Mein Vater verbot mir, meine Tochter mitzunehmen, weil er befürchtet, ich sei zu nachsichtig mit seiner Enkelin.

Weißt du, mein Vater hat mir tatsächlich mal verboten, meine Tochter auf den Arm zu nehmen, weil er Angst hatte, ich sei zu fürsorglich zu seiner Enkelin. In letzter Zeit hat meine Kleine ja damit angefangen, durch die Wohnung zu krabbeln, und jedes Mal, wenn ich den Raum verlasse, krabbelt sie mir hinterher, einfach nur in der Hoffnung, dass ich sie hochnehme. Draußen meinte mein Vater dann zu mir, ich soll sie nicht verwöhnen, sie würde schon lernen, alleine klarzukommen, wenn sie eben mal auf dem Boden bleiben muss. Aber ganz ehrlich ich kann einfach nicht anders, als meine Tochter immer wieder in die Arme zu schließen. Und manchmal frage ich mich dann, ob ich nicht vielleicht wirklich zu beschützend bin.

Ich weiß selber, dass ich oft extrem sanft zu ihr bin, sie beruhige, wenn sie weint, sie überschwänglich mit Zuneigung überschütte und fast nie mit ihr schimpfe. Vielleicht liegt das daran, dass ich ihr all das geben will, was mir als Kind gefehlt hat. Meine Mutter ist gestorben, als ich noch ganz klein war, und ich habe meine leiblichen Eltern nie kennengelernt. Ich bin dann in einem Kinderheim in München aufgewachsen, bis meine jetzigen Eltern eigentlich die Familie meines Cousins erfahren haben, was los ist und mich zu sich geholt haben. Sie haben mir damit ein neues Zuhause geschenkt.

Am Anfang war es echt schwierig für mich. Mein Adoptivvater war oft ziemlich unnahbar, und meine Adoptivmutter hat Tag und Nacht gearbeitet, damit es uns einigermaßen gut geht für liebevolle Momente blieb da wenig Raum. Ich habe immer gespürt, dass sie mich mögen, aber sie konnten es einfach nicht zeigen. Also habe ich irgendwann damit angefangen, mir meine eigene kleine Fantasiewelt auszumalen. Da war ich ein geliebtes, strahlendes Mädchen quasi wie eine Prinzessin in meinem eigenen Reich voller Liebe.

Als ich älter wurde, hatte ich immer dieses Bedürfnis nach Anerkennung und Zuneigung, vor allem in Beziehungen. Ich habe mich an jeden noch so kleinen Funken von Liebe geklammert und war fünf Jahre lang in einer Beziehung, die mir nicht gutgetan hat, einfach aus Angst, nie wieder Liebe zu finden. Mein Mann, der wirklich sehr einfühlsam ist, weiß einiges aus meiner Vergangenheit und steht immer an meiner Seite, aber er kennt längst nicht die ganze Geschichte. Und trotz meiner eigenen Erlebnisse kann ich es nicht lassen, meine Tochter fast schon mit Liebe zu überschütten. Ich finde einfach, sie hat es verdient, mehr Liebe abzubekommen, als ich damals bekommen habe. Oder?

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Homy
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