Die Stunde des Selbstbewusstseins: Wie man in jeder Lebenslage souverän auftritt

Lektionen des Selbstvertrauens

Lara! Ich brauche dringend deine Hilfe! platzte Annalena ins Telefon, kaum dass ihre Freundin abnahm. Ihre Stimme war so zittrig, dass sie sich selbst kaum wiedererkannte. In den Ohren dröhnte ein dumpfes Pochen, als würde jemand unaufhörlich auf eine Trommel schlagen fast übertönte dieser Lärm ihre eigenen Worte. Es ist eine echte Notlage! In zwei Monaten muss aus dieser Raupe ein Schmetterling werden! Und zwar so, dass sich niemand mehr abwenden kann.

Am anderen Ende der Leitung entstand eine lange Pause. Annalena schloss die Augen und sah Lara klar vor sich: Wie sie die Augenbraue hebt, den Kopf leicht zur Seite neigt und das Telefon mit unverhohlener Irritation betrachtet. Innerlich schüttelte Lara sogar den Kopf, als wolle sie das eben Gehörte erst einmal verdauen.

Das ist mal eine Ansage! antwortete Lara schließlich. In ihrem Tonfall lag ehrliches Erstaunen. So schnell… Im Grunde möglich, aber da musst du richtig ran. Was ist denn passiert?

Annalena strich nervös durch ihr langes, aber glanzloses Haar, die Spitzen waren schon lange splissig und hätten dringend einen Friseurbesuch gebraucht. Die Ironie des Moments entging ihr nicht. Jahrelang hatte Lara sie zu Besuchen im Friseursalon, im Fitnessstudio, zu Yoga oder morgendlichen Joggingrunden überreden wollen und Annalena hatte immer wieder einen Vorwand gefunden, dankend abzulehnen. Und jetzt? Jetzt war sie es selbst, die Hilfe suchte und bereit war, alles anzugehen, was sie früher stets abgewehrt hatte.

Erinnerst du dich an den Typen, mit dem ich auf der Dating-App geschrieben habe? begann Annalena, bemühte sich, ruhig zu sprechen, doch die Unsicherheit schlich sich trotzdem in ihre Stimme ein. Sie holte einmal tief Luft, als müsse sie sich Mut zusprechen. Wir haben ewig geschrieben, alles war so toll und dann wollte er mich treffen.

Welcher denn? Laras Grinsen war förmlich zu hören. Annalena wusste genau, welche ironische Bemerkung jetzt gleich folgen würde. Lara machte sich gerne ein wenig lustig über Annalenas Suche nach Mr. Right im Internet und fragte nicht selten aus Spaß, ob sie bald eine Agentur für Traumprinzen eröffnen würde. Annalenas Profilbild war mit Photoshop ordentlich aufgehübscht ein offenes Geheimnis. Lara hatte sie mehrfach darauf hingewiesen, dass die Wahrheit früher oder später eh ans Licht komme. Aber Annalena zuckte immer nur mit den Schultern: “Ach, wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja nie.”

Paul, der große Blonde mit den blauen Augen! platzte Annalena hervor. Der hat dir doch auch gefallen! Du meintest noch, er hätte ein sympathisches Lächeln und einen wachen Blick.

Ah, der. Laras Stimme klang leicht abwesend, als hätte sie das Telefon kurz zur Seite gelegt. Aber Annalena achtete in ihrem aufgewühlten Zustand nicht weiter darauf. Ich erinnere mich. Und jetzt?

Er hat versprochen, zu den Weihnachtsfeiertagen nach München zu kommen! sprudelte es aus Annalena heraus, alles, was sie wochenlang zurückgehalten hatte, brach nun hervor. In zwei Monaten! Stell dir das mal vor. Wir haben so viel geschrieben, wir verstehen uns einfach super… Ich will, dass es kein böses Erwachen gibt, wenn er mich sieht. Auf den Fotos sehe ich halt… nun ja, etwas anders aus. Die Figur stimmt nicht, die Haare sind nicht glänzend genug, und überhaupt…

Annalena spürte jede Sekunde wie eine Ewigkeit verstreichen. Sie sehnte sich nach den Worten Mach dir keine Sorgen, das klappt schon! doch Lara schwieg, und das ließ ihr Herz noch schneller schlagen.

