„Ich habe jede Menge Hefte!“ – So begleiteten wir die Lehrerin unseres Sohnes zur Schule.

Vor einigen Jahren sind wir in ein neues Viertel gezogen. Früher besuchte mein Sohn die Schule beim alten Hof. So häufig, dass es irgendwann unangenehm wurde und wir beschlossen, eine Schule näher am Zuhause zu suchen.

Wir fanden eine Schule, etwa anderthalb Kilometer entfernt. Da ich von zu Hause aus arbeitete, konnte ich es mir leisten, meinen Sohn zur Schule zu bringen und wieder abzuholen, meist mit dem Auto. Die neue Schule war sehr modern, ständig gab es neue, interaktive Projekte. Die Lehrkräfte waren freundlich, ich traf sie bei Elternabenden. Besonders hatte es mir Helene angetan, die Deutsch unterrichtete. Sie war gleichzeitig die Klassenlehrerin meines Sohnes.

Es stellte sich heraus, dass sie gleich nebenan wohnte. Nach dem Schulwechsel meines Sohnes trafen wir Helene gelegentlich im Park, auf dem Marktplatz oder im Bäcker. Eines Morgens, als ich aus dem Haus trat, kam sie direkt auf mich zu alles war wie in einem nebligen Traum. Es war früh, also wusste ich, dass sie auf dem Weg zur Schule war. Ohne zu überlegen bot ich ihr an, sie mitzunehmen.

Helene, steig doch ein Johann ist schon startklar, dann fahren wir gemeinsam zur Schule.

Kurz gesagt, sie nahm die Einladung an. Es war mir kein Aufwand. Wir fuhren los, sie bedankte sich und verschwand im Schulgebäude. Johann war sichtbar peinlich berührt, eine Lehrerin zur Arbeit zu chauffieren. Ist es wirklich schlimm, Lehrer zu kennen?

Das Ganze wiederholte sich einige Male, ganz zufällig ließ ich Helene zur Schule fahren. Erst später bemerkte ich, dass dieses Muster nicht recht wahrscheinlich war.

Noch zwei, drei weitere Male nahm sie zufällig meinen Fahrdienst in Anspruch. Im April bekam ich eine SMS.

Guten Morgen. Fährst du zur Schule?

Die Nachricht war von der Klassenlehrerin. Ich schrieb zurück, dass wir fahren. Beim Blick aus dem Fenster sah ich, wie sie schon neben dem Auto auf und ab hüpfte. Mein Sohn war mit dieser surrealen Wendung überfordert. Ehrlich gesagt, war auch ich verlegen. Wir gingen zur Garage.

Ich bin wirklich glücklich, heute mit dem Auto zu fahren! Ich habe alle drei Pakete Hefte dabei so schwer, kaum zu tragen.

Ich konnte nicht Nein sagen. Aber es war klar, dass so etwas keine Dauerlösung sein konnte. Eine Entscheidung musste her. Die Lehrerin war eindeutig dreist geworden. Also setzte ich einen Köder aus:

Helene, wie wäre es, wenn wir uns morgen zur selben Zeit treffen, keiner muss auf den anderen warten, und wir nehmen dich wieder mit.

Insgeheim hoffte ich, sie würde höflich ablehnen.

Oh, das ist wunderbar! Dann kann ich jeden Tag zwanzig Minuten länger schlafen! So machen wir es ich bin täglich um 8:00 Uhr bei dir!

Was für ein Geschäft… Johann war genervt, ich spürte, er mochte das nicht. Jetzt grübele ich, wie ich aus der Sache wieder herauskomme. Vielleicht gehe ich zurück ins Schreibwarenbüro mir fällt kein triftiger Grund ein, die Fahrten abzulehnen Euro hin oder her, Lehrer sind manchmal wie Traumgestalten, die sich nicht vertreiben lassen.

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Homy
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Die Kreuzotter