Karl

Charlie

Alex, das hast du heute richtig gut gemacht! Wir haben heute viel geschafft, mein Großer. Warte jetzt bitte im Flur auf Oma, ja? Es dauert nicht lange, sie kommt gleich. Christina lächelte und führte den Jungen aus dem Beratungsraum.

Was meinen Sie, Frau Dr. Bergmann? Hannelore Weber, die Großmutter von Alex, saß angespannt auf der Stuhlkante und knetete nervös ihre klassische Handtasche. Nachdem die Psychologin angekündigt hatte, dass sie noch sprechen müssten, wäre sie fast aufgesprungen.

Ganz ruhig, Frau Weber. Machen Sie sich nicht so viele Sorgen. Es läuft alles so gut, wie es eben in der Situation möglich ist. Alex spricht mittlerweile und öffnet sich immer mehr. Sie machen alles richtig…

Aber? Ich spüre, dass da noch ein aber kommt! Hannelore blickte die junge Psychologin an, die ihr als hervorragende Expertin empfohlen worden war. Anfangs war Hannelore überrascht, Christina so jung zu sehen und glaubte zuerst, im falschen Zimmer zu sein. Doch die Empfehlungen hatten sich bewahrheitet: Wo drei Monate mit anderen Experten nichts halfen, trat bei Christina plötzlich der Durchbruch ein. Innerhalb einer Woche brachte sie Alex zum Reden.

Es gibt tatsächlich ein aber. Sie haben Recht. Alex hat Angst vor Ihnen.

Wie bitte? Hannelores Augenbrauen schossen in die Höhe, wo sie blieben. Wie kann so etwas sein? Ich behandele ihn doch gut!

Daran liegt es nicht. Er fühlt sich einfach noch nicht sicher. Alles in seinem Leben hat sich verändert. Und Sie sind für ihn noch kein vertrauter Mensch. Er nimmt Sie noch wie eine Fremde wahr. Sie sollten sich darüber nicht wundern oder gar erschrecken. Das ist eine normale Reaktion. Soweit ich weiß, hatten Sie vor dem Tag, an dem Alex zu Ihnen kam, keinen Kontakt zu ihm oder seinen Eltern?

Stimmt. Ich wusste nur von seiner Existenz, sonst nichts.

Das erklärt es. Für Alex sind Sie also noch eine fremde Person. Es braucht Zeit, bis er begreift, dass Sie seine Oma sind und ihn lieben. Apropos, lieben Sie ihn? Christina blickte Hannelore prüfend an, die ganz verlegen wurde. Selbst wenn nicht, machen Sie sich keinen Vorwurf. Sie kennen sich kaum, es verbindet Sie noch wenig.

Ich verstehe… Hannelore drückte den Griff der Handtasche fester und sah die Psychologin an. Gibt es etwas, womit man den Prozess trotzdem beschleunigen könnte? Damit Alex schneller Vertrauen fasst und mich annimmt?

Überstürzen Sie besser nichts. Zeit ist das wichtigste. Aber Sie könnten überlegen, ein Haustier in Ihr Zuhause zu bringen. Tiere schaffen oft eine Brücke zwischen Kindern und Erwachsenen. Das muss jetzt kein Schäferhund sein eine kleine Aufmerksamkeit reicht, zum Beispiel ein Hamster, ein Kanarienvogel oder ein Aquariumfisch. Wenn Sie gemeinsam Verantwortung übernehmen, wächst Nähe.

Ich werde darüber nachdenken. Vielen Dank für Ihren Rat. Hannelore stand auf.

Schon an der Tür drehte sie sich noch mal um:

Und was halten Sie von einem kleinen Hund? Ich habe immer von einem Hund geträumt…

Jedes Lebewesen ist willkommen. Auch eine kleine Schlange, wenn Sie mögen. Wenn Sie sich dazu noch einen lang gehegten Wunsch erfüllen, ist der Gewinn doppelt groß.

Hannelore verabschiedete sich und betrat den Flur. Alex saß ganz gerade auf einem Stuhl und hatte die Hände ordentlich auf den Knien gefaltet. Ihr wurde schwer ums Herz, als sie ihn so still und verloren sitzen sah am liebsten hätte sie ihn sofort umarmt, ihn an sich gedrückt und getröstet. Doch sie hielt sich zurück. Das hatten sie schon einmal durch. Als sie Alex aus dem Kinderheim, in das er nach dem Unfall seiner Eltern vorübergehend kam, abholte, hatte sie ihn gleich voller Fürsorge umarmt und gesagt:

Alex, mein Liebling! Ich bin deine Oma!

