Die Ansprüche der Mutter

Ansprüche einer Mutter

Völlig aufgewühlt lief Birgit Steinbach im Wohnzimmer umher und schaute schließlich zum Fenster hinaus.

Mama, Mama, ich hab Hunger! Ihr fünfjähriger Sohn Jonas rannte zu ihr. Birgit schob ihn genervt zur Seite: Ach lass mich in Ruh, du bringst mich noch um den Verstand! Geh zu Oma vielleicht hat sie noch ein Brötchen für dich!

Jonas schniefte und verschwand Richtung Küche, laut jammernd: Oooooma!

Birgits Mutter, eine füllige Frau mit buntem Kopftuch und geblümter Schürze, hantierte gemütlich am Herd, klapperte mit Blechen und Kochlöffeln.

Warte noch ein bisschen, Jonas. Die Brötchen sind gleich fertig. Nur fünf Minuten noch. Warum heulst du denn so?

Mama hat mich einfach weggeschubst!

Ach, hat sie? Die Mutter schnaubte. Dann ist sie wohl schwer beschäftigt. Schau an, steht am Fenster und spielt die feine Dame. Statt sie sich mal um dich kümmert und vielleicht ein Buch mit dir liest!

Birgit, die immer noch am Fenster stand, seufzte schwer: Ach Mama, bitte hör auf zu meckern. Hier passiert grad was, mein ganzes Leben gerät aus den Fugen!

Ihre Mutter, Ingeborg, zog dicke Ofenhandschuhe an und fragte weiter: Was denn?

Die Nachbarn aus München kommen. Man sagt, sie haben ein Kind adoptiert und holen es heute ab.

Birgits Mutter erstarrte kurz, dann rumpelte sie abwehrend mit dem Ofen herum.

Und? Was geht uns das an? Nun weißt du also, dass du für Matthias nicht wichtig bist. Er liebt eben seine Frau, auch wenn sie keine Kinder bekommen kann. Lass los! Und übrigens: Mach Katja keinen Vorwurf. Sie kann nichts dafür, dass Matthias dich verlassen hat. Sie ist ein nettes, herzliches Mädel.

Die Worte ihrer Mutter trafen Birgit tief. Sie wurde ganz still, schnappte sich ihr Schultertuch, zog es sich über die Schultern und verschwand aus dem Haus ins Freie. Sie setzte sich draußen auf eine Bank, holte Sonnenblumenkerne aus der Jackentasche und begann, sie zu knabbern, während sie mit misstrauischem Blick zum Nachbarhaus schaute.

Das alte Haus war einst von Opa Gabriel gebaut worden und gehörte nun seinem Enkel Matthias.

Früher war Birgit Matthias nie besonders aufgefallen, aber als sie Nachbarn wurden, hatte sie plötzlich ein Auge auf ihn geworfen.

Birgit! Ihre Mutter rief aus dem Fenster. Was hockst du da rum? Hast du nichts zu tun, du Faulenzerin? Mach mal was im Garten! Nach dem Regen wuchert das Unkraut!

Birgit reagierte nicht. Ihr war nicht nach Arbeit zumute und sie drehte der Mutter den Rücken zu.

Als dann ein Auto um die Ecke bog und direkt beim Nachbarhaus hielt, blitzte Zorn in Birgits Augen auf.

Sie sind da.

Matthias sprang aus dem Wagen, winkte freundlich. Hi, Birgit! Gratulier mir ich bin Papa geworden!

Birgit zeigte ihm ein gezwungenes Lächeln und verschränkte die Arme.

Matthias hatte schon vergessen, dass sie überhaupt existierte. Er rannte ums Auto, öffnete seiner Frau die Tür. Katja stieg langsam aus, ein rosafarbenes Bündel auf dem Arm.

Die beiden sahen so glücklich aus. Sie standen nebeneinander, blickten voller Stolz und Neugier auf das Baby.

Aha, murmelte Birgit unzufrieden.

Als das Paar das Haus betrat, rief sie laut: Maaama?

Ihre Mutter beugte sich aus dem Fenster: Was denn?

Siehst du, wie leicht das bei denen ist? Einfach in die Stadt fahren und sich ein Kind aussuchen wie einen Welpen! Und ich laufe monatelang schwanger rum, habe Schmerzen bei der Geburt!

Die Mutter schnaubte verärgert zurück: Halt die Klappe und such dir was zum Tun! Keiner ist schuld, dass du ohne Mann dastehst! Sei doch nicht neidisch Katja hat ihr eigenes Päckchen zu tragen. Ihr einziger Schatz ist eben Matthias.

