Umerziehung eines Ehemanns – Wie Valentina nach dem Seitensprung ihres Mannes zwischen Wut, Verletzung und Neubeginn ringt: Vom Alltagsstress in der deutschen Großstadt bis zum entscheidenden Gespräch beim Candle-Light-Dinner und dem schwierigen Weg zur zweiten Chance in den Familienurlaub an die Ostsee

Umerziehung des Ehemanns

Wir waren zusammen, Bärbel. Auf dieser letzten Dienstreise nach Hamburg. Es ist alles so… blöd gelaufen.

Wir haben nach der Präsentation etwas getrunken, und ich… Ich konnte einfach nicht aufhören, Bärbel…

Und das kannst du mir so ruhig sagen? Bärbel blieb fast die Stimme weg vor Schreck. Jens, du hast mir gerade tatsächlich deine Untreue gebeichtet?!

Ich kann es nicht mehr in mir halten, senkte Jens den Kopf. Bärbel, verzeih mir, bitte. Ich verspreche dir, so etwas passiert nie wieder! Ich habe alles begriffen

Bärbel stellte vorsichtig ihr Weinglas zurück auf den Tisch. Ihre Welt brach gerade zusammen

***

Dieser Tag begann wie jeder andere Bärbel steht am Herd, rührt den Haferbrei für den Jüngsten um und versucht gleichzeitig, der siebenjährigen Anni einen Zopf zu flechten.

Mama, das ziept! quietscht Anni und zuckt mit dem Kopf weg.

Entschuldige, Mäuschen, ich bin in Eile. Wo steckt Papa eigentlich schon wieder?! Gleich kommt er zu spät!

Jens verlässt das Bad und knöpft sich dabei das Hemd zu. An seinem Gesicht sieht Bärbel sofort: Er ist heute nicht gut drauf.

Gibts Kaffee? fragt er, ohne sie anzusehen.

In der Kanne. Musst du dir schon selber nehmen, ich habe alle Hände voll zu tun.

Jens schenkt sich einen Becher ein und trinkt ihn am Fenster, den grauen Innenhof betrachtend, in dem der Hausmeister lustlos das Laub zusammenfegt.

Kein Kuss auf die Wange, kein Na, gut geschlafen? seit zwei, drei Jahren leben sie nebeneinander her, ohne echtes Interesse füreinander.

Bärbel arbeitet als Buchhalterin in einem großen Handelsunternehmen, verheiratet ist sie seit über zehn Jahren.

Die Wohnung eine Dreizimmerwohnung, zwar noch abbezahlt, aber immerhin, das Auto ein schicker SUV, alles läuft. Die Kinder sind gesund, könnten glücklicher nicht sein, aber

Ihr fehlt die Luft, ihr fehlt ihr Mann der Alte, der mitten in der Nacht losfuhr, um ihr Eis zu holen oder sie einfach so in den Arm nahm, bis fast die Rippen krachten.

Gegen zwei Uhr vibriert das Handy auf dem Tisch.

Wie wärs, wenn wir heute essen gehen? Waren schon ewig nicht mehr aus. Lene holt die Kinder, sie schlafen bei ihr.

Bärbel liest die Nachricht dreimal. Ihr Herz macht einen verräterischen Hüpfer, wie damals als Teenager.

Ach, flüstert sie, vielleicht hat er doch was gemerkt?

Der Rest des Tages vergeht wie im Nebel. Sie bittet um eine Stunde früher frei, stürmt nach Hause und sucht verzweifelt nach einem Kleid.

Sie entscheidet sich für das nachtblaue, seidene, das ihre Figur betont. Ein Hauch mehr Mascara, etwas Parfum hinter den Ohren.

Im Spiegel sieht sie eine Frau, die ihrem Mann immer noch gefallen möchte.

Das Restaurant ist gemütlich Kerzenschein, sanfte Live-Musik. Jens sitzt schon am Tisch, im Anzug, frisch rasiert.

Als sie ankommt, steht er auf. In seinen Augen blitzt etwas auf, Bewunderung… oder Mitleid? Damals wusste sie es nicht.

Du siehst großartig aus, Bärbel, sagt er, schiebt ihr sogar den Stuhl zurecht.

Danke. Ich bin ehrlich überrascht über die Einladung. Gibt es einen Anlass?

Eigentlich nicht… Mir fiel nur auf, wir reden kaum noch miteinander. Eher wie Nachbarn als wie Eheleute.

