr davon zurück, wo sie herkamen.

Und ich? rief Mathilde ihm nach. Willst du mich einfach mit einem Fremden hier lassen?

Der SUV hielt, die Tür auf der Beifahrerseite flog auf, eine nasse Strandtasche wurde herausgeworfen samt Decke, Handtuch und Badeanzug. Mathilde hatte wirklich gedacht, Gregor wollte mit ihr an den See, mit Übernachtung, mit allem Drum und Dran. Pustekuchen

Die Tür fiel zu, und der neue Wagen knatterte davon und verschwand um die Ecke…

Im nächsten Moment setzte Regen ein. Der Himmel war schon am Morgen grau gewesen, ans Seeufer zu fahren hatte wenig Sinn. Gregor hatte gehofft, am Mittag klärt es auf.

Das kann ja heiter werden, dachte Mathilde.

Sie stand am Straßenrand, die Knie zitterten ein wenig. Andreas schien ihr plötzlich nicht mehr so freundlich aus unerklärlichem Grund fürchtete sie sich nun doch ein wenig.

Jetzt realisiere ich es Gregor hat Sie doch glatt alleine zurückgelassen? fragte Andreas nachdenklich.

Ja! Aber ich weiß mir zu helfen, antwortete Mathilde. Ich wollte mich eh schon lange trennen, das hat jetzt gut gepasst. Gut, dass es nicht zur Hochzeit kam. Mein Vater wollte das halt, weil Geschäftskontakte und so, Sie verstehen…

Peinliche Pause.

Wissen Sie, Mathilde, ich mische mich ungern ein, aber da unterstütze ich Sie. Ein Mann, der seine Freundin hier einfach stehen lässt, das ist schwach.

Stimmt, dachte Mathilde bekümmert, ließ sich aber äußerlich nichts anmerken.

Andreas, wissen Sie, wie weit es bis zur Stadt ist?

Ungefähr vierzig Kilometer Auto, schätze ich.

Und wie heißt das Dorf? Ich wollte ein Taxi rufen.

Taxi? Das wird schwierig.

Warum? Ein kalter Schauer kroch ihr über den Rücken.

Hier gibts keinen Handyempfang.

Mathilde kramte ihr Handy hervor Kein Empfang, keine Balken weit und breit.

Keine Sorge, sagte Andreas aufmunternd. Ich fahre sowieso gleich in die Stadt. Ich bringe Sie dahin. Möchten Sie erstmal mitkommen und einen Tee trinken?

Nur Tee?

Nur Tee.

Mathilde sah sich nochmal um, seufzte und folgte ihm. Was sollte sie sonst tun? Vierzig Kilometer zu Fuß im Regen? Und selbst wenn sie jemanden an der Landstraße aufhielte was wäre das für ein Mensch?

Komm, Mathilde. Und willst du den Kater tragen?

Ja, sehr gerne.

Mit dem Kätzchen auf dem Arm fühlte sie sich plötzlich sicherer. Immer, wenn sie aufgeregt war, nahm sie ihre Katze auf den Arm. Das beruhigte sie so war es schon immer.

*

Fünf Minuten später standen sie vor einem Häuschen, das im Vergleich zu den anderen immerhin intakt war. Man konnte darin leben, wenn man wollte aber wer lebt schon freiwillig in einem verwaisten Dorf?

Mathilde, was für einen Tee mögen Sie? fragte Andreas in der Küche Schwarztee, Grüntee, oder vielleicht Kräutertee?

Kräutertee? Lieber nicht Wer weiß, was da alles drin ist

Schwarzer Tee bitte, lächelte Mathilde. Wohnen Sie denn alleine hier? Mit dem Kätzchen?

Nein, eigentlich nicht

Andreas ließ den Wasserkocher laufen und schob Zucker in zwei Tassen.

Seit drei Monaten ist hier offiziell niemand mehr. Meiner Tante gehörte das Haus, aber sie ist im Frühjahr gestorben.

Mein Beileid.

