Schritt ins Leere
Lena, wohin hast du denn deine Schwester versteckt? Ihr seid doch sonst immer zu zweit unterwegs! rief Claudia, kaum dass ihre Nichte an ihr vorbei flog.
Das Mädchen bremste ruckartig, wandte sich um und erwiderte mit leiser Entschlossenheit und sichtbar gereizt:
Ich heiße Emilia.
Der Blick, mit dem sie ihre Tante bedachte, war so schneidend, dass selbst das Lächeln auf Claudias Lippen zu zittern begann. Emilia atmete tief durch, um das aufkommende Unwohlsein zu zügeln, und setzte mit rauer Stimme nach:
Und wir sind nicht mal annähernd so gleich, wie alle immer tun!
Claudia war ehrlich erstaunt. Sie zog leicht die Augenbrauen hoch, als wolle sie in Emilias Gesichtszügen endlich die feinen Unterschiede erkennen, die ihr bislang entgangen waren.
Ach was, Liebes, entgegnete sie sachte, ihr seid halt Zwillinge! Wenn ihr nebeneinander schweigt, erkennt euch niemand auseinander. Nur wenn ihr sprecht, dann weiß man sofort, wer wer ist.
Emilia fühlte, wie Ärger in ihr aufstieg. Sie biss sich auf die Lippe, um ihre aufkochende Wut nicht zu verraten, und stürmte dann wortlos zur Tür. Mit einem leisen Klicken war sie verschwunden und ließ ihre ratlose Tante mit einem Kopfschütteln zurück.
Im Flur hallten die Worte nach, die Emilia seit Jahren verfolgten: Wie ein Ei dem anderen. Für sie war das kein Kompliment, sondern ein Fluch. Was mussten sie noch tun, damit endlich jemand ihre Verschiedenheit bemerkte? Warum schienen alle anderen nur die Zwillinge zu sehen ohne Namen, ohne Persönlichkeit, ohne Eigenheiten? In ihrem Kopf tobte ein Sturm aus Fragen, auf die niemand eine Antwort zu haben schien…
*****
Emilia saß zusammengerollt auf einer Parkbank in München, sah mit verschlossenen Armen auf ihre Knie. Durch das Blätterdach fielen Sonnenflecken auf das Pflaster, aber ihr war nicht nach Licht zumute. Zum wiederholten Mal erzählte sie ihrer Freundin Greta von dem Ärger, den ständige Verwechslungen mit ihrer Schwester auslösten. Emilias Stimme klang blechern, fast verzweifelt, während sie sich erneut Luft machte.
Greta hörte aufmerksam zu, legte den Kopf schief, dann plötzlich blitzte Begeisterung in ihren Augen auf und sie sprang auf:
Weißt du was? Mach was Radikales! Lass dir die Haare ganz kurz schneiden und färb sie in einer krassen Farbe. Das würde Klara nie machen, so brav wie die ist. Dann verwechselt euch nie mehr jemand!
Emilia betrachtete zweifelnd ihre langen, dunkelblonden Zöpfe. Die Idee reizte sie… und verunsicherte sie zugleich.
Meine Mutter wird mir aber nie Geld dafür geben, murmelte sie, sie findet es toll, dass wir gleich aussehen. Meine Wünsche die sind ihr egal.
Greta winkte ab, voller Entschlossenheit:
Dann wünsch dir halt Geld für was anderes Geburtstag für ne Mitschülerin oder so. Mit dem bisschen kannst du zum Billig-Friseur ums Eck. Mein Papa hat mich da mal hingeschleppt. Okay, Mama fands zu kurz aber genau das willst du ja!
Emilia haderte einen Moment, dann fragte leise:
Und zum Färben?
Greta strahlte:
Keine Sorge, meine große Schwester hilft die kann das. Nur die Farbe musst du kaufen.
Diese Zuversicht war ansteckend, und zum ersten Mal zuckte ein kleines Lächeln über Emilias Gesicht. Vielleicht würde das ja wirklich helfen. Vielleicht würde dann endlich jemand sie als Emilia sehen nicht einfach als Zwilling. Ein Hoffnungsschimmer glomm auf, auch wenn sie kaum daran glauben konnte, dass mit einem Haarschnitt alles anders werden könnte.
