Eine Liebe für die Ewigkeit

Eine Liebe für immer

“Hallo. Was machst du? Hast du Lust, dich zu treffen? Wo? In unserem Café Perfekt, ich bin schon hier und warte auf dich.” Anton steckte das Telefon in die Tasche, immer noch lächelnd.

Mit Natalie waren sie zusammen in die Schule gegangen. Sie war eine hübsche, schlanke Frau, der Gegenstand seiner Träume. Er selbst war nichts Besonderes außer seiner unerwiderten Liebe zu ihr. Er wusste, dass er kein Adonis war, eher klein, aber liebt man nur wegen Schönheit? Hätte sie ihm eine Chance gegeben, hätte sie seine anderen Qualitäten gesehen.

Wie ein Page folgte er ihr überall hin. Natalie nahm seine Aufmerksamkeit wohlwollend an, erwiderte sie aber nicht. Er sah sie mit dem einen, dann mit einem anderen Kerl, litt unter Eifersucht, Wut und Verletzung, traf sich aus Trotz mit anderen Mädchen doch träumte nur von ihr und konnte einfach nicht aufhören, sie zu lieben.

“Hallo!” Natalie setzte sich ihm gegenüber. Anton war so in Gedanken versunken, dass er nicht bemerkt hatte, wie sie kam.

“Hallo.” Er konnte seine verzweifelte Freude nicht verbergen, konnte den Blick nicht von ihr wenden.

“Bist du noch da?” Natalie lachte hell. Anton sah zur Seite. Sein Herz schmerzte vor dem Wunsch, sie zu umarmen und zu küssen. Am Nachbartisch saß ein Mann, der sie unverhohlen anstarrte. Anton musste sich zusammenreißen, um nicht zu brüllen: “Hör auf zu glotzen! Sie gehört mir!” Nur Natalie hatte nie ihm gehört.

“Holst du uns Kaffee?” In ihren Augen tanzten schelmische Funken.

Anton ging sofort zur Theke und kam mit zwei Tassen Kaffee und Natalies Lieblingskuchen zurück. Er setzte sich, schüttete Zucker in seine Tasse und rührte konzentriert um.

“Ist etwas passiert?” Natalie sah ihn prüfend an. Die Schelmerei in ihren Augen war verschwunden.

“Nein. Ich wollte dich einfach sehen. Hier.” Er legte einen Kühlschrankmagneten vor sie hin.

“Danke!” Natalie nahm ihn und betrachtete ihn.

Sie trafen sich manchmal in diesem Café mit seinem starken Kaffeeduft. Sie nannten es “unser Café”. Vor zehn Jahren hatte Anton ihr hier seine Liebe gestanden. Natalie sagte, er sei nett, aber sie könnten nur Freunde sein.

“Schau, wie viele Mädchen hier sind. Du könntest jede glücklich machen.”

“Aber nicht dich?”, fragte Anton.

“Tut mir leid.”

Er war damals so wütend, dass sie fast streitend auseinandergingen. Natalie drohte, den Kontakt abzubrechen, wenn er nicht aufhörte. Anton bekam Angst. Lieber so, wenigstens im Café, konnte er sie sehen. Vielleicht irgendwann

Seitdem vermied er es, über seine Gefühle zu sprechen. Er versuchte, sie zu vergessen, rief nicht an, traf andere Frauen, heiratete sogar in der Hoffnung, seine Liebe zu Natalie loszuwerden.

Sie sah die Hochzeitsfotos in den Sozialen Medien, gratulierte herzlich. Er antwortete nicht. Später postete er Urlaubsfotos von einer Insel im Ozean und wartete auf ihre Reaktion. Es dauerte lange. Natalie war wohl beschäftigt. Schließlich likete sie jedes Bild, schrieb, wie gut er und seine Frau zusammen aussähen, wie gern sie dort wäre.

“Du könntest an ihrer Stelle sein”, dachte Anton bitter.

Er rief an und schlug ein Treffen im Café vor. Wieder schrieben sie sich, er schenkte ihr Blumen zum Geburtstag und am 8. März, lud sie ein, um Souvenirs aus dem Urlaub zu überreichen. Sie likete seine Bilder, er deutete ihre begeisterten Kommentare als Hoffnung. Natalie nahm die Souvenirs entgegen, hörte seinen Reisegeschichten zu, bewunderte seine Bräune. Doch wenn er andeutete, er wollte mit ihr im Paradies sein, steckte sie das Souvenir weg, dankte, entschuldigte sich wegen Zeitmangel und ging.

So ging es Jahre lang. Er ließ sich scheiden, weil seine Frau keine Kinder bekommen konnte. Natalie hatte ihr eigenes Leben. Dann heiratete sie.

Wie er litt! Eifersucht und Verzweiflung kannten keine Grenzen. Er traf andere Frauen, um sie zu vergessen vergeblich.