Das stimmt leider, seufzt sie und nippt am Wein. Arbeit, Kinder, der ganz alltägliche Trott

Ganz genau, Jens dreht das Besteck nervös in der Hand. Fühlt sich an, als renne ich im Hamsterrad, und ich weiß nicht mal mehr warum.

Sie reden lange. Erinnern sich, wie sie geheiratet haben, an die winzige Einzimmerwohnung mit dem tropfenden Wasserhahn und dass sie mit weniger glücklicher waren als heute.

Sie lachen darüber, wie Jens beim Windelnwechseln beinahe umgekippt ist.

Es wird ein wundervoller Abend. Bärbel spürt, wie das Eis schmilzt.

Wir müssen einfach öfter so weggehen, denkt sie. Dann wird alles wieder gut. Wir sind nur zu erschöpft

Fahren wir nach Hause? schlägt Jens vor, als die Rechnung kommt. Ich halte noch beim Supermarkt, hole eine gute Flasche Wein. Endlich mal Zeit zu zweit.

Zu Hause herrscht ungewohnte Stille; ohne Kindergeschrei und Spielzeug wirkt die Wohnung riesig und leer.

Sie machen es sich mit Wein in der Küche gemütlich. Die Stimmung ist herzlich und warm, doch dann plötzlich

Bärbel, wir müssen wirklich was ändern, beginnt er.

Da bin ich ganz bei dir, Jens. Lass uns doch mal ein paar Tage gemeinsam wegfahren, nach Sylt oder in die Berge. Wir brauchen einfach eine Pause.

Ja, aber… Es liegt nicht nur am Urlaub. Ich war in letzter Zeit ganz aus dem Gleichgewicht. Wir haben völlig verlernt zuzuhören.

Du steckst voll in den Kindern, ich auf der Arbeit. Und wenn ich abends heimkomme, schläfst du oder bist wütend.

Es fehlt die Nähe. Nicht mal unbedingt die körperliche, sondern… dieses Verstehen auf einen Blick.

Bärbel wird wachsam:

Worauf willst du hinaus? fragt sie leise.

Darauf, dass ich versagt habe.

Und dann sagt er es. Von Hamburg, von der Kollegin und vom Fremdgehen.

Sie hat einfach zugehört, Bärbel, Jens redet hastig, brüchig, als hätte er Angst, sie würde ihn unterbrechen. Wir waren einfach oft zusammen auf Geschäftsreise.

Sie hat immer gefragt, wies mir wirklich geht und das war ehrlich gemeint.

Ich will mich nicht rausreden. Ich war ein Idiot. Ich habe lange widerstanden, ehrlich.

Aber in dieser Nacht Wir haben mit den Kolleg:innen gefeiert, und am Schluss saßen wir noch zu zweit an der Hotelbar

Bärbel schweigt. Es ist, als ob in ihrer Brust eine Granate explodiert und die Splitter langsam ihre Seele zerreißen.

Es tut mir so leid, falls du vergeben kannst, redet Jens weiter. Ich habe solche Schuldgefühle. Ich habe keine Sekunde Ruhe gefunden in den letzten zwei Wochen.

Ich konnte dir nicht mehr in die Augen sehen, ohne dass es mir alles im Innern umdreht. Ihr seid mein gesamtes Leben. Ich mache alles wieder gut.

Alles… wiederholt Bärbel tonlos.

Ja. Ich habe schon mit meinem Chef gesprochen. Ich habe einen Versetzungsantrag gestellt, damit ich sie überhaupt nicht mehr sehe, Herr Steinberger klärt das in den nächsten Wochen.

Ich habe Urlaub beantragt. Lass uns wegfahren. Morgen noch buch ich alles. Nur du und ich. Wir versuchen einen Neuanfang.

Jens will ihre Hand nehmen, aber Bärbel zieht sie weg.

Neuanfang? sie lacht bitter. Jens, weißt du eigentlich, was du da angerichtet hast?

Du hast nicht einfach eine andere gehabt, du hast meine Selbstachtung zerstört!

Ich saß im Büro, habe mich über deine SMS gefreut, mir ein Kleid ausgesucht Ich dachte, du liebst mich, willst an uns arbeiten

Ich liebe dich! ruft Jens fast.

Dann wärst du nicht mit ihr ins Bett gegangen Sehr fürsorgliche Kollegin hast du da. Aber ich bin die Zicke?

Das meinte ich doch nicht… fängt Jens an zu erklären.

Er steht auf, will sie in den Arm nehmen.