Warum hast du denn dem Treffen zugestimmt? fragte Lara schließlich kritisch. Sie hatte nie einen Hehl daraus gemacht, was sie von virtuellen Bekanntschaften hielt. Wer weiß schon, wer sich hinter all den Bildern tatsächlich verbirgt?

Er hat so gedrängt… gab Annalena leise zu und senkte den Blick, obwohl Lara sie ja nicht sehen konnte. Insgeheim war es ihr unangenehm, wie schnell sie sich hatte überreden lassen. Wir haben so lange geschrieben, er war einfach so aufmerksam, hat so viele Fragen gestellt… Und irgendwann meinte er plötzlich, er wolle mich unbedingt treffen, weil ich ihm so gefalle und er herausfinden will, ob wir ernsthaft eine Zukunft haben könnten. Ich habe ein paar Tage hin und her überlegt, aber dann… ich konnte nicht mehr Nein sagen.

Sie schwieg, biss sich nervös auf die Unterlippe. Paul hatte ihr mehrfach geschrieben, dass er schon lange eine so angenehme und interessante Gesprächspartnerin gesucht habe, und je mehr sie sich austauschten, desto mehr glaubte Annalena, sie könnten wirklich gut zusammenpassen.

Dann mal ran! seufzte Lara, und in diesem Seufzer klang sowohl Entschlossenheit als auch ungewohnte Unsicherheit. Lara war stets diejenige, die anpackte, auch wenn die Aufgabe fast unmöglich schien. Wird kein Spaziergang! Zwei Monate, das ist wenig Zeit, aber wir versuchen es. Nimm dir am besten für ein paar Tage frei nach den ersten Workouts werden dir die Muskeln höllisch weh tun.

Workout? Annalena spürte, wie sich leichte Panik in ihr breit machte. Du meinst echt Gym?

Gym, gesunde Ernährung, Haut, Haare, alles, zählte Lara nüchtern auf, als ginge es um eine Einkaufsliste. Ohne Kombination läuft da nichts. Oder willst du in zwei Monaten dieselbe Annalena bleiben, nur mit frischerem Lippenstift?

Nachdenklich war Annalena still. Die Vorstellung vom Fitnessstudio weckte gemischte Gefühle in ihr einerseits wusste sie, dass es nötig war, andererseits machte es ihr Angst, ständig auf dem Laufband zu schwitzen und mit Hanteln zu kämpfen.

Was, wenn… wenn ich das nicht schaffe? fragte sie leise und war selbst erschrocken, wie kraftlos sie klang.

Du schaffst das, gab Lara bestimmt zurück. Ich unterstütze dich. Aber du musst richtig mitziehen. Es gibt keine Zauberei, Annalena. Ohne Anstrengung passiert überhaupt nichts.

Annalena atmete tief durch, ballte unmerklich die Fäuste und sagte sich im Stillen: Na gut. Wenigstens für ihn will ich das versuchen.

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Die ersten Wochen waren für Annalena eine echte Tortur manchmal glaubte sie, jeden Tag alles hinschmeißen zu müssen. Jeden Morgen klingelte um sieben Uhr der Wecker, und das erste Gefühl war Ablehnung. Sie blieb noch einen Moment liegen, starrte an die Zimmerdecke und redete sich gut zu, heute ein paar Minuten früher aufzustehen als gestern.

Vorerst dauerte das Aufwärmen nur fünf Minuten ein paar Kniebeugen, leichte Dehnübungen, ein paar Armkreise. Sie machte alles im Spiegel, erkannte sich kaum wieder: verschlafen, zerzaust, träge Bewegungen. Doch Lara führte genau Buch: “Morgen sind es zehn Minuten. Nach und nach legen wir drauf.”

Es war hart: Die Muskeln brannten, jeder Schritt auf der Treppe wurde zur Qual, und selbst eine Tasse Tee zu heben, fiel schwer. Doch Lara ließ sie keine Sekunde schleifen per Telefon, per Videochat, persönlich, immer wieder:

Du kannst mehr, sagte sie ernst, während Annalena schweißgebadet und mit hängender Zunge das nächste Set durchkämpfte. Noch eine Runde. Der nächste Monat wird entscheidend!

Annalena biss die Zähne zusammen und zwang sich weiterzumachen. Oft wollte sie alles hinwerfen, lieber im Bett bleiben, etwas Süßes essen, diesen ganzen Kram vergessen. Doch sie erinnerte sich an die Nachrichten von Paul, an seine warmen Worte, an das Versprechen seines Besuchs das hielt sie bei der Stange.

