– Sie haben es nicht geschafft, Ihre Kinder richtig zu erziehen. Schauen Sie sich doch Sashas Nikita an…

Ihr habt es nicht geschafft, eure Kinder richtig zu erziehen. Schau nur, wie es bei Niklas von Johannes gelaufen ist

Marlene begriff anfangs nicht, warum ihre Mutter sich an ihr festbiss. Noch vor kurzem war doch alles gut, besonders in ihrer Kindheit. Ihr wurde sie sogar oft als Vorbild für ihren älteren Bruder genannt, wurde gelobt.

Sie lebten nicht im Überfluss, aber auch nicht im Mangel. Das Nötigste war immer da, für größere Anschaffungen wurde gespart. Es gab sogar ein Auto, zwar alt, aber es fuhr, und wenn es mal nicht lief, reparierte es der Vater eigenhändig.

Nach dem Abitur ging Bruder Johann nach München zum Studium. Das verschlang viel Geld: Miete, Studiengebühren, Lebenshaltungskosten

Marlene sah, wie schwer es den Eltern fiel, sie sparten bei allem. Und auch für sie war das Studium bald dran, nur zwei Jahre jünger als Johann.

Noch eine Münchnerin können wir uns nicht leisten. Die Uni hier in Nürnberg reicht auch, meld dich dort an.

Marlene studierte, jobte erst als Lieferantin am Wochenende, später als Kellnerin im Café gegenüber. Sie studierte auf staatliche Förderung, Kleidung und Essen zahlte sie meist selbst und kaufte gelegentlich Familienbedarf.

Gut gemacht, meine Tochter, du bist zu Hause und hilfst. Du lernst und arbeitest! Johann schafft das nicht, das Studium ist anstrengend, hohe Anforderungen, weißt du. Er ist müde.

Ich bin auch erschöpft, Mama, schreib nachts Hausarbeiten.

Aber zu Hause zählt das nicht so. Hier bist du ja zu Hause.

Johann schloss schließlich das Studium ab und suchte einen Job. Warum zurück nach Nürnberg, in München gibt es doch bessere Möglichkeiten! Nur gab es mit seinen Ansprüchen keine passende Stelle. Arbeit schon, aber zu niedrig, fanden die Eltern, und halfen weiter.

Er braucht erstmal einen Fuß in der Tür, dann geht es schon los.

Und es ging los, zumindest ein bisschen. Johann arbeitete, dann heiratete er plötzlich die Tochter seines Chefs aus Versehen, könnte man sagen.

Ein Sohn kam, und damit kam er endgültig an. Die Schwiegereltern kauften eine Wohnung, den Schwiegersohn beförderte der Chef und mehr Gehalt gabs auch noch. Glück gehabt. Die Eltern atmeten auf.

Marlene heiratete vielleicht nicht ganz so erfolgreich, nicht den Sohn eines Chefs sondern einen ganz normalen Mann. Für eine Wohnung sparte man gemeinsam und lebte weiterhin in Nürnberg, nicht in der Metropole.

Ihre Tochter Luise wurde geboren, dann kamen die Zwillingsjungen. Erwarteten das zweite Kind und dann waren es gleich drei. Es war schwer, aber sie beschwerten sich nicht. Die Kinder wuchsen auf und gingen zur Schule.

Nach 35 gemeinsamen Jahren beschlossen die Eltern, endlich groß zu feiern. Das 25. und 30. Jubiläum hatten sie immer wegen Geldsorgen ausgelassen, doch jetzt wollten sie es sich gönnen.

Johann kam mit seinem Sohn, die Frau blieb wegen Arbeit in München, schickte aber ein Geschenk. Einen Gutschein für ein Haushaltsgerät, mit dem freundlichen Hinweis, doch endlich eine Spülmaschine zu kaufen.

Johann überreichte das Geschenk noch vor der Feier, sie suchten eine tolle Maschine aus, installierten sie gemeinsam. Den ganzen Abend prahlte die Mutter, führte die Gäste in die Küche. Nach dem Fest, sagte sie, muss niemand Abwasch machen. Die Maschine schafft das.

Das Geschenk aus Marlenes Familie eine romantische Reise für die Eltern verlor sich angesichts all der Bewunderung und des Lobes für die Spülmaschine. Es war sogar teurer, aber daneben blass.

Die Eltern fuhren in den Urlaub, bedankten sich bei Marlene, kritisierten jedoch, das Geld zu spontan und unüberlegt eingesetzt zu haben. Die Spülmaschine aber, so die Mutter, habe eben Bestand.

Und dann begann es: Bei jeder Gelegenheit verglich die Mutter Marlene mit ihrem erfolgreichen Sohn. Der Sohn lebt in München! Karriere, Wohnung, Frau, Kind ein einziger Sohn!

Ein Kind nur, kein Streichelzoo mit dreien! Warum musste so viel Nachwuchs sein? Man muss Kinder erziehen! Jetzt ist das einfach, aber später Schau nur Johann…

Johanns Wohnung ist voll auf dem neuesten Stand, der Staubsauger fährt von selbst, das Licht geht automatisch, das Geschirr spült sich, das Essen kommt per Lieferservice und die Putzfrau macht den Rest

Aber Mama, ich mache das alles alleine, die Kinder und mein Mann helfen mit.