Danke. Naja, die Tante ist nicht mehr da, aber die Katzen geblieben.

Katzen?

Ja. Dreizehn sind es, wenn ich richtig gezählt habe. Meine Tante hat sie geliebt.

So viele?

Früher haben in dieser Gegend fast nur alte Leute gelebt, und als diese nach und nach verstarben, blieben ihre Katzen auf der Straße zurück.

Schrecklich

Meine Tante hat sie einfach aufgenommen. Hier hätten sie allein nicht überlebt. Und der Kleine da Andreas deutete auf das Kätzchen auf Mathildes Arm, ist mir heute früh über den Weg gelaufen, als ich gerade herfuhr.

Wie kommt so ein junges Tier nur auf die Straße? So weit von der Stadt?

Jemand hat ihn wohl ausgesetzt… Ich möchte dem mal im Dunkeln begegnen!

Andreas stellte Schwarztee und Lebkuchen auf den Tisch.

Ich habe leider nicht viel da. Habe nicht mit Gästen gerechnet.

Gibts hier eigentlich Strom? In einem verlassenen Dorf?

Nicht wirklich. Ich habe mir einen Generator gebracht. So kann man wenigstens Tee aufbrühen und ab und zu Fernseher oder Mikrowelle nutzen.

Kommen Sie also jeden Tag her?

Ja, die Katzen füttern. Unter der Woche nach der Arbeit, am Wochenende meist früher. Es ist ja jetzt noch warm genug, aber was mache ich mit ihnen im Winter? Die Stube muss dann geheizt werden…

Haben Sie versucht, sie zu vermitteln?

Klar. Aber keiner will Katzen. Manche haben schon selbst Tiere, andere keine Lust oder Zeit. Ich habe sogar Anzeigen gemacht keine Resonanz. Den Kleinen behalte ich, aber dreizehn Katzen… das schafft keine Mietwohnung. Selbst im Tierheim hat man mir abgesagt.

Kann ich sie mir mal anschauen? Mathilde nippt ihren Tee und blickt neugierig.

Sie hatte selbst schon zwei Katzen in ihrer Stadtwohnung: Milla und Lieselotte, beide aus dem Tierschutz.

Klar, lachte Andreas. Ich füttere sie jetzt eh. Kaum war ich angekommen, musste ich den Kleinen suchen.

Draußen rief Andreas einladend:

Mieze, Mieze, Mieze!

Im Nu krochen sie aus allen Ecken: graue, schwarze, weiße, rote, gescheckte, getigerte Katzen

Eins, zwei, drei… zehn, elf, zwölf, zählte Mathilde im Stillen.

Es sind wirklich dreizehn…

Mir glaubts sonst keiner!

Ist schwer zu glauben aber jetzt schon. Wissen Sie, Andreas, Sie besitzen ein richtiges Vermögen. Und dreizehn ist für Katzen kein Unglück, das weiß doch jeder.

Allerdings! grinste Andreas und schüttete Futter in Näpfe. Mit dem Kätzchen sinds übrigens vierzehn.

Stimmt! lachte Mathilde.

*

Auf dem Rückweg in die Stadt war Mathilde still. Andreas ließ sie in Ruhe. Die Frau gefiel ihm auf Anhieb: freundlich, offenherzig.

Selbst das Kätzchen, inzwischen auf dem Rücksitz, schlief in aller Seelenruhe.

Andreas? durchbrach Mathilde nach einer langen Weile das Schweigen.

Ja?

Ich hätte da eine Idee für deine Katzen.

Tatsächlich?

Hm-m. Gib mir später deine Nummer, dann melde ich mich ein paar Tage und sage, obs klappen kann.

Das wäre toll. Sie brauchen einen Platz und Menschen.

Vier Tage später trafen sie sich in einem Café.

Hallo! rief Mathilde und winkte, als Andreas eintrat.

Hallo, antwortete er und bestellte sich wie sie einen Kaffee.