Eines Tages sah er auf ihrer Seite ein Bild von einem winzigen Babyarm mit einem Namensband: “Natalie” und das Geburtsdatum ihres Sohnes. Er gratulierte, doch innerlich heulte er vor Ungerechtigkeit. Er hätte der Vater sein sollen!

Er versuchte wieder, sie zu vergessen, heiratete erneut. Als Xenias Tochter Anja geboren wurde, glaubte er plötzlich, Glück ohne Natalie sei möglich. Er postete Bilder von seiner kleinen Familie, schrieb von seinen beiden Lieblingen. Natalies Seite vermied er.

Doch eines Tages vergaß er sein Handy. Xenia durchsuchte es, fand die alte Korrespondenz mit Natalie. Nichts Kompromittierendes aber der Umstand! Sie fand Natalies Profile, sah seine Kommentare.

Als er heimkam, erwartete ihn ein hysterischer Streit. Warum bewahrte er die Nachrichten auf? Warum kommentierte er die Bilder einer verheirateten Frau? Sie glaubte ihm nicht, beschuldigte ihn des Betrugs, drohte, Natalies Gesicht mit Säure zu verätzen.

“Das wirst du nicht tun!”

“Willst du es riskieren?” Xenia schrie. In ihren Augen sah er tödlichen Ernst. Er versprach, Natalie nicht mehr zu schreiben.

Sie versöhnten sich, doch die Atmosphäre blieb eisig. Selbst Anja konnte ihn nicht aufheitern.

Dann rief Natalie an.

Er flog ins Café. Sie hatte sich verändert immer noch schön, aber irgendwie erloschen. Ihr Mann betrog sie, sie wollte sich scheiden lassen. Sie kämpfte mit den Tränen.

“Dein Mann ist ein Idiot. Soll ich mit ihm reden? Oder ihm eine verpassen?”

Sie verbot es ihm, fragte nach seinem Leben.

“Geht so. Noch ein Fehler, noch ein ruiniertes Leben. Kurz vor der Scheidung.”

“Wie? Du hast doch eine Tochter!”

“Dein Mann hat sich auch nicht von seinem Sohn abhalten lassen.” Er seufzte. “Ich kann dich nicht vergessen. Manchmal überfällt mich diese Sehnsucht Wie ein Fluch.”

“Bist du verrückt? Ich dachte, du wärst längst über deine erste Liebe hinweg. So viele Jahre und immer noch nicht genug? Wir sind Freunde.”

“Du hast das so entschieden, nicht ich”, sagte er leise.

“Anton” Sie legte ihre Hand auf seine. “Es tut mir leid. Ich hätte nicht anrufen sollen. Ich war egoistisch und blind. Ich habe dich provoziert, dir falsche Hoffnungen gemacht. Ich gehe besser.”

“Warte!” Er hielt ihre Hand fest. “Ja, du bist egoistisch und blind. Du hast dieses Freundschaftsspiel vorgeschlagen, und ich habe mitgespielt, um dich sehen zu können. Meine Gefühle interessierten dich nie. Du rufst an, wenn es dir schlecht geht. Ich habe versucht, dich zu vergessen, aus Trotz geheiratet. Du bist mein Fluch. Ich bin auf dich eingebrannt. So steht es in ‘Twilight’, oder? Es ist stärker als ich. Ich weiß, ich bin kein Hollywood-Star. Wie lange willst du mich noch quälen?”

Natalie starrte ihn überrascht an. Sie hatte solch einen Ausbruch nicht erwartet. Er stand auf, legte ein paar Scheine auf den Tisch und ging.

Er fuhr stundenlang durch die Stadt, schimpfte auf sich, sie, die Welt. Am liebsten hätte er geheult, das Gas durchgedrückt, dieser Qual ein Ende gesetzt.

“Was ist schon so toll an ihr? Hübsch und kalt. Wart’s ab, sie wird alt, allein sein, sich an mich erinnern aber dann ist’s zu spät. Genug” Er schrieb nicht, rief nicht an. Wenn er ihre Seite besuchte, likete er nichts. Er sah, dass sie geschieden war.

Monate später trafen sie zufällig vor einem Geschäft. Sie war mit ihrem Sohn. Sie hatte sich verändert ein wenig voller, aber schöner denn je.

“Hallo. Welch ein Zufall. Wo warst du?”, fragte sie, als wäre nichts gewesen.

“Nirgendwo. Lebe noch da. Und du? Wieder verheiratet?”

“Nicht im Traum. Ich will keine Männer mehr sehen. Die Scheidung hat mich mitgenommen. Nochmal durch so was? Nein danke. Uns geht’s gut, oder?” Sie sah ihren Sohn an.

“Ja”, bestätigte der Junge.

Anton wollte sagen, wie sehr er sie vermisste, dass er sie immer noch liebte doch der Blick des Kindes hielt ihn zurück.