Sie erinnerte sich noch gut, wie der Junge in ihren Armen erstarrte, die Augen plötzlich voller Tränen hatte, sich schüchtern wegdrehte und dann die Augen schloss. Seitdem hatte sie ihn nicht mehr umarmt oder zum Einschlafen geküsst. Zu groß war die Angst, Alex zu verschrecken.

Alex! sagte sie leise. Das Kind drehte sich zu ihr um, und wieder bemerkte Hannelore, wie sehr er ihrem Sohn Tobias ähnelte. Dasselbe Gesicht, dieselben Augen, sogar die leicht abstehenden Ohren alles wie beim Vater.

Komm, mein Schatz, wir müssen los.

Alex glitt wortlos vom Stuhl und lief neben ihr her. Nie fiel er durch Trotz, Lärm oder kindliche Streiche auf ein kleiner alter Herr, dem die Sorgen der Welt schon schwer auf den Schultern lasten. Hannelore fragte sich oft, ob sie an seinem Verhalten schuld war…

Tobias, Hannelores Sohn, war ein begabter Junge gewesen. Schnell stellte sich sein Talent für Sprachen heraus; Hannelore nahm ihn mit zu ihren Übersetzungsarbeiten. Mit fünf Jahren parlierte Tobias gut auf Englisch und Französisch, Opa brachte ihm Schach bei auch darin war er ein Naturtalent. Bald folgte Musik, doch abgebrochen zugunsten einer neuen Leidenschaft: Physik. Das wurde schlussendlich sein beruflicher Lebensweg. Seine Karriere verlief glänzend, bis er Elisa begegnete.

Elisa war für ihr Medizinstudium aus einer Kleinstadt nach München gezogen und fragte Tobias Kommilitonin Nina nach dem Weg, als sie völlig verunsichert am Hauptbahnhof stand. Nina schob die Erklärung des U-Bahn-Plans gleich Tobias zu:

Ach, das ist doch aussichtslos. Du verläufst dich sowieso. Tobias, magst du die Dame nicht begleiten? Du hast heute keine Termine, oder?

So lernten sich Tobias und Elisa kennen. Sie wurde seine große Liebe und Sinn im Leben. Tobias wollte Elisa glücklich machen und mit ihr zusammen sein, doch letzteres gestaltete sich schwierig.

Hannelore hatte Elisa vom ersten Augenblick an nicht gemocht. Unter der modisch frisierten Pony runzelte sie die Stirn. Was sollte das sein? Was fand ihr Sohn nur an dieser schüchternen, ländlichen Erscheinung?

Natürlich ließ Hannelore sich ihre Meinung nicht anmerken und gab sich höflich während sie innerlich Argumente sammelte, um Tobias von der unvorteilhaften Verbindung abzubringen.

Der Streit war unvermeidlich. Nachdem Tobias Elisa zum Wohnheim gebracht hatte, wurde er von seiner Mutter empfangen. Souverän wie immer, aber jetzt schrie Hannelore wie ein Marktfrauchen:

Was ist das? Tobias! Hast du den Verstand verloren? So ein Mädchen kann dich doch nur ausnützen! Keine Herkunft, keine Kontakte, kaum Manieren ein Provinzmädel, das nur wegen einer Münchner Wohnung zu dir will! Und was für Kinder werden das einmal? Hast du überhaupt daran gedacht? Nenn mir nur einen einzigen Grund, warum ich an euer gemeinsames Glück glauben sollte!

Tobias, der bis dahin ruhig schwieg und mit den Schlüsseln spielte, schaute Hannelore fest an:

Ich liebe sie, Mama. Reicht das nicht?

Lieben? Und was, wenn das eine bloße Schwärmerei ist? Das geht vorüber… Hannelore verstummte, als ihr Sohn schweigend die Wohnung verließ. Das war die Trennung. Am nächsten Tag merkte sie, dass Tobias seine Sachen gepackt hatte.

Und das soll Familie sein? Hannelore meckerte wie immer ihr Herz an das Foto ihres viel zu früh verstorbenen Mannes. Was macht dein Sohn bloß? Ich will doch nur sein Bestes!

Das Foto schwieg milde lächelnd, und wie jedes Mal, wenn sie wütend war, legte Hannelore es mit der Glasplatte nach unten und ging sich einen Kaffee kochen.

