Ich möchte meine Eltern nicht zu meiner Hochzeit einladen.

Meine Verlobte, Anneliese, und ich lieben uns sehr. Wir sind beide zwanzig Jahre alt. Unsere Freundschaft begann bereits in der vierten Klasse, und seit der sechsten Klasse sind wir ein Paar. Unser Sohn kam schon in jungen Jahren zur Welt.

Natürlich entsprach das nicht den Vorstellungen unserer Eltern. Aber es ist passiert. Unser Sohn ist für uns ein wahrer Schatz! Heute wird er drei Jahre alt. Wir haben unsere eigene Wohnung, und ich habe beschlossen, Anneliese zu heiraten.

Zur Hochzeit haben wir etwa hundert Gäste eingeladen. Die meisten sind Verwandte aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Zwar haben wir nicht zu allen ein enges Verhältnis, doch zu solch einem Anlass sollte man Familie zusammenbringen.

Als wir unsere Hochzeit ankündigten, fing meine Mutter sofort an, uns davon zu überzeugen, unseren Sohn an diesem Tag lieber einer Babysitterin anzuvertrauen, anstatt ihn mitzunehmen.

Man müsse doch an sein Wohlbefinden denken, an seine Bedürfnisse, und niemanden belasten. Jeder wolle feiern und entspannen. Sich ständig um das Kind zu kümmern sei anstrengend. Wir würden kaum Zeit dafür finden. Er sei noch zu klein und verstehe ohnehin nicht, was geschieht.

Doch Anneliese und ich sind der festen Überzeugung, dass unser Sohn beim wichtigsten Ereignis unseres Lebens dabei sein muss. Dieser Moment kommt nie wieder. Meine Tante, die Schwester meiner Mutter, hat angeboten, während der Zeremonie auf ihn zu achten. Also gibt es keinen Grund zur Sorge. Die Familie kann beruhigt und gelassen feiern.

Nur meine Mutter ist seltsam aufgebracht, geht unruhig umher und klagt, unser Sohn dürfe nicht mit zur Hochzeit. Nach einiger Zeit wurde mir klar, weshalb sie ihren Enkel lieber fernhalten möchte.

Wie sich herausstellte, hatten meine Eltern beschlossen, niemandem von unserem Kind zu erzählen. Nun wissen sie nicht, wie sie das den versammelten Verwandten erklären sollen. Sie scheuen sich davor, die Wahrheit ans Licht kommen zu lassen.

Meine Mutter meint, es sei für sie unangenehm dass offenbar wird, dass wir schon vor der Ehe Eltern wurden. Das käme selten vor, die Leute würden darüber tuscheln oder gar spotten. Es gäbe keinen Grund, dieses Geheimnis zu enthüllen.

Wahrscheinlich sorgt sich meine Mutter mehr darum, von den Verwandten missverstanden zu werden. Immer wieder kontaktierten sie einige Verwandte, doch nie wurde etwas zugegeben.

Ich war sehr enttäuscht von ihr. Und sie war verärgert über mich.

Nun fühle ich mich unwohl, als hätten wir etwas Unrechtes getan, nur weil wir früh Eltern wurden. Ich habe mehrmals mit meinen Eltern darüber gesprochen. Meine Entscheidung bleibt dieselbe, und sie halten an ihrer Meinung fest.

Unsere engsten Angehörigen konnten uns nicht unterstützen. Immer wieder sagt meine Mutter, wenn ich nicht auf sie höre, sei ich nicht länger ihr Sohn. Nie hätte ich gedacht, dass mir so etwas einmal passieren würde.

Was ich daraus gelernt habe: Im Leben geht es nicht darum, perfekte Vorstellungen zu erfüllen, sondern ehrlich zu sich selbst und zu denen, die man liebt, zu stehen. Auch wenn es schwierig ist, sollte wahre Familienliebe stärker sein als Angst vor Gerede, denn nur Offenheit und Zusammenhalt führen zu echter Zufriedenheit.

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Homy
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