Ich werde immer an deiner Seite sein

Ich werde immer an deiner Seite sein

– Jetzt fang bitte nicht wieder damit an! Wir haben das schon tausend Mal durchgekaut! Warum müssen wir immer wieder darüber reden? Johanna winkt erschöpft ab und wendet sich erneut dem Herd zu.

Der Tag heute zieht sich wie Kaugummi. Bereits um fünf Uhr morgens kam ihr Sohn, Fabian, in ihr Schlafzimmer getappt und stupste sie an die Schulter:

Mama! Mein Hals tut weh!

Halb schlafend legt Johanna ihre Lippen auf Fabians Stirn, und im nächsten Moment ist sie hellwach.

Ja, du hast Fieber, mein Schatz. Komm, wir gehen! Sie nimmt Fabian auf den Arm, verlässt das Zimmer und schließt die Tür leise hinter sich. Sie will ihrem Mann, Tobias, das übliche Meckern ersparen, wenn er sich mal wieder beschwert, nicht ausgeschlafen zu haben.

Nachdem sie das Fieber gemessen und Fabian ein Mittel gegeben hat, bringt sie ihn zurück ins Bett. Da es nun schon früh am Morgen ist, entschließt sich Johanna, wach zu bleiben und darauf zu warten, dass die Arztpraxis öffnet, um einen Hausbesuch zu organisieren. Als sie sicher ist, dass Fabian schläft, geht sie in die Küche, brüht sich einen Kaffee auf und stellt sich ans Fenster.

Dieser Winter ist, ungewöhnlich für Hamburg, sehr schneereich. Der Innenhof liegt unter einer dicken Schneedecke, die die ganze Nacht gefallen ist. Nur hier und da durchziehen Schuhspuren den frischen Schnee Anwohner, die schon früh zur Arbeit müssen. Johanna fällt eine Bewegung auf, und sie muss schmunzeln. Der Kater von Frau Schneider, der Nachbarin, springt mit kindlicher Freude über den Hof, verschwindet hier und da fast ganz in einem Schneehaufen und taucht munter wieder auf. Typisch Moritz das Toben im Schnee scheint ihm gar nichts auszumachen. Er ist so eigensinnig, dass er sich partout weigert, sein Geschäft im Haus zu machen. Frau Schneider muss ihm dann, egal wie das Wetter ist, die Tür öffnen. Wehe, sie kommt nicht schnell genug Moritz brüllt das ganze Treppenhaus zusammen! Man muss ihm aber lassen: nie hat er sich danebenbenommen und in die Wohnung gemacht.

Gestern erst, als Johanna auf dem Weg war, Fabian aus dem Kindergarten abzuholen, hat sie Moritz gesehen, wie er zielstrebig Richtung Ausgang marschiert ist, empört murrend.

Geh nur! Auch noch meckern willst du! Grüß dich, Johannchen! Schau dir den Lausbub an! Am Ende glaube ich, er ist mein Herrchen und nicht andersrum. Ein waschechter Kommandeur mit Schnurrhaaren! Ich bin heute zu spät von der Arbeit gekommen, jetzt bekomme ich die Quittung.

Hallo, Frau Schneider! Ja, er ist wirklich ein seriöser Herr!

Allerdings! Versuch mal, so einen zu finden! Wahrscheinlich ist das mein Schicksal: ernste Männer großzuziehen

Johanna lächelt nur und geht weiter. Was soll sie da noch sagen? Frau Schneiders Sohn, Paul, ist tatsächlich ein ernster Kerl klug, mit tollem Humor, nur sehen das die wenigsten. Für die meisten bleibt er der blasse Brillenträger, etwas schüchtern, auf den Frauen selten aufmerksam werden. Johanna kennt ihn, seit sie denken kann. Immer war er für sie da, auch als ihre Mutter starb.

Johannas Mutter, Birgit, wurde auf einem Zebrastreifen von einem Auto erfasst. Sie ging ordnungsgemäß über die Straße, aber das schützte sie nicht. Für Johanna brach damals die Welt zusammen sie hatte immer geglaubt, wer sich an die Regeln hält, ist sicher.