Mit einem Knall schloss sie das Fenster. Birgit schickte einen hasserfüllten Blick zum Nachbarhaus.

Guck sie dir an! Bringen ein fremdes Kind nach Hause und feiern sich. Die hat es ja leicht, noch nicht mal gebären konnte sie! Ist das gerecht?

***

Im Haus der Gabriels hingegen war die Stimmung ausgelassen. Katja legte das Adoptivkind in sein neues Bettchen. Das Bett hatte Matthias extra und ohne mit der Wimper zu zucken bezahlt schick und modern.

Du bist unser kleines Wunder, flüsterte Katja liebevoll. Matthias, komm, schau mal, sie gähnt. Ist sie nicht zauberhaft?

Vorsichtig trat Matthias hinzu, legte sanft die Arme um Katjas Schultern und betrachtete die Kleine.

Sie ist wunderschön. Jetzt sind wir Eltern, Katja.

Darf ich ihr einen neuen Namen geben? Ich möchte sie Helena nennen, fragte Katja aufgeregt.

Was hast du denn gegen Jana?

Katja schüttelte den Kopf: Mit diesem Namen soll sie nicht aufwachsen! Wer nennt denn so ein Kind? Ich will ihr einen Namen geben, in dem ich sie erkenne.

Schon wieder alle Papiere ändern? Hättest du das nicht gleich sagen können?

Ich hatte Angst, Matthias. Angst, dass die Adoption nicht klappt oder das Kind krank wird und wir alles verlieren. Ich hatte wirklich Angst.

Schon gut, wir machens so, wie du willst.

Matthias liebte seine Frau. Beinahe hätte er sie verloren, nachdem Katja vom Arzt die Diagnose bekam, dass sie keine Kinder bekommen kann. Doch gerade dieses kleine Mädchen hatte sie aus ihrer Depression gerettet.

***

Wenn Katja nun überglücklich, mit modernem Kinderwagen hinterm Tor stand, konnte Birgit Steinbach nicht widerstehen und lief schnell zum Spiegel, um sich herzurichten.

Hallo Katja! Wie gehts euch, wächst die Kleine gut?

Ach, so ein süßes Mädchen habt ihr da! Blaue Äuglein, helle Locken sieht euch gar nicht ähnlich!

Katja lachte offen: Sie muss uns ja auch gar nicht ähnlich sehen.

Doch Birgit plapperte weiter: Mutterglück steht dir richtig gut, du bist regelrecht aufgeblüht noch vor einem Jahr bist du fast verzweifelt, weil du nicht schwanger werden konntest.

Katjas Gesicht verfinsterte sich. Lass uns allein, Birgit. Helena muss jetzt schlafen.

Helena? Was für ein Name! Da wird sie in der Schule sicher geärgert.

Katja wurde nervös: Birgit, findest du nicht, dass du dich um deinen eigenen Sohn kümmern solltest? Ich komme klar. Schönen Tag noch!

Deinen Sohn? keifte Birgit hinter ihr her.

Katja ging eilig weiter. Aber Birgit schmiedete einen Plan: Sie würde Helenas leibliche Mutter suchen, um Katjas Glück zu zerstören.

***

Das dauerte mehrere Jahre.

Sie ließ Jonas bei ihrer Mutter, zog nach München, arbeitete erst als Putzfrau im Krankenhaus, dann als Betreuerin im Heim. Sie spitzte überall die Ohren, hörte sich um, wurde Teil der alten Belegschaft.

Es ist tatsächlich gelungen: Sie fand Helenas leibliche Mutter eine junge Studentin vom Dorf, Angelika Guse.

Birgit versorgte Angelika mit ein bisschen Geld und Lebensmitteln, wurde nach und nach ihre beste Freundin.

***

Katja atmete nach Birgits Wegzug auf. Es wurde getuschelt, Birgit habe sich in München eingerichtet, wohne bei entfernten Verwandten und arbeite für ein paar Euro.

Kann mir nur recht sein, sagte Katja zu Matthias. Deine Birgit konnte mich nie leiden, weil ich dich geheiratet habe.

Matthias war verblüfft: Quatsch, hör nicht auf das Gerede. Ich hatte nie Interesse an ihr. Das kam erst, als sie mit Jonas allein dastand. Sie glaubte, ich müsse sie heiraten, weil sie einen Sohn bekam, damit ich nicht allein bleibe. Seltsame Logik.

Katja runzelte die Stirn: Warum hast du sie dann nicht genommen? Sie ist hübsch und konnte dir Kinder schenken.

