Die neue Schwiegertochter hat erklärt, dass ihr ungeborenes Baby ein eigenes Zimmer braucht – deshalb müssen meine Mutter und ich unser Zimmer räumen.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mein Bruder vor langer Zeit geheiratet hat. Um ehrlich zu sein, war ich von Anfang an skeptisch, ob das wirklich die richtige Entscheidung für ihn war. Zu Beginn habe ich versucht, ein normales Verhältnis zu meiner Schwägerin aufzubauen. Eine Zeit lang lebten mein Bruder und seine Frau gemeinsam mit unserer Mutter und mir in unserer Wohnung in München. Damals zog ich in ein kleineres Zimmer um, während unsere Mutter es sich im Wohnzimmer gemütlich machte. Das Schlafzimmer überließen wir meinem Bruder und seiner Frau.

Doch Klara, so hieß meine Schwägerin, ließ uns rasch durch ihr Verhalten spüren, dass sie sich als etwas Besseres betrachtete. Immerhin war sie die Tochter eines angesehenen Professors. Klara sah es weder als ihre Aufgabe an, das Haus sauber zu halten noch zu kochen sie erklärte schlicht, sie sei nicht das Dienstmädchen im Haus. Nachdem sie schwanger wurde, betonte sie, sie brauche nun vor allem Ruhe. Unsere Mutter war nie ein Mensch, der Streit suchte, also ertrug sie dieses Verhalten schweigend. Selbst Freunde zu mir einzuladen wurde zur Seltenheit Klara beanspruchte die Wohnung ganz für sich.

Klara verlangte stets nach besonderen Gerichten und erholsamer Stille. Unsere Mutter begann gar, separat für sie zu kochen. Mehrmals sprach ich mit meiner Mutter und bat sie, sich nicht so um die Zufriedenheit der Schwiegertochter zu bemühen, denn Klara wurde von Tag zu Tag dreister. Gegen Ende der Schwangerschaft verkündete sie dann, das Kind brauche ein eigenes Kinderzimmer also sollte ich am besten ins Wohnzimmer zu unserer Mutter umziehen.

Das war der Punkt, an dem ich es nicht mehr aushielt. Klara brach daraufhin in Tränen aus und schrie, als ob wir schuld daran wären, wenn sie zu früh gebären würde. Mein Bruder stellte sich auf ihre Seite und beschimpfte mich als unreif. Schließlich forderte unsere Mutter meinen Bruder auf, endlich eine Lösung für das Wohnproblem zu finden. Sie zogen daraufhin aus.

Wie und wann ihr Sohn zur Welt kam, erfuhr ich damal erst später ebenso wenig wusste ich, wann die Taufe war. Klara meinte nur, sie wünsche sich keine Geschenke, lieber sollten wir dem Kind einfach Geld geben, und sie nannte auch gleich die Summe in Euro.

Unsere Mutter erklärte, dass sie so viel Geld nicht übrig habe. Daraufhin wurde uns auch der Kontakt zum Enkelkind verweigert. Anfänglich war unsere Mutter traurig, doch irgendwann begannen sie, ihren Sohn selbst zu uns zu bringen. Klara ließ den Jungen manchmal bei uns, wenn sie sich mit Freundinnen im Café traf oder einen Friseurtermin hatte. Doch stets hatte sie etwas auszusetzen: Die Kleidung sei falsch gewählt, das Essen ungeeignet.

Als der Kleine ein Jahr alt wurde, kamen mein Bruder und meine Schwägerin erneut zu Besuch. Sie sagten, sie müssten endlich ihre Wohnsituation klären. Da sie kein Darlehen für eine Eigentumswohnung bekamen, wollte Klara nun arbeiten gehen und das Kind sollte in der Zwischenzeit bei mir bleiben.

Du studierst doch an der Pädagogischen Hochschule, da kannst du gleich praktische Erfahrungen sammeln. Vom Einkommen deines Bruders allein können wir nicht leben. Bezahlen können wir dich aber leider nicht. Und die Uni? Du könntest ins Teilzeitstudium wechseln. Wir müssen uns doch gegenseitig helfen!, so lauteten ihre Worte.

Selbstverständlich lehnte ich ab.

Ich konnte meinem Bruder nicht klarmachen, dass ihre Wohnprobleme nicht meine Verantwortung waren und ich nicht mein eigenes Studium opfern würde. Dennoch musste ich mir von Klara Vorwürfe anhören, weil ich nicht auf ihr Kind aufpassen wollte.

Klara nannte uns egoistisch und schwor, nie wieder unser Haus zu betreten. Für gut ein halbes Jahr sahen wir sie tatsächlich nicht mehr. Dann stand mein Bruder eines Tages vor der Tür. Es stellte sich heraus, dass Klara einen anderen Mann auf der Arbeit kennengelernt hatte. Sie reichte die Scheidung ein und forderte Unterhalt.

Nun erpresste sie meinen Bruder zahlt er den Kindesunterhalt, darf er seinen Sohn sehen, tut er es nicht, sieht er ihn gar nicht erst. Was sie jedoch nicht ahnte: Der neue Mann, den sie kennengelernt hatte, war bereits verheiratet und hatte nicht vor, sie zu heiraten. So wohnte Klaras weiterhin in einer Mietwohnung in Nürnberg, die mein Bruder bis heute weiter bezahlt.

Mein Bruder kam schließlich zu uns und entschuldigte sich für alles, was geschehen war. Er meinte nur, dass er beim nächsten Mal mit mehr Bedacht wählen werde.

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Homy
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