Bärbel, bitte…

Fass mich nicht an! sie stößt ihn weg. Es ekelt mich an.

Sie rennt ins Schlafzimmer, schließt die Tür ab, schmeißt sich aufs Bett.

Die Tränen laufen ihr in Strömen. Jens kratzt lange an der Tür, bittet, flüstert, entschuldigt sich, und fällt am Ende erschöpft aufs Sofa.

***

Am nächsten Morgen kommt Bärbel mit verquollenem Gesicht in die Küche. Jens sitzt noch immer im Anzug auf dem Sofa, ungeduscht, ein kalter Kaffee steht vor ihm.

Ich bin nur deswegen nicht nachts abgehauen, weil ich nicht wusste, wohin ich die Kinder bringen soll, sagt sie nüchtern.

Bärbel…

Schweig einfach. Ich will nichts mehr von deinen Gefühlen hören. Sie interessieren mich gerade null.

Ich habe verstanden.

Du sprachst von Urlaub. Wo solltest es hingehen?

Ich dachte an einen ruhigen Ort. Einfach spazieren, reden

Gut, sie dreht sich ans Fenster. Wir fahren. Aber glaub nicht, dass da gleich alles wieder super ist. Ich fahre nicht, um neu zu beginnen. Ich will sehen, ob ich dich überhaupt noch ansehen kann, ohne brechen zu müssen.

Jens nickt, akzeptiert jede Bedingung.

Ich kümmere mich um alles. Heute noch.

Und noch was, Bärbel dreht sich um. Den Versetzungsantrag will ich sehen. Mit Stempel. Und dein Handy … Ab heute ohne PIN.

Natürlich. So willst du es, so ist es.

Er reicht ihr das Handy, sie schüttelt angeekelt den Kopf.

Später. Jetzt geh erstmal duschen. Ich muss mich sortieren, bevor ich die Kinder von Lene hole. Sie sollen uns so nicht sehen.

Als die Badtür zufällt, sinkt Bärbel auf den Stuhl. Weglaufen, den Menschen verlassen, den sie gestern noch über alles liebte, das möchte sie aber sie kann es ihren Kindern nicht antun.

***

Die Tage bis zur Abreise ziehen sich quälend. Die beiden reden nur das Allernötigste.

Hast du die Tickets schon gekauft?

Ja, für Samstag.

Holst du Anni heute ab?

Wird gemacht.

Die Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt. Anni wird stiller, wenn Eltern zusammen im Zimmer sind, der Kleine wird quengelig.

Mama, warum schläft Papa im Wohnzimmer? fragt Anni abends, als sie ins Bett gebracht wird.

Bärbel schluckt schwer, deckt ihre Tochter zu.

Papa… muss einfach viel arbeiten, Sonnenschein. Er hat Rückenschmerzen, da schläft er auf dem Sofa besser.

Habt ihr euch gestritten?

Wir sind einfach beide müde. Aber alles wird gut. Bald fahren wir ans Meer, erinnerst du dich?

Anni nickt, misstrauisch glimmen ihre großen Kinderaugen. Kinder merkt man nichts vor sie spüren alles.

***

Am Freitag, einen Tag vor der Abreise, bringt Jens die Unterlagen mit.

Hier, legt er das Papier auf den Tisch. Versetzung ist genehmigt. Nach dem Urlaub fange ich im Controlling an.

Keine Dienstreisen mehr. Und sie arbeitet weiter im Einkauf. Zwei Gebäude entfernt.

Bärbel wirft nur einen kurzen Blick auf den Stempel.

Gut.

Bärbel… zögert Jens an der Küchentüre. Ich denke jede Minute nur daran, was ich für ein Schwein war

Jens, es reicht! Damals in Hamburg hast du dich entschieden. Jetzt entscheide ich, ob ich überhaupt noch mit dir zusammenbleiben will!

Sie sagt ihm nicht, dass sie, als er abends eingeschlafen war, sein Handy durchsuchte.

Es war widerlich, sie zitterte dabei, aber so musste es sein. Die Chatnachrichten hatte er nicht gelöscht; die letzten waren von ihm:

Es ist vorbei. Es war ein Riesenfehler. Bitte schreib und sprich mich nicht mehr an.

Ihr kurzes Na dann. Viel Glück!

Ob ihr das half? Nein. Aber zumindest in diesem Punkt hatte er sie nicht belogen er wollte wirklich einen Schlussstrich.

***

Am Samstagmorgen begrüßt sie feiner Nieselregen. Sie laden schweigend das Gepäck ins Auto.