Ein paar Tage später fassten die beiden Mädchen ihren Plan in die Tat. Emilia war nervös, gab sich aber betont gelassen.
Der Friseursalon im Glockenbachviertel war schlicht abgenutzter Stuhl, gesprungener Spiegel, ein Hauch von vergangenen Jahrzehnten. Die ältere Friseurin mit müdem Blick musterte Emilia knapp:
Wie solls werden?
Emilia zögerte nur kurz:
Kurz. Sehr kurz, bitte!
Die Frau nickte und griff zu den Scheren. Unaufgeregt, fast mechanisch, schnitt sie Strähne um Strähne ab. Emilia beobachtete im Spiegel, wie ihre Haare zu Boden fielen, krampfhaft bemüht, keine Reue zu zeigen. Zu spät fürs Zurückrudern.
Als die Prozedur zu Ende war, riskierte Emilia einen Blick: Es war sehr kurz, etwas schief aber nun würde Niemand sie mit Klara verwechseln.
Mit klopfendem Herzen eilte sie zu Greta. Deren Schwester wartete schon mit einer knallpinken Haarfarbe. Die Entscheidung fiel zugunsten der auffälligsten Variante klar, es sollte ja niemandem entgehen.
Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen leider im negativen Sinn. Der Pink-Ton war derart grell, die Frisur durch den ungleichmäßigen Schnitt noch unruhiger. Emilia verzog das Gesicht, zwang sich aber zur Gelassenheit. Nun gab es kein Zurück mehr.
Zuhause wartete ihre Mutter, Sabine. Als sie Emilia sah, erstarrte Sabine, griff sich an die Brust. Die Tochter, die sie jeden Tag mit so viel Sorgfalt betrachtete, war fast nicht wiederzuerkennen schief geratene Kurzhaarfrisur, schreiend pink gefärbt.
Emilia, was hast du denn gemacht?! Zum ersten Mal wurde Sabines Stimme laut, zitternd vor Schock und Entsetzen. Hast du dich im Spiegel gesehen? Wie sollen wir das bloß wieder hinbekommen?
Emilia ballte die Fäuste, wollte sich nichts anmerken lassen und blaffte trotzig:
Mir gefällt es! Jetzt sieht mich keiner mehr als Klara!
Sabine schüttelte fassungslos den Kopf, zog das Handy hervor und tippte hektisch die Nummer einer ihrer Bekannten:
Das muss sofort gerichtet werden… Einfach nur Frisur ändern hätte gereicht!
Emilia schnaubte, blickte verstohlen erneut in den Spiegel und sah, dass ihr das grelle Pink und die krummen Schnittkanten missfielen. Aber das zuzugeben, das konnte sie nicht.
Du hättest doch sowieso nie erlaubt, dass ich anders aussehe, knirschte sie.
Natürlich hätte ich! Wie kommst du darauf?, erwiderte Sabine ungläubig und presste das Handy ans Ohr.
Drüben ertönte die Stimme der Stylistin. Sabine sprach hastig:
Nina, bist du da? Ich brauche dringend Hilfe, meine Tochter ist plötzlich auf einen total anderen Look gekommen Es ist eine Katastrophe! Ja, wir sind in einer Stunde da.
Sie hielt das Handy kurz zu, wandte sich an Emilia:
Komm, pack deine Sachen wir fahren das wieder richten!
Emilia verschränkte die Arme, wie festgefroren. Eigentlich hätte sie widersprechen wollen, ihren Standpunkt verteidigen. Aber langsam dämmerte ihr, dass der radikale Look nicht das befreite Gefühl brachte, das sie gesucht hatte sondern Unsicherheit.
Mir ist das egal, nuschelte sie, aber ohne Überzeugung.
Sabine schüttelte den Kopf, sammelte die Sachen ein:
Wir reden unterwegs. Das kannst du so nicht lassen.
Eine halbe Stunde später saßen sie im Auto, unterwegs zu Ninas Friseursalon am Sendlinger Tor. Emilia starrte aus dem Fenster, dachte nach. Sie wollte sich einreden, dass sie alles richtig gemacht hatte spürte aber, dass es ein Fehler gewesen war.