Fast ein Jahr hatten sie keinen Kontakt. Ab und zu fand Hannelore knappe Karten im Briefkasten: Alles gut, habe eine Wohnung gefunden, arbeite an meiner Promotion. Bin zum Forschungsaufenthalt weg, bin einen Monat nicht in München. Keine Sorge! Irgendwann kam eine Einladung zur Hochzeit Hannelore brachte es nicht übers Herz, hinzugehen. Die Kränkung überlagerte jegliche Freude. Selbst als sie später durch eine kurze Notiz erfuhr, dass sie Oma geworden war, regte sich mehr Groll als Rührung.

Oma! Ich? Der hat doch wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank! Woher will er wissen, dass das Kind von ihm ist?

Hannelore verstand sich selbst nicht. Immer war sie eine vernünftige und eher freundliche Frau gewesen doch in dieser Situation war sie wie von fremder Hand gesteuert.

Tobias versuchte in der Folgezeit mehrfach, mit ihr ins Gespräch zu kommen, doch Hannelore blockte ab. Ihren Sohn und Elisa kannte sie nur aus kargen Briefen: die Medizinerin arbeitete erfolgreich als Chirurgin, Tobias Thema wurde als förderungswürdig eingestuft, und ihr Enkel hieß Alex, den sie nie gesehen hatte bis zu jenem Anruf:

Hannelore Weber?

Ja, am Apparat?

Hier spricht das Kinderheim Regenbogen in Nürnberg. Ihr Enkel ist bei uns. Sie sind wohl der einzige Angehörige.

Ihr Herz schlug schneller, sie sank langsam auf einen Stuhl.

Warum ist der Junge bei Ihnen? Was ist mit seinen Eltern passiert?

Hat man Sie nicht informiert? Der Ton der Stimme wurde sanfter. Die Eltern sind bei einem Badeunfall ums Leben gekommen, gestern. Der Vater ist ins Wasser, vielleicht Krampf, vielleicht Schwäche. Die Mutter wollte ihn retten, schaffte es nicht.

Hannelore hörte nur noch stumm zu, das Telefon grub sich schmerzhaft in ihre Hand.

Sind Sie noch da? Der Ton wurde wieder bürokratischer. Kommen Sie den Jungen abholen oder sollen wir nach anderen Vormündern suchen?

Ich … ich komme. Hannelore hörte sich selbst kaum glauben. Dennoch war die Entscheidung gefallen, als hätte jemand anders für sie gesprochen. Wie ist die Adresse?

Wir sind in Nürnberg. Bitte notieren Sie die Anschrift.

Wie in Trance notierte sie Adresse und Unterlagen, packte das Nötigste und saß eine Stunde später im Zug. Sie nahm alles, als wäre sie nur Beobachterin. Tränen kamen erst viel später. Zwei Wochen nach Beerdigung und Formalitäten, als alles vorbei schien, brach Hannelore in Tränen aus. Der kleine, fünfjährige Junge, den sie am ersten Tag im Heim sah, war Tobias wie aus dem Gesicht geschnitten. Sie konnte nicht an sich halten und erschreckte Alex zutiefst. Behutsam ergriff sie die Initiative und nahm den Jungen nach München mit.

Die ersten Tage waren schwer. Immer wieder sah sie in Alex ihren Sohn: Bewegungen, Mimik, als säße der kleine Tobias wieder am Frühstückstisch. Nur, dass Alex den Brei, den sie ihm machte, immer ruhig und bedächtig aß und am Ende stumm dankte. Reden wollte er wochenlang gar nicht. Als sie keinen Kontakt herstellen konnte, begann sie mit der Psychologensuche. Erst Christina fand Zugang zu Alex.

Draußen auf dem Bürgersteig schaute Alex zu Hannelore hoch.

Wir fahren jetzt nicht nach Hause.

Alex legte fragend den Kopf schief. Hannelore fuhr fort:

Wir fahren ins Tierheim.

Seine Augen weiteten sich erschrocken, er wich zurück.

Nicht in ein Kinderheim, Alex! Nein, nein. Ein Tierheim da leben Tiere, die kein Zuhause haben. Wir schauen mal, ob wir einem von ihnen ein neues Heim geben können. Im Tierheim ist es nicht schön, oder?

Alex nickte eifrig und zum ersten Mal reichte er freiwillig Hannelore die Hand. Sie tat so, als wäre das das Normalste der Welt, und brachte ihn fröhlich zum wartenden Taxi. Unterwegs versuchte sie, mit Alex ins Gespräch zu kommen.