Ihre Ernährung musste sie ebenfalls komplett umstellen. Früher gabs morgens Croissant mit Kaffee oder auf die Schnelle einen Schokoriegel. Jetzt standen Blattsalate mit Olivenöl, gekochte Putenbrust, Vollkornbrot und grüne Smoothies auf dem Plan erste Male würgte Annalena sie fast runter. Sie griff immer wieder instinktiv in den Schrank nach den geliebten Butterkeksen, nur um im letzten Moment innezuhalten. Sie sah vor sich Pauls blaue Augen, sein Lächeln auf dem Foto, sein Versprechen: “Ich freue mich so auf unser Treffen.”

Nur für zwei Monate, redete sie sich selbst zu, während sie Wasserglas nach Salat trank. Zwei Monate gehen schnell rum.

Langsam wuchsen die neuen Gewohnheiten in ihren Alltag hinein. Annalena lernte einfache, gesunde Gerichte zu kochen, entdeckte Smoothie-Rezepte, die ihr sogar schmeckten. Das frühe Aufstehen fiel ihr mit der Zeit leichter, und die bleierne Mittagsmüdigkeit war plötzlich weg. Im Spiegel bemerkte sie, wie die Haut frischer, der Blick wacher wirkte nicht vom Stress, sondern von Bewegung.

Lara lobte ihre Fortschritte inzwischen spürbarer:

Siehst du, langsam wirds! Du bist auf einem super Weg.

Doch Annalena zweifelte immer noch, ob es am Ende reichen würde. Ob Paul beeindruckt davon sein würde? Aber sie machte weiter Tag für Tag, Schritt für Schritt.

Parallel startete Lara mit der äußerlichen Metamorphose: Sie wählte einen empfohlenen Friseur in Schwabing, kein teurer Schicki-Micki-Laden, sondern einer, der wusste, was er tat.

Der Friseur schnitt die lädierten Spitzen ab, passte die Frisur passend zu Annalenas Gesicht an, zauberte neues Volumen und wählte eine sanfte Balayage-Farbe, die den Look auffrischte, aber natürlich blieb.

Beim Kosmetiktermin bekam Annalena gepflegte Nägel, natürlich glänzend lackiert. Ihr gefiel, wie gepflegt, aber nicht übertrieben das Ergebnis wirkte.

Ein erfahrener Visagist zeigte Annalena, wie sie mit dezentem Make-up das Beste aus sich herausholen konnte: leichte Foundation, betonte Brauen, zarter Blush alles so, dass es zu ihr passte. Vieles probierte Annalena selbst, der Visagist erklärte Schritt für Schritt die besten Techniken.

Schau, was für eine schöne Frau du bist! bewunderte Lara sie nach dem Umstyling. In Laras Stimme lag Stolz, nicht nur auf das sichtbare Resultat, sondern auf Annalenas Mut zur Veränderung.

Vorsichtig trat Annalena vor den großen Salonspiegel. Sie blieb stehen, musterte das Spiegelbild. Die Frau, die ihr da entgegenblickte mit eleganter Frisur, frischem Teint, modischer Garderobe hatte nur noch wenig mit der früheren Annalena in Jogginghose und Kapuzenpulli gemein.

Die neuen Routinen setzten sich fest. Annalena wählte bewusst Kleidung, die ihr stand und ihre Bewegung nicht einschränkte. Sie pflegte ihre Haut, trug leichtes Alltags-Make-up. Sie bemerkte, wie ihr auf der Straße häufiger zugelächelt wurde, und im Büro warfen Kollegen ihr neue Blicke zu.

Doch die schwerste Hürde war nicht der Sport, sondern die innere Umstellung. Annalena musste sich erst wieder an die Blicke der anderen gewöhnen. Früher wich sie zurück, neigte den Kopf, wollte so wenig wie möglich auffallen. Jetzt musste sie lernen, den Rücken gerade zu halten, wieder Blickkontakt herzustellen und sogar auf Komplimente souverän zu reagieren.

Am Anfang war das schwierig. Sie versteckte ihre frisch lackierten Nägel unter dem Ärmel, zupfte an ihren Haaren, als wollte sie sich schützen, und lief nervös weiter, wenn ein Blick ihr zu lange folgte. Doch Lara sagte immer wieder:

Du siehst toll aus. Hab keine Angst. Du hast es verdient, bemerkt zu werden.