Kinder sind nicht alles. Für mich zählst du. Vor dir war mir keine Frau je wichtig. Als ich dich gesehen habe, wusste ich, du bist es.

Katja lächelte traurig, ließ den Kopf hängen: Aber ich war Heimkind, habe niemanden und kann keine Kinder bekommen. Warum tust du dir das an?

Matthias schloss sie fest in die Arme: Du bist alles, was zählt. Familie habe ich genug für uns beide.

***

Birgits Mutter, Ingeborg Steinbach, fuhr oft mit einer großen Tasche voller Butter, Eier und Gemüse nach München zur Tochter.

Während sie weg war, blieb Jonas bei Katja, die ihn gerne betreute Jonas war Helenas bester Freund.

Manchmal bat Birgit Matthias um eine Mitfahrgelegenheit, er half immer.

Ingeborg hoffte zunächst noch, Birgit würde in München einen Mann finden und Jonas holen.

Doch die Zeit verging, Jonas kam in die Schule, Birgit verlangte immer noch Lebensmittel.

Irgendwann überredete Ingeborg die Tochter heimzukehren und sich eine sinnvollere Arbeit zu suchen.

Also kam Birgit nach einigen Jahren ins Heimatdorf zurück.

Sie stieg mit schicker Handtasche aus dem Bus, gekleidet wie eine Großstädterin. Ihre Mutter schleppte den grellrosanen Rollkoffer hinter sich her.

Wie gewohnt, begann sie zu nörgeln: Schaut sie euch an! Selbst kaum was zu essen im Haus, aber alles Geld für schicke Klamotten!

Birgit schaute sich nervös um und zischte: Nicht so laut, Mama! Ich hab Diät gehalten das verstehst du eh nicht.

Diät! Was bringt dir das, wenn kein Brot im Haus ist und die Wohnung dir nicht einmal gehört? Die Hälfte deines Gehalts ging doch immer für die Miete drauf. Bleib besser hier, Kind!

Birgit senkte den Kopf und zog schweigend heim.

Ingeborg seufzte ihr hinterher: Warum hast du überhaupt Stiefel mit so hohen Absätzen gekauft? Für dein Alter sind die doch nix mehr! Und in ein paar Jahren ist das Mantel aus der Mode!

Birgit kniff die Lippen zusammen und schlurfte auf den Stiefeln, die im feuchten Erdreich einsanken.

Am Gartentor stand Katja mit den Kindern. Jonas stürmte seiner Mutter entgegen.

Hallo Birgit, du siehst aber schick aus, begrüßte Katja sie kühl und verabschiedete sich höflich.

Birgit schaute ihr lange nach.

Sie sieht ihrer Mutter so ähnlich

Wovon sprichst du, Birgit?, fragte Ingeborg.

Na, von Helenas richtiger Mutter. Ich hab sie gesehen, Angelika heißt sie doch? Sie und Helena sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten! Die arme Katja. Wer weiß, wann die leibliche Mutter ihre Tochter zurückholen will

Ingeborg wurde böse: Red keinen Unsinn! Geh heim und kümmer dich lieber mal wieder um Jonas!

Wie, er ist nicht ohne Mutter!, empörte Birgit sich. Ich bin doch seine Mutter!

Das wirst du jetzt auch hoffentlich sein. Bleib schön hier!

Teil 2

Helena wollte ihren dreizehnten Geburtstag unbedingt in einem Café in München feiern und teilte Katja ihren Wunsch sofort mit.

Kommt nicht in Frage, lehnte Katja ab. Wir haben kein Geld. Papa ist krank, er braucht Pflege. Wir machen es uns zu Hause schön und laden deine Freundinnen ein.

Da kommt aber keiner!, schimpfte Helena. Alle meine Freundinnen wohnen in der Stadt!

Wer denn?, wunderte sich Katja.

Leonie und Anni!

Die kommen doch immer nur im Sommer ins Dorf, oder?

Ja! Wir schreiben uns übers Handy ich hab dir doch gesagt, ich will in der Stadt feiern! Wir haben ja schließlich eine Wohnung in München! Warum nutzen wir sie nicht mal?

Helena, die Wohnung ist vermietet. Wir brauchen das Geld für Papas Behandlung. Ein Café ist zu teuer das ist nicht drin. Und Papa kann wegen seinem Rücken sowieso nicht so lange in der Stadt bleiben.

Helena schmollte: Wir könnten doch einfach alleine mit dem Bus hin.