Sie und Paul waren damals beide zehn. Zum ersten Mal in ihrem Leben begegnete Johanna dem Tod, und sie verstummte. Jeder Versuch, sie zu trösten, wurde mit einem stummen Kopfschütteln beantwortet. Sie verschwand einfach aus dem Raum, schloss sich sogar stundenlang im Badezimmer ein, sobald sie allein war, schlief sie in irgendeiner Ecke ein.

Der Psychologe, zu dem Johannas Vater, Martin, sie brachte, schlug Alarm und riet, dringend etwas zu unternehmen die Trauer setzte dem Mädchen bereits körperlich zu.

Paul half. Auch er hatte zwei Jahre zuvor seinen Vater verloren. Er verstand, was Johanna fühlte wahrscheinlich besser als jeder Erwachsene. Fast zog er bei ihr ein. Frau Schneider hatte nichts dagegen, sie hatte großes Mitleid mit der kleinen Johanna. Sie und andere Nachbarn halfen, wo sie konnten: brachten Essen, blieben bei dem Mädchen, wenn ihr Vater Besorgungen machen musste. Niemals beschwerte sich Frau Schneider, wenn ihr Sohn spätabends von Johanna heimkam er las ihr vor, ging mit ihr zu den Hausaufgaben, nahm sie an die Hand zum Tanzen und zur Gymnastik, weil es Birgits großer Wunsch gewesen war, dass Johannchen sich frei bewegen kann … Nach und nach half Paul dem Mädchen zurück ins Leben. Gemeinsam fanden sie ein hilfloses Kätzchen auf der Straße, Paul durfte es mit nach Hause nehmen, da Johannas Vater gegen Katzen allergisch war. Da begann Johanna, das erste Mal seit der Katastrophe, wieder zu sprechen.

Gott sei Dank! Sie kommt wieder zu sich! hauchte Frau Schneider, als Johanna sie bat, ihr für das Kätzchen Milch zu geben.

Paul war und blieb Johannas Begleiter, wo immer es ging. Sie gewohnt sich so sehr an seine ständige Gegenwart, dass er wie ein Teil von ihr selbst wurde. Beide Einzelkinder, fanden sie in der Freundschaft zueinander, was ihnen so sehr fehlte: Halt, Verständnis, Nähe.

Oft genügte ein Blick, und sie verstanden einander. Johanna begann einen Satz, Paul beendete ihn Erwachsene staunten, mischten sich aber nicht ein. Sie wussten, diese Verbundenheit half den beiden, ihre Verluste zu überwinden.

Doch gegen Ende der Schulzeit änderte sich vieles. Johanna wurde zu einer attraktiven, klugen jungen Frau, und viele Männer umschwärmten sie. Paul beobachtete das still. Doch als dann Tobias auftauchte, ein neuer Nachbar, der Johanna auf der Treppe auffing, weil sie ausrutschte, wurde alles anders.

Alles in Ordnung? Soll ich Ihnen helfen? Ein großer, sympathischer Mann reicht Johanna die Hand. Diese Treppen sind spiegelglatt! Haben Sie sich wehgetan?

Johanna blickt in seine Augen und ist plötzlich wie verzaubert. Immer hatte sie behauptet, an Liebe auf den ersten Blick glaube sie nicht was für Unsinn, dachte sie, das haben Dichter und Romanautoren erfunden. Nun erlebt sie es am eigenen Leib.

Ich bin verloren, Paul! Komplett verloren. Er ist einfach…

Und wie bitte? Paul runzelt die Stirn, aber Johanna ist längst in Gedanken versunken.

Ich kanns nicht erklären Er ist einfach nur der Beste! Johanna dreht sich freudig im Zimmer. Und du solltest dich für mich freuen, mein Lieblingsfreund!

Logisch ich freu mich. Paul lächelt gequält, dann verlässt er sie unter einem Vorwand.

Johanna bemerkt es kaum, so beschäftigt ist sie mit ihren Gefühlen. Drei Jahre sind die beiden ein Paar, dann beschließen sie, zu heiraten. Die Familie wird informiert, ein Termin auf dem Standesamt organisiert.

Schade, dass man immer eine Trauzeugin haben muss. Warum eigentlich? Paul wäre mir als Trauzeuge viel lieber! Johanna steht vorm Spiegel und bewundert ihr Brautkleid.

