Mein Mann ist plötzlich verschwunden. So habe ich erfahren, dass all unser gemeinsames Vermögen auf eine junge Dame übertragen worden war.

Man erzählt sich, dass wenn eine Frau sich einen sehr klugen Mann zum Ehemann wählt, dieser sie niemals betrügen und seiner Frau stets treu und fürsorglich sein wird. Genau das sagten mir immer meine Mutter und meine Großmutter. Deshalb habe ich, nun zurückblickend, auch in späteren Jahren nie in Erwägung gezogen, einen Mann mit zweifelhaften Absichten zu heiraten wozu auch hätte ich so eine Beziehung überhaupt beginnen sollen? Und dann passierte es doch: Über gemeinsame Freunde lernte ich Philipp kennen. Philipp hatte an der Technischen Universität München seinen Abschluss gemacht, war ein sehr kluger und zielstrebiger junger Mann.

Auch ich hatte studiert, allerdings Germanistik. Dennoch fanden wir unzählige Themen, über die wir reden konnten. Anfangs schrieben wir uns, trafen uns öfter und verbrachten viel Zeit miteinander. Ich war von diesem Mann fasziniert und spürte wahre Freude an seiner Seite. Ein gutes Jahr später, als er mir den Heiratsantrag machte, nahm ich voller Überzeugung an. Wir lebten gemeinsam in der kleinen Einzimmerwohnung, die mir meine Großmutter in München vermacht hatte. Es war nicht viel, doch solange wir zu zweit waren, erschien es ausreichend. Dann wurde ich schwanger, bald schon hatten wir einen Sohn, und noch ein Jahr später kam eine Tochter dazu.

Plötzlich wurde der Platz knapp und das Geld noch knapper. In dieser Zeit entschloss sich Philipp, in die Selbstständigkeit zu gehen. Ich blieb zu Hause bei den Kindern und stand ihm, so gut ich konnte, stets zur Seite. Es gab wiederholt Momente, in denen wir wortwörtlich keinen Cent mehr hatten, alles war aufgebraucht. Trotzdem hielten wir durch, überzeugt davon, dass wir eines Tages all das würden haben können, wovon wir träumten. Nach einigen Jahren voller Mühen blühte unser gemeinsames Geschäft auf. Wir konnten uns ein angenehmes Leben leisten, unsere Kinder besuchten die besten Schulen Münchens und später angesehene Universitäten. Mir war es möglich, eigenen Interessen nachzugehen, verschiedene Hobbys auszuprobieren.

Auch mein Mann pflegte seine Leidenschaften oft fuhr er mit Freunden zum Wandern in die Alpen. Das störte mich nie; er sorgte für die Familie und verdiente da auch sein Recht auf persönliche Freiräume. Unsere Beziehung war durch Liebe und gegenseitigen Respekt geprägt. Kurz gesagt: Es schien alles gut zu laufen. Nie im Leben hätte ich geahnt, dass sich alles plötzlich so wandeln würde.

An einem Wochenende wurde mein Mann ganz plötzlich krank, der Notarzt brachte ihn mit dem Krankenwagen weg und nur wenige Stunden später war er für immer fort. Ganz so, als hätte es ihn nie gegeben. Für mich und die Kinder bedeutete dies nicht nur einen unermesslichen Schmerz über den Verlust, sondern auch eine Nachricht, auf die ich nie vorbereitet war. Es kam heraus, dass mein Mann fünf Jahre lang eine Affäre mit einer Frau gehabt hatte, die seine eigene Tochter hätte sein können. Zu ihr hatte er während der Ferien immer gereist. Ihr hinterließ er sein gesamtes Vermögen das Unternehmen, das Haus am Starnberger See, das Ferienhaus im Allgäu, das Auto. Alles, einfach alles. Die Kinder und ich blieben mit leeren Händen zurück. Meine Fassungslosigkeit war grenzenlos. Wie konnte er das tun? Wie konnte er wissentlich seine Familie so im Stich lassen, wohlwissend, dass wir vielleicht schon am nächsten Tag kein Dach mehr über dem Kopf hätten? Wie das Leben weitergehen soll ich weiß es bis heute nicht.

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Homy
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