Katja war entsetzt: Ich hab doch gesagt, das geht nicht! Ich hab den ganzen Tag das Buffet vorbereitet und dir reicht das nicht. Du bist undankbar! Später gibts Café und Handy, wenn du älter bist!

Helena sah ihre Mutter an, die Wut in den Augen: Sags doch einfach: Du gibst kein Geld für mich aus, weil ich nicht eure richtige Tochter bin!

Und ohne ein weiteres Wort stürmte sie hinaus.

Was redest du da!, rief Katja ihr entsetzt nach und folgte ihr in den Garten.

Doch Helena trat trotzig auf der Veranda auf und ab: Ich weiß alles. Du bist gar nicht meine echte Mutter! Meine richtige Mutter lebt in München und vermisst mich!

Wie kommst du denn darauf? Wer hat dir das erzählt?, rief Katja verzweifelt.

Dabei wusste sie nicht, dass Birgit längst Kontakt zwischen Helena und Angelika vermittelt hatte und Helena mit ihrer richtigen Mutter telefonierte.

Angelika war über die Jahre eine wunderschöne Frau geworden, hatte einen reichen Unternehmer geheiratet und dachte immer häufiger darüber nach, ihre Tochter zurückzuholen.

Helena, bitte, komm ins Haus. Wir reden in Ruhe, flehte Katja.

Nein. Ich rufe meine echte Mama an. Sie kommt mich abholen und dann gehen wir in ihr Café sie hat nämlich ein eigenes! Helena blieb stur.

Katja bekam feuchte Hände, ihr war, als ob ihr der Boden unter den Füßen wegzog.

Helena nahm ihre Tasche, verschwand zu den Steinbachs.

Katja blieb wie vom Blitz getroffen auf der Veranda sitzen, Tränen stiegen ihr in die Augen.

***

Wenig später parkte ein knallrotes Auto vor dem Haus der Steinbachs und eine strahlend schöne, blonde Frau stieg aus.

Katja, die sehnsüchtig aus dem Fenster sah, erkannte sofort, worum es ging, und rannte vor die Tür.

Helena!, rief sie verzweifelt.

Als Helena mit ihrer biologischen Mutter aus dem Nachbarhaus trat, stellte Katja die Frau zur Rede.

Was machen Sie da? Sie entführen mein Kind! Ich rufe die Polizei!

Angelika betrachtete sie kühl: Ich habe meine Tochter geboren, nicht Sie! Sie haben sie mir weggenommen. Jetzt weiß ich endlich, wo sie ist zum Glück gibt es noch Leute, die mir geholfen haben!

Birgit lugte neugierig durchs offene Fenster.

Helena drehte sich zu Katja um: Lass uns in Ruhe, Mama. Ich wollte immer mal in ihr Café, aber dir war ja immer Papa wichtiger. Ich fahr mit meiner richtigen Mama in die Stadt und komme wieder ist ja nicht so, als wär ich in schlechten Händen.

Das traf Katja tief.

Du nennst sie Mama? Und wer bin ich dann noch für dich?

Helena zog die Nase hoch, stieg wortlos ins Auto.

Katja konnte ihre Tränen nicht zurückhalten.

***

Katja stellte sich noch tausend Mal die Frage: Wo hatte sie bei Helena nur einen Fehler gemacht?

Nach einigen Stunden fing sie sich wieder der Abendbus brachte ihren Mann heim.

Er war inzwischen schwer krank, konnte kaum noch arbeiten und hatte sogar ihr Auto verkauft.

Matthias, wir müssen reden. Helenas leibliche Mutter war hier, sie hat sie einfach mitgenommen in die Stadt.

Er sah sie entsetzt an und packte sie bei den Schultern: Was soll das heißen du hast sie einfach gehen lassen?

Katja blickte verzweifelt zu Boden: Sie wollte gehen, hat mich nicht mehr Mama genannt

Matthias schüttelte den Kopf: Das kannst du doch nicht zulassen. Sie ist unsere Tochter!

***

Die nächsten Jahre zeigte sich, wie sehr Helena zwischen den Welten hin- und hergerissen war.

Sie verweigerte das Essen, zickte bei Tisch: Ich esse das nicht, am Wochenende fahr ich mit Mama in die Stadt. Endlich ordentliche Klamotten, ein richtiges Essen!

Katja blieb ruhig: Wir könnten alle zusammen fahren.

Demonstrativ schmiss Helena den Teller in den Müll: Mit dir? Du hast nicht mal ein Auto! Aber meine Mama hat eins.

Katja hob den Blick: Fahr ruhig, aber vergiss nicht: Auch nach deutschem Recht bist du meine Tochter. Nach dem Ausflug bekommst du hier wieder ein Zuhause.

