Als Tonya die Beete jäte, hörte sie, wie jemand sie im Garten rief.

Toni pflügte gerade die Beete, als sie plötzlich jemanden im Hof rufen hörte. Sie wischte den Schweiß von der Stirn, trat zur Gartentür und sah dort eine fremde Frau.

Toni, hallo! Wir müssen reden.
Hallo. Na, komm rein, wenn du schon hier bist

Toni ließ die Frau ins Haus, setzte den Wasserkessel auf den Herd. Was wollte die Dame denn?

Ich heiße Nina. Wir kennen uns nicht, aber man hat mir erzählt, dass Ich sags gleich glatt: Dein Mann hat einen dreijährigen Sohn, den er aus einer Affäre hat.

Toni runzelte die Stirn. Das klang seltsam. Wer könnte denn der Vater sein, wenn sie doch schon alt wirkte?

Der Junge ist nicht meiner, sondern meiner Nachbarin, Katja. Dein Mann hat öfter nach ihr geschaut, und daraus ist dieser kleine Rotschopf entstanden genauso wie sein Vater.

Und was willst du von mir? Mein Mann ist vor kurzem gestorben, ich habe keine Ahnung, mit wem er noch was hatte

Katja ist ebenfalls tot Lungenentzündung. Der Junge ist jetzt ein Waisenkind. Katja hatte nie Eltern, kam aus einer anderen Stadt, hat im Supermarkt gearbeitet Es tut mir leid für den Kleinen, er landet sonst im Heim.

Ich habe doch selbst zwei Töchter, die aus meiner Ehe stammen. Willst du, dass ich das Kind einfach so aufnehme? Wer gibt sich die Frechheit, zu meiner Frau zu kommen und das zu verlangen?

Er ist ja deines Bruders, also blutsverwandt, nicht völlig fremd. Der Junge ist gut, freundlich, lieb. Im Krankenhaus werden gerade die Unterlagen fertig.

Mach mich nicht zum Mitleidsopfer. Mein Mann hat vermutlich noch mehr Kinder hinterlassen, soll ich die alle großziehen?

Sieh selbst, ich wollte dich nur warnen.

Nina ging. Toni goss ein bisschen Tee ein und dachte nach.

Kurz nach ihrem Abschluss lernte sie Juri kennen. Auf einer Party kamen ein paar Jungs auf sie zu, Juri fiel sofort durch sein rotes Haar und die Sommersprossen ins Gesicht auf. Er war witzig, verspielt, las Gedichte, erzählte Witze und bot an, sie nach Hause zu begleiten.

Sie heirateten, zogen zu Tonis Mutter, die später starb und das Haus an sie vererbte. Sie bekamen die Tochter Anja, zwei Jahre später Lina. Das Geld reichte nie.

Dann fing Juri an zu trinken. Toni kämpfte vergebens gegen die Sucht, verlor ein paar Tage, verlor den Job. Sie musste zwei Stellen annehmen. Schließlich beschloss sie die Scheidung. Sie dachte, sie könnte mit den Mädchen in die Stadt ziehen, wo ihre geschiedene Tante schon lange wohnte und Arbeit für sie finden würde. Doch Juri geriet betrunken mit einem Auto zusammen und starb. Toni saß am Grab und weinte, die Mädchen weinten mit ihr.

Jetzt kam heraus, dass Juri noch ein Kind hatte

Ihre ältere Tochter Anja, groß und schlank, trug die roten Haare vom Vater.

Mama, was gibts zu essen? Wir wollen mit den Mädchen ins Kino, und ich hab Hunger! Warum bist du so traurig?

Ich verarbeite gerade die Nachricht, sagte Toni. Man hat mir gesagt, dein Vater hat ein Kind aus einer Affäre, drei Jahre alt. Die Mutter ist tot, das Kind ist jetzt im Heim. Man hat vorgeschlagen, ihn zu holen.

Was für ein Drama! Und wer ist die Mutter? Kennst du sie?

Nein, sie war nicht von hier. Katja hieß sie, Nachname weiß ich nicht.

Was machen wir jetzt? Wo ist das Kind? Hat es Verwandte?

Anscheinend nicht. Im Krankenhaus werden die Papiere vorbereitet. Er ist ein roter Haarschopf, sagt man, er ist ein Spiegelbild des Vaters.

Anja griff nach dem Essen, Lina kam dazu, und Toni sah ihre Töchter an und lächelte. Beide hatten das rote Haar wie ihr Vater Gene, die stark sind.

Am nächsten Tag sagte Anja: Mama, wir waren mit Lina im Krankenhaus, um den Bruder zu sehen. Er ist witzig, röte Backen, sieht uns sehr ähnlich Er weint bitterlich und will zu seiner Mutter.