Paul, der sie ins Brautatelier gebracht hat, sitzt auf der Couch, nimmt sich zusammen, um nicht aufzufallen. Die Schneiderin, die gerade die letzten Stiche am Kleid macht, tadelt ihn scherzhaft:

Der Bräutigam darf das Kleid doch nicht sehen!

Er ist nicht der Bräutigam! lacht Johanna. Nur mein Freund.

Ach ja? Dann ist ja gut.

Nichts Besonderes dran, ergänzt Paul. Man darf doch Freunde haben, oder? Johannchen, wir müssen noch die Torte aussuchen, beeile dich!

Bin schon weg! ruft Johanna.

Erst Jahre später, als sie auf ihr kurzes Eheglück zurückblickt, fragt sie sich immer wieder: Wie konnte sie in Tobias nicht gleich all das erkennen, was sie später störte oder sogar auf die Palme brachte? Sie war immer davon ausgegangen, dass Paul ihr treuer Ritter sie auffangen würde, sollte etwas schief gehen. Doch sie musste lernen: es gibt viele Rollen im Leben und die des Prinzen ist nicht immer so, wie im Märchen.

Der erste Knacks kam, als Johanna ein halbes Jahr nach der Hochzeit ernsthaft krank wurde. Eine hartnäckige Mandelentzündung, die sie nicht richtig auskurierte. Ihr wurde zu einer gründlichen Untersuchung geraten, ein Teil davon war nicht von der Krankenkasse bezahlt. Tobias empörte sich:

Das ist doch Quatsch! Wir sparen jedes Jahr auf den Urlaub, und dann sowas! Du bist jung und gesund, was soll die Panikmache?

Johanna traute ihren Ohren nicht.

Meinst du das ernst?

Natürlich!

Tobias… sie spürt, wie ihr die Kehle zuschnürt, ist dir der Urlaub wirklich wichtiger als meine Gesundheit?

Ach, alles halb so wild! Wenn wir in die Sonne fliegen, bist du schnell wieder fit. Du bist eben erschöpft! Tobias umarmt sie, merkt aber nicht, dass sie zum ersten Mal nicht zurückumarmt.

Am Ende zahlt Johannas Vater das, ohne ein Wort zu verlieren. Das Jahr vergeht mit Reha-Maßnahmen sie wird einigermaßen wieder gesund, nur das Herz, das macht weiterhin Probleme. Als Johanna dann schwanger wird, zählt sie mit ihrer Vorgeschichte als Risikoschwangere.

Verstehen Sie bitte nicht falsch, aber Sie sollten das wirklich gut abwägen, die Ärztin blättert durch Johannas Akte. Eine Schwangerschaft ist eine große Belastung für den Körper. Es sieht jetzt gut aus, aber später

Da gibts nichts zu überlegen. Ich bekomme dieses Kind!

Dann tun wir unser Bestes.

Das Team bemüht sich sehr. Die letzten drei Monate liegt Johanna im Krankenhaus. Fabian wird gesund und termingerecht geboren, doch nur Johanna und Paul wissen, wie viel Kraft und Angst das alles gekostet hat. Tobias hingegen feiert die Geburt mit seinen Kollegen, ist für drei Tage verschwunden und nicht erreichbar. Johanna dreht fast durch vor Sorge, erst ihr Vater erfährt seinen Aufenthaltsort. Da weiß Johanna endgültig: das ist kein Märchenprinz. Nur der Umgang von Tobias mit Fabian bringt sie nach der Entlassung davon ab, direkt die Scheidung einzureichen.

Denn Tobias betrachtet Fabian als Wunder, kümmert sich liebevoll, steht nachts auf, wickelt, geht spazieren dann aber gibt es diese Momente voller Gereiztheit, wo Fabian nerven darf und Johanna ihn zu sich nehmen muss. Eine Stunde später ist Tobias wieder der perfekte Vater. Johanna versteht diese ständige Achterbahnfahrt nicht, doch das Positive überwiegt vorerst.

Was die Beziehung von Tobias und Johanna betrifft, so leben sie längst nebeneinander her. Für Max zieht Johanna alleine die Strippen, schafft sich möglichst Unabhängigkeit, als ihr Vater ihr sogar eine günstige, aber zuverlässige Gebrauchtwagen schenkt, nachdem Johanna den Führerschein gemacht hat.

