Fremde Person
Meine Güte, du gehst mir so auf die Nerven! hörte Sabine, während sie die Treppe im Altbau hochging.
Sie blieb kurz stehen und schaute nach oben: Der Ruf schallte aus einer Wohnung im sechsten Stock.
Bestimmt Streit bei den Nachbarn, dachte sie und zuckte mit den Schultern. In jedem Mehrfamilienhaus gibts doch solche kleinen Dramen im Treppenhaus. Kein Grund, genauer hinzuhören, obwohl die Männerstimme von Sekunde zu Sekunde lauter wurde.
Gerade als sie die letzten drei Stufen hinter sich bringen wollte, flog mit einem Ruck die Tür von der Nachbarswohnung auf und ein Mann, Mitte dreißig, kam herausgestürzt.
Er wirkte richtig wütend und geladen. Kein Wunder, dass er sich nicht mal entschuldigte, als er Sabine beim Runtergehen an der Schulter rammte.
Der hat ja nicht alle Tassen im Schrank, dachte sie nur und blickte ihm ziemlich vorwurfsvoll nach.
Sabine wohnte erst seit ein paar Tagen in dieser Mietwohnung und kannte verständlicherweise keine ihrer Nachbarn wirklich. Jetzt wusste sie immerhin, dass sie einen weiten Bogen um Wohnung Nr. 59 machen sollte Lust auf Stress und Ärger hatte sie überhaupt nicht.
Endlich auf dem Treppenabsatz angekommen, wühlte sie in ihrer Tasche auf der Suche nach dem Wohnungsschlüssel.
Plötzlich hörte sie hinter der angelehnten Tür seltsame Geräusche. Erst klang es, als sei etwas zu Boden gefallen, und dann hörte sie leise, gedämpfte Schluchzer.
Sabine sah zur Wohnungstür hinüber, schob die Suche nach dem Schlüssel erstmal beiseite, und hatte schon wieder ihren typischen inneren Dialog: Was geht dich das überhaupt an? Ist doch nicht dein Problem, wenn da wer heult Aber ihre Beine hatten schon beschlossen, nachzusehen.
Vorsichtig trat sie an die angelehnte Tür und spähte durch den Türspalt. Im Flur saß eine ältere Dame auf dem Boden, in einem Morgenmantel. Sabine schätzte sie auf vielleicht siebzig Jahre.
Was macht die denn da und warum weint sie? Und warum hat eben der Typ so rumgebrüllt?
Entschuldigen Sie, ist alles in Ordnung bei Ihnen? fragte Sabine vorsichtig.
Die Frau sah erschrocken auf und wischte sich hastig die Tränen weg.
Bitte erschrecken Sie nicht, ich wohne nebenan. Ich habe gehört, dass Sie weinen, und wollte nur vorsichtshalber nach Ihnen sehen. Kann ich Ihnen helfen?
Wenn Sie mir bitte beim Aufstehen helfen könnten… murmelte die Dame leise. Ich wäre Ihnen wirklich dankbar.
Sabine stellte die Einkaufstasche ab und half ihr, behutsam aufzustehen.
Vielen, vielen Dank, in ihren Augen glänzten schon wieder Tränen. Meine Beine machens nicht mehr so Bleiben Sie doch bitte auf einen Tee?
Eigentlich wollte Sabine lieber heim, aber absagen brachte sie jetzt auch nicht übers Herz. Schließlich wollte sie wissen, was da passiert war und allein lassen konnte sie die Frau sowieso nicht, nachdem sie kaum auf den Beinen war.
Vorsichtshalber nahm sie die alte Dame erst einmal am Arm.
Tja… Nur leider habe ich nur Tee und sonst nichts im Haus, meinte die Nachbarin zerknirscht, als sie im Kühlschrank nachsah.
Das ist gar nicht schlimm, lächelte Sabine und ging in den Flur, um ihre Tasche zu holen.
Sie holte die Packung Windbeutel heraus, die sie sich eigentlich fürs Abendessen aufgehoben hatte, ging in die Küche zurück und meinte:
Davon sollten wir beide satt werden!