Jens ist auffällig aufmerksam: Er reicht ihr die Hand, prüft noch einmal die Fenster, kauft Bärbel an der Tanke ihren Lieblingskaffee. Das macht es fast nur schlimmer.

Im Wartebereich am Flughafen sitzt er neben ihr, während die Kinder Flugzeuge durch die riesigen Fenster bestaunen.

Weißt du, sagt er leise, während auch er rausschaut. Ich habe gestern an unseren allerersten gemeinsamen Urlaub gedacht, an die Ostsee im Zelt. Erinnerst du dich, wie unser Zelt weggeweht wurde?

Bärbel lächelt gegen ihren Willen.

Klar. Du hast die ganze Nacht die Heringe festgehalten, ich lag im Regenmantel auf der Isomatte.

Ich habe damals gedacht, es gibt niemand Tolleres als dich. Das denke ich heute immer noch, Bärbel. Ich war nur… total verstrickt. Hab mich verloren…

Wir beide sind verloren gegangen, Jens, und zum ersten Mal seit einer Woche sieht sie ihm direkt in die Augen.

Er nimmt ihre Hand. Dieses Mal lässt sie es zu, aber sie drückt nicht zurück. Sie ist einfach durcheinander.

Wahrscheinlich wird sie ihm verzeihen. Schon allein der Kinder wegen.

Aber bevor sie das tut, wird sie ihm zeigen, dass so ein Fehltritt nie wieder vorkommt. Im Urlaub beginnt die ErziehungsmaßnahmeIm Hotel an der See ist alles anders als daheim. Der Wind zerrt an Bärbels Haaren, das Meer tost, und die Kinder schreien vor Freude, rennen in Gummistiefeln durch endlose Pfützen. Jens ist stiller als sonst, hat aber einen neuen Ernst im Blick, eine Entschlossenheit, die ihr fremd vorkommt.

Die Tage vergehen langsam. Untertags bauen sie Burgen, sammeln Muscheln, abends sitzen sie schwer erschöpft im winzig kleinen Appartement. Das Schweigen zwischen ihnen ist nicht mehr eisig es ist schwer und offen zugleich.

Am dritten Abend packt Bärbel einen alten Kartenspiel-Klassiker aus der Reisetasche. Im Kerzenschein zischen die Karten, das Lachen der Kinder füllt den Raum. Plötzlich schaut Jens sie an, so lange, bis sie sich gezwungen fühlt, hinzusehen.

Glaubst du beginnt er, wir finden je wieder zurück? Nicht zu dem, was wir waren, sondern zu dem, was wir werden könnten?

Bärbel überlegt. Sie denkt an die Verletzung, die Wut, aber auch an die vielen kleinen Momente, in denen er ihr die Stiefel anhält, den Kinderwagen schiebt, und ihre Angst, ganz allein zu sein.

Sie legt die Karten langsam auf den Tisch.

Weißt du, Jens Ich weiß nicht, ob ich alles vergessen kann. Aber vielleicht kann ich dir irgendwann wieder glauben.

Er atmet aus, sein Blick wird feucht. Zum ersten Mal seit Wochen lächelt sie fast.

Als die Kinder schlafen, stehen sie am Fenster. Das Meer rauscht. Pfützen leuchten wie Spiegel auf dem Asphalt der Promenade.

Vielleicht werden wir nie wieder die, die wir waren, sagt Bärbel leise. Aber wenn du mir zeigen willst, wer du noch sein kannst dann fang morgen damit an.

Jens nickt, nimmt sanft ihre Hand. Kein großes Versprechen. Kein dramatischer Schwur. Nur ein Anfang brüchig, unsicher, aber aufrichtig.

Bärbel lehnt den Kopf an seine Schulter und für einen kostbaren Moment meint sie zu spüren, wie etwas Altes vergeht und etwas Neues leise aufblüht.

Draußen schlägt die Gischt gegen die Scheibe. Drinnen, in all dem Trubel und all der Müdigkeit, entsteht ein zartes, leises Vertrauen wie der erste Sonnenstrahl nach einem langen, dunklen Sturm.

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Homy
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Umerziehung eines Ehemanns – Wie Valentina nach dem Seitensprung ihres Mannes zwischen Wut, Verletzung und Neubeginn ringt: Vom Alltagsstress in der deutschen Großstadt bis zum entscheidenden Gespräch beim Candle-Light-Dinner und dem schwierigen Weg zur zweiten Chance in den Familienurlaub an die Ostsee
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