Als das Getränk kam, lehnte sich Mathilde zurück und lächelte:

Sag mal, Andreas, was hältst du davon, im Café nicht nur Kaffee zu trinken, sondern auch Katzen zu begegnen?

Wie meinst du das?

Stells dir vor: Nach einem stressigen Arbeitstag kommt man rein, trinkt Kaffee, und Katzen tollen durchs Zimmer. Könntest du dir das vorstellen?

Eigentlich schon… Katzen tun der Seele eben gut.

Genau! Ich will schon lange selbst was aufmachen. Aber normale Cafés gibts genug. So ein Katzencafé dagegen…

Andreas hörte interessiert zu, während Mathilde weiterredete.

In vielen Städten gibts sowas fast gar nicht. Leute, die zu Hause keine Katze haben dürfen, kämen auf ihre Kosten. Einfach mal streicheln oder am Ohr kraulen…

Klingt toll.

Und das Beste: Die Besucher brauchen sich nicht um die Katzen zu sorgen, müssen nicht aufräumen und übernehmen auch keine dauerhafte Verantwortung.

Aber wie setzt man das um? Was kostet das?

Nicht so viel, wie du denkst. Mein Vater hilft mir sowieso finanziell. Wenn ich Räumlichkeiten finde, richte ich gemütlich ein, auch alles für die Tiere. Das Problem ist eher, an Handwerker zu kommen…

Da kann ich helfen! Andreas lächelte. Ich habe eine eigene Baufirma, samt Team. Die Arbeit übernehmen wir!

Echt jetzt? Mathilde staunte. Und Baumaterialien?

Unsere Zulieferer geben mir gute Rabatte. Baufirma und Kontakte zahl du nur den Tierarzt!

Klasse! Mathildes Augen glänzten. Mir gehts ohnehin nicht ums Geld. Es ist Herzenssache!

Dann lass uns das zusammen machen. Teilhaber?

Andreas, ab sofort sind wir Geschäftspartner!

*

Nach gut anderthalb Monaten wurde das erste Katzencafé der Stadt eröffnet.

Anfangs waren die Leute skeptisch (ein älteres Ehepaar meinte, Katzen könnten sie gratis im Hinterhof bestaunen), doch nach drei Tagen liefen Besucher dem Café die Türen ein.

Wen wunderts: Was gibt es Schöneres, als Kaffee zu trinken oder ein Buch zu lesen inmitten von schnurrenden Vierbeinern? Ein Regal voller Bücher stand für alle bereit.

Einige Gäste waren so verliebt, dass sie am liebsten eine Katze mitnehmen wollten und baten schließlich darum.

Mathilde beriet sich mit Andreas und fand, es wäre das Beste, wenn die Katzen ein eigenes Heim fanden.

Und als die Katzen aus dem Dorf weniger wurden, suchten Mathilde und Andreas neue Tiere auf Hinterhöfen und in Tierheimen der Stadt.

Und wissen Sie was?

Die Katzen fanden neue Familien wie frische Brötchen früh am Bahnhof. Immer bei Menschen, die sie von Herzen liebten.

So kam es, dass Mathilde sich an diesem Tag nicht nur ins falsche Dorf verirrte sondern auch ins richtige Leben.

Sie hatte nun eine Herzensaufgabe gefunden, die Stadt weniger Streuner, und Andreas… Ihr Herz.

Mit so einem Mann war ihr nichts mehr bange: hilfsbereit, verlässlich, und kein bisschen wasserscheu ob in Gummistiefeln oder barfuß. Bald stand ihre Hochzeit an, und ihr Familienunternehmen war ganz und gar für die Seele, nicht den Geldbeutel.

Und das Kätzchen, mit dem alles begann, wartet heute zusammen mit Milla und Lieselotte in liebevoller Gesellschaft auf seine Menschen.

So war das damals, im alten Land und wer weiß, vielleicht schnurrt in manchen Cafés noch heute eine glückliche Katze auf dem Fenstersims.

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Homy
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