“Nach Hause? Ich begleite euch.”

“Ich hab das Auto hier.”

“Dann bis zum Auto.”

Natalie öffnete die Tür, der Junge kletterte hinten rein.

“Schön, dich zu sehen.”

“Mich auch.”

“Tschüss.” Sie winkte, fuhr davon.

Er merkte sich das Kennzeichen, folgte ihr, hupte, blinkte. Sie fuhren wie Kinder, neckten sich, bis sie in ihre Einfahrt bog. Er fuhr weiter.

“Warum so lange? Warst du auf der anderen Seite der Stadt? Wo sind die Einkäufe?”, fauchte Xenia.

Erst jetzt fiel ihm ein, dass er nichts gekauft hatte.

“Warst du wieder mit deiner Natalie zusammen? Sie ist geschieden, der Weg ist frei. Willst du dich auch scheiden lassen? Nur zu, ich bin einverstanden. Du denkst ja an nichts anderes mehr”

Die Scheidung war hässlich. Xenia drohte, ihm Anja vorzuenthalten. Er überließ ihr die Wohnung, erkämpfte sich zwei, drei Stunden pro Woche. Seine Mutter schimpfte obendrein.

Eines Tages ging er mit Anja in ein Spielzentrum. Draußen war es zu kalt. Und da Natalie mit ihrem Sohn.

Die Kinder spielten vergnügt. “Wir sehen aus wie eine Familie. Wenn es doch so wäre!”, dachte Anton. Sein Herz krampfte sich so sehr zusammen, dass es ihm schwarz vor Augen wurde.

“Anton, was ist? Ruft einen Krankenwagen!”, hörte er Natalie rufen.

“Wem ist schlecht?”, dachte er noch, dann versank er in Dunkelheit.

Er erwachte, als man ihn trug. Seine Brust fühlte sich an, als läge eine schwere Platte darauf.

“Keine Sorge, ich bringe deine Tochter nach Hause”, hörte er Natalie, sah ihr besorgtes Gesicht.

“Alles klar, gehen Sie zur Seite”, sagte eine Sanitäterstimme. Die Tür schlug zu.

Natalie besuchte ihn am nächsten Tag.

“Wie geht’s? Du hast mich erschreckt. Ich dachte, Herzinfarkt zum Glück nicht.”

“Ich geh schon, ich will Xenia nicht treffen. Sie hat mir so viel Hass entgegengeschleudert, als ich Anja nach Hause brachte”

“Keine Sorge, sie kommt nicht. Natalie kommst du morgen?”

Eine Woche später saßen sie wieder im Café.

“Darfst du überhaupt Kaffee?”

“Eine Tasse schadet nicht.”

“Weißt du, als du umgekippt bist, hatte ich solche Angst. Ich erinnerte mich, wie du mir in der Schule nachliefst, mir Souvenirs brachtest, unsere Treffen hier Mir war, als stürbe ein Teil meines Lebens. Wir kennen uns so lange fast wie eine lange Ehe. Die Leidenschaft verblasst, bleibt die Vertrautheit. Und wer weiß, was wichtiger ist: kurze Leidenschaft oder jahrelange Verbundenheit. Ich will sagen wir könnten es versuchen”

“Natalie” Mehr brachte er nicht heraus.

All diese Jahre hatte er auf dieses “Lass es uns versuchen” gewartet. Hätte er doch bloß früher einen Herzanfall gehabt!

Am nächsten Tag überredete er sie, zum Standesamt zu gehen.

“Du bist gerade erst geschieden. Vielleicht warten wir?”

“Nein. Was, wenn du es dir anders überlegst?”

Die Hochzeit war bescheiden, nur ein Essen im Café. Die Flitterwochen verschoben sie. Natalie wollte unbedingt den Ozean sehen, doch die Orte, an denen Anton mit seinen Ex-Frauen gewesen war, lehnte sie ab. Er schlug die Kanaren vor: ewiger Frühling, schwarze Vulkanstrände, exotische Vögel. Manchmal sah man gelbliche Wolken am Horizont Sand aus der Sahara, vom Wind herübergetragen.

Wenn Natalies Sohn schlief, lagen sie eng umschlungen und lauschten dem Meer.

“Natalie, ich bin so glücklich.”

“Ich auch. So viel Zeit haben wir verschwendet.”

“Wir holen alles nach. Sie lächelte, strich ihm über die Wange. Diesmal gehe ich nicht mehr weg. Der Wind trug den Duft von Salz und Jasmin durch das offene Fenster, und irgendwo in der Ferne sang eine Nachtigall. Anton schloss die Augen, hielt sie fest, als könnte die Welt zerbrechen, wenn er losließe. Endlich, dachte er, endlich ist es genug.

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Homy
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Eine Liebe für die Ewigkeit
Ein Schweigen, das ein Leben lang währt