Hast du vor, etwas zu sagen? – fragte sie, während sie in meiner Küche stand

Es ist jetzt etwa anderthalb Jahre her es war Winter und mein Sohn war gerade mal fünf Monate alt. Damals hat mich der Bruder meines Mannes gefragt, ob er und seine Freundin für eine Woche bei uns bleiben dürften. Wie hätte ich da Nein sagen können? Wirklich begeistert war ich natürlich nicht immerhin war mein Baby noch ganz klein, ich war ständig übermüdet, kam kaum zum Essen, und für mich gab es keine Pause. Aber es sind nun mal Verwandte, und es ist schwer, einfach abzulehnen. Vielleicht, so überlegte ich mir, würden sie mir ja sogar ein wenig helfen, ich könnte mich etwas erholen, hätte zumindest jemanden zum Reden, vielleicht gemeinsam einen Tee trinken.

Die beiden kamen dann tatsächlich völlig mit leeren Händen zu uns und blieben eine Woche. Nicht mal ein kleines Rasselchen für meinen Sohn haben sie mitgebracht. Für mich ist das selbstverständlich wenn ich Familien mit Kindern besuche, bringe ich immer eine Kleinigkeit mit. Aber na ja, vielleicht ticken andere Leute da anders.

Warum genau sie Berlin besuchen mussten, haben sie uns gar nicht so richtig erklärt sie hätten “ein paar Sachen zu erledigen”, hieß es nur.

Ich habe mich wie eine richtige Hausfrau gefühlt: gekocht, geputzt, mich um alle gekümmert. Irgendwie erschien alles in Ordnung, aber in all den Tagen, die sie bei uns waren, hat sich die Freundin meines Schwagers nicht ein einziges Mal angeboten, mir irgendwie zu helfen weder beim Kochen, noch beim Putzen, noch beim Baby. Ganz im Gegenteil: Sie verschwand morgens “wegen Erledigungen” und kam erst nachmittags zurück, nur um sich dann auf unser Sofa zu legen, zu entspannen und fernzusehen.

Mein Mann war tagsüber arbeiten, der Freund seiner Freundin hat bis mittags geschlafen, und ich rannte allein mit Baby durch die Wohnung, während sie angeblich ihre Besorgungen machte. Überall Matsch und Schneematsch auf dem Boden, draußen typisch deutscher Winter, alles schmutzig ich putzte, kochte, wusch Windeln, fütterte mein Kind. Und sie? Lag auf dem Sofa.

Nach drei Tagen hatte ich einfach genug! Ich sprach mit meinem Mann darüber, aber er zuckte nur mit den Schultern “Da will ich mich nicht einmischen, ist Frauensache.” Am vierten Tag gingen Schwager und Freundin dann ganz fröhlich ins Kino. Mein Mann kam von der Arbeit und gemeinsam kochten wir noch schnell etwas, bevor die beiden wieder kamen. Sie schleppten haufenweise Bier und Snacks an, aber natürlich keine Kleinigkeit für die stillende Mutter im Haus noch nicht einmal ein Stück Kuchen.

Sie aßen genüsslich mit uns zu Abend und zogen dann wieder los ins Kino. Unterdessen riefen sie meinen Mann nochmal an, ob er nicht doch noch mitkommen wolle und ich saß wieder allein zu Hause. Da hat es mir gereicht und ich habe sie zur Rede gestellt:

Entschuldige bitte, aber könntest du mir nicht wenigstens einmal helfen? Ich habe ein Kleinkind, bin dauernd müde du könntest doch wenigstens mal Kartoffeln für die Suppe schälen oder dich wenigstens anbieten, mit anzufassen.

Ihre Antwort hat mich wirklich umgehauen: Willst du mich etwa dafür bestrafen? Das finde ich nicht in Ordnung. Ich bin auch müde. (Wovon eigentlich? Vom Nichtstun auf der Couch?)

Ich habe ihr dann ganz ruhig gesagt: Du, pass mal auf, das ist meine Wohnung. Nicht ich bin dein Gast, sondern du bist mein Gast.

Da ist sie richtig ungehalten geworden: Ich werde mir das gar nicht erst anhören!

Weißt du was pack deine Sachen und geh bitte!

Die beiden haben dann tatsächlich ihre Tasche gepackt und sind abgezogen. Ich habe danach noch lange aus Frust und Ärger geweint.

Was meint ihr ist es normal, dass sich Gäste so verhalten?

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Homy
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