Aber Johann

Und bei Johann…

Und dein Bruder

Die Jahre vergingen, Marlenes Kinder wuchsen heran. Keiner von ihnen studierte in München, aber alle erlangten ihren Abschluss in Nürnberg. Auch dazu fiel der Mutter was ein.

Ihr habt es nicht hingekriegt, die Kinder ordentlich zu erziehen! Bei Johann und Niklas

Mama, unsere Kinder sind gut! Und Niklas ist auch nicht ganz der, für den du ihn hältst! Wir waren bei ihnen ich habs gleich gemerkt.

Rede ihn nicht schlecht! Aus dir ist nichts geworden und aus deinen Kindern wird auch nichts! Ihr habt euch selbst euer Unglück gezüchtet.

Stimmt, Mama. Aus mir wurde nichts. Gute Arbeit, aber nicht in München! Ein erfolgreicher Mann, aber nicht der richtige! Kinder mit ausgezeichneten Abschlüssen, aber eben nicht in München!

Eine Wohnung mit Top-Ausstattung, aber keine Putzfrau. Ein Staubsauger, eine Spülmaschine, aber selbst bedient!

Wir helfen dir, aber eben nicht wie Johann. Er kann dir das Geld für die Medikamente nicht schicken, er hat ja Ausgaben!

Er hat es geschafft, du bist ein Niemand!

Einmal kam Johann zurück zu den Eltern. Die Mutter dachte an einen schnellen Besuch doch er blieb für immer. Die Frau hatte die Scheidung eingereicht, beim Schwiegervater war er entlassen worden, und mit dem Sohn gab es große Probleme.

Im kleinen Nürnberg fand er keine adäquate Arbeit, der Lohn war im Vergleich zu München lächerlich.

Marlene, wir haben entschieden, dass Johann ein Geschäft braucht. Er ist bereit. Nach so einer Karriere kann man ja nicht als einfacher Ingenieur arbeiten, sagte die Mutter irgendwann.

Gut, dann macht das.

Du musst helfen. Wir brauchen Geld, einen Kredit. Ihr braucht nichts, ihr seid doch nicht in München

Johann ist aber auch nicht mehr in München! Zeit, auf dem Boden zu bleiben.

Vielleicht brauchst du nichts, aber er schon

Mama, wir helfen unseren Kindern, euch, allen ein bisschen. Ein neues Auto brauchen wir zudem. Und hier und da noch was.

Das Auto kann warten. Geld für Johann ist wichtiger.

Schon klar. Johann ist immer wichtiger. Was meinst du, wie ich zur Uni kam? Ihr habt mir selbst hier kaum geholfen.

Opas Haus wurde längst für das Studium und Leben in München eingesetzt. Und das Haus von Papas Eltern weißt du noch, wie oft es für Johann durch München fuhr, weil ein großes Auto sein musste?

Damals fragte ich für einen Kinderwagen für die Zwillinge um einen Kredit. Ihr habt nicht mal dafür Geld geliehen! Glaubst du, wir waren bei Johann? Nein! Nur eure Pakete vorbei gebracht, wir wohnten im Hotel! Die Schwiegertochter mochte uns aus der Provinz nicht!

Jetzt ist er geschieden und braucht Hilfe. Nicht mal eine Wohnung hat er.

Nicht mal ein (funktionierendes) Auto, er hats ruiniert. Der Sohn war beteiligt

Lass uns seine Probleme nicht besprechen, sondern helfen.

Nein, Mama! Arbeit gibts hier, gute Löhne auch. Für uns gut, für ihn armselig.

Was soll ich geben? Ein Taschengeld? Erst Geld für sein Geschäft, dann wieder für ein Auto, eine neue Wohnung Nein, das ist doch absurd! Wie kann jemand, der angeblich so erfolgreich ist, Geld von der armen Schwester aus Franken nehmen, die es nie zu etwas brachte?

Wieso redest du so mit mir?

Alles gut, Mama. Ich hab nur erkannt, dass einzig mein Bruder als Mensch zählt. Jetzt lebt er bei euch, jetzt soll er euch helfen. Seine Zeit ist gekommen.

Marlene! Du zwingst uns, die Wohnung zu verkaufen. Weißt du, was das bedeutet?

Ach ja? Ich zwinge euch? Vergesst nicht, euch wenigstens ein Zimmer zu kaufen!

Die Eltern verkauften die Wohnung, kauften eine winzige, alte Einzimmerwohnung. Den Rest des Geldes gaben sie Johann, mit dem er zurück nach München zog. Was soll er in so einem Provinznest?

Es gab kein Geschäft, und für Mama blieb Johann der einzige Mensch. Immer wieder machte sie Marlene Vorwürfe, bat um Unterstützung für sich selbst, der altes Zuhause bräuchte Renovierung. Marlene half, aber für die Renovierung zahlte sie nicht mehr.

Ich weiß doch, am Ende bekommt die Wohnung sowieso Johann, dann soll er sie herrichten. Er ist doch die große Nummer!

Das Geld von Johann war dann schnell aufgebraucht, und er kehrte wieder zu den Eltern zurück. In einer Einzimmerwohnung, eng und stickig aber anders ging es nicht.

Klappbett in der Küche, aber einmal war er ganz oben. Wie sagt man so auf Deutsch: Voll auf das falsche Pferd gesetzt!

Und was denkt ihr dazu? Schreibt eure Gedanken in die Kommentare und gebt einen Daumen hoch!

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Homy
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