Wen hättest du am liebsten? Eine Katze? Oder einen Hund?

Zu Hannelores Freude antwortete Alex leise:

Einen Hund…

Das ist schön! Ich habe immer von einem kleinen Hund geträumt mit klugen Augen und flauschigem Schwanz.

Im Tierheim wanderten sie lange an den Zwingern entlang, bis Alex beim zweiten Rundgang plötzlich an einem Käfig innehielt. Dort saßen mehrere Tiere, und es dauerte, bis Hannelore erkannte, wer seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.

Alex, wer ist es? Zeig mal.

Alex zog sie sanft zu einem kleinen Hund, ganz hinten im Zwinger zusammengerollt. Das rötliche Fell war zottelig und verknotet, kaum zu erkennen, wo vorn und hinten war.

Dieser? Sicher? Die jugendliche freiwillige Helferin wirkte etwas skeptisch. Wollen Sie nicht einen der gesunden, fröhlichen Welpen? Das da ist ein erwachsener Hund, außerdem nicht gesund.

Was fehlt ihm? Hannelore betrachtete das Tier und wunderte sich.

Er hat seinen Halter vor einer Woche verloren, ein alter Herr, Herzinfarkt. Die Verwandten wollten ihn nicht übernehmen. Seitdem ist er bei uns. Isst kaum, trinkt wenig. Er trauert sehr.

Was für eine Rasse ist es?

Ein Zwergspitz. Die sind sehr hübsch, wenn sie gepflegt sind. Dieser hier ist leider stark angeschlagen.

Hannelore zögerte. Darf sie einen offensichtlich kranken, lebensmüden Hund mitnehmen? Würde das Alex nicht noch mehr treffen? Doch Alex stand unbeirrbar am Käfig.

Bist du sicher, dass wir gerade diesen Hund nehmen?

Ja! Alex Stimme klang fest und völlig ungewohnt laut. Der kleine Hund hob sofort den Kopf.

Dann ist es entschieden. Wir nehmen ihn!

Die Helferin schüttelte den Kopf, öffnete schließlich den Käfig und zog den Hund heraus. Sein Anblick war herzzerreißend. Die Augen tränten, das Fell verfilzt, die Beinchen hingen kraftlos. Man merkte: Das war kein Lebenslust versprühender Hund.

In der Tierklinik schlug die Tierärztin die Hände über dem Kopf zusammen:

In was für einem Zustand ist denn dieses Tier!

Wird jetzt behandelt, nicht bemitleidet! Hannelore zog entschlossen eine Augenbraue hoch. Alles Nötige, und zwar sofort. Das ist jetzt der Hund meines Enkels.

Ein paar Spritzen, Infusionen, Schere, Bad er sah wenigstens ein bisschen besser aus. Nur seine Augen zeigten das Traurige in seinem Innern. Daheim legte Hannelore erstmal eine alte Matte aus und fragte Alex:

Wo soll er wohnen?

Alex führte sie wortlos ins Kinderzimmer.

Hier schlafen? Neben dir?

Alex nickte.

Alles klar! Und eine Abmachung: Wir müssen miteinander reden, wenn wir dem Hund helfen wollen. Wenn wir uns schweigend missverstehen, schadet das dem Hund nur. Einverstanden?

Ja. Alex setzte sich gleich neben seinen neuen Gefährten.

Wir brauchen noch einen Namen. Was meinst du?

Ja.

Hast du Vorschläge? Ich habe keine Ahnung, wie man so eine Rasse nennt.

Ich auch nicht.

Lass uns im Internet suchen.

Ja.

Sie verbrachten den Abend damit, Namen zu suchen. Hannelore ärgerte sich, im Tierheim nicht nach dem ursprünglichen Namen gefragt zu haben. Die Papiere verrieten zwar einen offiziellen Namen, aber der war völlig unaussprechlich.

Charlie! rief Alex schließlich und strahlte.

Charlie? Ein toller Name. Wie Charlie Chaplin!

Als Alex sie mit großen Augen ansah, hob Hannelore verwundert die Augenbrauen:

Kennst du Charlie Chaplin nicht?

Alex schüttelte den Kopf.

Ach, mein Junge, was du noch alles lernen wirst!

Den Rest des Abends sahen sie alte Schwarzweiß-Komödien mit dem berühmten Komiker. Alex schmunzelte erst scheu doch bald kicherte er laut, als der komische Mann durch den Bildschirm tollte.