****
Am Ende saßen sie über vier Stunden am Küchentisch. Sabine merkte gar nicht, wie die Zeit verging die Gespräche waren einfach spannend. Die Nachbarin hieß Margarete Schulz, war ihr ganzes Leben lang Grundschullehrerin und offensichtlich ein herzensguter Mensch.
Sie erzählte, wie wichtig es ihr immer war, den Kindern nicht nur Lesen und Schreiben, sondern auch menschliche Werte beizubringen: Respekt, Freundlichkeit, Mitgefühl. Jahr für Jahr versuchte sie, den Kindern nicht nur Wissen einzutrichtern, sondern wirklich ans Herz zu legen.
Nur eines tut mir leid: Dass ich meine einzige Tochter nicht so großziehen konnte, wie ich mir das für sie gewünscht hätte… Die Frau schluchzte. Ich hab alles versucht. Aber irgendwann, in der Oberstufe, bekam sie schlechten Umgang und verwandelte sich. Von heute auf morgen wurde sie abweisend und gemein, hörte nicht mehr auf mich. Es ist mein Leben! hat sie immer gesagt.
Ist dann was Schlimmes passiert?, fragte Sabine sanft.
Ja Ich hab sie noch zum Studium überreden können, aber sie fing an zu trinken und nahm Drogen. Irgendwann wurde sie schwanger, brach die Uni ab und suchte sich auch keinen Job, weil sie meinte, Männer müssten sie versorgen. Und vor zwei Jahren wurde sie ins Gefängnis gesteckt.
Oh Gott. Weshalb denn?
Wegen Totschlags. Sie hat ständig wechselnde Männerbekanntschaften angeschleppt, und mit einem der Typen ist wohl was eskaliert…
Das tut mir leid
Ich hab ihr so viele Briefe geschrieben, aber sie hat nie geantwortet. Sie hält mir vor, ich sei schuld… Ich hätte mich zu wenig gekümmert.
Margarete biss sich aufs Brötchen, kaute und sagte nach einer Weile:
Klar, als Lehrerin war ich oft sehr eingespannt, aber ich wollte immer, dass es meiner Tochter an nichts fehlt. Ich hab ihr sogar meine Eigentumswohnung überlassen, als sie sagte, sie wolle Familie. Ich selber habe auch früh geheiratet, also war das für mich normal, dass sie ihr Studium wieder aufnehmen kann, wenn sie will. Aber das hatte sie nie vor Sie hat mich mit Absicht rausgeekelt, damit sie die Wohnung bekommt.
Und die hier, wem gehört die eigentlich? fragte Sabine vorsichtig, weil sie wusste, wie schwer es ist, mit Lehrergehalt in München eine Wohnung zu kaufen.
Die haben mir meine ehemaligen Schüler und deren Eltern gekauft. Vor zehn Jahren.
Ist das Ihr Ernst?
Ja! Ich hab zwanzig Jahre lang im Lehrerwohnheim gelebt, dann haben meine Ex-Schüler sich irgendwie abgesprochen und mir diese Wohnung ermöglicht, damit ich im Alter besser wohnen kann.
Das ist ja großartig!, staunte Sabine.
Sie sind alle gute Leute. Meine Schüler kommen manchmal zu Besuch und rufen oft an.
Eine Weile war Sabine still, dann fragte sie zaghaft:
Und der Mann eben War das einer Ihrer Schüler?
Der Max? Nein, Max ist mein Enkel. Der einzige. Er hilft mir im Haushalt.
Ach so. Ich wollte nur sagen… Es ist schon hart, wie er Sie eben angebrüllt hat.
Er ist halt sehr nach seiner Mutter geraten… Ein harter, unerbittlicher Kerl…
Margarete wurde traurig und fuhr schwer fort: Nach der Pensionierung verschlimmerten sich ihre gesundheitlichen Beschwerden, besonders die Beine wollten kaum mehr, raus gehen war ein Risiko, zu stürzen. Deshalb bat sie Max, ihr mehr zu helfen. Erst war er abweisend, dann kam er regelmäßig und half im Alltag.
