Im Alter von vier Jahren wurde Klara zur Waise, denn die Erinnerungen an ihre Mutter verflogen nach einem tragischen Unfall, verursacht durch das Auto eines Nachbarn. Ihr Vater widmete sein Leben ihrer Erziehung, stemmte aber ein entbehrungsreiches und erschöpfendes Dasein, das ihn merklich altern ließ. Trotz all seiner Mühen besuchte Klara ihren Vater kaum; nach ihrer Hochzeit konzentrierte sie sich fast ausschließlich auf ihr eigenes Leben und schaute nur selten bei ihm vorbei. Sie arbeitete viel und übergab deshalb ihrem Ehemann die Verantwortung, regelmäßig Geld für ihren Vater zu schicken. Doch ihr Mann sah keinen Sinn darin, für jemanden zu zahlen, dem er jeglichen Respekt absprach.
Ohne von den Schwierigkeiten seiner Tochter zu wissen, klammerte sich Klaras Vater an die Hoffnung, dass sie im Alter für ihn sorgen würde. Doch stattdessen riet ein Nachbar ihm, Klara auf Unterhalt zu verklagen. Als sie sich schließlich im Gerichtssaal begegneten, war die Luft erfüllt von Anspannung. Klara kämpfte mit den Tränen, als sie ihren Vater fragte: Papa, warst du wirklich so verzweifelt, mich zu sehen, dass du mich vor Gericht schleppen musstest?
Klara, ich konnte mir nicht einmal frisches Brot für zwei Tage leisten. Ich habe gehofft, dass du deine Versprechen einhältst Vielleicht habe ich bei deiner Erziehung versagt, antwortete ihr Vater, und seine Stimme klang brüchig vor Traurigkeit.
Du weißt doch, ich arbeite ununterbrochen. Mein Mann hat dir Geld überwiesen und Essen gekauft. Hör endlich auf mit deinen Vorwürfen, entgegnete Klara, während ihr Ehemann ihr entschieden beistand.
Der Streit spitzte sich zu, bis der Vater plötzlich etwas offenbarte, das alles veränderte. Er wandte sich mit tränennassen Wangen seiner Tochter zu und sagte: Ich muss dir etwas Wichtiges erzählen.
Klara blieb stehen, hörte ergriffen zu. Ihr Vater begann zu erzählen von einer längst vergangenen Zeit, als ihre Mutter noch lebte. An einem kalten Morgen fand ihre Mutter im Innenhof eine Kiste darin lag ein kleines Mädchen. Sie hatte das Kind nahe den Mülltonnen entdeckt und beschloss, es wie ihr eigenes großzuziehen: dieses Mädchen war Klara. Als sich die Wahrheit offenbarte, stürzte Klara tränenüberströmt in die Arme ihres Vaters und bat verzweifelt um Verzeihung. Im selben Moment ließ ihr Vater die Klage fallen.
Später beim bitteren Gespräch zuhause erkannte Klara, dass ihr Ehemann ihren Vater niemals besucht und das gemeinsame Geld achtlos verschwendet hatte. Mit schmerzlichen Reue im Herzen und dem Gefühl jahrelanger Verschwendung verließ Klara ihren Mann und zog zu ihrem Vater in eine kleine Wohnung am Rande von München. Dort fanden die beiden endlich Trost und inniges Glück in ihrer wiedergefundenen Gemeinsamkeit.





