Meine Oma erzählte mir, dass sie Zuflucht in einem leerstehenden Haus im Dorf gefunden hat. Ich bot ihr meine Hilfe an, doch sie lehnte freundlich ab und sagte, sie hätte alles, was sie braucht.

An einem kühlen Herbsttag warte ich gerade an der Bushaltestelle auf meinen Bus. Es beginnt zu regnen und noch fünf Minuten bleiben bis zur Abfahrt. Um mich vor dem Regen zu schützen, trete ich in den kleinen, beheizten Warteraum neben der Haltestelle und setze mich. Ich hole mein Handy heraus, um die aktuellen Nachrichten zu lesen. Da setzt sich eine muntere ältere Dame, die das Leben zu lieben scheint, neben mich. Wir kommen schnell ins Gespräch sie sucht eindeutig Anschluss und so sprechen wir zunächst über das Wetter und alltägliche Dinge. Sie ist sehr gesprächig und beginnt bald, mir ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

Ihr Leben war alles andere als einfach. Vor einiger Zeit erlebte sie ein plötzliches Unglück, das sie obdachlos machte. Ihr Haus in einem kleinen Dorf bei Koblenz war für zwei Familien gebaut: Sie lebte in der einen Hälfte, die andere wurde von einer chaotischen Familie bewohnt. Bei einer ausgelassenen Feier der Nachbarn brach im Haus ein Brand aus, der auch auf ihr Wohnung übergriff. Sie konnte zwar einige Habseligkeiten retten, doch das Haus war verloren.

Ohne eigene Wohnung fand sie Unterschlupf bei der Familie ihrer Tochter in Mainz. Doch schon nach einer Woche machte ihre Tochter ihr Vorwürfe sie sei eine Last und solle gehen. Es hat mich traurig gemacht, wie ihre eigene Familie sie behandelte, nach allem, was sie für sie getan hatte.

Als ich sie frage, wo sie jetzt wohnt, erzählt sie mir, dass sie derzeit in einem leerstehenden Haus im Dorf lebt. Ich biete ihr meine Hilfe an, doch sie antwortet freundlich, sie komme zurecht und brauche nichts weiter. Nach unserem Gespräch bringe ich sie zum Bus, mache ein Foto mit ihr vor dem Bus mit der Aufschrift ihres Dorfes. Zuhause bleibt mir ihr Schicksal im Kopf und ich beschließe zu handeln. Ich wende mich an den Ortsvorsteher. Eine Woche später besuche ich, begleitet von Freunden aus der Handwerkergruppe, die Frau in ihrem neuen Zuhause.

Mit den Tipps des Ortsvorstehers und dem Bild ihrer Hütte wird uns klar, was benötigt wird. Wir sind tief bewegt, als wir ankommen: Es gibt weder einen Fußboden noch ein Dach, die sanitären Anlagen sind defekt und vom Wasseranschluss fehlt jede Spur und das Geld ist knapp.

Wir packen eine Woche lang gemeinsam an. Dank der Unterstützung unserer Kunden und großzügigen Spenden gelingt es uns, ihr Haus grundlegend zu renovieren. Jetzt besitzt die ältere Dame fließendes Wasser und eine funktionierende Toilette. Wir ersetzen das Dach, verputzen die Wände und legen einen neuen Fußboden in den beiden kleinen Zimmern. Ihre Dankbarkeit ist unser größter Lohn sie umarmt jeden von uns und wischt uns Tränen des Glücks aus den Augen.

Doch die Herzlichkeit geht weiter: Das gesamte Dorf mobilisiert sich nun. Sie bauen einen Zaun, räumen den Garten und empfangen uns als Ehrengäste, bewirten uns und bieten sogar eine Unterkunft an. Diese Erfahrung überzeugt mich von der Kraft der Mitmenschlichkeit und der Wärme des deutschen Gemeinsinns.