Kümmert er sich immer noch? fragte Sabine.
Anfangs schon Aber jetzt, das letzte halbe Jahr, ist er kaum noch da. Hat mal gesagt, es wäre besser, wenn ich endlich erlöst wäre, dann hätte er mehr Zeit für sein eigenes Leben.
Margarete erzählte auch, dass Max vor langer Zeit ihre Rente auf sein Konto umleiten ließ mit einer Vollmacht. Lebensmittel und Arznei bringt er noch, aber Rechnungen wird er kaum. Immer öfter sagt er, alles sei so teuer, und ihre Rente reicht hinten und vorne nicht.
Sag mal, stimmt das, dass ein Brot im Supermarkt jetzt 5 Euro kostet? fragte Margarete vorsichtig.
Fünf Euro für Brot?!
Sabine musste lachen. Nee, niemals, das hat er Ihnen erzählt?
Ja… Offenbar hat er mich reingelegt, um sich was abzweigen zu können…
Am Ende kam heraus, dass es heute gar nicht um Geld ging. Margarete hatte ihn gebeten, draußen nach einer Katze Ausschau zu halten.
Einer Katze?
Ich habe immer, wenn ich konnte, draußen im Hinterhof eine getigerte Katze gefüttert. Die hatte so besondere grüne Augen, so smaragdgrün Ich wollte sie mit zu mir nehmen, habe es aber nicht mehr geschafft. Dann lag ich länger im Krankenhaus, und jetzt komm ich ja eh nicht mehr raus. Letzte Woche hat sie mir davon geträumt. Seitdem lässt sie mir keine Ruhe Findet sie mich auch, fehlen wir ihr?
Sabine schluckte schwer und musste blinzeln. So rührend hatte die alte Dame von dieser Katze erzählt.
Seitdem ging Sabine öfter bei Margarete vorbei, brachte Lebensmittel, half im Haushalt und suchte im Hof tagelang nach einer Katze mit Smaragdaugen aber fand keine.
Irgendwas sagt mir, die wurde schon längst von jemand anderem aufgenommen, dachte sie irgendwann.
Eines Abends, als sie gerade Kuchen und Kaffee zu Margarete brachte, kam auch Max vorbei. Und nach dem, wie er roch, hatte er deutlich einen über den Durst getrunken.
Und was will denn jetzt die Fremde hier?! blaffte er, mal zu seiner Oma, mal zu Sabine. Wer sind Sie überhaupt?
Sabine wohnt nebenan und ist keine Fremde, klärte Margarete ihn auf.
Ach dann super, lachte Max schief. Ich muss nämlich für ein paar Monate beruflich weg. Dann kann die gute Nachbarin ja den Babysitter machen.
Und die Rente? Und das Konto? hakte Margarete vorsichtig nach.
Das Konto hab ich verloren. Karte gesperrt. Dauert jetzt zwei Wochen, vielleicht länger. Bin dann sowieso in Berlin.
Und wie soll ich leben?
Tja, dann muss eben der Nachbar einspringen. Später zahl ich Ihnen alles zurück.
Dann drehte Max sich zur Sabine: Wenn bei der Oma was schiefgeht, ruf unbedingt an. Handynummer ist eingespeichert. Und, lass dir lieber nix einfallen… Sonst setz ich mich durch, klar?
Damit rauschte er davon. Sabine traute ihm nicht weiter, als sie ihn sehen konnte.
Ab da besuchte sie Margarete jeden Tag, brachte Essen, Arzneimittel, machte die Wohnung sauber und kochte für die alte Dame.
Zwei Monate gingen ins Land von Max kein Lebenszeichen, keine Überweisung, nichts. Margarete erreichte ihn am Handy kaum noch. Er ging nie ran, legte auf oder vertröstete. Erst als Sabine von ihrem Handy anrief, hörte sie die Ansage: Warum rufst du überhaupt an? Hilfst du, wenns sein muss, aber Geld gibts erst mal keins. Kurz angebunden legte er auf.