Mit jedem Tag gewann Annalena etwas mehr Selbstsicherheit. Sie merkte, dass sogar ihre Stimme klarer, sicherer klang, ohne ihre alte Unsicherheit. Und obwohl sie manchmal noch Zweifel spürte, konzentrierte sie sich auf das Positive die Komplimente der Kollegen, die freundlichen Blicke der Passanten, das gute Gefühl in ihrer Haut.

Du musst an dich glauben, sagte Lara immer wieder. Du bist wundervoll, und die Welt sieht das auch. Jetzt hast du noch Zeit, dich wirklich mit deinem neuen Ich anzufreunden.

Eines Morgens holte Marlies aus der Finanzabteilung Annalena auf dem Flur ab, ihr Blick strahlte.

Annalena, du siehst fantastisch aus! Irgendwas ist anders ich kann gar nicht genau sagen, was, aber du hast einen ganz besonderen Ausdruck bekommen!

Annalena errötete verlegen.

Ach, ich hab nur ein bisschen was Neues ausprobiert…

Doch Marlies schüttelte den Kopf:

Nein, es ist mehr! Du wirkst… frisch, irgendwie befreit. Es steht dir bestens!

Auch Sebastian aus dem Vertrieb sprach sie an, mit seinem typischen Augenzwinkern:

Was ist denn mit dir los? Man meint ja, du gehst heute als Model durch! Gib mal deinen Geheimtipp weiter…

Annalena musste lachen und freute sich über die ungewohnt sanfte Aufmerksamkeit. Früher war sie im Büro oft einfach übersehen worden nun blickte man ihr direkt ins Gesicht und suchte das Gespräch.

Besonders auffällig wurde das Verhalten von Michael aus dem Nachbarteam. Früher wechselten sie kaum ein Wort, jetzt plauderte Michael bei jeder Gelegenheit, fragte nach Projekten, schlug gemeinsames Mittagessen vor.

Beim Kaffeeautomaten meinte er eines Tages:

Dein Blazer ist echt schick. Wo hast du den denn her?

Annalena strich über den Stoff und dachte an Laras Beratung.

Der lag schon lange im Schrank, diesmal wollte ich ihm eine Chance geben.

Michael lächelte.

Du wirkst viel selbstbewusster. Gefällt mir.

Annalena nahm das zur Kenntnis, aber in Gedanken war sie immer noch bei Paul. Sie malte sich aus, wie er sie endlich sah und begeistert war. Das motivierte sie besonders an harten Tagen, wenn sie nach dem Training ausgelaugt war oder Heißhunger auf Süßes bekam.

Abends im Bett schlichen sich manchmal düstere Gedanken ein: Was, wenn Paul all ihre Mühen nicht zu schätzen wusste? Doch sie merkte: Ihr Umgang mit sich selbst hatte sich schon verbessert. Und ganz gleich, was noch kam, sie war jetzt eine andere keine, die sich noch verstecken musste.

Lara sah das alles, ihr Herz wurde jedes Mal warm, wenn sie die Entwicklung ihrer Freundin bemerkte. Sie sah, wie Annalena aufrechter ging, wie sie aufgeschlossen Gespräche mit Kollegen führte und vor allem, wie sie Komplimente annahm, erst schüchtern, dann dankbar, dann gelassen.

Eine kleine Sorge nagte dennoch in Lara. Denn in Wahrheit gab es Paul gar nicht. Die ganzen Nachrichten und die sanften Worte, die Annalena immer wieder motivierten, kamen von ihr selbst! Lara hatte diesen Trick aus Verzweiflung angewandt, weil sie zusehen musste, wie Annalena sich mehr und mehr zurückzog. Nun fürchtete sie, ein Nicht-Erscheinen ihres erfundenen Pauls könnte den ganzen Fortschritt zunichte machen.

Auch dafür würde sie sorgen das stand fest.

********************

Eine Woche vor dem geplanten Treffen stand Annalena in ihrem Münchener Schlafzimmer vor dem Spiegel. Sie betrachtete sich aufmerksam. Immer noch hielt sie sich nicht für eine Schönheit, aber nun, nach langer Zeit, sah sie eine Frau, mit der sie sich zeigen konnte.

Sie strich den Blusenkragen glatt, drehte sich seitlich und dachte: Bin das wirklich ich?