Das machte Helena noch wütender.

Du warst nie eine gute Mutter. Einen schicken Markenhandy hast du mir nie gekauft! Angelika und ich sind uns einfach ähnlicher.

Katja hielt sich die Ohren zu. Es schmerzte so sehr, ihr zuzuhören.

Da humpelte Matthias herein: Wie sprichst du mit deiner Mutter, du freche Göre?

Helena keifte zurück: Sie ist nicht meine Mutter! und knallte die Tür.

Katja atmete tief durch, Tränen stiegen ihr ins Gesicht. Matthias, sie ist einfach in der Pubertät.

Er schüttelte den Kopf: Ihr müsst ihr klare Grenzen setzen. Sonst tanzt sie euch weiter auf der Nase herum. Bestimmt steckt Birgit Steinbach dahinter!

Katja nahm Matthias in den Arm: Ist doch egal, was die Nachbarn sagen. Wir haben uns beide. Selbst wenn Helena geht, ich habe dich.

***

Birgit Steinbach beobachtete das Treiben aus dem Fenster.

Sie lief zur Straße, als das Auto vor dem Gabriel-Haus hielt.

Na, Angelika? Du räumst Helenas Sachen ins Auto? Was gibts Neues?

Angelika strahlte: Ich darf sie mitnehmen und das habe ich auch dir zu verdanken, Liebes! Komm uns besuchen, ich spendiere dir ein Collier.

Birgit bemerkte Katjas traurigen Blick. Helena lief lachend mit ihren Sachen hin und her.

Mama, ich bin bereit, verkündete sie.

Sie drehte sich noch einmal zu Katja: Mama verzeih.

Doch Katja wich zurück: Geh ruhig. Als ich dich aus dem Heim geholt habe, so klein und hilflos, hätte ich nie gedacht, dass du uns eines Tages so verlassen würdest. Du verzeihst der, die dich weggab, nur wegen ein paar Geschenken

Katja rannte ins Haus, Helena wurde still.

Los komm, Tochter, drängelte Angelika.

Ingeborg Steinbach kam noch hinzu: Was machst du da, Helena? Glaubst du, du kannst über Mama und Papa einfach hinweggehen?

Und zu Birgit: Und du solltest dich was schämen! Die Schlange nach Hause zu holen, die Katja alles zerstört hat!

***

Während sie das Unglück der anderen beobachtete, merkte Birgit, dass ihr der Sieg keine Freude mehr brachte.

Ihr Sohn Jonas war lange aus dem Haus, studierte inzwischen. Ihre Mutter war verstorben, die Beerdigung halfen die Nachbarn organisieren.

Katja sprach nur noch das Nötigste mit ihr. Am Grab von Ingeborg hörte ihr Kontakt zu den Gabriels endgültig auf.

***

Später holten Matthias und Katja aus dem Heim den kleinen, fünfjährigen Julius zu sich.

Birgit konnte es kaum fassen: Schon wieder? Manche lernen es nie!

***

Angelika erwies sich nicht gerade als Mutter des Jahres. Sie war nur eine Affäre eines verheirateten Unternehmers, dem ein Kaffeehaus in München gehörte.

Als sie schwanger war, hatte er ihr das Kind verboten sie gab Helena deshalb im Krankenhaus ab.

Nun durfte Helena bei ihr leben aber als Helena sich mit Angelikas Freund anlegte, wurde sie kurzerhand zur Last.

Wegen dir hat alles nicht geklappt. Am besten gehst du zurück zu deinen Pflegeeltern!

Helena zischte: Ich geh schon das wollte ich sowieso! Die haben jetzt aber schon ein neues Kind

***

Leises Klopfen und Autoscheinwerfer vor dem Familienhaus rissen Katja eines Nachts aus dem Schlaf.

Sie schaute auf ihren Mann und den kleinen Julius, ging dann zur Tür.

Wer ist da?

Mama, ich bins.

Katja erkannte Helenas Stimme sofort und öffnete. Die Tochter stand da erschöpft, verheult, verloren. Das Auto fuhr davon.

Mama, es tut mir alles so leid, schluchzte Helena.

Katja schloss sie fest in die Arme: Ich wusste, dass du zurückkommst, mein Mädchen.

Helena brach noch mehr in Tränen aus: Ich war so dumm! Ich vermisse euch und hab alles falsch gemacht. Ich dachte, ihr hasst mich

Du darfst immer nach Hause zurück, egal was ist, flüsterte Katja.

Und das war der schönste Moment seit Langem.

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Homy
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