Natürlich war Sabine klar, dass das keine Dauerlösung ist, ständig für eine fremde Oma das letzte Geld auszugeben. Aber sie hing inzwischen so an Margarete nach allem, was sie miteinander erlebt hatten. Der Moment war gekommen, als Margarete trotz ihrer Schmerzen für Sabine sogar Hühnersuppe gekocht hatte und selbst mit letzter Kraft zur Wohnung kam, nur um ihr Suppe zu bringen. Da konnte Sabine nicht anders sie wusste, was für eine Anstrengung das für die alte Dame gewesen war.
Wie hättest du sie nach so viel Freundlichkeit allein lassen können? Jetzt war Margarete Familie.
Ihre eigene Gehaltsabrechnung war bescheiden, aber mit etwas Planung blieben immer ein paar Euro für Margarete übrig für Essen, Medikamente, auch für die Nebenkosten, die Max wohl nie bezahlt hatte. Schwer, klar aber Sabine nahms gelassen: Ach was, Geld ist nicht alles. Hauptsache, Margarete hat das Gefühl, dass jemand da ist.
Als sie eine kleine Prämie im Betrieb bekam, kaufte sie keine neue Handtasche, sondern einen Rollstuhl! Die Kollegen staunten nicht schlecht: Warum gibst du dein Geld für fremde Leute aus?
Sabine zuckte die Schultern und meinte nur: Keiner sollte gezwungen sein, sein ganzes Leben aus dem Fenster im sechsten Stock zu betrachten. Wir alle wollen doch leben, nicht nur existieren.
****
Anfangs hatte Margarete ziemliche Angst, ihre Wohnung nach so langer Zeit zu verlassen. Doch dank Sabines Geduld ging sie tatsächlich irgendwann mit in den kleinen Park nebenan. Sie drehten täglich ihre Runden. Margarete strahlte vor Glück und eines Nachmittags, wie aus dem Nichts, erschien plötzlich eine getigerte Katze mit leuchtend smaragdgrünen Augen.
Wie im Film lief die Katze direkt auf Margarete zu, sprang auf ihren Schoß und fing an zu schnurren.
Um Himmels willen, du bist es wirklich! rief Margarete und konnte sich kaum fassen vor Freude. Ich hab dich so vermisst
Sabine musste sich ein paar Tränchen aus dem Augenwinkel wischen. Für Margarete war in dem Moment ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Und Sabine kaufte im Zoofachhandel alles, was man für eine Katze braucht jetzt war das Geld wirklich egal!
Solche Momente, das ist richtiges Glück, dachte Sabine. Und vielleicht werde ich selbst mal so glücklich wenn mein eigener Traum wahr wird.
****
Einige Zeit später Sabine kam wie immer nach Feierabend kurz bei Margarete vorbei trifft sie auf dem Flur einen fremden Mann: Groß, gut aussehend, mit freundlichen, blauen Augen, die sofort Sympathie ausstrahlen.
Sie sind bestimmt Sabine, says er. Kommen Sie ruhig rein, Margarete wartet auf Sie.
Er drückt ihr die Tür auf und verabschiedet sich schnell, er hätte was Dringendes zu erledigen.
Sabine ging in die Küche und fand Margarete im Rollstuhl am Fenster, mit der Katze, die sie Miezi getauft hatten, auf dem Schoß.
Wer war denn das?
Ach, Sabinchen, das war Herr Weber, einer meiner Schüler. Ich hab ihn angerufen, weil ich spüre, dass mein Abschied bald kommt.
Fangen Sie schon wieder davon an Sabine schüttelte leicht den Kopf. Vertreiben Sie nicht das Leben, Margarete.
Margarete lächelte nur milde und meinte: Ich hab dich etwas zu bitten. Kümmere dich bitte um meine Miezi, wenn ich nicht mehr bin. Ich will nicht, dass sie wieder auf die Straße muss.
Das verspreche ich Ihnen. Aber versprechen Sie mir auch, dass Sie so bald nicht gehen…
Margarete antwortete nicht, sondern lächelte nur glücklich. So, wie nur Menschen es tun, die ganz tief zufrieden sind.