Martin, ihr Vater, weiß schon lange, wie es um Tobias steht. Doch er drängt seine Tochter nicht. Nur einmal, als Fabian wieder einmal sehr krank war und Johanna am Ende ihrer Kräfte, sagt er zu ihr:

Johannchen, ich werde dir nichts raten. Aber du musst wissen: Du bist nicht allein, verstanden?

Danke, Papa! Johanna nimmt ihn fest in den Arm. Ich weiß das. Aber ich bin noch nicht so weit, drüber zu sprechen. Tobias bleibt mein Mann, solange ich nicht Klarheit für mich habe.

Martin nickt nur und hält sie fest.

Immer wieder steht Paul ihr bei, regelt Medikamente, wenn sie das Haus nicht verlassen kann, fährt sie zum Arzt, bringt das Auto zur Werkstatt was auch immer nötig ist, es wird erledigt. Johanna ist sich bewusst, dass sie Pauls Hilfsbereitschaft oft ausreizt, doch sie kann nicht anders. Er bleibt der einzige Mensch, dem sie immer vertrauen kann.

Nun steht sie wieder am Fenster, denkt daran, dass Paul heute aus Frankfurt zurückkommt. Fabian und sie könnten ihn fragen, ob er sie zum Arzt fahren kann, falls der Hausbesuch doch nicht klappt denn ihr Wagen macht wieder Zicken, und Reparaturen sind momentan finanziell schwierig. Tobias meint, sein ganzes Geld stecke im Geschäft, Johannas eigenes Gehalt reicht gerade für das Nötigste, da sie wegen Fabians Krankheiten oft im Job aussetzen muss. Zumindest wohnen sie mietfrei in Vaters Wohnung, während Martin selbst in die renovierte Wochenendhaus am Stadtrand gezogen ist, um Ruhe zu haben.

Johanna schaut auf die Uhr und ruft in der Hausarztpraxis an. Sie hat Glück: die Ärztin ist zurück aus dem Urlaub und nimmt den Hausbesuch an.

Gerade als Johanna das Frühstück vorbereitet, schlurft Tobias, verschlafen, in die Küche.

Was war denn los? Warum war hier mitten in der Nacht wieder Trubel?

Fabian ist krank, sagt Johanna knapp.

Deshalb muss man die ganze Nacht auf den Beinen sein? Na ja. Ich geh’ jetzt duschen, mach das Frühstück schnell fertig, ich muss bald los, es gibt viel zu tun.

Ohne ein weiteres Wort wendet sich Johanna wieder dem Herd zu. Sie kocht heute vor allem für Fabian bei Krankheit verlangt er immer nach seinem Gesund-werd-Essen, wie Johanna es nennt. Heute gibts Pfannkuchen, die mag auch Tobias.

Hast du eigentlich mit deinem Vater gesprochen?

Nein.

Warum nicht?

Ich habe gesagt, das Thema geht ihn nichts an. Und ich werde ihn nicht bitten, die Wohnung auf uns zu übertragen.

Deine Sturheit bringt mich noch um! Wie lange willst du das noch durchziehen? Ich zahle hier alles, aber wohne auf wackeligem Grund. Ständig braucht ihr irgendwas mal Fabian, mal du. Ich schufte wie ein Tier, war seit einem Jahr nicht mehr im Urlaub, trotzdem ist alles falsch!

Tobias redet weiter, aber Johanna schaltet ab. Plötzlich spürt sie, wie in ihr eine Saite reißt. Die, an der all ihre Erinnerungen hängen erstes Kennenlernen, Hochzeitstag, Geburt ihres Sohnes Sie legt die Pfannkuchenwender leise beiseite und dreht sich zu Tobias.

Ich sag das jetzt nur einmal, hör mir gut zu, unterbricht sie ihn. Heute packst du deine Sachen, Tobias. Wir lassen uns scheiden. Das Leben, wie wir es seit Jahren führen, will ich nicht mehr. Es ist auch für dich vorbei und das weißt du. Wer was bezahlt hat, spielt jetzt und auch künftig keine Rolle. Lass uns überlegen, wie wir für Fabian verantwortlich bleiben er braucht uns beide, auch wenn wir nicht zusammen leben.

Tobias schaut sie ungläubig an, will erst widersprechen, gibt dann aber auf.

Das hast du jetzt gesagt. Bis heute Abend kannst du ja noch mal drüber nachdenken!