Charlie lag mit dem Schwanz auf der Matte und zuckte manchmal mit dem Ohr, wenn Alex so herzlich lachte. Futter- und Wassernäpfe blieben dennoch an diesem Abend unangetastet.

Fast eine Woche sah Hannelore zu, wie Alex stundenlang neben dem Hund hockte und ihm leise etwas zuflüsterte. Manchmal hielt er die Wasserschüssel direkt ans Mäulchen des kleinen Spitz. Schließlich trank Charlie, und zwei Tage später aß er das erste Mal ein wenig. Dreimal täglich trug Hannelore den Hund raus. Am Anfang wollte er gar nicht laufen, dann stand er endlich auf den Beinen und schaffte es bald, allein zur Haustür zu kommen.

Beim nächsten Termin in der Praxis erschien die kleine Familie vollzählig.

Oh! Ich sehe, du hast einen neuen Freund, Alex! Christina kraulte dem Spitz freundlich die Ohren. Wie heißt er?

Charlie!

Ein wunderbarer Name! Weißt du, wer Charlie Chaplin war?

Hannelore, durch die angelehnte Tür lauschend, wischte sich verstohlene Tränen aus dem Gesicht, als Alex lebendig von den Filmen erzählte, die sie gesehen hatten. Charlie saß treu zu seinen Füßen und lauschte jedem Ton.

Fantastisch! Christina schloss die Tür, schickte Hund und Kind raus und wandte sich Hannelore zu. Ich hätte nie mit so einem starken Effekt gerechnet!

Sie haben sich gesucht und gefunden. Beide haben etwas sehr Wertvolles verloren. Hannelore war nicht mehr so nervös wie früher. Nun sammelte sie Fragen und schrieb alles auf, was Christina riet.

Ich spüre auch bei Ihnen eine gewisse Erleichterung? Christina blickte sie aufmerksam an.

Ja, ich sehe jetzt, dass Alex Fortschritte macht, das gibt mir Hoffnung. Aber manchmal habe ich noch Angst, ob wir es schaffen. Der Schicksalsschlag war enorm.

Sie schaffen das, da habe ich keinen Zweifel. Und ich hoffe, wir treffen uns bald mal außerhalb der Praxis.

Ich wünsche es mir sehr.

Ein Jahr später.

Alex, bist du sicher? Willst du wirklich allein in den Ring? Ich frage nochmal beim Richter nach, ob du darfst…

Nach einem kurzen Gespräch mit den Wertungsrichtern kam Hannelore zurück.

Ausnahmsweise haben sie zugestimmt. Aber ich mache mir Sorgen.

Oma, du kannst ja nicht mit Charlie laufen! Wir haben es besprochen, ich schaffe das!

Natürlich schaffst du das, mein Lieber! Geht los, sobald eure Startnummer aufgerufen wird. Charlie! Benimm dich, du bist so hübsch, du bekommst sicher eine Medaille!

Die Ausstellungshalle war laut und voll. Vor einem Jahr hätte sich Hannelore nie vorstellen können, hier zu sein. Sie, Alex und Charlie hatten gemeinsam ein kleines Wunder vollbracht. Hannelore klatschte vor Freude, als Alex mit dem gepflegt herausgeputzten Hund durch den Ring lief.

Gehören die beiden zu Ihnen? Eine freundliche Frau mit Klemmbrett sprach Hannelore an.

Das sind meine! Mein Enkel und sein Charlie.

Ein großartiges Paar! Und so eingespielt die verstehen und fühlen sich richtig. Selbst die Erwachsenen kamen aus dem Tritt, aber die beiden liefen vollkommen souverän. Und Alex stellt den Hund ganz professionell vor.

Seinen Freund. Seinen Freund. Hannelore nickte und nahm den springenden Charlie auf den Arm.

Ihre beiden haben gute Chancen heute!

Davon gehen wir aus! Hannelore zog die linke Braue hoch und umarmte Alex. Jetzt fehlt nur noch unsere Medaille, nicht wahr, ihr zwei?

Heute habe ich gelernt, dass Zeit und Einfühlungsvermögen wirklich Wunder wirken können. Manchmal reicht es, offen füreinander zu sein und einem kleinen, gemeinsamen Abenteuer eine Chance zu geben und es wächst eine tiefe Verbundenheit daraus, die uns allen hilft, wieder Vertrauen und Hoffnung zu schöpfen.

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Homy
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