Am nächsten Morgen war sie friedlich eingeschlafen. Sabine fand sie daheim, hielt Miezi in den Armen und weinte lange an der Stelle im Flur, wo sie Margarete zum ersten Mal begegnet war.
Die Beerdigung organisierte Herr Weber und es kamen viele, viele Schüler von Margarete. Von Max keine Spur, trotz Anrufen und SMS.
Nach der Beerdigung bat Herr Weber Sabine, mit zur Notarin zu kommen.
Wohin denn? fragte sie überrascht.
Sie werden gleich sehen, sagte er und zog sie sanft am Arm.
Sie standen bei der Notarin, als Herr Weber eine Mappe aus dem Tresor holte.
Margarete wollte, dass ich ihr bei ihrem Testament helfe, erklärte er.
Sabine war völlig verblüfft, als sie hörte: Die Einzimmerwohnung wird ihr, Sabine, samt Katze hinterlassen.
Deshalb hat sie also nach meinem Geburtsdatum und Nachnamen gefragt…, murmelte sie. Ich hatte ihr doch gesagt, ich will nichts, hab alles aus Herzenswärme getan…
Und genau deswegen, sagte Herr Weber. Margarete wollte, dass Sie mit Miezi ein Zuhause haben.
Was ist mit Max? Der wird sicher toben.
Das Testament ist wasserdicht, in sechs Monaten werden Sie offiziell Eigentümerin. Ein Rat: Wechseln Sie jetzt schon die Schlösser, Sicherheit geht vor.
Sabine dankte und war einfach nur sprachlos und unendlich traurig. Zum Glück war Miezi da, und auch Herr Weber rief jetzt oft an.
Neulich hat er sie zum Spaziergang eingeladen Sabine hat sofort zugesagt. Wer weiß, vielleicht geht ja wirklich bald der eigene Traum in Erfüllung…
Bis später, Miezi! rief sie der Katze zu und drückte sie an sich.
Miau… antwortete Miezi.
Wenn man das übersetzen könnte, hieß es wohl: Mach mal, leb dein Leben, Liebes. Ich wärme dir schon mal das Bett vor.Sabine zog leise die Tür hinter sich zu. In ihrer Hand spürte sie das Gewicht des neuen Schlüsselbunds und darin steckte die kleine silberne Tatze, das Anhängerchen, das Margarete ihr bei einem der letzten Teestündchen zugeschoben hatte. Glücksbringer, hatte sie gelächelt. Sabine hielt inne und wurde von einer unerwarteten Gewissheit erfasst: Sie war angekommen, und zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden nicht als Durchreisende, sondern als Mensch mit Platz im Herzen eines Zuhauses.
Auf dem Fenstersims saß Miezi, in der sinkenden Sonne glänzten die smaragdgrünen Augen fast wie ein Versprechen. Sabine trat vorsichtig näher, ließ sich vom warmen Fell der Katze trösten, und spürte, wie die Stille des Altbaus gar nicht einsam, sondern freundlich klang.
Das Treppenhaus war heute friedlich. Irgendwo ganz unten lachte ein Kind. Aus der Ferne klang Musik, wie ein schwacher Nachhall aus Margaretes Erzählungen, als ob die Wohnung nun all die Jahre von Lachen und Geschichten in sich trug.
Sabine holte tief Luft. Sie fühlte Trauer, aber auch Hoffnung und ein bisschen Mut. Vielleicht, flüsterte sie sich leise zu, beginnen Freundschaft und Zuhause manchmal genau da, wo jemand eine Tür anlehnt und ein anderer stehenbleibt.
Und während Miezi sich schnurrend um ihre Beine wand, wusste Sabine, dass sie nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch ein Stück Margaretes Liebe weitertragen würde. Ein Platz in dieser Welt für Miezi, für Erinnerungen und für alles Kommende.
Sie schloss die Tür, das Licht fiel warm auf den alten Teppich, und zum ersten Mal war Sabine sicher: Hier war niemand mehr fremd.