Ich habe meine Entscheidung getroffen, Tobias! Du kennst mich was glaubst du, was das heißt?

Dass du den Verstand verloren hast. Glaubst du, jemand will dich, mit Kind? Wir werden sehen. Ich bin bei meinen Eltern.

Wie du meinst. Johanna wendet sich ab, unterdrückt die Tränen.

Tobias verlässt die Küche. Nach einiger Zeit hört Johanna, wie die Wohnungstür zufällt. Sie lässt sich auf einen Stuhl fallen und weint sich für einen Moment die Erschöpfung von der Seele. Als sie Fabians leise Schritte hört, wischt sie schnell ihre Tränen fort, stellt ihm das Frühstück auf den Tisch.

Na, mein tapferer junger Mann! Hungrig?

Nicht so richtig, Mama. Jetzt tut auch der Kopf weh.

Pfannkuchen helfen bestimmt auch gegen Kopfweh?

Ja! Fabian grinst. Mit Erdbeermarmelade!

Natürlich!

Nachdem die Ärztin die Behandlung verordnet und die Rezepte ausstellt, bereitet sich Johanna vor, in die Apotheke zu gehen, will gerade ihren Vater anrufen, da klopft es an der Tür. Nur Paul klopft immer nie benutzt er die Klingel, das ist ihr gemeinsames Zeichen.

Hi!

Hallo! Wie gehts euch? Paul hält eine Schachtel mit einem kleinen Spielzeugauto in der Hand. Johanna fällt auf: sie kann sich nicht erinnern, wann Tobias das letzte Mal etwas für Fabian gekauft hat. Egal ob zu Weihnachten oder Geburtstag, alles besorgt sie selbst. Paul bringt immer etwas mit, egal, wann er vorbeischaut.

Fabian ist wieder krank. Bleibst du kurz bei ihm? Ich muss schnell zur Apotheke.

Kein Problem. Ich gehe auch, wenn du willst? Hast du eine Liste?

Johanna holt die Einkaufsliste aus ihrer Handtasche und gibt sie Paul.

Kaum verlässt er das Haus, klingelt ihr Handy.

Johanna Schulz?

Ja?

Hier spricht die Universitätsklinik Hamburg. Ihr Vater wurde eingeliefert.

Was ist passiert? Johanna packt das Handy mit verkrampfter Hand.

Herzinfarkt. Sein Zustand ist noch ernst.

Ich komme sofort.

Panik. Sie läuft durch die Wohnung, weiß nicht, wo anpacken. Martin hat nie über Herzprobleme gesprochen. Jetzt merkt sie, wie schnell man den wichtigsten Menschen verlieren kann.

Sie wählt Tobias’ Nummer.

Tobias…

Was denn? Jetzt bist du wohl zurückgerudert, oder wie

Tobias, Papa ist im Krankenhaus. Herzinfarkt.

Und? Was soll ich jetzt tun? Du willst dich doch trennen, oder?

Johanna starrt fassungslos aufs Handy und legt auf.

Paul, der zurück aus der Apotheke kommt, sieht sie im Flur, bereits angezogen.

Wo willst du hin?

Mein Vater ist im Krankenhaus. Herzinfarkt.

Mehr braucht es nicht. Paul holt seine Mutter, und Frau Schneider bleibt bei Fabian. Paul fährt Johanna ins Krankenhaus.

Gemeinsam warten sie stundenlang auf Neuigkeiten. Schweigend sitzen sie im Aufenthaltsraum bis Johanna bricht das Schweigen.

Danke, Paul … Es ist so gut, dass du jetzt da bist.

Ich werde immer mit dir gehen …

Ich weiß, Paul. Ich weiß es jetzt endlich …

Als nach einer gefühlten Ewigkeit der Arzt kommt, döst Johanna an Pauls Schulter. Sanft weckt er sie.

Ihr Vater ist auf Station. Es wird ein langer Weg, aber das Schlimmste ist überstanden. Sie können morgen bei den Besuchszeiten wiederkommen.

Johanna umarmt Paul, Tränen brechen aus ihr heraus und sie spürt, wie mit den Tränen aller Schmerz weicht, der sich die letzten Monate angesammelt hat.

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Homy
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Ich werde immer an deiner Seite sein
Verlass mein Zuhause – jetzt!