Im Salon empfing sie Nina mit einem nachsichtigen Lächeln. Kein Tadel, keine Bemerkung nur ein leiser, verständnisvoller Satz:
Na, dann retten wir mal, was zu retten ist.
Es dauerte zwei Stunden. Geduldig glättete Nina die Form, tönten die Haare wieder so natürlich wie möglich und ließ eine feine, pinkfarbene Strähne am Ohr als kleines, mutiges Detail stehen. Emilia schaute sich im Spiegel an und gewann zögernd neues Selbstvertrauen ihr Gesicht wurde von der Frisur viel deutlicher betont, alles sah plötzlich leicht, ungezwungen aus.
Sabine atmete erleichtert auf:
So, jetzt siehst du wieder wie ein Mensch aus!
Sie drückte Nina dankbar die Hand, überschüttete sie mit Lob:
Ich weiß gar nicht, was ich ohne dich machen würde! Du bist ein Schatz.
Emilia schwieg. Sie strich sich durch die Haare, tastete nach den neuen Konturen. Im großen Ganzen war es okay. Doch Sabines Worte hallten in ihr nach: Wie ein Mensch… Und vorher, was war sie da gewesen? Bei Klara hätte sie das nie gesagt…
Ohne sich bei Nina zu bedanken, stand Emilia auf und ging. Noch kreisten die Gedanken und alles, was sie wollte, war zu Hause alles mit kühlem Blick zu prüfen.
Sie wollte nicht zugeben, was alle merkten: Klara hätte das nie gemacht. Die große Schwester war das Musterkind hatte überall gute Noten, tanzte mit Anmut durchs Leben, las dicke Bücher und war immer verlässlich, organisiert, perfekt.
Emilia war nicht dumm. Sie verstand die Schule, konnte schlagfertig antworten, wenn sie Lust hatte. Aber genau das ständige Vergleichen mit Klara trieb sie in Rage. Ihre Erfolge wurden nie ihr zugeschrieben immer hieß es Klaras Schwester; ihre Fehler waren doppelt schlimm So hätte Klara nie gehandelt. Stille Vorwürfe, die immer schmerzhafter in ihr nagten.
Nach dem Haar-Debakel hatte Emilia das Gefühl, eine unsichtbare Erlaubnis erhalten zu haben endlich alles auszuprobieren, was nicht nach Klara aussah. Sie ließ die Schule schleifen, schlechte Noten reihten sich aneinander. Nicht, weil sie es nicht konnte, sondern um zu zeigen: Ich bin nicht Klara! Zu Hause herrschten Diskussionen, dann Regeln, danach Strafen Hausarrest, Handyverbot, Einziehung des Laptops. Doch alles prallte an Emilias Starrsinn ab. Sie diskutierte nicht, sie tat es einfach.
Ihr habt mit Klara ja schon eine Perfektionistin, erklärte sie den Eltern und hielt ihrem Vater stand. Mehr braucht ihr doch nicht. Ich bin halt anders. Akzeptierts doch.
Ratlos blickten sich die Eltern an wie konnte man helfen, wenn das eigene Kind sich selbst sabotiert?
Schließlich brachten sie Emilia zu einer Psychologin. Frau Dr. Kessler, mit besonnenem Blick und ruhiger Stimme, sprach ausgiebig mit ihr. Emilia antwortete offen, aber distanziert, beschuldigte niemanden, schilderte nur ihre Sicht. Das brachte keine Wende vielleicht, weil Dr. Kessler nicht durchdrang, vielleicht, weil Emilia das Spiel zu gut beherrschte. Nach mehreren Sitzungen empfahl sie:
Lassen Sie den Druck raus. Jugendliche brauchen Raum, um sich zu erfahren. Mehr Freiraum kann helfen.
Die Eltern wussten nicht, ob sie hoffen oder verzweifeln sollten. Auf einen Sprung zurück zur alten Leistung wartete keiner mehr; man hoffte nur noch, dass Emilia sich nicht völlig verlor.
Die Situation blieb mühselig. Die Noten waren zweit- oder drittrangig geworden. Aber dann geschah etwas anderes, etwas, das Angst machte.