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Homy
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Meine Oma erzählte mir, dass sie Zuflucht in einem leerstehenden Haus im Dorf gefunden hat. Ich bot ihr meine Hilfe an, doch sie lehnte freundlich ab und sagte, sie hätte alles, was sie braucht.
— Oma, Hallo! — rief Matthias. — Wer hat Ihnen erlaubt, einen Wolf im Dorf zu halten? Als Alla Stepanowna den eingestürzten Zaun sah, liefen ihr bittere Tränen übers Gesicht. Schon oft hatte sie ihn mit Brettern gestützt und morsche Pfosten repariert, immer hoffend, dass die Einfriedung hält, bis sie von ihrer kleinen Rente genug gespart hatte. Aber das Schicksal wollte es anders – der Zaun gab nach. Zehn Jahre stemmte Alla das Gehöft alleine, seit ihr geliebter Mann Peter Andreas verstorben war. Peter war ein Mann mit goldenen Händen, ein Alleskönner und Meister seines Fachs. Solange er lebte, musste Oma Alla sich um nichts sorgen. Im Dorf schätzten ihn alle für seine Güte und Arbeitseifer. Ihr gemeinsames Glück dauerte 40 erlebnisreiche Jahre, nur einen Tag fehlte zum Jubiläum. Ein gepflegtes Haus, üppige Ernte im Garten, ordentliches Vieh – all das war das Resultat gemeinsamer Mühe. Die beiden hatten nur einen Sohn – Egor, ihr Stolz und ihre Freude. Von klein auf war er fleißig und musste nie zum Helfen gedrängt werden. Kam die Mutter erschöpft vom Hof zurück, hatte Egor bereits Holz geholt, Wasser getragen, die Stube geheizt und das Vieh versorgt. Wenn Peter von der Arbeit kam, wusch er sich und rauchte auf der Veranda, während seine Frau das Abendessen kochte. Abends saß die Familie zusammen, tauschte Neuigkeiten aus – sie waren glücklich. Die Zeit verging, Erinnerungen blieben. Egor wurde groß, verließ die Eltern, zog in die große Stadt, machte Karriere, heiratete die Stadtpflanze Ludmilla. Das Paar ließ sich in Berlin nieder. Anfangs kam Egor im Urlaub zu Besuch, später überredete ihn seine Frau, die Ferien im Ausland zu verbringen – so wurde es Tradition. Peter verstand das nie und war enttäuscht: — Wo ist Egor denn so erschöpft? Ludmilla macht ihm den Kopf weich. Wozu diese Reisen? Vater war traurig, Mutter sehnte sich, aber was blieb ihnen außer Warten auf ein Lebenszeichen? Schließlich erkrankte Peter schwer. Er verweigerte das Essen, wurde zusehends schwächer. Die Ärzte verschrieben Medikamente, schickten ihn dann aber nach Hause. Im Frühjahr, als der Wald lebendig wurde und die Nachtigallen sangen, ist Peter eingeschlafen. Egor kam zur Beerdigung, weinte heftig und machte sich Vorwürfe. Er verbrachte eine Woche im Elternhaus, dann fuhr er zurück. In zehn Jahren schrieb er nur dreimal Briefe an seine Mutter. Alla blieb allein zurück und verkaufte Kuh und Schafe an die Nachbarn. Wozu noch Vieh? Die Kuh stand lange am Hof und hörte, wie die alte Bäuerin herzzerreißend weinte. Alla schloss sich in die hinterste Kammer ein, hielt sich die Ohren zu und weinte. Ohne Männerhände verfiel das Anwesen langsam. Das Dach leckte, das Holz auf der Veranda war morsch, der Keller wurde überschwemmt. Oma Alla tat ihr Bestes und sparte von der Rente für Handwerker, manchmal schaffte sie es sogar selbst – sie war auf dem Land aufgewachsen. So lebte sie, kämpfte ums Überleben, bis neues Unglück hereinbrach: Ihre Sehkraft verschlechterte sich rapide. Im Dorfladen erkannte sie die Preisschilder kaum. Nach ein paar Monaten sah sie das Geschäftsschild gar nicht mehr. Die Gemeindeschwester bestand auf einem Klinikbesuch. — Frau Alla, wollen Sie erblinden? Nach einer OP kommt Ihr Augenlicht zurück! Doch die alte Frau fürchtete einen Eingriff und lehnte ab. Nach einem Jahr war sie fast blind – sie störte sich kaum daran. — Wozu brauche ich Licht? Fernsehen kann ich eh nur noch hören. Die Nachrichten versteh ich auch so. Zuhause erledige ich alles aus dem Gedächtnis. Manchmal sorgte sie sich aber: Im Dorf