Jetzt trat Lara ein. Sie blieb in der Tür stehen, blickte Annalena stolz an und sagte:

Du bist fertig. Er wird hin und weg sein. Du hast zwei Monate durchgezogen und das Wichtigste gelernt: dich selbst mögen.

Annalena nickte, doch in Laras Stimme lag ein versteckter Unterton, als wollte sie noch etwas hinzufügen. Annalena wollte gerade nachhaken, als ihr Handy vibrierte.

Sie blickte aufs Display. Paul hatte geschrieben. Sie las die Nachricht einmal, zweimal, aber der Inhalt blieb: Tut mir leid, ich kann doch nicht kommen. Die Umstände haben sich geändert. Vielleicht ein anderes Mal.

Annalena starrte auf das Display. Alles umsonst? War nun alles hinfällig?

Was ist passiert? fragte Lara vorsichtig.

Er kommt nicht, sagte Annalena leise und zeigte das Handy.

Lara setzte sich neben sie, legte behutsam eine Hand auf ihre Schulter. In ihren Augen lag ein Moment, in dem sich Bedauern mit Erleichterung mischte, doch sie fing sich schnell.

Weißt du, sagte Lara sanft, fast flüsternd, vielleicht ist das sogar besser so.

Wieso, besser so? Annalena sah sie verwirrt an.

Weil du in den letzten zwei Monaten zu einer anderen Frau geworden bist, lächelte Lara, voller Stolz. Du hast Selbstvertrauen gewonnen, dich um dich gekümmert, deine Schönheit entdeckt. Du versteckst dich nicht mehr und traust dich, den Alltag zu genießen. Du schätzt dich selbst.

Lara ließ einen Moment verstreichen, dann fuhr sie fort:

Und weißt du was? Jetzt weißt du: Du hast das Beste verdient. Nicht irgendeinen Paul aus dem Internet, sondern echtes Glück. Einen Menschen, der dich zu schätzen weiß und nicht einfach verschwindet.

Annalena hörte zu und spürte, wie die Worte in ihr zu einer neuen Wahrheit wurden. Ja, Paul kam nicht. Doch sie selbst hatte sich verändert. Und das war viel mehr wert als jede Internetbekanntschaft.

Lara drückte ihre Schulter.

Lass uns heute einfach zu Hause bleiben, Pizza bestellen und einen Lieblingsfilm schauen. Morgen beginnt ein neues Kapitel. Und das wird super, das verspreche ich dir!

Annalena atmete durch und wandte sich mit ungewohnter Entschlossenheit an Lara:

Weißt du was, ich gehe morgen mit Michael ins Theater. Er fragt schon seit Wochen.

Lara lachte hell auf, kam zu ihr und umarmte sie fest.

So klingt die Annalena, auf die ich stolz bin! Und ich bin mir sicher: Das ist erst der Anfang!

Annalena nickte, ihr Herz schlug leicht und aufgeregt. Sie wusste nicht, was sie am nächsten Tag erwartete, aber sie freute sich darauf.

**********************

Am Abend stand Annalena im neuen, extra für diesen Anlass gekauften Kleid vor dem Münchner Residenztheater. Sie strich sich eine Strähne glatt, prüfte den dezenten Lippenstift und spürte Lampenfieber aufsteigen.

In diesem Moment tauchte Michael auf mit einem prachtvollen Strauß roter Rosen.

Du siehst fantastisch aus, sagte er.

Annalena schenkte ihm ein ehrliches, entspanntes Lächeln, frei von jeder Unsicherheit. Sie begriff jetzt: Schön war sie nicht, weil das jemand sagte, sondern weil sie es selber fühlte. Ihr Spiegelbild in der glänzenden Theaterscheibe zeigte eine Frau, die aus Überzeugung strahlte.

Das Stück war kurzweilig, voller Esprit und überraschenden Wendungen. Sie lachten, tuschelten in den Pausen, erspürten dieselben Pointen, genossen das Spiel der Darsteller und sprachen noch lange danach darüber.

Später schlug Michael vor, noch durch die Maxvorstadt zu schlendern. Nun zögerte Annalena keine Sekunde mehr. Unter den Straßenlichtern war München in zartes Licht getaucht, die Luft war kühl und trug den Klang der Stadt. Sie spazierten langsam durch die Straßen einfach so, offen für den Moment.