Sabine erwischte Emilia mit einer Jugendlichen-Clique in einer dunklen Ecke am Karlsplatz rauchend, lachend, lärmend. Als Emilia den Blick der Mutter bemerkte, wich sie rasch aus. Am Abend wurde das Thema am Esstisch angesprochen:
Klara sucht sich immer die besten Freunde höflich, gebildet, unternehmen viel. Und du? Mit wem bist du da immer unterwegs?
Emilia antwortete nicht umklammerte nur noch fester die Gabel. Es schmerzte mehr, als sie zugeben wollte. Wieder dieses: Klara ist gut Emilia ist das Gegenteil. Dann eben wirklich das Gegenteil…
So rutschte sie richtig ab. Erst beobachtend, dann mitmachend Parties, Ausflüchte, Versetzungen, Schulschwänzen. Jede Versuchung ein kleiner Schritt weiter weg von Klara, weg von Vergleichen und doch immer im Kreis um das selbe Thema: Ich bin nicht wie sie.
Die Wege der Schwestern trennten sich: Klara wechselte aufs Gymnasium, Emilia wählte trotz aller Bitten der Eltern eine Berufsschule. Sie glaubte, dort fänden sich Chancen auf Selbständigkeit, doch es entpuppte sich als Trugschluss.
Klara schloss das Gymnasium mit Bestnote ab und studierte BWL an der Ludwig-Maximilians-Universität, engagierte sich freiwillig, machte Praktika, plante alles voraus. Emilia dagegen plagte sich mit der Berufsschule, blieb hinterher, schwänzte Kurse. Lehrer und Mitschüler blieben verständnislos, die Eltern resignierten. Jedes Mal, wenn Klaras Name fiel, stemmte sich Emilia dagegen. Bloß nicht das, was Klara macht.
Nach der Ausbildung wurde es nicht besser. Klara ergatterte einen guten Job bei Siemens verantwortungsvoll, zuverlässig, voller Elan. Emilia wechselte ständig die Stellen, fand immer neue Gründe, weshalb sie kündigen musste zu langweilig, schlechte Stimmung, zu wenig Lohn. Die Eltern boten Unterstützung an, aber Emilia blockte ab:
Ich krieg das schon hin. Lasst mich in Ruhe.
Und immer hoffte sie tief in sich drinnen, dass ihr irgendwann ihr Weg begegnete einer, der nichts mit Klara zu tun hatte. Aber jeder neue Versuch (manchmal nur Trotz) brachte weitere Fehlschläge und das Gefühl, alles immer nur aus Widerspruch zu tun.
Sie konnte es sich nicht erklären bei jedem Erfolg von Klara reagierte sie automatisch mit Sabotage: Gute Note? Emilia ließ eine Arbeit sausen. Neues Hobby bei Klara? Emilia ließ sich von allem ablenken. Ein inneres Gefängnis: Je mehr sie zurückschlug, desto weniger gewann sie.
Schließlich stellte sich fast unmerklich Gleichgültigkeit ein. Emilia hörte auf, nach Hause zu fahren, vermied Familienfeiern, wollte nichts mehr hören von Klaras Erfolgen. Sie zog sich zurück, baute eine Mauer. Und gerade dann als sie sich ganz abgrenzte kam Bewegung in ihr Leben.
Erst fand sie tatsächlich einen ganz ordentlichen Job: nichts Besonderes, aber stabil, menschlich und mit einem fairen Gehalt in Euro. Zum ersten Mal ging sie abends nach Hause und hatte das Gefühl, einen echten Tag erlebt zu haben.
Dann begegnete sie Jonas. Sie trafen sich zufällig im Café ums Eck. Er war nicht wie die Jungs aus ihrer alten Clique: ruhig, nachdenklich, offenherzig. Er spielte sich nicht auf genau das faszinierte sie. Sie liefen gemeinsam durch die Stadt, redeten stundenlang, lachten, stritten, versöhnten sich. Emilia konnte endlich sie selbst sein ohne Vergleiche, ohne Hintergedanken.
Alles wurde ruhiger. Sie plante kleine Dinge: ein Urlaub nach Italien, ein Englischkurs, ein neues Sofa. Ihr Leben bekam Bodenhaftung.
Doch eines Abends rief Sabine an die Stimme gereizt, vorsichtig:
Emilia, kannst du bitte kommen? Wir müssen reden.