waren fragwürdige Leute unterwegs, Diebe drangen in leerstehende Häuser ein, stahlen was sie fanden. Alla hätte gern einen guten Hund gehabt, der unerwünschte Gäste abschreckt. Sie fragte den Jäger Simon: — Simon, weißt du, ob der Förster Welpen hat? Nur ein kleines – ich zieh es groß! Simon, der lokale Jäger, blickte sie neugierig an: — Oma Alla, wozu einen Welpen vom Husky? Die sind für den Wald! Ich bringe Ihnen eine echte Schäferhündin aus der Stadt! — Die ist bestimmt teuer … — Nicht teurer als Ihr Geld, Oma Alla. — Na gut, bring’s mit. Alla zählte ihre Spargroschen, glaubte, es reicht für einen guten Hund. Doch Simon war unzuverlässig, schob seine Zusage immer weiter hinaus. Oma Alla schimpfte auf seine leeren Worte, aber tief drin tat er ihr leid. Er war ein armes Luder – ohne Familie, ohne Kinder. Alkohol war sein einziger Trost. Simon, im gleichen Alter wie Egor, blieb im Dorf. Er fühlte sich in der Stadt nicht wohl. Seine große Leidenschaft war die Jagd, für die er tagelang in die Wälder zog. Außerhalb der Saison übernahm Simon verschiedene Arbeiten – Gärten umgraben, Holzarbeiten, Technik reparieren. Was er bei den alten Damen verdiente, trank er sofort weg. Nach jedem Saufgelage verschwand Simon im Wald – angeschwollen, krank und reumütig. Nach ein paar Tagen kam er mit reichen Fundstücken zurück: Pilze, Beeren, Fisch, Pinienzapfen. Er verkaufte alles für ein paar Euro und versoff den Rest wieder. Der Trinker half auch Oma Alla für Lohn im Haushalt. Und jetzt, da der Zaun eingestürzt war, musste sie ihn wieder fragen. — Mit dem Hund wird es wohl noch dauern, — seufzte Alla. — Das Geld kommt erstmal für den Zaun drauf. Simon kam nicht mit leeren Händen. Neben Werkzeug bewegte sich etwas im Rucksack. Er lächelte und rief Oma Alla: — Schauen Sie mal, was ich mitgebracht habe! — Er öffnete den Rucksack. Die alte Frau tastete eine flauschige, kleine Kopf. — Simon, echt, ein Welpe? — staunte sie. — Der Beste vom Besten! Voller Schäferhund, Oma. Das Kleine quiekte und wollte aus dem Rucksack. Alla bekam Panik: — Ich habe ja gar nicht genug Geld! Nur für den Zaun! — Zurückbringen kann ich ihn nicht mehr, Oma Alla! — Simon widersprach. — Wissen Sie, wie viel Tausend ich für den Hund bezahlt habe? Was tun? Alla lief zum Laden, die Verkäuferin gab ihr fünf Flaschen Korn auf Kredit und schrieb ihren Namen ins Schuldbuch. Bis zum Abend war der Zaun fertig. Oma Alla kochte ein ordentliches Mittagessen, schenkte Simon ein Schnäpschen ein. Angeschickert sinnierte der Trinker am Küchentisch, während das Welpenbündel sich neben dem Ofen zusammenrollte. — Zweimal täglich füttern, einen starken Strick besorgen – dann wird er kräftig und gesund. Ich kenn mich aus mit Hunden. So bekam Alla einen Mitbewohner: Tasso. Die alte Frau mochte ihn und er war ihr treu. Jedes Mal, wenn Alla in den Garten ging, sprang Tasso begeistert herum, wollte ihr das Gesicht ablecken. Nur eins sorgte für Zweifel – der Hund wuchs zu einer Größe wie ein Kalb, aber lernte nicht zu bellen. Das enttäuschte Alla. — Ach, Simon! Ach, du Schlawiner! Was hast du mir da für einen Taugenichts verkauft? Aber was tun, so ein gutherziges Tier konnte man nicht wegjagen. Er musste nicht bellen. Die Nachbarshunde trauten sich nicht zu bellen bei Tasso, der in drei Monaten bis zur Taille von der Herrin reichte. Eines Tages kam Matthias, der Jäger, ins Dorf, um Vorräte einzukaufen. Bald begann wieder die Jagdsaison, wo die Männer Wochen im Wald verschwanden. Als er an Allas Haus vorbeilief, blieb er plötzlich stehen, als er Tasso sah. — Oma, Hallo! — rief Matthias. — Wer hat Ihnen erlaubt, einen Wolf im Dorf zu halten? Alla legte erschrocken die Hände an die Brust. — Herrje! Wie dumm war ich! Dieser Simon hat mich betrogen! Ein reinrassiger Schäferhund, hat er gesagt … Matthias sprach ernst: — Oma, den müssen Sie in den Wald lassen. Sonst