Mein Vater hat seine Socken immer selbst gewaschen. Für ihn waren sie ein sehr persönlicher Gegenstand, beinahe wie ein geheimer Schatz, und er hätte es als Blamage empfunden, wenn meine Mutter sie berührt hätte, gar sie gewaschen hätte. Gewissenhaft achtete er darauf, dass die Socken und auch die Unterwäsche stets sauber und ordentlich waren als könnte man damit etwas Bestechendes erreichen.
Doch alles war anders in meinem eigenen Zuhause. Mein Ehemann, Detlef, sah keinen Sinn darin, seine Socken selbst zu waschen. Er meinte, es wäre kinderleicht, die Socken einfach in die Waschmaschine zu werfen und sie dann wie kleine Wappen auf den Wäscheständer zu hängen, und das könnte doch wirklich jeder tun.
So lebten wir, als würde das Haus manchmal größere Kreise drehen und alles vertauschen. Eines Tages, inmitten von grauen Nebelschwaden, verpasste ich den Augenblick, als Detlef ohne ein einziges Paar saubere Socken dastand. Mein Fehler, sagte er und irgendwie wurde ich dafür verantwortlich.
Man flickt Socken heutzutage kaum noch, dachte ich, während im Traum die Socken mit riesigen Löchern wie kleine Tore in andere Welten im Wäschekorb lagen. Anstatt sie zu reparieren, warf ich sie direkt in den Mülleimer, der wie ein hungriger Maulwurf alles verschluckte. Es schien, als hätte Detlef kaum noch intakte Socken, nur Floskeln aus Wolle und Erinnerungen an bessere Zeiten.
Wenn die Socken im Wäschekorb landen würden, dann würde ich sie waschen. Ich kann doch nicht wie ein Wanderer durch alle Zimmer irren und in dunklen Ecken nach ihnen suchen, erwiderte ich seinem Vorwurf, während das Haus ein wenig schwankte, als hätte es das Gleichgewicht verloren.
Detlef antwortete: Es ist deine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass meine Kleidung frisch und gebügelt ist. Seine Worte klangen wie der Ruf eines Kuckucks, der nie aufhört, nach dem nächsten Takt zu jagen.
So zeigte sich, dass die Socken in diesem seltsamen Traum plötzlich meine Angelegenheit wurden. Niemand hatte mich je geweckt und mir diese seltsame Verteilung der Verantwortung erklärt und doch war sie nun, wie ein seltsam vertrauter Schatten im deutschen Morgenlicht, einfach da.