Sie brachten ihm einen Apfel und eine Orange. Er lag im Kinderbett, streckte nach den Händen, die Krankenschwester ließ sie kurz spielen.

Mama, dürfen wir ihn mitnehmen? Er ist doch unser kleiner Bruder.

Toni ärgerte sich an ihrer Tochter.

Jetzt soll ich den Kerl übernehmen, weil der Vater rumgelaufen ist? Ich habe genug eigene Sorgen. Wie soll ich das schaffen?

Fremde Kinder nehmen andere Leute, aber der ist doch unser Blutsverwandter. Er ist nicht schuld, dass das so gekommen ist. Kinder tragen die Last ihrer Eltern nicht.

Wo soll unser Mund sonst noch Platz finden? Ich arbeite wie die Hölle, verkaufe Gemüse vom Feld, drehe mich im Kreis, und du willst mir noch diesen Jungen aufbürden? Ich muss im nächsten Jahr studieren, das Geld fehlt, Lina wird groß.

Wenn du das Sorgerecht bekommst, gibts ein bisschen Geld vom Staat. Komm, sei nicht so hart zu dem Jungen.

Toni war wütend auf ihren Mann und auf ihre Tochter. Sie beschloss, den Jungen selbst zu sehen.

Am nächsten Tag ging sie ins Krankenhaus.

Entschuldigung, wo ist der kleine Misha, drei Jahre alt, der ins Heim soll? fragte sie die diensthabende Schwester.

Und wer sind Sie?

Ich will ihn nur kurz sehen. Er ist ein Sohn meines Mannes, von einer anderen Frau.

Na, und? Gestern haben deine Töchter mit ihm gespielt, obwohl das nicht erlaubt war.

Ich will ihn nur kurz anschauen, nicht mitnehmen.

Na, schauen Sie.

Toni öffnete die Tür und erstarrte. Da lag der kleine Juri, ein Miniaturbild ihres Mannes: rote Locken, blaue Augen, ein hübscher Junge. Er spielte mit Bauklötzen und lächelte, als er sie sah.

Tante wo ist meine Mama?

Deine Mama ist nicht mehr da, Misha.

Ich will nach Hause.

Der Junge fing an zu weinen. Toni spürte, wie ihr Herz zusammenzuckte, ging zu ihm, hob ihn hoch.

Frau, Sie dürfen das nicht! schrie die Schwester.

Misha, weine nicht, Kleiner

Sie strich ihm über den Kopf, wischte die Tränen weg.

Tante, nimm mich mit ich will zu dir.

Okay, Misha, ich verspreche, ich komme zurück. Weine nicht.

Toni verließ das Krankenhaus mit dem Entschluss, den Jungen zu holen. Die Wut verflog, als sie den hilflosen kleinen Kerl sah, der ihr so ähnlich sah wie ihre beiden Töchter.

Fünfzehn Jahre später bekam Misha ein Schreiben zum Wehrdienst. Er war groß geworden.

Hör zu, mein Sohn, und befolge den Kommandanten, wie man sagt Meine Seele schmerzt, die Zeiten sind unruhig.

Mama, alles wird gut! Ich werde dich nicht enttäuschen, versprech ich. Dann gehe ich arbeiten, mein Onkel zahlt gut in der Werkstatt, und ich werde Kfz-Mechaniker.

Toni strich ihm über die roten, ungezähmten Locken.

Das Leben ist wie ein schmaler Pfad im Wald, manchmal führt es an überraschende Stellen. Toni dachte, das Schicksal hätte ihr ein weiteres Leiden auferlegt den Schmerz vom Verrat ihres Mannes. Doch im dornigen Gestrüpp der Verbitterung wuchs ein zarter Keim: ein Junge, der nichts falsch gemacht hatte, außer geboren zu sein.

Manchmal sieht das Herz, was die Augen nicht erfassen. Es sah in Misha keine fremde Blutlinie, sondern eine einsame Seele, die nach Wärme suchte. Es hörte nicht den Schrei fremdes Kind, sondern das leise Rufen Mama. Und Toni, entgegen aller Logik, Angst und Erschöpfung, reichte ihm die Hand.

Die Jahre zeigten, dass Güte kein Opfer, sondern ein Geschenk ist. Misha wurde nicht zum überschüssigen Mund, sondern zumjenigen, der das Wasser aus dem Brunnen holt, während Toni die Beete jätet. Er brachte die Schwestern zum Lachen, wenn das Herz schwer war. Und er wuchs heran und sagte: Danke, Mama, und in diesen Worten lag das ganze Universum.

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Homy
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