Emilia fuhr zu ihren Eltern in Schwabing. Die Atmosphäre war angespannt, ungewohnt ernst. Sabine rang Minuten lang nach Worten, dann brach sie heraus:
Klara kann keine Kinder bekommen. Die Ärzte sagen, es ist nahezu ausgeschlossen.
Stille legte sich über das Zimmer. Emilia rang mit sich Mitleid, Wut, Ohnmacht, alles schien möglich. Doch dann flackerte tief in ihr der alte Reflex auf, der Zwillingstanz: Jetzt ist da etwas, das sie von Klara unterscheidet.
Keine zwölf Monate später hielt Emilia ihr erstes Kind im Arm; nach zwei Jahren kam ein zweites. Sie konnte kaum erklären, warum diese Eile. Natürlich liebte sie ihre Kinder, genoss die Nähe, die ersten Schritte, die Kulleraugen. Aber im Schatten lauerte jener Gedanke: Jetzt bist du nicht mehr wie Klara. Jetzt hast du etwas, das sie nie haben wird.
Sie wusste um den Irrweg, wollte sich dennoch einreden, ihre Mutterrolle sei ganz ihr eigener Wunsch. Ich tue das für mich, sagte sie sich. Und doch wusste sie insgeheim: Hätte sie von Klaras Schicksal nicht erfahren alles hätte anders laufen können…
*****
Klara saß im flackernden Licht, während die Mutter einmal mehr von Emilias Umwelt erzählte von Problemen, Fehlentscheidungen, leiser Sorge. Mühsam suchte Sabine nach Wegen, zu Emilia durchzudringen.
Als sie endete, sagte Klara ruhig und bestimmt:
Bitte, Mama, erzähl Emilia nichts über mich.
Sabine blickte verwundert auf:
Aber wieso? Ihr seid Schwestern…
Klara atmete schwer, rieb sich die Hände, ihre Entscheidung war längst gereift.
Sie definiert ihr Leben nur noch als mein Gegenteil, erklärte Klara. Jeder meiner Erfolge stößt sie in die andere Richtung. Sie sucht nicht ihren eigenen Weg, sondern läuft nur vor mir davon.
Sabine wollte widersprechen, aber Klara hob eine Hand:
Wenn du ihr helfen willst, dann lass mein Leben aus dem Spiel. Rede mit ihr wie mit einer eigenständigen Person. Ohne Vergleiche. Lass sie einfach sie selbst sein.
Sabine saß still, suchte Halt in diesen fremden, neuen Worten. Es klang logisch und doch war es Schwerstarbeit für ein Mutterherz.
Meinst du, das bringt was? fragte Sabine leise, Hoffnung und Zweifel in der Stimme.
Ich weiß es nicht, gab Klara offen zu. Aber alles andere haben wir versucht. Nimm dich zurück, lass sie alleine ausprobieren vielleicht schöpft sie dann eigene Kraft.
Sabine nickte langsam, obwohl in ihren Augen Unsicherheit lauerte. Sie verstand Klaras Logik aber das Herz einer Mutter findet sich schwer mit Abstand ab.
Ich werde es versuchen, versprach sie, aber es wird hart.
Klara zog ihre Mutter in eine Umarmung.
Für Emilia sonst für niemanden.
Sabine lernte langsam, ihre Worte bewusster zu wählen. Keine Vergleiche mehr, kein Lob auf Klara, keine Maßstäbe, die beide Schwestern gegeneinander aufwiegen. Es war anstrengend, fast unmöglich anfangs, aber dann wurde es mit jedem Tag leichter. Sie begann, mit Emilia einfach nur über Emilia zu sprechen über ihre Pläne, ihre Sorgen, ihre Ideen.
Auch Klara hielt sich zurück, suchte keinen Kontakt, rief nicht an, drängte sich nicht auf. Das tat weh doch sie glaubte fest daran, dass sich Emilia so am ehesten selbst finden würde.
P.S.
Emilias Mann bestand darauf, dass sie professionelle Unterstützung sucht. Schritt für Schritt, ganz langsam, begann Emilia den Weg in ein Leben ohne Schatten ihrer Schwester zu entdecken…