passiert noch ein Unglück. Der Greisin traten Tränen in die Augen. Wie weh tat es, sich von Tasso zu trennen! Ein lieber, sanfter Kerl, und doch ein Wolf. In letzter Zeit war er unruhig, zerrte an der Kette, wollte in die Freiheit. Die Dorfbewohner fürchteten ihn. Es blieb keine Wahl. Matthias brachte den Wolf in die Wälder. Tasso wedelte mit dem Schwanz und verschwand zwischen den Bäumen. Niemand sah ihn je wieder. Alla trauerte um ihren Liebling und verfluchte den hinterlistigen Simon. Auch Simon bereute es, denn er hatte Gutes im Sinn. Bei einem Waldgang war er auf Bärenspuren gestoßen, hörte Winseln. Erst wollte er weiter, denn wo Bärenkinder sind, ist auch die Bärenmutter. Doch das Geräusch passte nicht zu einem Bär. Im Unterholz lag eine tote Wölfin, umher – ihre gerissene Welpen. Ein Bär hatte das Lager überfallen. Nur ein kleiner blieb, versteckt im Bau. Simon bekam Mitleid und nahm das Waisenkind mit. Dann übergab er ihn an Alla, in der Hoffnung, der Wolf würde später in den Wald zurückkehren und er fände einen richtigen Hund für sie. Doch Matthias machte alles zunichte. Mehrere Tage tigerte Simon um das Haus, traute sich nicht hinein. Es war mitten im Winter, Alla heizte den Ofen um nachts nicht zu erfrieren. Plötzlich klopfte es. Die alte Frau eilte zur Tür. Ein Mann stand draußen. — Guten Abend, Oma. Darf ich übernachten? Ich wollte ins Nachbardorf und habe mich verirrt. — Wie heißt du, Schatz? Ich sehe schlecht. — Boris. Alla runzelte die Stirn. — Bei uns gibt’s keinen Boris … — Ich bin nicht von hier, Oma. Habe erst neulich ein Haus gekauft, wollte es anschauen, aber das Auto ist steckengeblieben. Musste zu Fuß gehen, jetzt der Schneesturm! — Hast du das Haus vom verstorbenen Daniel gekauft? Der Mann nickte. — Genau. Alla ließ den Fremden herein, stellte den Wasserkocher auf. Sie bemerkte nicht, wie er gierig den alten Küchenschrank musterte, wo Dörfler Geld und Schmuck aufbewahren. Als die Oma am Herd beschäftigt war, begann der Besucher zu stöbern. Sie hörte das Knarren der Schranktür. — Was suchst du da, Boris? — Da war doch die Währungsreform! Ich helfe, alte Geldscheine zu entsorgen. Die Greisin runzelte die Stirn. — Unsinn! Es gab keine Reform! Wer bist du?! Der Mann zog ein Messer und hielt es ihr ans Kinn. — Ruhe, Oma! Her mit Geld, Gold, Essen! Alla packte das Entsetzen. Vor ihr stand ein Verbrecher, der vor der Polizei floh. Ihr Schicksal schien besiegelt… In diesem Moment sprang die Tür auf. Ein riesiger Wolf stürzte herein und fiel den Räuber an. Der schrie, doch ein dicker Schal rettete ihn vor dem Biss. Mit dem Messer verletzte er den Wolf an der Schulter. Tasso wich zur Seite, was dem Dieb die Flucht ermöglichte. Gerade ging Simon vorbei, wollte sich bei Alla entschuldigen. Am heimischen Zaun sah er, wie ein Mann mit Messer fluchend davonrannte. Simon stürmte zu Alla, fand dort den blutenden Tasso. Er begriff sofort und rannte zum Dorfpolizisten. Der Räuber wurde gefasst und kam erneut ins Gefängnis. Tasso wurde zum Dorfhelden. Die Leute brachten ihm Futter und grüßten ihn. Der Wolf war nicht mehr angebunden, durfte frei leben. Aber er kehrte immer zurück zu Oma Alla, kam mit Simon von den Jagdausflügen heim. Eines Tages sahen sie einen schwarzen SUV vorm Haus. Im Hof hackte jemand Holz – es war Allas Sohn Egor. Als er den alten Freund erblickte, breitete er die Arme aus. Abends saßen alle am Tisch, Alla strahlte vor Glück. Egor überredete sie, für die Augenoperation in die Stadt zu kommen. — Na gut, — seufzte die alte Frau, — im Sommer kommt der Enkel, den will ich sehen. Simon, kümmer dich um Haus und Tasso, ja? Simon nickte. Tasso legte sich zufrieden am Ofen nieder, sein Platz war bei den Freunden. Abonniert unsere Seite, damit ihr keine neuen spannenden Geschichten verpasst! Lasst eure Meinungen und Emotionen in den Kommentaren, unterstützt uns mit Likes.