Annalena spürte Freiheit: Sie war nicht mehr das Mädchen, das sich in zu weiter Kleidung versteckte oder den Blick abwandte. Sie konnte Schritt für Schritt durch die Stadt gehen, das Lächeln erwidern, sich gefallen lassen, dass auch andere Menschen sie schön fanden und es für sich genießen.

Am kleinen Odeonsplatz blieben sie stehen, da sagte Annalena unvermittelt:

Danke.

Wofür? Michael hob erstaunt eine Augenbraue.

Für den schönen Abend. Und dafür, dass ich mich bei dir so leicht fühlen kann.

Lara hatte diese Szene aus der Ferne beobachtet. Sie stand unter den Linden, wollte einfach nur sehen, wie es Annalena ging. Als sie die entspannte, strahlende Freundin sah, zog sie sich lächelnd zurück.

Sie suchte ein gemütliches Café auf, lehnte sich an das Fenster und sah sich noch einmal die Fotos auf ihrem Handy an Vorher und Nachher. Früher: scheue Annalena, blass, verhuscht. Jetzt: offen, gerade, mit lachenden Augen.

Lara hielt beim letzten Bild inne, das Annalena vor dem Theater und Michael mit den Rosen zeigte. Sie dachte nur: “Sie ist wirklich aufgeblüht.”

Plötzlich wusste sie sie musste die Geschichte um Paul niemals erklären. Denn das tatsächliche Ergebnis war wichtiger als der praktische Anstoß. Annalena war jetzt jemand, der sich selbst lieben konnte und das war alles, was zählte.

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Drei Monate später gehörten die Veränderungen längst selbstverständlich zu Annalenas Alltag. Mit Michael verband sie inzwischen mehr als lockere Treffen gemeinsame Unternehmungen, Kochen am Wochenende, Spaziergänge an der Isar, fröhliches Streiten beim Scrabble und ernste Gespräche am Küchenfenster.

Michael schenkte ihr alles, was sie sich immer gewünscht hatte: Aufmerksamkeit, leise Unterstützung, Humor und das sichere Gefühl, sie selbst sein zu dürfen.

**********************

Ein Jahr danach: Annalena stand vor dem großen Spiegel in der hellen Umkleide eines Brautmodegeschäfts und betrachtete sich im weißen Kleid. Es war genau das, was sie sich erträumt hatte fein, schlicht, fließend, mit zarter Spitze an den Ärmeln. Es umschmeichelte ihre Figur, ließ ihr Bewegungsfreiheit und brachte die Haut zum Strahlen.

Lara half ihr, den Schleier zu richten, prüfte letzte Details. In Laras Augen stand echte Freude.

Du siehst atemberaubend aus, flüsterte sie sichtlich bewegt.

Annalena drehte sich zu ihrer Freundin. In ihren Augen mischte sich ein glückliches Leuchten mit der Aufregung des Moments. Sie atmete einmal tief durch.

Danke. Für alles.

Nicht nur für die Hilfe gerade, sondern für die Begleitung auf einem langen Weg. Für Geduld, Mut, Inspiration, für das rechtzeitige Wort einfach dafür, immer da gewesen zu sein.

Da öffnete sich die Tür, und Michael trat ein. Einen Moment verharrte er, blickte voller Begeisterung auf Annalena. Sein Lächeln war warm, ehrlich, so wie sie es liebte.

Du bist die schönste Frau der Welt, sagte er, und kein Hauch von Routine lag darin, nur Liebe und echtes Staunen.

Seine Hand ergriff die ihre, stark und ruhig. Ihre Angst zerrann, als seine Finger sie leicht drückten.

Annalena trat auf ihn zu, spürte ein tiefes, weites Glück. Sie wusste: Sie wurde geliebt nicht wegen einer äußeren Veränderung, sondern um ihrer selbst willen. Für ihr Lachen, ihren Mut, ihre Träume, ihre Herzlichkeit.

Lara trat still beiseite, um das Glück nicht zu stören. Sie wischte sich verstohlen eine Träne weg. Alles war so gekommen, wie es sollte.

Und so blieb am Ende der wichtigste Schatz: Wahres Glück beginnt immer darin, sich selbst anzunehmen und mutig durchs Leben zu gehen alles andere kommt dann von selbst.

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Homy
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Die Stunde des Selbstbewusstseins: Wie man in jeder Lebenslage souverän auftritt
DIE BRAUT